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Central-Verein-Zeitung · 1936-02-13 · 7 (13.2.1936) · p. [Seite]

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
15 (1936) - farbig
Issue
7 (13.2.1936)
Date
1936-02-13
Page
[Seite] (sequence 22)
Language
German
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Das Boden-Gesetz Von unserem Palästina-Korrespondenten Tel-Aviv, den 4. Februar 1936. Mit Nachdruck und Schärfe hat die Weltver- Ifretung des gesamten am Palästinawerk interessierten Judentums, die Jewish Agency, gegen das neue Gesetz der palästinensischen Mandatsregierung, das dem jüdischen Bodenkauf aus arabischer Hand erhebliche Beschränkungen auferlegt, protestiert. Bei Betrachtung dieser neuen Situation muss man sich vor allem klarmachen, 'dass nicht der Inhalt des neuen Gesetzes allein die sonst so diplomatische Agency zu einem so ungewöhnlichen und eindrucksvollen Schritte veranlasst hat, sondern die Aktion richtet sich namentlich auch gegen die. Form der Verkündung und Begründung des neuen Gesetzes sowie gegen die Tatsache, dass diese Beschränkung nur ein neues Glied in einer ganzen Kette von Massnahmen ist, die geeignet erscheint, den jüdischen Palästina-Aufbau empfindlich zu stören. Es fing an mit dem Vorschlag des gesetzgebenden Rates, der auf einmütigen Widerstand bei der ganzen jüdischen Bevölkerung Palästinas stiess. Es folgte die scharfe Drosselung in der Zuteilung der Arbeiterzertifikate und unmittelbar danach die Ankündigung, dass auch die übrige Einwanderung einschliesslich der kapitalistischen beschränkt werden würde. Und nun kommt eine Beschränkung des Bodenerwerbs. Die wesentlichen Voraussetzungen für den Bestand einer jüdischen Wirtschaft in Palästina werden von diesen drei Massnahmen berührt, denn die Siedlung beruht auf der politischen Sicherheit, der stetigen Einwanderung neuer Menschen und Kapitalien und der Erschliessung neuer Böden. Neben diesen störenden Massnahmen werden aber der Mandatsregierung noch verschiedene Unterlassungssünden vorgeworfen. Sie hat bei all ihren Konzessionen an die Araber nicht ihre im Mandat verankerte Verpflichtung zu. positiver Förderung des jüdischen Nationalheims erwähnt. Weder von der ursprünglich vorgesehenen Ueberlassung staatlicher Ländereien an jüdische Siedlungen war die Rede noch von einer angemessenen Beschäftigung jüdischer Arbeiter und Angestellter im Dienste “der Regierung und der staatlichen Einrichtungen. Man hat im Gegenteil den Eindruck, dass die Widerstände gegen die Beschäftigung von Juden bei öffentlichen Arbeiten neuerdings wieder zunehmen. Schliesslich musste es im jüdischen Lager Befremden hervorrufen, dass man das neue Gesetz in besonderer Audienz den arabischen Führern, gleichsam als Antwort auf ihre Forderungen, mitteilte, ohne vorher mit den Juden, die doch schliesslich in erster Reihe betroffen wurden, zu verhandeln. Gewiss kennt das Gesetz keine Unterscheidung zwischen jüdischen und nichtjüdischen Bodenkäufen oder zwischen Bodenkäufen aus arabischer und anderer Hand. Aber nach der ganzen wirtschaftlichen Struktur des Landes ist die Tendenz des Gesetzes eindeutig klar. Und in dieser Tendenz liegt schliesslich eine der bedenklichsten Wirkungen des Gesetzes: Es erkennt stillschweigend die alte Beschuldigung an, dass der arabische Bauer durch die jüdische Kolonisation von seinem Grund und Boden vertrieben und zum mindesten der Gefahr der Verelendung preisgegeben werde; anders wäre es nicht zu erklären, dass man den Fellachen