Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936) - farbig
- Issue
- 14 (2.4.1936)
- Date
- 1936-04-02
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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ments gerecht zu werden. Professor Walter Eichrodt (Basel), der sich durch sein jüngst erschienenes Werk „Theologie des Alten Testaments" (Verlag der I. C. Hinrichsschen Buchhandlung, Leipzig 1933 und 1935) sinen Ehrenplatz in der Reihe der sachkundigen Beurteiler der israelitischen Religion gesichert hat, beweist sein starkes Einfühlungsvermögen auch in dem Beitrag, den er zu der zu besprechenden Sammelschrift geliefert hat. In feiner Analyse umschreibt er das Thema: „Vorsehungsglaube und Theodizee im Alten Testament", wobei er dem Sinngehalt des Buches Hiob neue Tiefen abzugewinnen versteht. Mehr in den Bereich des Philologischen zielen die Arbeiten von Martin Noch (Königsberg), der auf Grund des neuesten Ausgrabungsmaterials über das Wort „Habiru" „Erwägungen zur Hebräerfrage" anstellt, von Professor : Leonhard Rost (Berlin), der „Die Bezeichnungen für Land und Volk im Alten Testament" erneut untersucht und dabei u. a. zu dem Ergebnis kommt, daß in der Bibel unter dem heiß umstrittenen Begriff „Am haarez" „die Zusammenfassung der Männer eines Territoriums zu politischem Handeln darstellt." Abgeschlossen wird diese Abteilung durch einen Aussatz von Professor Gerhard' v. Rad (Leipzig) über „Die levitische Predigt in den Büchern der Chronik" und eine textkritische Untersuchung des Deboraliedes durch den Altmeister alttestamentlicher Forschung, Geheimrat Professor Ernst Sellin (Berlin). Da der Jubilar, dem das Buch zugeeignet ist, neben der Arbeit am Alten sich gleichzeitig immer auch der Erschließung be§. Neuen Testaments ge- „Englische Reise“ Der bekannte englische Schriftsteller I. B. Priestley hat ein Buch veröffentlicht, das in deutscher Uebersetzung im Verlage von S. Fischer, Berlin, erschienen ist und den Titel trägt: „Englische. Reise." Ein zwangloser, aber wahrheitsgetreuer Bericht darüber, was ein Mann aus einer Reise durch England im Herbst des Jahres 1933 sah und hörte, fühlte und dachte. Der Verfasser kam auf dieser Reise in seine Vaterstadt Bradford und schilderte die Veränderungen, die er dort gegenüber seiner Jugendzeit vorfand, indem er auf die Entwicklung von Bradford einging: . „Nach 1830 fing Bradford an, rasch zu wachsen und Reichtümer aufzuhäufen. Abgesehen von seinen naturgegebenen Borzügen und der allgemeinen Lage des Handels, gab es noch einen andereü Grund dafür, und zwar den, daß wahrend der frühen und mittleren' viktorianischen Epoche eine Anzahl deutscher und deutsch-jüdischer Kauflente mit deutschen Banken im Rücken sich in der Stadt niederließ. Viele von ihnen waren liberal gesinnte Männer, die wußten, daß sie außerhalb. Deutschlands glücklicher sein, würden. Das, Ergebnis dieser freundlichen Invasion war neckst interessant. Bradford wurde — und war es noch in meiner Knabenzert — eine der provmztellsien und zugleich kosmopolitischsten Städte unter den englischen Provinzstädten. „lind dann war da dieser sonderbare Sauerteig intelligenter Fremder, hauptsächlich zum großen Teil sehr wohlhabender deutscher Juden. Sie gehörten in meiner Kindheit so selbstverständlich zur Stadt, daß er mir nie einfiel, zu fragen, warum sie da. mären. Ich sah . ihre ausländischen Namen an den