Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936) - farbig
- Issue
- 15 (9.4.1936)
- Date
- 1936-04-09
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 15 * 1. Beiblatt CYZettunq 9. April 1936 Was will die Tagesschule für Berufsvorlehre? Eine Unterhaltung mit ihrem Leiter Alfons Rosenberg Alfons Nosenberg, ehemaliger Studiendssessor und künftiger Leiter der Tagesschule für Berufsvorlehre, die Anfang Mai in Berlin- Niederschönhausen eröffnet wird, steht selbst in der Tür, als ich an seiner Wohnung klingele. Erster Eindruck: ein Herr von mittlerer Statur, etwa in der Mitte der Dreißig stehend, mit klugen, braunen Augen, sehr schlicht und von ruhigen, aber doch bestimmten Bewegungen. Während er mich in sein Zimmer führt und zwei Stühle herbeiholt, scheint ihm etwas einzufallen; er hält inne, sieht mich nachdenklich an und meint dann: „Bevor wir unser Gespräch beginnen, möchte ich Sie etwas fragen — aber Sie dürfen es nicht übelnehmen! Wenn Sie über unsere Unterhaltung schreiben — werden Sie da etwa auch meinen Namen nenneü?" — „Das wird sich wohl kaum vermeiden lassen/" — Alfons Rosenberg ist ehrlich erschrocken: „Ach, das ist mir aber unangenehm." — „Warum denn? Ich kann doch unmöglich von einem anonymen ,Leiteck einer Schule berichten, das würde doch schrecklich geheimnisvoll klingen!" — Nosenberg sieht das ein, aber es tröstet ihn wenig. Nach diesem heiteren Zwischenspiel kommen wir zu unserem eigentlichen Gesprächsthema. „Wie ich höre", frage ich, „wird Ihre Schule ausschließlich männliche Jugendliche von 14 bis 16 Jahren aufnehmen. Vielleicht schildern Sie zunächst die allgemeinen Gesichtspunkte, aus denen sich Ihre künftige Arbeit aufbaut." „Wir gehen in erster Linie davon aus, daß die eigentliche Bildung der Jungen nach Ljührigem Besuch der Volksschule oder auch der Höheren Schule noch nicht abgeschlossen ist und einer weiteren Förderung bedarf. Als unsere zweite, nicht weniger wichtige Aufgabe sehen wir es an, die Jungen mit dem Handwerk bekannt und vertraut zu machen. Dadurch, daß die Jugendlichen die verschiedensten handwerklichen Sparten kennen lernen, verhindern wir gleichzeitig unüberlegte und ungenügend vorbereitete Umschichtungsversuche. Nicht zuletzt erstreben wir bei unserer Arbeit die Erhöhung der Nuswanderungsfähigkeit der jüdischen Jugendlichen, gleichviel ob sie später nach Palästina oder nach anderen Ländern gehen." „Wenn ich Sie recht verstehe, Herr Rosenberg, wird Ihre Schule also in der Hauptsache der Vorbereitung der Jugendlichen auf einen späteren handwerklichen Beruf dienen?" „In dieser Form möchte ich es nicht ausdrücken. Der Ton liegt nicht so sehr auf dem handwerkstechnischen Teil unserer Arbeit, als vielmehr darauf, daß durch das Handwerk die Gesamtpersönlichkeit gebildet und erzogen werden soll. Mir fällt da ein Ausspruch Martin Bubers ein, der einmal auf einer Lehrertagung ungefähr sagte: Das jüdische Denken ist vielfach von den Dingen losgelöst und unsubstantiell; durch das Handwerk wird den Juden ein zusammenhängendes, gebundenes, geradezu ein Mit-den- Fingerspitzen-Denken vermittelt. Etwas derartiges schwebt uns vor, wenn wir auch andererseits weit davon entfernt sind, das Handwerk gewissermaßen zur Metaphysik zu erheben." „Und wie steht es mit der Organisation der Schule." „Unsere Schule ist kein Privatunternehmen, sondern eine Gründung der Reichsvertretung, also auch parteipolitisch völlig neutral. Wir rechnen mit etwa 60 Schülern, und zwar zur Hälfte mit Berlinern und zur Hälfte mit