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Central-Verein-Zeitung · 1936-04-16 · 16 (16.4.1936) · p. [Seite]

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
15 (1936) - farbig
Issue
16 (16.4.1936)
Date
1936-04-16
Page
[Seite] (sequence 12)
Language
German
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OIE MARKE FÜR STARKE Mieder -4; Corselettes —• BOsti Boden im prallen Sonnenschein nicht zurück. — Dass eine starke Konzentration von Juden in Städten keineswegs immer eine Intellektualisierung bedeuten muss, beweist die palästinensische Gegenwart ebenso wie es in diesem Sinne einzelne osteuropäische Städte bewiesen haben. Wie früher in den Städten Russlands, wie heute in den Stadtzentren Polens, wie in NewATork und in London tausende und abertausende von Juden der Arbeiter- und Handwerkerschicht angehören, so ist es auch in den drei Städten Palästinas der Fall. Der entscheidende Unterschied in Palästina ist aber der, dass sich der Zusammenhang zwischen dieser Berufsausübung einerseits und dem Besitz von Kapital andererseits gelöst hat. In Palästina bleibt in weitem Umfange der Handwerker seinem Handwerk treu, auch wenn er ein kleines Kapital erworben hat. Hier wächst die Schicht der Vermögenslosen, die mit Hilfe von fremdem Kapital zu Unternehmern emporwachsen, wenn ihr fachliches Können und ihre Kenntnisse des Landes sie dazu befähigen. Ist der wirtschaftliche Mittelstand so auf der einen Seite gefestigter, so tragen er und die Arbeiterschicht auf der anderen Seite dazu bei, ein Unternehmertum mit zu gestalten, das in allen Volksschichten wurzelt. Diese berufsstrukturellen Besonderheiten, diese Verflochtenheit von Handarbeit und Kapital, von bürgerlicher Arbeiterschicht und kapitalverwaltendem und . doch nicht anonymen Unternehmertum führt zu der soziologisch sehr seltenen Erscheinung eines weitgehenden gesellschaftlichen Ausgleiches zwischen den einzelnen Berufs- und Besitzschichten. Das bleibt auf Lebensform und Lebensinhalt der Gesamtheit nicht Ohne Einfluss. Beides hat durch den Einwan- 'dererstrom der letzten Jahre eine Gestalt bekommen, die sich an dem kulturellen Standard der mittel- und westeuropäischen Diaspora orientiert, einen Standard, zu dem die Judenheit in enger Zusammenarbeit mit allen Kulturvölkern der Erde ihr Teil beigetragen hat. So weit gespannt der geistige und materielle Lebensrahmen innerhalb der Judenheit Palästinas heute ist, so günstig wird er durch die Tendenzen des inneren Ausgleiches, der ihm innewohnt, beeinflusst. Und voran leuchtet dieser vielgliedrigen Arbeit so verschiedener jüdischer Menschen in Palästina ein einheitlicher in jedem Einzelnen lebender Aufbauwille, der in seiner inneren Konzentration, in seiner Bewusstheit und schöpferischen Kraft einzig dasteht. Wirtschafts-Notizen Der Jahresbericht der Bank der Tempelgesellschaft zeigt einen erheblichen Rückgang der mit dem Transfer deutsch-jüdischen Vermögens zusammenhängenden Konten, So verminderten sich die Depositen von 331 000 auf 295 000 LP und die Treuhandposten von 947 000 auf 313 000 LP, ein Zeichen für die fortschreitende Abwicklung des Sonderkontos 1 und wohl auch für das schrumpfende Transfervolumen. Wie bekannt, sind jetzt Vorkehrungen für den Ausbau des unmittelbaren Warentransfers (Eigentransfer) sowie für den Baumaterial- Transfer durch zweite Hypotheken bei der Haavarah und bei Privatfirmen geschaffen worden. » Der Waad Ldumi (jüdischer Nationalrat) hat nunmehr die Genehmigung für die Aufnahme einer Anleihe von 200 000 LP bei einer führenden englischen Versicherungsgesellschaft erhalten. Die Anleihe, deren Auszahlung in kürzester Frist zu erwarten ist, soll in erster Linie für Schulbauten verwandt werden. * In Anwesenheit von James de Rothschild wurde in Risehon le Zion der Grundstein zu einem Museum, das dem Andenken des Barons Edmund Rothschild gewidmet ist, gelegt. * Aus den Kolonien des oberen Galil werden in