Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936) - farbig
- Issue
- 18 (30.4.1936)
- Date
- 1936-04-30
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 18 * 4. Beiblatt 30. April 1936 Palästinas „junge“ Industrien Von unserem L. B.-Sonderberichterstatter Die Liste der Zollerhebungen, die die palästinensische Maudatsregierung Anfang Februar veröffentlicht hat, gibt zugleich einen Ueberblick darüber, welche Industriezweige das .Wirtschaftsdepartement zu schützen gewillt ist, das heisst, welche Unternehmungen in der Lage gewesen sind, ihre Ansprüche auf Schutz wirksam zu begründen. Die Zolleinnahmen haben bisher ausgereicht, auf der Basis der alten Sätze der Regierung so grosse Einnahmen zu verschaffen, wie sie wohl relativ zu den Ausgaben keine Regierung der Welt hat, sie sind also reine Erzi ehungszölle mit dem einzigen Zweck, der heimischen Industrie einen Preis zu sichern, der ein gewisses Uebergewicht über die eingeführten Waren lässt und der so eine erhöhte Ausnutzung der Kapazität gestattet. Dabei ist offenbar in jedem Einzelfall .eine scharfe Prüfung erfolgt, ob der Zollschutz tatsächlich notwendig ist. Die Liste der Waren umfasst in erster Linie Erzeugnisse aus dem Gebiet der Kleineisen- und Metallwarenindustrie, einige elektrische Artikel, schliesslich eine ganze Reihe von Textilprodukten in verarbeitetem Zustand. Damit sind, von einigen Spezialerzeugnissen abgesehen, auch fast alle die Industriezweige erfasst, die in den letzten Jahren Bedeutung erlangt haben und die man neben den „alten“, aus den Gegebenheiten des Landes entstandenen als die „jungen“ Industrien bezeichnen -kann. Es handelt sich bei ihnen fast immer um Produktionen, die aufgenommen wurden, nachdem sich im Lande eine gewisse Nachfrage gezeigt hatte und die also von vornherein für den Binnenmarkt arbeiten wollten. Ausgenommen ist hier nur ein grösseres, aber auch schon älteres Unternehmen, die 1927 errichtete Fabrik künstlicher Zähne, American Porcelain Tooth Co. Ltd., deren Umsatz 30 000 Pfund Sterling überschreitet und die fast ganz für den Export arbeitet. Sie ist eine Gründung der amerikanischen Familie Bloom; vermutlich ist der Zweck der Gründung weniger der gewesen, Gewinne zu erzielen, als in Palästina ein Unternehmen entstehen zu lassen, das jüdischen Menschen Arbeit gibt. Aehnliche Gesichtspunkte mögen auch bei einigen Unternehmungen der Textilindustrie, die von ausserhalb Palästinas wohnenden Fabrikanten gegründet wurden, massgebend gewesen sein. So sehr ein solcher Verzicht auf kaufmännische Rentabilität, der ja auch in der Landwirtschaft fast immer gelten muss, im Interesse der Arbeitsbeschaffung zu begrüssen ist, so kann er doch auch ungesund sein, wenn in derselben Branche andere Unternehmungen im Land aufgemacht werden, die ihrerseits nicht ohne Rente des investierten Kapitals auskommen. Die deutsche Einwanderung hat in erster Linie eine Reihe von Unternehmungen der Metallverarbeitung neu geschaffen, die sich vorwiegend in der Haifa-Bai angesiedelt haben. Von Fabriken von Nägeln, Nieten, Bolzen, Schrauben bis zu emaillierten Erzeugnissen wie Badewannen, Pressen, Beleuchtungskörpern, Badeöfen, Stahlmöbeln, Primuskochern, also von der Giesserei und dem kleinen Walzwerk bis zur Maschinenfabrik, ist fast alles - vertreten. Es bestehen, zum grossen Teil aus dem Handwerklichen entwickelt, etwa vierzig kleine Giessereien, je zur Hälfte Eisen- und Buntmetallguss. Die grösste Giesserei, die sich auch eine Maschinenfabrik angegliedert hat, ist die Palestine Foundries & Metal Works Ltd., Haifa, nach ihrem Leiter gewöhnlich Kremener genannt, die eine Jahreskapazität von etwa 3000 t Gusseisen hat und für den Anfang etwa 120 Arbeiter beschäftigt. Sie hatte, wie es bei den meisten Unternehmungen der Metallindustrie der Fall ist, gewisse