auswärtigen Kindern; diese sollen in einem Wohnheim untergebracht werden. Die Kinder sollen täglich außer vier Stunden Werkarbeit bei handwerklich und pädagogisch gleich gut geschulten Werklehrern und Handwerksmeistern je eine Stunde Hebräisch, Englisch und Leibesübungen in möglichst selbständiger Form, wenn auch unter Anleitung und Ueberwachung von Lehrern, betreiben; ebenso erhalten sie Unterricht in Judentumskunde, Kulturkunde, Zeichnen, Musik, Naturwissenschaften." „Sollen alle 60 Kinder gemeinsam unterrichtet werden?" „O nein! Für den Sprachunterricht werden zwei Gruppen zu je 30 Schülern gebildet, für den Werkunterricht ist eine weitere Unterteilung vorgesehen. Uebrigens stützen wir uns hierbei auf die Erfahrungen der Vorlehre, die Martin S o b v t k e r vom Jugendpflegedezernat der Berliner Jüdischen. Gemeinde ins Leben gerufen hat." „Wäre es Ihnen wohl möglich, Herr Rosenberg, schon jetzt den voraussichtlichen Ablauf eines Durchschnittstages zu schildern?" „Gewiß ist das möglich. Wir sind, wie unser Name schon besagt, eine Tagesschule, weil wir glauben, in dieser Form am nachhaltigsten auf die Jugendlichen Einfluß üben zu können. Der Unterricht beginnt morgens um 8 Uhr mit drei Lernstunden ä 40 Minuten, dann folgt eine Frühstückspause von etwa 20 Minuten, in der die Kinder ein einheitliches Frühstück — voraussichtlich einige Stullen und eine Tasse Milch — erhalten werden, dann folgen nochmals drei Lernstunden, und dann gibt es Mittagessen. Darauf folgt eine Pause von zwei Stunden, in der die Jungen spielen, lesen oder sonst etwas nach ihrem Belieben treiben können. Von 3 bis 7 Uhr ist Werkunterricht, und damit ist der Tag zu Ende." „Nun m>$j einige Fragen: wie lange soll die Ausbildung in Ihrer Schule dauern? Was folgt danach? Sollen irgendwelche Zeugnisse erteilt werden?" „Als Ausbildungszeit ist die Dauer von einem Jahr vorgesehen. Selbstverständlich gibt es auch Zeugnisse, -und zwar eines zu Oktober und ein Abgangszeugnis beim Verlassen der Schule, 'letzteres in mehr gutachtenmüßiger Form. Dieses Abgangszeugnis wird für die Institutionen, mit denen der Jugendliche dann in Berührung kommt, von erheblicher Bedeutung sein. Als solche Stellen nenne ich in erster Reihe die Lehre, die Jugendalija und die weiterführende handwerkliche oder gärtnerische Ausbildung im Inland oder Ausland." Mit den besten Wünschen für eine erfolgreiche Arbeit zum 'Besten des jüdischen Nachwuchses verabschiede ich mich von meinem freundlichen Gesprächspartner. Günther Looser. Der CV hilft der jüdischen Schule Durch die Vorfrühlingslandschaft mit frischem Grün und blühenden Mandelbäumen windet sich unser Auto auf kurvenreicher Landstraße durch den breiten Höhenzug längs der Bergstraße, den Odenwald. Dort, wo die Höhenstraße sich nach Süden wendet, nach Michelstadt, dessen „Baal- Schem" diesem Odenwaldstädtchen in der jüdischen Geschichte einen Namen gemacht hat, halten wir. Hier liegt H ö ch st, eine kleine Gemeinde, in die seit den Herbsttagen des vergangenen Jahres durch die Gründung einer Bezirksschule für neun Synagogengemeinden des Odenwaldes wieder neues jüdisches Leben seinen Einzug gehalten hat. Im Hof neben der Synagoge herrscht lautes Leben. Das erste Schuljahr ist zu Ende. Zu der Schlußfeier in der Synagoge war der Centralverein aus F r a n k f u r t a m M a i n geladen, um eine von ihm der Schule gestiftete Bibliothek der Obhut der Schule zu übergeben. Unter der bewährten Leitung von Lehrer Kahn, einem treuen Freunde des C.