gegen die jüdischen Bodenkäufe schützen zu müssen glaubt. Das Merkwürdige an dieser Theorie ist aber, dass vor gar nicht allzu langer Zeit die Palästina-, Regierung, ebenfalls auf Grund arabischer Beschwerden, diese Frage gründlich untersucht hat und zu dem Ergebnis gelangt ist, dass alle diese Behauptungen völlig unbegründet sind. Die Geallein das, was ich der Welt gebe. Das einzige Kennzeichen des Besitzes — ist das Weggeben des Besitzes. Aber, was einmal gegeben ist, das liegt in der Natur der Sache, — das kehrt immer wieder zu dem zurück, der der ursprüngliche Herr des Dinges war. Ja, ich räume die Steine von diesem Feld. Welchen Spruch das Gericht fällt, ist gleichgültig. Und wenn man mich morgen schon von diesem Platz vertreiben sollte: die Mühe, die ich hier aufgewandt, das Stück Leben, das ich hier geopfert habe, alles dieses bleibt mein; und eines Tages werde ich es wiederfinden auf einer Strasse, wo ich es nicht gesucht habe, und kein Körnchen wird daran fehlen. Das „Reich der Gerechtigkeit“ liegt nicht in irgendeiner fernen Zukunft oder hängt im Himmel. Nein, hier auf Erden wird und ist es Wirklichkeit: im Gang und Kreislauf der Natur, in der steten Verwandlung der Pflanzen-, Tier- und Menschenwelt, in der Wechselwirkung von Gefühlen und Gedanken, im bewussten und unbewussten Eintauschen gelebten Lebens für zu lebendes Leben .. * Ich sagte: „Mit dem, was du sprichst, gibst du allen Fronvögten und Ausbeutern eine Waffe in die Hand. Sie werden künftig ihre Sklaven und Arbeiter damit vertrösten, dass ihnen ihr Lohn schon durch die Natur selbst kommen werde. Kein Unterschied also zu früherem Brauch, wo man der geschundenen Kreatur zu predigen pflegte: Im Paradies, im Jenseits, in der zukünftigen Welt wird dir dein Lohn!“ Er antwortete: „Du verwechselst freiwilligen Dienst und freiwillige Gabe mit erzwungenem Dienst und erzwungener Gabe. Und im übrigen: es wäre das schlechteste nicht, wenn man die nackte Arbeit, die den Körper zerstörende und den Geist ermüdende Arbeit so heben könnte, dass sie eine natürliche Freude am eamtzahl der fellachischen Familien, die durch jüdische Bodenkäufe zur Aufgabe ihres alten Bodens veranlasst worden sind, beträgt wenig mehr als 600 — bei einer gesamten Fellachen-Bevölkerung von 800 000 Seelen — und diese sechshundert sind selbstverständlich nicht „vertrieben“, sondern durch erhebliche Barzahlung oder durch Zuteilung neuen, wertvolleren Ackers abgefunden worden. Die Erfahrung hat gezeigt, dass diese Fellachen teils auf dem Lande eine neue, bessere Existenz gefunden haben, teils mit höherem Lebensstandard in städtische Berufe eingeordnet worden sind. Ueberhaupt kann es gar keinem Zweifel unterliegen — und es lassen sich beliebig viele Beweise für diese Behauptung beibringen — dass der jüdische Aufbau in ganz erheblichem Massedazu beigetragen hat, die wirtschaftlichen, gesundheitlichen und kulturellen Lebensbedingungen der Araber zu verbessern. Ein Beispiel für diese Zusammenhänge, das gerade für die Beurteilung des neuen Gesetzes wichtig ist, sei besonders hervorgehoben. Die arabische Landwirtschaft besitzt mehr Land, die jüdische dagegen weniger Land, als sie bearbeiten kann. In zahllosen Fällen haben arabische Landwirte sich durch Verkauf ihrer überschüssigen, entweder brachliegenden oder nur unzureichend bestellten Bodenreserve die Mittel geschaffen, um den ihnen verbleibenden Boden zu verbessern, die Wirtschaft zu modernisieren und zu intensivieren. Sie konnten sich auf diese Weise