Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936) - farbig
- Issue
- 12 (19.3.1936)
- Date
- 1936-03-19
- Page
- [Seite] (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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Palästinas Geldwirtschaft Die Hypothekenbank 1935 Drei Dinge begründen die Sonderstellung der Allgemeinen Hypothekenbank, die jetzt ihren Abschluss und Bericht für 1935 verlegt, unter den .Wirtschaftsorganisationen Palästinas. Einmal ist sie eines der wenigen Institute, die bisher, wenigstens auf einem Teilgebiet, planmässig einen wirtschaftspolitischen Einfluss ausüben konnten. Sodann ist sie eine der wichtigsten Kreditquellen für die Bauwirtschaft und indirekt auch für die gesamte Wirtschaft. Schliesslich haben ihre Pfandbriefe und Aktien gewissermassen den Charakter eines Standardpapiers auf dem kleinen palästinensischen Effektenmarkt; für den anlagesuchenden Kapitalisten ein wichtiger Faktor für die Einordnung im Lande. Die Hypothekenbank, die unmittelbar unter der Kontrolle der zentralen jüdischen Institutionen steht, hatte es in den ersten zehn Jahren ihres Bestehens, also bis 1931, auf einen Darlehensbestand von ganzen 136 000 LP gebracht. Heute dürfte die Grenze von 2 Millionen annähernd erreicht sein. Das Geschäftsjahr 1935 allein brachte eine Steigerung von 0,94 auf 1,90 Millionen, also mehr als eine Verdoppelung. Demgegenüber befinden sich im Umlauf 1,53 Millionen LP Pfandbriefe, das sind 659 000 LP mehr als im Vorjahr, 160 000 LP Stammaktien und 190 000 LP Vorzugsaktien. Der Reservefonds, der bereits aus den Gewinnen des Vorjahres sowie aus dem Agio der 1935 durchgeführten Kapitalserhöhung von 6500 auf 15 500 LP erhöht worden war, wird aus den Gewinnen des letzten Jahres auf 20 000 LP auf gefüllt. Wenn somit auch der Reservefonds hinter dem in Deutschland als normal geltenden Satz von 10 Prozent des Aktienkapitals noch zurückbleibt, so ist auf der anderen Seite zu berücksichtigen, dass der Pfandbriefumlauf hier nur das Fünffache des Aktienkapitals beträgt, während die gesetzliche Umlaufgrenze in Deutschland eine Pfandbriefausgabe bis zum zwanzigfachen Betrage des Aktienkapitals gestattet. Diese für palästinensische Verhältnisse sehr erheblichen Summen zeigen die zentrale Stellung . des Instituts für den Baumarkt. Um so wichtiger ist es, dass die Hypothekenbank steigenden Wert darauf legt, die Bautätigkeit, die sich während der Prosperity ziemlich cha- . otisch , entwickelt hatte, im Sinne einer planvollen und auf lange Sicht abgestellten Siedlungspolitik zu beeinflussen, die Schaffung gesunden, billigen Wohnraums bewusst zu pflegen und auch auf den in letzter Zeit so manchen Erschütterungen ausgesetzten Arbeitsmarkt Rücksicht zu nehmen. Sie konnte das um so mehr, als sie nicht nur fertige Gebäude beleiht, sondern auch Bauvorschüsse gibt, die nachher in langfristige Hypotheken umgewandelt werden; gegenwärtig entfallen etwa zehn Prozent des Hypothekenbestandes auf solche unmittelbar arbeitschaffenden Bauvorschüsse. Der Geschäftsbericht des Direktoriums erklärt dazu: „Wir haben im zweiten Halbjahr 1935 die Finanzierung von Neubauten und den Bau von Kleinwohnungen besonders bevorzugt und beabsichtigen vorläufig, in diesem Sinne fortzufahren. Dabei wurde auch weiterhin iWert darauf gelegt, Objekte zu bevorzugen, die durch die Art ihrer Grundrisslösung und ihrer Bauweise die Gesichtspunkte einer gesunden Baupolitik am meisten berücksichtigen.