-V., ist eine zweiklassige Volksschule mit etwa 45 Schülern entstanden. Mit einfachen Mitteln wird das Unterrichtsmaterial selbst angefertigt. Aus Zeitungen Zeitschriften und anderen Veröffentlichungen hat man Anschauungstafeln zusammengestellt, die für alle Wissensgebiete wichtige Hilfsmittel der Lehrer und Schüler sind. Buchstabenkästen für die Kleinen, ein „ewiger" jüdischer Kalender und manches andere ist auf diese Art entstanden. Neben dem Schulhof steht ein großes A u t o, das täglich 14 Kinder aus den verstreut liegenden Gemeinden unter Führung eines jungen Lehrers zur Schule und nach Hause bringt. Die Schulschlußfeier in der Synagoge beginnt. In der vordersten Reihe stehen sieben Schüler, die die Schule verlassen. Nach dem gemeinsamen Gesang des „8edol6m aleiebem" spricht Lehrer Kahn. Er begrüßt den Vertreter des Vorstandes des C.-V., Lothar Bauer uud Dr. M a tz d o r f s, den Syndikus des Landesverbandes. Er dankt für die zur Verfügung gestellte C. - V. - B ü ch e r e i Der Fachmann für Gabardine-Mäntel BERNHARD BOHRMANN Herrenkleiderfabrik * Asch aff enburg und das Interesse des C.-V. an Dingen der Erziehung und Bildung, das hierin seinen Ausdruck gesunden habe. Den Schülern — Jungen und Mädels — gibt er ernste Worte mit in die Ferien und auf den Lebensweg. Die Kinder verstehen ihn, man sieht es an den Gesichtern und Tränen in manchen Augen. Er weist auf die geweihte Gottesstütte hin, in der die Feier stattfindet und ermahnt alle, sich als Juden zu bewähren. Dr. M a tz d o r f f übergibt dann in einer kurzen Ansprache die Bücherei der Schule. Sie soll den Schülern, aber auch ihren Eltern und Lehrern die Verbindung mit der Welt, neben jüdischer Bildung ermöglichen. Durch Wissen gibt es eine innere Freiheit und Haltung. Zu dieser wolle der Central-Verein neben den Kräften der Schule verhelfen. Vor der Zeugnisverteilung werden zwei Lieder gesungen und dann gemeinsam: „Aiissee scholeum bimraumow ..." „Er stiftet Frieden in seinen Höhen..." Die Feier ist zu Ende. Wir danken herzlich. Einige Händedrucke. „Gut Pessach!" Zwei Wagen werden angelassen, der eine bringt die Kinder zurück in die Ferientage und auf den Weg von der Schule ins Leben. Wir aber fahren hinunter ins Tal, und als wir aus der Reichsautobahn an der neuen Luftschisfhalle vorüberfahren, da sind wir wieder in der Großstadt. Neue Arbeit wartet. Aber nicht einen Augenblick wollen wir unsere Freunde in den Landgemeinden vergessen. Berta Falkenberg Noch trauern wir alle mit Berta Falkenberg um den schweren Verlust, der sie durch den Heimgang des Gatten betroffen hat. Aber diese Trauer darf und soll nicht dazu führen, den 8. April, den 60. Geburtstag Berta Falkenbergs, ohne ein Wort des Dankes und der Verbundenheit vorübergehen zu lassen. Wir danken ihr, der Vorsitzenden des Verbandes der Jüdischen Frauenvereine in Berlin, der Mitkämpferin in der Gemeinde auf allen Gebieten der sozialen Hilfe, für alles, was sie in jahrzehntelanger Arbeit für die jüdische Gemeinschaft geleistet hat. Wir nennen besonders aus den letzten Jahren das Erholungsheim Lehnitz und das erste jüdische Kindergärtnerinnenseminar in Berlin. Wir danken ihr aber vor allem für die tapfere und aufrichtige Gesinnung, mit der sie in aller Notzeit mit uns zusammengestanden hat. Cora Berliner. Quiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiuin DieGeschäf tsstelle des Landesverbandes Ostpreussen des C.-V. ist am *.