Kontortüren, ,wußte, daß sie in bestimmten hübschen Vororten lebten, und fühlte dunkel, daß sie immer bei uns azvi-'si'n umreit und auch immer bleiben würden. Diese kleine Kolonie von Fremden oder halben Bradfordern hat eine Anzahl hervorragender Männer hervorgebracht, darunter einen berühmten Komponisten, zwei Maler von Ruf und einen sehr bekannten Dichter. Ich kann mich noch erinnern, daß einer der bekanntesten Klubs in Bradford der Schiller- Verein war und daß in jenen Tagen ein Londoner bei uns mehr auffiel als ein Deutscher. Es war eine seltsame Mischung damals im Vorkriegs-Bradford. Ein Spritzer vom Rhein und widmet hat, so dürfen die Beiträge seiner Freunde besonderes Interesse beanspruchen, die das Beziehungsverhältnis der beiden Quellen jüdischen und christlichen Glaubenslebens in wichtigen Punkten zu klären unternehmen. So setzt sich der Greifswalder Professor Friedrich Baumgärtel unter eindringlicher Berufung auf Martin Luther in einem sehr abgewogen formulierten Artikel für die Beibehaltung der „Zehn Gebote in der christlichen Verkündigung" ein. Universitäts- Professor Johannes Herrmann (Münster) weist in einer sehr, ansprechenden Studie: „Der Alttestamentliche Urgrund des Vaterunsers" mit guten Beispielen darauf hin, daß neben der Berücksichtigung der Parallelen aus Talmud und Midrasch, wre sie vor allem von Strack-Brllerbeck in ihrem grundlegenden vierbändigen „Kommentar zum Neuen Testament" (München 1922—1928) zusammengetragen wurden, immer wieder zum Verständnis des Wertes der Evangelien der Rückbezug aus die alttestamentlichen Aussagen und Begriffsbildungen notwendig ist. Eine solche Aufhellung des Zusammenhangs der christlichen Gebetswelt mit dem israelitischen Glaubensgut ist — nach den Worten des Verfassers — dazu angetan, „die große Einheit der biblischen Ofsenbarungsreligion ins Licht zu stellen und damit einer Frage zu dienen, die heute im Vordergrund der theologrschen Debatte steht." .Wer von dem Vorurteil .geheilt ist oder werden will, daß biblische Wissenschaft nur für Fachgelehrte taugt oder nur theoretischen Erwägungen zu dienen vermag, der greife zu dieser Kostprobe hochwertiger Studien über das Alte Testament. L. H. von der Oder fand seinen Weg in unser trübes Büchlein. Bradford war „chorkshire" durch und durch und ausgesprochene Provinz, jedoch einige seiner Vororte reichten bis nach Frankfurt und Leipzig. Sonderbar genug — doch es übte seine Wirkung, d ' Der Krieg hat das alles verändert. Jetzt ist kaum noch eine Spur in der Stadt von dieser deutsch-jüdischen Einwanderung. Einige dieser Handelshäuser haben Namen und Personal gewechselt, andere haben das Geschäft aufgegeben. Mir gefiel die Stadt besser, als sie früher war und die _ meisten meiner Landsmänner stimmen mir darin bei. Es wirkt jetzt kleiner und langweiliger. Ich will nicht behaupten, daß diese deutschen. Juden bessere Leute waren als wir. Das wichtige ist, daß sie anders waren und der Stadt mehr brachten als Bankguthaben und Kundenliften. Sie wirkten anregend, genau so wie eine Kolonie typischer Leute aus West-Riding in München, oder Moskau als Sauerteig wirken würden. Dieser Austausch ist für jeden gut." „Ich hatte Zeit, ziemlich viele Veränderungen in meiner Vaterstadt Bradford wahrzunehmen, und da manche davon auch in anderen Provinzstädten vor sich gehen mögen, lohnt?