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Central-Verein-Zeitung · 1936-04-16 · 16 (16.4.1936) · p. [Seite]

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
15 (1936) - farbig
Issue
16 (16.4.1936)
Date
1936-04-16
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Nr. 16 * 1. Beiblatt 16. April 1936 Die Synagoge W andgemälde « A *Jk YZ'W ** %s iV> ~«v ft SX< Meine letzte Fahrt nach Süddeutschland führte mich nach Würzburg. Diese landschaftlich schönste Stadt Deutschlands birgt diele sehenswerte 3km* deukmäler, unter anderem das fränkische Luitpold-Museum, das durch seine Skulpturen von Tilman Riemenschneider berühmt geworden ist. Ein Seitengang der unteren Museumshalle führt in einen Museumsraum mit Glaskästen, die herrliches altes Porzellan, Möbel, alte Gebetbücher und Tempelgerät zeigen. In der Breitwand sind zwei Türen mit hebräischer Inschrift eingelassen, die uns besagen, daß wir uns hier am Eingang eines alten, jüdischen Gotteshauses befinden, links der Eingang zur Frauenschul, rechts der zur Männerschul. Beide Türen sind reich mit Ornamenten verziert. Der Museumsdirektor war so freundlich, mir aus Veranlassung des Stifters die Genehmigung zum Zeichnen dieses wundervollen Beispiels alter Baukunst zu gewähren. Während meiner Arbeitszeit haben viele Menschen diesen Jnnenraum besichtigt und ihn voll Bewunderung für jüdische Kunst verlassen. Dank für die Erhaltung dieses Kunstwerkes gebührt auch dem bescheidenen Stifter, Geheimrat Reiß (Würzburg), der die Ueberführung des Gotteshauses von Kirchheim nach Würzburg ermöglichte. Ich nenne seine Wesensart bescheiden, weil er nicht erlaubte, daß sein Name als Spender im Museum ausgezeichnet wurde. Almemor s .. ■-**>** ■> V von Kirchheim Eingang der Frauenschul der Synagoge Hl obere, konturierte Abschlußseite, welche die acht aus polygonalem Grundriß angeordneten Städepfosten kranzartig zusammenhält, läßt Erinnerungen .an die Bedachungen älterer Almemoranlagen aufkommen. Mit Ausnahme der beiden Zugänge ist der Unterteil des Ausbaues in Brüstungshöhe verbreitert und durch aufgemaltes Rankwerk, wie es auch sonst im Raume vor» kommt, belebt. Die auf der Kranzleiste des Almemor verzeichneten Texte gbmahnen an die hohe Pflicht der Verrichtung - des Schema. Die zentrische Stellung des Almemor erfährt durch die rings um ihn aufgehängten Messingkronen eine bestärkte Betonung. Ganz im nämlichen Sinne wirkten ursprünglich auch die um das Almemor frei sich gruppierenden Weichholzpulte. An der Eingangswand befindet sich unter den noch erwähnenswerten Einrichtungsgegenständen ein doppelsitziger, durch Armlehne getrennter Stuhl, wie er bei der Beschneidung Verwendung findet. Elieser Sußmann wird urschriftlich als der Meister der Malerei genannt. Aus dem nämlichen Schrifttext geht als Entstehungsjahr das Jahr 1740 hervor. Es ist derselbe Sußmann, der in Bechhofen bei Ansbach, in Colmberg, in Horb am Main und Unterlimberg bei Schwäbisch-Hall als SynagogenDekorateur genannt wird. Die Ornamentik, welche er über Wände Die Synagoge zu Kirchheim war einem Fachwerkbau eingegliedert, der seiner Baufälligkeit wegen kurz vor dem Kriege abgetragen werden mußte. Damals hatte man die Jnnenraumschale, die holzverschalte Decke und die bemalten Putzwände vor dem Abbruch herausgelöst, in das Museum gebracht und so das dem Verfall anheimgegebene sehenswerte Baudenkmal zukünftigen ‘ Generationen erhalten. Der rechteckige Raum, den eine Holzdecke in slachstichiger Tonnenform überspannt, hat in Richtung der Längsachse je einen Zugang für die Männer- und Frauenschul! Beide liegen aus gleicher Bodenhöhe und sind durch eine niedrige, nach oben hin vergitterte Wand geschieden. Die Raumvertcilung ist so, daß die Frauenschul etwa ein Viertel des Gesamtraumes ausmacht. Der Eingangswand gegenüber befindet sich im Mittel des bogig geschlossenen Wandschildes der Toraschrank zur Aufbewahrung der Torarollen. Der über zwei Stufen