diesem Sommer einige hundert Chaluzim zu den Vorarbeiten für die Erschliessung des Hulehgebietes entsandt werden. * Die Citrus-Kommission hat der Regierung empfohlen, künftig keine Orangenverschiffungen vor dem 20. November zu gestatten, da die Lieferung grüner Orangen die* Preisbildung auf den europäischen Märkten ungünstig beeinflusse. Eine Anzahl arabischer Citrusverlader hat gegen diesen Beschluss, protestiert. * Ende März fand in Haifa die Generalversammlung der Jüdischen Industrie- und Handelskammer statt, die von mehreren hundert Personen besucht war. Der Präsident S. Nathanson eröffnete die Versammlung mit bedeutsamen, auf einem hohen wirtschaftlichen Niveau stehenden Ausführungen, an die sich eine ausgedehnte Diskussion schloss. Die wirtschaftlich bedeutsamste Neuigkeit bildete die Mitteilung eines Vertreters der Regierungs-Departements für Oefleidliche Arbeiten, dass die geplante, dringend notwendige Strasse von Haifa nach Jaffa zu ihrem grössten Teile während . des kommenden Etatjahres gebaut werdensoll. Das Extra Ordinarium im Budget für öffentliche Arbeiten im Fiskal-Jahr 1930/37 würde die Summe von 2 Millionen pal. £ erreichen, was einer Landeskaufkraft von 38 bis 40 Millionen Mark entspricht. Es ist zu hoffen, dass durch diese Massnahme die Arbeitslosigkeit eine weitere Verminderung erfährt. In ihrer Auswirkung wird die fertiggestellte Strasse eine sehr erhebliche Vereinfachung und damit Verbilligung des Fracht Verkehrs zwischen Haifa und Jaffa bezw. T e 1 - Aviv und auch zwischen Haifa und Jerusalem bringen, der gegenwärtig noch durch die grossen Umwege, die im Güterverkehr gewählt werden müssen, umständlich und teuer ist. Sozialpolitik Ein öffentlicher „Misclipat“ (Gerichtsverhandlung), das heisst, eine hier sehr beliebte Form der öffentlichen Diskussion von Sachverständigen, wurde hier über das Problem der verwahrlosten und kriminellen Kinder abgehalten. Die zuständigen Dezernenten der Stadtverwaltung, der Gerichte und der Polizei traten als Ankläger, Hanauer, gebürtiger Engländer, ist hoher geistlicher Würdenträger und korrespondierendes Mitglied des Archäologischen Institutes in Berlin. Palästina ist ihm offenbar von früher Jugend an bekannt. Aus dem Vorwort zu seinem Buche erfahren wir, dass Hanauer sich als Junge den ersten Kricketschlägen, den Palästinas Boden sah, bei einem Tischler in Jerusalem schnitzen liess. Es mutet uns sonderbar an, wenn dann ganz selbstverständlich berichtet wird, wie er mit den Araberknaben der nahen Missionsschule Kricket spielt und sich in acht nehmen muss, dass der Ball nicht in den Brunnen fällt, mit dessen Wasser einst 8alomon gesalbt wurde. Jeder Felsen, jeder Stein in dem Heiligen Lande hat seine Geschichte, die dem Volke so geläufig ist, dass auch der nur schnell vorüber Reisende manches davon erfährt. Aber erst dem länger dort Lebenden wird sich der ganze Reichtum des Sagenschatzes auftun. In dieser einzigartigen Sammlung von Legenden, Sagen und Fäbeln lässt Hanauer Palästina in seiner ganzen Buntheit und Vielfalt lebendig werden. Wir gehen mit ihm durch die Strassen Jerusalems, sprechen mit moslemitisehen Maultiertreibern, sephardischen Juden, koptischen Priestern; wir feiern mit ihm die Feste der Landbevölkerung und sitzen während der wenigen Wochen der Regenzeit in den Hütten der Einheimischen; wenn die Felder in Ruhe liegen, spielen wir mit ihnen die Spiele der Müsse und hören die Sagen von der Quelle des Dorfes und den Gräbern der Propheten. Und so kommt ein Buch zustande, in dem der Lesende, befremdlich und neu, Verteidiger, Berichterstatter und Zeugen in dem stark besuchten „Ohel Sehern“ in Tel-Aviv auf. Unter Anklage standen die Eltern der verwahrlosten Kinder, aber sehr'bald kam zum Ausdruck, dass gerade die ungenügende öffentliche Fürsorge für diese Eltern vielfach Schuld an dem Kinderelend, das in manchen Vierteln der Stadt erschreckende Formen angenommen hat, tragen. Infolge