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Central-Verein-Zeitung · 1936-03-26 · 13 (26.3.1936) · p. [Seite]

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
15 (1936) - farbig
Issue
13 (26.3.1936)
Date
1936-03-26
Page
[Seite] (sequence 21)
Language
German
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CYZcihinq dtiäsiina- Umschau rosperität, Krise, Stagnation Von unserem L. B.-Sonderberichtersta 11er Wir setzen die Aufsatzserie, die mit dem Beitrage: „Palästina — anders als erwartet“ begonnen hat, heute fort. „Von der Parteien Hass und Gunst verwirrt“ Schwankt in der Geschichte nickt nur die Beurteilung der politischen Fakten, die man freilich von Abneigung und Zuneigung beeinflusst sieht, sondern auch die objektive Wertung wirtschaftlicher Tatsachen und Perspektiven. Wir zitieren zwei Aeusserungen wirtschaftlich geschulter und orientierter Berichterstatter über Palästina, beide ohne Zweifel wohlmeinend und sich ihrer Verantwortung durchaus bewusst, beide kritisch und sachlich: „Zusammenfassend kann gesagt werden, dass das Jahr 1935 eine weitere Ausdehnung der Palästina-Wirtschaft gebracht hat, und dass hoffnungsvolle Ansätze für die weitere Entwicklung der Industrie bestehen, die, nachdem der Baumarkt genügend mit Arbeitern versorgt ist, in Zukunft neben der Landwirtschaft den grösseren Teil der einwandernden Arbeitskräfte aufzunehmen bestimmt ist. Die erste Belastungsprobe, welche die hiesige Volkswirtschaft nach den Jahren der Prosperity aushalten musste, wurde bereits in ihrem Beginn aufgefangen. Es ist durch die Ereignisse klar zum Ausdruck gekommen, dass starke Kräfte vorhanden sind, um etwaige Konjunktur- und Krisenschwankungen abzuschwächen, auszugleichen und auch zum Guten auszuwerten.“ Bericht der Ellern’s Bank, Palästina-Wirtschaft 1935, veröffentlicht im Februar 1986 „Im Oktober überstieg auf dem palästinensischen Arbeitsmarkt zum ersten Male die Nachfrage nach Stellen das Angebot. Seitdem ist die Zahl der Beschäftigungslosen in ungeahntem Masse gestiegen — soweit die Arbeitslosigkeit überhaupt zahlenmässig erfasst werden kann, gibt es doch ausserhalb einer Gewerkschaft, der nicht alle Arbeiter und fast gar keine Akademiker angehören, keinen Arbeitsnachweis, keinerlei soziale Institutionen der öffentlichen Hand und keinerlei Fonds für die Auszahlung von Arbeitslosenunterstützung, also keine die Führung einer Statistik ermöglichenden Einrichtungen. Diese Entwicklung wird, wenn man ernsthaften Beurteilern Glauben schenken darf, bis auf weiteres anhalten.“ -Frankfurter Zeitung“, Bericht eines Korreipondenten I. K. aus Jerusalem vom März 1936^ Nr. 151 vom 22. März 1936 Beide Beobachter gehen im weiteren Verlauf fhrer Betrachtungen von ganz ähnlichen Tatsachen aus und kommen zu diametral entgegengesetzten Folgerungen. Die Schwierigkeit, ein objektives Bild der Wirtschaftslage zu erhalten, scheint also in Palästina noch grösser zu sein als anderswo, ist es wohl deswegen auch, weil die statistischen Zahlen, denen immerhin ein beschränkter Erkenntniswert zuzubilligen ist, fast völlig fehlen. Erst jetzt, nach der Errichtung eines entsprechenden statistischen Amtes, wird eine Konjunkturbeobachtung in wissenschaftlichem Sinne möglich sein. Die erste Frage über den Stand der Wirtschaftslage in Palästina im Frühjahr 1936 wird nun die sein, welche Krisensymptome denn überhaupt deutlich in die Erscheinung getreten sind. Man hat ja in Deutschland während der Jahre des Tiefstands, 1930 bis 1932, derartige Tatsachen zu beobachten gelernt. Das wichtigste Problem ist das der Arbeitslosigkeit. Man findet in den Städten Palästinas, besonders in Tel-Aviv, aber auch in Haifa, Gruppen junger Arbeiter, die offensichtlich unbeschäftigt sind, man sieht sie vor allem in der Nähe der Gewerkschaftshäuser, wo sich auch die Arbeitsvermittlungsbüros befinden, wenn es auch übertrieben