“ Im Zusammenhang damit zeigt die Bank, die sich ausschliesslich auf den städtischen und vorstädtischen Realkredit beschränkt, auch das Bestreben, die örtliche Risikoverteilung weiter auszubauen. Auf die verschiedenen Plätze, in denen das Institut arbeitet, verteilten sich die Hypotheken wie folgt: Ort Neubewilligungen Bestand 1935 Ende 1935 Tel-Aviv. 55,32% 58,86% Ramat Gan .... 4,69% 3,75% Haifa. 26,43% 26,28% Jerusalem .... 2,70% 2,31% Tiberias. 0,09% 0,23% Rechoboth .... 3,36% 2,92% Petaeh Tikwah . . 2,47% 2,19% Hedera. 3,54% 2,35% Rischon le Zion . . 1,40% 1,11% Vergleicht man also den Anteil der einzelnen Orte an der Gesamtsumme der 1935 neu bewilligten Hypotheken mit ihrem Anteil an dom gesamten Hypothekenbestand, so erkennt man, dass im letzten Jahre der Anteil der eigentlichen Stadt Tel-Aviv gesunken, dagegen der Anteil des Tel-Aviver Vorortes Ramat Gan stark gestiegen ist. Die beiden anderen Gressstädte des Landes, Haifa und Jerusalem, konnten ihren Anteil etwas vergrößern. Besonders aber sind die kleinen und Landstädtchen mit ihren Gruppensiedlungen bei den Neubewilligungen des letzten Jahres erheblich stärker berücksichtigt worden. Die Hypothekenbank konnte ihre Darlehensgewährung während des ganzen Jahres ungefähr auf der gleichen Höhe halten. Wenn sie in den letzten Monaten trotzdem im gewissen Umfang Darlehensgesuche ablehnen musste, so deshalb, weil im Zusammenhang mit der Herbstkrise das .Angebot am privaten Hypothekenmarkte stark zurückging, so dass sich ein immer grösserer Teil der Nachfrage nach Baukrediten und anderen Realkrediten bei der Bank konzentrierte. In letzter Zeit treten die privaten Geldgeber am Hypothekenmarkt wieder etwas stärker in Erscheinung. Aehnliche Wellenbewegungen vollzogen sich am Pfandbriefmarkt, von dessen Aufnahmefähigkeit ja die Möglichkeiten der Darlehensgewährung im wesentlichen abhängen. Immerhin war im grossen und ganzen der Erlös aus dem Pfandbriefverkauf sowie aus der Begebung der 100 000 LP. neuen Stammaktien ausreichend, um der Bank die Bewilligung neuer Hypotheken in angemessenem Umfang zu gestatten. Wenn auch der Pfandbriefabsatz, trotz einer unverkennbaren Belebung, noch hinter den Umsätzen, die vor der Krise erreicht wurden, zurückbleibt, so ist doch aus den letzten Wochen als. erfreuliches Zeichen der Entwicklung zu buchen, dass einige grössere Posten im Werte von 100 000 LP. gerade jetzt von. ägyptischen Gruppen fest übernommen worden sind. Nach der zu Anfang des vorigen Jahres vorgenommenen Konvertierung, die auch eine Senkung der Hypothekenzinsen auf 7% ermöglichte, dominiert jetzt der Sprozentige Pfandbrief. Die bei der letzten Zinssenkung gemachten Erfahrungen haben jedoch die Bank veranlasst, bei den neuen Pfandbriefen das Kündigungsrecht für einige Jahre auszuschliessen, den Inhaber also vor vorzeitiger Konvertierung zu schützen. Um weiterhin das Vertrauen zum Wertpapier zu stärken, wurde unter Führung der Anglo Palestine Bank ein Kurspflege-Konsortium gebildet, das in der Tat auch während der nervösen Herbsttage die Pfandbriefbesitzer vor übermässigen Kursschwankungen bewahren konnte. Es ist bekannt, dass die Bank durch ihre äusserst vorsichtigen Beleihungsgrundsätze erheblich dazu beigetragen hat, die Bauunternehmer und Grundbesitzer zu genauer und maßvoller Kalkulation zu erziehen, die . hier in dem Taumel der Prosperity nicht immer selbstverständlich war. Insbesondere wurde stets nur ein Bruchteil der reinen Baukosten belieben, der Wert des Grund und Bodens aber ausser Ansatz gelassen. Selbst ein nennenswerter Rückgang der Grundstückspreise — der übrigens nach den Feststellungen des Berichtes interessanterweise nicht eingetreten ist — hätte die Bank nicht berührt. So sind in den Zins- und Tilgungszahlungen keinerlei Stockungen eingetreten und die Verwaltung kann in ihrem Rechenschaftsbericht der jüdischen Wirtschaft Palästinas das Zeugnis ausstellen: „Die Zahlungsbereitschaft und'Zahlungsfähigkeit der 'Hypothekenschuldner in Palästina ist nach wie vor als ungewöhnlich hoch zu bezeichnen.