Anlaufschwierigkeiten, da die Produktionsverhältnisse eben ganz andere sind als in Europa und trotz allem guten Willen die neuein gestellten Arbeiter den europäischen Facharbeiter doch nicht sofort ersetzen können. Das Werk will sich besonders auf Badewannen spezialisieren, es ist damit, wie die meisten Unternehmungen der Metallindustrie, mit der Baukonjunktur ziemlich eng verkoppelt. Andere, ebenfalls aus Deutschland stammende Unternehmer, begannen die Erzeugung von Artikeln, die beim Ausbau des elektrischen Netzes benötigt werden: Drähte, Schalter usw. So haben Metallverbinclungskörper für elektrische Installationen einen Zollschutz von 25 Prozent gegen bisher 12Yi Prozent erhalten In das Gebiet der Elektrizität fallen auch Batterien und Akkumulatoren, die jetzt im Lande hergestellt werden und die an Stelle eines Zolls von 12 Prozent einen festen Zoll von 45 bzw. 20 Mils je Kilogramm erhielten. Erheblich war auch die Zollerhöhung für Nägel, die 50 Prozent betrug, für kleine Nägel von 3 auf 4H Mils je Kilogramm, für grössere von 2 auf 3 Mils. Mehrere kleinere Maschinenfabriken stellen einen Teil der in Palästina gebrauchten Pumpen für Wasserbohrungen her; die Aluminiumgiesserei Palatum in Tel-Aviv erzeugt Aluminiumvvaren besonders für Haushaltszwecke, was zu einer Zollerhöhung von 30 auf 50 Mils geführt hat. Die Primuskocher, die in den meisten Haushalten den Gasherd ersetzen, da sie mit dem billigsten Heizmittel Benzin betrieben werden und deren charakteristisches Schnauben man daher zur Zeit des Mittags- und Abendessens aus fast allen Küchen hört, werden seit kurzem nach einer schwedischen Lizenz in Akko hergestellt. Auch diese Fabrik hat gegenüber einem früheren Zoll von 12 Prozent einen Zollschutz von 25 Prozent erhalten. Die Tel-Aviver Banken zeigen mit einem gewissen Stolz, dass ihre T r e - Koranlagen „Tozereth haarez“ sind; eine Spezialfabrik beschäftigt sich damit. Ein Unternehmen für Beleuchtungskörper, Goldschmidt & Schwabe, hat für Neueinrichtungen einen grossen Teil der importierten Waren ersetzt und auf manchen verwandten Gebieten sind die heimischen Erzeugnisse in der Lage, gleich-? oder ähn? lichwertige Produkte zu liefern. Trotzdem darf nicht verkannt werden, dass die Metallindustrie eng verbunden ist mit der B a u w i r t s c h a f t, und dass dann, wenn diese ihr Entwicklungstempo verlangsamt, die heute oft noch nicht erreichte Kapazität der Metallindustrie kaum ausgenutzt werden kann. Viele Projekte harren dazu noch der Durchführung, manche, wie die Absicht, eine Werft zu errichten, nachdem Palästina eine eigene Schiffahrt hat, oder eine Autömobilfabrik, sind, unter weltwirtschaftlichen Gesichtspunkten gesehen, etwas absurd. Gerade bei Industriezweigen, die in hohem Masse kapitalintensiv sind, muss berücksichtigt werden, wie klein der innere Absatz sein wird und wie schwer, wenn nicht nur unter Verlusten möglich, der Export. Dagegen sind wahrscheinlich noch Chancen in der Entwicklung feinmechanischer Werkstätten, die im allgemeinen arbeitsintensiv betrieben werden können. Wenn diese Werkstätten Spezialerzeugnisse herstellen, ist auch ein kleiner und lohnender Export möglich. Es ist zunächst verwunderlich, dass die T e x t i 1 i n d u s t r i e , die in Europa und Amerika, vom Kleinhandwerker angefangen bis zum Grossbetrieb, stark in jüdischen Händen ist, in Palästina erst vor wenigen Jahren begonnen wurde. Aber auch hier spielt die Bedürfnis f r a g e eine grosse Rolle. Die einheimische arabische Bevölkerung und die der umliegenden Länder verwendet Baumwoll waren billigster Qalität, die aus England, Japan, Italien und Aegypten eingeführt wurden. Die jüdischen Einwanderer aus Polen brachten das Schneiderhandwerk mit sich, aber erst allmählich wurden daraus kleinere Konfektionsbetriebe, und noch später entstanden