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Central-Verein-Zeitung · 1936-03-26 · 13 (26.3.1936) · p. [Seite]

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
15 (1936) - farbig
Issue
13 (26.3.1936)
Date
1936-03-26
Page
[Seite] (sequence 22)
Language
German
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durch die anderweitigen Verbesserüngsmassnahmen bereits in. Anspruch genommen seien. Insgesamt werden die Ausgaben für die von der Regierung beschlossenen Verkehrsreformen auf 850 000 LP (— rund 10/4 Millionen RM) veranschlagt. Beschlossen wurden unter anderem die folgenden Massnahmen. 1. Anlage einer Verbindungsbahn zwischen den Strecken Lydda—Jaffa und Lydda—Haifa im Horden von Lydda, also näher an Tel-Afiv. 2. Umbauten zur Beschleunigung des Verkehrs auf dem Bahnhof Lydda. 3. Erweiterung und Modernisierung der Bahnhöfe in Jaffa und Tel-Aviv, später auch Bau eines neuen Personenbahnhofes für Tel-Aviv. 4. Bau eines neuen Bahnhofes in Gaza, der im Süden des Landes gelegenen arabischen Stadt, in deren Nähe sich der englische Flughafen befindet. 5. Bessere Verbindung zwischen Bahnhof und Hafen in Jaffa und Haifa. 6. Anschaffung neuer und Verstärkung vorhandener Lokomotiven sowie Erweiterung des Wagenparks um 150 gedeckte Waggons. 7. Nach nochmaliger Enquete versuchsweise Wiedereröffnung der Eisenbahnstrecke Afule— Nablus, also Verbindung zwischen der Mitte des jüdischen Emek und der arabischen Industriezentrale. 8. Erweiterte Ermächtigung für den Generaldirektor der Eisenbahnen, in verkehrstarken Zeiten Aushilfs-Beamte und -Arbeiter einzustellen. 9. Ernennung eines Commercial Manager für die Eisenbahnen, der unter anderem auch einen neuen Gütertarif ausarbeiten soll. Die Regierung hofft offenbar, durch eine solche Leistungssteigerung auch das chronische Defizit der Eisenbahnen zu beseitigen. Während die Regierung alles in allem aus dem Kraftverkehr — einschliesslich der Zölle und indirekten Abgaben — eine Einnahme von mehr als % Million LP jährlich verbuchen kann, ist die Eisenbahn ausgesprochen ein finanzielles Sorgenkind. Das ist nicht so sehr verwunderlich, wenn man insbesondere bedenkt, dass die strategischen Aufgaben der Eisenbahn für die Verteidigung dieser wichtigen Mittelmeerposition bei einem so kleinen Netz viel stärker ins Gewicht fallen als in anderen Ländern, und dass die Eisenbahn sich bisher nur wenig der wirtschaftlichen Entwicklung angepasst hat. Gewiss waren beispielsweise die Einnahmen der Eisenbahnen im Wirtschaftsjahr 1934 um 50 Prozent höher als im Vorjahr, ein Zeichen, dass auch die Eisenbahn einen gewissen Nutzen aus dem allgemeinen Aufschwung gezogen hat. Aber die mangelnde Anpassungsfähigkeit der Eisenbahn ist sicher nicht nur Schuld der Verwaltung und nicht so leicht zu reparieren, wie es bei etwas grösserer Beweglichkeit der Postyerwaltung etwa auf dem Gebiete des Telephon- Verkehrs — der Telephonmangel raubt jedem arbeitenden Menschen unverhältnismässig viel Zeit und Kraft — möglich wäre. Aber es wäre in der Tat nicht immer leicht, für das relativ geringe Verkehrsvolumen neuer Siedlungsgebiete immer neue Eisenbahnstrecken mit erheblichen Investitionen zu bauen. Vielmehr ist Sdie Verbindung neuer Siedlungspunkte untereinander sowie die Verbindung neuer landwirtschaftlicher Produktionsgebiete mit den städtischen Konsumzentren und den Exporthäfen in der ersten Zeit der Entwicklung stets das natürliche Monopol des Autobus und des Lastautos, idie — wie jeder Palästinenser und jeder Tourist Aus eigener