Mannheim
Compact Memory

Central-Verein-Zeitung · 1936-03-12 · 11 (12.3.1936) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
15 (1936) - farbig
Issue
11 (12.3.1936)
Date
1936-03-12
Page
[Seite] (sequence 18)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2277379-9449481-9449339--10150-9448804
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

tzs ist und scliafft, bekannt wird, dass neue Menschen das Land kennenlernen und mit möglichst guten Eindrücken wieder abfahren. Diese Werbung richtet sich nicht nur an,die Touristen, sondern auch an wirtschaftlich unmittelbar interessierte Menschen. Der Kaufmann und Kapitalist soll sehen, dass es hier lohnende Möglichkeiten gibt, Geschäfte anzubahnen und Gelder zu investieren. Der ausländische Wirtschaftler soll die Meinung nach Hause bringen, dass man einem Lande, das — trotz aller Hemmungen — noch so grosse Absatzmöglichkeiten für Importwaren bietet, auch sein wichtigstes Exporterzeugnis, die Jaffa-Orange und -Grapefrucht, zu fairen Bedingungen abkaufen müsse. Die Messe bietet ihm einen Querschnitt durch das neue Palästina, seine Leistungen wie seine ungenutzten Möglichkeiten, seine inneren Probleme und seine Beziehungen zur übrigen Welt. Eine so grosse Messe in einem so kleinen Lande bedeutet, dass dieses Land gewissermassen sich selber ausstellt. Diese Wirkung ist wichtiger als die Summe der unmittelbar auf der Messe zustande gekommenen Geschäftsabschlüsse, die ja bei jeder Messeberichterstattung eine etwas fragwürdige Grösse bildet. Gewiss kommt der Messe, gerade für den erstmaligen Besucher, nur ein bedingter Erkenntniswert zu, namentlich, wenn er seine Eindrücke nicht durch Ausflüge ins Land und durch Gespräche mit Ansässigen ergänzt und vertieft. Die Messe ist gewissermassen ein Feiertagskleid, das besonders die Stadt Tel-Aviv sich für einige Wochen überwirft. Vielleicht verdeckt die glänzende Hülle auch mancherlei Gebresten. Dass zum Beispiel hinter den Kulissen, wie in anderen Messestädten auch, zwischen Ausstellern und Messeleitung um Preise und Mietbedingungen für die „Stände“ gestritten worden ist, dass das Beharrungsvermögen nicht immer dem ersten Gründungsimpuls entspricht, dass finanzielles Fundament und Sachkenntnis nicht immer der äusseren Aufmachung entsprechen — wer wollte all diese Kinderkrankheiten eines jungen Landes und diese Alterserscheinungen eines vielgeprüften Volkes leugnen? Tel-Aviv wird bei dieser Messe erneut zu beweisen haben, dass es nicht in die skrupellose Vielgeschäftigkeit des Levantinismus versinkt, sondern dass seine Grundkraft doch der Wille zum soliden Aufbau ist. Auch der Palästinenser selbst kann eine Aufmunterung durch eine solche -Leistungsschau gut gebrauchen. Die Krise hat im Bewusstsein vieler die unerfreulichen Seiten des palästinensischen Gemeinschaftslebens, die vielen Kleinigkeiten, die einem das Leben schwer machen, wieder stärker hervortreten lassen. Ihnen wird es vielleicht gut tun, wenn ihnen durch eine eindrucksvolle Kundgebung wieder vor Augen geführt wird, dass trotz allem doch ein imponierend grosses Werk geschaffen worden ist und täglich neu geschaffen wird. Wenn die Messe diese Aufgabe erfüllt, wird sie ein Erfolg gewesen sein auch mit geringeren „Geschäftsabschlüssen“. Daneben aber hat die siebente Levantemesse noch eine ganz kleine, partikularistische Sonderabsicht. Sie ist eine legale Waffe in dem Konkurrenkampf zwischen den beiden Hafen- und Handelsstädten des Landes. Der starke Ausbau des Hafens und der Industriezone