Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936) - farbig
- Issue
- 14 (2.4.1936)
- Date
- 1936-04-02
- Page
- [Seite] (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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Der 1000. Jugendliche von der Jugend-Alijah nach Palästina geschickt Die zweite Gruppe der Jugend-Alijah von En Charod. Die erste Gruppef die vor zwei Jahren dort angehommen wart hat jetzt Jfausgelernt Fot. Herbert Sonnenfeld Kampf gegen die Arbeitslosigkeit Von unserem ♦-Palästina- Korrespondenten Tel-Aviv, den 18. März 1986. Die Umlagerung der Bautätigkeit, die als ein „Ausweg aus der Krise“ schon mehrfach angekündigt wurde, scheint im Gange zu sein. Während au! der einen Seite auch die Bautätigkeit in Tel-Aviv, dem Zentrum der jüdisch-palästinensischen Bautätigkeit, sich von ihrer zeitweiligen Ermattung erholt hat und wieder anziehende Tendenz zeigt, ist an anderen Stellen sogar eine stetige Steigerung über den Rekordstand des Vorjahres hinaus zu verzeichnen. In Jerusalem waren im Februar dieses Jahres 205 neue Häuser im Bau, das sind genau 20 Prozent mehr als im gleichen Monat des Vorjahres. Die Landeshauptstadt, die den stürmischen Aufschwung der letzten Jahre nur zögernd und vorsichtig mitgemacht hatte, beginnt also aufzuholen. Der weitaus gfösste Teil der Neubauten, nämlich 185, wird mit jüdischem Kapital errichtet. Die Zahl der bei diesen Bauten beschäftigten jüdischen Arbeiter ist von 1335 auf 1717, also stärker als die Zahl der Bauvorhaben, gestiegen. Diese Tatsache beweist, dass es gelungen ist, den Anteil der jüdischen Arbeit an den jüdischen Bauten zu vergrösserij. Ein solches Ventil, brauchte aber der Jerusalemer Arbeitsmarkt, weil in den dortigen Regierungs- und Kommunalwerkstätten nur eine unbillig niedrige Zahl jüdischer Arbeiter beschäftigt wird. Aus den Siedlungen des Schomron, insbesondere aus Kar kur und Pardess Ghana, wird im Zusammenhang mit dem Endspurt der Orangenernte und mit den Chausseebauten bei Chedera sogar akuter Arbeitermangel gemeldet. Nicht unwichtig für den Arbeitsmarkt ist auch die Tatsache, dass im Emek Jesreel, dem wichtigen Zentrum der jüdischen gemischten Landwirtschaft, die Dürregefahr dank neuer Regenfälle als ziemlich beseitigt gelten kann. In anderen Teilen des Landes liegen die bisher niedergegangenen Regenmengen freilich noch unter dem Durchschnitt, und in vielen Orangenpflanzungen musste wesentlich früher als sonst mit der künstlichen Bewässerung begonnen werden. Interessant ist auch eine Mitteilung des Industriellenverbandes Haifa, wonach die Industrie durch die Ereignisse des letzten halben Jahres kaum berührt worden sei. Die Nachfrage nach gelernten Arbeitskräften befinde eich sogar im Steigen, da in erheblichem Ausmass bestehende Fabriken erweitert und neue gegründet werden. Trotz dieser deutlichen Entspannungszeichen kann nicht geleugnet werden, dass stellenweise noch immer eine für die Betroffenen äusserst empfindliche Arbeitslosigkeit besteht. Der Ausgleich zwischen den Orten des Arbeitermangels und den Orten der Arbeitslosigkeit ist deshalb schwierig, weil es ja verschiedenartige Menschen sind, die hier gesucht werden und die dort Arifl!ll!!ill[||||lilil1lilllllllllllli!lllllllll!ll!lilll!lllllll!l!il!lilll!llll!llllliill!llillll!!lllllill!!i!l!llllli Zeitungsstand in Haifa Fot. E. R-s. wipm imifiiiiiiiiitiiiinmiiiiifiiimimiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiimmsiiiiiimiui beit suchen. Eine verstärkte Umschichtung aufs Land ist nur denkbar in Verbindung mit ausreichenden Möglicnkeiten der Siedlung, weil es sonst für den" Arbeiter kaum möglich ist, im Dorf auf unregelmässige Arbeitsgelegenheit zu warten. Bis zu einem gewissen Grade sind bei der Lösung dieser Frage die Spitzenverbände der Kibbuzim und Kwuzot, der genossenschaftlichen Arbeitergruppen und Kollektiv-Siedlungen, in