“ Wie im Vorjahr werden auf die Stammaktien 7% und auf die Vorzugsaktien 6V2% Dividende verteilt. * Der Geldumlauf Die soeben bekanntwerdende Ziffer des Geldumlaufs per Ende Januar zeigt, dass die Krise am Geld- und Kapitalmarkt endgültig als beseitigt angesehen werden kann. Der Geldumlauf betrug am 31. Januar knapp 6,30 Millionen LP, das sind 260 000 LP weniger als Ende Dezember und 1,25 Millionen weniger als am Ultimo Oktober, an dem die Bankabzüge und im Zusammenhang damit der Geldumlauf ihre höchste Spitze erreicht hatten. Wenn auch heute noch der Geldumlauf um 0,47 Millionen grösser ist als im letzten normalen Monat vor der Krise, nämlich im August 1935, so spiegelt sich .darin nur das natürliche Wachstum der Bevölkerung und der Wirtschaft wider. Die „Palestine Post“ gibt in diesem Zusammenhang einen interessanten Vergleich zwischen dem Geldumlauf in Palästina und seinen Nachbarländern, der auch die Unterschiede im wirtschaftlichen Reifegrad veranschaulicht. Umgerechnet auf die palästinensische Währung betrug der Geldumlauf pro Kopf der Bevölkerung Ende 1935 in Palästina 4,600 LP, in Aegypten 1,785 LP und in Syrien 0,940 LP. Kurze Nachrichten Nach einer Meldung aus Jerusalem sind im Hafen von Jaffa 670 to Waren, die auf. italienischen Schiffen eingetroffen waren, von der Zollbehörde zurückgehalten worden. Die Importeure sollen den Nachweis erbringen, dass die Waren nicht italienischer Herkunft sind. Die Zollämter in Palästina verlangen für Sendungen, die aus Deutschland durch Italien nach Palästina importiert werden, neben dem Ursprungszeugnis der Handelskammer einen Vermerk über den Zeitpunkt der Absendung der Güter in Deutschland, weil die Güter nicht längere Zeit in Italien gelegen haben dürfen, sondern in der normalen Transitzeit Italien passiert haben müssen. Güter deutschen Ursprungs, die seit geraumer Zeit in Italien „transit“ lagern, dürfen also nicht nach Palästina eingeführt werden. Die Beförderung von Durchfuhrsendungen durch Palästina soll keine Verzögerung erleiden, wenn aus den Begleitpapieren hervorgeht, dass die Waren nicht in Italien hergestellt sind. Bis zur Vorlegung ausreichender Dokumente können Verzögerungen durch Hinterlegung eines Geldbetrages bei der Zollbehörde abgewendet werden. Die Handelskammer Tel-Aviv hat durch Rundschreiben mitgeteilt, dass die Zollverwaltung von Jaffa für über italienische Häfen nach Palästina verschiffte Sendungen als Nachweis fordert: 1. dass Italien nicht das Ursprungsland der Ware ist; 2. dass die Sendung nicht einem Italiener oder einem italienischen Agenten gehört. Diese Nachweise müssen mittels einer Bescheinigung des Zollamtes oder einer in Palästina amtlich anerkannten Handelskammer erbracht werden. Bei Fehlen einer solchen Bescheinigung werden die Waren beim Zollamt zurückgehalten. P Wegen der Schäden, die die palästinensische Landwirtschaft durch die ägyptische Tomateneinfuhr erlitten hat, soll die Mandatsregierung für Palästina mit der Absicht umgehen, den Zoll für Tomaten um sechs palästinensische Pfund je to zu erhöhen. Der Antrag des palästinensischen Landwirtschaftsverbandes, die Einfuhr von Tomaten gänzlich zu verbieten, ist von der Regierung abgelehnt worden. Palästina verbraucht rund 20 600 to Tomaten jährlich. * Es sind Verhandlungen eingeleitet mit dem Ziel, den Umschlag der für Jaffa bestimmten Schwergüter, die bisher ausschliesslich