Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936) - farbig
- Issue
- 12 (19.3.1936)
- Date
- 1936-03-19
- Page
- [Seite] (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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ferne Atmosphäre geschaffen werden würde, die sich unvermeidlich als höchst ungünstig für die Entwicklung des Jüdischen Nationalheims erweisen und den Kredit Palästinas, schädigen würde, was zu weitreichenden verhängnisvollen Folgen führen könnte, einer Lage, die ich persönlich bedauern würde. Ich vertraue darauf, dass die Ueberlegungen, die ich in den vorangegangenen Abschnitten darzulegen versuchte, dazu dienen werden, die Gründe, aus denen die Regierung Seiner Majestät handelt, klarzumachen und die jüdische öffentliche Meinung über ihre Politik und Absichten zu beruhigen. Ihr aufrichtiger J. H. Thomas. Auf das Schreiben des Kolonienministers antwortete Lord Melchett am 10. März u. a. das folgende: Lieber Mr- Thomas, ich möchte Ihnen namens der jüdischen Abordnung, die Sie am 31. Januar 1936 zu empfangen die Güte hatten, unseren aufrichtigsten Dank für die Erwägung ausdriicken, der Sie die Vorstellungen unterzogen haben, die wir bei jener Gelegenheit erhoben haben, und für die ausführliche Antwort, die Sie uns zusandten. Zu dieser Antwort möchte ich zunächst sagen, dass wir mit Freude Ihre erneute Versicherung zur Kenntnis genommen haben, es gebe in dem jetzt vorgeschlagenen Plan eines Legislative Council in Palästina nichts, was die Erfüllung der Mandatsverpflichtungen der Regierung Seiner Majestät stören oder sie in irgendeiner Weise beeinträchtigen könnte. Wenn ich es wage, einen oder zwei der in der Antwort berührten Punkte kurz zu kommentieren, so darum, weil, wie ich zu meinem Bedauern sagen muss, unsere Besorgnis wegen dieser Frage trotz dieser Versicherung in hohem Masse unbehoben bleibt Ich glaube, hinzufügen zu sollen, dass, was die Ansicht betrifft, die jüdische öffentliche Meinung hege unnötige Befürchtungen in dieser Sache, die jüngsten Debatten über die Frage des Legislative Council im House of Lords zu zeigen scheinen, dass diese Befürchtungen in der Tat von vielen Mitgliedern des Hauses geteilt werden. Vor allem anderen glauben wir, nochmals nachdrücklich betonen zu müssen, dass, falls das Jüdische Nationalhein] irgendeinen wahren Sinn haben soll, der Charakter der palästinensischen Judenheit als nationale Einheit volle verfassungsmässige Anerkennung finden muss, und dass in bezug auf die Vertretung im Council die Juden Palästinas irgendeinem anderen Teil der Bevölkerung nicht in eine inferiore Lage gebracht werden dürfen. Eine solche Stellung anzunehmen, hiesse sich formell mit der endgültigen Herabsetzung der jüdischen Bevölkerung Palästinas auf jenen Minderheitsstatus zufriedenzugeben, der für die jüdische Lage in vielen anderen Ländern bezeichnend ist, und dessen Beseitigung in Palästina einer der primären Zwecke der Balfour- Deklaration und des Mandates waren. . . . Die letzten fünfzehn Jahre haben gezeigt, dass die Juden imstande sind, ihr Nationalheim in Palästina zu errichten; andererseits haben sich die Hoffnungen auf eine jüdisch-arabische Zusammenarbeit, soweit die politischen Führer der verschiedenen arabischen Parteien in Frage kommen, nicht erfüllt. Während die Frage, ob die Schaffung eines solchen Council in der Tat zu einer besseren Verständigung zwischen den beiden Völkern führen' werde, oder — wie wir behaupten — zu dem Gegenteil, notwendigerweise eine Sache der Vermutung sein muss, ist der Schluss, dass eine solche