die Bresche gesprungen. Der grösste dieser Spitzen verbände, der Kibbuz Me'uchad, der 5500 Mitglieder zählt, hat in den letzten Monaten 400 neue Mitglieder aufgenonnnen, und dies in einer Zeit, wo selbst die Arbeitsbeschaffung für alte Mitglieder stellenweise bereits schwierig war. In nächster Zeit sollen 450 weitere Mitglieder, zumeist neuere Einwanderer, neu aufgenonnnen werden und auch für die Jugendalija aus Deutschland, über die sich die Spitzen des Kibbuz Me'uchad sehr anerkennend geäussert haben, wurde Vorsorge getroffen.. Noch in den Anfängen steht ein Versuch, eine Gruppe von hundert Mitgliedern, die zu einer besonderen Gemeinschaft zusammengefasst wurden, für Schiffahrt und Fischerei auszubilden, um damit der jüdischen Arbeit erweiterte Betätigungsmöglichkeiten zu erschlossen. Die freiwillige Steuer zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, welche die Freunde und Mitglieder der „Histadrut“ (Jüdischer Arbeiterverband) sich selbst auferlegt haben, erbrachte bereits in den ersten Wochen mehr als 50000 LP. Diese Mittel, die ausschliesslich der produktiven Arbeitsbeschaffung dienen, werden im Rahmen einer grossen Organisation, zu der sich unter dem Namen „Bizur“ (Konsolidierung) die Histadruth, der Keren Hajessod und die Zentralen Finanzinstitute zusammengeschlosesn haben, zur Intensivierung öffentlicher Arbeiten eingesetzt. So wurde jetzt in der Haifa-Bucht mit der Applanierung der Dünen bei der neuen Siedlung Kiryat Cbajm begonnen. Dass, abgesehen von den in Bearbeitung befindlichen landwirtschaftlichen Siedlungsaufgaben, auch in den Städten noch zusätzliche öffentliche Arbeiten zu finden sind, beweist der soeben gefasste Beschluss des Magistrats Tel-Aviv, eine grössere Summe für die Fertigstellung der zweihundert noch ungepflasterten Strassen dieser Stadt zu bewilligen. Oeffentliehe und private Finanzinstitute sind, teilweise schon mit recht gutem Erfolg, bemüht, palästinensische Wertpapiere im Ausland abzusetzen und damit neues Investitionskapital ins Land zu ziehen. Dieses Problem ist in der Tat äusserst wichtig, denn die Kreditversorgung der Bauwirtschaft und Industrie lässt vielfach noch zu wünschen übrig und die finanzielle Beengtheit mancher Unternehmungen ist während der Krise und auch noch später fühlbar geworden. Dabei ist die Zahl der Insolvenzen nach wie vor sehr niedrig, aber die Mängel der Kapitalverteilung, die sich während der letzten Jahre herausgebildet hatten und auch die finanzielle Struktur gesunder Unternehmungen beeinträchtigten, müssen erst allmählich bereinigt werden. Da die Organisation der jüdischen Wirtschaft hier noch in den Anfängen steckt, erfordert die Lösung dieser Frage Zeit und Kraft. Jedenfalls wäre es falsch, etwa nur mit den Massstäben europäischer Konjunkturforschung die gegenwärtigen Verhältnisse Palästinas zu betrachten. Dinge, die in Europa im Handumdrehen zu erledigen wären, stossen hier auf unvorhersehbare Schwierigkeiten, aber die mit jedem Aufbau verbundenen Stauungen und Reibungen, die den Europäer befremden mögen, werden hier meistens mit erstaunlicher Zähigkeit und Leichtigkeit überwunden oder beiseite geschoben. Lebensmittel-Versorgung, Regen, Aufforstung Von unserem ♦-Palästina- Korrespondenten Tel-Aviv, 25. März 1936. Sowohl für die Aufnahme neuer jüdischer Siedler als auch für die Hebung des Lebensstandards der 700 000 arabischen Fellachen ist die Entwicklung der palästinensischen Landwirtschaft eine entscheidende Frage. Ganz abgesehen davon, dass noch ungeheure Bodenflächen brach liegen, werden auch die in Kultur befindlichen Böden zu einem grossen Teil schlecht ausgenutzt. Intensivierung der Landwirtschaft und Erschliessung neuer Gebiete würden die Lebenshaltung der vorhandenen Bevölkerung wesentlich verbessern und darüber hinaus ohne alle Reibungen die Aufnahme neuer Einwanderer in weit .grösserem Masse ermöglichen. Die zusätzlichen Produktionsmöglichkeiten auf landwirtschaftlichem Gebiet sind bisher weit weniger ausgenützt worden als die industriellen Möglichkeiten. Wenn sich auch Palästina allmählich vom reinen Agrarland zu einem Lande der gemischten, agrarisch industriellen, Wirtschaftsstruktur entwickelt hat, so überwiegt doch innerhalb der Gesamtbevölkerung noch immer die Landwirtschaft als der Beruf der grossen Massen. Eigentlich müsste die Produktion der heimischen Landwirtschaft dazu ausreichen, den gesamten Inlandsbedarf zu befriedigen, und zwar besser als bisher; gegenwärtig werden aber noch Millionenbeträge für die Einfuhr von Lebensmitteln verausgabt. Vor allem aber ist wichtig, dass die Landwirtschaft von der Natur zur Produzentin des wichtigsten palästinensischen Ausfuhrartikels bestimmt ist; denn die Ausfuhr eines Landes wird eich immer in erster Linie auf solche Erzeugnisse stützen, für die eine natürliche Produktionsgrundlage sowohl hinsichtlich der physikalischen Gegebenheiten als auch hinsichtlich der Tradition sowie der Eignung und Erfahrung der arbeitenden Menschen vorhanden ist. Alle diese Voraussetzungen aber gelten für die wichtigste Ausfuhrindustrie Palästinas, den Orangenbau. Nun ist es zwar nicht unbedingt richtig — obwohl es oft behauptet wird —, dass Palästinas Lebensmittel bilanz mit einem Einfuhrüberschuss abschliesse, dass also die Landwirtschaft in der Tat bisher noch nicht den Ernährungsbedarf des Landes decken könnte. In Wirklichkeit ist dem Werte nach die Ausfuhr an Lebensmitteln und Getränken genau so gross wie die Einfuhr; es findet also nur ein Sortenaustausch statt. Die Einfuhr an anderen Lebensmitteln wird mit der Ausfuhr von Citrusfrüchten, die Palästina im Ueberfluss produziert, bezahlt. Schon damit leistet die Citruspflanzung einen sehr erheblichen Beitrag für die Nahrungsmittelversorgung des Landes. Aber si» war bisher nicht imstande, darüber hinaus soviel zu exportieren, dass auch der Einfuhrbedarf an industriellen Fabrikaten, der ja naturgemäss in den Zeiten des Aufbaus, der Einrichtung neuer Fabriken sowie der starken Einwanderung besonders gross sein muss, wenigstens teilweise zu decken und die noch fehlenden Lebensmittel, wie Fleisch, Milchprodukte, Eier und Gemüse in ausreichenden Mengen bereitzustellen. Wichtiges Material über die gegenwärtige Lage der palästinensischen Landwirtschaft bietet nun der soeben bekannt gewordene Bericht, den der Sachverständige M; A. Stockd a 1 e, ein Beamter des englischen Kolonialministeriums, im Aufträge des High Commissioners ausgearbeitet hat. Auch er erblickt, wie fast alle aufmerksamen Beobachter, die Kernfrage in der Wasserversorgung. Auch der Laie begreift die Wichtigkeit dieses Problems, wenn er nur einmal gesehen hat, wie nach kräftigen Regenfällen, etwa in der Gegend zwischen Moza und Jerusalem, die Wüste zu blühen beginnt; ein Zeichen für die schlummernde Fruchtbarkeit des Bodens. In diesem Zusammenhang legt der Stockdale- Bericht besonderes Gewicht auf die im Gange befindliche Aufforstung des Landes. Die Bäume haben hier eine dreifache Aufgabe zu erfüllen: als Windschutz, zur Bodenbefestigung Der Jugend eine Zukunft bereiten: das ist die Aufgabe, die heute in besonderer Grösse und in besonderer Schwierigkeit vor uns steht. Die „Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugend-Alijah“ hilft zu ihrem Teil bei der Lösung dieser Aufgabe. Wenn sie jetzt den tausendsten jungen jüdischen Menschen von Deutschland nach Palästina schickt, so bedeutet das, dass damit tausend junge Menschen aus der Vereinsamung in eine Gemeinschaft und in eine Zukunft geführt wurden. Die Jugend-Alijah kennt keine Schranken jüdisch-parteilicher Art. Nicht allein Jugendliche der zionistischen Bünde verschiedenster Richtungen, sondern auch Jungen und Mädchen, die früher andere