in Haifa gelöscht wurden, nunmehr wieder in Jaffa selbst zuzulassen. Hierzu würden in erster Linie Liftvans, Automobile, Maschinen usw. gehören. Heber den Ausbau des Hafens A k k o soll ein Beschluss vorliegen. Die Vorarbeiten sollen bereits demnächst beginnen. Der Hafen soll eine Eisenbahnverbindung erhalten und so .ausgebaut werden, dass er als reiner Handelshafen die strategischen Funktionen von Haifa ablösen soll. Die Entwicklung heuer Industrien wird veranschaulicht durch die Eröffnung einer nach ungarischen Patenten arbeitenden Glasziegelfabrik in Tel-Aviv und den Bau einer Glasfabrik in Haifa, die zunächst 90 Arbeiter beschäftigen wird und vorläufig belgische Rohstoffe benutzen will, bald aber auch in Palästina geeignetes Material zu finden hofft. # Die Schemen Ltd., die Seifen und Speisefette herstellt, hat ihr Kapital um 35 000 auf 140 000 LP erhöht. Begründet wird die Massnahme mit der Erweiterung des Geschäftsumfanges, insbesondere mit der Zunahme des Exports von höherwertigen Seifen und von Olivenöl. Im vergangenen Jahre wurden erhebliche Investitionen in neuen Maschinen und Baulichkeiten vorgenommen. Im laufenden Jahr wird auf einem neuerworbenen Gelände ein neues Bürohaus, das auch Laboratorien und soziale Einrichtungen enthalten soll, errichtet. Der Umsatz stieg von 300 000 LP im Jahre 1934 auf 340 000 LP im Jahre 1935. » Nach langem Kampf haben es die Ladeninhaber von Jerusalem durch einen Proteststreik erreicht, dass auch für diese Stadt ein Höchstmietengesetz in Kraft treten wird. * Die jüdische Genossenschaft Egged., besonders bekannt durch ihren Passagier- und Gepäckdienst zwischen Tel-Aviv und Jerusalem, legt jetzt ihren Bericht für 1935 vor. Die Zahl 4er von der Kooperative betriebenen Autobusse stieg gegenüber dem Vorjahr weiter von 88 auf 97; im Jahre 1933 hatte sie erst 36 betragen. Die Zahl der Taxis wurde von 58 auf 65 erhöht. Zum Vergleich sei angeführt, dass sich im letzten Jahr die Gesamtzahl aller überhaupt in Palästina laufenden Autobusse von 1037 auf 1251, die Zahl der Taxis von 1084 auf 1087 (Lizenzsperre!) vermehrt hat. In der Bilanz wird der gesamte Wagenpark mit 48 000 LP bewertet, während der Anschaffungspreis für einen Autobus auf 800 LP, für ein Taxi auf 380 LP veranschlagt wird. Die Gesamteinnahmen stiegdh von 105 000 auf 122 000 LP, der Reingewinn infolge erhöhter Ausgaben und Abschreibungen auf 8000 LP. Ein in Palästina leider nicht seltener Schönheitsfehler der Bilanz ist es, dass nennenswerte offene Reserven noch nicht bestehen, obwohl die Gesellschaft sehr gute Jahre hinter sich hat und dem, allerdings recht erheblichen Investitionsaufwand beträchtliche Kapitalzuflüsse durch den Eintritt neuer Genossen gegenüberstanden. So stark auch die Stellung der gut organisierten und gut eingeführten Genossenschaften ist, so hat sich doch gezeigt, dass die Verkehrskonjunktur auch auf der Landstrasse nicht vor Schwankungen sicher ist. Das bisherige Monopol der „Egged“ ist durch den Eintritt einer, zweiten jüdischen Kooperative, die freilich nur Taxis und nicht Autobusse betreibt, in den regelmässigen Dienst Tel-Aviv—Jerusalem beeinträchtigt worden. Den Willen zu planvoller Geschäftsführung und Kalkulation erkennt man Aus der Aufstellung eines Fünfjahrplanes, wonach 1936/37 nur Motoren aiisgewechselt (und natürlich Karosserien ausgebessert) werden, aber keine neuen Autobusse gekauft werden sollen. In den folgenden drei Jahren werden je zehn neue Autobusse gekauft werden. » In der Klage des „Linksblocks“ im Tel- Aviver Stadtparlament gegen die Listenverbindungen und Wahlabmachungen zwischen den Rechtsparteien missbilligte