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Central-Verein-Zeitung · 1936-04-09 · 15 (9.4.1936) · p. [Seite]

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
15 (1936) - farbig
Issue
15 (9.4.1936)
Date
1936-04-09
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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C.-V.-Gedenkstunde für Ludwig Holländer Auswanderer! Wie transferieren Sie Ihr Vermögen? 1. Beratung über die Einwanderungsstaaten aus eig. Landeskenntnis (Europa und Uebersee) 2. Bestmöglicher und schneller Vermögenstransfer 3. Immobilien-Tausch bei Auswanderungen. Dr. jur. G. E. Rosendahl Devisenberater (Volljurist u. Vollkaufmann) Frankfurt a, Main, Liebigstraße 50 Sprechstundenach telef. Anmeldg. / Tel. 77128 Geldern getroffen. Es beabsichtige auch nicht, dabei nach einem bestimmten Maßstab zu verfahren. Die Verteilungen sollen aus der Grundlage der jeweils vorliegenden Arbeiten erfolgen und von der An-> zahl von Auswanderern abhängig sein, die durch das in Frage kommende Projekt untergebracht werden sollen. Meldungen darüber, daß das Eouneil kor Osramn Jewry sein Aufgabengebiet erweitern und die gesamte jüdische Wohlfahrts- und Hilfsarbeit, die von jüdischen Organisationen in Polen, Rumänien usw. durchgeführt wird, umfassen ivürde, wurden offiziell dementiert. Es wurde sestgestellt, daß das Hilfswerk für die Juden aus Deutschland derartig beschaffen sei, daß zur gleichen Zeit weitere Verantwortlichkeiten und Verpflichtungen nicht übernommen werden könnten. Wie es heißt, sind Bestrebungen vorhanden, um in England die Arbeit der zahlreichen Organisationen, die sich jetzt mit dem Hilsswerk sür die Juden in Polen und anderen osteuropäischen Ländern beschäftigen, zusammenzusassen. C.-V.-Vortragsabend im Nordosten Berlins Auf einem sehr stark besuchten Vortragsabend des Landesverbandes Groß-Berlin des C e n t r a l v e r e i n s am 1. April in den Berolina-Festsälen sprachen Dr. Alfred H i r s ch b e r g und Rabbiner Dr. Manfred Swarsensky über „Jüdisches Schicksal — Jüdische A u f g a b e". In seiner einleitenden Begrüßungsansprache wies der Leiter der Veranstaltung, Rechtsanwalt Dr. Kurt Braun, darauf hin, daß der C.V. sich zwar in der Anzahl seiner Ortsgruppenabende in letzter Zeit eingeschränkt habe, daß aber eine praktische Arbeit gerade heute in erhöhtem Maße geleistet werde. Als erster Redner umriß Alfred Hirschbe r g die G e g e u w a r t s a u f g a b e n der Juden in Deutschland. Er ging von der umwälzenden Wandlung, die sich vor genau drei Jahren für die Juden in Deutschland vollzogen habe, aus, schilderte die Probleme der inneren und äußeren Umstellung jüdischer Menschen und besprach die aktuellen Tagesp.rvbleme, wie sie sich u. a. aus der Samuel-Aktion sowie aus der Gründung einer jüdischen Auslvandererschule ergeben. Am Schluß seiner Ausführungen forderte er dazu auf, mit gefestigtem jüdischen Bewußtsein an einer jüdischen Zukunft zu arbeiten. Manfred Swarsensky schilderte die besondere Rolle der Juden in der Geschichte. Sie seien ein Volk, aber nicht ivie andere Völker, und eine Religionsgemeinschaft, aber nicht wie andere Religionsgemeinschaften. Die Bedeutung Palästinas für die jüdische Gegenwart dürfe in keiner Weise unterschätzt iverden. Es käme daraus an, die Grenzen des Aufbaulverks zu erkennen. Daß das jüdische Schicksal eines Landes nicht auf das eines anderen übertragbar sei, beweise schon die Verschiedenartigkeit der Rechtsstellung etlva der englischen und der polnischen Juden. Es komme nach einem Wort Bubers nicht darauf an, o b der einzelne bleibe oder ob er seine Heimat verlasse, sondern w i e er seine Entscheidung treffe. Entscheidend sei die Eingeordnetheit in das jüdische Geschehen und die Liebe zum jüdischen Schicksal. Die Veranstaltung wurde umrahmt durch Gesangsvortrüge von Wilhelm G u t t m a n n (begleitet von Leo Taubmann), der Werke von Händel, Schubert