von Haifa sowie das Fehlen einer guten Strassenverbindung von der Haifa-Bucht nach Tel-Aviv hat bis zu einem gewissen Grade 'die natürlichen Vorzüge, deren sich Tel-Aviv durch sein weit grösseres und bedeutenderes Hinterland und seinen Charakter als rein jüdische Stadt erfreut, wettgemacht. Auf manchen Gebieten hat daher Haifa an dem Wachstum des Handels und Verkehrs in den letzten Jahren stärker teilgenommen als Tel-Aviv. In diesem gesunden, sicher für beide Städte fruchtbaren Wettbewerb, spielt nun wieder Tel-Aviv einen Trumpf aus, die Messe. Die Stadt aber rechnet nicht nur damit, die ausländischen Besucher auf sich aufmerksam zu machen und damit — last not least — ihrem Gaststätten- und Vergnügungsgewerbe einen Auftrieb zu geben. Ein wichtiger Nebenerfolg wäre es auch, wenn Besucher aus anderen Teilen Palästinas nach Tel- Aviv gezogen würden und dadurch die Verbindung zwischen Stadt und Land gestärkt werden würde. Auch deshalb ist es wichtig, dass der Landwirt sieh diesmal in einer Sonderschau seines Faches über die neuen Errungenschaften der Agrartechnik ^Unterrichten kann. In ihrer heutigen Struktur ist die Stadt darauf angewiesen, in gewissem Sinne als Einkaufs-, Vergnügungs- und Kulturzentrum des agrarischen Hinterlandes zu fungieren, also auch die Bewohner der Dörfer und Städtchen des Scharon und der Schefela, der fruchtbaren und dicht besiedelten, rein jüdischen Küstenebene, an sich zu ziehen. Der hebräische Name der Levantemesse deutet auf diese alte Aufgabe des städtischen Marktes hin: „Jerid ha Misrach“ (Jerid vom Stamme „jarod“, herabsteigen). Schon im Altertum stiegen die Bauern von den Hügeln und Bergen herab zum Markt in die Küstenstadt. » Um den Touristenverkehr nach Palästina zu fördern, gewährt Lloyd Triestino eine 50prozentige Fahrpreisermässigung auf alle Hin- und Rückfahrkarten nach Palästina, die in der Zeit vom 1. April bis 23. Mai 1936 für die Hinreise und bis 24. Juni 1936 für die Rückreise benutzt werden. Die italienischen Eisenbahnen gewähren ebenfalls 50 Prozent Fahrpreisermässigung im Zusammenhang mit obigen Schiffskarten. Auch die CosulichLine, Triest, hat sich für die Sonderfahrt des Motorschiffes „Vulcania“, 2. April ab Neapel nach Haifa, der unter dem Motto „Frühling in Palästina“ eingeleiteten Aktion zur Verbilligung der Reisen nach Palästina angeschlossen und die Fahrpreise im Verhältnis zu den ursprünglich geltenden Raten, die im Vergleich zum vorigen Jahre bereits niedriger gehalten waren, um rund 30 Prozent ermässigt. Die „Vulcania“ ist zudem vor kurzem durchgreifenden Umbau- und Renovierungsarbeiten unterzogen worden. Die Motore wurden ausgewechselt und durch wesentlich stärkere ersetzt, so dass das Schiff jetzt die Strecke Neapel—Haifa in nur 3V2 Tagen zurücklegt. Ferner wurden sämtliche Passagiereinrichtungen modernisiert; die Touristenklasse wurde vollständig umgestaltet. Das neue medizinische Zentrum in Jerusalem Zwischen der Hebräischen Universität Jerusalem und der zionistischen Frauenorganisation Amerikas, Hadassa, wurde eine Vereinbarung über die Schaffung eines medizinischen Zentrums in Jerusalem getroffen. Darüber wird das folgende offizielle Communique ausgegeben: Am 17. Februar d. J. wurde eine Vereinbarung zwischen der Hebräischen Universität und der zionistischen Frauenorganisation Amerikas, Hadassa, unterzeichnet, in der die gegenseitigen Beziehungen zwischen den beiden Institutionen und die Einzelheiten ihrer gemeinsamen Arbeit in bezug auf die Forschungstätigkeit und die Lehrkurse an