Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936) - farbig
- Issue
- 18 (30.4.1936)
- Date
- 1936-04-30
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Orten und Plätzen, - Pflanzen und Tieren nicht immer gelingen (Genesis 38, 21b: „Wo ist jene Werhbuhle von Zweibrunn am Weg?"). Daß man immer wieder stutzt und es oft bequemer empfindet, den hebräischen Urtext zu lesen, spricht nur für die Uebersetzung von Buber-Rosenzweig. Wir müssen immer wieder schwierige fremde Uebersehungsexperimente und ihre Theorien heranziehen, um zu sehen, was wir in Buber-Rosenzweig besitzen: Wertvolle, unentbehrliche Kommentare neben anderen Kommentaren, die gerade auf der jüdischen Seite oft zu weitschweifig, homiletisch und ölig-moralisierend find. Wir haben als Muster der Uebersetzungskunst schon Rudolf Alexander Schröders Horaz-Uebertragungen (im Phädon-Verlag, Wien 1935) erwähnt. Wie ist hier etwa der Wunsch des Dichters nach Ruhe in der berühmten schweren 18. Epistel übersetzt? Sit mihi, quod nune est, etiam minus, et mihi vivam, quod superest aevi, si quid superesse volunt di; sit bona librorum et provisae frugis in annum copia, neu fluitem dubiae spe pendulus horae. Sed satis est orare Jovem, qüi ponit et ankert, det vitam, det opes: aequum mi animum ipse parabo Bleib mir das Meine wie heut, ja, weniger, daß ich mir selber Lebe die Frist, die währt, sofern die Götter mich fristen; Bücher nach Wahl und Wunsch und geerntete Frucht für das ganze Jahr und kein Hangen und Bangen am Seil der trügenden Stunde. Wohl! — Es genügt, Gott bitten, der schenkt und wiederumsortnimmt: Leben und Notdurft gib: die Gelassenheit schaff' ich mir selber. Oder der Beginn der ersten Römer-Ode: (Mi profanum volgus et arceo; favete Unguis . . . „Unreinen Pöbel haß' ich und halt ihn fern! Seid fromm und schweigt! — Ein nimmer vernommenes Lied Sing' ich, ihr Knaben, euch und Jungsraun, Ich, den die Muse geweihtein Priester." — Die schöne Sammlung der sprachtheoretischen Abhandlungen von Buber und Rosenzweig hat uns zu Hinweisen aus fremde Üeberfetzungsarbeiten angeregt, die den Bemühungen unserer beiden jüdischen Sprachkünstler kongenial sind. Viele unter uns streben jetzt einer doppelsprachigen Existenz zu, wie sie unsere Väter Jahrhunderte lang lebten. Die Ursprache der Bibel und das beste „Iwrith", das wir lernen, sind sehr verschieden. Eine gute deutsche Bibelübersetzung werden wir in diesem Leben kaum entbehren können. Aber wir müssen uns bewußt bleiben, daß sie niemals einen Ersatz für den Urtext sein kann, es ist vielmehr so, wie Cervantes seinen Don Quijote im 61. Kapitel des zweiten Teils sprechen läßt: „Es scheint mir, daß es sich mit dem Uebersetzen aus einer Sprache in die andere so verhält, wie wenn einer Gobelins von der Rückseite betrachtet: Man sieht zwar die Figuren, aber sie werden durch die vielen Fäden ganz verwischt und es fehlt die Kraft der Farben und die Schärfe der Zeichnung." halben Jahrzehnt haben kluge Männer veracht, das Rätsel zu lösen, das dieses zertörte Dokument ausgibt. Ich will dir kurz eine Geschichte erzählen, und wenn du zu den gleichen Schlußfolgerungen gelangst, zu denen wir gekommen sind, dann kannst du dir zu weiteren Nachforschungen die Papiersetzen mit nach Berlin nehmen. Aber — willst du dir nicht eine Zigarette anstecken? Aus mich brauchst du keine Rücksicht zu nehmen." „Fein!" sagte Senta. Jede mädchenhafte Weichheit war von ihr gefallen. Neben dem glühenden Wunsch, ihren verarmten Glaubensbrüdern zu helfen, die sie fast alle persönlich kannte, regte sich der journalistische Ehrgeiz in ihr, vielleicht ihrem Blatt eine große Sensation bringen zu können. Als Sentas Zigarette