Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936) - farbig
- Issue
- 14 (2.4.1936)
- Date
- 1936-04-02
- Page
- [Seite] (sequence 21)
- Language
- German
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Nr. 14 4 6. Beiblatt CYZeitung Palästina- Umschau Die Grundlagen der Palästina-Konjunktur Von unserem L. li.-Skmclerbericliterstatter Dr. Chaim Weizmann, der Präsident der Uewish. Agency und der Zionistischen Organisation, hat dieser Tage in einer Londoner Versammlung erklärt, dass es in Palästina eine Prosperity gab, dass sie aber nur eine Pause zwischen zwei Krisen war. Es ist natürlich in erster Linie eine Frage des Temperaments und der Stimmung, ob man die Krise als Pause zwischen den Zeiten der Prosperity oder die Prosperity als ein Intervall zwischen den Krisen betrachten will, aber aus der Aeusserung des führenden Kopfes der zionistischen Aufbauarbeit in Palästina geht doch hervor, dass er mehr die Krisenzustände denn die Hochkonjunktur als typisch für Erez Israel betrachtet. Zum zweitenmal hat Palästina in der Nachkriegszeit eine Prosperityperiode von einigen Jahren gehabt, und aus der Entwicklung dieser Prosperityzeit lassen sich die verschiedenen bestimmenden Kräfte der palästinensischen Konjunkturentwicklung mit einiger Deutlichkeit ablesen. Es sind die Zeiten der sogenannten vierten und fünften Alija, d. h. die beiden letzten Einwanderungsperioden von 1925/26 und seit 1932, die sich beide grundsätzlich von der früheren Einwanderung abheben. Denn bei den ersten Einwanderungsperioden, zunächst der der russischen Juden, der „Bilu“, von 1880 bis 1890, handelte es sich um Kleinbürger und Studenten, dann bei der zweiten, von 1905 bis 1910, um Arbeiter, die an die Stelle der arabischen Lohnarbeiter in den Kolonien treten wollten oder die die neue Form einer kollektiven Siedlung entwickelten, und schliesslich bei der dritten, der Einwanderung der ersten Nachkriegsjahre, ebenfalls um junge Menschen, umgeschichtete Akademiker, ' Kaufleute und Arbeiter, die gleichfalls weitgehend von der. Landwirtschaft absorbiert werden, konnten und die vor allem die neuen Kolonien des Emek Jesreel schufen. Aber bereits bei der dritten Alija beginnt die grundlegende Wandlung im Wirtschaft saufbau des Landes, die die Entwicklung des letzten -Jahrzehnts beeinflusst hat. Das Schwergewicht verschiebt sich vom Land auf die Städte, von der Landarbeit auf Handwerk, Bauarbeit und Handel. Dies bildet die Grundlage für die in erster Linie polnische Einwanderung von Kleingewerbetreibenden, also den: Mittelstand ungehörigen Personen, die ihren Höhepunkt im Jahre 1925 mit 33 800 jüdischen Emigranten erreichte, von denen fast 12 000 zur Kategorie der „Kapitalisten“ und ihrer Angehörigen gehörten. Aber bereits im folgenden Jahre Hess die Einwanderung erheblich nach; sie ging auf 13 081 Personen zurück, von denen nur 1613 „Kapitalisten“ waren, und in den fünf Jahren 1927 bis 1931 überschritt der jährliche Bevölkerungszuwachs durch Wanderung kaum durchschnittlich 2000 Personen, wobei die Zunahme durch Arbeiter und Kolonisten durch die Abwanderung..aus städtischen Berufen ersetzt wurde. Erst ab 1932 steigt die Einwanderungsziffer wieder an. Die Konjunkturperiode 1925/26 war also wesentlich bestimmt durch die einmalige Einwanderung, besonders aus Polen, das in jener Zeit in einer Deflationskrise mit schwerem Druck auf die mittelständischen Kreise von Handel -und Kleingewerbe lag. Der übliche Auswanderungsweg, die USA, war versperrt, in Mitteleuropa war die wirtschaftliche Entwicklung ungünstig. So war Palästina auch damals das „Wirtschaftswunder“, das — aber nur infolge der Einwanderung — in der Zeit einer internationalen Krise Prosperität hatte. Die Parallele hierzu folgte ab 1932. Die kurze Blüte Palästinas hatte aber 1926 in dem Augenblick ein Ende, in dem die Weltwirtschaft sich erholte, der innere Markt, der durch