gesetzgebende Körperschaft voraussichtlich zu Reibungen und Uneinigkeit führen wird, gerechtfertigt. Die arabischen Führer haben ausdrücklich zugegeben, dass sie den Council hauptsächlich darum für wünschenswert halten, weil er dazu benutzt werden kann, die auf das Jüdische Nationalheim bezüglichen Klauseln des Mandats unwirksam zu machen. ■ Mit allem Respekt ward weiter unterbreitet, dass es als wünschenswert erachtet wird, dass die Einwohner des Landes, bevor sie zur Uebernahme der Verantwortung einer zentralen Gesetzgebung herangezogen werden, einige Erfahrung in der Kunst örtlicher Verwaltung erwerben; wir stimmen darin überein, dass solche Erfahrung eine ausserordentlich wünschenswerte Vorbedingung ist; Gemeinde wählen, bei denen — wie im Distrikt Jerusalem — etwa 1,2 % der Bevölkerung wahlberechtigt sind, können kaum als eine angemessene Schulung für auf dem allgemeinen Wahlrecht beruhende Parlamentswahlen erachtet werden. Was die Erwägungen betrifft, die sich auf Grund von Ereignissen ausserhalb Palästinas ergeben und die, wie wir glauben, den gegenwärtigen Augenblick als ganz besonders ungeeignet für die Einführung eines Legislative Council erscheinen lassen, so wagen war zu behaupten, dass diese Erwägungen von der Regierung Sr. Majestät bei der Festsetzung des geeigneten Zeitpunktes für die Verwirklichung jeglicher Versprechungen, die von ihr in bezug auf die Schaffung eines solchen Council gemacht worden sein mögen, entsprechend berücksichtigt werden könne. Sö sehr wir die Bedeutung der in Ihrem Brief vom 20. Februar angeführten Punkte würdigen, und so dankbar wir für die Zusicherungen sind, die Sie uns zu geben die Güte hatten, so finden wir uns zu unserem tiefen Bedauern genötigt, den Ausdruck unserer Besorgnis zu wiederholen, der in unserem früheren Memorandum enthalten war, und zu fordern, dass ein Schritt, der mit so schweren Gefahren für den friedlichen Fortschritt für die Bevölkerung unseres Landes verbunden ist, zwecks nochmaliger Erwägung zurückzustellen Ihr aufrichtiger 31 e 1 c h e 11. Angesichts der vorstehenden, den Stand der Dinge zusammenfassenden offiziellen Darstellung sind die Einzelerörterungen im britischen Unterhaus, die auch während der vorigen Woche ihren Fortgang nahmen, von geringerer Wichtigkeit. Es sei lediglich erwähnt, dass Minister .Thomas auf einige weitere Anfragen von Abgeordneten hin die Erklärung abgab, dass das Unterhaus vor der endgültigen Entscheidung über die Frage des Legislative Council Gelegenheit zu einer nochmaligen Aussprache erhalten werde. Gleichzeitig wurde nochmals betont, dass Fragen des Mandates oder der jüdischen Einwanderung keinesfalls der Kompetenz des geplanten Legislative Council unterliegen wird. Andererseits lehnte der Kolonienminister die Einsetzung einer Kommission zur Ueberprüfung des palästinensischen Verfaseungsproblems ab. Dem Wunsch des Parlaments nach einer Veröffentlichung des Materials über die Palästinaverfassung ist inzwischen Rechnung getragen worden. » Im Verlag der Londoner Staatsdruckerei ist das von dem Kolonienminister im Unterhaus angekündigte Command Paper (ein auf königlichen Befehl dem Parlament vorzulegendes Dokument) Tel-Aviv, den 2. März 1936. In den letzten Wochen war das jüdische Palästina in Gefahr, wieder zum blossen Objekt der Geschichte zu werden; zum Objekt der Weltpolitik im allgemeinen und zum Objekt der britischen Empirepolitik im besonderen, denn auch die arabische Politik kann ja auf die jüdische Entwicklung nur indirekt, nämlich auf dem Umweg über die englische