das erforderliche Meliorationskapital ohne Verschuldung beschaffen, ja von dem Erlös sehr oft ihre drückende Verschuldung an den reichen „Effendi“ — den Geldleiber oder Grundbesitzer — ablösen. Diese Möglichkeit wird ihnen jetzt weitgehend genommen. Denn die Regierung behält sich vor, je nach den örtlichen Umständen die Mindestfläche zu bestimmen, die der Landwirt zu seinem Lebensunterhalt zurückgehalten muss, also nicht verkaufen darf. Nur städtische Siedlungen, Citruspflanzungen und der wenig entwickelte Bezirk von Beer Scheda im Süden des Landes sind von der Regelung ausgenommen worden. Da bei Erlass des Gesetzes ausschliesslich politische und nicht wirtschaftliche Gründe massgebend gewesen zu sein scheinen, wird alles von der Praxis der Durchführung abhängen. Auch das neue Gesetz sieht die Möglichkeit vor, Kleinbauern ganz „auszukaufen“, wenn der Besitzwechsel eines grösseren zusammenhängenden Bodenkomplexes im Interesse der Entwicklung des Landes wünschenswert erscheint. Auch könnte die Behörde, theoretisch, die unverkäufliche Mindestfläche niedriger festsetzen, wenn nachgewiesen wird, dass der Fellache durch die Mittel, die ihm durch den Bodenverkauf zufliessen, aus dem ihm verbleibenden Boden einen grösseren Ertrag herauswirtschaften kann, als vorher aus seinem ganzen Besitz. Aber gerade bei der politischen Tendenz, aus der das Gesetz entstanden ist, bleibt zweifelhaft, ob es in einem für die jüdische Bodenpolitik noch erträglichen liberalen Sinne gehandhabt werden wird. Schutzmassnahmen gegen das „Bauernlegen“ sind in diesem Lande nichts Neues, und man hätte es wenigstens verstanden, wenn sich das neue Gesetz in diesem Rahmen gehalten hätte. Die jetzige Lösung aber bringt ein Moment der Ungewissheit in die ohnehin schon reichlich komplizierte Arbeit der öffentlichen und privaten jüdischen Bodenkäufer. Der Nutzen für den Fellachen dagegen ist mehr als fraglich. Er wird verhindert, soviel Land zu verkaufen, wie er will, und er wird sich noch nicht einmal auf andere Weise das Geld verschaffen würde: an der Anlage von Gärten, die das Auge erfreuen, von Gebäuden, die zugleich Denkmäler sind, am Bau von Flugzeugen, mit denen man selber fliegen darf, und Sternwarten, durch die man den Himmel sieht. — Aber kehren wir zurück zu den Verhältnissen, wie sie heute sind: auch vor die Wahl gestellt, ob ich lieber Unterdrücker sein will oder Unterdrückter: ich würde mich immer für die Unterdrückten entscheiden und einer von ihnen sein mögen.“ Nun sagte ich:, „Gut, die Gerechtigkeit herrscht hier auf Erden, irgendwo auf Erden; aber warum versteckt sie sich vor unserem Blick und lässt sich nicht sehen, also dass viele, und nicht die Schlechtesten, dahin gekommen sind, an ihrem Vorhandensein zu zweifeln?“ Und wieder antwortete er: „Auch hier muss man unterscheiden. Der eine bekennt die Gerechtigkeit mit den Lippen, ohne dass sein Herz davon weiss und seine Werke dem entsprechen; ein andrer leugnet sie mit Worten und Gedanken, aber Herz und Hand empfinden und wirken sie. Und das Gute muss sich auch wirklich verbergen und mit Schleiern mancher Art ganz und gar verhüllen; sonst würde die Gabe des Gebers niemals aus vollem Herzen kommen, das freiwillige Opfer immer noch getrübt sein durch die Hoffnung auf Lohn.“ Der Alte stand aufgerichtet da. Er blickte auf seinen Schatten und sprach: „Mein Schatten ist meine Sonnenuhr, und die zeigt mir an, dass es wieder Zeit ist, zu arbeiten. Hast du Lust, so tu mit!