Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936) - farbig
- Issue
- 11 (12.3.1936)
- Date
- 1936-03-12
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Anno 1919 sein werden; jetzt glauben wir, wird die Bearbeitung unserer Wissenschaft im großen Stile eine Pflicht, und eine um so gewichtvollere, da die complicirte Frage über das Schicksal der Juden, in einigen Paragraphen daraus beantwortet werden zu können scheint. Denn es sind staatsrechtliche und religiöse Einwirkungen von außen her allein unzureichend, einen befriedigenden Einklang hervorzubringen, wenn nicht auch die Natur des Instruments gekannt und die Art es zu behandeln erlernt ist. Die heutigen Juden theoretisch oder auch juristisch, theologisch, ökonomisch kennen heißt sie einseitig kennen; in den Geist können nur gegebene Ideen einführen und die Kenntnisse der Sitten und des Willens. Jede rücksichtslose sogenannte Verbesserung rächt der schiefe Ausgang; übereilte Neuerungen geben dem Alten, und — was das mißliche ist — dem Veralteten einen höheren Werth. Um also das Alte brauchbare, das Veraltete schädliche, das Neue wünschenswertste zu kennen und zu sondern, müssen wir besonnen zu dem Studium des Volkes und seiner Geschichte schreiten, der politischen wie der moralischen. Und das eben erzeugt den größten Nachtheil, daß die Sache der Juden behandelt wird wie ihre Litteratur. Ueber beide ist man mit befangener Hitze hergefallen, und hat sie entweder zu niedrig oder zu hoch taxirt. Aus: „Etwas über die rabbinische Litteratur.“ 1818. Aufbau und Ausbau der jüdischen Schule Die Schulabteilung der Reichsvertretung gibt bekannt: Gemäß dem Erlaß des Neichserziehungsministeriums vom September vorigen Jahres soll zum neuen Schuljahr die angekündigte gesetzliche Neuregelung des jüdischen Schulwesens in Deutschland eingeleitet werden. Die Schulabteilung der Reichsvertretung hat die mit der Neugestaltung des jüdischen Schulwerkes zusammenhängenden Fragen sorgfältig überprüft. Sie bereitet organisatorische und pädagogische Maßnahmen vor, um gegebenenfalls den jüdischen Schulen und jüdischen Gemeinden bzw. Gemeindeverbänden in jeder Weise mit Rat und Tat zur Seite stehen zu können. Wir zweifeln nicht daran, daß es möglich sein wird, auch einen weiteren Ausln, des jüdischen Schulwerkes organisch, in planmäßiger Ueberleitung, durchzuführen. Wir richten an alle jüdischen Stellen die dringende Bitte, uns durch vertrauensvolle Zusammenarbeit zu unterstützen. Den Eltern versichern wir, daß in gemeinsamer Arbeit der berufenen Instanzen des deutschen Judentums alles geschehen wird, was von uns geschehen kann, um die unterrichtliche und erzieherische Betreuung ihrer Kinder zu gewährleisten. Wir begrüßen das Communiqus, das frühzeitig genug erscheint, um die Unorientiertheit in jüdischen Elternkreisen soweit zu beheben, daß die Sorgen der Eltern schulpflichtiger jüdischer Kinder im wesentlichen beseitigt werden. Wir können aus genauerem Einblick in die dem Cvmmuniqus zugrundeliegenden Vorgänge die positive Note, die die Verlautbarung zeigt, auch unsererseits unterstreichen. Sicherlich wird von Eltern, Kindern und Lehrern mehr guter Wille und Einfühlung verlangt werden, als es bisher in der Regel der Fall zu sein brauchte. Aber es müßte sich nicht gerade um das wichtigste, uns zur Betreuung anvertraute Gut, die geistige und charakterliche Erziehung der kommenden Gene- Konzerte und Vorträge in Berlin und im Reich Es ist nicht leicht, zu der Kunst W o l f g a n g Fraenkels Zugang zu gewinnen. Die freie, expressive Linienführung seiner Stücke erkennt den Dreiklang, die Tonalität nicht als