und Wolfs eindrucksvoll zum Vortrag brachte. » In der Dortmunder -Synagoge sprach am Sonnabend, dem 4. April, Dr. Alfred Hirschberg über „Jüdisches Schicksal — Jüdische Aufgabe". Er zeichnete die innere Linie des jüdischen Schicksals in ihrer Verbindung zur äußeren Linie der jüdischen Geschichte und erkannte nur diejenigen Aufgaben als bedeutsam an, durch die die Kontinuität von Schicksal und Geschichte gewährleistet bleibe. Jede Zeit habe ihre Wertungen. Unser Bestand liege jedoch darin begründet, daß wir eine Üblerzeitliche Währung aufwiesen: aus den Quellen unserer jüdischen Ueberlieferung, unserer jüdischen Gegenwartsbejahung und unserem jüdischen Zukunstswollen geformt. Die Gemeindemitglieder, die in großer Zahl erschienen waren, dankten dem Redner, der Würde des Ortes gemäß, durch Erheben von den Plätzen. Am Sonntag vormittag versammelten sich auf Einladung des Central-Vereins zahlreiche Freunde zu einer Gedenkstunde sür Ludwig Holländer. Die Berliner Gemeinde war durch ihren Vorsitzenden Heinrich Stahl vertreten, der Landesverband Preußischer Gemeinden, die Zionistische Vereinigung, der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten, der KE, der Hilfsverein der Juden in Deutschland, die Loge und viele andere Organisationen hatten ihre Vertreter entsandt. Die Stellvertreter des Vorsitzenden, Dr.BrunoWeil und Ernst Wallach, führten die Gattin Ludwig Holländers zu ihrem Platz gegenüber dem Rednerpult, das das Bild des Verewigten an seinem Schreibtisch mit Trauerflor umkleidet, trug. Das Streichquartett des Kulturbundes leitete die Feier mit Beethovens Adagio aus dem Streichquartett Opus 18 Nr. 1 ein. Dann begrüßte in Vertretung des Vorsitzenden des Central-Vereins, der sich auf einer längeren Urlaubsreife befindet, sein Stellvertreter Dr. Ernst H e r z f e l d (Essen) im Aufträge des Präsidiums die Versammlung, die sich im Gedenken des „treuen Eckehards des Central-Vereins", Ludlvig Holländers, zusammengefunden hatte. Er legte in kurzen markanten Worten aus jahrzehntelanger gemeinsamer Arbeit Zeugnis ab für die unermüdliche Arbeit Holländers, von dem man in Abwandlung eines Wortes Herman Cohens habe sagen können: im Mittelpunkte seiner wissenschaftlichen Erkenntnis habe fein Judentum gestanden. Er habe in einer Zeit, in der sich die Säkularisation des Judentums in schneller Form zu vollziehen begann, in Wort und Schrift aufklürend, aufrüttelnd, die Geivissen schärfend gewirkt und die jüdischen Menschen wieder mit ihrer Vergangenheit verbunden. Er habe die Bindung zu unserer Glaubens-, Schicksals- und Geschichtsgemeinschaft neu belebt. In dieser Richtung hin habe sich Ludwig Holländer einen dauernden Ehrenplatz in der Geschichte des Judentums in Deutschland gesichert. Nun nahm Dr. Franz Eugen Fuchs das Wort zu einer umfassenden Charakterisierung England Der König von England empfing eine Abordnung britischer Juden im Buckingham- Palast, die ihm im Nahmen eines größeren Empfanges von Abordnungen großer englischer Organisationen vorgestellt wurde. Der Deputation,. die vom Präsidenten des Board of Deputies of British JAws, Nepille Laski, geführt wurde, gehörten der Präsident der Anglo Jewish Association, Leonard Montefivre, sowie Sir Osmund d^Avigdor Goldsmid, Lady Spielman, Sir Isidore Salmon und Lionel de Rothschild an. Lionel de Rothschild verlas im Aufträge der Abordnung eine Huldiguugsadresse an den König. In ihr wird namens des Board ok Deputies ök British Jews, als der gewählten repräsentativen Körperschaft der Juden des britischen Empire und im Namen der Anglo Jewish Association dem König und den Mitgliedern der königlichen Familie die tiefgefühlte Sympathie der jüdischen Untertanen des Königs zu dem schmerzlichen, Verlust anläßlich des Todes von König Georg zum Ausdruck gebracht. König Eduard antwortete auf die Huldigungsadresse der jüdischen und der anderen Abordnungen. Er übergab dann