Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936) - farbig
- Issue
- 16 (16.4.1936)
- Date
- 1936-04-16
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Blich in die Zeitschriften Psychologie des Staates Daß eine Kenntnis der geistigen Entwicklungen der Umwelt unerläßlich sei, ist nicht nur von uns, sondern auch von nationaljüdischer Seite des öfteren betont worden. Wir müssen beispielshalber unsere gegenwärtige Lage im nationalsozialistischen Staat unter dem Gesichtspunkt zu verstehen suchen, daß die Heraufkunst einer vollständig neuartigen Staatsidee sich inzwischen vollzogen hat. Neben älteren Vertretern der Staatsphilosophie wie Ernst Krieck und Alfred Baeumler-hat besonders ein jüngerer deutscher Denker aus die Interpretation der nationalsozialistischen Staatsidee maßgebenden Einfluß gewonnen: Hans Alfred G r u n - skh hat es in seinem Werk „Seele und S t a a t" (Berlin 1935, Verlag Junker u. Dünn- Haupt) unternommen, die „psychologischen Grundlagen des nationalsozialistischen Sieges über den bürgerlichen und bolschewistischen Menschen" herauszustellen. Der Historiker Walter Frank, der Präsident des Reichsinstituts für Geschichte des neuen Deutschland, hat unlängst auf den repräsentativen Charakter der Grunskyschen Schrift nachdrücklich hingewiesen und ihrem Verfasser die Ausarbeitung einer Geschichte der deutschen Philosophie im 19. Jahrhundert im Rahmen des Forschungsplans seines Instituts übertragen. Die neue Staatsphilosophie Grunskys zielt letzten Endes aus eine Psychologie des Staates ab, denn sie will die allgemeinen seelischen Voraussetzungen und Grundlagen der Entstehung und der Existenz des Staates untersuchen. Das philosophische Prinzip ihrer Betrachtungsweise ist insofern modern, als sie allseitig-ganzheitlich eingestellt ist, d. h. von einer Einzelfrage aus — der Beziehung zwischen Seele und Staat — sollen sich Ausblicke auf sämtliche einschlägigen Fragen der Weltanschauung ergeben. Im Mittelpunkt steht die Anwendung der neuen Lehre von Geist und Blut aus das Problem des Staates. Grunsky' nimmt die psychologische Typenlehre Platons zum Ausgangspunkt: er übernimmt von der platonischen Staatslehre erstens die Erkenntnis, daß die Staatsversassung stets, der Seelenverfassunq entspreche, und zweitens die These, daß der Ursprung des (schärfstens abzulehnenden) „demokratischen Menschen" in einer Trennung von Seele und Staat zu suchen sei. Auf diesem Fundament sucht Grunsky im streng platonischen Sinn der politischpsychologischen Namengebung einen liberalist i s ch e n und n a t i o n a l s o z i a I i sti s ch e n Typus einander gegenüberzustellen. (Dabei entspricht der liberalistische etwa dem bürgerlichen Typus des „demokratischen Menschen".) Die scharfe Kritik an dem „bürgerlichen" oder „liberalistischen" Typ dient Grunsky als Folie zur Kennzeichnung der Eigenschaften des unbürgerlich-heroischen nationalsozialistischen Typus. In dieser Gegenüberstellung erscheint der liberalistische Typ als der Mensch der Anpassung, des Sowohl-Als auch, als derjenige, der einer grundsätzlichen Entscheidung ausweicht, der nationalsozialistische Typ dagegen als der Mensch des <§111- . . .1 ,.?.IJ.™..'.!£11 weder-Oder, als der Willensmensch, für den es ein Ueber-den-Parteien-stehen nicht gibt. Besonders ist Grunsky an dem Nachweis gelegen, daß der liberalistische, d. h. freiheitlich eingestellte Mensch eigentlich unfrei sei, denn seine Geistigkeit sei nichts 'weiter als Willensschwäche, seine Sachlichkeit, die. berühmte bürgerliche Objektivität, sei nichts weiter als Mangel an Urteil, und seine Besonnenheit beruhe auf Unglauben. Während der liberalistische Mensch sich leicht an die fremde Welt, die U m w e l t, verliere, wurzele der nationalsozialistische Mensch in der Blntwelt, der eigenen Welt. Die Fremdgierigkeit des bürgerlichliberalistischen Menschen, sein Verlangen nach der Umwelt, sei aber Landesverrat an der Blutwelt. Im Gegensatz zu jener Fremdgierigkeit, die namentlich bei dem naturentwurzelten großstädtischen Menschen bemerkbar sei, stehe der bäuerliche Mensch, bei dem Blutwelt und Bodenwelt auseinander abgestimmt seien. Das innere