Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936) - farbig
- Issue
- 11 (12.3.1936)
- Date
- 1936-03-12
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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lernroi- 12. März 1936 Nr. 11 * 2. Beiblatt Der Schöpfer der „Wissenscliaft des Judentums Zum 50. Todestag von Leopold Zunz am 17. März Noch lebende Augenzeugen berichten von dem geringen Trauergesolge, das den Leichenzug von Leopold Zunz nach dem Friedhof in der Schönhauser Allee geleitete. Sein Leben hatte weit über die Grenze des dem Menschen gewährten Alters gereicht, Freunde und Mitstrebende waren naturgemäß ihm im Tode vorangegangen. Seit dem Heimgang seiner Frau (1874) war er überdies ein gebrochener Mann, der sich von den Menschen zurückzog. Wenige Berliner Juden wußten etwas von diesem großen Gelehrten, der, mit nur kurzer Unterbrechung, mehr als 70 Jahre in ihrer Mitte gelebt hatte. Sie liebten und lasen zwar Heinrich Heine, ahnten aber nichts von seiner Verehrung für den vortrefflichen Zunz, „der in einer schwankenden Uebergangsperiode immer die unerschütterlichste Unwandelbarkeit offenbarte, trotz seinem Scharfsinn, seiner Skepsis, seiner Gelehrsamkeit dennoch treu blieb dem selbstgegebenen Worte, der großmütigen Grille seiner Seele. Mann der Rede und der Tat, hat er geschaffen und gewirkt, wo andere träumten und mutlos hinsanken." Heinrich Heine hatte ihn im „Verein für Kultur und Wissenschaft der Juden" kennen gelernt, den Zunz 1819 mit einigen Freunden begründet hatte. Der Verein hat viel versprochen, wenig geleistet, rühmlos geendet und ist dennoch ein Markstein in der Entwicklung des neuzeitlichen Judentums geworden. In diesem Verein ist in einer Zeit der Haltlosigkeit und Zersetzung, das Wort „H i st o r i s ch e s Judentum" geprägt worden. Das alte Judentum kannte diesen Begriff nicht, hatte ihn auch nicht nötig; es war ja selbst eine Ausprägung dieses historisch gewordenen Judentums, wenn es auch das nicht zum Bewußtsein bringen konnte. Die Jünger Mendelssohns aber hatten das Judentum nach dem Muster der Aufklärung nivelliert, ihm alles Eigenständige, Wurzelhaste genommen. Hier aber erkannten junge, an der Romantik gebildete Menschen, daß das Judentum sein eigenes Leben, seine eigene Kultur besaß, daß es wertvoll war, diese zu erforschen und zum tragenden Pfeiler einer neuen Existenz zu machen. Der Verein proklamierte die „Wissenschaft des Judentums", das heißt die Erforschung des Judentums nach den Methoden der Wissenschaft, das systematische und kritische Studium des gesamten Judentums — seines Seins, seiner Lehre, seiner Literatur. Aber nicht in einer ghettomäßrgen Isolierung, sondern in seinem Zusammenhang mit der Kultur der Welt, als eines der Ströme, die in das Weltmeer der gesamten Geisteskultur einmünden. Wie alle seine Zeitgenossen war Zunz überzeugt von der Mächtigkeit seines Geistes, Menschen und Zustände umzugestalten. Wissenschaft war für ihn nicht Stubengelehrsamkeit, nicht Schulweisheit, die mehr oder weniger gedruckte Bücher zutage förderte, sondern gleich einer platonischen Idee schöpferische Kraft. Energie, die sich in Taten umsetzt, vitaler Elan, der Charakter und Schicksale formt. Als der Verein kläglich zusammenbrach und Zunz wie in einer Sintflut alles für ihn Wertvolle versinken sah, klammerte er sich an die „Wissenschaft des Judentums" als den Rettungsanker. „Was mich allein", so schreibt er, „in diesem Mabbul aufrecht erhält, das ist die Wissenschaft des Judentums. Sie lebt, auch wenn Jahrhunderte lang sich kein Finger für sie regte." Also nicht aus die Lehre oder die Veröffentlichungen