Anschauung weiss — in den ersten flahren sogar auf recht ungebahnten Strassen Ihren Weg finden. Wenn auch das neue Verkehrsprogramm noch nicht alle Wünsche erfüllt, so kann es doch gerade in der gegenwärtigen Zeit zur Intensivierung und Belebung der Wirtschaft beitragen. Insbesondere könnten öffentliche Arbeiten solchen Umfangs, namentlich wenn sie rechtzeitig in Angriff genommen werden, auch den Arbeitsmarkt nach Beendigung der Orangenernte entlasten. Voraussetzung dafür ist freilich, dass die Regierung bei der Verwirklichung ihres neuen Programms der jüdischen Arbeit einen besseren Platz einräumt als bisher. t—0-0. Uet Mtmkitl und unä itüukq. lesen muss die Umleitung der C.-V.- Zeitung nach seiner neuen Wohnung bei seinem alten Postamt (Zeitungsstelle) 2fnuH«SEJ!^{* schriftlich ausdrück- —l lieh beantragen. Der wohnliche gilt nur B ri e f- Wersich kleinen nicht ge- Nachsendeantrag' für die bp 0 s dieser 0 M Cj h e unterzieht, wird sich über das Ausbleiben der Zeitung und über dieZahlung von Strafgebühren ärgern. Der hier hat's richtig gemacht! Machen Sie’s ihm nach. C.-V.-Zeitung Berlin W15, Emser Str. 42* Legislative Council und englisches Parlament Auf eine Anfrage des Abgeordneten Davidson wiederholte der Minister für die Kolonien J. H. Thomas seine Zusage, dass dem Haus Gelegenheit gegeben werden wird, vor der Einsetzung des Legislative Council in Palästina diese Massnahme zu diskutieren. Als der Abgeordnete den Minister auf die starke Bewegung gegen den Plan des Legislative Council aufmerksam machte, betonte Minister Thomas, dass er schon in seiner früheren Antwort die Möglichkeit einer Erörterung des Planes im Unterhaus ausdrücklich festgestellt habe. Kurze Nachrichten Am Tage nach Purim feierte Bürgermeister Meir Dizengoff seinen 75. Geburtstag. Am Morgen des Tages gab ihm eine uniformierte Motorrad- Eskorte, die aus Mitgliedern des Arbeiter-Sportbundes Hapo’el und des Makkabi zusammengesetzt war, das Ehrengeleit zum Rathaus. Dort begannen die Festlichkeiten und die Gratulationscour, die sich bis zum Abend fortsetzte. Der High Commissioner hat namens der Mandatsregierung der Stadt Tel-Aviv den Betrag von 5000 LP zur Anlage eines Stadtparkes, der nach dem Wunsch des High Commiesioners auf den Namen Dizengoffs „Gan Meir“ genannt werden soll, überwiesen. Es hat den Anschein, als ob der politische Konflikt, der seit Jahren die Bürgerschaft Tel- Avivs in zwei kommunalpolitisch einander bekämpfende Gruppen scheidet, der Lösung wenigstens etwas nähergekommen sei. Nach den letzten, freilich ziemlich erregten Debatten im Tel-Aviver Stadtparlament scheint die Stadtverwaltung nunmehr doch beschli essen zu wollen, den Schulen der Histadrut (Arbeiterorganisation) eine Subvention zu gewähren, wie sie die Schulen anderer Gruppen bereits bekommen. Gleichzeitig soll eine Kommission eingesetzt werden, um die Frage der allgemeinen Einbeziehung der Histadrutschulen in das städtische Schulwerk Tel-Avivs zu prüfen. Im Oktober 1935, dem ersten Monat der palästinensischen Ausfuhrsaison, betrug der Warenexport nach’ den erst jetzt vorliegenden amtlichen Ziffern 114 481 LP, das sind annähernd 80 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. An der Steigerung, ist nicht nur die Ci-, truswirtschaft beteiligt, sondern in beachtlichem Umfang die Produktion der chemischen, Seifen- und Bekleidungsindustrie. Der Import lag nur um 7 Prozent höher als im Oktober 1934. Diese ungleichmässige Entwicklung kann vielleicht als Zeichen dafür gedeutet werden, dass sich unter