• April nach Königsberg, Altstadt. Langgasse 38,1 (Nähe Kaiser-Wilhelm-Platz), verlegt worden. Mira \ TOKIO. Von Hilde Rosenthal (Schluß) In Mukden trennen wir uns von der Engländerin. Sie fährt mit dem „Fliegenden Asia" weiter. Wir aber stürzen ins Hotel, in die Badewanne, stundenlang. Einfach göttlich, so ein Bad nach zwölf Tagen Fahrt. Alle kommen wir natürlich zu spät zum verabredeten Rendezvous. Bis um ^9 Uhr abends wird Essen serviert. Wir kommen kurz vorher und bekommen den Unmut des Personals zu spüren. Hintereinanderweg tragen sie die Speisen auf mit einer unangenehmen Geschwindigkeit. Ein Zeichen für gewollte Unhöflichkeit. Wir versuchen das mit Fassung zu tragen, lassen uns nichts anmerken. Gegen 10 Uhr abends verläßt uns nun auch der Engländer. Wir kommen uns beinahe so vor wie in dem Kinderlieb „Zehn kleine Negerlein". Jeden Tag verschwindet einer . . . Mukdener Nachtleben Ueberraschend, wie viel schöne, eigenartige Mädchengesichter — Koreanerinnen, Chinesinnen, Japanerinnen — sich in dieser Mukdener Dance Hall sammeln. In einer Reihe sitzen sie aus Stühlen um die Tanzfläche herum. Aus der erhöhten Balustrade thronen die Herren, die für jeden Tanz einen bestimmten Obulus zu entrichten haben. Sie kaufen so und so viele Zettel an der Kasse, drücken sie dann der jeweiligen Tänzerin beim Tanzen in die Hand. Das Etablissement erhält sich nicht von dem, was verzehrt wird, sondern von dem, was „vertanzt" wird! Daß die Einnahmen gut sein müssen, bezeugen zwei ausgezeichnete Tanzorchester, die unermüdlich anfspielen. Unermüdlich tanzen auch die Mädchen. An jedem Tanz sind sie mit einem bestimmten Prozentsatz beteiligt. Nach Schluß liefern sie ihre Zettelchen ab, stellen fest, was sie an diesem Abend ertanzt haben. Spaß macht das Zuschauen, zum Mitmachen sind wir zu müde. Auch wollen wir morgen wieder früh aus den Federn, um noch kurz vor der Weiterfahrt eins von den Kaisergräbern zu besichtigen. Zahllos ist die Schar der Rikschahmänner, die beim Nachhauseweg hinter einem herlausen, ihre Dienste anbieten, sich immer wieder als den schnellsten und billigsten Nurmi von Mukden anpreisen. Das Nord-Mausoleum* Trotz großer Müdigkeit finden wir uns pünktlich am nächsten Morgen ein. Unser Zug geht um 11 Uhr 30 Min. weiter und wir müssen uns wieder sehr Hetzen. Mukden ist maßlos staubig. Die Polizisten tragen, über Mund und Nase gestülpt, sogenannte „Influenza-Masken", die gegen Staub, angeblich auch gegen Erkältung, schützen. Üeber asphaltierte Straßen fährt der Wagen, oftmals stoppend, vorsichtig über fast zwei Meter tiefe, ausgebuddelte Löcher. Ich zerbreche mir den Kopf, warum man gerade in den schönen, spiegelglatten Asphalt diese höchst unerfreulichen Löcher zum Abstoppen der Schnelligkeit ausgehoben hat, frage den Chauffeur danach. „To get rid ok the bandits“ ist seine kurze, aufschlußreiche Antwort. Mir wird dabei nicht ganz behaglich zumute. Die Anfahrt zum Park, in dem die Gräber liegen, zeigt das gleiche Bild wie überall, wo es etwas Sehenswertes gibt. Ansichtspostkarten und Photographien werden feilgehalten, die geschmacklosesten Gegenstände als Erinnerungszeichen an den Besuch dieser Stätte mit den beschwörendsten Gebärden zum Kauf angeboten. Typischer für die Gegend wirkt dagegen schon die Anwesenheit eines Igels. Drei Burschen schlagen mit Stöcken unentwegt aus einem Gesträuch herum, in dem sich eine Schlange verborgen hält. Wir sind aus diesen Zweikamps nicht neugierig . . . * . . . „Das Peil-Ling (Nord-Mausoleum) wurde 1644 zu Ehren des Kaisers Taitsung, dem zweiten Herrscher per Ching-Dynastie, und seiner Gemahlin errichtet. Das Mausoleum