jeder Deputation eine schriftliche Antwort. In der an die jüdische Delegation gerichteten Erwiderung heißt es: „Ich bin erfreut, Ihre loyale und ehrerbietige Adresse zu empfangen, die die Sympathie meiner jüdischen Untertanen in allen Teilen des Empire zu dem schmerzlichen Verlust zum Ausdruck bringt, den ich durch den Tod meines lieben Vaters erlitten habe. Ich danke Ihnen für Ihre große Wertschätzung der hohen Eigenschaften König Georgs und für Ihre Anerkennung der Einfachheit, die all sein Wirken während der sorgenvollen und bewegten Jahre seiner Regierung erfüllte. Ich danke Ihnen auch für Ihre Glückwünsche zu meiner Thronbesteigung und für Ihre Versicherung einer unveränderten Ergebenheit. Ich hoffe, daß Segen und Glück nur bei Bewahrung des Friedens und der Einheit und der Wohlfahrt meines Volkes beistehen werden." Frankreich Der französische Staatsrat hat ein von dem Bürgermeister der Industriestadt Valenciennes erlassenes lokales Schächtverbot für ungültig erklärt. Die von dem Staatsrat aufgehobene Verordnung des Bürgermeisters war im November 1930 erlassen worden Polen Das polnische Parlament überwies das vom Sejm und Senat in der bekannten Fassung angenommene Schüchtgesetz dem M i n i st e r r a t zur Weiterleitung an den Präsidenten der Republik, der es mit seiner Unterschrift versehen in dem Gesetzblatt verkünden wird. der Persönlichkeit, des Werkes und des zeitgeschichtlichen Hintergrundes, vor dem sich das Leben Ludwig Holländers abspielte. Er schilderte Ludwig Holländers Wirken, geboren aus einer festen Gesinnung, erprobt und bewährt zunächst in der Münchener K. C. - Verbindung, als Mitglied und späterer Mitarbeiter der bayerischen Central- Vereins-Organisation und dann in seinem Höhepunkt als Syndikus und schließlich als Direktor der Zentrale des Vereins. Seine tiefe Wirkung auf Hörer und Leser, auf Ratsuchende und Mitarbeiter habe in seiner philosophischen, sokratischen Natur gelegen, die stets nach dem Inhalt der Begriffe fragte. Niemals habe er Begriffe angewendet, ohne sie bis zum letzten ergründet zu haben, und. dieses Forschen, die ständige edle Skepsis des ewigen Fragens habe ihm die Distanz zu den Ereignissen des Tages gegeben, die jeder haben muß, der führen und die Zeichen, der Zeit verstehen will. Dieses Suchen nach innerer Erkenntnis, diese stete induktive Methode, die Begriffe aus dem Leben ableitet und immer wieder aus das Leben zurückführt, habe auch feine kulturpolitische Richtung geleitet und ihm die Sehnsucht nach einer Liga sür den inneren Frieden eingegeben. Sie haben ihn auch zu seiner Stellung zu Palästina beeinflußt, das er lange vor 1933 bejaht, aber dessen Unterstellung unter einen bestimmten politischen Begriff er verneint habe. In unserer Erinnerung lebe er weiter als der Warner in guten und der Aufrichtende in schweren Zeiten. Er werde nicht mehr zu uns sprechen, aber wenn wir klar im Denken und unermüdlich im Wirken bleiben, dann werde er nicht umsonst zu uns gesprochen haben. „Für den Mann spricht sein Werk." Aus diesem Gedanken heraus gab Dr. Hans Reichm a n n eine eindrucksvolle Zusanunenstellung von Zitaten aus Reden kmd Schriften Ludwig Holländers. Das Streichquartett des Jüdischen Kulturbundes spielte abschließend Tschaikowskys Andante cantabile aus dem Streichquartett opns 11 und gab damit der Trauerstunde einen lang nachhaltenden würdigen Abschluß. Dr. M. E. Rumänien Die Vereinigung der rumänischen M i t t e l s ch ul l e h r e r hielt in I a s s y einen Kongreß ab, auf dem auch die Frage der Beziehungen zu den Lehrern, die sich zu den Minderheiten rechnen, zur Sprache kam. Es wurde beschlossen, gute Beziehungen zu diesen Lehrern zu unterhalten und eine Schulpolitik befürwortet, die poin Geiste freundschaftlicher Beziehungen zu den Minderheiten geleitet wird. Das neuePolen Die jüngste Zuspitzung der Judenfrage in Polen hat die allgemeine Aufmerksamkeit wiederum