die Bedürfnisse der Einwanderer zunächst eine Erweiterung erfahren hatte, wieder in seine alte Enge gezwungen und schliesslich auch die Einwanderung gedrosselt wurde. Wahrscheinlich wäre die darauf folgende Depression schon rascher behoben worden, wenn nicht die Araberunruhen des Jahres 1929 die Einwanderungslust gehemmt hätten. Inzwischen wurde natürlich das kolonisatorische Werk fortgesetzt, das aber zu der konjunkturellen Entwicklung des Landes nur in recht losen Beziehungen steht. Gewiss trägt die Stärkung der Kolonien an Menschen und an Kapital dazu bei, die Kaufkraft im Land selbst zu heben, während andererseits das Wachstum der städtischen Bevölkerung vermehrte Absatz^ möglichkeiten für die Landwirtschaft bringt. Aber die Kolonien sindzu einem ganz erheblichen Prozentsatz autark und die Verbindungsstellen mit der städtischen Wirtschaft verhältnismässig dünn. In gewissem Sinn stellen sie ein Reservoir für Arbeitskräfte dar, da in Zeiten der Arbeiterknappheit in den Städten von ihnen Menschen zur Verfügung gestellt, umgekehrt in Krisenzeiten von ihnen möglicherweise gewisse Teile wieder resorbiert werden können; vorausgesetzt freilich, dass nicht wie gegenwärtig die leeren Plätze auf dem Land wieder von Neueingewanderten besetzt werden. Die Orangenplantagen und auch der grösste Teil 2. April 1936 der nicht auf dem Boden der nationalen Institutionen und der PlCA angesiedelten privaten Siedler sind allerdings mit der gesamtkonjunkturellen Entwicklung eng verbunden. In diesem Zusammenhang ist es interessant, festzustellen, dass der Hundertsatz der auf dem Land und in der Landwirtschaft tätigen jüdischen Bevölkerung in den letzten Jahren erheblich e<n:;Len ist. Die berufliche Gliederung, die das statistische Departement <Jei Jewish Agency vor kurzem veröffentlicht hat, zeigt folgendes Bild gegenüber 1931: Wirtschaftsstruktur der jüdischen Bevölkerung: Es leben 1. 1. 1936 in % der jüd. Gesamtbevölkerung November 1931 in % der jüd. Gesamtbevölkerung von Landwirtsehaft .> 46 000 14 % 27 010 °°! £5 „ Industrie und 37 190 24,7% Handwerk . . ,■ 77 000 2?;,4% ,, Bauwesen . . . 42 000 12,7% 13 250 8,8% ,, Transport und 9 630 6,4% Verkehr . . . 20 000 6J% „ Handel . . . . 66 000 20 % 28 660 19,1% als Beamte . . . 8 000 2.4% 3 410 2,2% „ Freie Berufe . . 41 000 12,4% 17 490 11,6% „ Rentner . . . *20 000 6 % 8 550 5,7% Die Zahlen besagen, dass in der letzten Konjunkturperiode, in der die jüdische Gesamtbevökerung des Landes von 175 000 auf 375 000 gestiegen ist,, die Zahl der von der Landwirtschaft Lebenden sich nur um 70 Prozent erhöht hat, dagegen die der Angehörigen von Industrie und Handwerk eine Erhöhung um 108 Prozent und die im Bauwesen Tätigen von 213 Prozent erfahren haben. Ebenfalls ist gestiegen der Anteil der freien Berufe und der im Handel Tätigen. Eine ähnliche Entwicklung zeigen andere Ziffern, die von Frumkin zusammengestellt wurden (nach „Palästina“, März-Nummer 1936). Sie enthalten die Ziffern der Berufstätigen allein, wobei sich ergibt, dass die Zahl der Angehörigen, die nicht erwerbstätig sind, in der Landwirtschaft naturgemäss geringer ist als SSdamerika Express Schnellste Verbindung von italienischen Hafen nach Brasilien, Uruguay, Argentinien mit den Luxusschiffen: „ütigiisf tts“(33ooo to)„Nepfu8iia“(2oooo to) „Conte Biancaitiaiio“(24oooto) ,,0ceania“(2ooooto) überfahrtsdauer: Nach Rio de Janeiro 12 Tage Nach Buenos Aires 15 Tage Eildienst nach Zentralamerika und der Westküste von Südamerika mit den modernen Motorschiffen: „OÄAZIO" (12000 to) „V1RGILLO" (12000 to) Auskunft und Buchungen durch ITALIA-COSULICH Berüin HW7, Unter den Linden47 Fernsprecher A 1 (Jäger) 1355 Frankfurt a. M., Kaiserstr. 20 / Hamburg 36, Neuer Jungfernstieg 17 / München, Odeonsplatz 1 Stuttgart, Schillerplatz 4 sowie durch s ä m 11ic h e Reisebür os Die . 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