Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936) - farbig
- Issue
- 12 (19.3.1936)
- Date
- 1936-03-19
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Dr. Karl Stern, Nord hausen Sanitütsrat Dr. Karl Stern, langjähriges Mitglied des C.-V.,feiert am 24. Mürz bei körperlichem Wohlbefinden und in geistiger Frische seinen 85. Geburtstag. Sanitütsrak Dr. Stern hat sich um die Interessen sowohl des Aerztestandes )vie des Judentums hervorragende Verdienste erworben. Das Vertrauen seiner Standesgenvssen 'feerief ihn in die Aerztekammer und in deren Vorstand in das ärztliche Ehrengericht der Provinz «Lachsen und machte ihn ferner zu in Vorsitzenden des ärztlichen Standesvereins der Stadt Nord- Hausen, dessen Ehrenmitglied er anläßlich seines Goldenen Doktorjubilüums wurde. Im Kriege leistete er dein Vaterlande seine Dienste als Leiter eines Lazarettes; auch hielt er Kurse zur Ausbildung von Krankenschwestern ab. Lange Jahre hat Karl Stern an der Spitze der jüdischen Gemeinde Nordhausens gestanden. Er war Mitgründer und erster Präsident der Jakob-Plaut-Loge. Mit unermüdlicher Tatkraft, klarem Blick und Zielsicherheit hat er die Geschicke der Standes- und der jüdischen Organisationen bis über die Schwelle des Alters hinaus geleitet. Die Liebenswürdigkeit und der Humor, mit denen seine zündende Beredsamkeit gewürzt war und die aller Herzen gewannen, sind ihm heute noch zu eigen. Jüdiidie Winterhilfe mr£ HAUSfAMHLUNG Sonntag 22.Mä rz Noch einmal ergeht der Ruf an alle, die geben können, mit vollen Händen der Jüdischen Winterhilfe zu spenden. Die Sammler der Jüdischen Winterhilfe geben diesmal Quittungen in Orangefarbe aus. Gesellschaftsabend der jüdischen Winterhilfe Die Winterhilfe der Jüdischen Gemeinde zu Berlin beschließt die Serie ihrer Veranstaltungen für ihre Hilfsbedürftigen mit einem Gesellschastsabend, der am Sonntag, dem 22. März, in sämtlichen Sälen des Brüdervereinshauses, Knrfürstenstratze 115, stattfindet. Den Beginn dieser Veranstaltung bildet ein beinahe klassisches Spiel in sechs Bildern von Willy Prager: „Es dreht sich um Helena". In dieser mythologischen Travestie sind neben dem Autor Willy Prager Camilla Spira-Eisner, Ruth L e h n b e r g , Jose Erncsto L e w y und Curt R a h m e r , Cläre A r n st e i n , Mia Pick, Ernst Wolfs, Heinz Rock, Norbert Sand, Arnold Fried! an d und Wvlfgang Blum beschäftigt. Regie Max Ehrlich, Bühnenbilder und Kostüme Heinz Cvndell, musikalische Leitung Kapellmeister Fritz Pr a g e r, technische Leitung Hans Sondy e i m e r. Anschließend geselliges Beisammensein. Karten zum Preise von 5 RM sind ausverkauft. Es sind nur noch Karten zu 3 RM, die jedoch nicht für die Vorstellung gelten, erhältlich bei den Damen Helene London, Jvachimsthaler Straße 7/8; Elsner, Zehlendorf, Herderstraße 15; Julie Elias, Matthäikirchplatz 2; Glaser, Landsberger Straße 98; Eisnet, Sybelstraße 69 und Samolewitz/Lietzenburger Str. 48.-. Seelische Winterhilfe 24. V e r a n st a l tung : In der Synagoge 'Lützowstraße, 21. März 1936, 20 Uhr. Mitwirkende: Ludwig A l t m a n n (Orgel), Dr. Willi Aron (Klavier), Alice G e i s e n b e r g (Gesang), Ilse Goldner-Ziegellaub (Rezitation), Boris K r o h t (Violine), Cläre M a n c z h k (Klavier), Oskar Manczyk (Cello), Professor Josef Weiß (Klavier). Karten für Hilfsbedürftige unentgeltlich im Winterhilfsbezirk Y, Ludendorffstraße 9 (früher Steglitzer Straße), im Wohlfahrtsbezirk V, Lützowstratze 16, im Winterhilfsbezirk IV Südwest, Münchener Straße 37 und im Wohlfahrtsbezirk Südwest, Münchener Straße 37. 