auf das große Nachbarland gelenkt, in dem nicht weniger als drei Millionen Juden leben. In einem Aufsatz „Die Entdeckung Polens" (, Deutsches Volkstum", 18. Jahrgang, Nr. 2) weist Profenor _ Erich Maschke, der Königsberger '§^schecker, darauf hin, daß Polen für die weite Oeffentlichkeit im allgemeinen ein unbekanntes Land ivar. Die vorbismarckische romantische Generation begeisterte sich für den Freiheitskampf des polnischen Volkes, zu dessen Ehren sie Polen- Ueder dichtete. Danach war die Ostmarkenpolitik Bismarcks oder auch der sogenannten Hakatisten eine verzweifelte und letzten Endes falsch angelegte Verteidigung des Preußischen Staates gegen den vitalen Aufbruch des Polnischen Volkes. Das Friedensdiktat von Versailles verschärfte noch diesen Zustand: Polen wurde in Deutschland allein aus dem Gesichtsfelde der verlorenen preußischen Ostprovinzen betrachtet. Zu dieser Einengung des Sehwinkels kam die Erstarrung aller Vorstellungen über den größten unmittelbaren Nachbar Deutschlands im Osten: was der neue polnische Staat als Ganzes war, blieb nicht nur unverstanden, sondern sogar unbekannt. Dann kam im Jahre 1933 der große Wandel in den deutschpolnischen Beziehungen: ein Nichtangriffspakt gelangte zwischen beiden Staaten zum Abschluß.' An Hand einer kritischen Durchmusterung der deutschen _ Polenliteratur (einer Auseinandersetzung, die keineswegs an Kritik spart) unterstreicht Professor Maschke die geschichtliche Tatsache, _ daß das moderne Polen eine alleinige Schöpfung Pilsudskis und seiner Mitarbeiter ist. Sie waren Männer eines gemeinsamen Schicksals, ein Kreis, der gezeichnet war vom gleichen Erleben und gefügt von einem Manne, dem Marschall selbst. Der polnische Staat des Marschalls Pilsudfki ist nur von den Menschen her zu verstehen. Er wuchs empor aus dem Zusammenspiel einer Führernatur und einer erprobten Gefolgschaft. Der Mythos um den . toten Marschall ist gewiß eine der stärksten politischen Wirklichkeiten des modernen Polen, aber er deckt nicht die ganze Wirklichkeit Polens und heckte auch nicht zu seinen Lebzeiten die volle Realität der polnischen Politik. Hinter der Fassade des äußeren staatlichen Lebens, wie sie von Pilsudski geprägt wurde, muß man in das Innere dieses Staates und des polnischen Wann und wo finden Sie Rat? Hess. - Nassau und Hessen Frankfurt a. M. Steinweg 9, Zimmer 75—77. (Tel.: 254 08.) Montag, Mittr wocli, Freitag 11—13 Uhr. Mainz Albinistr. 12, II. (Tel.: 318 57.)' Montag bis Freitag 16—18 Uhr. Fulda Hotel Kaufherr, Bahnhofstrasse,' am 30. April, 10—12J4j Uhr. Kassel Gemeindehaus, 30. April, 18 bis 18 Uhr. Limburg a. d. £<. bei Herrn Albert Metzger, 21. April, 15 Uhr. Volkes eindringen, die sich ja nach nationaler Zusammensetzung und innerer Ordnung keineswegs vollständig decken. Die Vielfalt der Völker, die auf dem Staatsboden Polens leben, der politischen Gruppen, die auf sein Schicksal Einfluß zu nehmen suchen, der geistigen Kräfte die um seine Zukunft ringen, bereichert nur das Antlitz Polens und erhöht die Gestalt des Staates und des Staatsvolkes in seiner ganzen Bedeutung. An wesentlichen Einzelfragen der polnischen Innenpolitik hebt Professor Maschke die Autonomiebestrebungen der Ukrainer und das Judenproblem heraus. Lodz ist nicht nur das Zentrum der polnischen Textilindustrie, sondern auch der jüdischen Proletarisierung. Bei der Entstehung des selbständigen polnischen Staates spielte die nationaldemokratische Partei die Hauptrolle. Dieser Staat, der in Versailles geschaffen wurde, beruhte geistig auf dem Nationalismus der Nationaldemokratie, bis dann Pilsudski ihn nach Osten ausweitete und gegen das bolschewistische Rußland sicherte. Im Zusammenhang mit der schon vor längerer Zeit angekündigten und vorigen Sonntag begonnenen Woche des Polnischen Westverbandes hat, wie die „N h e i n i s ch - W e st f ä l i s ch e Z e i t u n g" vom 2. April meldet, der Woiwode