dem geplanten medizinischen Zentrum auf dem Skopusberg festgelegt wurden. Diese gemeinsame Arbeit wird einer Anzahl hervorragender Mitarbeiter des Krankenhauses die Möglichkeit der Erlangung eines akademischen Status und der Durchführung medizinischer Forschungen geben und gleichzeitig den medizinischen Forschern der Uni- Waederum ist von Verhandlungen beider englischen Parlamente über die Einsetzung des Legislative Council zu berichten. Im Unterhaus setzten eine Reihe von Abgeordneten die Anfragen über dieses Thema fort. Die Antworte#, die der Minister für Kolonien Thomas dazu abgab, bekräftigten den bisher ausnahmslos vertretenen Standpunkt, dass die Regierung von ihrem Vorhaben nicht abzugehen gedenkt. Diese grundsätzliche Haltung kam bei der Erörterung folgender Einzelheiten zum Ausdruck: Die Anfrage, ob irgendwelche Massnahmen zur Abänderung der Verfassung des geplanten Legislative Council in Palästina erwogen würden, wurde vom Kolonienminister verneint. Auf die Anfrage eines anderen Abgeordneten, ob der Legislative Council, der die jüdische Minderheit verankern werde, nicht im Widerspruch zum Geiste des Palästinamandats stehe, erwiderte Minister Thomas, dass das nicht zu befürchten sei. Im übrigen habe Sir Herbert Samuel schon im Jahre 1922 als damaliger High Commissioner den Vorschlag der Schaffung eines Legislative Councils gemacht; dieser Vorschlag wurde damals von der jüdischen Gemeinschaft angenommen und von den Arabern abgelehnt. Seither aber seien vom jüdischen Standpunkt aus sogar erhebliche Verbesserungen in bezug auf das Stärkeverhältnis der Parteien eingetreten. Minister Thomas lehnte es weiterhin ab, anzuordnen, dass die Zahl der Arbeiterzertifikate erhöht werde. Er erklärte, dass ihm keinerlei Mangel an Arbeitskräften in Palästina bekannt ei. Der High Commissioner habe, als er die Einwanderungsquoten festsetzte, alle in Betracht kommenden Faktoren berücksichtigt. Es kam sodann noch die transjordanische Frage zur Sprache. Der Abgeordnete Mander fragte den Minister für die Kolonien, ob er die gegenwärtige Lage in bezug auf Bodenkauf in Transjordanien durch Juden und die Gründe darlegen wolle, warum bisher die Erlaubnis hierzu nicht erteilt wurde. Der Minister antwortete, er sei nicht in der Lage, seiner am 26. März v. J. dem Hause gegebene Antwort etwas hinzuzufügen. Im Oberhaus wurde die Debatte durch eine Anfrage von Lord Rankeillour eröffnet, der eine Reihe juristischer Argumente gegen das Vorgehen der Regierung in der Frage des Gesetzgebenden Rates vorbrachte und vor übereilten Schritten warnte. Er beklagte, dass bisher keinerlei offizielle Erklärung über die geplante Verfassung abgegeben worden sei und drang darauf, dass ihre Inkraftsetzung von einer eingehenden Aussprache und Zustimmung des Parlaments abhängig gemacht werde. Der Unterstaatssekretär für die Kolonien, Earl of Plymouth, antwortete im Namen der versität 'das benötigte Krankenliausmaterlal zu* Verfügung stellen. Die Vereinbarung bestimmt auch die Aiü der Verteilung des Eigentums an Gebäude^ und Einrichtung zwischen den beiden Insti* tutionen und der Leitung ihrer gemeinsamem Tätigkeit in der Zukunft. Die Unterzeichnung der Vereinbarung bildef den Abschluss dreijähriger Verhandlungen und ist sowohl eine bedeutsame Etappe in der Entwicklung der Universität auf medizinischem Gebiet als auch eine Erweiterung des Tätigkeitsfeldes der Hadassa. Regierung. Er erklärte, er wolle nichts sagen, was die Lage noch schwieriger machen könnte. Das habe er schon klargemacht, als