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Central-Verein-Zeitung · 1936-04-30 · 18 (30.4.1936) · p. [Seite]

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
15 (1936) - farbig
Issue
18 (30.4.1936)
Date
1936-04-30
Page
[Seite] (sequence 16)
Language
German
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Jn der die größte Ansammlung Non Juden auf dem ganzen^ Erdball besteht. Dort leben soviel jüdische Menschen, wie in Deutschland, England, Frankreich, der Tschechoslowakei, Oesterreich, Italien und den Ländern des Balkans (ohne Rumänien) zusammen, in Nelv-chork wohnen mehr Juden als in Afrika und Asien zusammen. :n New-Pork leben fünfmal soviel Juden als gegenwärtig in Palästina insgesamt! Die Verteilung der Juden über die einzelnen Stadtteile von New-Pork ist sehr verschieden. Heber 45 Prozent von ihnen wohnen in B r o o k- , l h n — fast 800 000 —, etwa je ein Viertel der Juden in Manhatta'n und Bronr, die restlichen 5 Prozent Zusammen in Queens und Richmond. Die jüdische Quote innerhalb der einzelnen Stadtteile ist sehr unterschiedlich. Die größte jüdische Dichte ergibt sich für B r v n x. wo unter 100 Einwohnern 45 Juden wohnen. An zweiter Stelle folgt B r o o k l h n : hier sind 35 Juden unter 100 Einwohnern. In M a n h a t - tan gehören über 25 Prozent der Bewohner zur jüdischen Glaubensgemeinschaft, die Quote verringert sich wesentlich in Q u e e n s , wo die jüdische Bevölkerung 9 Prozent darstellt, in Richmond sinkt sie weiter auf 5 Prozent ab. In B ro n x ist beinahe jeder zweite Bewohner Jude, im Stadtteil Brooklyn ist jeder dritte Bewohner Jude, in Manhattan jeder vierte, in Queens jeder zehnte und in Richm o n d jeder z w a n z i g st e. Legion ist die Zahl der verschiedenartigsten gesellschaftlichen, landsmannschastlichen, geistigen, religiösen und sportlichen jüdischen Institutionen in New-Pork, ein jüdisches Lebenszentrum von ungeheurer Intensität hat jahrtausendealter jüdischer Neberlieserung in der neuen Welt zum Ansehen verholfen, das die jüdische Kultur nach ihrem Anteil an dem geistigen Aufbau der 'Menschheit für sich beanspruchen zu dürfen glaubt. Es führt in diesem Rahmen zu i^eit, ans die statistischen Größenordnungen einzugehen, die einen quantitativen Maßstab für das geistige, kulturelle und sozial-jüdische Leben in New-Aork geben. Es sei hier vielmehr auf einen hervorragenden Aufsatz hingewiesen, den Dr. Carl Landauer in der Zeitschrift „Ter Morgen", Heft vom September/Oktober 1935, über die jüdische Situation in den USA veröffentlicht hat. Die zweitgrößte jüdische Gemeinschaft der Vereinigten Staaten befindet sich in Chicago, wo nach dem neuesten Stande etwa 325 000 Juden leben. Chicago ist die zweitgrößte Stadt der Vereinigten Staaten mit rund 3,4 Millionen Einwohnern, so daß die jüdische Einwohnerschaft einen Anteil von knapp 10 Prozent beansprucht. Die drittgrößte Stadt in USA. ist Phi ha- I p h i a mit knapp 2 Millionen Einwohnern, es hat eine jüdische Volkszahl von gegenwärtig rund 275 000 Menschen, das sind fast 14 Prozent. In der Größenordnung der jüdischen Massen folgt an vierter Stelle Boston, wo etwa 90 000 Juden unter rund 800 000 Einwohnern leben, also etwa 11 Prozent der Stadtbevölkerung. 