melodiebildende Kraft, die Oktave nicht als Schranke im Tonraum an. Bezeichnend ist ferner, daß Fraenkels Musik kaum ostinate Bildungen, gehämmerte Rhythmen, das Motorische, das vielen modernen Musiken eignet, kennt; primär und bestimmend ist vielmehr der lineare Fluß der Stimmen, der die Art des Zusammenklangs formt und dem sich der Rhythmus anschmiegt. Daß Fraenkel nicht bei dem Spiel „absoluter" Tonformen allein verharrt, sondern zu Ausdruckswerten strebt (ohne freilich Texte und Ideen programmatisch und detaillierend „auszudeuten"), zeigten die Schlüsse des zweiten und dritten Liedes, manches im langsamen Satz der sonst etwas zerfließenden Violinsonate. Im ganzen steht Fraenkels Werk in der Nähe der Schönbergschule, und darin ist eine Gefahr zu sehen, weil man an eine weitere Entwicklung über den geschaffenen Stil hinaus kaum glauben kann. Bewunderung wird die Kompromißlosigkeit, die Fraenkels Stücke zeigen, abnötigen. Musikalität und ein stark entwickeltes Tonbewußtsein konnten erst ihre Konzeption ermöglichen. Wenig überzeugend war eine Bearbeitung von Bachs 6. Orgelsonate, weil hier der zu dick wirkende Continuo-Zusatz die reine Dreistimmigkeit nicht recht erkennen ließ. Zumindest hätten die beiden Oberstimmen von zwei gleichen oder noch besser, von klanglich stark kontrastierenden Instrumenten gebracht werden müssen. Besonderes Lob jedem einzelnen der Mitwirkenden, die zwar interessante, aber auch schwere und wenig dankbare Aufgaben übernommen hatten: Pmlla Lindberg, dem Geiger Wilhelm Grass, der Cellistin Annie Rößler und den Pianisten Gustav Sabel und Stefan A n t a l. lb. A. Der Berliner Verband des Jüdischen Frauenbundes hat sich eine neue Fachgruppe für seine Musik er innen geschaffen. Daß die Arbeitsgemeinschaft aus beachtlichem Niveau stehen und sicherlich produktive Anregungen geben wird, zeigte der einleitende Abend mit einem Referat von Antonie Lilienfeld- Le w enz, die zu skizzieren versuchte, wie sich die ration, handeln, wenn nicht diese Beanspruchung ernsthaft und gern erfüllt würde. Direktoren-Konferenz Auf Einladung der Reichsvertretung traten am 2. März 1936 die Leiter der höheren jüdischen Schulen Deutschlands unter Vorsitz des Leiters der Schulabteilung der Reichsvertretung zu einer Aussprache zusammen. Die Fragen des höheren jüdischen Schulwesens, sowohl die zurzeit akuten, als diejenigen, die in nächster Zeit Aktualität haben können, fanden eingehende Erörterung. Hierbei wurden alle pädagogischen und vrganisatorischen Aufgaben behandelt, vor die die höheren jüdischen Schulen angesichts der wachsenden Bedeutung des jüdischen Schulwesens gestellt sind. Es ergab sich weitgehende Uebereinstimmung in Ziel und Weg. Auch in Zukunft werden die Reichsvertretung und die Leiter der höheren jüdischen Schulen eng zusammen arbeiten. Abschlußprüfungen an der Talmud-Tora-Schule Hamburg. Am 3. März 1936 fanden unter dem Vorsitz des Kommissars der Landesunterrichtsbehörde die Beratungen über die Abschlußprüfungen an der Talmud-Tora-Oberrealschnle Hamburg statt. Sämtliche 27 Schüler beider Prüfungsklassen (Oberprima und Untersekunda) bestanden die Prüfung. In allen Fällen konnte von einer mündlichen Einzelprüfung abgesehen werden. Das Zeugnis der Hochschulreife (Abiturium) erhielten die fünf Schüler der Oberprima, die Reife für die Obersekunda einer Oberrealschule wurde den 22 Schülern der Untersekunda zuerkannt. In der Zeit vom 15. bis 22. März 1936 findet im Repräsentantensitzungssaal der Gemeinde Oranienburger Straße 29 eine Ausstellung von Zeichen- und W e r k a r b e i t e n der S ch u - len und der Vor lehre der Gemeinde statt. Die