brannte und die großen, schwarzen Augen des Mädchens voll begieriger Spannung aus Henoch Hartmann ruhten, begann er zu erzählen, und man merkte seiner Schilderung an, daß er die Geschichte der Papiersetzen nicht zum erstenmal zum besten gab. 4. „Hast du schon mal den Namen Bernhard Usebeck gehört?" begann er und fuhr, als Senta nach einigem Nachdenken nickte, fort: „Er war ein entfernter Verwandter der Hartmanns, nicht gerade ein Tunichtgut, aber ein unverbesserlicher Weltbummler, wie man ihn unserem braven Unterzoßnitz kaum zugetraut hätte. Er besaß denselben Wandertrieb wie die ganze Familie Hartmann, du inbegriffen," fügte er scherzend hinzu, und die jugendliche Redakteurin gab begeistert ihre Zustimmung zu erkennen. „Nur mit dem Unterschied, daß Bernhard keinen Beruf aus seiner Neigung machte, wie dein Vater, und ich, die wir immer wiederin den sicheren Hasen zurückfanden — zu unserer eigentlichen Tätigkeit. Vor etwa 35 Jahren lies Bernhard seinem Vater, der damals Kantor an unserer Synagoge war, davon und ward niemals wieder¬ Mensch und Geschichte Unter denjenigen Männern, die, indem sie Ausgangs- und Zielpunkt der Aufklärung härter sich ließen, „ein neuer Tag zu neuen Ufern lockte", ist einer der stärksten, wenn auch nicht schöpferisch, so doch immer wieder anregend tätigen Geister, I. G. Herder gewesen, dessen Werk gerade in der Gegenwart eine Neubelebung erfährt. Es ist daher zu begrüßen, wenn nunmehr durch die Herausgabe * einer handlichen Auswahl aus seinen Werken der Versuch gemacht wird, einer größeren Leserzahl Zugang zu der Ideenwelt Herders in der Weise zu verschaffen, daß dadurch dem Interessierten sich die gesamte Denkweise und Geschichtsbetrachtung Herders eröffnet. Willi K o ch, der Herausgeber des Bandes: I. G. Herder: „Mensch und Geschichte: Sein Werk im Grundriß" (Alfred Kröner Verlag, Leipzig 1935) hat jedem der vier Abschnitte: Sprache, Dichtung, Geschichte, Religiosität, in denen er den Dichter selbst zu Worte kommen läßt, einen wertvollen Vorbericht mitgegeben, der einen interessanten literarhistorischen Beitrag zur Jdeeugeschichte der Zeit darstellt. Daß die Fragen des Judentums und der Erforschung seiner literarischen Schöpfungen den protestantischen Theologen Herder von seinen ersten Arbeitn bis zu seinem Alterswerk „Adrastea" immer wieder beschäftigen, ist bekannt. Besonders die hebräische Sprache und die Bibel in ihren Entstehungsbedingungen waren immer wieder Ziel seines kritischen, ästhetischen und historischen Interesses. Ueber „den Geist der, Ebräischeu Poesie" schrieb Hermann Cohen: „Wie bedeutsam ist es, daß derselbe Mann (der die Briese zur Beförderung der Humanität schrieb) auch den ,Geist der ebräischeu Poesie' verkündet, ein Buch, das nicht nur wegen seiner wundervollen Uebersetzungen vieler Stellen aus Pentateuch, den Propheten, und Hiob sowie vieler Psalmen, sondern auch durch seine vorurteilsfreie, vom Geiste echter Literaturforschung geleitete Exegese, auch heute noch belehrend und erziehend wirken könnte." Leider hat der Herausgeber, dessen erfolg-, reiches Bestreben, in dem durch die Verhältnisse gebotenen engen Rahmen eine Gesamtschau von Herder und seinen Ideen zu geben, größte Anerkennung verdient, gerade die Leistungen etwas allzu kurz kommen lassen, die seine Beschäftigung mit der Bibel, „der ältesten Urkunde des Menschengeschlechtes" betreffen. Mit einem Gefühl innerer Ergriffenheit lesen wir heute — fast 170 Jahre nach ihrer Niederschrift — in dem.--von der Berliner Akademie preisgekrönten Aufsatz: Ueber den Ursprung der Sprache: „Nehmt die sogenannte göttliche erste Sprache, die hebräische, von der der größte Teil der Welt die Buchstaben geerbt!