Gesetz der in sich widerspruchsvollen Welt des Liberalismus besteht — nach Grunskys Ansicht — in der unnatürlichen Spaltung von Blut, Geist und Willen. So entsteht: Staat ohne Volk und Volk ohne Staat. In jener Welt entartete Politik ohne Kultur in Geschäftemacherei, Kultur ohne Politik in eine geistreichelnde Scheinkultur, während in Wahrheit Kultur und Politik untrennbar Zusammengehören wie Geist, Blut und Wille. An zwei weiteren Grundprvblemen macht Grunsky dann den Gegensatz zwischen der liberalistischen (auch marxistischen) und der nationalsozialistischen Weltanschauung deutlich: an dem Problem der Erziehung und dem Problem des Eigentums. Während die bürgerliche und marxistische sowie bolschewistische Welt das Prinzip „Erziehung ohne Rasse" durchsetzte, verkündet der Nationalsozialismus das Prinzip der Zusammengehörigkeit von Erziehung und Nasse. Er verkündet ferner die Einheit von Blut und Besitz. Denn Blut ohne Besitz zeuge von Blut ohne Willen, also von erkranktem Blut. Besitz ohne Blut aber sei eine abscheuliche Entartung, die in Zeitaltern zerstörter oder gefährdeter Blutwelt den Begriff des Besitzes noch stets um seine Achtung gebracht habe. Dagegen verkünde der Bolschewismus den Haß und Vernichtungswillen der Nichtbesitzenden gegen die Besitzenden. Es ist nun bemerkenswert, daß Grunsky — während er gegen C. G. Jung und Graf Hermann Keyserling nur den Vorwurf erhebt, daß sie, namentlich der letztere, im bürgerlichen System steckengeblieben seien — die beiden bekannten jüdischen Psychologen Sigmund Freud und Alfred Adler als Schrittmacher der seelischen Bolschewisierung hinstellt. Grunsky lehnt zwar das Prinzip der Psychoanalyse nicht ab, er behauptet aber, daß durch die Frcudsche Methode der blutentfremdete Geist die Ausgabe erhalte, die Pöbelmasse der Triebe, die bezeichnenderweise stets als formlos vorgestellt werde, zu organisieren. Dies sei jedoch gerade die Formel für die dem Bolschewismus zutreibende marxistische Idee. Ebenso soll die Jridividualpsychologie Alfred Adlers, die das Minderwertigkeitsgefühl in den Mittelpunkt der Seelenkunde stellt, der seelischen Bolschewisierung Vorschub geleistet haben. Denn der Bolschewismus beruhe auf dem Minderwertigkeitsgefühl des zum Proletarier herabgedrückten Arbeiters. Grunsky hält cs durchaus nicht für einen Zufall, daß Freud und Adler Juden sind. Der Jude sei zum bolschewistischen Menschentypus gleichsam vorherbestimmt. Denn das Durcheinander der Rassen in der jüdischen Seele sei so groß, daß sich hier-das Bild einer vollkommen zerstörten Blutwelt darbiete. Daher sei der Jude in besonderem Maße sremdgierig veranlagt. Die jüdische Psyche habe es verstanden, ihre eigenen Minderwertigkeitsgefühle wie Bazillen auf große Teile des Gastvolks zu übertragen. Betrachtet man Grunskys theoretische Begründung des Staates im ganzen, so ist der Rückgriff auf die platonische Staatslehre ein hervorstechendes Merkmal. Namentlich in einem entscheidenden Punkte leistet er dem gewaltigen attischen Denker Gefolgschaft: auch er sieht das Problem des Staates nicht so sehr von der j u r i st i s ch e n, als vielmehr von der pädagogischen Seite aus. Nicht auf der Attraktion einer paragraphierten Verfastung, sondern auf dem Organismus einer bestimmten M e n s ch e n f v r m soll der Staat ruhen. Wie bei Plato erscheint der bürgerlich-demokratische Mensch als derjenige, der die Bindung mit der Gemeinschaft und zwar mit der größten Form der Gemeinschaft, dem Staat, verloren hat. Wenn aber Plato ein aristokratisches Ausleseprinzip walten läßt — der Aristie, d. h. der Menschenqruppe der Besten, soll dev-Staat gehören und sie soll ihn formen —, so erweitert der jüngere zeitgenössische Denker jenes ethische Prinzip in biologischer Richtung: Voraussetzung für die staatsgestaltende Menschensvrm und Führerauslese ist die Blutzugehörigkeit, die rassische Gemeinschaft. Staat wird zur Ausprägung einer rassisch einheitlichen Menschensvrm, die die Blutwelt zu ihrem Ebenbilde macht. 