der bisher sehr unrationellen Kompetenzverteilung — eine Reform ist im Gange — sowie infolge der Zersplitterung und Unzulänglichkeit der öffentlichen Mittel sind die Jugendfürsorger nur selten in der Lage, das Uebel an der Wurzel zu packen und den Familien der gefährdeten Kinder zu helfen. treueste Ueberlieferung heiliger Worte und Sätze mit dem dunkelsten Aberglauben und der Furcht vor Dämonen — den ausgestossenen Kindern Adams und den abgefallenen Engeln des Himmels — sonderbar und schön verwebt findet. Aber nicht nur in enger Anknüpfung an die Heiligen Texte, sondern auch in natürlichem Bezug auf die einfachen Dinge des Lebens, auf die Nöte des Tages, sind diese Legenden entstanden. Ganz einig sind sich die Frauen des Landes, wenn ihren Kindern Gefahr droht. Dann rufen sie alle Elia, den Propheten an, — der ein und derselbe ist, mit Pinehas, dem Sohne Eleasars, und dem Heiligen Georg — nur jede in der Sprache ihres Glaubens: die Frauen der Juden rufen ihn „Eliyahu ha Navi", die Christenfraueil „Mar Jiryis“ und die Mohammedanerinnen „El Khudr“. Es ist dem Verfasser gelungen, aus den aufgelesenen Bruchstücken und den mündlichen Berichten in sich geschlossene, rein dargestellte Märchen und Legenden zu formen. Die Schlichtheit der Sprache und die Einfachheit der Form lassen ganz vergessen, dass ein Gelehrter und Forscher am Werke war, dessen Arbeit und Einsicht nur noch in den Fussnoten und im Anhang erkennbar sind. Hanauer genügt damit der äussersten Forderung: Inhalt und Form geeint zu haben, wie Gustave Flaubert in einem Briefe au George Sand einmal schreibt (Decembre 1875): „Der Idee folgend, die ich von der Kunst habe, glaube ich, dass man nichts von dem Eigenen zeigen soll, und dass der Künstler nicht mehr in seinem Werke hervortreten soll als Gott in der 7atur.“ 8. Micha«!. Ein englischer Geistlicher sieht Palästina I. E. Hanauer, Folk-Lore of the Holy Land Moslem, Christian and JewisK. London, The Sheldon Press. 1. Auflage 1907; neue, erweiterte Ausgabe 1935. Hier spricht Jerusalem Von unserem ^Palästina- Korrespondenten Tel-Aviv, den 31. März 1936. Am Montag, dem 30. März, nachmittags 4.15 Uhr, wurde der regelmässige Betrieb des Rundfunksenders Jerusalem feierlich eröffnet. Ein Europäer kann sich vielleicht kaum verstellen, welchen Eindruck dieser erste, noch sehr vorsichtige und bescheidene Schritt auf das palästinensische Publikum machte. In allen europäischen Ländern ißt der Rundfunk eine Selbstverständlichkeit. Auch hier in Palästina hörten schon bisher die Besitzer von Empfangsapparaten, die es im Lande gibt, regelmässig irgendwelche ausländische Stationen. Aber jeder empfand es gleichsam als Symbol für die Entwicklung des Landes, dass nun auch wir unseren eigenen Sender haben, der die Kultur und die praktischen Bedürfnisse Palästinas berücksichtigen wird, und dass vor allem eine Sendung in hebräischer Sprache stattfinden kann. Tagelang vorher bereiteten die Zeitungen ihre Leser auf die Einzelheiten der Eröffnung vor, und grosse Schlagzeilen erinnerten an die Stunde der Einweihung, Bereits um 3A4 Uhr wurde ein einfaches Signal gegeben, um die Einstellung des Apparates auf Welle 449,1 zu ermöglichen. Zehn Minuten vor der festgesetzten Zeit wurde dieses Signal unterbrochen, und pünktlich um 4.15 Uhr meldete sich der Sender wieder mit den ersten Takten der britischen Königehymne. Dann erfolgte zum ersten Male There’s Jerusalem ealling, unmittelbar dahinter die arabische Ansage, und schliesslich in Tausenden von Wohnungen, vor Hunderten von Cafes und Radioläden in Spannung erwartet der Satz: Jeruschalajim medab§reth. Hier spricht Jerusalem. Der Generalpostmeister von Palästina, Oberstleutnant Hudson, leitete die schlichte Feier ein und erzählte, wie er vor 2xh Jahren mit dem High Commissioner an Bord eines Schiffes auf einer gemeinsamen Reise von dem Projekt eines palästinensischen Rundfunks gesprochen, und wie Sir Arthur voll