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Central-Verein-Zeitung · 1936-02-27 · 9 (27.2.1936) · p. [Seite]

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
15 (1936) - farbig
Issue
9 (27.2.1936)
Date
1936-02-27
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Nr. 9 # 1. Beiblatt 27. Februar 1936 Jubiläen Louis Wolff Von Wilhelm Marcus, Vorsitzendem des Reichsverbandes des jüdischen Mittelstandes und des Zentral Verbandes jüdischer Handwerker Deutschlands Zu den Persönlichkeiten, die seit Jahrzehnten im jüdischen öffentlichen Leben stehen, gehört in allererster Reihe Louis Wolfs, der am 1. März seinen 60. Geburtstag begeht. Ungebrochen in der Kraft seiner Arbeit, leitet er seit 26 Jahren, den Berliner jüdischen Handwerker- Verein, eine Erscheinung, die im heutigen jüdischen Organisationsleben von großer Seltenheit ist. Es muß also feine Gründe haben, daß das Vertrauen der Vereinsmitglieder sich immer demselben Manne zuwendet. Der Grund für dieses Vertrauen liegt darin, daß Louis Wolfs selbst aus den von ihm geführten Kreisen hervorgegangen ist, und daß er es infolge feiner großen Fähigkeiten, seines Organisationstalentes und seiner begnadeten Rednergabe verstanden hat, nicht nur die Interessen der ihm anvertrauten Mitglieder, sondern weit darüber hinaus auch die Interessen des jüdischen Handwerkes und des gesamten jüdischen, Mittelstandes nachdrücklichst zu vertreten, zu fördern und die soziale Stellung seiner Berufskollegen so zu beeinflussen, daß sie heute gleichberechtigt in dem Kreis der jüdischen Menschen erscheinen können. Der Weg zu diesem Erfolg war mühsam und schwer. Wir haben im vergangenen Jahre anläßlich seines 25jährigen Jubiläums als Vorsitzender des Berliner Vereins in Veröffentlichungen und besonders in unserer Schrift „Handwerk im Judentum"' aufgezeigt, wie gekämpft werden mußte, um die Anerkennung zu erringen, die heute allgemein ist. Wir, die wir seit Jahrzehnten emeinsam mit Louis Wolff diesen Kamps geführt aben, sind glücklich, daß wir diesen Menschen besitzen und freuen uns, daß selbst 30 Jahre Kamps an vorderster Stelle seine Kraft und seinen Mut trotz aller Schwere der Zeit nicht gebeugt haben, und daß er dazu berufen ist, an den großen und zahlreichen Aufgaben mitzuarbeiten, die der jüdische Handwerkerstand im Judentum heute zu erfüllen hat. Wenn unserem Freund heute die Anerkennung der ganzen jüdischen Oeffentlichkeit zuteil wird, so können wir dabei nicht vergessen, daß dieser Weg zur Anerkennung erst viele Vorurteile überwinden mußte. Wir freuen uns darüber, daß sie überwunden worden sind, und wollen nur hoffen, daß diese Anerkennung nicht nur der Zeit entgegenkommt, sondern daß sie, durchdrungen von dem Wert der produktiven und manuellen Arbeit und ihrer Träger für alle Zukunft bleiben möge. Die Leistungen von Louis. Wolfs im Handwerkerverein und im Zusammenhang damit auch im Zentralverband jüdischer Handwerker Deutschlands find so oft gewürdigt worden, daß es sich erübrigt, sie hier im einzelnen besonders aufzuführen. Niemals hat er sich damit abgesunden, nur ein Vertreter bestimmter Interessen zu sein, er hat vielmehr, verbunden mit seinem Idealismus, an allen jüdischen ausbauenden Aufgaben seit Jahrzehnten mitgewirkt. Ob es sich um die Frage der