erscheinen dürfte, von „dichten Reihen“ zu sprechen. Man hört in den K w u z o t, dass es schwer geworden ist, genügend Leute auf die sogenannte Aussena r b e i t zu bringen, d. h. die Arbeitskräfte, die in den landwirtschaftlichen und handwerklichen Betrieben der Kwuza keine Arbeit finden, nutzbar einzusetzen. Dies spielt für die Budgetierung der Gemeinschaftssiedlungen natürlich eine erhebliche Rolle, denn aus der Aussenarbeit floss, insbesondere bei den jüngeren und nicht mit grossem Landbesitz ausgestatteten Kwuzot, der grösste Teil der für Verpflegung und Erneuerung notwendigen Bareingänge. Selbstverständlich sorgen aber die öffentlichen Organisationen dafür, dass bei den Kwuzot keine Not entsteht. Wie gross die Zahl der Arbeitslosen des Landes ist, dürfte sehr schwer festzustellen sein. Denn eine eigentliche Statistik wird nicht geführt; eine Versicherung oder eine andere Form der Unterstützung besteht nicht. Der Begriff „Arbeitsloser“ ist ausserdem in Palästina noch schwerer abzugrenzen als anderswo in der Welt. Die Kategorie „Arbeiter“ ist in Palästina keine so eindeutige Bezeichnung wie in Europa, ein Rechtsanwalt aus Berlin, der auf dem Bau beschäftigt ist, oder ein Kaufmann aus Polen, der am Hafen Lifts auslädt, die aber beide vielleicht darauf warten, ein selbständiges Gewerbe anzufangen, sind nicht in einem Atemzug zu nennen mit dem umgeschichteten Gärtner oder dem gelernten Elektrotechniker. Die Arbeit ist auf vielen Gebieten Gelegenheitsarbeit, die rasch mit etwas anderem vertauscht werden kann. In dieser Beziehung ähnelt Palästina etwa den Vereinigten Staaten, wo bekanntlich seit vielen Jahren, schon vor der Krise, Schätzungen über die Arbeitslosigkeit verbreitet werden, die um Millionen Menschen von einander verschieden si*d. Auch die Ziffer der Arbeitsuchenden, die übrigens in Palästina nicht feststeht, gibt keine Anhaltspunkte. Denn wohl keiner der sogenannten Arbeitslosen ist ganz ohne Arbeit, sondern er verdient sich, etwa wie in Deutschland bis vor einigen Jahren, durch allerhand Beschäftigung wenigstens kleine Beträge. Mag es sich dabei um den jüdischen Akademiker aus Deutschland handeln, der um 134 Pfund im Monat Botendienste leistet, die ihn acht oder neun Stunden am Tag beschäftigen oder um einen Jungen, der am Abend auf den Strassen von Tel-Aviv gebrannte Mandeln oder Haselnüsse verkauft — in allen Fällen Menschen, die weit weniger als ein Existenzminimum verdienen, volle Arbeitslose sind sie aber nicht mehr. Weiter ist zu berücksichtigen, dass in vielen Familien eine ganze Reihe von Angehörigen im Erwerbsleben steht, Mann, Frau und Kinder, und dass oft mehrere Familien zu einer Hausgemeinschaft gehören, die gemeinsam wohnen und kochen und dass gegenseitige Hilfe in solchen Fällen das Schlimmste verhütet. Schliesslich ist die Zahl der Arbeitsfähigen im Land keine Konstante, sondern steigt dauernd durch die Einwanderung an, wenn auch die Herabsetzung der Quote für Arbeiterzertifikate von 8000 in den vergangenen Halbjahren auf 3000 im laufenden den Zustrom verringert hat. Man wird den meisten Einwanderern zunächst eine gewisse Anp ae* sungszeit einräumen müssen und die Begründung besonderer Werkstätten zu diesem Zweck ist eine der dankenswertesten und wichtigsten Einrichtungen zum Aufbau des Landes. In welcher Zeit der Einwanderer in den Wirtschaftsprozess des Landes als vollwertiges Glied, eingeschaltet werden kann, ist aber völlig individuell. Beschäftigungslos, aber nicht arbeitslos im eigentlichen Sinn sind ausserdem viele Einwanderer, die sich, zumal in der gegenwärtigen Periode, nicht entschliessen können, eine selbständige wirtschaftliche Tätigkeit auszuüben, da sie entweder auf ihr noch nicht transferiertes Vermögen warten oder vielleicht mit Recht den Zeitpunkt für nicht geeignet halten, irgend etwas neu zu beginnen und die deshalb zunächst eine abhängige