Interesse sein Notizbuch gezogen habe, um in Stichworten ein Programm für die sofort aufzunehmenden Vorarbeiten aufzuschreiben. Nach der arabischen und hebräischen Uebertragung der Ansprache ergriff der High Commissioner zur eigentlichen Eröffnungsrede das Wort. Aus seinen Ausführungen verdienen folgende Gesichtspunkte hervorgehoben zu werden. Einmal betonte er, dass, wie alles in Palästina, auch der Rundfunk klein anfangen müsse, dass er sich aber von innen heraus entwickeln werde. Sodann erläuterte er an zwei Beispielen die kulturellen und praktischen Aufgaben des palästinensischen Rundfunks. Der Sender solle das Kunstbedürfnis der abgelegenen Siedlungen befriedigen und diesen gute Erzeugnisse heimischer und auswärtiger Kunst darbieten. Damit werde zugleich auch den palästinensischen Künstlern erweiterte Wirkungsmöglichkeit geschaffen. Sodann solle er dem Erfahrungsaustausch und der Gemeinschaftsarbeit in der Landwirtschaft dienstbar gemacht werden. In gemeinverständlichen Vorträgen sollen den Landwirten Ratschläge gegeben und die neuesten Fortschritte der Agrarwissenschaft zugänglich gemacht werden. Der Sender steht auf dem Hochplateau von Ramallah, einer arabischen Ortschaft nahe Jerusalem, und arbeitet täglich von 5.30 Uhr bis 10.30 Uhr. Von diesen fünf Stunden sind im Durchschnitt zwei den Juden und zwei den Arabern gewidmet, während eine Stunde für englische oder allgemeine Sendungen verwandt werden soll. Im ersten Programm hielten der englische Vorsitzende sowie ein arabisches und jüdisches Mitglied (Dr. Abraham Kaznelso.n) der Programmkommission Vorträge. Im allgemeinen werden die jüdischen und arabischen Sendungen nicht in die anderen Sprachen übersetzt, sondern jede Nation hat ihre eigenen Radiostunden, ihren eigenen Vortragsdienst, ihre eigenen Sprachlektionen, Kinderecken usw. ' Nur Ansage und Nachrichtendienst werden durchweg dreisprachig gegeben. Am Programm des ersten Tages wirkten von jüdischer Seite unter anderm mit: Braehab Z e p h i r a, die jemenitische Gesänge vortrug, ferner die kürzlich mit dem Dizengoff - Preis ausgezeichnete Channah R o v i n a h, die jüdische Lieder zu Gehör brachte, das Hauser- Quartett, Jerusalem, und das K a m mer- Orchester unter Leitung von Michael Taube. Einen grossen Teil des arabischen Programms bestritt das unter Leitung von Jamil A w e i s stehende musikalische Studio. Zum Schluss des Programms wurde für eine halbe Stunde auf den Londoner Sender der British Broadcast Company umgestellt, der sehr leichte Musik bot. Abgesehen von zwei kurzen technischen Störungen war die Uebertragung ausgezeichnet. Der Kairoer Sender, der in den ersten Minuten „aufdringlich“ wurde, liess sich verhältnismässig leicht zurückdrängen. Wenn man auch stellenweise bei der Abwicklung des Programms noch die etwas fehlende Routine bemerkte, so verdient doch die schöne Stimme und die klare Aussprache der hebräischen Ansagerin hervorgehoben zu werden. Die eigentliche Schwierigkeit des palästinensischen Rundfunks liegt nicht in all diesen Dingen, sondern in der Gestaltung des Programms. Schon am Dienstag hielt man die am ersten Tage gewählte eindrucksvolle Form der Ansage nicht mehr aufrecht, sondern meldete sich einfach: Scherüth haradio Palästina — Erez Israel. (Rundfunkdienst Palästina.) Die doppelte Landesbezeichnung ist charakteristisch. Die hebräische Sprache kennt kein Palästina, sondern nur Erez Israel. Den Namen Palästina haben die Römer nach Unterwerfung des jüdischen Volkes konstruiert, indem sie das eroberte Land nach den alten Feinden des Volkes Israel, den Philistern, benannten. Die Engländer haben genau wie auf den Briefmarken einen Kompromiss zwischen der internationalen Verkehrssitte und den jüdischen Empfindungen geschlossen, indem sie beide Bezeichnungen nebeneinander schalten. Diese Lösung ist ein Symptom für die Rundfunkpolitik der Mandatsregierung, die auch in der Eröffnungsrede des High Commissioners