Trikotagen- und andere Rundwebereibetriebe. Der Name der grössten, „Lodzia“, zeigt die Herkunft an. Die wenigen Flachwebereien haben mit erheblicher Auslandskonkurrenz zu kämpfen gehabt; bekannt ist die seinerzeit durch die Presse gegangene Nachricht von der zeitweiligen Schliessung der einen der beiden Seidenwebereien, deren Färberei übrigens auch während der Schliessung gearbeitet hat. Inzwischen hat gerade die Seidenweberei Zollschutz erhalten von 600 bzw. 400 Mils je Kilogramm, ebenso die Strumpffabrikation, die an Stelle eines Satzes von 10 Mils für das Paar durch 25 Mils geschützt ist, und die Wirkerei, bei der die Sätze um 50 Prozent erhöht worden sind. Hinter dieser Zollmauer glaubt man eine genügende Rentabilität auch für manches neue Unternehmen noch erzielen zu können. Auffallend ist nun, dass erst vor ganz kurzer Zeit eine Baumwollspinnerei und -Weberei errichtet worden ist, und dass trotz des grossen Anfalls im Lande an allerdings letztklassiger Wolle Betriebe, die diese verarbeiten kaum bestehen. Man hat sich also offenbar bisher der ausländischen Konkurrenz nicht gewachsen gefühlt und die Wasserverhältnisse als nicht günstig angesehen. Es muss wohl genau untersucht werden, ob auf den verschiedensten Gebieten der Textilindustrie nicht doch noch neue Möglichkeiten gefunden werden können, da hier auch veredelte Rohstoffe, die im Lande selbst hervorgebracht werden können, verwendbar sind. Wenn die Schafzucht als Nebenerwerb auch von der jüdischen Landwirtschaft aufgenommen wird, könnte die Wolle wesentlich besser werden; im übrigen wird ja auch im Zusammenhang mit der Trockenlegung des Hule die Frage geprüft werden, ob dort nicht, wie schon früher einmal in Palästina und jetzt auch in Syrien, Baumwolle angepflanzt werden kann. Ebenso lässt sich wohl in den verarbeitenden Zweigen der Textilindustrie, Unterwäsche, Konfektion für Herren und Damen, manches eingeführte Produkt in Palästina ohne wesentliche Mehrkosten hersteilen. Aehnlich wie in der Textilindustrie sind die Verhältnisse der Leder- und Schuh- Die Zerstreuung der Juden 2. Die geographische Verteilung der 4,23 Millionen Juden, die 1926/27 in den USA lebten, ist ziemlich genau bekannt. Um die flächenmäßige Allsdehnung des gewaltigen Landes zu beleuchten, sei bemerkt, daß die USA ohne ihre Außenbesilningcn eine Fläche unter ihrem politischen Machtbereich vereinen, die etwa siebzehnmal so groß ist wie die des Deutschen Reiches. Das Staatswesen besteht aus 48 . Einzelstaaten und einem Bnndesdistrikt, von seinen rund 123 Millionen Einwohnern sind etwa 90 Prozent Weiße, mehr als 8 Millionen Amerikaner sprechen deutsch als ihre Mlittersprache. In welchem Staate leben mm 8ie meisten Juden, wie ist ihre Verteilung über die Städte und das flache Land? Die Hauptmassen der europäischen Eimvanderer silid in den Osthäsen Amerikas gelandet, sie sind and) im wesentlichen im Nordosten des Landes geblieben. Wenn auch Juden in allen Staaten der USA leben, so hat sich das Gros doch im N o r d o st e n niedergelassen, wo auch ihre Quote innerhalb der jeweiligen Gesamtbevölkerung weit höher ist als im Süden oder im Westen der Staaten. Nach < Erhebungen für das Jahr 1927 haben von den 4,23 Millionen jüdischen Menschen 3,82 Millionen im Nordosten des großen Bundesreiches gewohnt, eine Ziffer, die im wesentlichen durch die Millionenzahl der New-Porker Juden begründet ist. So groß ist der zahlenmäßige Einfluß der jüdischen Massen in New-Pork, daß der Anteil der jüdischen Bevölkerung in allen Staaten des Nordostens im Durchschnitt 6,25 Prozent beträgt, also erheblich über dem Durchschnitt der USA — 3,6 Prozent — liegt. In den Südstaaten lebten 1927 rund 226 000 Industrie. In den letzten Jahren hat die heimische Fabrikation von zwei grösseren Schuhfabriken stärker eingesetzt und auch