- Es war Odem Gottes, wehende Luft, die das Ohr aufhaschte, und die toten Buchstaben, die sie hinmalten, waren mir der Leichnam, der lesend mit Lebensgeist gefüllt werden mußte." Daß solche und viele andere Sätze von dem Manne geschrieben werden konnten, dessen nicht geringstes Verdienst „in der Rettung und Uebersührung der Bibel in eine neue Zeit als Palladium alles Glaubens" bestand, dazu verhalfen ihm die Kräfte, die seinem Schaffen den Weg wiesen: Historischer Sinn, künstlerischer Geschmack — und wahrhaft gläubige Frömmigkeit. vr. Fr-I. 5. Ettore Natali: II Ghetto di Roma. Roma 1887. 6. M. Güdemann: Geschichte des Erziehungswesens und der Kultur der abendländischen Juden während des Mittelalters und der neueren Zeit. Wien 1884—1888. Bd. II. Italien. 7. Ä. Berliner: Geschichte der Juden in Rom von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart. Frankfurt/Main 1893. (2 Bd.). 8. Moritz Stern: Urkundliche Beiträge, über die Stellung der Päpste zu den Juden. Kiel 1893/1895. 9. H. Vogelstein u. P. Rieger: Geschichte der Juden in Rom. 2 Bände. 1895/1896. 10. Emmanuel Rodocanachi: Le Saint-Siege et les Juifs. Le ghetto a Rome. Paris 1898. 11. A. Tänzer: Die Geschichte der Juden in Tirol und Vorarlberg. Meram 1905. 12. R. Strauss: Die Juden im Königreich Sicilien unter Normannen und Staufern. Heidelberg 1910. 13. Jean Justin: Les Juifs dans l’Empire Romain. Paris 1914. 14. Nie. Ferorelli: Gli Ebrei nell’Italia meridionale dall eta Romana all secolo XVIII. Turin 1915. 15. Dora Askowith: The Tolerance of the Jews under Julius Caesar and Augustus. 1915. 16. Max Radin: The Jews among the Greeks and Romans. 1915. 17. N. Müller: Die jüdische Katakombe am Monte verde zu Rom. Leipzig 1919. 18. Hermann Loevinson: Roma israelitica. Wanderungen eines Juden durch die Kunststätten Roms. Frankfurt/Main 1927. 19. A. Strauss: A romai Ghetto. (Das römische Ghetto. 2300 Jahre Geschichte der jüdischen Gemeinde in Rom.) Budapest 1929. 20. Cecil Roth: Venice. Philadelphia 1930. XII. Jugoslawien 1. Isidore Loeb: La Situation des Israelites en Turquie, en Serbie et en. Roumanie. Paris 1877. 2. Ign. Slang: Jewreji u Beogradu. (Die Juden in Belgrad.) Belgrad 1926. 3. E. Baumgarten: Die Juden in Steiermark. Wien 1903. 4. Artur Rosenberg: Beiträge zur Geschichte der Juden in Steiermark. Wien 1914. XIII. Rumänien Die umfangreiche Literatur über die Judenverfolgung in Rumänien und über den Kampf um die staatsbürgerliche Stellung der Juden findet sich in dem Katalog der Berliner Staatsbibliothek (Lesesaal, orientalische Abteilung) unter „Judaicarabbinica 8,1c S. 487 ff“. 1. Edmond Sincerus: Les juifs en Roumanie depuis le traite de Berlin jusqu’ä nos jours. (Les lois et leurs consequences.) London 1901. 2. I. Plotke: Die rumänischen Juden unter dem Fürsten und Könige Karl I. Frankfurt/Main 1901. 3. Verax: La Roumanie et les Juifs.Bukarest 1903. 4. A. Ruppin: Die Juden in Rumänien. Veröffentlichungen des Büros für Statistik der Juden. Heft 5. Berlin 1908. 5. Dr. 8. Bernstein: Die Judenpolitik der rumänischen Regierung. Kopenhagen 1918. 6. Josef Berkowitz: La question des Israelites en Roumanie. (Etudes de son histoire . . .) Paris 1923. gesehen. Er schrieb dem Alten ab und zu mal flüchtig, aus Indien oder Japan oder der Türkei. Einmal hatte Bernhard seinem Vater eine hohe Geldsumme aus Kanton geschickt, aber der alte Mann hatte nichts mehr davon. Drei Tage später erlitt er einen tödlichen Herzschlag, möglicherweise aus Freude über das Lebenszeichen seines Jungen. Seitdem hörten wir nichts mehr von dem Ausreißer. Zehn Jahre lang blieben wir ohne Nachricht von Bernhard. Da traf eines Tages dieser Brief bei mir ein, er