85 000 Juden leben in Cleveland, sie stellen etwa 9 Prozent der fast 900 000 Einwohner dieser Stadt dar. Die viertgrößte Stadt der Vereinigten Staaten, Detroit, mit fast 1,6 Millionen Menschen, ist die Stadt mit der sechstgrößten jüdischen Gemeinschaft; sie umfaßt 75 000 Köpfe. Der Prozentsatz der Juden liegt also hier bereits innerhalb einer Größenordnung, die auch für mittel- und westeuropäische Großstädte gilt: unter 5 Prozent. In Baltimore leben rund 70 000 Juden unter rund 800 000 Einwohnern. Hier ist die Quote wieder erheblich höher, sie liegt nahe bei 9 Prozent. In Los Angeles in Kalisoritien. der sünftgrößten Stadt der Vereinigten Staaten, mit 1,25 Millionen Einwohnern, haben sich 70 000 jüdische Menschen niedergelassen, das sind etwas über 5 Prozent, in N e w a r k 67 000, das sind 15 Prozent. In Pittsburgh, einer Großstadt von knapp 700 000 Bewohnern,, wohnen 55 000 Juden, also knapp 8 Prozent. Eine einzige Stadt, nämlich St. Louis, hat noch mehr als 50 000 jüdische Menschen, sie machen 6 Prozent der 850 000 Einwohner aus. Damit sind die elf größten jüdischen Gemeinschaften der Vereinigten Staaten in ihrer jüdischquantitativen Bedeutung aufgeführt; abgesehen von New-Pork leben in zwei von den genannten Städten jüdische Menschenmassen zwischen 100000 und 500 000 Köpfen, in acht Städten bewegt sich die Größe der jüdischen Gemeinschaften zwischen 50 000 und 100 000 Menschen. In folgenden 12 Städten der Vereinigten Staaten liegt die Zahl der jüdischen Einwohnerschaft zwischen 20 000 und 50 000: rn San Francisco, Hartford, Milwaukee, New Haven, Rochester, Pater» son, Minneapolis, Kansas City. Buffalo, Promdence, Cincinnati und in Chelsea. Um die außerordentliche städtische Konzentration der Juden in den USA noch mit einigen summarischen Zahlen zu belegen, sei ergänzend zu den vorhergehenden statistischen Feststellungen hinzugefügt, daß in weiteren 33 Städten — außer den bereits namentlich ausgesührten 23 — die Zahl der Juden zwischen je 8000 und 20 000 liegt und in weiteren 72 Städten zwischen je 2000 und 8000 Juden leben. In weiteren 165 Städten der Bereinigten Staaten sind kleinere jüdische Gemeinschaften beheimatet, und zwar je 500 bis 2000 jüdische Menschen, in weiteren 330 Städten wohnen je 100 bis 500 Inden und schließlich in weiteren 163 kleineren Stndtgeineindon weniger als je 100. Es gibt also in fast 800 Städten des verschiedensten Großenausinaßes jüdische Gemeinschaften, außerdem leben Jude» in 85 ländlichen Gemeinden der UTA. Die G e s a m t z a h l d e r jüdischen Hauptgemeinden liegt damit insgesamt bei über 870, diesen jüdischen Hauptgemeinden sind über 8800 kleinere jüdische Gemeinden nachgeordnet. Es liegt also die Gesamtzahl der jüdischen Haupt- und Nebengemeinden in USA von der Zahl 10 000 nicht weit entfernt (genau 9712). So unwahrscheinlich hoch auch die großstädtische Konzentration der Juden ist, so uneingeschränkt ist trotzdem die geographische Zerstreuung über die gewattigen Landstrecken der Vereinigten Staaten. Trotz des starken Uebergewichts der jüdischen Mittel- und Großstadtbcwohner sind die Zahlen der jüdischen Menschen die in kleineren Städten, in Dörfern oder in nicht eingemeindeten. Farmen leben, absolut betrachtet, recht beachtlich. So leben in amerikanischen Landstädtchen, deren Einwohnerzahl zwischen je 5000 und 10 000 Köpfen liegt, etwa insgesamt 42 000 Juden, in Kleinstädten zwischen 2500 und 5000 