Absatz gefunden. Demgegenüber ist die Gerberei noch weniger entwickelt, sie erzeugt vor allem Leder, die für die Herstellung besonderer heimischer Schuhsorten geeignet sind. Viele Pläne der letzten Jahre in bezug auf andere Produktionen haben eine Gestalt angenommen. >,Papierfabrikation, Zuckerherstellung, Maschinenfabriken aller Art, manches andere noch sollte aufgenommen werden. Nur die Glaswarenfabrikation und seit einiger Zeit auch die Fensterglasherstellung ist in gewissem Rahmen möglich geworden, beides unter schwerer ausländischer Konkurrenz. Die eigentlichen grossindustriellen Betriebe des Landes werden von ausländischen Unternehmungen geleitet; die Ausbeutung der Salze des Toten Meeres und die Verwertung der Rohölleitung aus dem Irak. Die Möglichkeiten, die Ernst Lochner i Horkbeimer Frankfurt a. M., * Liebfrauenberg 39 I. Original englische Herrenstoffe für die palästinensische Wirtschaft aus ihnen erwachsen können, sind wohl bedeutend, aber auch heute noch nicht übersehbar. Die Entwicklung der Palestine Potash Ltd. ist nach manchen Fehlschlägen jetzt offenbar günstig; das Unternehmen, das fast seine ganze Erzeugung exportiert, kann seine Arbeiterzahl vergrössern. Die Iraq Petroleum Co. allerdings ist für die palästinensische Wirtschaft wohl nur indirekt wichtig. Die Gesellschaft und ihre Verwaltung sind exterritorial, die Beamten Nicbtpalästinenser, alles Material, das die Gesellschaft verwendet, kommt aus dem Ausland. Wesentlich ist also für das Land nur die Kaufkraft der Beamten und Angestellten der I. P. C. und das politische Interesse, das England seinem Petroleumstützpunkt Haifa entgegenbringt. Vorläufig ist auch kaum damit zu rechnen, dass das Iraköl in Palästina selbst raffiniert und damit ein billigerer Brennstoff wird. über die Erde. (XXXIV.) Nachdruck verboten. Inden. Die jüdische Dichte ist hier außerordentlich gering, sie liegt hier bei 0,66 Prozent der Bevölkerung. Immerhin ist dies eine Quote, die nicht weit von dem gegenwärtigen Anteil der Juden in Deutschland abweicht. In den Wcststaaten lebten 1927 rund 181 000 Juden; die Zahl ist zwar niedriger als in den Sudstaaten, die Quote aber erheblich größer, da sie immerhin etwa 1,66 Prozent ist. Diese Gruppierung der Juden über Nord, West und Süd des riesigen nvrdamcrikamschen Staatengebildes wird ausschließlich durch die Lage der großen Städte bestimmt, deren Zahl von Jahr zu Jahr steigt. Von den 4,23 Millionen Juden, von denen hier die Rede ist, lebten allein 3,56 Millionen, das sind 84 Prozent, in Großstädten (d. h. in Städten über 100 000 Einwohnern), weitere ■550 000 in kleineren Städten bis p 2500 Einwohnern herunter; rund 110 000 Inden hatten sich in Landgemeinden und Dörfern bzw. in nicht eingemeindetcn Gebietsteilen des flachen Landes niedergelassen. Relativ wenige große Städte geben dieser so überaus einseitigeic sozialgevgraphischen Schichtnng die Voraussetzung. Allein in New-chork wohnten bereits vor einem Jahrzehnt 1 765 000 Inden. Um den außerordentlichen Anstieg der jüdischen Einwohnerzahl in den letzten 5)4 Jahrzehnten zn beleuchten, sei angeführt, daß 1880 in dieser Stadt die jüdische Einwohnerzahl 60 000 betrug! Bis zur GcgcMvart (1936) ist die jüdische Volksschicht in New-Pork auf über 1,82 Millionen angewachsen. Da New-Hvrk nach der neuesten Zählung von 1930 eine Einwohnerschaft von rund 7 Millionen Menschen hat, stellt die jüdische Gegenwartsbevölkernng eine Quote von über 25 Prozent dar. New-Iork ist die Stadt, USA Kl ei ne Anzeigen werden nach Worten berechnet: Gewöhnliche* Wort 10 Pfg., fettgedrucktes Ober- »chriftswort 20 Pfg. (bei Stellengetuchen 8 Pfg. und 15 Pfg.). Kleine Anzeigen Worte mit mehr als 15 Buchstaben werden alszwei Worte gerechnet.Ziffer* Anzeigen kosten 25 Pfg. mehr. 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