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Central-Verein-Zeitung · 1936-03-12 · 11 (12.3.1936) · p. [Seite]

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
15 (1936) - farbig
Issue
11 (12.3.1936)
Date
1936-03-12
Page
[Seite] (sequence 17)
Language
German
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y -ir'V ’ay-'-.rTT nwiriE Nr. 11 *5. Beiblatt CVleitunq 12. März 1936 Palästina - Utnscha u Die 7. Levante-Messe in Tel-Aviv Von unserem ^-Palästina-Korrespondenten Tel-Aviv, den 26. Februar. Langsam, aber sicher setzt sich, trotz aller Sorgen um Gegenwart und Zukunft, die Frühjahrssaison auch stimmungsmässig in Palästina wieder durch. Die volle Wiederaufnahme der regelmässigen Bautätigkeit und der nahende Abschluss der Orangenernte sind im täglichen Ablauf der Wirtschaft gewissermassen die Kriterien, an denen der Beginn des neuen Zeitabschnitts abgelesen werden kann; die ersten Frühjahrs-Chamsione mit ihrer drückend heissen und trocken-sandigen Luft sind zwar ein ausgezeichnetes Training für den Sommer, gehören aber sonst zu den weniger erfreulichen Lenzboten in diesem Lande. Aber die eigentlichen Frühlingsboten hier sind die Touristen. Der Beginn der Reisesaison spielt hier aus menschlichen und wirtschaftlichen Gründen eine besondere Rolle. Im letzten Jahr sind annähernd 100 000 Touristen nach Palästina gekommen; sie haben etwa eine Million LP im Lande gelassen. Die jüdische Bevölkerung des Landes betrug damals höchstens 850 000. Man stelle sich dieses Zahlenverhältnis einmal in Europa vor: etwa eine Million oder mehr ausländische Reisende in Paris oder London oder Berlin — eine Ziffer, die keine dieser Weltstädte bisher jemals erreicht hat. Verschwinden anderswo die ausländischen Gäste beinahe spurlos unter der ansässigen Bevölkerung des Landes, so drücken sie in Palästina dem ganzen Strassenbild ihr Gepräge auf. Und hinzu kommt, dass wenigstens die j ü d i s c h en Touristen nicht als Fremde kommen, sondern vielmehr als Besuch zu Freunden oder Verwandten, also auch stimmungsmässig einen viel stärkeren Eindruck hinterlassen. Jedes Jahr bemüht sich das neue Palästina, seinen Besuchern etwas Besonderes zu bieten, den Purim-Karneval oder eine grosse internationale Veranstaltung, im vorigen Jahre die Makkabiade, in diesem Jahre wieder die Levantemesse, und so soll, bei ungestörter Entwicklung, der Zweijahrturnus auch in Zukunft fortgesetzt werden. Auch die Levantemesse hat eine doppelte Aufgabe zu erfüllen. Abgesehen von ihren unmittelbaren geschäftlichen Zwecken ist auch sie ein Mittel zum Zwecke der Hebung des Fremdenverkehrs, der Werbung für das Land. Ist doch beinahe jede Messe — genau so wie der Jahrmarkt, aus dem historisch ja alle Messen entstanden sind — eine gesunde Mischung von „Ernst und Scherz“, von sachlicher Veranstaltung der Fachleute unter fröhlicher Teilnahme des breiteren Publikums. In der Theorie ist diese Mischung bekanntlich sehr stark umstritten, in der Praxis dagegen hat sie eine ausserordentliche Lebenskraft erwiesen. In Tel-Aviv war diesmal die -Messe, mit deren Vorbereitung schon vor einem halben Jahr begonnen wurde, Gegenstand mannigfacher Hoffnungen und Befürchtungen. Als Anfang Oktober das Messekomitee unter Vorsitz des Bürgermeisters Dizengow zu seiner ersten öffentlichen Sitzung