2 5. und 2 6. Veranstaltung: Im Musiker- Dereinshaus, Berlin C., Kaiser-Wilhelm-Straße 31, 25. März, Kindernachmittag, 15.30 Uhr, Bunter Abend, 20 Uhr. Karten für Hilfsbedürftige unentgeltlich ab 16. März im Winterhilfsbezirk Norden, Schönhauser Allee 6/7, Winterhilfsbezirk Mitte, Auguststraße 16. Einlaß zum Bunten Abend nicht vor 19 Uhr. Jugendliche unter 18 Jahren haben zum Bunten Abend keinen Zutritt. Bei den Veranstaltungen der Seelischen Winterhilfe ist neben der Eiatrittskarte das Bewilligungsschreiben der Winterhilfe mitzubringen und auf Verlangen vorzuzeigen. l/oeanzsipett Berlin: 19. März, 20 Uhr 15 Min.: Jüdischer Museums-Bcrein. Hedwig Fechheimcr: „Monotheistische Strömungen in der Religion und Kunst der Äegypter zur Zeit Mose" (mit Lichtbildern). Jüdisches Museum, Oranienburger Straße 31. 28. März, 28 Uhr 30 Min.: Jüdischer Frauenbund, Bezirksgruppe NW. Rabbiner Regina Jonas: „Die Frau in der Bibel und Talmud." Trausaal, Lcvetzowstraße. Breslau: 23. März, 20 Uhr 15 Min.: Jüdischer Kulturbund und Jüdischer Musikverein. Gemcindcabcnd zugunsten der Jüdischen Winterhilfe. Ruth Kisch-Arndt (Gesang), Edith Hcrrustadt-Oettingen (Rezitation), Erich Schaffer (Orgel), Orchester des Jüdischen Musikvcreius unter Leitung von Kurt Havelland. Neue Synagoge. Leipzig: 22. März: Collegium Musicum. Syuagogenkonzert. Tanja guuscr-Ury (Klavier), Edit Maerker (Sopran). Leitung Barnet Licht. Lehrhaus Berlin. Semesterschlußfeier 19. März, 20 Uhr 15 Min., Aula, Joachimsthaler Straße 13. Es wirken mit: Der Jnstrumentalkreis unter Leitung von Hermann Schildberger und Gertrud W e r t h e i m (Musik des 17. und 18. Jahrhunderts, chorisch und tammermusikalisch gesetzt), der Singkreis unter Leitung von Erwin Iospe (mittelalterliche Chöre mit biblischem Text, palästinensische Volkslieder) und die Arbeitsgemeinschaftsleiter Fritz E i s e n b e r g (Dichtungen von Wolfskehl) und Hanns John Jacobsohn (Pessach-Nigunim). Mit Rücksicht auf die Semesterschluhfeier findet die nächste Wissenschaftliche Arbeitsgemeinschaft erst am Donnerstag, 26. März, Marburger Straße 3, 3 Trp., 20 Uhr 15 Min. statt. Jüdisch-theologisches Seminar Breslau. Im Sommersemester 1936, bas am 29. April beginnt, lesen u. a. Professor Dr. Heine mann: „Maimunis Leben und Lebenswerk"; Dr. Lewkowitz: „Der Einfluß der Romantik auf das Judentum"; Rabbiner Dr. Ochs: „Dezisoren: Jore Dea 8 98 A"; Rabbiner Dr. Urbach: „Die,Weissagungen Jesajas und Jeremias über die fremden Völker"; Bezirksrabbiner Dr. Wahr mann: „Hebräische Quellen zur Geschichte der Juden in Polen und Rußland im 17. und 18. Jahrhundert" und Vürodrrektor Glaser: „Jugend und Kindersürsorge". Außerdem werden Uebungen über Tora, Raschi zur Tora, Schulchan Aruch und Neuhebräisch abgehalten. Das Patenschaftskomitee für das Adatz-Schulwerk Berlin veranstaltete im Brüdervereinsyaus eine ,,S ch u l - A b s ch l u ß f e r e t:" zugunsten seines Schüler-Stipendien-Fonds. Der erste Teil des Programms, an dem ausschließlich Schüler der Adaß-Schulen beteiligt waren, hatte in der Gesamthaltung und in den einzelnen Darbietungen einen stark palästinozentrischen Charakter. Den zweiten Teil bestritten Konzertmeister Max R o s e n t h a l, Kapellmeister Schwarz, Erna L e o n a r d, Erhard Wechsel mann ulld Willy Prager mit künstlerischen Darbietungen. H. B-n. In der Reihe der von der Israelitischen Kultusgemeinde und dem Ortsring der JugendverbäNve München gemeinsam mit der Mittelstelle für jüdische Erwachsenenbildung veranstalteten Jugendsührerschulungskurse hielt Gemeinderabbiner Dr. Max Grünewald (Mannheim) einen Geschichtskurs „Die Bibel als Geschichtsquelle", an dem etwa 100 Jugendsührer aus München und benachbarten Orten teilnahmen. Ein Oneg-Schabbat, der von hebräischen Liedern umrahmt und mit herzlichen Begrüßungsworten des Gemeindevorsitzenden Oberstlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer eröffnet wurde, vereinte vor allem die Jüngeren und Mittleren der Bünde. Dr. Bruno Sommerfeld sprach auf Einladung der Israelitischen Kultusgemeinöe und des Ortsringes der Jugendverbünde München im Sitzungssaal der Münchener Gemeinde über die Lage der jüdischen Jugend in Deutschland. Nach Begrüßungsworten des Gemeindevorsitzenden Dr. N e u m e y e r gedachte der Redner zunächst in bewegten Worten des Jugendführers Seew Dr« b a ch. Er schilderte dann die abnorme Schichtung der deutschen Judenheit mit ihren nllr 100 000 Jugendlichen und einem Frauenüberschuß von 22 000. Um den gesteigerten Schwierigkeiten, etiva der Lehrstellenbeschaffung, zu steuern, wurden von den Zentralstellen verschiedene Einrichtungen, wie das 9. Schuljahr, die Mittlerenhachschara und die Auswanderungsschule geschaffen. Eingehend schilderte Sommerfeld die innere Situation der jüdischen Jugendbewegung. Nach Dankdsworten des Ortsringvorsitzenden Dr. Marschütz entwickelte sich eine fruchtbare Aussprache, in der u. a. auch wertvolle Informationen über die neugegründete Jüdische Auswanderungsschule vermittelt wurden. Jn München fand ein Sing- und Musikkurs unter Leitung von Karl Adler, Stuttgart, in der Reihe der von der Gemeinde und dem Ortsring der Jugendverbände München gemeinsam mit der Mittelstelle für jüdische Erwachsenenbildung veranstalteten Jugendsührerschulungskurse statt. Arbeitsabend der Gesellschaft für jüdische Familienforschung Auf einem genealogischen Arbeitsabend der Gesellschaft für jüdische Familienforschung hatte man Gelegenheit, einen Einblick in die wissenschaftliche Tätigkeit dieser Organisation zu gewinnen. Von dem Vorsitzenden der Gesellschaft, Dr. C z e l l i tz e r, wurden die in den letzten vier Wochen für das Archiv der Gesellschaft eingelaufenen Dokumente — etwa dreißig an der Zahl — erläutert und bei den Teilnehmern zur Einsicht und eventuellen Stellungnahme herumgereicht. Unter den verschiedenen Aktenstücken sah man u. a. in der Photokopie ein in Schrift und Raumaufteilung sehr ästhetisch wirkendes Diplom Augusts des Starken für den Hoffactor Lehmann Bereut aus dem Jahre 1724, eine gedruckte Hochzeitseinladung aus dem Jahre 1860, Namensannahmelisten für die Juden der rheinischen Städte Köln, Düsseldorf und Koblenz (1846) und neben dem Verzeichnis sämtlicher jüdischer Abiturienten des Gymnasiums zu Wongrowitz seit Bestehen der Anstalt einen kulturhistorisch besonders reizvollen hebräischen Bericht aus Frankfurt an dbr Oder aus dem Jahre 1759 über den Siebenjährigen Krieg. Durch das Erläutern und gemeinsame Besprechen dieser Urkunden und Aktenstücke wurde all denen, die sich im Rahmen der Gesellschaft für jüdische Familiensorschung mit Genealogie befassen, eine Fülle von neuen und wertvollen Anregungen gegeben. 