dem Einfluss der Herbstkrise die Zunahme des Einfuhrbedarfe für Investitionszwecke verlangsamt hat, während gleichzeitig die Industrie dem Auslandsabsatz stärkere Beachtung schenkte. Der Orangenexport wird möglicherweise in dieser Saison die Ziffer von 6 Millionen Kisten kaum überschreiten. Trotz der vergrößerten Anbaufläche ist infolge der Wetterschäden also die exportfähige Menge geringer als im Vorjahr. Es liegt grosse Nachfrage aus dem Ausland vor, die nicht befriedigt werden kann, zumal spanische Orangen infolge der auch dort aufgetretenen Wetterschäden und italienische infolge des Boykotts nur in relativ geringen Mengen auf den Weltmarkt gekommen sind. Diese Verknappung des Angebots und die Dringlichkeit der Nachfrage haben natürlich die Preise günstig beeinflusst. Aber es ist keineswegs sicher, dass die Besserung der Erlöse den Ausfall, der durch die geringere zum Verkauf verfügbare Menge entstanden ist, wettmachen wird. * In der „Palestina'Gazette“ wird amtlich bestätigt, dass die Errichtung der Rothschild- Hadassa-Universitäts-Klinik ein Unternehmen öffentlichen Charakters ist, für das die Bestimmungen der Bodenenteignungsverordnung auzuwenden sind. * In letzter Zeit waren verschiedentlich Sendungen nach Tel-Aviv mit unrichtiger bzw. ungenauer Adressenangabe dort eingetroffen. Es wird daher darauf hingewiesen, dass Sendungen nach Tel-Aviv unbedingt mit der genauen und vollständigen Anschrift des Warenempfängers versehen werden müssen, da sonst Verzögerungen in der Zustellung der Dokumente bzw. Avisierung des Eintreffens der Sendungen unvermeidlich sind. Auslandsnachrichten Amerika Harold L. Ickes, der Staatssekretär des Inneren, sprach in Washington aus der Zweijahreskonserenz der „United Synagogue of America“. Er forderte die amerikanischen Juden aus, mitzuhelfen an der Schaffung eines Staates „gleicher Möglichkeiten für alle ohne Unterschied der Rasse, der Farbe und des Glaubens"'. England Der englische Innenminister Sir John S i m o n hätte kürzlich im Unterhaus auf eine Jnterpellatwn über Belästigungen von Juden im East End von London erklärt, er sei mit der gegenwärtigen Lage nicht zufrieden und stehe mrt der zuständigen Polizeistelle in Fühlung, um wirksamere Maßnahmen herbeizuführen. Simon fügte hinzu, daß der Ernst dieser Frage bestimmt eimge „hübsche Gerichtsurteile" rechtfertigen würde. Nunmehr hat, wie die ITA aus London meldet, der Londoner Stadtrichter Herbert Metcalfe einen Angehörigen der Union of British Eascsits, Ernest Williams, wegen beschimpfender Aeußernngen gegen Juden zu einer Geldstrafe von zwei Pfund oder einmonatigem Gefängnis verurteilt. Bei der Urteilsverkündung erklärte der Richter, er habe sich davon überzeugt, daß im Londoner East End jüdische Einwohner belästigt werden. Er richte an die Fascisten die Warnung, daß jedermann, der sich einer solchen Belästigung schuldig machen sollte, ins Gefängnis gebracht werden würde. „Ich werde nicht zögern", erklärte der Richter, „den ersten, der wegen Belästigung von Juden mir vorgeführt wird, geraden Wegs ins Gefängnis zu bringen. Der Belästigung ehrenwerter Leute, seien sie Juden oder Nichtjuden, wird Einhalt geboten werden." Am 22. März hielt Sir Oswald Mo 8 ley in der Londoner Albert-Hall eine Rede, in der er u. a. ankündigte, daß die Macht der Juden nt England für immer gebrochen sein würde, wenn seine Partei den unvermeidlichen Sieg errungen haben werde. In der Sitzung des Unterhauses vom 23. März fragte der Abgeordnete Vhvhan Adams den Unterstaatssekretär im