Ausstellung ist täglich außer Sonnabend, von 10 bis 14 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. * Auch in diesem Jahr findet in den Räumen der Privaten Modenzeichenschule Feige- Straßburger, Berlin, Kvchstraße 3, eine Schülerausstellung statt, die die Zeichnungen und praktischen Arbeiten aus allen Klassen zeigt. (Modische Entwürfe und Reklamezeichnungen, Akt-, Kopf-, Kostümstudien, Erzeugnisse der Werkstätten für Schneiderei und Handarbeiten.) Die Ausstellung wird Sonntag, 15. März, eröffnet. Besichtigung von 11 bis 13 und 17 bis 19 Uhr in den Räumen der Schule Feige-Straßburger, Kochstraße 3. Vor der Berufswahl Die Zeitschrift „Iüdische Wohlfahrtspflege und Sozialpolitik" behandelt in ihrem letzten Heft in erster Reihe aktuelle Fragen der Berufsberatung, die auch mit Rücksicht auf die Schulentlassung zu Ostern im Vordergrund stehen müssen. Dr. Rudolf Stahl, Frankfurt a. M., prüft Erfahrungen und zieht gewisse Schlüsse aus etwa 130 Aufsätzen, die Frankfurter jüdische Schüler und Schülerinnen im Herbst 1935 über das Thema „Was will ich werden?" niedergeschrieben haben. Dabei handelt es sich um Besucher von Grundwie von höheren Schulen, in jedem Falle um solche, die demnächst zur Schulentlassung kommen. Eine Erscheinung durchzieht die Arbeiten: die Erkenntnis der Notwendigkeit der beruflichen Andersstellung, ausgehend von dem bisherigen ungesunden Berufsaufbau der Juden in Deutschland. Die Schulaufsätze dürsten für die jüdische Berufsberatung musikalischen Stilarten in ihrem Aufbau historisch gliedern ließen. Das Referat sollte einen Rahmen für den Beginn einzelner eingehender Betrachtungen geben, an deren Anfang nach Wahl der Teilnehmerinnen das Barock gestellt wird. Helga Herz war der Vortragenden eine sehr gefällig singende Helferin. Kai. Chemja W i n a w e r und seine Sänger haben in Beuchen, Gleiwitz und Oppeln viel Anklaug gefunden; der Kulturbund vermittelte seinen Mitgliedern ein starkes, nachhaltiges Erlebnis von erstklassigem, künstlerischem Niveau, seelennahe durch die jüdischen Inhalte und Stimmungen, erzieherisch bemerkenswert durch die vorbildliche Ensembleleistung. Besonders ergriff „Das jüdische Lied", in dem das alte Judenschicksal packend gestaltet ist, und der spaniolische Gesang „Wenn Moschiach wird kommen". Als Solisten von Format zeigten sich die Herren B e st i m m t, Berkowitz, Walden und Rohr stock. H. B. Im Nahmen des Jüdischen Kulturbundes Beuthen (O.-S.) fand ein Synag'ogenkonzert statt, bestritten von der M u s i k v e r e i u i g u n g Beuthen unter Leitung von Heinrich Rosen - thal. In synagogalen Gesängen von Lewandowski, Sulzer, Bachmann u. a. zeigte der Chor, daß er bereits größeren Aufgaben gewachsen ist. Besonders der Psalm 24 von Lewandvwski wurde von den Sängern mit der notwendigen dynamischen Abschattierung gebracht. Als Solist und im Wechselgesang mit dem Chor gefiel außerordentlich Oberkantor Karl N e u m a n n, Berlin, der mit ausgeseilter Technik seinen Tenor bis zu glanzvoller Höhe entfalten konnte. Auch Oberkantor T a r s ch i s (Beuthen) und Frau Eisenhart-Kreutzberger waren bewährte Helfer am wohlgelungenen Werk. Ick. Mi—r. In einem Konzert in Pforzheim stellten sich die Violinistin Trude H ü t t e n b a ch , Mannheim, die Sopranistin Hede Schack, Stuttgart, und die Konstanzer Pianistin Else Haymann vor. Der Zweck dieser Veranstaltung, jungen aufstrebenden Künstlern einmal eine Auftrittsmöglichkeit zu geben, wurde voll erfüllt, wenn auch die einzelnen Darbietungen nicht durchweg auf gleicher Höhe standen. Das interessant Zusammengestellte Programm ließ erkennen, daß alle Beteiligten