Stellung im Angestellten- oder Arbeiterverhältnis suchen. So sind alle Angaben über die Zahl der Arbeitslosen nur Schätzungen. Offiziös gibt man Anfang März etwa 6000 zu, von denen über die Hälfte auf Tel-Aviv entfallen dürften, etwa 800 bis 1000 auf Haifa. Dies würde etwa 10 Prozent der organisierten Arbeiter und Angestellten ausmachen; nicht enthalten sind in dieser Ziffer die Neueingewanderten und die Nichtorganisierten. Man kann also die Zahl der Beschäftigungslosen höher schätzen, vielleicht auf etwa 10 000 bis 12 000 bei einer jüdischen Gesamtbevölkerung von rund 350 000; man darf aber nicht vergessen, dass 1935 über 60 000 Juden eingewandert sind und dass man nicht die Vergleichsmassstäbe von Europa, wo die Familie von durchschnittlich drei Köpfen einen Arbeitsfähigen aufweist, auf die andersartigen sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse Palästinas anwenden darf. Die Zahl der Beschäftigungslosen im Land umfasst also gegenwärtig vielleicht 10 Prozent der Arbeitsfähigen; es scheint, dass sie im letzten Vierteljahr aber nicht mehr gestiegen ist, was zugleich bedeutet, dass ein Teil der Neueinwanderer in Arbeitsstätten gelangte. Die Citrus-Saison hat natürlich Arbeitskräfte absorbiert, die zum Teil in anderen Berufen, besonders dem Baugewerbe, freigesetzt wurden. Notstandsarbeiten werden in nächster Zeit zu einer Verminderung ebenfalls beitragen, im übrigen aber ist die Schlüsselfrage die Baukonjunktur. Krisenanzeichen sind neben dem Arbeitsmarkt darum auch in erster Linie an den Neubauten zu erkennen. Man trifft mancherorts Mauern, die begonnen worden sind, bei denen aber der Hausbau nicht fortgesetzt werden konnte. Der Sf: - Palästina - Korrespondent der C. - V. - Zeitung hat in der letzten Ausgabe berichtet, dass die Zahl der Bauerlaubnisse in Tel-Aviv im Januar 1936 nur etwa halb so hoch war wie im Januar 1935, dass aber im Februar die Baugesuche wieder gestiegen seien. Jahreszeitliche Einflüsse mögen dabei eine gewisse Bedeutung haben; die Krise im Baugewerbe lässt sich aber natürlich nicht in kurzer Frist überwinden.. Nach verschiedenen Erkundigungen kann man etwa annehmen, dass im Frühjahr 1936 die Bautätigkeit rund 25 bis 30 Prozent unter der entsprechenden Vorjahrszeit liegt; da im eigentlichen Baugewerbe über 15 000 Arbeiter beschäftigt waren und wohl etwa zwei Drittel dieser Zahl in den Zulieferindustrien, ergibt sich die Herkunft der Arbeitslosen ohne weiteres. Die weiteren Ausstrahlungen der vom Baugewerbe ausgehenden Krisenerscheinungen auf das Wirtschaftsleben Palästinas sind nun ganz verschiedenartige. Bei einem im höchsten Grad auf wirtschaftliche Intensität gerichteten Land, bei dem so verschiedenartige Formen des Kapitalismus Zusammenkommen, sind die Reaktionen sehr plötzlich und stark. Die Hilfe der Banken, die den Run auf die Schalter einiger Institute in ganz kurzer Zeit abwehrte, zeigt aber, dass recht erhebliche V erteidigungkräfte gegen überraschende Störungen vorhanden sind, wenn auch die Lst. 16 Mill. Bankguthaben und manche anderen, nicht angelegte Reserven wahrscheinlich in Krisenzeiten sehr rasch verschwinden könnten und so eher Schwierigkeiten verursachen als Unterstützung bringen. Rasches Handeln ist in solchen Fällen wichtiger als die Hoffnung auf automatischen Ausgleich. So hat die Methode, Banknoten auszuzahlen, besser gewirkt als ein Moratorium und die Angst der Einleger behoben. Der Notenumlauf ist, wie aus den letztveröffentlichten Zahlen hervorgeht, wieder auf seine normale Höhe zurückgegangen. Die psychologische Wirkung auf die Initiative ist aber doch zum. grossen Teil zurückgeblieben. Der Glaube an die Unerschütterlichkeit der „Wirtschaftsoase Palästina“ ist geschwunden und man hat eingesehen, dass es, ebensowenig wie in Amerika, keine ewige Prosperität gibt. Das ist natürlich eine von jedem Standpunkt aus gesunde Erkenntnis, denn