Einrichtung von Darlehnskassen und Kreditvereinen zur Hilfe für den bedrängten Mittelstand handelte, ob es um die Mitarbeit für die Ausbildung von Jugendlichen als Berufsumfchichtung grng, immer war er zur Stelle, und Konrad Cohn sein Rat und nicht zuletzt seine tatkräftige Mitarbeit haben alle diese Einrichtungen gefördert. In der Gemeindepolitik hat er als Mitglied der Repräsentantenversammlung nicht nur vom Parteistandpunkt aus, sondern im Interesse der gesamten Gemeinde an allen Aufgaben mitgearbeitet, die für die wirtschaftliche Gestaltung von Bedeutung waren. Ebenso wertvolle Mitarbeit hat er in allen zentralen Organisationen, im Preußischen Landesverband und nicht zuletzt in der Reichsvertretung als 2. Vorsitzender des Handwerkerausschusses und als 2. Vorsitzender des Reichsverbandes des jüdischen Mittelstandes geleistet. Darüber hinaus ist er weltanschaulich stark mit dem C.-V., dessen Hauptvorstandsmitglied er ist, und auch mit der religiös liberalen Richtung verankert, und seine tiefe Religiosität kommt in seiner ganzen Tätigkeit zum Ausdruck. Wenn ich dieses Mal meine Geburtstagswünsche an dieser Stelle veröffentliche, so geschieht es aus der Erkenntnis, daß die Persönlichkett von Louis Wolff in seiner langjährigen Arbeit weit über den Rahmen seiner Organisation hinausgeht. Möge es ihm vergönnt sein, trotz des Anwachsens aller Aufgaben und Verpflichtungen, noch viele Jahre seine Arbeit zu verrichten. Konrad Cohn ' In diesen Tagen begeht der Berliner Zahnarzt Dr.. med. Konrad Cohn seinen 70. Geburtstag. Mit seinem Namen ist ein gut Teil der Entwicklung der Zahnheilkunde verknüpft. Rund 40 Jahre hat Konrad Cohn rastlos itnd unerurüdlich auf vielen Einzelgebieten des zahnärztlichen Berufes, in Vereinen und staatlichen Organisationen gewirkt. Im Besitz einer reichen' Erfahrung und Kenntnis in den wissenschaftlichen Grundlagen der Zahnheilkunde und ihren Grenzgebieten verfaßte er schon frühzeitig ein Lehrbuch, das in fünfAuflagen erschien und einer ganzen Reihe von Zahnärztegenerationen ein unentbehrlicher Ratgeber und ein Nachschlagewerk in allen wissenschaftlichen Grundfragen würde. In den Fachzeitschriften der letzten Dekoration zu Meyerbeert „Hugenotten“, V. Akt, Paris 1836 Meyerbeers „Hugenotten“ 100 Jahre alt „Erst durch dieses Werk gewann Meyerbeer sein unsterbliches Bürgerrecht in der ewigen Geisterstadt, im himmlischen Jerusalem der Kunst. In den Hugenotten offenbart sich endlich Meyerbeer ohne Scheu, mit unerschrockenen Linien zeichnete er hier seinen ganzen Gedanken, und alles, was seine Brust bewegte, wagte er auszusprechen in ungezügelten Tönen" — mit diesen Worten begrüßte Heinrich Heine die Uraufführung in Paris, deren Termin sich an diesem 29. Februar zum hundertsten Male jährt. Den Text schrieb der Giacomo Meyerbeer berühmteste Librettist der Zeit Eugöne Scribe. Die Entstehungsgeschichte von Meyerbeers bedeutendstem Werk enthüllt viel von seiner Schaffensart. Die jahrelange Arbeit mtrßte wegen schwerer Erkrankrmg seiner Frau, die eine Reise nach Italien und Deutschland nötig machte, unterbrochen werden. Der mit dem Direktor der Pariser Oper vereinbarte Termin der Fertigstellung war nicht einzuhalten. Es blieb nur die Wahl, ein unausgereistes Werk vorschnell zu beenden oder