er in der Debatte der vergangenen Woche sprach. Dem Gesetze gemäss werde die Verordnung beiden Häusern des Parlaments vorgelegt werden; es würde jedoch dem feststehenden Brauch widersprechen, diese Verordnung als Entwurf vorzulegen. Lord Plymouth setzte weiter auseinander, dass er die Stärke der Argumente Lord Rankeillours und die schwierige Lage, in der sich seiner Meinung nach das Parlament befindet, durchaus anerkenne. Er wolle alles tun, um die Lage zu erleichtern, und er weise darauf hin, dass ein Inhaltsauszug der geplanten Verordnung über die Einsetzung eines Legislative Council dem Interpellanten und den übrigen Mitgliedern des Hauses zugänglich gemacht werden könne. Wenn Lord Rankeillour zu verstehen gegeben habe,, dass man bei der Einsetzung des Legislative Council übereilig vorgegangen sei, so versichere er dem Hause, dass dies nicht der Fall war, die Angelegenheit vielmehr unter jedem Gesichtswinkel geprüft wurde. Wer die Reden der vorwöchigen Debatte studiert habe, müsse klar erkannt haben, dass die Regierung schon vor einiger Zeit deutlich die Absicht kundgegeben hat, ihr wiederholtes Versprechen, in Palästina einen Legislative Council als Vertreterkörperschaft einzusetzen, zu erfüllen. Er sei überzeugt, dass die von ihm angegebene Prozedur in diesem Fall korrekt sei. Bei einem Vortragsabend, der in der Royal Asian Society unter dem Vorsitz des früheren High Commissioners für. Aegypten, Lord Lloyd, stattfand, sprach der ehemalige Sekretär der Palästina-Regierung L. G. Archer C u s t über seinen vor kurzem in der Zeitschrift „Spectator“ dargelegten und an dieser Stellei wiedergegebenen Plan einer Einteilung Trans» jordanlens und Palästinas in je einen autonomen! arabischen und jüdischen Kanton. Er erklärte^ diese Kantonseinteilung sei eigentlich praktisch schon verwirklicht. Die jüdischen Kolonie# bildeten geschlossene Komplexe in den Ebenen, während das Gebirgsland für die intensive Bei wirtschaftungsform nicht geeignet sei, die zuf Aufrechterhaltung des jüdischen Leberas* Standards erforderlich ist. In der dem Vortrag folgenden Aussprache wurde der Kantonisierungsvorschlag fast eii$ mütig verworfen. Die Diskussionsredner, ua, Professor Gibbs und Professor Normaij B e n t w i c h wandten sich gegen ihn, weil efl einerseits die jüdische Einwanderung erschwer ren, andererseits die wirtschaftliche Interessensolidarität zwischen Juden und Arabern einschränken würde. Colonel Newcom» empfahl die Prüfung des Vorschlags durch eine königliche Kommission, Das Parlament kritisiert - die Regierung beharrt Immer wieder Diskussionen um den Legislative Council Reisenotizen eines Palästina-Einwanderers E. R.-z. Haifa, den 4. März 1938. Tropfen in der Welle Die Mehrzahl der Juden in Deutschland prüft seit langen Monaten die Frage der Abwanderung immer wieder von neuem, immer wieder tastet jeder einzelne ab, ob dieses oder jenes Land ihm mit seinen besonderen familiären Verhältnissen, seinem beruflichen Können eine Chance bietet, ob irgendwelche Menschen im fremden Land, die er beruflich oder gesellschaftlich vielleicht auf einer früheren Auslandsreise kennengelernt hat, ihm nützlich sein können. Wenigen nur wird klar, dass der einzelne, die Familie, in dem grossen Strom, den die Wanderbewegung der Judenheit Mittel- und Osteuropas darstellt, nur ein ganz kleines Etwas ist. Der Anteil der deutschen Juden an dieser Wanderbewegung ist in den letzten drei Jahren immer stärker geworden, eine neue Verbreiterung und Vertiefung der Wellenbewegung