dieser Wissenschaft legte er den Nachdruck, sondern aus den Geist, auf die Lebenskraft in ihr, auf ihre Fähigkeit, das jüdische Leben, die jüdische kulturelle Haltung zu gestalten. Als Zunz 40 Jahre später nach der Bedeutung des Vereins gefragt wurde, antwortete er nicht mit der langen stolzen Liste der Autoren und Bücher, auf die er damals schon hätte verweisen können, sondern schrieb den bezeichnenden Satz: „Fast alle Fortschritte der Juden auf wissenschaftlichem, politischem, bürgerlichem Gebiete, sowie die Leistungen reformatorischer Richtung in Schule und Synagoge haben in der Tätigkeit jenes Vereins und einzelner seiner Mitglieder ihre Wurzeln" Das ist das Selbstbewußtsein eines Mannes, der etwas gewollt und geleistet hat. Was damals angestrebt wurde, ist für uns nicht etwa nur historische Erinnerung, sondern lebendige Wirklichkeit. Uns ist ja die Ausgabe zugewiesen, uns eine eigene jüdische Kultur auszubauen, und die Erinnerung an die Bestrebungen von vor hundert Jahren und ihren Fehlschlag haben höchst aktuellen Wert. Damals war das Judentum, wenn auch vielfach in überlebter und versteinerter Form, überall zu finden, der Kamps ging um seine Verträglichkeit mit der Wissenschaft; heute ist die Anerkennung der Wissenschaft unter uns nicht mehr umstritten, aber das Judentum ist uns entschwunden. Um so eindringlicher sollte daher die Stimme eines Zunz zu uns sprechen! Neben diesem wuchtigen, revolutionären Grundgedanken verschwinden alle Einzelleistungen, auch wenn sie, für sich betrachtet, noch so bedeutsam sind. Zunz war der erste, der den ganzen Reichtum und die bunte Mannigfaltigkeit der geistigen jüdischen Ueberlieferung gezeigt und die Gesichtspunkte für ihre Behandlung 'darlegt, der Begriffe wie „Jüdische Geschichte", „Jüdische Literatur" — uns heute so geläufig — Umrissen und in ihr Recht eingesetzt hat. Sein erstes großes Buch „Die gottesdienstlichen Vorträge der Juden", erregte berechtigtes Aussehen, 2200 Jahre jüdischer Entwicklung erstanden vor dem Leser zu neuem Leben; seit dem Tage Spinozas, so urteilte der Kirchenhistoriker Gsrörer, war kein bedeutenderes Werk von einem Juden ausgegangen. Es war die Zeit, in der die systematische Erforschung der jüdischen Vergangenheit in den Anfängen steckte, in der eifrig Quellen gesucht, Handschriften und alte Drucke wieder entdeckt wurden. Zunz stand unter den Forschern in erster Reihe, man glaubt es kaum, welch' überwältigende Fülle von Autoren er gelesen und durchgearbeitet hat; unermüdlich war er dabei, neues Material zu suchen und zu' sichten. Daher konnte er, wenn es nötig war, einen so reichen Stoff wie seine „Namen der Juden" boten, in wenigen Wochen vorlegen. Daher konnte er in dem weiteren "Werke „Zur Geschichte und Literatur" eine Reihe von höchst gelehrten Abhandlungen vereinen, deren jede Neuland beackerte und die wertvollsten Anregrungen für weitere Arbeit bot. Daher konnte er in seinen Büchern zur synagoalen Poesie den Stofs in einer Gründlichkeit behandeln, die uns heute noch in Erstaunen setzt. Sein ihm ebenbürtiger Verehrer, Moritz Steinschneider, schrieb einmal scherzhaft, Zunz habe die Geschichte einer Literatur geschrieben, die gar nicht existierte; er meinte damit, daß diese Literatur zum jüdischen Gottesdienst nicht in Drucken bekannt, sondern vorzugsweise in Handschriften vergraben war und daß Zunz hunderte von Manuskripten aus vielen entlegenen Bibliotheken hatte durchforschen müssen, um zu diesem Stoff zu gelangen. Seine Bücher find ungemein gelehrt und wenden sich an den Fachmann, aber in ihren allgemeinen Kapiteln bieten sie eine höchst anziehende Lektüre. Zunz