über viel Geschmack verfügen. Die Beglenung der Geigerin und der Sängerin hatte die Psorzheimer Suse Loeb übernommen, k. P. allgemein von praktischer Bedeutung sein. Nachdem schon im voraufgegangenen Heft der Zeitschrift Probleme der schulentlassenen Jugend von Dr. Georg L u b i n s k i („Das neunte Schuljahr") und Dr. Grete K i tz i n g e r („Jngendalijah") veröffentlicht worden waren, macht Hanna K a r - in inski nunmehr einige Spezialbemerkungen über „Die M ä d ch e n nach der Schulentlassung". In demselben Heft beschäftigt sich Dr. Ludwig B a tz n e r mit den Richtlinien für die Darlehnsbewilligung. Dr. Kurt Freudenthal gibt einen nützlichen Abriß vom Recht der Legitimationskarte, des Wandergewerbescheins und des Stadthausiererscheins unter besonderer Berücksichtigung der Bestimmungen für Ausländer. Die jüdische Mittelgemeinde, ihre Rolle in der Vergangenheit, ihre Stellung und Bedeutung in unserer Zeit charakterisiert in kurzen Strichen Justizrat Dr. Eugen Strauß, Augsburg. Die reichhaltige Umschau enthält u. a. einen Abschnitt Bevölkerungsbewegung, in dem besonders ans die großen Artikel der C. - V. - Z e i - t u n g hingewiesen wird, die sich mit der Auswertung der Ergebnisse der Berufszählung vom Jahre 1933 befaßt. Die Angaben und neuen Ergebnisse, die die beachtliche Aufsatzreihe der E.-V.-Zeitung „Die Zerstreuung der Juden über die Erde" erbracht hat, werden mehrfach zitiert. Berufsberatung und Lehrstellenvermittlung in Berlin. Beratungsstelle: Berlin C. 2, Rosenstraße 2—4, Sprechstunden: Montag, Dienstag, Donnerstag, Freitag, 9K> bis 12% Uhr, außerdem für Schüler: Dienstag, 15 bis 17 Uhr. Weitere Sprechstunden für Mädchen: Donnerstag, 16 bis 19 Uhr, Berlin-Charlottenburg 2, Bleibtreustraße 2, für Knaben in derselben Zeit Berlin-Wilmersdvrs, Holsteinische Straße 57. Lehrhaus Berlin. S e m e st e r - S ch l u ß f e i e r, 19. März, 20.15 Uhr, Aula, Joachimsthaler Straße 13, Es wirken mit: der Jnstrumentatkreis unter Leitung von Herrmann Schildberger und Gertrud Wertheim (Musik des 17. und 18. Jahrhunderts, chvrisch und kammermusikalisch besetzt), der Singkreis unter Leitung von Erwin I o s p e (mittelalterliche Chöre mit biblischem Text und palästinensische Volkslieder) und die Arbeitsgemeinschaftsleiter Fritz Eisenberg (Dichtungen von Wolsskehl) und Hanns John Ja c o b s o h n (Pessach Nigunim). Sprachkurse werden auch im März weitergcführt. Auskünfte in den Sprechstunden des Sekretariats (10 bis 13, 16 bis 18 Uhr). A u s w a n d e r e r k u r s e (gemeinsam mit dem Hilfsverein der Juden in Deutschland). Nächster Vortrag über Landeskunde (Venezuela) am 12. März, 20.15 Uhr, Marburger Straße 5, III, Referent: Dr. Schindler. Rambam-Lehrhaus. Sekretariat: W 50, Passauer Straße 2 (Glogauer), Telephon: Bavaria 8 4 5285. Sonderveranstaltung in Gemeinschaft mit der Gruppe P e st a l o z z i st r a ß e des Synagogenverbandes Berlin, 21. März, 20.15 Uhr, in der Synagoge Pestalozzistraßc. Rabbiner Dr. Harry L e v y : S. N. Hirsch und Franz Rosenzweig. Vortragsreihe: Wochentags Synagoge Münchener Straße 37. Rabbiner Dr. Harry L e v y : Hagada des Pessachfestes. Drei Abende: 16. März, 20.15 Uhr (Doppelstunden); 23. März, 20.15 Uhr (Doppelstunden); 30. März, 20.l5 Uhr (Doppelstunden). Vortragsreihe: Wochentags Synagoge Nykestraße 53. Rabbiner Dr. L. Berkovits: Die Hagada. Drei Abende: 19. März, 20.30 Uhr (Doppelstunden); 26. März, 20-30 Uhr (Doppelstunden); 2. April, 20.0 Uhr (Doppelstunden). Voranmeldung im Sekretariat erwünscht. Jeschuah, Verein für religiöse Hilfe, E. V. Am -17. März, 20 Uhr, findet im Sitzungssaal der Synagoge Pestalozzistraße