der jüdischen Auswanderung aus Deutschland bereitet sich vor, in der die einzelne Familieneinheit nur einen Tropfen darstellt. Aber so unbedeutend im Rahmen dieser Gesamtbewegung der einzelne sein mag, so bedeutsam ist für ihn selbst das Problem. Es geht bei der endgültigen Entscheidung um sehr Vieles, um Seelisches und Materielles, es geht hei den meisten um alles. So wird zur notwendigsten Voraussetzung eines so schwerwiegenden Handelns der Entschluss die Bereitschaft zum materiellen und seelischen Opfer; der ist das Primäre, nach reiflicher Ueberlegung erst kann er gefasst werden, ehe man an die Vorbereitung der Auswanderung herangeht. Sie darf erst das sekundäre Stadium darstellen, wenn man sich vor einem inneren Rückschlag bewahren will. Aber ist der Entschluss gefasst, so beginnt eine Fülle formeller Arbeiten, die man sich nicht verdrossen lassen darf, wenn man sie selbst in die Hand nimmt, oder deren Kosten sich der Empfindsame nicht gereuen lassen sollte, wenn es ihm zu schwer fällt, die schwere Trennung selber vorzubereiten, die für den eingesessenen Juden in Deutschland die Ausführung des Auswanderungsentschlusses in jedem Falle bedeutet, ungeachtet der Unsicherheit oder relativen Sicherheit der Zukunft. Es ist nicht so, dass derjenige, der nach Palästina auswandert, wenn er den Entschluss gefasst hat, leichten Herzens vor der Tatsache steht, dass er in wenigen Tagen den Beden Palästinas betreten kann und zu denen gehört, die das Glück haben, ein Einwanderungsvisum erhalten zu haben. Es ist keine Frage eines jüdisch-politischen Bekenntnisses, sondern eine Frage innersten Kampfes mit sich selbst, wie man mit den Bindungen tausendfacher Art fertig wird, die an das Land binden, das man zu verlassen sich entschlossen musste. Es ist keine Frage eines jüdisch-politischen Bekenntnisses, es ist kein Unterschied zwischen dem parteigebundenen Zionisten und dem Palästina-bejahenden Nichtzionisten, dass ihm dieser Abschied von sehr vielen Menschen, von sehr vielen Dingen, die Zurückbleiben, von dem Imponderabilen des Heimatbegriffes nicht leicht wird und nur das Gefühl, dass jeder einzelne sehr viele Menschen wiederzusehen und vieles geistig Verwandte wiederzufinden hofft, erleichtert es ihm, den toten Punkt zu überwinden. Es ist gut, dass es gerade eine längere Seereise ist, die jeder machen muss, der nach Palästina geht. Denn auf dieser Seereise soll und muss aus dein Auswanderer einEinwanderer werden, ein Mensch, der sich mit seinem Denken und Fühlen auf das Neue, was ihn erwartet, so weit als möglich umstellt. Brindisi Die Mehrzahl der Auswanderer wählt — schon aus Kostengründen — den kürzesten Weg zum Schiff: nach Triest. Aber wer eine längere Bahnfahrt nicht scheut, wird weiter nach Süden reisen, um einen grossen Eindruck auf sich wirken zu lassen, der ihm unvergessen bleibt: Rom. Die Mehrkosten sind nicht hoch, wenn man einen Tag später, als der Dampfer von Triest abgeht, in Brindisi einsteigt. Die italienischen Bahnen geben nämlich eine 50prozentige Fahrpreisermässigung für die Fahrt von einer Bahngrenzstation zu einem Abfahrtsseehafen, so dass man tatsächlich nur den halben Fahrpreis für die Gesamtstrecke zahlt, sofern man sich insgesamt sechs Tage in Italien aufhält. Rom, mit der Gewalt der Denkmäler, richtet auch die auf, die den Abschied noch nicht verwunden hatten; sie werden mit dem kurzen Blick in die ewige Stadt hinein rascher ihr inneres Gleichgewicht zurückfinden, ihren Lebensmut und ihre Zukunftshoffnung steigen