war monatelang hinter mir hergereist. Der Umschlag barg die gleichen Papierschnitzel, die du vor dir hast. Die einzige Erklärung, die es dafür gibt, sollst du gleich kennenlernen. Aber erst sieh dir das hier an, Kind!" Gierig griff Senta nach dem großen Blatt Papier, das Hartmann seinem Sekretär entnommen hatte, und das er ihr jetzt reichte. „Das sind die Worte, die unsere Sachverständigen aus dem Wust von Fetzen zufammenzusetzen vermochten," klärte er die Richte auf. „Leider fehlt das Wesentliche; der Absender hat einen Teil der Fetzen nicht mitgeschickt. Deshalb sitzen wir feit einem Vierteljahrhundert mit Kenntnissen da, mit denen wir nicht das geringste anzufangen wissen!" „Bitte, gib her," bat das Mädchen mit vor Erregung dunkler Stimme. Sorgsam prüfte Senta Hartmann den Inhalt des Papiers. „Lieber Onkel Henoch," begann es, überall da ergänzt, wo der Sinn der fehlenden Buchstaben sich wenigstens vermuten ließ, „dies ist etwas wie ein Testament, dessen Vollstrecker... sein soll . . . Ich habe, auf der Suche nach Schätzen aus der Dynastie Ming, in der chinesischen Provinz.n eine Kostbarkeit von unerhörtem Wert aufgestöbert und gegen ein nicht minder seltenes Manuskript, das mir gehörte, eintauschen können. In meinen Besitz ist dadurch das einzige noch existierende Exemplar einer sonderbar geformten Torarolle gekommen, die von den ersten, unter König Salomos Regierung aus Arabien in China eingewanderten Juden benutzt worden sein soll. Der auf vergilbtem Reispapier stehende Text ist von chinesischen Worten durchsetzt, alles andere an dieser sich fächerförmig entfaltenden Wundertora besteht aus reinem schweren Gold und edelstem, mattgrünem chadestein." Soweit ließ sich der Inhalt des Schreibens lückenlos verfolgen. Dann aber gab es viel scheinbar Unentzifferbares: „Diese Tora vermache ich der Gemeinde von Unterzoßnitz. Die Erbschaft ist auf der ... .na Bank von .... O ... . abzuheben. De.bewahrt der jüdisch-chinesische . . . ul. . . beamte L.in ... .o aus, . der auch ein... e.ge... b .... li.... dieses.ts .... als m.T. . . . er.tzt. In meinem ..... wird ..... er diesem . . . in . . . . nur e . . . . von Dir . . . tig . .... ä ..... am liebsten . . . . e. g. . . . der.... e.... nn ... . Ich. . . . . . fche d.die Tora zum denkbar höchsten Preis verkauft wird, damit jeder der armen Unterzoßnitzer Juden einen sorgenfreien Lebensabend hat. Du warst der Einzige, der immer an mich geglaubt hat, Dank bis in die .... wie .... dafür, denn ich ringe fach... . mit der ... . lose . . . Lebe wohl und g. . . . Andenken . .. . nem. .19. n.ter. .. . . Das war alles. Selbst die Unterschrift fehlte dem zerstückelten Dokument, von dem freilich noch zahlreiche, in winzigste Teilchen zerfetzte Bruchstücke unentzifsert vorhanden waren. Die Dunkelheit preßte sich an die schmalen Fenster, durch die man auf die kaum beleuchtete, totenstille Gaffe hinausschauen konnte; in ihren schmalen Häuschen wohnten Menschen, in denen die Hoffnung aus eine Hilfe langsam erlosch. Reglos verharrte die gebeugte Gestalt 7. Josef Meisl: Die Durchführung des Artikels 44 des Berliner Vertrages in Rumänien und die europäische Diplomatie. Berlin 1925. 8. M. Reifer: Der hundertjährige Kampf um die Judenemanzipation in Rumänien. (1825 bis 1925) (Monatsschr. f. Gesch. u. Wiss. d. J. 1925. S. 377 ff.) XIV. Griechenland 1. M. Horowitz: Korfu. Frankfurt/Main 1891. 2. Abbe E. Fourriere: Une emigration israelite. Les Israelites en Grece. Amiens 1910. XV. Bosnien 1. Moritz Levy: Die Sephardim in Bosnien. Serajewo 1911. XVI. Bulgarien 1. Saul Mezan: Les Juifs espagnols en Bulgarin. Sophia 1925. 