die diesjährige ordentliche Generalversammlung statt. Im Anschluß hieran hält Rabbiner Dr. N u ß b a u m einen Vortrag über: „Totenkult im Judentum." Musikalische Umrahmung: Oberkantor K a tz - C o h e n. Zu den Vorträgen sind Gäste willkommen. Theater, Musik, Film Das Burgtheater in Wien bereitet Paillerons bekanntes Lustspiel „Die Welt, in der man sich langweilt" in einer Neubearbeitung von Egvn Friedell vor. * Leopold Sachse, der frühere langjährige Direktor des Hamburger Stadttheaters, wurde als Opernspielleiter für die Metropolitan-Oper m N e w - ch o r k verpflichtet. v In den Jüdischen Künstlerspielen in Wien wurde ein musikalisches Lustspiel „Jankale" von I. K a l i ch mit Erfolg herausgebracht. * Für die Bühne des Duke ok York Thealre, London, in dem demnächst das Ballett „D a v i d" aufgesührt wird, entwarf Professor E p st e i n einen Vorhang, der Szenen aus dem Leben Davids zeigt. » In Glasgow fand für Großbritannien die Uraufführung des berühmten Theaterstücks von Henry B e r n st e i n, „Esxoir", statt. Das im allgemeinen sehr zurückhaltende schottische Publikum bereitete dem anwesenden Dichter so begeisterte Ovationen, daß er vor den Vorhang treten und auf Englisch eine kurze Ansprache halten mußte. Wenige Tage später fand die ebenso begeistert aufgenommene Premiere des Srückes in London statt. •k Im Theätre Gymnase inPar is konnte Henry B e r n st e i n s neue Komödie „Das Herz" das Jubiläum der 1 0 0. A u f s ü h r u n g feiern. * Für die Errichtung einer würdigen Grabstätte Jakob Was s e r m a n n s hat sich in Wien unter dem Vorsitz von Dr. Ravul Auernheimer ein Ausschuß gebildet, dem u. a. Thomas Mann, Bruno Walter, Leopöld Freiherr von Andrian, Graf Paul Thun, Dr. Alexander Gras Zedtwitz, Oskar Karlweis angehören. * In Wien wurde eine Gedächtnisausstellung für Oskar Strnad eröffnet. * Elisabeth Bergner mußte sich einer Blinddarmoperation unterziehen. Die Operation verlief günstig. Die mit größter Spannung erwartete Premiere ihres neuesten Bühnenstückes „The boy David“ wurde aus unbestimmte Zeit verschoben. Was machen Apotheker in USA? Aus Neiv-chork wird uns von einem jungen Pharmazeuten geschrieben. . Jeder, der tn Deutschland Apotheker oder stuck, pharm, gewesen ist, muß wissen, daß er in USA gänzlich andere Bedingungen_ für _ das Apothekenwesen vorsindet. Nicht nur die Niederlassungssreiheit oder die landläufige Kombination: „ckrug-store" — Restaurant — Warenhaus (bon warmen und eiskalten Getränken aller Art über „Sandwiches" (belegte Brote» über Weckeruhren 'bis zu Leihbibliotheken) wird ihm eigenartig erscheinen. Blickt man hinter diese Fassaden etwas genauer in die eigentliche Rezeptur, so erkennt man wenig von der „internationalen" Pharmazie wieder. Da ist noch das altertümliche Gewichts¬ und Maßsystem mit Unzen, Drachmen, Skrupeln und so weiter neben dem Gramm-Kubikzentimeter- Shstem im Gebrauch und verursacht nicht wenig Kopfschmerzen. Aber das läßt sich alles in verhältnismäßig kurzer Zeit erlernen, und sind für den einzelnen somit die Voraussetzungen dafür vorhanden, so ist es sicher richtiger, hier seinen alten Beruf fortzusühren, als als ungelernter Arbeiter irgendwelche Tätigkeit in irgendeinem Fach zu beginnen. Die unumgänglichen Voraussetzungen sind in der Hauptsache in der Frage enthalten: Werde ich finanziell die notwendige Ausbildungszeit durchhalten können? Allgemeingültige Zahlen für die Kosten der Ausbildung lassen sich nicht zusammenstellen. Alles hängt von der Vorbildung in Deutschland ab. Wer in Deutschland das pharmazeutische Studium nvch nicht beendet hat, wird hier einen Kursus in einem College