Einwohnern leben insgesamt rund 32 000 Juden, in Dörfern und Landplätzen unter 2500 Einwohnern haben 43 500 Juden ihre Heimat gefunden lind schließlich leben in nicht eingemeindeten Territorien mehr als 66 000 Juden; gemessen gn der Gesamteinwohnerzahl der nicht eingemeindeten Gebiete stellt die letztgenannte Ziffer eine Quote von 1,8 Prozent Juden dar. Je nach dem Charakter, der durch die Gliederung von Stadt und Land jedem der Einzelftnaten der USA gegeben wird, bestimmt sich im wesentlichen anch die jüdische Quote. Es wurde bereits erwähnt, daß die Gesamtzahl der 1926/27 in den USA festgestellten Juden mit rund 4,3 Millionen Juden eine Quote von 3,6 Prozent darstellte. Betrachtet man die einzelnen Bundesstaaten, so zeigt sich, daß dieser Durchschnitt keineswegs ein typischer ist: denn in 28 der 48 Staaten beträgt sie über 5 Prozent. Entscheidend für die jüdischen Bolksmässen in der Stadl New-hork und damit tut Staate New-Pork, in dein allein 45 Prozent aller Juden der USA leben; gemessen an der Gesamtbevölkerung des Staates Nerv- Pork beziffert sich die jüdische Gesamtbevölkeruug auf 16,7 Prozent, also jeder 6. Staatsbeivohner ist Jude. Diesem außerordentlich hohen Prozentsatz für eine Staatseinheit steht als niedrigster ein jüdischer Bevölkerurrgsanteil von 0,2 Prozent tut Staate Idaho im Nordrvesten des Landes gegenüber, ein nur wenig besiedeltes. Gebiet, das von Felsengebirgen durchzogen ist. Zwischen diesen beiden Polen — 16,67 Prozent und 0,2 Prozent bewegt sich die Quote der jüdischen Bevölkerung in den einzelnen Bundesstaaten von USA. vr. E. R—*. Kulturelle Veranstaltungen in Berlin und im Reich Eine jüdische Tanzgruppe Das Bemühen um eine jüdische Tanzkunst, um eine Tanzkunst also, aus jüdischen Wesenselementen gebildet, ist nicht neu. An dem Abend, den die innge Berliner Tanzgruppe Ilse Vordemberges veranstaltete, zeigte sich die Verbindung wenn nicht mit jüdischer Tradition, so doch miljüdischem Schicksal und Lebensgefühl zunächst nur in den Einzelleistungen; und dies ist wohl orä und also natürlich, denn erst an gesicherte eistungen kann sich die Gruppenarbeit ankristallisieren. Wie etwa in Lotte Goldmanns „Anklage" stille Erschütterung, die vom klagenden Blick her die Bewegung entfacht, sich durch einen gepeitschten Drehtanz hin zur Verzweiflung steigert, nm dann leise zu verklingen und mit einem Hinstürzen auf die Knie abzuschließen, dys ist nicht bloß eine Talentprobe, sondern ein ernsthafter Versuch, erlebtes Schicksal zu gestalten. Wieweit in der Formgebung von jüdischer Thematik, jüdischer Linienführung gesprochen werden könnte, diese schwierige Frage mag vorläufig bei Lotte Goldmann wie bei ihren Kameradinnen unentschieden bleiben. Obwohl man gerade die sanft singende Melodik, die aus Lotte Auerbachs beiden Solotänzen spricht, aus ihrem demütig-feierlichen >,Gebet" wie aus ihrem gedämpft schwingenden „Wiegenlied" als sehr orientalisch empfindet. Dorothea Krauses „Jemenitischer Tanz" dagegen ist zwar zu altjüdischer Musik komponiert, und das Hauptmotiv des Mittelteils, das Drehen erst der einen, dann der anderen Hand und die daraus -abgeleitete Körperdrehung hat einen sehr persönlichen Klang und wird in der immer" stärkeren Beschleunigung tänzerisch höchst fruchtbar gemacht; aber der sehr eindrucksvolle' Ausbau des 'Tanzes ist