der Richter das Wahlsystem der Beklagten. Ein Mandat der Rechtsparteien wurde für ungültig erklärt und der neutralen Liste des Bürgermeisters Dizengow zugesprochen. Polizeistationen für jüdische Siedlungen in Palästina Mit Rücksicht auf die Unsicherheit, die in letzter Zeit in Teilen Nordpalästinas herrscht, hat der Kommandant der Palästina-Polizei, Spicer, die Siedlungen Kirjat Chajim, Jadschur und Nahalal besucht, um dort Polizeistationen einzurichten. Der Keren Kajemet hat in Kirjat Chajim eine Parzelle für eine solche Polizeistation zur Verfügung gestellt. * Gegen die Erklärung des Vizebürgermeisters Rokach, dass die Polizeihoheit der Stadt Tel- Aviv allmählich zu einer blossen Fiktion zu werden drohe, wendet sich der Generalinspektor der palästinensischen Polizeikräfte, Spicer, in einem offenen Briefe, in dem er unter anderem feststellt, dass die Zahl der jüdischen Polizisten in Tel-Aviv Anfang 1936 den Rekordstand von 107 erreicht habe. 31 Aerzte im Januar neu zur Praxis in Palästina zugelassen Im Monat Januar 1936 sind von der Palästina- Regierung 31 Aerzte, davon 30 Juden, zur Praxis in Palästina neu zugelassen worden. Ferner wurden in diesem Monat Lizenzen an 10 Dentisten und 7 Hebammen, davon eine Araberin, ausgegeben. Für Apotheker wurden 5 Lizenzen (durchweg für Juden) neu bewilligt. Literatur Walter Klein, Jerusalem: Rechtshinweise für die Erwerbstätigkeit in Palästina. (Wien, Fiba-Verlag. 12 8.) Sonderabdruck aus der Zeitschrift „Palästina“, Nr. 2, 1936. Der Verfasser hat es verstanden, auf knappem Raum ein erhebliches Material zusammenzudrängen. Er gibt die Grundzüge, der Einreise- und Aufenthaitsbestimmungen und eine sehr dankenswerte Zusammenstellung der Berufe, und Betriebe, die einer Lizenz (Konzession) bedürfen. Des weiteren werden u. a. die verschiedenen Formen der Handelsgesellschaften erörtert, ein kurzer Hinweis auf ' die Schwierigkeiten des DIE MARKE FÜR STARKE ’Mieder,--r CorseleMes —Büstenhalter Grundstücksrechts gegeben sowie einige Besonderheiten des Vertragsrechts, Urheberrechts und ’Steuerrechts angedeutet. Selbstverständlich ist es unmöglich, sich aus dem Schriftchen über Einzelheiten zu belehren, als erste Orientierung sind aber die „Hinweise“ dankbar zu begrüssen. R.-A. Dr. Hans Kalisck. Walter Tempel: „Palästinensischer Zolltarif mit Zollgesetzeil“. Palästina - Amt, Berlin. Es ist gerade im Hinblick auf die bevorstehende Levantemesse wichtig und erfreulich, dass jetzt das Palästina-Amt Berlin eine mühevolle Arbeit fertiggestellt und der Oeffentlichkeit übergeben hat: eine übersichtliche deutsche Ausgabe des palästinensischen Zolltarifs, der Zollgesetze, nebst einer guten und klaren Einführung in die Grundsätze der palästinensischen Zollpolitik und der für die Praxis noch wichtigeren, jedenfalls aber noch komplizierteren Verzollungstechnik. Man findet init knappen, das Wesentliche treffenden Erläuterungen auch den Wortlaut der Nachbarschafts-Verträge mit Syrien und Transjordanien, die Richtlinien für die Gewährung von Zollbefreiungen oder von Schutzzöllen, die Ein- und Ausfuhrverbote usw. Das Kernstück bildet ein vollständiges Verzeichnis aller Waren, für die besondere Zölle bestehen, d. h. für die weder grundsätzliche Zollbefreiung noch der sonst allgemein gültige 12prozentige Wertzoll erhoben wird. Da auch die Liste der Zollbefreiungen in dein Heft enthalten ist, kann sich hier jeder mit einem kurzen Blick wirklich exakt und zuverlässig informieren. Wer die Unübersichtlichkeit der Gesetzgebung und ihrer praktischen Handhabung sowie namentlich der Publikationsmethoden kennt, weiss den Wert dieser Arbeit, die sicher