zusammentrat, wurde diese Veranstaltung, sowohl von den Rednern selber als auch von der Presse und der gesamten Oeffentlichkeit als eine Demonstration gegen die Krise aufgefasst. Aber trotzdem hatte die Stimmungs- und Vertrauenskrise damals ihren Höhepunkt noch nicht überschritten, und in den folgenden Wochen hofften die einen, dass die Messe die entscheidende Ankurbelung bringen werde, während andere der Besorgnis Ausdruck gaben, dass man bei der allgemeinen Unsicherheit im Mittelmeer, bei der Unruhe in den Ländern des nahen Ostens und namentlich bei der durch Nervosität des Publikums sowie durch Devisenknappheit in verschiedenen Ländern hervorgerufenen Erschwerung des Reiseverkehrs kaum mit einem Erfolg rechnen könne. Inzwischen hat sich das Bild wesentlich auf geh eilt, und wenn man auch keine Prognose für den Enderfolg abgeben kann, so darf man doch bereits sagen, dass die Messe zum mindesten auf einer wesentlich breiteren Basis eröffnet werden wird. Man muss sich zur Würdigung der Messe 1936 zunächst einmal die Vorgeschichte dieser Einrichtung ins Gedächtnis zurückrufen. In den Jahren 1924 bis 1926 fanden drei kleinere Ausstellungen der heimischen Produzenten statt, aus denen sich im Jahre 1929 zum erstenmal der Plan einer wirklichen internationalen Messe entwickelte. Bei den damaligen Grössenverhältnissen des Landes, seiner Bevölkerung und seiner Wirtschaft musste ein solcher Plan beinahe phantastisch wirken. Aber die Phantasie wurde zur Wirklichkeit, und der Erfolg war gut, eben wenn man ihn an der Enge der allgemeinen Verhältnisse misst. Ausser den erwähnten drei kleineren Ausstellungen haben bisher drei internationale Messen stattgefunden. Die Ergebnisse waren die folgenden: Messe Ausstellende Firmen . davon ausländische Tägliche Besucherzahl 1929 1932 1934 . 330 1226 2861 . 121 821 2217 . 4000 6000 15000 Geschäftsumsatz (in Mill. LP) . 0,08 0,17 0,50 Am 30. April wird nun die siebente Levantemesse Tel-Aviv eröffnet. Es ist das zweite Mal, dass die Veranstaltung auf dem neuen Messegelände im Norden Tel-Avivs stattfindet, dort, wo der Jarkon sich ins Mittelmeer ergiesst, wo das Häusermeer der Stadt sich in Wiesen verliert und der Blick über sandige Dünen, über Felder und Citruspflanzungen bis zu den Bergen und Hügeln von Samaria und Juda schweift. Dort ist neben, dem grossen Stadion eine ganze Messestadt mit zahlreichen Hallen und Pavillons in modernem Baustil, einem Amphitheater für festliche Veranstaltungen, Restaurationen, Cafes und Bürogebäuden entstanden. Noch im vorigen Jahre, zur Makkabiade, war das Messegelände ziemlich „weit draussen“. Jetzt führen bereits zwei grosse und breite Ausfallstrassen bis unmittelbar an das Messetor, und die gewaltigen Baulücken, die dort noch vor kurzem vorhanden waren, sind zu einem grossen Teil geschlossen. Im Mittelpunkt der Ausstellung wird auch diesmal die grosse Halle der „Tozeret Haarez“ stehen, die Ausstellung der heimischen Produktion, die nicht nur eine Leistungsbilanz der palästinensischen Industrie sein, sondern zugleich auch für den verstärkten Bezug inländischer Erzeugnisse und damit für verstärkte Beschäftigung jüdischer Arbeiter beim palästinensischen Publikum werben soll. Daneben wird auch die Landwirtschaft diesmal in einer Sonderausstellungihre Erzeugnisse zeigen. Weitere