§ sich, sie hier aufzuzeichnen. Einige jedoch, denke ist, sind nur Bradford eigen, so zum Beispiel das bedauerliche Schwinden der Fremdengemeinde in der Stadt und damit der Verfall mancher Dinge, die sie pflegte, besonders der Musik." Wissenschaftliche Notizen Amerikanische Archäologen haben es sich unter Führung von Miß Goldmann zur Aufgabe gemacht, die gesamte Besiedlungsgeschichte Kilikiens zu klären. Die Arbeit der Ausgräber beginnt in Tarsus, dem Geburtsort des Apostels Paulus, heute ein aufblühendes Städtchen, früher berühmt durch seine Universität. In der hettitischen Hauptstadt Chattuschah, bei dem heutigen Bogazköy, wurden in diesem Jahre abermals in fünfter Kämpagne Ausgrabungen veranstaltet. Der Deutschen Orient-Gesellschaft und dem Deutschen Archäologischen Institut wurden 1932 von Verehren des Kunstfreundes James .Simon die Mittel für eine „James-Simon- Grabung" zur Verfügung gestellt. Gleich darauf gebnisse" der Protestantischen Bibelkritik. Die Sicherheit dieser Ergebnisse wird aber heute von gewissen Richtungen der evangelischen Theologie selbst sehr stark bezweifelt. Vom Geist der theologischen Betrachtungsweise Karl Barths und seiner Schule ist z. B. in diesem Buch so gut wie nichts zu verspüren. Die Arbeiten der jüdischen Bibelwissenschaftler über den Prophetismus bleiben ganz außer Ansatz. Trotz all dieser Ausstellungen kann das Buch auch von uns mit großem Gewinn benutzt werden. Noell versteht es', den an und für sich nicht leichten Stofs so anschaulich zu gestalten, daß der Leser einen eindeutigen Eindruck von der einmaligen Größe und Bedeutung der alttestamentlichen Propheten bekommt. Der Unterschied zwischen echten und falschen Propheten, die Stellung der Propheten zum Kultus, die Entschiedenheit der prophetischen Haltung und viele andere Seiten der alttestamentlichen Prophetie werden klar und einwandfrei herausgearbeitet. Unterstützt wird die Darstellung durch die Einschaltung der wichtigsten Quellenbelege in einer durchaus genießbaren Uebertragung. Wer kritisch zu lesen versteht, kann auch als Jude eine ganze Menge über Wesen und Eigenart unserer Propheten aus der sehr fleißigen und gediegenen Arbeit Ludwig Noells lernen. * Es geht in der kleinen, inhaltsschweren Schrift von Gerhard Jasper: Die evangelische Kirche und die Judenchristen. Göttingen, Vandenhoeck & Ruprecht, 1934, zunächst um die Klärung der Begriffe. „Judenchristentum" kann ein Doppeltes bedeuten. Einmal kann darunter die Gemeinschaft der Christen verstanden werden, die am „jüdischen Nomos" sich orientieren, und neben der Anerkennung der evangelischen Heilslehren die Beobachtung mancher im Alten Testament enthaltenen „jüdischen" Gesetzesvorschriften für sich als bindend erachten. Solche Splittergruppen hat«, es seit Entstehung der urchristltchen Gemeinde, die nach dem Bericht des Neuen Testaments ursprünglich viele gesetzestreue Juden in sich enthielt, immer wieder im Raum der Kirche gegeben. An dem Beispiel der Adventisten (Sabbatisten) kann man sehen, daß ihre Wirkung auf die offizielle Kirche immer nur sehr gering und ihre missionierende Tätigkeit unter Juden so gut wie gegenstandslos war. „Tatsächlich sind die meisten Juden für das Evangelium durch Heidenchristen gewonnen, nicht durch „Judenchristen." Das „gesetzestreue Christentum" scheidet darum nach des Verfassers Meinung aus der Diskussion aus. Bleibt die andere Art von Judenchristentum, die getragen ist von Menschen „jüdischer Nationalität", deren