8. B—n. Magnetismus, Suggestion, Hypnose Vortrag von Dr. Jacobsohn im Rahmen der Jüdischen Winterhilfe Der Berliner Internist Dr. L. Iacobsohn hat im Dienst der Jüdischen Winterhilfe vor einem größeren Kreise im Logenhaus Kleiststraße über ein Thema gesprochen, das schon oft und immer wieder Aerzte und Laien beschäftigt hat, weil es — mehr als andere Fragen aus dem Reiche der Biologie und Heilwissenschaft -- von dem Reiz des Absonderlichen und Geheimnisvollen erfüllt ist und sich an die Wißbegierde — oder die Neugier? — der änderen wendet, und weil es dazu beiträgt, die seltsamen Rätsel des menschlichen Seelenlebens aufzudecken und zu erklären — soweit eine Erklärung möglich ist. Denn seien wir offen: Es gibt nun einmal im Reiche des Magnetismus, der Suggestion, der Hypnose — diese Trias legte Jacobsohn seinem Vortrag zugrunde — letzten Endes doch vielleicht Dinge, von denen unsere Schulweisheit nichts träumen läßt. Immerhin — die Erläuterungen, die Jacobsohn den Dingen auf den Weh gibt, zeigen, daß für vieles Geschehen auf den genannten Gebieten eine wissenschaftlich und vernunstmäßig faßbare Formel vorhanden ist. Der tierische Magnetismus — einst die geniale und viel angefeindete Entdeckung des Wiener Arztes Franz Anton Meßmer, dessen abenteuerliches Leben Jacobsohn schilderte — ist nicht etwa ein geheimnisvolles Fluidum, das man im Sinne Meßmers auf andere übertragen kann. Wenn bei seinen und von anderen nachgeahmten Versuchen wirklich eine Heilwirkung zustande gekommen ist, so erklärt man das heute nicht durch Uebertragung einer magnetischen Kraft, sondern durch Suggestion. Dr. Jacobsohn definiert sie als die Einwirkung aus die Seele — nicht auf dem Wege begrifflichen Denkens, sondern auf dem Wege der Idee, des Glaubens. Freilich, damit eine Ideeeine Vorstellung suggestiv wirkt, muß sie auf einen vorbereiteten Boden fallen; es muß nach der Ausdrucksweise des Fachmannes eine Erwartungsspannung vorhanden sein. Die Kunst dessen, der suggestiv wirkt, besteht ganz eigentlich darin, diese Spannung auszunutzen oder auch erst zu erzeugen und fühlbar zu machen. Jacobsohn erläuterte diese Beziehungen an einigen drastischen Beispielen. Heute werden die Kräfte der Suggestion be-r sonders gern in den Dienst der Heilkunde gestellt, hauptsächlich bei allerlei nervösen Störungenaber auch bei vielen körperlichen Krankheitszuständen, bei denen ja so gut wie immer eine seelische Komponente mitschwingt. Jacobsohn erinnerte daran, daß z. B. Warzen aus suggestivem Wege zum Verschwinden gebracht werden. Letzte Erklärung: Wirksamkeit eines zweiten Jchs, das wir llnterbewußtsein nennen. Zwischen dieser allgewaltig wirkenden Suggestion und der Hypnose bestehen keine Wesensunterschiede. Von den drei graduell verschiedenen Stadien der Hypnose iüteressiert den Laien am meisten das tiefe „somnambule" Stadium, in welchem tatsächlich eine tiefgreifende Beeinflussung der Gesamtpersönlichkeit erfolgen kann. Dagegen ist der vielfach verbreitete Glaube, daß ein Mensch durch hypnotischen Zwang zum Verbrechen, zum Selbstmord angestistet werden kann, als irrig zurückzuweisen. —u— aber, auch im vierhändigen Arrangement, vom Komponisten bezogen werden kann. Da Inden lange Jahre als Organisten nicht beschäftigt wurden und so als Komponisten völlig ausfallen, so liegt hier — sonderbar genug — das erste freie Werk eines modernen jüdischen Fachorganisten schriftlich vor, das einen orgelgerechten Satz auflüeist. Unser Größter, Schalit, hat leider keine selbständige Orgelmusik geschrieben. Architektur, Satzkunst,' Form und viele melodische Einzelzüge in Levis Werk weisen auf Bach als Vorbild und Quelle. Einen -Formfehler sehe ich darin, daß der ganze Schluß nvtengetreu schon mitten im Stück vorweggenommen und so der einheitliche Aufbau des Ganzen empfindlich gestört wird. Hier muß die Kunst des Organisten einsetzen, um die beabsichtigte krönende Steigerung am Schluß doch noch herauszubringen. Levis Stück zeichnet sich durch klare Durchsichtigkeit, Deutlichkeit des Themas, das nie