ganz westlich orientiert: womit gegen diesen Tanz als Leistung — künstlerisch vielleicht die beste Leistung des Abends — nichts gesagt sein soll. Das Neue (in diesem Falle: das Jüdische, also das Uralte) wird, als künstlerische Atmosphäre, langsam sich verdichten müssen, ehe es künstlerisch wirksam werden kann. So zeigt auch Ilse Vordembergcs „Bettlerin" zunächst nur eine gute Bewegungsschulung, die in den verschiedensten Gangarten vorgetragen wird. Die Gruppentänze hielten sich im Rahmen dessen, was heute in den ver- , schied men Stilen des Theatertanzes üblich ist, und zeigten glückliche Ansätze zu gruppenmäßiger Disziplinierung. Natürliche Tanzlust und Spielsreude verhalsen hier zu ansprechender Belebung konventioneller Formen. Unsicher waren die Tünerinnen dagegen der Bach-Suite gegenüber gelieben. Sie glaubten, die drei Tänze durch den Wechsel der Hand- und Armführung unterscheiden zu können; gerade darum wirkten sie blaß. Hier müßte die ganze Lebendigkeit des Körperschwungs so bestimmt wie möglich und so einfach wie möglich (mit geringster Gestikulation) eingesetzt werden, um den Gegensatz der Rhythmen herauszuarbeiten und damit ihre Spiegelung im Tanz zu rechtfertigen. Am Flügel begleitete umsichtig Erna Fenche'l. Der Abend bleibt ein interessanter und wichtiger Versuch, dem Kunsttanz neue Ziele zu weisen. Konzerte und Vorträge Nun ist Joseph Schmidt, der Langerwartete, zu uns gekommen. In der dichtgefüllten Philharmonie hat er sich mit nonchalanten, sympathisch einfachen Gesten für den stürmischen Beifall eines zugabewütigen Publikums bedankt. Das Programm: deutsche Romantik, italienischer bei esnto und dann die Lieder, die durch den Aether und durch die Schallplatten „um die Welt" gingen und ihm seine Hörer schon im voraus gewannen, Das alles singt Schmidt in einem eigenen Stil, Joseph Schmidt Fat. Abraham, Berlin «MM der immer ans das Lyrische deutet und auch bei starken dramatischen Spannungen nicht aus einer weichen, oft sanften gesanglichen Linie füllt. Frappant ist die Leichtigkeit dieses Singens in allen Lagen. Ein Beispiel für viele: Das berühmte und vielgelästerte „hohe C", sonst oft nur mit Anstrengung geschmettert und herausgepreßt, nimmt Schmidt mit unauffälliger Selbstverständlichkeit, innerhalb der lockeren Koloratur eines italienischen Liedchens. Damit und mit der weltmännisch großzügigen Art des Vortrags, mit der besonders im Zarten unendlich modulationssähigen, wenn auch etwas verschleiert und belegt klingenden Stimme wurden alle die entschädigt, die auch im KoNzertsaal den Stimmglanz der unvergleichlich schönen und schöneren Schallplatten teilweise vergeblich zu hören hofften und die ferner meinten, daß manche überkultivierte Nuancen und Freiheiten im Liedteil kaum motiviert und angebracht waren. Als sehr schöne Gabe sei aber die „Liebestrank"-Arie genannt. Die Schwierigkeit der an sich ganz leichten Klavierbegleitungen bestand darin, der freien Darstellung des Sängers nachzugehen und nachzugeben. Leo Taubmann machte das mit gewohntem Geschick. L. A. Alexander Kipnis haben wir kaum je in so großartiger Form gehört wie in seinem letzten Berliner Konzert. Ein Grandseigneur im Reiche der Kunst sang da sein Repertoire, und auch schon öfter von ihm Gehörtes wird zu erneutem Erlebnis. Dieses Wort kennzeichnet allein die