sie hat die Grenzen eines ,W*i r t s c h a f t s a u f b a u s gezeigt. Mancher unternehmungslustige Geschäftsmann konnte seine Situation überprüfen und mancher wird seine zu grossen Engagements zu verkleinern suchen. Die Zahlungswilligkeit ist durch die Depression am Baumarkt allerdings vermindert worden, die Wechselverpflichtungen werden noch langsamer als vorher abgedeckt, aber infolge der Hilfe der Banken konnten Prolongationen ermöglicht werden und Die Mandats-Regierung hat nunmehr ihre Beschlüsse zu dem schon lange vorliegenden Reformplan für das Eisenbahnnetz des Landes bekanntgegeben. Im Verein mit den jüngsten Massnahmen auf dem Gebiete des Strassen- und Autoverkehrs sowie der spürbaren Beschleunigung der inner-palästinensischen Postverbindungen — auch des Telephonwesens — bedeutet diese Tatsache wenigstens einen Schritt auf dem Wege zur Anpassung des Verkehrsapparates an die erhöhten Bedürfnisse der palästinensischen Wirtschaft. Es ist bekannt, dass an der Bewältigung der Verkehrsbedürfnisse des Landes zwei Stellen beteiligt sind, abgesehen von dem Transport auf dem Kamelrücken, der noch immer eine beträchliche Rolle spielt. Auf der einen Seite ist es die Autobus-Korporation, eindrucksvolle Beweise jüdischer Initiative und jüdischer Organisationsleistung, die nicht nur den Verkehr innerhalb der Städte beherrschen, sondern vor allem den Ueberlandverkehr von Personen, Gütern und Gepäck betreiben. Auf der anderen Seite stehen die staatlichen Verkehrsanstalten : Eisenbahn und Post. Auch das moderne Palästina kennt den Kampf zwischen Schiene und Landstrasse, und auch hier haben Post und Eisenbahn die staatlichen Machtmittel, die ihnen allein zu Gebote standen, in diesem Kampf eingesetzt. Erst vor kurzer Zeit wurde durch Inangriffnahme eines etwas grosszügigeren Strassenbauprogianuns sowie durch gewisse Steuer- und Zolländerungen den Bedürfnissen des Kraftverkehrs in einigen Punkten mehr Rechnung getragen und darüber hinaus eine Gemeinschaftsarbeit zwischen den staatlichen und den genossenschaftlichen Verkehrsträgern angebahnt. Als Beispiel diene die Abmachung über die Schnellbeförderung von Briefen durch Autobusse und der Zubringerdienst von Tel-Aviv nach Ras-el-Aja, einer Station auf der Eisenbahnstrecke Tel-Aviv—Haifa, der allen Fahrgästen den zeitraubenden Umweg über den Knotenpunkt Lyolda erspart. Aber der Verkehr zwischen den beiden Häfen des Landes — der in letzter Zeit durch die Einlegung von zwei neuen Zugverbindungen sowie durch den Ausbau der parallel zur Küste laufenden Autostrasse Tel-Aviv—Haifa ebenfalls verbessert worden ist — bildet nicht das alleinige Problem. Vielmehr ist es für die Erschliessung neuer Siedlungsgebiete und für die Entwicklung der neuen Siedlungspunkte einfach 26. März 1936 Zusammenbrüche sind durchweg ver-« m i e d e n worden. An einigen wenigen Geschäften sieht man Schilder, die einen Zwangsverkauf vermuten lassen, aber sie sind nicht besonders zahlreich. So kann der durch den abessinischen Konflikt beschworene Kriseneinbruch eigentlich als überwunden gelten. Die Stagnation, die an ihre Stelle getreten ist, hat andere, tiefer, liegende Ursachen. Sie rührt an die ganze Wirtschaftsstruktur des Landes und sie stellt die Frage, ob es wünschenswert ist, die Entwicklung so laufen zu lassen, wie dies in der Konjunkturperiode 1932 bis 1935 der Fall war. Um dies zu beantworten, müssen die Grundlagen der palästinensischen .Wirtschaftskraft überhaupt betrachtet werden und die Möglichkeiten, die mweiier Ludwig Steinmetz \ Nürnberger Str. 56 (neben Woolworth) V eine Ausdehnung und Erweiterung der gegenwärtigen Produktion zulassen. Aber schon stehen ausserdem neue Schwierigkeiten vor der Tür: vor allem die Ungewissheit der kommenden Citrusernte, die vielleicht durch die geringen Regenfälle des diesjährigen Winters besonders ungünstig betroffen wird, nachdem