Sonderausetellungen, die auch palästinensische Erzeugnisse umfassen, werden für Bauwesen und Inneneinrichtung, für Schiffahrt und Verkehr sowie für öffentliche Hygiene und für elektrotechnische Bedarfsartikel eingerichtet. Vorwiegend ausländische Produzenten dagegen dürften die Sonderausstellungen für Radio, Automobile und Maschinen bestreiten, obwohl auch auf diesen Gebieten Ansätze zur heimischen Produktion in verschiedenen Spezialartikeln vorhanden sind. Schon hierbei wird übrigens deutlich, dass bei allen Ausstellungen neben dem unmittelbaren wirtschaftlichen Zweck auch ein propagandistischer und kulturpolitischer verfolgt wird. So wird sich zum Beispiel die Ausstellung für Bauwesen, Möbel und Hausgeräte auch mit dem Problem der Stilbildung beschäftigen müssen, das in Palästina, wie ein Gang durch eine Stadt oder ein Dorf oder ein Blick auf die Inneneinrichtung mancher Wohnungen beweist, noch keineswegs gelöst ist. Unter den ausländischen Ausstellungen kommt dem Pavillon der Mandatarniacht England natürlich eine besondere Bedeutung zu. England fühlt sich durch die jüngste Entwicklung des palästinensischen Ausserihandels in seiner Stellung auf dem hiesigen Markte bedroht, und die englische Wirtschaft hat grosse Anstrengungen gemacht, um die Regierung zu aktiver Förderung des Palästinageschäfts zu bewegen. Namentlich der englische Industriellenverband ist an diesem Geschäftszweig sehr interessiert und nach ihm sind es die englischen Schiffahrtsgesellschaften, die ebenfalls von einer Belebung des Levantehandels Vorteil erhoffen. In England ist unter Vorsitz des Staatssekretärs für die Kolonien eine besondere Kommission für die Levantemesse gebildet worden. Ausserdem waren 1934 auch Frankreich, Italien, Belgien und andere Länder mit offiziellen Ausstellungen vertreten. Alle diese Länder werden auch diesmal wieder unter Mitwirkung ihrer Regierungen die Tel-Aviver Messe beschicken. Der Kreis der offiziellen ausländischen Aussteller wird aber in diesem Jahre durch Sammelausstellungen der Vereinigten Staaten von Amerika, Hollands, Norwegens, Bulgariens, Rumäniens und anderer Staaten, darunter auch der Nachbarländer Palästinas, erweitert. Aber diese Aufzählungen zeigen bereits, dass der ganze Aufbau der Messe in sich einen gewissen Widerspruch enthält, der auch in der palästinensischen Oeffentlichkeit schon viel erörtert worden ist. Aus unserer Tabelle geht hervor, dass der Anteil der ausländischen Aussteller dauernd gestiegen ist und zuletzt beinahe 80 Prozent der gesamten Ausstellerzahl betrug. Alle diese Firmen kommen ja schliesslich nur, weil sie ihre Waren in Palästina verkaufen wollen. Gleichzeitig aber steht die Messe im Dienst der Propaganda für „Tozeret Haarez“, also gegen den Bezug ausländischer Waren. Gerade die radikalsten Verfechter des Gedankens der Tozeret Haarez haben unter diesem Gesichtspunkt Kritik an der Messe geübt. Freilich besteht dieser Gegensatz nur in der radikalen Ueberspitzung, die der wirtschaftspolitische Meinungskampf hierzulande so leicht annimmt. Selbst wenn die ausländischen Firmen zum Teil Gegenstände vorführen, die in Palästina selbst hergestellt werden, so kann in gewissen Grenzen ein solcher Leistungsvergleich der jungen palästinensischen Industrie nur nützlich sein. Selbstverständlich aber ist es Aufgabe einer