“ Also begann er wieder mit grossem Eifer die Steine zu lesen, die grösseren in das Mauerwerk seines Walles einzufügen und die kleinen auf einen besonderen Haufen zu tun. Ich folgte dem Beispiel, hob Steine auf und brachte sie an den Wall. Ich wählte nicht allzu grosse Stücke, damit schaffen können. Die Erfahrungen, 'die man in Aegypten mit ähnlichen Gesetzen gemacht hat, zeigen, dass jede derartige Beschränkung der Verfügungsfreiheit die Kreditgeber abschreckt. Wenn die Bank befürchten muss, dass sie im Ernstfall den Besitz des Fellachen nicht exekutieren kann, wird sie in der Kreditgewährung zurückhaltender werden. Auch die neue, unter vorwiegend englischem Einfluss stehende Landwirtschaftsbank wird diese Lücke auf die Dauer kaum ausfüllen können. Für den wohlhabenden Effendi dagegen kann sich dieses Gesetz unter Umständen auch wirtschaftlich sehr vorteilhaft auswirken, und dieser Gesichtspunkt wird in den hiesigen Kommentaren zu dem neuen Gesetz stark unterstrichen. Der Fellache wird weit mehr in seine Hand gegeben, wenn ihm die wichtigste Möglichkeit zur Selbstentschuldung, der Verkauf überschüssigen Bodens, unterbunden wird. Der Effendi selber aber wird oft noch genügende Flächen brachliegenden Bodens besitzen, die er ohne Einschränkung verkaufen kann, womöglich zu steigenden Preisen, wenn die künstliche Verknappung des Angebots durch das neue Gesetz zu einer Verteuerung des freien Bodens führen sollte. Gewiss ist in all diesen Dingen das letzte Gegen die neuen Massnahmen der Palästina-Regierung Jerusalem, 10. Februar. (JTA) Der Präsident der Jewish Agency und der Zionistischen Organisation, Dr. Chaim Weizmann, verlässt am 14. Februar Palästina, um sich nach London zu begeben. Es wird mitgeteilt, dass Dr. Weizmann in London die Führung des Abwehrkampfes gegen die neue, den Ausbau des Jüdischen Nationalheims gefährdende Politik der Palästina-Regierung, übernehmen wird. Es handelt sich vor allem um die durch den Plan der Einsetzung eines Legislative Council und die angekündigten Verordnungen zur Erschwerung der jüdischen Einwanderung und des jüdischen Bodenkaufs entstandenen Probleme. Das Problem des Legislative Council vor dem Oberhaus London, 6. Februar. (JTA) Lord Snell, Mitglied der im Jahre 1929 eingesetzten Palästina-Kommission der englischen Regierung, der seinerzeit in Abweichung des Mehrheitsberichtes der Shaw-Kommission ein für die jüdischen Interessen günstiges Minderheitsvotum abgegeben hatte, hat angekündigt, dass er am 26. Februar im Oberhaus an die Regierung die Anfrage richten wolle, welches ihre Absichten in bezug auf den geplanten Legislative Council in Palästina seien, ob sie vollkommen die weitreichenden Folgen der Einsetzung eines solchen Council geprüft, und ob sie prüfen wolle, ob es ratsam sei, die Einsetzung zu verschieben, bis grössere Erfahrungen mit der Selbstverwaltung in Palästina gemacht worden sind. Kurze Nachrichten Die beiden rein jüdischen Städte des Landes haben jetzt ihre Budgets für das Finanzjahr 1936/37 fertiggestellt. Das Budget von Tel-Aviv zeigt eine Steigerung um 20 Prozent auf 538 600 LP und auch in Petach-Tikwa wird das Vorjahrsbudget von 40 000 LP um annähernd den gleichen Prozentsatz überschritten, ein Zeichen für das rapide Wachstum der Gemeinden. In beiden Städten entfällt ungefähr er mir die Mühe nicht so anmerken sollte; und trotzdem! bald fingen mir die Finger zu bluten an. Da sagte der Alte, nicht ohne ein Fünkchen Stolz über seine annoch jugendlichen Kräfte: „Ja, mein Lieber, du bist harte Arbeit nicht gewohnt. Und auch vorher schon sah ichs dir an, dass du zu denen gehörst, die dem Gebot leichter zustimmen, als dass sie es erfüllen; zu denen, denen die Philosophie höher steht als die Arbeit. Aber wisse: alle Versuche des menschlichen Hirns, von sich aus die Welt zu gewinnen, sind eitel und vergeblich. Nur das wahrhafte Tun, das Mithandanlegen, bringt den Menschen an die den Dingen innewohnende Seele heran und führt ihn zu Einsicht und Erkenntnis.