war, wenn er wollte, ein Meister des Stils, der es verstand, das einzelne mit dem Allgemeinen zu verbinden, seine Gedanken in gedrängter Kürze und in gehobener Sprache darzubieten. Heine hatte es ausgesprochen, mit welcher Spannung er in jungen Jahren den Druck der besonders anregenden Zunzschen Predigten erwartete. Wenig bekannt ist es, daß Zunz als Schwanengesang „Deutsche Briefe" herausgab, in denen der nahezu Achtzigjährige mit viel Witz und Spott seinen Unmut über die Sünden gegen den deutschen Sprachgebrauch und das Ueberhandnehmen der Fremdworte zum Ausdruck brachte. Bei allen Erfolgen herrschte über Zunz' Schriststellcrei ein tragisches Mißgeschick. Sein Lebenswerk, eine Geschichte der Juden, hat er nie geschrieben; so oft er sie geplant, ein anderer ist ihm zuvorgekommen. Wie Theodor Mommsen vor der Darstellung der Geschichte der römischem Kaiserzeit zurückschreckte, so empfand Zung bei der Fülle des Stoffes stets Hemmungen, seine Geschichte der Juden zusammenzusassen und abzuschließen. Zunz war kein Bücherwurm, sondern ein Mann der Tat — ein Erzieher von Jugend an, in dem, wie in jedem geborenen Erzieher, ein Stück Weltverbesserer steckte. Er hatte lebhaftes Interesse für Politik, war ein Kämpfer für Freiheit / Von I. El bogen und Recht, für Aufklärung und freies Wort. Er begann radikal, wie die gesamte Jugend nach den Befreiungskrregen, aber mit zunehmenden Jahren mäßigte er seine Forderungen, und wenn er auch ein echter Demokrat blieb, so wurde er doch ein Jnvidualist und hatte Verständnis für den Staat und seine Ansprüche. Auch in religiösen Fragen begann er Kuratorium und Beirat der Zunz-Stiftung erlassen folgenden Aufruf: Am 17. März kehrt zum fünfzigsten Male der Tag wieder, an dem Leopold Zunz in die Ewigkeit eingegangen ist. Zu tiefster Dankbarkeit hat er Mit- und Nachwelt durch seine bahnbrechenden gelehrten Werke verpflichtet. Unvergänglich aber ist seine Schöpfung, die er als „Wissenschaft des Judentums“ bezeichnet hat. Mit dieser Anregung, das Judentum in seinen Seins- und Erscheinungsformen nach den Methoden der ^Wissenschaft zu erforschen und darzustellen, hat er das gesamte geistige Leben des Judentums neu begründet und zu fruchtbarer Entfaltung gebracht. Die Zunz-Stiftung, die vor siebzig Jahren zu Ehren des Altmeisters errichtet wurde und die Förderung der wissenschaftlichen Forschung in seinem Sinne zur Aufgabe hat, erneuert das Gelöbnis, den Namen und das Werk von Leopold Zunz weiter in Ehren zu halten und nach dem Geiste ihrer Satzungen im Rahmen ihrer Möglichkeiten zur Ausbreitung der Wissenschaft des Judentums beizutragen. Mittwoch, Wassermann, Elbogen mit scharfem Radikalismus. Im Hinblick aus die damals geplanten Resormversuche schrieb er als Vierundzwanzigjühriger: „Ehe der Talmud nicht gestürzt ist, ist nichts zu machen". Ob Heinrich Heine an dieses Wort dachte, wenn er später schrieb, daß Moses Mendelssohn den Talmud gestürzt habe wie Luther das Papsttum? Aber Mendelssohn hatte den Talmud nicht gestürzt und nicht stürzen wollen; Geschichte kann nur durch Geschichte, nicht durch einen willkürlichen Eingriff von Menschen beseitigt werden. Mit der fortschreitenden Vertiefung in die jüdischen Quellen und das jüdische Leben gewann Zunz tieferes Verständnis für das eigene, für das Urwüchsige, für das Wertvolle, für das Religiöse im Judentum. Die Bedeutung des Irrationalen im Leben des einzelnen und der Gesamtheit ging ihm immer deutlicher auf. Auch der Mangel an Ernst, an Selbstüberwindung aus Seiten der Reformer stieß ihn ab, er zog sich mehr und mehr aus sich selbst zurück, lebte seinen Forschungen und