religiöse Haltung sich aber nicht von dem Leben der Kirche ihres Wirtsvolkes unterscheidet. Soll oder darf die evangelische Kirche im Hinblick auf die Rassenfrage eigene judenchristliche Gemeinden bilden? Jasper verneint diese Frage. In einer eingehenden Interpretation der neutestamentlichen Quellen zeigt er, wie nach christlichem Verständnis der Jude wie der Heide durch Aufnahme in die Kirche gleichsam erner neuen Schöpfung teilhaftig werden. Der Jude, der in die Kirche eingeht, gibt mit der Preisgabe seiner angestammten Religion vielfach auch den volklichen Zusammenhang mit dem Judentum auf und findet in der Kirche seine neue „geistliche Heimat". Der rassische Gesichtspunkt bleibt also in christlicher Religionsschau außer Ansatz. Ausschlaggebend ist allein der Einsatz für die Heilslehren her Kirche. Unter neutestamentlicher Betrachtungsweise kann nach Jaspers Meinung gegen judenchristliche Amtsträger in der Kirche kaum etwas eingewandt werden. Dem judenchristlichen Laien muß nach diesen Darlegungen auf jeden Fall völlige Anerkennung und Gleichstellung innerhalb des Bereiches der evangelischen Kirche gewährt werden. Nur so bleibt die vom Neuen Testament empfohlene Judenmission auch heute noch sinnhaft und ausbaufähig. Wir müssen es uns versagen, an dieser Stelle auf die grundsätzliche Stellungnahme des Den fassers zum Phänomen des Judentums einzugehen. Die Auseinandersetzung wird in vornehmer Art unter Wahrung eines ossenbarungsgläubigen Standpunktes auch dem „alten Israel" gegenüber geführt. Dabei kommt es zu einer höchst aufschlußreichen Konfrontation zwischen der Glaubenswelt Jaspers und dem Judentumsanspruch Martin Bubers, der als legitimer Vertreter der jüdischen Religion zwar anerkannt, aber in seiner missionsfeindlrchen Haltung entschieden abgelehnt wird. Die Diskussion, die sehr heftig geführt wird, ist für uns deshalb so aufschlußrerch, weil sie uns zeigt, daß die Ablehnung eines nicht taufwilligen Judentums aus religiösen Motiven ebenso, nachhaltig und unnachgiebig sein kann wie die aus säkularen Gründen. L. H. Erwin Reisner: Die Kirche des Kreuzes und das deutsche Schicksal. Christian Kayser Ver* * lag, München. Das Buch von Erwin Reisner ist das Buch eines christlichen Theologen. Reisner scheut den Vorwurf „Theologismus", der jüngst gegen seine Schule ausgesprochen wurde, nicht. „Jede gesuchte. ,Einfältigkeit' des Ausdrucks ist abzulehnen; denn Gott kann nur zu den Einfältigen einfältig sprechen, und wir sind alles eher als einfältig. Wir müssen in der Theologie mit unserer ganzen faktischen Reflektiertheit und Ueberkompliziertheit Ernst machen, sogar auf die Gefahr hin, vielleicht mit Recht als ,Theologisten' gebrandmarkt zu werden." (Reisner, „Theologismus — ein Wort zur Verständigung".) Wer dieses theologische Buch Reisners liest und es versteht, aus theologischen Abstraktionen das religiöse Anliegen herauszuhören, wird reich belohnt werden. Besonders für den, der fragt, wie in dieser Zeit ein christliches Gewissen auf unsere jüdische Situtaion reagiert, ist Reisner ein wichtiges Beispiel. Hier sei nur über Reisners Darstellung des jüdischen Glaubens und über seine Haltung zu der im heutigen Deutschland stattgehabten Behandlung des jüdischen Problems berichtet. Seine Darstellung des jüdischen Glaubens wird gewiß auch dem jüdischen Leser manches geben. Es ist eine tiefe Darstellung. Aber der Theologe