auch in Palästina selbst dankbar begrüsst werden wird, zu schätzen. Es liegt in der Natur der Sache, dass auch diese Arbeit schon während des Druckes ergänzungsbedürftig geworden ist; die kürzlich gemeldeten neuen Schutzzölle konnten noch nicht berücksichtigt werden. Nachdem aber mit diesem Buch einmal ein gültiges und klares Schema vorliegt, kann sich jeder die erforderlichen Ergänzungen selber eintragen; am besten würde vielleicht das Palästina-Amt von sich aus ein Ergänzungsblatt herausgeben und allen künftig zum Verkauf gelangenden Exemplaren beifügen. Kunstleben Durch den High-Commissioner wurde das neue Museum in Tel-Aviv eröffnet. Wie der Leiter, Dr. Karl Schwarz, berichtet, erfüllt das Institut vielfache Aufgaben, vor allem die, alle beachtlichen Erscheinungen ausländischer Kunst zu sammeln, um auf diese Weise die Möglichkeiten eines breit angelegten kunsterziehefiselien Werkes zu geben. Es soll aber auch der Sammelpunkt aller über die ganze Welt verstreuten jüdischen Künstler werden, um so Zeugnis abzulegen von dem Können und Streben jüdischer Leistung. Das Museum hat heute bereits einen Bestand von über 350 erstrangigen Gemälden, 75 Plastiken und an 5000 Aquarellen, Handzeichnungen und graphischem Blättern. Darunter findet man Namen wie Rubens, van der Heist, Köninck, unter den Meistern des 19. und 20. Jahrhunderts Claude Monet, Utrillo, Picasso, van Gogh, Corinth, Lehmbruck, Sintenis und viele andere. v Archäologen des Britischen Archäologischen Instituts haben neuerdings in Palästina Ausgrabungen veranstaltet und südlich von Berseba, an der Sinai-Grenze, vollständige Papyri gefunden, allerdings im äusersten Süden, auf der Strasse nach Aegypten. Es fanden sich beim Studium einer byzantinischen Kirche sieben vollständige Papyrusrollen neben manchem Bruchstück. Die am besten lesbare stammt aus der Zeit des Kaisers Flavins Josephus (565 bis 578 n. Chr.) und ist in griechischer Sprache verfasst. Interessanter noch verlief eine Ausgrabung in Jericho unter Leitung von Prof. Kerstan g. Es handelt sich dabei um Funde, die aus der letzten ägyptischen Vorkönigszeit stammen können. Wichtig ist, dass durch diese Datierung eine zeitliche Bestimmung der palästinensischen Bronzeperiode möglich geworden ist. Die Zeit der Funde liegt also doppelt so weit zurück wie die Zeit der Eroberung Jerichos durch die Israeliten. Es besitzt demnach die Stadt im Jordantal gegenständliche Zeugen einer sechstausendjährigen Geschichte. Die Freilegung der aus dem 6. Kapitel Josua bekannten Stadtmauern ist bekanntlich dem deutschen Gelehrten, Professor Sellin an der Berliner Universität, zu danken. Allgemeine Mittel für die Palästinawanderung In teilweiser Berichtigung im „Gemeindeblatt“ früher veröffentlichter Zahlen über die Kosten der Auswanderung nach Palästina und anderen Ländern, teilt jetzt der Vorstand der Berliner jüdischen Gemeinde folgendes mit: Die Zahl der vom 1. April bis 31. Dezember 1935 nach Palästina ausgewanderten Berliner Juden, die Reisezuschüsse aus Gemeindemitteln empfingen, betrug 746. Im gleichen Zeitraum sind durch den Hilfsverein der Juden in Deutschland nach Ländern ausserhalb Palästinas 1049 Berliner Juden ausgewandert. Legt man zugrunde, dass die absoluten Kosten der Palästinawanderung 35,7 Prozent, die der sonstigen Auswanderung 64,3 Prozent der für das Auswanderungswerk ausgeschütteten Gemeindegelder ausmachten, so ergibt sich, dass im Durchschnitt, auf den Kopf eines bezuschussten Auswanderers berechnet, der Kostensatz für die vom Hilfsverein geförderte Auswanderung um 28 Prozent höher liegt als der Kostensatz für'die Palästinawanderung.