atvmisiert wird, durch ein wirksames Aufrollen der rhythmischen Kräfte aus. Lebt hat kein inr höchsten Sinne eigenes Werk geschrieben, aber eine Musik von Rang und wirtlichem Gebrauchswert, zu der die jüdischen Organisten schon im eigenen Interesse greifen sollten. Die Hausmusik will Edvard Moritz mit seiner Kantate für Altstimme und Streichquartett „Der ewige Ruf" (Verlag Litolff, Brauuschweig) wieder aufleben lassen. Wie im alten Hellas beschließt er die ernsten Stücke (Gedichte von Grete Gulbranson, Verlaine, Loerke) mit einem „Satyrspiel" (Rondell von Loerke). Abgesehen davon, daß die vielen Akkordparallelen nicht gerade einfallsreich wirken, ist diesem Opus, das feine Uraufführung in Hamburg erlebte, eine sinnvolle Deklamation, volle Ausnutzung aller Lagen und Klangmöglichkeiten der Instrumente und eine eindringliche Pathetik nachzurühmen. Schon vor mehreren Jahren erschienen Bearbeitungen zweier bekannter Synagogenmelodien: Max W'achsmann hat das „Joh fchimcho" (Verlag P. Raasch, Berlin-Charlottenburg) und die Channukah-Hymne (Helvetia-Verlag, Robert Zießnitz, Berlin) für Violine und Klavier gesetzt, gefällige Stücke, auch mit Studienwert. David E w e n befaßt sich in „The Chesterian“ in einem langen und sehr positiv wertenden Aufsatz „Ille nerv Lellovl ot Hebrew Music“ mit einigen bedeutenden jüdisch-liturgischen Werken. Ewen hat seine besondere Eignung und Berechtigung zur Behandlung solcher Themen durch eine früher erschienene kürzere Monographie zur jüdischen Musik nachgewiesen. Ewens Standpunkt ist hier nicht der des Wissenschaftlers oder Historikers, sondern vor allem der des künstlerisch wertenden Aestheten. Es ist bezeichnend, daß Ewen jüdische Musik mit der Kunst der Umwelt kaum vergleicht. Er deklariert: das ist jüdisch, aber er fragt nicht: warum dieser Eindruck und welche ganz spezifisch musikalischen Merkmale bringen ihn hervor? Zum anderen wäre zu bemerken, daß die in Deutschland geschaffenen Liturgien nicht einmal erwähnt werden. Hier sehen wir eine Unterlassungssünde, durch die namentlich Heinrich Schalit und seinem Freitagabendgottesdienst Unrecht getan wird. Im folgenden geben wir einiges inhaltlich Interessante wieder, das uns mit dem jüdisch-musikalischen Schassen im Ausland bekanntmacht. Die Grundlagen der neu erwachenden jüdischen Musik wurden in Rußland Anfang des letzten Jahrhunderts von einem Kreis junger russischjüdischer Musiker geschaffen, der sich um Dr. Julius Engel scharte. Das Ziel war ein zweifaches: einmal wurde das Wertvolle der älteren Synagogenmusik neu belebt und bearbeitet, zum zweiten wurden junge Künstler veranlaßt, den alten Gebettext in den entwickelten, zeitgemäßen Musikformen neuzufassen. Das künstlerische Ergebnis der Werke von Engel, Kreyn (Jüdische Lieder, Sabbatai . Zivi - Mnsik), G n i e s s e n (Jugend des Abraham, Die Maccabäer) war nicht durchweg befriedigend. Immerhin war der Boden bereitet und das Interesse allenthalben gelveckt. Unter den neuen Liturgien ragt B l o ch s „Sacred-Service“ hervor. Bloch gab schon früher jüdischen Themen klingende Gestalt (Schelomoh, Baal schein, Israel-Sinfonie usw.). Hier schrieb er sein erstes religiösjüdisches Werk. Interessant die Umstände, die zu seiner Vollendung führten. Bloch lebte damals ganz abgeschlossen in der Schweiz. Er suhlte sich dem Tode nahe und glaubte, seinen Schlvanengesang zu komponieren. Er schrieb in Fieberhitze und höchster Leidenschaft, um das Werk noch rechtzeitig zu beenden. Diese Einstellung äußerte sich in besonderer Tiefe und der Innerlichkeit jener, die einen