suggestive Wirkung, die an diesem Abend von Kipnis ausging. Die herrliche Stimme im einzelnen und kritisch betrachten, ist überflüssig und hieße, einen einzigartig geschlossenen Eindruck nachträglich analytisch zerpflücken. Erstaunlich das alles bei der äußersten Vornehmheit und Sparsamkeit des Ansdrucks, namentlich bei Volksliedern. Ein verstohlener Blick, ein Lächeln, ein andeutendes Wippen des Körpers: Szene und Situation erstehen. Wie selten kann ein tausendköpfiges Publikum bei einem Schubert-Lied zu einer so andächtigen Totenstille gezwungen werden! Vielleicht sein Bestes aber gab Kipnis nach dem „offiziellen" Programmteil mit der Zugabe der Mozartschen Registerarie: hier wurde ans alle Gesichter im Saale das gleiche verstehend-amüsierte Lächeln ge- ' zaubert. Am Flügel wieder der unermüdlich und sorgsam folgende tzeo T a u b m a n n. L. A. Gute Musik im Dienste einer guten Sache: das war der Eindruck von einem Hauskonzert der Berliner Jüdischen K ü n st l e r h i l f e zugunsten ihres Damenkomiteefonds. Das Streichorchester der Künstlerhilfe, von Dr. Hermann Schildb e r g e r sorgfältig geleitet, bestritt den Abend mit teilweise selten gebotenen, aber gern gehörten Werken von Meistern des 18. Jahrhunderts und fand eine aufmerksame und sehr dankbare Zuhörerschaft. Gertrud Wertheims Cemtalospiel, das vor allem in zwei schönen Konzerten (Bach D-moll und Dittersdorf A-dur) zur Geltung kam, merkt man ein besonders hohes Maß künstlerischer Reife und Überlegenheit an. Ausdrucksvoll sang Helga Hertz das Sopransolo einer Pergolese-Kantate. Im übrigen gab es Kammerorchesterwerke von Vivaldi, Händel und Mozart. Ein erlesenes Programm. E. G. L. Ein vom Jüdischen Kulturbund Düsseldorf anläßlich des 50. Geburtstages Heinrich Schalits in der Synagoge veranstaltetes Festkonzert verdient als Höhepunkt des Konzertwinters bezeichnet zu werden. Unter der künstlerischen Leitung von Erwin Palm hörte man des Komponisten 29. Psalm für gemischten Chor mit Orgel und die Kantate „Die Lobpreisungen Israels" für Chor, Bariton- und Altsolo. Während der Chor bei dem ersten, dem Gehör durch seine überstrengen Harmoniesolgen nur schwer eingehenden Werk nicht jeden Wunsch an Reinheit der Intonation und Präzision der Einsätze zu erfüllen vermochte, brachte er die Kantate schön und abgerundet zum Vortrag. Der Aufführung liehen Dr. Josef Elk an mit seinem vollen, weichen Bariton und Ruth Kisch-Arndt durch ihre verinnerlicht herrliche Altstimme prächtige Unterstützung. Wahrhaft ergriffen aber wurden die Zuhörer von den „Chassidischen Tänzen", einer Suite für Solovioline und Klavier, die Erwin Palm, der rege und verdienstvolle Vorkämpfer Schalitschen Musikschaffens, zur Uraufführung brachte. Bessere Interpreten als Ernst Drucker, der mit virtuoser Technik und edlem, spontan an die Seele rührenden Ton die schwierige Ausgabe meisterte, und Erwin Palm als kongenialem Begleiter am Flügel hätte sich der Komponist für den Geburtstag seines Werkes nicht tyünschen können. Ausgabe der jüdischen Kulturvereinigungen sollte es sein, dieser arteigenen, gottsucherischen Musik die Wege zu ebnen, zumal Schalit zu den wenigen zeitgenössischen Schassenden gehört, die sich die Wiederbelebung jüdischer Tonkunst angelegen sein lassen. Ruth Kisch-Arndt sang noch Lieder von Schubert und hebräische