ist von einer Autzenmauer von zwei Kilometern Länge und einer inneren Mauer von sechs Metern Höhe umgeben. In den unermeßlich großen Hof münden dicht mit alten Kiefernbäumen bestandene Wege ein, von beiden Seiten mit Tierfiguren flankiert. Besonders bemerkenswert die Pfevde-Statuen. Man nimmt an, daß sie die Lieblingspferde des Kaisers Taitsungs darstellen. Im Innern der einen der beiden großen Türme steht eine Tafel, eine Grabschrift in mandschurischen, mongolischen und chinesischen Charakteren (die Tugenden des dahingeschiedenen Kaisers preisend), — geschrieben von Kaiser Kanghsi, dem bedeutendsten Calligraphen jener Tage . . ." So heißt es in dem „Führer durch Mukden". Eine Symphonie von Formen und Farben bilden diese Tempel. Ihre Schöpfer übersäten sie in verschwenderischer Fülle mit kunstvollen Ornamenten aus Holz und Stein. Zahllose Embleme, darunter Tierköpfe, zieren die Dachfirste, Figürchen aus Holz, grün und blau gemalt, schmücken die Tempel unterhalb der mitunter hellgelb gesiegelten Dächer, und die scharlachroten Türme und Türmchen, die sich da und dort erheben, geben den. Prunkvollen Gräbern ein geradezu malerisches Aussehen. Dicht bestandener Baurnwuchs, bizarr gewachsene Baumkronen unterstreichen noch die Einzigartigkeit der Szenerie. Unendliche Stille liegt über den Tempeln. Nur die plätschernden Wasser eines Brunnens verraten Leben, Bewegung. Wie verzaubert gehen wir umher, steigen zuletzt auf die hohe Mauer, die wir in ihrer ganzen Ausdehnung abschreiten. An einer Stelle wird hinter dem Heiligtum der Hügel, unter denr der Kaiser und die Kaiserin verbrannt wurden, sichtbar. Eine halbrunde Steinmasse, Zweckball, wie nicht zugehörig zu dem Ganzen, Herabhängende Aeste uralter Bäume berühren uns bei diesem Rundgang. Aus den Steinen wachsen wild die Pflanzen Heralls, schlingen sich an der Mauer entlang, an den Treppen weiter, die wir treppauf, treppab wandern. Jede Minute fast bleiben wir stehen, das Bild tief in uns ausnehmend. * Propellergeräusche einer Flugzeugstaffel bringen uns zur Gegenwart zurück. . . Einen kurzen Streifzug noch machen wir durch die Altstadt, die von einer zehn Meter hohen, fünf Meter dicken Mauer umgeben, sechs Kilometer lang ist. Im Zentrum der Altstadt liegt der alte Königspalast, heute zum Teil ein Museum. Nur der goldene Königsthron und andere königliche Insignien zeugen von einer versunkenen Epoche des Glanzes. Kostbare chinesische Malereien hängen von den Wänden herab. Kriegsausrüstungen, vor Jahrhunderten im Fernen Osten im Gebrauch, geben Ausschluß über die frühere Art der Kriegsführung. Wertvolle Steininschriften erregen ebenso starkes Interesse wie die merkwürdigen Gestalten präparierter vorzeitlicher Tiere. Von Mukden bis Fusan Und dann ist es wieder so, wie wenn es nie einen Aufenthalt gegeben hätte. Der alte Dauersahrzustand ist wieder eingetreten, wenn auch diesmal der Zug zur Abwechslung „o Hikari" heißt und uns in 24 Stunden von Mukden über Antung, Keijo nach Fusan befördert. Die Fahrt durch Korea ist landschaftlich höchst reizvoll. Bewaldete Bergketten, liebliche Täler, zahlreiche kleine Flußläufe begleiten unsere Strecke. Milde ist die Luft, die Tür des Aussichtswagens ist weit geöffnet. Koreaner in weißseidener Tracht arbeiten auf den Feldern. Die Bauernhäuser sind primitiv, nur die Kürbisse, auf die Dächer heraufgezogen und dort reifend, geben ihnen einen pittoresken Anstrich. Und wie kommen die Kürbisse auf das Dach? Der Grund und Boden ist nicht groß genug und muß in erster rmttuN