Verwaltung, legalen'Einfluss nehmen. Sieht man einmal von den verbrieften jüdischen Rechten und von den ebenso verbrieften Pflichten der Mandatarmacht gegenüber der jüdischen Heimstätte ab, so werden zwei Umstände für die Beantwortung der Frage, ob das jüdische Palästina mehr ist als ein Objekt im Interessenspiel der vorderasiatischen Politik, den Ausschlag geben. Viel wird davon abhängen, welche Stellung die beteiligten Faktoren zum jüdischen Gesamtproblem einnehmen. Daneben aber werden schon die nächsten Wochen klarstellen, ob die jüdische Siedlung in Palästina bereits genug eigenes Schwergewicht erlangt hat, um als selbständiger Faktor gewürdigt und berücksichtigt zu werden. Es ist selbstverständlich, dass man in Palästina mit gespannter Aufmerksamkeit den Ausgang der Verhandlungen, die jetzt von führenden Persönlichkeiten der Exekutive in London geführt werden, erwartet. Inzwischen könnte man hier im Lande und in den Nachbarländern aus verschiedenen Anzeichen schliessen, dass die Engländer jedenfalls nicht den Eindruck aufkommen lassen wollen, als sei ihre Politik nun völlig ins arabische Fahrwasser geraten, und als könnten auch extremste Handlungen auf unbegrenzte Nachsicht rechnen. Die Schwierigkeiten im benachbarten französischen Mandatsgebiet Syrien sind möglicherweise nicht ohne Einfluss geblieben. Die Regierung des Iraq, des arabischen Nachbarreiches, das sich einer recht weitgehenden Selbständigkeit erfreut, hat den syrischen Revolutionären eine bemerkenswert kühle Antwort auf ihre Interventionsgesuche gegeben. In Transjordanien ist es zu einem offenen Konflikt zwischen dem Emir und der dortigen lokal-partikularistisc'hen Nationalbewegung gekommen. In Palästina sind verschiedene Ereignisse zu verzeichne^ die zwar die immer noch bestehende Schärfe der jüdisch-arabischen Gegensätze erkennen lassen, zugleich aber auch von einem Ausgleichsstreben der Mandatsregierung Zeugnis ablegen. In diesem Zusammenhang seien zunächst drei Ereignisse erwähnt: Der Baukonflikt in Jaffa, der. Schulkonflikt in Nablus und Tulkerem sowie endlich die Rede des High Commissioners in Rechobot. Der Bankonflikt in Jaffa war bezeichnend für den Kampf uni den Anteil am Arbeitsmarkt. Die Regierung hat im Einvernehmen mit der Stadtverwaltung den Bau von zwei Schulen m Jaffa dem Baubüro der jüdischen Arbeiterorganisation übertragen. Die Organisation hat sich dafür verpflichtet, auch eine Anzahl arabischer Arbeiter zu beschäftigen. Nachdem diese Regelung eine Weile in Kraft gewesen war, erschienen plötzlich vor der Baustelle „Streikposten“ arabischer Organisationen, und die Arbeit musste, um Zusammenstöße zu vermeiden, unterbrochen werden. Neue Verhandlungen führten dazu, dass die arabische Quote auf 50 Prozent der beschäftigten Arbeiter erhöbt wurde; weitere Störungsversuche wurden von der Polizei unterdrückt und jetzt geht die Arbeit auf Grund des fairen Angebots der jüdischen Gewerkschaft weiter. Zum Verständnis dieser Vorfälle ist daran zu erinnern, dass Jaffa, trotz seiner an Tel-Aviv angrenzenden jüdischen .Viertel, eine arabische Stadt ist. Der Schulkonflikt berührt die Bodenfrage. In der Sekundärschule in Nablus sowie in der arabischen landwirtschaftlichen Kadoorieschule in Tulkerem sind die Schüler in Streik getreten, um gegen die _ Uebertragung eines bisher von der Kadoorieschule bearbeiteten Geländes an den Keren Kajemet zu protestieren. Wie erinnerlich, hat der Keren Kajemet vor einiger Zeit ein Stück Land, das er rechtmässig erworben hatte, einigen Beduinenstännnen als Weideland zur Verfügung gestellt. Die