extremlutherischer Richtung und — was noch entscheidender ist — der Theologe der Barthschen Schule — verhindern in Reisner die Möglichkeit, die jüdische Glaubens e x i st e n z zu verstehen. Für Reisner ist jede geschichtliche Existenz Abfall vom Glauben, der als echter Glaube in der Geschichte auf jede Geltung zu verzichten hat. Von solchem Spiritualismus her ist natürlich eine Würdigung des Katholizismus und des westlichen Protestantismus ebenso unmöglich wie des Judentums. Aber Reisners Buch hat doch Bedeutung für uns. Er sieht im Juden den, der durch seine bloße Existenz, durch sein stummes Dasein jedes christliche Volkstum mahnt, über die Geschichtserfolge die noch nicht erfolgte Erlösung nicht zu vergessen. Reisner geht in eben dem Abschnitt seines Buches, der über das Deutschtum handelt, auf die Judenfrage ausfühn lich ein. Zusammenfassend kann doch gesagt wen den, daß es immer ohne Affekt, vielleicht sogar manchmal mit Wärme, jedenfalls mit tiefem Gerechtigkeitsstreben geschieht. Manche aktuelle Stellungnahme, z. B. Anerkennung Bubers, Ab» lehnung Stapels und der Hinweis, daß die Religiöses betreffende Analyse des Ariers Bera» mann ebenso ahnungslos und ehrfurchtslos ist wie die des Nichtariers Freud, machen das letzte Kapitel des Reisnerschen Buches für uns Juden interessant. Dieses Kapitel ist für uns schließlich wesentlicher als der Abschnitt, der das Judentum selbst betrifft. Reisners Ausführungen über Gott und Abgott, Zeichen und Abzeichen, ferner über Bolschewismus und Amerikanismus, dann über Preußentum und Oesterreichertum sind von einer religiösen Tiefe,' bei der die konfessionelle Herkunft des Schreibers nur noch als nebensächlich angesehen werden kann. Ignaz Maybaum. ©er Kampf um das Alte Testament Innerhalb der reichen Kampf-Literatur über das Alte Testament nimmt die Broschüre von Universttätsprosefsor H. W. Hertzberg-Marburg, „Der Deutsche und das Alte Testament", Verlag Alfred T ö p ch m a n n , Gießen, 1936, eine beachtliche Ausnahmestellung ein. Es kann nicht unsere Aufgabe sein, ihren Wert für die Entwirrung der mit der alttestamentlichen Frage für den christlichen lknterrtcht und den kirchlichen Gebrauch aufgeworfenen Probleme darzulegen. Uns kann es nur darum zu tun sein, die Frage zu prüfen, inwieweit, abseits von allem Tagesstreit, diese Schrift geeignet ist, zur Aufhellung des religiösen Gehaltes des alttestamentlichen Schrifttums überhaupt beizutragen. Und da muß gesagt werden: Hertzberg ist ein sachkundiger Beurteiler unserer Bibel, der es versteht, trotz aller seiner christlichen Vorbehalte, dem Sinngehalt des alttestamentlichen Wortes weitgehend gerecht zu werden. Selbstverständlich ist auch ihm, wie den meisten christlichen Forschern, das Alte Testament nur Vorstufe des Neuen Testaments, dessen Heiligkeitsrang innerhalb der christlichen Verkündung es nie erreichen kann. Aber im Nahmen dieser dogmatisch gegebenen Einschränkungen weiß Hertzberg Wesenhaftes der alttestamentlichen Gottes- und. WeltaUffassung zu erfühlen und zur ansprechenden Darstellung zu bringen. In einem kurzen Einleitungskapitel geht er zunächst auf die früheren Gegner des Alten Testarnents ein, die sich in ihrer Abkehr lediglich von christlichen Gesichtspunkten leiten ließen,, während in neuerer Zeit die rein innerweltlichen Argumente die Oberhand gewannen. Höchst aufschlußreich ist seine Untersuchung, wie es zur Begegnung