Idealen. Und gerade als die jüdische Resormbewegung ihren Höhepunkt erreichte, überraschte er ihre Führer "durch eine Reihe von Aeußerungen, die sie als Absage gegen alle Resormbestrebungen auslegen mußten. Von einem Freunde zur Rede gestellt, faßte er seine Anschauung wie folgt scharf zusammen (1845): „Die Norm für das Religiöse kann nur das Religiöse, das Gemeingültige und in lebender Ueberlieferung Hochgehaltene sein: aber dem höher gebildeten Geiste ist es gegeben, aus dieser Grundlage zu bauen. Uns müssen wir reformieren, nicht die Religion: bestehende Mißbräuche, nach außen wie im Innern, haben wir anzugreifen, nicht ein ererbtes Heiligtum. Das Geschrei gegen Talmud ist bereits die Stellung des Apostaten." So hatte sich Zunz infolge seiner Studien und seiner Lebenserfahrungen im Laufe eines Menschenalters gewandelt. Er hatte seine Grundanschauung nicht geändert, er blieb der Kämpfer für Freisinn und Fortschritt, wenn auch außerhalb jeder Partei. Was er suchte, war Bewegung, Aufrüttelung von Menschen, Auf- oder Umbau, nicht Zersetzung von Institutionen. Wir leben in einer Situation, die vielfach an die von Zunz erinnert; die Lage ist eine andere, aber die Ausgabe eine durchaus ähnliche. Auch wir sollen neues schaffen und durchsetzen und suchen nach einem Maßstab dafür. Wie würde ein Zunz über den Erfolg seiner Lebensarbeit urteilen? Der Gelehrte in ihm hatte würdige Nachfolge gesunden, wissenschaftliche Arbeit wird in seinem Sinne vielfältig geleistet. Aber dem Erzieher, dem Menschenbildner sind wir viel schuldig geblieben. Erst wenn ein sittlicher Totalitätsanspruch durchgesetzt ist, wird sein Name im wahren Sinne unsterblich sein! Aus Leopold d Ueber Franz Rosenzweigs Urgrossvater ' Ein Leben anschauen, das unter dem Geräusch der Welt in seiner Abgeschiedenheit dahinslreßt, still erfrischend und befruchtend, gewährt dem Gemüthe einen Genuß, ähnlich dem der Betrachtung der Natur in ihrer lautlosen, nie unterbrochenen Tätigkeit. In beiden beschäftigt uns das Wunder der - Kräfte und das Ebenmaß des Erzeugnisses: hier jedoch nur die Arbeit einer unbewußten, stets gleichen Hand, während wir dort vor der Werkstatt des Geistes stehen, und den aus ihr emporsteigenden Leibesdust einathmen. Wer nun auf seiner Wanderung an einer Quelle sich gelabt, ausgeruhet hat unter dem Schatten eines Baumes, an seinen Früchten sich erquickend; wem beim Antritt der Lebensreise ein Edler die segnenden Hände aufs Haupt gelegt, ihm dann stets zur Seite gestanden hat, bald mit weiser Ermahnung, bald mit dem Rathe der Erfahrung, immer mit redlichem Sinne und uneigennütziger Liebe: der äst nicht mehr der neugierige Naturbetrachter, der Seelen belauschende Psychologe; — es ist der Dankbare, der von Wohlthaten, die er unverdient empfangen, gebeugt, sich wieder aufrichtet an dem Anblick des sittlich Schönen, und in dessen Schilderung einen Theil seines Dankes niederlegt. Ein solches Leben war das des Inspektors der Sam- Linz’ Schriften sonschen Freischule zu Wolscnbüttel, des Herrn Samuel Meyer Ehrenberg. 1854. Aus: ,,Samuel Meyer Ehrenberg, ein Denkmal für Angehörige und Freunde.