Schüler der arabischen Kadoorieschule wollten allerdings gleichzeitig auch gegen die englische Kontrolle demonstrieren und die Forderung erheben, dass ein arabischer Direktor eingesetzt werde, ebenso wie die jüdische Kadoorieschule einen jüdischen Direktor habe; beide Schulen sind seinerzeit von der Regierung aus testamentarischen Mitteln des Juden Sir Ellis Kadoorie gegründet worden. Interessanter als diese Einzelvorfälle ist die Rede, die der High Commissioner zur Einweihung des von ihm gestifteten Gebäudes für das neue jüdische Bodenforschungsinstitut in Rechobot gehalten hat. Nach einem Appell zur Zusammenarbeit gab der High Commissioner der Hoffnung Ausdruck, dass dieses neue Institut dazu beitragen jverde4 das Land ärmer au über die geplante neue Verfassung über Palästina erschienen. Die acht Seiten umfassende Druckschrift enthält die Ansprache, die Sir Arthur Wauchope am 21. und 22. Dezember 1935 an die arabischen und jüdischen Führer gehalten hat. Voran geht eine Vorbemerkung des Kolonienministers, in der erläuternd darauf hingewiesen wird, dass für die drei Glaubensgemeinschaften in Palästina getrennte Wahlkörper geschaffen werden sollen, so dass die Mohammedaner selbständig acht, die Juden drei und die Christen ein Mitglied des Council zu wählen haben. Ausser den von dem High Commissioner angekündigten Massnahmen seien Bestimmungen über den Wahlapparat und Wahlvergehen sowie über Einzelheiten der Geschäftsordnung vorgesehen. In den Debatten des Council sollen Englisch, Arabisch und Hebräisch als die in Palästina offiziell anerkannten Sprachen benutzt werden können. Problemen und reicher an Möglichkeiten zu machen. Und er erklärte ausdrücklich, dass die Intensivierung der Produktion, die sich das Institut zur Aufgabe gesetzt habe, das Land aufnahmefähig für eine grössere Anzahl von Menschen machen werde. Von arabischer Seite wird sogar schon die Meinung angedeutet, dass die Regierung im Begriff sei, zu einer mehr antiarabischen oder projüdischen Politik umzuschwenken, wofür allerdings in Wirklichkeit keinerlei Anzeichen vorliegen. Die Partei des Mufti (des höchsten mohammedanischen Geistlichen des Landes uüd Vorsitzenden des „Moslem Council“, der offiziellen mohammedanisch-arabischen Vertretung) hat die radikale Linie, zu der sie sich schon in den Verhandlungen über den gesetzgebenden Rat entschieden hatte, beibehalten und jetzt sogar die Bildung uniformierter arabischer Sturmtrupps beschlossen. Ausserdem wurde in der arabischen Presse, offenbar in alarmierender Absicht, das Gerücht verzeichnet, dass der wasserarme und ziemlich verödete Distrikt von Beersheba nur deshalb von den Regelungen des neuen Bodengesetzes ausgenommen werden solle, weil die Regierung beabsichtige, dort der Jewish Agency 400 000 Dunam zur Ansiedlung von 60 000 jüdischen Familien zur Verfügung zu stellen. Die Regierung hat jedoch diese Nachricht amtlich dementiert. Jedenfalls muss von jüdischer Seite her alles geschehen, um von der Seite der Siedlung und der Arbeitsbeschaffung die Aufnahmefähigkeit des Landes zu steigern. Das von der Regierung neu gegründete statistische Landesamt betrachtet es als seine wesentliche Aufgabe, durch Beobachtung der wirtschaftlichen Entwicklung die Aufnahmefähigkeit des Landes fe stzustellen, um der Regierung Material nicht zuletzt für die Zuteilung der Einwandererzertifikate, zu liefern. Demgegenüber ist es eindeutig die Aufgabe der entsprechenden jüdischen Stellen, dufch Auffindung neuer Möglichkeiten die Aufnahmefähigkeit des Landes zu erhöhen. Das bedeutet auf