deutlich ausgesprochen wurde. Die Mandatarnjacht betrachtet sich als Schirmherrin aller im Lande vertretenen Nationen und Konfessionen; Fragen der Politik und der Religion, die zu irgendwelcher Polemik Anlass gelten könnten, sind deshalb aus dem Rundfunkprogramm ausgeschlossen. Man muss anerkennen, dass dies unter den gegebenen Verhältnissen die einzig mögliche Lösung war. Aber darin liegt zugleich natürlich eine starke Beschränkung. Wenn man einmal das hebräische Programm isoliert betrachtet, so wird man erkennen, dass über viele Dinge, die der ganzen jüdischen Oeffentlichkeit am Herzen liegen, auch zur gegebenen Stunde nicht gesprochen werden darf. . Auch das noch keineswegs entschiedene Ringen um den jüdischen Stil und d i e jüdische Kunst kam bereits in dein ersten Programm stark zum Ausdruck. Offenbar will man deshalb auch nicht engherzig sein. Michael Taube spielte im Rahmen des hebräischen Teils auch die „Kleine Nachtmusik“ von Mozart. Eine Beschränkung ergibt sich endlich auch daraus, dass jeder Nation praktisch nur zwei Stunden zur Verfügung stehen; die zwischen Unterhaltung und Belehrung, zwischen Musik und Wort, zwischen allgemein interessierenden Stoffen und Spezialfragen geteilt werden müssen. Die gesprochenen Darbietungen in arabischer Sprache geben natürlich dem Gros der jüdischen Hörer ebensowenig wie die hebräischen Vorträge den meisten Arabern. Aber auch in der Musik sprechen Juden und Araber sehr verschiedene Sprachen, wenn auch vielleicht der Rundfunk dazu beitragen kann, das gegenseitige Verständnis für die Kultur des Nachbarn zu wecken. Trotz all dieser Unzulänglichkeiten und Kinderkrankheiten kann der Sender eine Reihe sehr nützlicher Aufgaben erfüllen. Er gibt dem jüdischen Publikum die Möglichkeit einer lebendagen Teilnahme am hebräischen Geistesleben. Schon in der ersten Woche werden beispielsweise Männer wie der Dichter S c h n e u r, der Kulturreferent des Vaad Leumi, Jehuda Kaufmann nud Artur R u p p i n am Mikrophon sprechen, wird die erste Sprachlektion von Jizchaj Eppstein stattfinden, werden hebräische Lieder palästinensischer Komponisten, zum Teil als Erstaufführungen, gebracht werden, und wird auch Hubermano mit dem Orchester der Berliner Staatsoper'— allerdings auf Schallplatten — konzertieren. Die Reihe der landwirtschaftlichen Vorträge wird durch ein Referat des Agronomen Höchberg von der Landwirtschaftsschule Mikwe Israel eröffnet, und auch hier zeigt sich eine ausbaufähige Möglichkeit, die es denjenigen Siedlern, die an Fortbildungsseminaren oder Arbeitslagern nicht teilnehmen können, neuen Wissensstoff zu vermitteln. Und schliesslich soll auch die Wirkung des Rundfunks, bei dem besonderer Wert auf eine klare und gute hebräische Sprache gelegt werden wird, auf die Hebraisierung der Neueinwanderei nicht unterschätzt werden. Noch bedarf der palästinensische Rundfunk des Ausbaues, das gilt auch Iin rein äusserlicben Sinne. Musste doch die Eröffnungsfeier, an der mit der Regierung auch die Spitzen der jüdischen Organisationen, der Mufti und mehrere arabische Führer teilnahmen, bei empfindlicher Kälte teilweise im Freien stattfinden Aber als Beginn eines äusserst wichtigen Werkes ist die Eröffnung des Senders Jerusalem allgemein empfunden worden. Auch sonst lassen die zu zahlreichen Radiogeschäfte zum Leidwesen der Nachbarn den ganzen Tag ihre Lautsprecher auf die Strasse hinaus ertönen. Diesmal aber hatten sie die ganze öffentliche Meinung für sich, und überall standen Scharen von Menschen davor und lauschten gespannt und stolz der ersten Sendung. Und wenn man selbst durch die Vorstadtsiedlungen am Rande der Stadt ging, hörte man von Wohnung zu Wohnung den Lautsprecher. empfing einen Zuruf von Balkon zu Balkon: „Haben Sie Störungen? Bekommen Sie Kairo heraus?“ Kurz, d«r 30. März 1936 war ein wichtiger und froher Tag für das jüdische Palästina.

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