oder überhaupt keine Bindungen hatten, werden hier vereinigt. Darüber hinaus stellen natürlich auch Unterschiede in bezug auf Herkommen, soziale Stellung der Eltern, religiöse Einstellung keinerlei Hemmnisse dar. Jugend-Alijah ist wirkliche Gemeinschaft der Jugend. Dabei wird selbstverständlich auf die Anschauung des einzelnen jungen Menschen Rücksicht genommen. Um nur das Beispiel der religiösen Jugendlichen herauszugreifen: für ihre und als natürliche Regulatoren für den inneren Wasserhaushalt des Bodens. Bisher sind, nach den Feststellungen des Berichtes, 200 000 Dunam mit Orangen und 40 000 Dunam mit Grapefrucht bepflanzt. Stockdale glaubt, dass noch 72 000 Dunam mit Orangen und 136 000 Dunam mit Grapefrucht bepflanzt werden könnten, wenn es gelänge, die Wasserfrage zu lösen. Eine gesetzliche Anbaubeschränkung, wie sie im Hinblick auf die Stauungen am Weltmarkt mehrfach erörtert worden war, hält er nicht für spruchreif, zumal die Beteiligten selber in dieser Frage nicht einig seien. Der Export von Fruchtsäften und -konserven, der ja ebenfalls das ganze Jahr hindurch möglich ist, macht Fortschritte, und auch hier dürfte sich zeigen, dass die Ausfuhr von verarbeiteten Erzeugnissen mindestens ebenso lohnend ist, wie der reine Fruchtexport. Stockdale schlägt vor, die Veredelungsindustrie, insbesondere durch Zollfreiheit für die von ihr benötigten Auslandsmaterialien, nach Kräften zu begünstigen. Schliesslich ist nicht zu vergessen, dass auch der Inlandsmarkt wachsende Bedeutung gewinnt. Die Zunahme der Bevölkerung und des Wohlstandes wirken sich um so sichtbarer aus, als die westeuropäischen Juden, die ja ein grosses Kontingent innerhalb der neuen Einwanderung stellen, von Haus aus bessere Obstesser sind als die älteren Palästinenser. In einer Zeit, in der Apfelsinen billiger sind als Kartoffeln, wird hier einiges verzehrt. Insgesamt dürfte der Inlandsverbrauch mindestens zehn Prozent der Ernte betragen. Regierungshilfe fordert Stockdale auch für die Entwicklung des sonstigen Obstbaus, für den ebenfalls noch grosse Absatzmöglichkeiten im Inland bestehen. Allerdings hat der Obstbau, der namentlich in den Hügellandschaften für sehr aussichtsreich angesehen wird, noch viel mit Schädlingen zu kämpfen, ebenso wie der Gemüsebau. Stockdale meint, dass es nur eine Frage der richtigen Sortenwahl sowie des rationellen Transports wäre, um zum Beispiel für Frühgemüse oder Trockenfrüchte sogar einen Export nach England zu betreiben. Das Problem der Eigenproduktion von Futtermitteln, welche die palästinensische Viehwirtschaft jetzt noch zu einem grossen Teil importiert, nimmt ebenfalls einen breiten Raum in dem Bericht ein. Ein wichtiges Mittel zur Hebung der arabischen Landwirtschaft erblickt Stockdale in der Intensivierung und Rationalisierung des Getreidebaues. Wie bekannt, unterliegt die Getreideeinfuhr bereits einer Art von Staatskontrolle, und eben jetzt hat der High Commissioner die Weizeneinfuhr bis zum 30. Juni verboten, da sich im Inland noch ausreichende Vorräte befänden. Die Aussichten der neuen Weizenernte gelten für das ganze Land mit Ausnahme des wasserarmen Süddistrikts von Beersheba als günstig. Wie ein roter Faden zieht sich durch den Bericht der Hinweis auf die Rückständigkeit der arabischen und die Fortschrittlichkeit der jüdischen Arbeitsmethod e n. Besonderes Lob wird auch den Prüfungs¬ und Veredelungseinrichtungen der grossen jüdischen Arbeitergenossenschaft Tenuva gespendet. Allerdings ist mit der Feststellung der Fortschrittlichkeit das Problem des „Bauer- Betreuung besteht ein besonderer „Ausschuss für religiöse Alijah“. Sie werden in besonderen Heimen untergebracht, in denen sie „Tora“ und „Awoda“ miteinander verbinden können. Freilich sind — das muss beklagt werden — gerade im Hinblick auf die Unterbringung dieser Jugendlichen vorerst die Möglichkeiten in