der einen Seite Forschung und Planung sowie weit stärkere Erziehung der jüdischen Bevölkerung und der neuen Einwanderer zu Einsicht und Disziplin, auf der anderen Seite Beschaffung von Boden, Menschen und Kapital sowie Ausarbeitung geeigneter Vorschläge zum planvollen Einsatz dieser Kräfte. Man hat den Eindruck, daß all diese Aufgaben jetzt sehr ernstlich in Angriff genommen werden. Welche Bedingungen eine solche aktivere Wirtschaftspolitik im gegenwärtigen Augenblick' vorfindet, sei durch eine kurze Betrachtung wichtiger Wirtschaftsfaktoren beleuchtet. Die Bautätigkeit in Tel-Aviv — 'dem einzigen Bezirk, für den es eine zuverlässige aktuelle Statistik gibt — liegt unter dem Vorjahresniveau. Im Januar wurden Baulizenzen für 640 Zimmer und 20 Läden neu erteilt, gegenüber 1185 Zimmern und 22 Läden im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Der weitaus grösste Teil der Neubauten entfällt auf Zweizimmerwohnungen, ein zweifelloser Fortschritt und ein Erfolg der baupolitischen Einflussnahme durch die zentralen Instanzen. Aber die Bewegung der Baulizenzen allein entscheidet noch nicht über das Ausmass der wirklichen Bautätigkeit und über die Lage am Arbeitsmarkt. Vielmehr ist vor allem zu berücksichtigen, dass in grossem Umfange die Bauten, die bereits im Vorjahre genehmigt wurden, jetzt zur Ausführung gelangen. Erinnert sei nur an die neue Vorstadtsiedlung im Süden Tel-Avivs, wo jetzt der Grundstein für die grosse Arbeitersiedlung der Histadrut („K i r i a t Awoda1, Stadt der Arbeit) gelegt wurde und wo ausserdem eine private Fabrik- und Wohnsiedlung auf dem von der Agrobank erschlossenen Privatboden im Entstehen ist. Weiterhin ist bereits im Februar die Zahl der Anträge auf neue Baulizenzen erheblich gestiegen, ein Zeichen, dass der Umfang der Bauplanungen wieder wächst. Endlich aber ist Tel-Aviv noch nicht das ganze Land, und ein etwas verlangsamtes Wachstum dieser Gressstadt würde wenig bedeuten, wenn der Ausfall durch vermehrte Bau- und Siedlungstätigkeit in anderen Städten und namentlich auf dem Lande wettgemacht würde. Dazu gehören aber, wie gesagt, erhebliche Vorarbeiten der zentralen Stellen. Einmal auf dem Gebiete der Auswahl, Ausbildung und Beratung der Menschen. Man ist in den Städten immer wieder erschüttert, wenn man sieht, mit wie wenig Phantasie, Berechnung und volkswirtschaftlicher Einsicht oft „gegründet“ wird. Ist in einer bestimmten Gegend ein Geschäft einer bestimmten Branche aufgemacht worden, das einigermaßen zu „gehen“ scheint, so findet das gute Beispiel sofort Nacheiferung, und in nächster Nähe etablieren sich drei, fünf, sechs oder mehr Geschäfte gleicher Art, ohne Rücksicht darauf, oh Gegend und Branche ein solches Ueberangebot Mandat und Aufbau Von unserem * - Palästina-Korrespondenten vertragen. Aber für gesunde, neuartige Gründungen in weniger erschlossenen Bezirken, ist es nicht immer leicht, Menschen und privates Kapital zu finden. Zum Teil liegt das natürlich an der Beschaffenheit der Menschen selbst, und deshalb haben die Bestrebungen nach Sichtung des Einwanderermaterials, soweit es überhaupt einer Kontrolle durch jüdische Stellen unterliegt, ihre Berechtigung; nur muss freilich diese Kontrolle auch nach vernünftigen Gesichtspunkten und von Kennern der palästinensischen Verhältnisse ausgeübt werden. Zum Teil liegt es aber daran, dass die Orientierungsmöglichkeiten nicht immer dem Bedürfnis genügen und mancher sich aus Mangel an Beratung schliesslich zu dem Nächtsliegenden — das keineswegs immer das Sicherste und Beste zu sein braucht — entschließt. Manchmal findet inan aber auch bei den neuen Einwanderern, namentlich bei denen, die ohne innere Vorbereitung ins Land kommen, einen starken Hang zum „Besserwissen“, die Neigung zur Urteilsbildung vor gründlichem Studium des Landes und seiner so verschiedenartigen Menschen. In solchen Fällen muss eben Lehrgeld gezahlt werden. Ein weiteres Problem ist die Kapitalfrage. Je schwieriger die Kapitalisten-Einwanderung wird, um so mehr muss nach anderen Quellen gesucht werden. Verschiedene Institute, so die General Mortgage Bank und die jüdisch-amerikanische Palestine Economic Corporation, haben mit gutem Erfolg neue Emissionen im Ausland abgesetzt, und es wäre denkbar, dass auf diesem Gebiete in absehbarer Zeit noch mehr geschieht. Aber auch die inländischen Kapitalreserven sind noch nicht ausgeschöpft. Im letzten Jahr sind nach den Schätzungen des American Economic Comittee etwa 15 bis 16 Millionen LP neues Kapital nach Palästina geflossen, das sind etwa zwei Millionen mehr als im Vorjahr. Neu investiert wurden wie im Vorjahr 10 bis 11 Millionen LP. Selbst wenn man den recht erheblichen Kapitalverzehr abrechnet, so ergibt sich, dass die flüssige, also noch nicht investierte Kapitalreserve eher weiter gewachsen ist. Dass aber auch anderswo Gelder mobil gemacht werden können, zeigt die Arbeitsbeschaffungsaktion der Histadrut, die in den ersten zwei Wochen bereits 25 000 LP gebracht, also den Voranschlag weit überschritten hat. Allerdings ist dieser Betrag absolut noch immer nicht allzu bedeutend und schließt die Notwendigkeit weiterer Geldbeschaffungsmassnahme nicht aus; aber als Symptom ist diese Aktion vielleicht eines der wichtigsten und bestimmt eines der rühmlichsten Kapitel jüdischer Krisenabwehr in Palästina. Die Natur selber scheint nicht allzuviel zur Unterstützung dieses Kampfes tun zu wollen. Der Citrusexport betrug bisher! nur 4,6 Millionen Kisten gegenüber 4,5 Millionen im gleichen Zeitraum des Vorjahrs, Der Vorsprung gegenüber der vergangenen Saison hat sich also immer weiter verringert. Es bleibt abzuwarten, wie sich das Endergebnis gestalten wird. Schon jetzt aber verdichtet sich die Befürchtung, dass sowohl die Citruswie die Feldfruchternte des laufenden Jahres durch den Regenmangel dieses Winters und den vorzeitigen Eintritt heiseer Chamsintage empfindlich geschmälert worden sind. Immer wieder wird deshalb der Ruf nach aktiver Hilfe der Regierung und verstärkter jüdischarabischer Zusammenarbeit auf dem Gebiete der Citruswirtschaft erhoben, um eine wirksame. Kontrolle der zum Export gelangenden Qualitäten sowie ein© pflegliche Behandlung der Märkte sickerzustellen. Denn die anhaltend günstige Preisentwicklung dieser Saison — ein immerhin erfreulicher Ausgleich für die anderweitigen Schädigungen — ist schliesslich nicht nur ein Ergebnis der palästinensischen Vertriebspolitik, sondern auch eine Folge verminderter Konkurrenz auf dem Weltmarkt: die Frostschäden in Spanien und der Völkerbundsboykott gegen Italien haben das Angebot natürlich herabgedrückt. ..... ill—l'l Sky (tfet jwtmeid jmd Mtü ieUuify lese* muss die Umleitung der C.-V.- Zeitung nach seiner neuen Wohnung bei Postamt seinem alten Postamt (Zeitungsstelle) schriftlich ausdrücklich beantragen, wohnliche □ an 2ErruNW5Teu6 gilt nur Brief- Wersich kleinen nicht zieht, Der ge- Nachsendeantrag für die b. post, dieser Mühe unterwird sich über das Ausbleiben der Zeitung und über die Zahlung von Strafgebühren ärgern. Der hier hat’s richtig gemacht! Machen Sie's ihm nach. C.-V.-Zeitung Berlin W15, Emser Sfr. 42«