schon der Ertrag der Saison 1935/36 geringer sein wird als bei niedrig gespannten Hoffnungen erwartet wurde. Trotzdem darf die gegenwärtige Lage nicht unter einem kurzfristigen Gesichtspunkt betrachtet werden, der leicht sm pessimistischen Schlüssen führen würde. Die Arbeitslosigkeit ist sogar an absoluter Zahl noch geringer als bei der letzten Krise im Jahre 1927, als etwa 8000 organisierte Arbeiter, ein Drittel der gesamten ‘ Arbeiterzahl des Landes, beschäftigungslos waren. Der Palästina-Aufbau wird heute fast von allen Juden in der Welt als Aufgabe betrachtet, die wirtschaftliche Bedeutung des vorderen Orients ist gestiegen und das Mittelmeer, besonders mit seinen östlichen Teilen, ist in dem ökonomischen und politischen Kräftefeld der Welt vorgedrungen. Wenn der Kapital- Zustrom nach Palästina auch nachlässt, so wird er doch nicht versiegen, und erst recht nicht der Druck der zur Einwanderung bereiten Menschen. Schliesslich beschäftigt sieh doch eine Reihe ausgezeichneter wirtschaftlichen Köpfe in Palästina und ausserhalb mit all den Problemen des Landes und wird hoff entheb M der Lage sein, vernünftige Vorschläge einer; weiteren gesunden Entwicklung und eines Aus» baue« des bisher wirtschaftlich Erreichten, das ja über alle Träume hinausgeht, nicht nur aufzustellen, sondern auch in den natürlich gezogenen Grenzen der .Verwirklichung näherte zubringen. (Wird fortgesetzt*) eine Lebensfrage, dass die Verkehrsentwicklung mit der Siedlungstätigkeit Schritt hält. Immer wieder kommt es vor, dass einzelne Dörfer bei längeren Regenfällen tagelang von jeder Zufuhr und jeder Postverbindung abgeschnitten sind. Damit aber sind zugleich auch ihre Produkte von den grossen städtischen Konsummärkten abgeschnitten. Unter diesen Verhältnissen leidet auch die Orangenwirtschaft empfindlich. Da die Orangensaison mit der Jahreszeit des schlechten Wetters zusammen fällt, sind wetterbeständige Verkehrsverbindungen zwischen den Pfanzungsgebieten und den Ausfuhrhäfen sowie wetterfeste Lagerräume von entscheidender Bedeutung. Die Eisenbahn- und Hafenverwaltung hat in letzter Zeit begonnen, durch Neuanlagen in Jaffa und Haifa sowie durch organisatorische Neuerungen wenigstens einige der dringendsten Beschwerden abzustellen. Dabei ist nicht zu vergessen, dass in Palästina das Eisenbahnnetz zum guten Teil durch die militärischen Notwendigkeiten des Weltkrieges geformt worden ist. In den letzten Jahren sind neue Strecken in nennenswertem Ausmass nicht geschaffen worden, obwohl sich in dieser Zeit zum mindesten das jüdische Palästina an Zahl der Menschen, an Umfang der besiedelten Fläche und an Intensität der Wirtschaftstätigkeit verdoppelt hat. Im vorigen Jahre wurde nun der englische Sachverständige Sir Felix Pole mit der Untersuchung des palästinensischen Eisenbahnnetzes und der Ausarbeitung von Reformvorschlägen beauftragt. Gleichzeitig forderte die Palästina-Regierung Gutachten des Eisenbahn-Fachmanns Jenkin Jones und der Revisionsfirma Price Waterliouse an. Sie hat schliesslich einige der weitgehenden Pläne, die Sir Felix ihr unterbreitet hatte, abgelehnt, dagegen .mehrere der von den anderen Stellen vorgelegten Projekte grundsätzlich angenommen. Abgelehnt wurde der Vorschlag des Sir Felix, mit' einem Kostenaufwand von 34 Mill. LP eine neue Strecke von Jaffa nach Magdiel, einer nordöstlich von Tel-Aviv und nahe von Ras el Ajn gelegenen jüdischen Kolonie zu bauen und auf diese Weise unter Umgehung von Lydda die Eisenbahnverbindung Tel-Aviv—Haifa zu verbessern. Die Regierung erklärt dazu, dass eine solche Ausgabe gegenwärtig nicht in Frage käme, weil die vorgeschlagene neue Strecke sich finanziell kaum selber erhalten würde und die für Verkehrszwecke verfügbaren Fonds der Regierung Auf dem Wege zur Verkehrsreform? Von unserem * -Palästina-Korrespondenten:

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