von Pommerellen, Kirtikles, dem Leiter der pom» lerellischen Abteilung des Westverbandes eine Unterredung gewährt, in der er sich über die Ziele und Aufgaben des Verbandes in seiner Woiwodschaft äußerte. Er berührte auch die Frage der nationalen Minderheiten und sagte dem Vertreter des Westverbandes, daß gegenwärtig in Pommerellen nur noch 10 Prozent der Bevölkerung Nichtpolen sind, davon sind 9,4 Prozent Deutsche und 0,6 Prozent Juden. Beendeter Zwischenakt Grundlinien der Berliner Gemeindepolitik Die Veränderungen im Berliner Gemeindevorstand, über die wir berichtet haben, sind innerhalb der Gemeindeverwaltung aus Anlaß der letzten Repräsentantenversammlung zum Abschluß gekommen. Bei dieser Gelegenheit wurde den ausscheidenden Vorstandsmitgliedern Direktor Alexander, Wilhelm Grütz, Kammergerichtsrat Wolfs, Bruno Wvydy sonne Dr. Hirsch der Dank der Gemeinde für ihre Verdienste ausgesprochen. In der Peffach-Nummer des Jüdischen Gemeindeblatts nimmt der Gemeindevorsitzende Heinrich Stahl das Wort, um seine Politik zu rechtfertigen und ihre Grundzüge der Gemeinde vorzulegen. Er schreibt: „. . . Mag immerhin noch Zeit vergehen, bis die gesamte Judenheit zur Einigkeit gereift ist, in einer Hinsicht verträgt unsere Gegenwart keinen Zwiespalt und keine Parteiung mehr. Wir meinen die Gemeinde, und besonders unsere Jüdische Gemeinde zu Berlin. In den kleineren Gemeinden des Landes hat die veränderte Lage in absoluter Selbstverständlichkeit die Einigkeit geschaffen, bei uns ist wohl der gute Wille sichtbar, aber es fehlt noch viel bis zu dem uns vorschwebenden Ziel. Die Gemeinde muß einig fein, sie kann es aber nur, wenn in ihr keine Politik getrieben wird. Gemeinde und jüdische Politik haben gar nichts miteinander zu tun. Wenn es früher Trennungen oder Nuancen der Auffassungen gegeben hat, heute muß dies alles der Vergangenheit angehören. Worüber sollten wir denn noch streiten? Es gibt nur eine Anschauung darüber, daß viele von uns wandern müssen. Es gibt nur eine Ansicht darüber, daß in Palästina an einem Werk geschaffen wird, das auch vielen Kindern unserer Gemeinde Raum und Leben gewähren svll. Es gibt aber auch nur eine Erkenntnis, daß nicht an einem Tage und in einem Jahre alles hier dem Abbruch und der Auflösung verfallen darf, und daß viele Zehntaufende von älteren Menschen nicht mehr umpflanzungsfühig sind. Aehnlich sieht es in den inneren Angelegenheiten des Judentums aus. . . ." . . Nicht die Parität, also eine öde Gleichmacherei wird die Gemeinde halten und beleben, sondern ein edler und unbeeinflußbarer Wille der Verantwortlichkeit, der aus das Wohl des Ganzen gerichtet ist. Die Gemeinde kann nur durch den Geist des Vertrauens regiert werden . . ." . Die Gedanken, die Direktor Stahl entwickelt, werden bei der überwiegenden Mehrzahl aller Gemeindemitglieder Zustimmung finden. Das Vertrauen allerdings, das hier antizipiert wird, wiro auf manchen Gebieten erst durch die praktische Leistung gerechtfertigt werden müfsen. Wir werden mit positiver Gesinnung den neuen Start der Gemeindeführuug begleiten und zu unserem Teil zur Erhaltung der Vertrauensatmvsphüre bei» trggen. Auslandsnachrichten ■ » « Znkunft Ihrer Kinder Landschulheim Florenz Höhere Schule und Internat 1. Schulbildung bis zum Abiturium 2. Für Knaben und Mädchen von 6—18 Jahren 3. Unter Leitung bewährter Pädagogen 4. Studienberechtigung in fast allen Staaten — Sprachenpflege 5. Werkunterricht, Landarbeit, Haushaltkunde 6. Vorbereitung für Palästina 7. Aerztliche Ueberwachung, individuelle Förderung 8. Schönste Umgebung, gutes Klima, Sport. Erstklassige Verpflegung 9. Im Sommer: 3 Monate am Meer 10. Zeitgemässe Preise — keine Transferschwierigkeiten Neuaufnahmen jederzeit Auskünfte und Prospekte durch die Leitung: Oberres^Rat a.o. Dr. Werner Peiser Dr. M. Goldstein Florenz, Villa Pazzi, Plan dei " 4

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