eine Konventionalstrafe von nicht weniger als dreißigtausend Francs zu zahlen. Bezeichnenderweise entschließt sich Meyerbeer zum zweiten. Denn dieser Komponist, der bei der Konzeption seiner Opern niemals den Effekt und das Publikum vergaß, hat schwer, lange, sorgsam, fast mühsam an seinen großen Werken gearbeitet und die peinliche, ängstliche Sorgfalt, die er an scheinbar unbedeutende Details anwandte, ist bekannt. Treffend sind wieder Heines Worte: „Dieses Werk ist ein gotischer Dom, dessen himmelstrebender Pfeilerbau und kolossale Kuppel von der kühnen Hand eines Riesen aufgepflanzt zu sein scheinen, während die unzähligen, zierlich feinen Festons, Rosetten und Arabesken ... von einer unermüdlichen Zwergsgeduld Zeugnis geben." Meyerbeer wollte das schließlich vollendete Werk natürlich nicht mehr der Großen Oper überlassen, sondern der Opera eomchns. Aber die Uraufführung wurde dann doch für das repräsentative Institut gerettet, weil die Direktion wechselte und der neue Leiter Duponche ein Freund des Meisters war, der übrigens ihm die Geldbuße nach dem großen Erfolg zurückzahlte. Einer der berühmtesten Tenöre der Zeit, Nourrit, sang den Raoul. Ihm ist die endgültige Fassung des musikalischen Höhepunkts des Duetts Valentine—Raoul im vierten Akt zu danken, da er bei den Proben aus Aenderung des ursprünglich matten Stückes drang. Einen Eindruck von der ganz ungewöhnlichen Pracht der Ausstattung geben folgende Ziffern: Es wurden 50t) Kostüme im Wert von 35 000 Francs angefertigt, das Malen der Dekorationen kostete mehr als 50 000 Francs. Zum Orchester wurden eine ganze Anzahl Musiker zusätzlich engagiert. Der Erfolg der Premiere war groß und wurde vor allem durch die beiden letzten Akte entschieden. Allerdings war die Aufnahme bei weitem nicht so enthusiastisch, wie bei der fünf Jahre früheren Uraufführung von „Robert der Teufel". Die Hugenotten stellten künstlerisch höhere Anforderungen an die Hörer. Dafür war später der Erfolg um so nachhaltiger. Die Oper wurde in den ersten zwei Jahren hundertmal gegeben, 1903 fand die tausendste Pariser Ausführung statt. In Wien brachte es die Oper im ersten Halbjahrhundert auf 500 Aufführungen, eine Zahl, die dort nur noch von Mozarts „Don Juan" erreicht wurde. Selbstverständlich bedeutet dieser Vergleich keine künstlerische Gleichsetzung, die Meyerbeer selbst am wenigsten zugegeben hätte. Sympathisch in ihrer Bescheidenheit berühren die Dankesworte Meyerbeers an Nourrit: „Der hervorragende Darsteller ist durch die Art, wie er die Rolle des Raoul gestaltet hat, der zweite Vater dieses Werkes geworden, das seinen Erfolg mehr ihm, wie seinem Auto verdankt". Hören wir den Bericht von Hector B e r l i o z : „Wie alle Werke, welche die Begeisterung der Menge auf sich ziehen, hat das letzte Werk von Meyerbeer ungeheuren Haß und unglaubliche Begeisterung entflammt. Bewunderer und Verleumder drängen sich zu jeder Vorstellung der „Hugenotten", die einen möchten dem großen Komponisten einen Altar errichten, die anderen wünschen ihm den Toll ttnd möchten unter Jubel seine Werke verbrennen." Die Menge, von der Berlioz hier spricht, war sich bald in ihrem Enthusiasmus für diese Oper einig. Die Begeisterung dauerte Jahrzehnte an. Wie hübsch konnte noch H a n s l i ck 1891 