Palästina noch ziemlich beschränkt. Wo es sich um die Kinder des Ahawa-Heims handelt, sind die Chancen weit besser: das Kinderheim Ahawa besitzt seit kurzem ein eigenes Haus bei Haifa, in dem ein Teil der Berliner Heimkinder aufgenommen wird. Für die übrigen Jugendlichen, die gemäss der jüdischen Tradition leben wollen, weitere Unterbringungsplätze ausfindig zu machen, wird eine der dringendsten Aufgaben der Arbeitsgemeinschaft in der nächsten Zeit sein. Dabei werden die religiösen Kreise in viel stärkerem Masse als bisher die Arbeitsgemeinschaft aktiv und mithelfend unterstützen müssen. Die „Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugend-Alijah“ geht nun daran, innerhalb des laufenden Jahres das zweite Tausend jüdischer junger Menschen nach Palästina zu bringen, um so der Jugend eine Zukunft zu bereiten. R. M. Werdens“ noch nicht gelöst. Dem jüdischen Siedler stehen wissenschaftliche Forschung, neuzeitliche Schulung, Organisation und manchmal auch Kapital in grösserem Ausmass zur Verfügung als dem arabischen Fellachen. Aber dieser hat dafür den Vorteil der Tradition, der Erfahrung, den instinktiven Sinn für die Forderungen des Bodens und des Viehs, die der neu umgeschichtete jüdische Siedler vielfach noch nicht haben kann. So reagiert nicht nur mancher neue jüdische Siedler mit grösserer Nervosität auf die in der Landwirtschaft nun einmal schwer vermeidlichen Zwischenfälle — zum Beispiel die hier gefürchteten, wenn auch mit zunehmendem Erfolg bekämpften Hühnerkrankheiten —, sondern er muss auch nachträglich den Wert mancher arabischen Bauernregel einsehen, die er vielleicht auf den ersten Blick als Aberglauben oder, Vorurteil abtun zu können glaubte. Trotzdem ist es interessant, dass die jüdische Landwirtschaft, wenn auch mit äusserstem Krafteinsatz des einzelnen, im Durchschnitt wesentlich bessere Ergebnisse bringt als die arabische, die freilich oft auch durch Lässigkeit und Abneigung gegen Neuerungen zu leiden hat. Bezeichnend für einige Gegenwartssorgen der jüdischen Bauern sind die drei Forderungen, die jetzt die Siedler des Bezirks von Afule (im Emek Jesreel) der Distriktsbehörde unterbreitet haben: 1. Bessere Trinkwasserversorgung, 2. Massnahmen gegen Vdehkrankheiten, 3. Senkung des gegenwärtig 9 Prozent betragenden Zinssatzes der offiziösen Barclays Bank auf den Satz von 6 Prozent, den dieselbe Bank den arabischen Agrargenossenschaften für ihre Kredite anrechnen soll. Verkehrsreform in Palästina Im Anschluss an unsere Ausführungen in Nr. 13 vom 26. März 1936 hören wir weiter, dass mit dem Ausbau des Knotenpunktes Lydde (Ludd) in Kürze begonnen werden soll. Da die palästinensischen Bahnen eingleisig sind, ist dies von besonderer Bedeutung, weil die Abwicklung des Verkehrs hierdurch wesentlich beschleunigt wird, wozu auch noch eine weitere Ausweichestelle auf der Strecke Haifa—Lydda beitragen soll. Die hier noch bestehenden Schmalspurmaschinen sollen jetzt auf Nonnalachsen umgestelltwerden. Die Einführung der bereits erwähnten Lokomotiven und Güterwagen, zu denen noch sechs Personenwagen kommen sollen, wird voraussichtlich durch englische Fabriken erfolgen. Der dringend notwendig gewordene Bau der Strasse Haifa — Jaffa, durch die der bisherige Weg um etwa 70 Kilometer verkürzt wird, ist inzwischen begonnen worden und soll bis zum Ende des Jahres 1937 fertiggestellt werden. Weitere Projekte, u. a. der etwaige Ban einer Eisenbahn nach dem in letzter Zeit öfter genannten Hafen Akaba, schweben. Jedenfalls arbeitet man ernsthaft daran, das Verkehrswesen in Palästina zu verbessern, da man sich-davon für die gesamte Wirtschaft des Landes grossen Nutzen verspricht. Die Ein- und Ausfuhr gefährlich e r D r o g e n ist neuen Vorschriften unterworfen worden. Jede Manipulation dieser Drogen unterliegt der besonderen Genehmigung der mit der Aufsicht betrauten Behörden.