sehen. Brindisi, wo die Schiffe der italienischen Lloyd-Triestino-Linie zum ersten Male nach der Abfahrt von Triest anlegen, ist eine Hafenstadt, in der vor acht Jahrhunderten noch, wie Benjamin aus Tudela berichtet, eine grössere Anzahl jüdischer Familien gelebt haben. Trotz eifriger Nachforschung gelang es in den Stunden zwischen der Ankunft des Zuges aus Rom und der Abfahrt des Schiffes nur einen einzigen Juden zu ermitteln, keine einzige jüdische Familie lebt mehr in Brindisi! Irrtümlich wird zwar von der Bevölkerung der oder jener für einen Juden gehalten, aber bei persönlicher Nachforschung stellt es sich dann heraus, dass es sich um Armenier oder um Griechen handelt. Wie in der Mehrzahl der italienischen Städte sind also auch die Juden, die früher in Brindisi gelebt haben, mit der Umwelt verschmolzen, und manch einer von den Italienern, die heute in Brindisi leben, mag in seinem Stammbaum vor zehn oder mehr Generationen jüdische Vorfahren haben, von denen er heute allerdings nichts mehr ahnt. Die Juden, die heute nach Brindisi kommen, gehören sehr verschiedenen Schichten an: einige wenige sind Handelsverteter italienischer Grossisten und Fabriken, grösser schon ist die Zahl der Palästina- Touristen und -Auswanderer; einige Juden sind aber auch unter den Grossindustriellen aus England, Frankreich usw, die nach Indien in die grossen Häfen und Wirtschaftszentren Ostasiens fahren. Denn Brindisi, als Städtchen ebenso klein wie sein Fremdenpublikum international, ist der Kreuzungspunkt der Flugzeuge zwischen Asien, Afrika und Mittel- und Westeuropa. In den wenigen Hotels treffen sich in den Stunden des Wartens zwischen Eisenbahn, Schiff und Flugzeug Kaufleute aus aller Herren Länder, die über Aegypten nach Afrika oder aber über Griechenland weit nach Asien hinein bis nach Bombay fliegen und oft nach wenigen Wochen wieder mit dem Fugzeug zurückkehren, um von hier einen durchgehenden „Direttissimo“ zu nehmen, der sie nach London, nach Paris oder in eine der Städte Mitteleuropas führt. Jüdischer Schiffskommandant Ich fahre mit der „Galilea“, die von einem Juden, dem Kommandanten Umberto Steindier geführt wird. Er ist seit 1899 beim Lloyd Triestino, unter seinem Schiffskonunando mögen in den letzten sieben Jahren etwa hunderttausend Juden, überwiegend Touristen, nach Palästina gefahren sein. Ihm unterstehen insgesamt 160 Mann Personal, unter denen etwa 10 Juden aller Schiffschargen sind. Auf dieser Fahrt ist das Schiff nur etwa zur Hälfte seiner personellen Fassungskraft besetzt. Denn der Palästinaverkehr sowohl der Touristen wie auch der Einwanderer hat in den allerletzten Monaten erheblich nachgelassen; das zeigen nicht nur die amtlichen Ziffern, sondern auch ein Blick auf die Besetzung der in Palästina in der letzten Zeit angekommenen Schiffe. (Fortsetzung folgt) Zu Ehren des neuernannten südafrikanischen Kommissars Michael Haskell, der im Auftrag der Südafrikanischen Union ehrenamtlich in Palästina für den Aushau der palästinensischsüdafrikanischen Handelsbeziehungen tätig sein wird, veranstaltete die lfico (Industrial and Financial Corporation of Palestine) einen Empfang, dem der Präsident des Jüdischen Nationalfonds und des Aktions-Komitees, M. M. Ussischkin, und andere führende Persönlichkeiten der palästinensischen Judenheit beiwohnten. Der Generaldirektor der lfico, Newman, wies darauf hin, die Ernennung des neuen Kommissars beweise, dass Südafrika sich lebhafter für Palästina interessiere.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.