Lieder, und Ernst Drucker erfreute mit Stücken von Kreisler und Zarzycki, beide Solisten begleitete einfühlsam Erwin Palm. Der Orgelpart der Chorwerke wurde von Irma B e n d h e i m, Frankfurt a. M., zuverlässig be« trent. j. c. Der Münchener Kulturbund hatte Edith H e r r n st a d t - O e t t i n g e n zum zweitenmal zu einem Rezitationsabend gewonnen. Die Veranstaltung wurde zu einer Weihestunde stärksten Erlebens. Das zahlreiche Publikum gab seiner Bewunderung für die eindrucksstarke Leistung Ausdruck. L—mm. Der Hamburger Kulturbund gastiert« mit „Meine Schwester und ich" von Berr und Verneuil im Breslauer Kulturbund (über die Hamburger Ausführung berichtete die C.-V> Zeitung in Nr. 13 vom 26. März). Das Ensemble (Liselotte Cohn, Edith Hertzlik, Carl Heinz Ja ff ö, Fritz Melchior, Kurt Appel» . Julius Kobler, Max Wächter) ist prächtig aufeinander eingespielt, die Regie Dr. Hans Bux» b a u m s vortrefflich. Die Benatzkysche Musik betreuten Kurt Behrens, Hamburg, und Heinz H e i l b o r n, Breslau, an zwei Klavieren, die entzückenden Bühnenbilder stammten wiederum von Alfred Müller, die aparten Kostüme' von Küte F r i e d h e i m. Das Gastspiel hatte großen Erfolg. Schw. Von der Berliner Kulturbundoper Am Dirigentenpult der Aufführung von „Samson und Dalila" saß an einigen Abenden Ernst Ewald Gebert, dem unser Musikleben eine Reihe sorglich einstudierter Einzelberanstaltungen zu danken hat. Auch in der großen Oper ist sein Streben nach makelloser Sauberkeit unverkennbar. Mit sicherer, gemessener Zeichengebung und ungewöhnlich diszipliniert leitet er Orchester upd Sänger, wobei er den Intentionen einer bedeutenden Künstlerin wie Susanne Loewenstein feinfühlig zu folgen weiß und gleichzeitig die orchestrale' Begleitung mit Verzicht auf Effektwirkungen zu farbiger Untermalung ausgestaltet. Die Musiker selbst, die sich der stützenden Öbhut von Akt zu Akt mehr bewußt wurden, und das Publikum riefen schließlich den Dirigenten wiederholt vor den Vorhang. Kai. * Das Wort des jungen Robert Schumann, das Beethovens Vierte Sinfonie die „griechischschlanke" nannte (im Gegensatz zur „römischen" Ero.ica), hatte vermutlich den Anlaß gegeben, einige Abende der „Antigone"-Aufführung des Berliner Kulturbundes mit ihr statt mit Bach und Rosenmüller einzuleiten. Der Ausspruch bezieht sich aus die schöngeistige Architektonik' des Werks, während der ohne Vorlage dirigierende Werner Seelig-Baß mit leidenschaftlicher Vehemenz bemüht war, auch eine inhaltliche Verbindung mit dem klassischen Tragiker durch energische Gegenüberstellung der Kontraste und Hervorheben der elementaren Kraftnatur Beethovens aufzuzeigen. Das abgeklärte Adagio, mit seiner plastischen Linienführung und instrumentalen Filigranarbeit berühmter Prüfstein für Dirigent und Orchester, mußte bei solcher Auslegung an Durchsichtigkeit einbüßen, dagegen erhielten die Einsätze durch das Herausarbeiten der prägnanten Thematik ungestümen, mitreißenden Schwung tut* damit die ihnen gemäße Darstellung. Kai. Das Sinfoniekonzert des Orchesters der Künstlerhilfe der Jüdischen Gemeinde Berlin ist auf den 7. Mai, 20 Uhr 15 Min., verlegt, Schumann-Saal. Lützowstraße 76. Dirigent: Ernst Ewald Gebert; Solisten: Susanne Loewenstein (Gesang); Werner LY we n (Violine). *

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