gesamtwirtschaftlich orientierten Messepolitik, dafür zu sorgen, dass nach Möglichkeit keine Waren ausgestellt werden, die der heimischen Industrie Konkurrenz machen, damit die Messe nicht zu einem Instrument der Schleuderkonkurrenz gegen die Tozeret Haarez missbraucht wird. Der Kreis der Waren, die Palästina aus dem Ausland beziehen muss, bleibt aber immer noch gross genug. Dazu gehören in erster Linie die Produktionsmittel. Auf der Agrarausstellung werden landwirtschaftliche Geräte im Betrieb vorgeführt, auf der Bauausstellung werden Baumaschinen gezeigt und auch die palästinensischen Hersteller von Gegenständen des täglichen Bedarfs werden sich für neue ausländische Maschinenmodelle zur Vervollständigung ihrer Fabrikeinrichtung interessieren. Aehnlich liegt es auf dem Gebiete des Verkehrswesens, insbesondere der Schiffahrt. Gewiss, es gibt heute bereits drei palästinensische Mittelmeer-Reedereien, die zusammen sechs Dampfer mit vorwiegend jüdischer Besatzung fahren lassen. Aber daneben wird Palästina immer wieder auch den ausländischen Reedereien, ebenso wie der ausländischen Industrie, ein lockendes Betätigungsfeld bieten. Insbesondere wird es dabei seinen natürlichen Vorteil als Transitland sowie als Touristenzentrum für den näheren Osten zeigen können. Gerade von dieser Möglichkeit ist bisher wenig Gebrauch gemacht worden. . Der Transithandel wie überhaupt Palästinas Warenaustausch mit den Nachbarländern hat sich nicht im gleichen Tempo entwickelt, wie die anderen Zweige der palästinensischen Wirtschaft. Gerade jetzt, wo so viele und elegante — beinahe schon zu viele und zu elegante — neue Hotelpaläste unmittelbar vor der Einweihung stehen, wo landschaftlich so schöne Plätze, wie etwa Tiber!as und Safed, sich mit aller Kraft zu internationalen Badeorten ausbauen wollen, ist diese Werbewirkung besonders wichtig. Wer zur Messe nach Palästina kommt, wird auch sonst das Land und seine Nachbarstaaten kennenlernen wollen, und so wird die Messe gleichzeitig zu einer Anregung des Fremdenverkehrs. Dass bei dieser Gelegenheit auch grössere internationale Kongresse abgehalten werden, die ebenfalls Besucher ins Land ziehen — so der Weltkongress der jüdischen Aerzte —, entspricht ja ebenfalls" dem Messebrauch anderer Länder. Man will ja mit dieser Veranstaltung nicht zuletzt erreichen, dass Palästina, so wie DeutscheTöllgardinen r&ippw Fenster *T. U. Halbstore&Mefenm Dekorationsstoffe ÄTH9-0 Großer mmerkmf £fn unserer GARD/NENSCHAUl öardinenstoffe ca. buntfarb.indanthren &11» -P2? Üchwedenleinen Ä8541.ffl1.6S Kettdrucke zeigen wir über 2 OO Modellfenster. Verka ufnur Berlin C2,Span dauerStr.32 Geldmarkt Teilhaber mit 20006.-Mk.Einlage ges. zwecks Kapitalverstärkung von alt eingef. Textli-Grossu. Kleinkandelsflrma in gross. Stadt Ostdeutschlands. Offerten erbeten unter C. 3998 an C.-V.-Zeitung, Berlin W. 15. Besdieldene Existenz io Holland. In gross. Provinzstadt, Ladengeschäft mit geräumiger Wohnung (Miete monatlich fl. 30.—) für fl. 1000. — Bar wegen zur ßuhesetzung sofort od.spät. zu verkaufen. Niederlassung gesichert. Angebote unter K. 2983. C.-V.-Zeitung, Berlin W15. Selbständiger,tiiclit.l(aufiiiann Ende 50, sucht sich wegen Umstellung tiittg und mit Kapital zu beteiligen. Erste Referenzen. 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