sich erhebende, auf niederem Sockelstück ruhende Aufbau ist aus Weichholz gefertigt und farbig bemalt. Die beiden Schrankecken sind ausgespart und mit korinthisierenden Säulen ausgesetzt, lieber dein abschließenden Gesimse erhebt sich, von Giebelschenkeln und Fruchtgehängen flankiert, eine mit Pinienzapsen gekrönte Kartusche, welche an den hohen Feiertagen geöffnet bleibt; hier lesen wir in hebräischer Inschrift die Textworte: „Höre Israel, der Ewige unser Gott, der Ewige ist einig einzig. Der Ewige, er ist Gott!" Der Doppeltür des Arauns yorgehängt ist ein seidener, mit Fransen besetzter, blumendurchwirkter Toravorhang, den ein lambrequinartigec Ueberhang nach oben hin abschließt. Aus den Vorhang ist ein gelbes Samtmittelstück aufgenäht, auf welchem mit Borte unter einer Zickzackkrone die Buchstaben K. T. (Krone der Tora), A. M. (Signatur des Stifters), sowie die Jahreszahlen 582 — 5582 — 1822 ausgezeichnet sind. Der in fünf Wolkenbogen geraffte Ueberhang trägt in den drei mittleren Bogen eingestickt die hebräische Inschrift Krone der Tora: Herr Löb, Krone des Priestertums, Krone des Königtums Rahel. Besonders hervorgehoben wird der Toraschrank durch die seitliche Einfassung mit geländerartiger Wangen. Aus der Abdeckplatte dieser Brüstungsgeländer haben Kerzenhalter zum Aufstecken der Jahrzeitlichter Anordnung gesunden. Rechts vom Toraschrank steht noch der aus Messingbronze gefertigte Chanukkaleuchter. Die Raummitte der Synagoge wird sehr wir-, kilngsvvll durch das über zwei Stufen erhöhte Almemor betont. Der polygonale Holzausbau ist von zwei Seiten durch Treppen zugängig. Nach dem Toraschrank hin ist er mit einer klappbaren Pultplatte zum Auflegen der Torarollen versehen. Die Oer sterbende König Von Edith L. Meyer Aus seiner Burg Zion saß König David und wärmte sich am Schein der untergehenden Sonne. Niemand war um ihn als sein Lieblingsknabe Simei, der unweit ans einem Mauervorsprung hockte und träumend in die Ferne sah. Wieder war ein Feldzug gegen die Philister beendet, und abermals hatte David, den Feind bezwungen durch die Macht seines Schwertes und die Stärke seines Geistes, also daß sein Ruhm sich mehrte weit über Israels Grenzen hinaus. Aber David ward müde. Denn er ging nun ins vierzigste Jahr seiner Regentschaft über Juda und Israel, und znviele Kriege waren geführt, allzuviel Siege erfochten worden. Der Tod von Kindern und Kindeskindern hatte seinen Schatten geworfen aus das nun siebenzigjährige Leben; und das vergossene Blut Hunderttausender suchte ihn zuweilen des Nachts heim und beunruhigte seine Träume. Und David saß im Schein der sinkenden Sonne und dachte nach über sein Leben, über Vergangenheit und Zukunst seines Volkes, über Israels Ruhm und Große. Vor seinen Augen erstanden die alten Bilder in starker Lebendigkeit und zogen an ihm vorüber wie gestaltgewordene Träume. Er gedachte seiner Kindheit, des unbekümmerten Hirtendaseins — seiner Salbung und Berufung durch den HERRN — gedachte in wehmütigem Erinnern des liebsten Jugendfreundes Jonathan, so jung im Kamps erschlagen, und des andern herrlichen Jünglings, seines Lieblingssohnes Absalom. der um schwerer Untreue willen das junge Leben lassen mußte. Und gedachte ohne Groll des alten Widersachers Saul, der ihm oft nach dem Leben getrachtet — des Umherirrens in fremden Landen, stets auf der Flucht vor dem Haß des Köngs, doch immer wieder wundersam errettet durch die Gnade des HERRN. Und der alte David freute sich seines frommen gottgefälligen Lebenswandels; aber er vergaß nicht der Sünden, die auch er begangen, und der Buße, die ihm vom Herrn auserlegt ward. Doch wie Samuel einst mahnend dem Saul verkündet: „Meinst du, daß der HERR Lust habe am Opfer, nach begangener Tat? Gehorsam ist besser denn Opfer" — so hatte er sich gemüht, der Sünde zuvorzukommen und sie nicht reif werden zu lassen in seinem Herzen. Dennoch: abermals war er der Versuchung unterlegen, da er die