der germanischen Stämme mit der christlichen Religion kam. Hertzberg weist überzeugend nach, daß der weltzugewandte, volkstumbejahende, gerechtigkeitshungrige, mannhafte und zukunftsfrohe Geist, der aus den Geschichtsbegebenheiten und Anweisungen des Alten Testaments spricht, am ehesten geeignet war, sich das Herz der des Heidentums überdrüssigen Menschen zu erobern. „Das Christentum ist den Germanen im alttestamentlichen Gewand eingegangen." Damit soll die ausschlaggebende Bedeutung der Evangelien für die christliche Mission keineswegs angezweifelt werden. Es soll damit nur angedeutet werden, daß das Alte Testament in vielen Lebensfragen, wie sie im Hinblick auf Familie, Volksgesundheit, Sitte, nationale Zielsetzung je und je entstehen können, zu konkreteren Antworten gelangt ist als das Neue Testament, in dessen Mittelpunkt vielmehr die Sorge um die Einzelseele und letztlich um die Menschheit steht. Das Alte Testament ist darum nicht alt und nicht veraltet, es zwingt auch heute noch mit seiner Problemstellung den Menschen in seinen Bann. Hertzberg ist davon überzeugt, daß aus diesem Grunde dem Alten Testament immer der gebührende Platz auch in den heiligen Büchern des christlichen Glaubens bleiben wird, ja er meint: „Hätte es nicht das Schicksal, auch Buch der Juden zu sein, wäre es heute eines der populärsten Bücher." ' Ludwig Noell: der Verfasser der Schrift „Die Prophetie des Alten Testaments", Verlag: A. B a g e l A.-G., Düsseldorf, 1935, der als Lehrer des evangelischen Religionsunterrichts an Volksschulen, Seminaren und Erwachsenenkursen über eine reiche Praxis in der Behandlung biblischer Stoffe verfügt, hat dies Buch heraus aus seinen Erfahrungen für den schulischen Gebrauch geschrieben. Den Einwand, das Alte Testament könne heute keinen Platz mehr im christlichen Unterricht beanspruchen, biegt, er mit Berufung aus das Zeugnis Martin Luthers ab, daß das Wort der Propheten insoweit immer auch innerhalb des evangelischen Glaubens Anspruch auf Gehör erheben kann, als es „Christum treibt", d. h. auf Christus hin verstanden werden kann. Diese Einschränkung zeigt bereits, daß der jüdische Lehrer das Buch nur mit gewissen Vorbehalten zu benutzen vermag. Hinzukommt, daß es dem Verfasser, wie er im Vorwort sagt, vor allem darauf ankommt, „die gesicherten Ergebnisse der Wissenschaft" für den Unterricht 'fruchtbar zu machen. Gemeint sind natürlich die „sicheren Erhalte sich der Leiter der Stambuler Abteilung des Deutschen Archäologischen Instituts, Direktor Schede, zur Eröffnung der Arbeiten nach Bogazköy begeben. Die letzten Grabungen leitete Dr. Kurt Bittel. Die neuen Funde schließen die bisherige Lücke in der Geschichte der Hettiter von 1650 bis 1430 v. Ehr., womit alle früheren Hypothesen von zeitweiliger Verlegung der Hauptstadt, Zerfall tu Gaufürstentümer, "Fremdherrschaft, möglicherweise unter den damals mächtigen Hyksos, unwahrscheinlich wurden. Das Archivgebäude, in dem die Siegel der hettitischen Großkönige verwahrt wurden, scheint in diesem Zeitabschnitt seinen Sitz gewechselt zu habet:. , Das Ausgräberglück brachte die bisher vermißten Insignien nunmehr an anderer, nicht vermuteter Stelle zutage. Von den zahlreichen anderen Funden sei heute schon erwähntdaß sich vor allem das Material aus der frühhettitischen Zeit vermehrte, was um so bedeutungsvoller ist, als es sich hier um die ältesten Belege handelt, die wir von den Jndogermanen überhaupt besitzen, und mit der sich unsere Kenntnis über die früheste bisher nachweisbare Begegnung zwischen Orient und Okzident damit wesentlich vertieft. („Frankfurter Zeitung"", Nr. 108—109, S. 10. 