“ Ich wollte noch gern eine Lanze zugunsten des reinen Verstandes brechen und dartun, dass auch diese Tätigkeit Hingabe, Versenkung und Aufopferung erfordere — als unvermutet das Hupensignal ertönte, das mich wieder an den Wagen rief. Ich mochte die Kameraden nicht auf mich warten lassen, und so schied ich mit einem hastigen Grusse von dem greisen Steinaufieser. Erster Weltkongress jüdischer Aerzte Am 21. April 1936 findet in Jerusalem die feierliche Eröffnung des „Ersten Weltkongresses jüdischer Aerzte“ statt. Der Kongress wird drei bis vier Tage dauern; die Arbeitesitzungen werden in Tel-Aviv stattfinden. Vom Verband für Gesundheitsschutz der Juden, OSE, wird der ITA hierzu noch mitgeteilt: Die Ereignisse der letzten Jahre in Deutschland und die Beschränkungen des Medizinstudiums, die in vielen anderen Ländern praktisch gegen die jüdischen Studierenden gerichtet sind, haben bei den jüdischen Aerzten der ganzen Welt das Bedürfnis nach einem engeren Zusammenschluss wachgerufen. Berufliche Fragen, sozialhygienische Fragen des Gesundheitsschutzes der jüdischen Bevölkerung, Wort noch nicht gesprochen. Die Regierung haf sich ausdrücklich, auch den Arabern gegenüber, Vorbehalten, Einwanderung und Bodenpolitik so zu regulieren, wie es ihr im Hinblick auf die jeweilige Wirtschaftslage und die Entwicklung des Landes richtig erscheint. Auch soll man gerechterweise nicht vergessen, dass die Regierung erst kürzlich eine lebenswichtige Zoll- Forderung der jüdischen Industrie erfüllt hat, und dass sie dem ganzen Lande, Juden und Arabern, eben jetzt einen unschätzbaren Dienst erweist: Im Gegensatz zu den beiden Nachbarländern, Syrien und Aegypten, ist es der Palästina-Regierung bisher gelungen, die öffentliche Rühe und Ordnung in vollem Umfang aufrechtzuerhalten. Aber auch in Palästina kann sich der Staat nicht auf blosse Polizeiaufgaben beschränken, und wenn er aktiv in die Wirtschaftspolitik eingreift, wird er an den Bedürfnissen des jüdischen Aufbaues nicht vorübergehen können. Man muss gewiss zugeben, dass auch von jüdischer Seite manches versäumt worden ist, was während der Prosperity gegen etwaige Rückschlagsverfahren hätte unternommen werden können. Aber eine erfolgreiche jüdische Wirtschaftspolitik ist nur möglich, wenn sie sich auf eine verständnisvolle Haltung der Mandatsregierung stützen kann. ein Viertel der Budgetsumme auf das Schulwesen, und diese Aufwendung, die im Haushalt der rein arabischen oder gemischten Städte fehlt, erklärt es zum Teil, dass die öffentlichen Ausgaben pro Einwohner in diesen beiden Gemeinden um ein vielfaches grösser sind als in den anderen Stadtgemeinden des Landes. Zum Teil kommt freilich noch hinzu, dass auch für sonstige öffentliche Arbeiten grössere Beträge vorgesehen sind als in den anderen Gemeinden. Sowohl in Tel-Aviv wie in Petach-Tikwa sollen die Ausgaben restlos aus laufenden Einnahmen, zu denen auch der kleine Zuschuss der Landesregierung zu zählen ist, gedeckt werden. Die South African Palestine (Binjan) Company, eine von südafrikanischen