Innenministerium, Geoffrey Lloyd, ob er nähere Mitteilungen über die antisemitische Tätigkeit der „British Union ok Eascists“ im Londoner East End und über den aufreizenden Charakter der Versammlung Moslehs machen könne; ob das Innenministerium Mittel habe, um dieser Art des Kampfes zu begegnen. Lloyd erwiderte, wenn der Abgeordnete eine derartige Interpellation einbringen wolle, so möge er sie ankündigen. * In der Unterhaussitzung vom 19. Mürz richtete der Abgeordnete Mander an den Arbeitsmini, ster die Frage, ob er mitteilen könne, in welchem Umfang eingewanderte Juden in letzter Zeit in England Industriebetriebe geschaffen haben und wie vielen englischen Angestellten dadurch Arbeit gegeben wurde. Der Unterstaatssekretär im Innenministerium, Geoffrey Lloyd, antwortete, es entspreche nicht der Gepflogenheit des Home Office, zwischen jüdischen und anderen Einwanderern zu unterscheiden. Die verlangten Zahlen könnten daher nicht zur Verfügung gestellt werden. Wenn aber der Aufrager Einwanderer aus Deutschland im Auge habe, so sei festzustellen, daß in den letzten zwei Jahren von Einwanderern, die Deutschland aus Gründen der Rasse, der Religion oder anderen Gründen verließen, etwa 200 Unternehmungen der verschiedensten Industriegebiete geschaffen wurden, in denen einige tausend englische Staatsangehörige Arbeit gesunden haben. Aus eine weitere Frage des Abgeordneten, ob es sich nicht um etwa 6900 bis 7000 handele, antwortete der Unterstaatssekretär, er könne dies nicht genau sagen, glaube aber, daß es etwas weniger sei. Griechenland Dem neuen griechischen Kabinett gehören u. a. zwei Mitglieder an, die sich wiederholt zustimmend zur Judensrage geäußert haben. So hat der Stellvertreter des Ministerpräsidenten, General M e t a x a s, vor der Wahl an seine Parteifreunde in Saloniki ein Telegramm gerichtet, in dem er ausdrücklich die Aufnahme jüdischer Kandidaten auf seine Wahlliste forderte. Kultusminister Louvaris war Mitglied des 1926 in Saloniki gegründeten Propalästinakomitees. Sein Plan, zu dem seinerzeit noch Pangalos seine Zustimmung erteilte, eine staatliche griechisch-jüdische höhere Schule zu gründen, konnte allerdings bisher noch nicht verwirklicht werden. Zum Mitglied der neuen Exekutive von Tsaldaris' griechischer Volkspartei wurde Daniel Alla« louf gewählt. Vor den letzten griechischen Wahlen spielte die Frage der Schaffung eigener jüdischer Wahlkurien eine gewisse Rolle. Die Befürchtung, daß die griechischen Juden damit zu Bürgern zweiten Grades gestempelt werden sollten, hatte eine lebhafte Opposition bei jüdischen und nichtjüdischen Kreisen hervorgerufen. Tatsächlich wurde der Plan fallen gelassen. Er hat jetzt erneut Bedeutung erhalten. Die von Kleinasien nach Saloniki verpflanzte griechisch-türkische Bevölkerung hat sich die Forderung nach getrennten Wahlkurien zwischen dem eingeborenen und dem nach Griechenland geflüchteten Teil der Bevölkerung zu eigen gemacht. Sollte die in dieser Frage überreichte Denkschrift Erfolg haben, so könnte die Frage für die Wahlpolitik der Juden eine erneute, in diesem Falle aber wohl positive Bedeutung erhalten. . Aus eine Anordnung des Kriegs- und Marineministeriums wird den jüdischen Angehörigen der Armee ein einwöchiger P essa ch-Ur l aub gewährt. Italien In Rom wurde eine Straße nach dem Begründer des Internationalen Agrarinstituts „Viale Davide Lubin“ benannt. Das Institut wurde vor dreißig Jahren gegründet, es steht unter dem Patronat König Viktor Emanuels, 73 Länder sind ihm angeschlossen. David