28. Februar 1936.) * Die Hamburger Kunsthistorikerin Dr. Emmy N o s e n b a ch e r, eine Schülerin von Panossky, wurde zur Assistentin am Archäologischen Institut der Universität Jerusalem (Leitung Professor Sukenik) bestellt. Im Erntelerhause,- der Zweigstelle des Märkischen Museums, wurden kürzlich neue Räume eröffnet. Man sieht dort als Neuerwerbung das Porträt des niederländischen jüdischen Hofbildhauers Friedrichs des Großen, T a e s s a e r t s, das seine Tochter in Kupfer gestochen hat. Auf dem Blatt steht: „kremier Loulpteur du Roi de Prusse et Recteur en son Aeademie. Membre de l’Academie Royal de peinture et sculpture de Paris 1788". Taessaert hat bekanntlich das Porträt Moses Mendelssohns geschaffen, dessen Original im Berliner Jüdischen Museum steht. * Die Königlichen Museen in Brüssel konnten jetzt eine wichtige Leihgabe aus den Sammlungen der Stadt Algier zeigen. M. Reygasse, der Direktor des Müsse du Bardo in Algier, stellte eine bisher unbekannte Veröffentlichung über die Kunst in der Sahara zur Verfügung. Es handelt sich um Werke aus prähistorischer Zeit, um Photos und Originale von Grabstätten, Kultstätten, nicht zuletzt um Malereien^ Die bisher vertretene Ansicht, daß die Dokumente dieser Wüstenkunst spärlich und uninteressant seien, wurde durch die Erkenntnis verdrängt, daß unzweifelhaft eine stilistische Verwandtschaft besteht mit der maurischspanischen Kunst, aber auch mit den prähistorischen Aeußerungen Libyens und Aegyptens. Im Hinblick auf die jüdische Kunst in 'Palästina vermag diese Schau nordafrikanischer Malereien in unserem Zusammenhänge von größerem Interesse zu sein. * Professor Max Deri erhielt die Aufforderung, in Los Angeles Kunstvorträge zu halten. * Dr. Otto Wertheimer, früher am Deutschen Bildarchiv der Berliner Staatlichen Kunstbibliothek tätig, eröffnete in Paris eine photographische Verlagsanstalt. * Das bekannte Antiquariat Leo Olschki kann am 1. März auf das 50jährige Bestehen zurückblicken. Der Inhaber der weit über die Grenzen seiner engeren Heimat Florenz hinaus hochangesehenen Verlagsbuchhandlung ist der Vater des lange Jahre an der Heidelberger Universität tätigen Romanisten. Er entstammt einer ostpreußischen jüdischen Familie, die vor 50 Jahren nach Italien auswanderte. Leo Olschki redigiert die bedeutendste bibliographische Zeitschrift Italiens, seine Antiquariatskataloge stehen auf beachtenswertester Höhe. Außerdem ist er der Besitzer einer der größten Privatbibliotheken, in deren Katalog sich alle Besucher einzutragen pflegen. Gekrönte Häupter, Kirchenfürsten, Schriftsteller, Dichter und Gelehrte von Rang haben sich dort eingetragen. Der Jubilar erhielt u. a. vom Papst einen hohen kirchlichen Orden anläßlich einer Audienz eigenhändig überreicht. Das Sekretariat für Bildende Kunst veranstaltet im Klubhaus des Jüdischen Frauenbundes, Berlin, Marburger Straße 5, I., eine Ausstellung von Werken von Beatrice Lion und Heinz Rosenthal. Die Ausstellung wird am Sonntag, 5. April, eröffnet. Besichtigung wochentags und Sonntags von 10 bis 14 Uhr, Sonnabends von 17 bis 19 Uhr. Eintritt frei gegen Vorzeigung des R.-Ausweises oder der Kulturbundsmitgliedskarte.