0er jüdische Einschlag im Jesuitenorden In einem Beitrag „Der Ariernachweis der Jesuiten" („Nationalsozialistische Monatshefte", 7. Jahrgang, Nr. 72) geht Eberhard W v'l sram von der Nachricht aus, daß der Jesuitenorden von seinen Mitgliedern bei der Ausnahme in den Orden neuerdings den Ariernachweis verlange. Dem stehe jedoch die Tatsache gegenüber, daß der Jesuitenorden im Laufe seiner Geschichte Angehörige aller Rassen und Nationen zu den Seinigen zählte. Der Gründer des Jesuitenordens, Ignatius von Loyola, einem baskischen Rittergeschlecht entsprossen, lehnte — wie Wolfram hervorhebt — „grundsätzlich jeglichen Antisemitismus ab". In seiner Umgebung gab es nicht nur eine unverhältnismähig hohe Zahl von Jesuiten jüdischer Abstammung, sondern auch der erste Amtsnachfolger des Ignatius in der obersten Leitung des Ordens, Jakob Lamez, der das Konzil von Trient entscheidend beeinflußte, war jüdischen Blutes. Die judenfreundliche Einstellung des Ignatius geriet aber mit der öffentlichen Meinung in Spanien, die den Juden abhold war, in Widerspruch. Unter dem Druck blutiger Verfolgungen traten Juden massenweise zum katholischen Glauben über. Der Haß und die Abneigung der spanischen Bevölkerung gegen die Maranos (getauften Juden) übertrug sich auch ans den Jesuitenorden, der eine unverhältnismäßig hohe Zahl von Maranos zu seinen Mitgliedern zählte. Nach Wolframs Darlegung soll nun eine Krise des Jesuitenordens dadurch entstanden sein, daß jüdische und judenftümmige Mitglieder das militärische Führerprinzip des Ordens durch eine demokratische Verfassungsresvrm zu beseitigen suchten. Im Jahre 1593 beschloß eine außerordentliche Generalversammlung des Ordens in Rom den Ausschluß der Mitglieder jüdischer Abkunst. Eine neu einberufene Generalversammlung im Jahre 1608 brachte eine bedeutende Milderung der Bestimmung von 1593. Die letzte Fassung des jesuitischen Judengesetzes, die aus dem Jahre 1923 stammt und bis zur Stunde im gesamten Jesuitenorden in Geltung ist, stellte eine weitere Milderung dar. Diese Bestimmungen des Jesuitenordens, meint Wolfram, haben mit Bejahung des Rassegedankens im nationalsozialistischen Sinne nichts zu tun, so daß man zu Unrecht von einem jesuitischen Ariernachweis spricht. Emil Strauss und S. Fischer Unter den zahlreichen Jubilüumsartikeln, die anläßlich des siebzigsten Geburtstages von Emil Strauß erschienen, dürfen zwei Veröffentlichungen unser besonderes Interesse erregen. Einmal der umfangreiche Aufsatz Hellmuth Langenb u ch e r s in den „Nationalsozialistischen Monatsheften" (Nr. 71), der darauf abzielt, die Schlagader rassischen Denkens im Werke jenes deutschen Erzählers bloßzulegen. Sodann: Benno Mäscher „Deutscher Dichter und jüdischer Verleger, auch ein Beitrag zum siebzigsten Geburtstage von Emil Strauß" („Kritische Gänge". Literaturblatt der „Berliner Vörsenzeitung", Nr. 7). Mäscher schickt voraus, daß Vas rein menschliche Verhalten S. Fischers gegenüber Emil Strauß stets tadellos war. S. Fischer sei ja nicht nur ein überaus kluger Verleger gewesen, sondern wirklich ein gütiger Mensch, wo er einmal Vertrauen und Zuneigung gefaßt hatte. Emil Strauß habe, so lange er bei S. Fischer gewesen sei. über Vernachlässigung seiner Perfon nicht zu klagen gehabt. Wohl aber'über Vernachlässigung seines Werkes. Der jüdische Verleger habe zwar bei Emil Strauß die ästhetische Qualität des dichterischen Werkes erkannt und dieses Werk in guten Zeiten gefördert, in den entscheidend wichtigen Jahren nach dem Kriege sei dev Dichter aber ganz systematisch vernachlässigt worden, so sehr,^daß ihm selbst die Lust am Schassen verging. — Hierzu möchten wir bemerken, daß der jüdische Verleger Emil Strauß unmöglich jenen Widerhall verschaffen konnte, den er (nach Mäschers eigenem Urteil) erst im heutigen Deutschland gefunden hat und der geistigen Uebereinstimmung nach zu finden vermochte. F. F. HOTELS l \l> SANATORIEN äJIllllllll Sanatorium Grunewald L.m. imiimuz b.H. - “ vorm. Frau Helene Meyer Hagenstrasse 39-47 | Tel.: H 9 Schmargendorf 7751 Streng klinisch ärztliche Versorgung der Kranken. Modernisierung der Elektro-Hydrotherapie. — Röntgen- Untersuchungen mit modernster Apparatur durch anerkannte Fachärzte. Grundumsatzbestimmungen. 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