in seinem Jubiläumsaussatz zu Meyerbeers 100. Geburtstag sagen: „Wenn Meyerbeer heute von irgendeinem Aussichtspunkte des Jenseits aus die Erde Louis Wolff Fotodienst: Arno Kikoler 30 Jahre zeugen viele Artikel wissenschaftlichpraktifcher, aber auch standespolitischer Art von seiner hingebenden und gründlichen Arbeitsweise. An Anerkennungen hat es dem Jubilar nicht gefehlt. Obschon er Aufgaben der Repräsentation stets ablehnte, jede seiner Arbeiten vielmehr um ihrer Gemeinnützigkeit wegen liebte, gab es kaum eine zahnärztliche Bewegung, die Anspruch auf Bedeutung erheben durfte, in die der heute Siebzigjährige nicht von seinen Bevufskameraden hineingestellt wurde. So bekleidete er viele Jahre hindurch das Amt eines Kafsenführers im Vorstand der Preußischen Zahnärztekammer. Er war Vorstandsmitglied des Landesausschusses für zahnärztliche Fortbildung in Preußen, Mitglied des preußischen Landesgesundheitsrats und des Deutschen Nationalkomitees der Internationalen zahnärztlichen Bereinigung (lleäeration äentaire Internationale); dem Vereinsbund deutscher Zahnärzte und dem Zentralverein deutscher Zahnärzte gehörte er in früheren Jahren als Vorstandsmitglied an. Seine ehrenamtliche Haupttätigkeit entfaltete er aber als Generalsekretär des Deutschen Zentralkomitees für Zahnpflege in den Schulen. Hier ist sein Name allerweitesten Kreisen bekannt geworden. Man darf erklären, daß den Ausbau der Schulzahnpflege bis 1933 zum größten Teil sein Werk war. Für den hohen Gedanken einer vernunftgemäßen und frühzeitigen Zahn- und Mundpflege hat Konrad Cohn in unermüdlicher und von Erfolg begleiteter Aufklärungsarbeit alle in Betracht kommenden Stellen zu interessieren gewußt. Auf Grund dieser Tätigkeit erhielt er bald nach dem Kriege einen Lehrauftrag für Soziale Zahnheilkunde an der Berliner Universität. Selbstlos und treu liegt dieses an Erfolgen reiche Leben vor uns. Mit nicht alltäglicher Frische wirkt der Jubilar, dem man die siebzig Lebensjahre nicht anmerkt, auch heute weiter für eine gemeinnützige Aufgabe. Seit 1933 leitet er die von ihm begründete Beratungsstelle für jüdische' Zahnärzte Deutschlands. Auch hier bewährt sich sein klarer Blick für alle Fragen zahnärztlicher Existenz. Alle, die i bv-i , v- Eugene Scribe Karikatur von Benjamin herabsehen könnte, etwa wie ein Schauspieler an seinem Benefizabend durchs Guckloch späht — ich glaube, ein zufriedenes Lächeln würde sein ernstes, geistvolles Gesicht erhellen. In sämtlichen Hauptstädten Europas und ringsum in der Provinz würde er Festvorstellungen seiner Opern wahrnehmen, volle Häuser, rauschenden Beifall."' Jedenfalls aber sind die Worte von Berlioz symbolisch für die verschiedenartige, im Positiven wie im Negativen gleich extrem wertende Stellungnahme derer aus Genieland. Wir kennen dieablehnende Meinung Wagners, von der allerdings der vierte Akt ausdrücklich ausgenommen wird, wir kennen Robert Schumanns Verdammungsurteil, der von der „ . . . Unnatur, Unsittlichkeit und Unmusik des Ganzen" spricht, Vorwürfe, gegeg die sich Meyerbeer bei anderer Gelegenheit in einem polemischen Brief wendete. Im Gegensatz dazu haben wir aber auch die zustimmenden Berichte von Berlioz, das Urteil Franz L i s z t s :

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