ok Phartnacy belegen müssen, der alle Fächer enthält, die nvch für das Endexamen fehlen. Fast in allen Colleges des Landes sind 4 Jahre Studium erforderlich, doch haben einzelne zum letzten Male für Herbst 1936 den 3-Jahr-Kursus angekündigt. Das „State Education Departement“ entscheidet in jedem Fall, wieviel Semester des Studiums in Deutschland auf das Studium in USA angerechnet werden. In einem mir bekannten Fall wurden für zwei S e m e st e r in Deutschland zwei Jahre gutgeschrieben. Andere Voraussetzungen für das Staatsexamen finb eine Prüfung in der englischen Sprache und die Beantragung der sog. „Ersten Bürgerpapiere"< Der Abschluß des Studiums besteht in zwei Prüfungen, der Abgangsprüfung am College (in allen belegten Fächern) und in dem „State Board Examination", einem theoretischen und praktischen Examen auf allen Gebieten der Pharmazie. Zu diesem Examen kann man aber nur zugelassen werden, falls man wenigstens 4 Jahre praktische Pharmazietätigkeit, davon wenigstens 1 Jahr in den USA Nachweisen kann. (Apotheker, die in Deutschland bereits das Staatsexamen gemacht haben, brauchen im allgemeinen nicht mehr regelrecht zu studieren, sondern nur das „State Board Examien" zu bestehen, um „licensed" zu werden (natürlich auch nur mit der erforderlichen praktischen Tätigkeit). Mit der „license" ist man dann zu allen Arbeiten in einer Pharmaey berechtigt. —o Die Lage des Pharmaziewesens und der Angestellten im besonderen hängt von ungefähr den gleichen Faktoren ab wie die ganze Wirtschaftslage. Auch hier ist ein gewisser Prozentsatz Ar-! beitsloser als Nachwirkungen der Depression.' Doch bestehen Möglichkeiten, nach dem Studium in einem verwandten Fach tätig zu sein: etwa in Chemisch-Pharmazeutischen Fabriken, im Großhandel, in chemischen oder analytischen Labora-? torien und so weiter Joachim Anschel. B——————WO—M—1 Die aus Breslau stammende Altistin Herta G l ü ck m a n n erzielte bei ihrem ersten N e w - chorker Liederabend in der glänzend besuchten Town-Hall einen außerordentlichen Erfolg bei Publikum und Presse. Sie wurde zu weiteren Konzerten, darunter für ein Radiokonzert mit Orchester, verpflichtet. * Darius M i l h a u d schxieb die Musik zu dem neuen Theaterstück von Jules Supervielle „Bolivar", das in der Pariser Comedie Franfaise uraufgesührt wurde. Stefan F r e n k e l wurde eingeladen, bei dem kommenden Internationalen Musikfest in Barcelona im April 1936 mitzuwirken. Er wird dort das ihm gewidmete Violinkonzert von Marcel Mihalowici spielen. # Valeska Gert gab einen Tanzabend in P r a g. # Das Pro-Arte-Quartett stellte London Schönbergs zweites Streichquartett erneut zur Diskussion. * Der Geiger Nathan Milstein wird in drei Konzerten in N e w - ch o r k im März mit dem Philharmonischen Symphonie-Orchester unter Leitung Toscaninis Mendelssohns Violinkonzert spielen. In der „L o h e n g r i n" - Aufführung der Metropolitan-Opera N e w - ch o r k sang Emanuel L i st den König Heinrich und Friedrich S ch o r r den Telramund. Schorr vertrat im „Tannhüuser" die Partie des Wolfram. * Polka und Fuge aus Weinbergers Oper „Schwanda, der Dudelsackpfeifer" wurden in Chicago als Schlußnummer eines Sinfoniekonzerts mit großem Beifall aufgeführt. * In der Metropolitan-Opera New-chork wurde Halevys Oper „Die Jüdin" nach fünfjähriger Pause wieder gegeben. Es wirkten Künstler wie Elisabeth Nethbe'rg und Enzio Pinza mit. * Alexander Kipnis, der seit einiger Zeit dem Verband der Wiener Staatsoper angehört, gab in Wien sein erstes Konzert. Die „Reue Freie Presse" vom 7. März schreibt darüber u. a.: „Wie in der Oper, so hat Kipuis nun auch im Konzert-