Juden finanzierte Gesellschaft für Real- und Baukredite, verdoppelt ihr Kapital auf 100 000 LP. * Die staatliche Aufsichtsbehörde hat. einem Vertrage zwischen der Stadtverwaltung Haifa und dem Baubüro der jüdischen Arbeiterorganisation über die Errichtung eines neuen Schlachthauses die Zustimmung verweigert, offenbar weil die vom Magistrat angenommene Offerte um 600 LP höher war als das Gegenangebot des einzigen Mitbewerbers; das Gesamtobjekt beträgt 16 000 LP. Der Magistrat Haifa hatte das jüdische Angebot angenommen, weil die Bewerberin eine ortsansässige Organisation sei und ausserdem angemessene Beteiligung arabischer Arbeiter zugesagt hatte. P Die landwirtschaftliche Grundsteuer ist gesenkt worden. Die Senkung ist bezirksweise gestaffelt, je nach dem Ausmass der Schäden, die in dem betreffenden Bezirk durch den Chamsin (heisser Wind. Die Schriftlg.) vom Frühjahr 1935 entstanden sind. * Henrietta Szold, Präsidentin des Komitees für die Jugend - Alija, und der Syndikus der Hawara in Palästina, Veilchenfeld, sind am 31. Januar mit dem Dampfer „Tel-Aviv“ von Triest nach Palästina zurückgefahren. » Im Hinblick auf die geplante gesetzliche Einschränkung des freien Bodenverkaufs hat die Palästina-Regierung begonnen, genaue Erhebungen über den in arabischen und jüdischen Händen befindlichen Bodenbesitz durchzuführen. wissenschaftliche Probleme, betreffend Vorbereitung und Verlauf einiger spezifischer Erkrankungen bei den Juden u. a. m. werden auf diesem Kongress behandelt werden. Schliesslich wird der Kongress auch die Abgrenzung der wissenschaftlichen von der politischen Rassenlehre erörtern. Der Kongress verspricht, sehr reichhaltig zu sein und einen interessanten Verlauf zu nehmen. Aus allen Kulturländern haben sich bereits viele Teilnehmer gemeldet. Die Organisation des Kongresses wird von den folgenden drei grossen jüdischen medizinischen Gesellschaften geleitet: Verband „OSE“ (Paris), Verband „TOZ“ (Warschau), „Palästinensische Aerzte-Gesellschaft“ (Tel-Aviv). Auskünfte erteilt die „Union OSE“, Paris, 92 Avenue des Champs Elysees, Tel. Balzac 07—27. Mit der „Palestine* 1 Express Co. Ltd.“ (Paris 7, Bld. des Capucines, Tel. Opera 74—77) ist ein Abkommen getroffen worden, nach welchem diese den Teilnehmern des Kongresses günstige Reisebedingungen gewährt. Eine Landkarte von der Haifa-Bai, die eine gute ■ Uebersicht über die Siedlungen und die Industrieanlagen bietet, sowie einen Fahrplan mit Angaben der Eisenbahn -und Autobusstrecken hat der Verlag Z v i Fried- 1 a e n d e r, Kiryat Halm b. Haifa, herausgegeben. Die Karte hat englische und hebräische Erläuterungen und Aufschriften ebenso wie der Fahrplan (Palestine General Time-Table, Winter 1935/36). Er enthält ausserdem eine gute kleine Landkarte des ganzen Landes, auf der die Eisenbahn- und Autobusstrecken sowie die wichtigsten Städte und Siedlungen vermerkt sind. Die Freie Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums und Erez Jisroel gibt anlässlich ihres 50jährigen Bestehens eine Schriftenfolge heraus (Hermon-Vevrlag, Frankfurt a. M.), welche zusammengenommen eine Art Jubiläumsschrift bilden sollen. Die erste Nummer dieser Folge berichtet von der Palästina-Arbeit der Vereinigung, die nach der Reorganisation 1907 in das Aufgabengebiet der Vereinigung einbezogen wurde. Der hier gebotene Rückblick gibt besonders interessante Aufschlüsse über die Entwicklung des orthodoxen Schulwesens in Palästina. A.

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