Hand ausstreckte nach Bath-Seba, eines anderen Weib. Doch der HERR hatte ihm auch diese Missetat vergeben und der Bath-Seba Leib gesegnet, daß sie ihm Salomo gebar, den künftigen König der Inden. Und David begriff, wie so nahe alles beieinander lag im menschlichen Leben: Geburt und Tod; Krieg und Friede; Freude und Leid; Sünde und Guttun. Zwischen all diesem, so wußte er, liegt nicht mehr als eine dünne Wand, und nur wer die Kraft des Geistes und der Seele besitzt, kann sie hinwegheben und die Weisheit der Erkenntnis gewinnen. Vielleicht müßte man erst so alt werden, wie er, David — vielleicht auch müßte man soviel Schuld aus sich geladen, soviel Blut vergossen haben, soviel Tränen geweint, um dahin zu gelangen. Dann aber wird man müde des Lebens und sehnt sich, heimzugehen zu deu Vätern, und verlangt nach dem ewigen AusruheN, dem.kein Erwachen, folgt. Die Sonne war am Untergehen; jenseits der Berge glomm noch ein schmaler rosiger Streif, der seinen Widerschein auf des Königs ehrwürdiges Haupt warf. Ihn fröstelte; da sprang der Knabe Simei aus, tat behutsam Decken aus weichem Lammfell um die alten Schultern und wies ehrerbietig und mit sanfter Stimme aus die vorgerückte Stunde. Doch der Alte verzog noch ein wenig; es war so schön und friedlich, in der sterbenden Sonne zu sitzen und der Ruhe zu pflegen, nach all den vielen und lauten Kriegsjahren, die ihn müd und mürbe gemacht. Und er dachte: GOTT hat mir Ruhm und Sieg, der Waffen verliehen; mein Acker ist fruchtbar, die Scheunen gefüllt. Der Teuerung habe ich gewehrt und also gut vorgesorgt für die Meinen. Die Kinder Israels mehren sich, und mein Sohn Salomo wird zum künftigen König gesalbt. Darf ich nun nicht ausruhen, HERR, da mein Lebenswerk getan, da mein Herz müde und mein Fleisch dürr geworden gleich einem saftlosen Stamm? ' Ja, nun wollte er schlafen gehen, der alte König. Und er winkte dem Knaben Simei, daß er ihn herabgeleite zu seinen Gemächern. Aus der Schwelle der Schl'askammer stand die junge Abisag, die man ihm von Sunem gesendet, daß er sein erkaltendes, hinsterbendes Fleisch wärme an ihrem Blut. Die Arme ehrfürchtig über der Brust gekreuzt und zu demutvollem Gruß den Körper hingebogen, war sie des Befehls ihres Königs gewärtig. Aber David gelüstete nicht mehr nach menschlicher Wärme. Er fühlte das Leben langsam aus sich herausrinnen wie einen versiegenden Strom, fühlte sich fern und abgelöst von allem Irdischen. Seine alten, wissenden Augen, die eben noch in die sinkende Sonne geschaut, sahen nichts mehr von Menschen und Dingen um ihn her; denn er weilte nicht mehr bei ihnen, sie nicht mehr bei ihm. Er war hinübergeglitten in eine fremde, vom Diesseits geschiedene Welt. Jetzt, da inan ihn aus sein Lager gebettet, kniete Abisag'von Sunem vor ihm, die Augen gefmkt, immer noch seines Befehls harrend und bereit, ihm zu dienen mit ihrem warmen jungen Körper. Doch der Alte, ihrer nicht mehr gewahr, ließ seinen Blick dämmernd über sie hinweggleiten in Fernen hinein, von denen ihr einfältiges Herz nichts ahnte, nie etwas ahnen würde. Seine Hand siel herab und blieb aus des Mädchens dunklem Scheitel ruhen; von seinen Lippen aber stieg ein hoher singender Ton und bewegte In der nächsten Woche beginnen wir mit dem Abdruck der Novelle mm Eine Filmidee von Käthe Wtenskoiuitz Die Hauptpersonen: In Berlin Dr. Felix Drechsler, Herausgeber der Bilderzeitschrift „Freitag. Abend". Senta Hartmann, Journalistin, sein jüngstes Redaktionsmitglicd. In Unterzoesnitz Bernhard Üfebeck, der vor 30 Jahren starb. Henoch Hartmann, Sentas Onkel. Rabbiner Dr. GrüHmacher und alle Mitglieder der kleinen indischen Gemeinde. Im Fernen Osten Rex Flowerbrink, Senta Hartmanns Jugendfreund. Juan Liborra, ein Hochstapler. Wan-Eul, eine junge Schöuhcitspflegerin in Pciping. Liu, ihr Verlobter in Lan-tschou. Lin, der leiste Schammes von Kai-fong-fu. Bambus, seine Frau.

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