Lubin ist auf dem jüdischen Friedhof in Rom beerdigt. Der Gouverneur der Stadt Rom weihte die neue Straße, die in einem der schönsten Viertel der Stadt liegt, unter Anwesenheit zahlreicher Vertreter der Behörden, der Wirtschaft und der Wissenschaft. Oesterreich Am 18. März sprach in Wien der Rektor der deutschen Nationalstiftung „Anima", Bischof H u d a l, über „Das Problem des Nasseneinflusses im abendländischen Christentum". Unter den zahlreich anwesenden weltlichen und geistlichen Würdenträgern waren u. a. Kardinal Innitzer und Oberrabbiner Feuchtwang. Im Verlaus seines Vortrages erklärte Bischof Hudal, das Vorhandensein gewisser rassebiologischer Tatsachen könne nicht zur Grundlage für die moralische Bewertung von Menschen gemacht werden. Das Neue Testament fuße aus dem Alten Testament und seinen ethischen Lehren. Am gleichen Abend wandte sich der Jesuitenpater Bichlmair gegen die Rassentheorie. Die Judenfrage sei als Rechtsfrage zu behandeln. Die christliche Nächstenliebe hindere keineswegs eine Regelung der Judensrage auf gesetzlichem Weg. Das Schicksal der Inden sei aus ihrem religiösen Abfall, aus der Weigerung, den Erlöser anzuerkennen, zu erklären. In dieser Sünde liege der Schlüssel zum Verständnis des Schicksals und der Eigenärt der Juden. Christliches Mitleid müsse zu dem Versuch führen, die Juden zu bekehren, aber andererseits dürfe man nicht blind sein für die zersetzenden Eigenschaften des jüdischen Charakters. Taufe hebe zwar den relisiösen Abfall auf, wer aber nicht in früher Kindhet, sondern als Erwachsener getauft wurde, müsse »ine gewisse Probezeit durchmachen und auf. ihn müsse lange Zeit ein „Arier-Paragraph" Anwendung finden. In seiner Predigt am Sonnabend, dem 20. März, nahm der Wiener Oberrabbiner Dr. David Feuchtwang zu den Angriffen Stellung, denen die Juden Oesterreichs in letzter Zeit wieder in verstärktem Maße ausgesetzt waren. In seiner in der Oessentlichkeit stark beachteten und von der Presse ausführlich zitierten Ansprache sagte er laut ITA u. ä.: - „Wenn heutzutage von irgendeiner Seite die Behauptung aufgestellt wird, daß ein Teil der Menschheit erlöst sei, die Juden aber zu den Unerlösten gehören, so können die Juden allerdings zugeben, daß sie selbst sich nicht als erlöst betrachten, weil nach der jüdischen Anschauung und nach den Worten ihrer Propheten die Erlösung für alle Völker der Erde bestimmt ist und nichr für ein einziges Volk oder eine einzige Glaubensgemeinschaft. Eine Unduldsamkeit, die ein Volk vor dem anderen so bevorzugt, liegt dem jüdischen Schrifttum fern; es erwartet solche Unterscheidung der Menschen durchaus nicht von dem Herrn der Welt und seiner Güte. Wenn. aber gesagt wird, es sei das Schicksal des jüdischen Volkes, die Folgen seiner Unerlöstheit zu trägem so darf man sicherlich aus einer solchen, aus religiöse Glaubenssätze sich stützenden Anschauung, aus unserem angeblichen Schicksal, nicht so ungerechte und grausam praktische Schlüsse ziehen, wie es gestern von politischer Seite schon unter Berufung aus die geistliche Autorität geschah, um gegen Gesetz und Recht einfach zwei verschieden berechtigte Klassen von Staatsbürgern zu bilden. Besonders aber müssen wir dagegen protestieren, daß wir — eben wegen der vor zweitausend Jahren erfolgten Ablehnung der Erlösung — der Erbsünde geziehen werden und daß deshalb heute uns ein verdientes Schicksal trifft, das den Nichtjuden, und besonders einem Volke, das Recht geben sollte, gegen uns vorzugehen. Es entbehrt auch der Konsequenz, wenn man auf