“ Das erwachte Europa Mitten in der Erstarrung aller Formen des geistigen und des bürgerlichen Lebens traf die Juden die fortschreitende Cultur und erweckte in ihnen verwandte Kräfte. Das Erbthum aller Wissenschaft lag unbearbeitet, das Beispiel jüdischer Autoren in Holland und Italien regte nur wenige an, und den göttlichen Funken in der eigenen Brust konnte der gebeugte Geist zu keiner Lebensflamme aushauchen. Aber als Europa und namentlich Deutschland den Staub der Barbarei, abschüttelte, rüstigen Geistes and milder menschlicher Gesinnung, da regten sich auch die schlummernden Kräfte in Israel, und die eigene, nie ganz erstorbene Cultur erhielt ein neues Leben durch die allgemeine. Die Wirkungen dieser Momente äußerten sich damals in einem jener Männer, den die Vorsehung in Epochen sendet, in denen Licht von Finsternis geschieden werden soll. Mendelssohn trank Begeisterung aus den Quellen des jüdischen Alterthums und empfing Weisheit aus den Händen trefflicher jüdischer Lehrer aus Polen und Deutschland; aber die europäische Cultur gab ihren größten Jünger ihm zum Freunde^ damit er zugleich seinen Glaübensbrüdern und der Welt vorleuchte, Juden und Christen miteinander versöhnend. Den Riesenschritten des erwachten Europa vermochte bald nichts zu widersteheu: die Formen des Mittelalters sielen zusammen, seine Liebe und seine Weisheit erloschen und neue Welten wurden binnen 70 Jahren in dem Reiche der Gesittung gegründet. Also auch bei den Juden. Die ehernen Mauern stürzten, den Verlassenen wurde die Hand gereicht, und frisches Leben kehrte in Israel ein. Gewerbe und Wissenschaften, Sprache und Cultur erhielte« neue Pflege; der jüdischdeutsche Dialect entfloh mit den polnischen Erziehern, die Winkelschulen hörten auf und von den Rabbinern ward die Schmach der Unwissenheit abgethan. Unterrichtete Lehrer und gute Schulen, zeitgemäße Thätigkeiten, tüchtige wissenschaftliche Leistungen gediehen: eine glänzende Reihe von jüdischen Autoren, an den Aufschwung der arabisch-spanischen Cultur erinnernd, ziert diese noch nicht geschlossene Epoche, und das reine Wort der göttlichen Lehr^ wird wieder in dev Synagoge gehört... Aber jene Bemühungen für Sprache und Wissen, für Erziehung und Schule trafen in dem Juden mehr das allgemein menschliche als das particular jüdische Element; letzteres ward berücksichtigt, geschont, fast dürste man sagen geduldet, während ersteres die Thätigkeit der aufklärenden, bildenden Zeit vornehmlich in Anspruch nahm. Diese Stufen des geistigen Fortschritts entsprachen völlig dem Standpunkte, bis zu welchem Europa hinsichtlich der bürgerlichen Anerkennung der Juden vorgerückt war. Aber in dem Gesetze war nicht die EmancjPation, in der Bildung noch nicht die Reform bewerkstelligt; beide reifen erst in unserem Jahrhundert heran, seitdem unter den Juden Frömmigkeit und Wissenschaft, und in Europa Oessentlichkeit und gesetzmäßige Freiheit zu wurzeln beginnen. Einer vollständigen Emancipation bedarf die vollständige Reform, welche nur in Institutionen sichtbar wird, die beides, Glauben und Wissenschaft, schützen und das Erbtheil der Väter unverdorben den Söhnen überliefern . . . Und so waren es denn drei Institutionen, deren Reform sich wechselseitig bedingte: das Rabbinerwesen, der Religions-Unterricht, der Gottesdienst. 1832. Aus: „Die gottesdienstlichen Vorträge der Juden“, Kap. 24 ,,Die Gegenwart.“ Von der Wissenschaft des Judentums Aber gerade weil ■ wir zu unserer Zeit die Juden um nur bei den deutschen stehenzubleiben — mit größerem Ernst zu der deutschen Sprache und der deutschen Bildung greifen und so — vielleicht oft ohne es zu wollen oder zu ahnen — die neuhebräische Literatur zu Grabe tragen sehen, tritt die Wissenschaft auf und verlangt Rechenschaft von der geschlossenen, ^etzt, wo kerne neue Erscheinung von Wichtigkeit so lercht unsere Uebersicht stören möchte, wo uns ern größerer Subsidienapparat zu Gebote steht als den Gelehrten des 16ten und 17ten Jahrhunderts wo größere Cultur eine lichtvollere Behandlung erwarten läßt, und die hebräischen Bücher noch nicht so schwer zu haben stnd als sie es vielleicht