2. Gran-rabbinato de Bulgaria: Colleccion de circularios del gran rabbinato por los annos 1901—1905. Sophia 1906. 3. I. Holländer: Das Judengemetzel in Bulgarien. Posen 1877. XVII. Türkei 1. Pierre Baudin: Les israelites de Constantinople. (Etudes Historiques.) Konstantinopel 1872. 2. I. Loeb: La Situation des Israelites en Turquie, en Serbie et en Roumanie. Paris 1877. 3. M. Franco: Essai sur l’histoire des Israelites de l’empire ottomane depuis les origines jusqu’ä nos jours. Paris 1897. 4. W. Reich: Berühmte Judengemeinden des Osmanischen Reiches. Frankfurt/Main 1913. 5. Abraham Galante: Don Joseph Nassi, duc de Naxos. Konstantinopel 1913. 6. Sam. Krauss: Studien zur byzantinisch - jüdischen Geschichte. Leipzig 1914. 7. Davis Trietsch: Die Juden der Türkei. Leipzig 1915. 8. Heinrich Loeve: Juden im türkischen Orient. Berlin 1924. 9. Abraham Galante: Documents officiels turcs concernant les juifs de Turquie. Stambul 1931. 10. derselbe: Turcs et Juifs. (Etudes historiques et polit.) Stambul 1932. (Fortsetzung folgt.) Jakob Knoller: Besuch im Prager Ghetto. Kaskaden-Verlag, Berlin 1936. Wenn man darangehen wollte, die Geschichte einer Romantik im Judentum zu schreiben, so müßte die Prager Judenstadt in ihr ein besonderes Kapitel bekommen. Trotz Maimonidesjahr und neuentdecktem Chassidismus ist der Hohe Rabbi Loeb noch immer der bekannteste Name des jüdischen Mittelalters. Der unübersehbaren und phantastisch ausgesponnenen Literatur über ihn und das Prager Ghetto schließt sich Jakob Knollers sehr schmaler, zwischen Buchdeckel gebundener Essay an. Er ist ein Stimmungsbild, das keinen Anspruch auf Originalität erheben will. Eine vorangesetzte Radierung des Verfassers, welche die Altneufchule. und das jüdische Rathaus zeigt, schöpft die düstere Romantik der Szenerie aus. Ga. Im Verlage Omanut in Zagreb erschien eme Uebertragung von Heines Gedichten in jugoslawischer Sprache. Sie ist von Hinko Gottlieb herausgegeben worden. Henoch Hartmanns in dem hohen Lehnstuhl, der fo gut zu der altmodisch-behaglichen Einrichtung des Raumes paßte. Es war, als sinne der Greis nach über einen schmerzlichen und dennoch beglückenden Traum. Wie eine Schülerin, die vom Lehrer eine Offenbarung erwartet, in ehrfurchtsvoller Spannung, saß Senta ihm gegenüber. Der zu weit gewordene Gehrock, dessen Aermel glänzten, umschlotterte feine hagere Gestalt. Noch mancherlei Fragen brannten in ihr, ohne daß sie es wagte, ihn fernen Gedanken zu entreißen. * Da klopfte es leise an die Tür. „Herr Hartmann," bat die Pocherten, „wenn Sie einen Augenblick Zeit hätten. Frau Schisftan ist da, in furchtbarer Verzweiflung." „Um Himmels willen, was ist denn geschehen?" Noch vor dem alten Hartmann war feine Nichte in den Vorraum geeilt, um ihre ehemalige Kinderfrau fast mit Gewalt ins Zimmer zu ziehen. „Aber was ist denn passiert, Nana?" begütigte das junge Mädchen zärtlich besorgt. „So sprich dich doch aus! Irgendwie wird man dir doch helfen können. Nicht wahr. Onkel Nochi, wir werden alles tun, was wir können?" Der Greis stand bereits mit einem Glas von feinem Kiddufchwein vor der heulenden Frau, die von Senta auf das knarrende Sofa, über dem ein kunstvoll geschriebenes Misrach hing, gedrängt worden war. In einem vorsintflutlichen Aufbau, den man nur mit einiger Ueberwindung als Kopfbedeckung anfprechen konnte, wirkte sie wie vierundfiebzig. Nachdem aber eines Tages die Pocherten zu ihr gesagt hatte: „Aber so können Sie doch nichts herumlaufen, Frau Schisftan, man muß sich ja genieren, neben Ihnen in der Synagoge zu stehen", hatte sie sich modernisiert, so daß wenigstens an den Sabbat- und Feiertagen die 69 Jahre, die sie wirklich zählte, an ihr durchaus glaubhaft erschienen. Fortsetzung folgt