der einen Seite die Rassentheorie ablehnt, auf der anderen Seite aber auf einem Umwege ihr wieder Geltung verschafft, indem man die Erben die Sünden der Väter büßen lassen will. Durch nichts gerechtfertigt ist aber namentlich eine An« schauung, die als minderwertig eben jenes VolL hinstellt, aus dem der Gedanke der Erlösung und sogar jener Erlöser stammt, der alle außer uns erlöst habe. Es geht doch nicht an, gerade in diesem Gedankengang die rassische Erblehre Zui Geltung gelangen zu lassen. Nicht dem höchsten Geistlichen irgendeiner Kirche, und nicht dem mächtigsten Orden können wir das Recht zu einem Urteil einräumen, das dermaßen Gegensätze ausrichtet und Feindschaften fördert, statt des Friedens. Wir folgen vielmehr den Worten unserer Weisen, wenn wir die Erlösung der Menschheit — ohne jeden Unterschied — in ihrer Höherentwicklung und in der Ueberwindung jenes Egoismus sehen, der für sich allein die höchste Stufe der Menschheit beanspruchen und andere von rhr ausschließen will." In den „Vorbereitenden Reichsärzteausschnß" wurden nur nichijüdische Aerzte berufen. Da er über die Zulassung von Aerzten zur Krankenkassenpraxis zu entscheiden hat, wird die Ausschaltung jüdischer Aerzte in den beteiligten Kreisen mit Besorgnis vermerkt. Ob der endgültige Ausschuß, der noch nicht ernannt ist, eine andere Zusammensetzung aufweisen wird, läßt sich natürlich noch nicht übersehen. Persien Der persische Geschäftsträger in der Türkei erklärte in Istanbul einem Vertreter der ITA, daß alle Meldungen über eine Einschränkung der Rechte der Juden in Persien falsch seien. Schah Pehlevi erblicke in seinen jüdischen Untertanen ein wertvolles Bevölkerungselement. Auch die Behörden machten keinerlei Unterschiede aus Gründen der Religion oder der Rasse. In der persischen Armee dienten Juden und seien zahlreiche Juden Offiziere, Juden gehörten dem persischen Parlament an und seien als Lehrkräfte an Schulen und Universitäten beschäftigt. Da alle Bürger gleichberechtigt seien, seien auch die Meldungen über besondere Religionsvermerke ans persischen Pässen falsch. Rumänien In der rumänischen Deputiertenkammer erklärte Innenminister Ion Jneulet, die antisemitische Propaganda, die zu einer Reihe von Exzessen geführt habe, schädige das rumänische Volk. Die Regierung sei bestrebt, die Probleme durch die Erziehung des Volkes zu höheren sittlichen und geistigen Idealen zu lösen. Einer der Führer der Nationalen Bauernpartei (National- Zaramsten), der frühere Arbeitsmimster Jvaniteseu, äußerte Vertretern der jüdischen Presse gegenüber, daß die Juden und die anderen Minderheiten bei einer Machtübernahme durch seine Partei nichts zu befürchten hätten. Alle, die ehrlichen Willens seien, würden herangezogen, um die wirtschaftliche und moralische Lage des Landes zu festigen. Er selbst, das wisse jeder, sei kein Antisemit. Keine jüdischen Aerzte im Irak. Wie die Jüdische T el e g r a p h e n - A g e n t u r erfährt, besteht Zwischen England und der Regierung des Irak ein Vertrag aus dem Jahre 1930, in dem sich die Regierung verpflichtet hat, ausschließlich britische Staatsangehörige in den Staatsdienst im Irak zu nehmen. Nur wenn geeignete britische Staatsangehörige nicht vorhanden sind, ist die Irak-Regierung frei in der Bestellung nichtjüdischer Staatsangehöriger. Es besteht daher keine Aussicht, daß jüdische Aerzte aus Deutschland an der Universität von Bagdad oder au den Staatskrankenhäusern von Irak angestellt werden können.

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