Blick in das Ewige und Unendliche taten. Die Einfachheit der Mittet, die Großartigkeit des Ausdrucks machen das Werk zu Blvchs „magnum opus“. Sehr wertvoll ist eine, Freitagabendliturgie von Josef A chron. Sie * wurde für Amerikas „Union Prayer Book“ (vielleicht unserem Einheitsgebetbuch vergleichbar) geschrieben und beansprucht Bariton (Kantor), gemischten Chüt utid Orgel. Die Ausmaße des Werks sind von silier sinfonischen Weite, die kaum vorher für eine Synagogenmusik verlangt wurde. Feinheit und Zartheit des Gefühls und mehrfach ein grandioser Aufbau (in einem Präludium und Fuge für Orgel) zeichnen das Werk aus. Von Würde Und hoher Schönheit sind zehn Chorhymnen (mit Kantor-Soli), für den Sabbatmorgengottesdienst komponiert von Frederic I a c o b i, getragen. Lazare S a m i n s k y, der sich übrigens als Schriftsteller zur jüdischen Musik äußerte, hat bisher keine geschlossene Vertonung eines Gottesdienstes geschaffen. Aber auch einzelne KoMpo« sitionen haben Brillanz, Farbigkeit im Harmonischen, eine biegsame melodische Linie. Ein ganz anderer Beitrag zur jüdischen Müsik: eine Hebräische Oper von Jacob Weinberg: „Die Pioniere", ein reiches und reifes Werk, dabei neu, frisch, lebendig in seiner musikalischen Haltung. Symbolisch gleich der Anfang: ein Trompetenrus, nach dem traditionellen Motiv, mit dem der Ehasan einen Juden zur Heiligen Lade ruft. Das bedeutet, daß die Verpflichtung zur Thora das erste Gebot für den Juden ist, noch vor einer anderen heiligen Pflicht steht der zum Wiederaufbau des modernen Palästinas. Erwähnenswert sind ein jemenitisches Lied, ein arabischer Tanz (nach authentischen arabischen Motiven) und am Schluß eine ekstatische Hymne an das Gelobte Land. Der einzige in Palästina lebende Komponist unter den hier Genannten ist Salomon R o s o v s k y, Direktor des Konservatoriums in Tel-Aviv. Er hat (z. B. in einem Kaddisch) das jüdische Idiom am unmittelbarsten eingefangen, seine Musik ist originell und künstlerisch bedeutend. Ludwig Altniann. * Margarete Cohn hat (Edition Egmönt, Berlin- Paris) Gedichte von Goethe (Die enteilende Zeit), Herder (Der liebende Schöpfer) und* den 36. Psalm (Mah jokor) für gemischten Chor gesetzt. Die Stücke sind nicht gerade persönlich und abwechslungsreich in der Stimmführung, aber immerhin ansprechend und gediegen gearbeitet. Bialiks wunderschönem Gedicht „Lied an den Sabbath" gab H. S. Lampel (Verlag M. W. Kaufmann, Leipzig) ein gefälliges modisches Gewätid. Festvorstellung dleS Berliner Kulturbund-Theaters Im Kulturbund-Theater findet am 23. März, 26 Uhr 15 Min., die Premiere der dreiüktigtn Oper „Sciinson und Dalila" von Saint Saens als Festvorstellung zugunsten der Jüdischen Winterhilfe statt. Eugen frUneky Inszenierung Intendant Dr. Kurt Singer, musikalische Leitung Kapellmeister Berthold Sander, Bühnenbilder und Kostüme Heinz Cvndell, technische Leitung Hans Sondheimer. Die Hauptpartien der Festvorstellung singen Susanne Loewenstein uno Eugen T r a n s k y. Außerdem sind beschäftigt Siegsried U r i a s , Fritz L e ch u e r, Julius K u t h a n , Gerhard P e ch n e r und Walter Olitzk i. Solotänze Ruth Cvndell, Nelly Hirsch, S i l b e r m a n n und Rado. Karten zum Preise von 3, 4, 5 und 6 RM bei der Propaganda-Abteilung der Jüdischen Winterhilfe 0 2, Rbsenstratze 2—4 (Telephon D 1 Norden 6711, Apparat 71); im Mitgliedsbüro des Kulturbundes, Kbmmandautenstraße 57, sowie bei den Zahlstellen Aschüfsenburger Straße 18, Buchhandlung Poppelauer, Neue Friedrichstraße 49, Philo-Verlag, Pariser Straße 44, und an der Abendkasse.