Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936) - farbig
- Issue
- 7 (13.2.1936)
- Date
- 1936-02-13
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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UI. derkammer es notwendig gemacht, Zweigstellen im Süden und Westen zu eröffnen. Nach der-Besichtigung erstattete Dr. Adler, der Leiter der Revisionsabteilung, Bericht. Er bemerkte, daß bei der Revision kein einziger Fall von Ungenauigkeit in der Verwaltung, der Gelder und Materialien sestgestellt werden konnte. Nur 6 Prozent der zur Verfügung stehenden Mittel wurden für organisatorische Zwecke verwendet,; der Rest floß ausnahmslos den Unterstützungsbedürftigen zu. Auch in der Folge wird sich daran nichts ändern. Es bleiben noch zwei ■ Monate angestrengter Arbeit für die Winterhilfe. Wir hoffen und wünschen, daß das große soziale Werk der Berliner jüdischen Bevölkerung so erfolgreich zu Ende geführt wird, wie es bis zu diesem Zeitpunkt gediehen ist. H. B—n. Berliner jüdische {Winterhilfe Dr. Leo Jakobsohn teilt mit, daß sein bereits angekündigter Vortrag „Magnetismus, Suggestion, Hypnose" am 20. Februar im Logenhaus, Kleiststraße, zugunsten der Jüdischen Winterhilfe stattsin d e t. Seelische Winterhilfe D i e 14. B e r a n st a l t u n g im Friedenstempel ist vom 8. Februar, 20 Uhr, aus den 29. Februar, 20 Uhr, mit dem gleichen Programm am gleichen Ort verlegt worden. Die Einlaßkarten behalten ihre Gültigkeit. Mitwirkende: Lili E I l r e i ch (Klavier), Greta Gundersheim (Friedmann) (Klavier), Edvard Moritz (Klavier), Walter Olitzki (Gesang), Anni R o e s l e r (Cello), Hermann Schwarz (Orgel), Leo Tscherniawsky (Violine), Hede (Türk) Börnstein (Gesang). Es spricht Intendant Dr. Kurt Singer. Karten für Hilfsbedürftige unentgeltlich im Winterhilfswerk- und Wohlfahrtsbezirk Südwest, Münchener Straße 37, Winterhilfsbezirk Charlottenburg, Pestalozzistr. 14/15, Wohlsahrtsbezirk Bleibtreustraße 2. 15. Veranstaltung. Konzert in der Synagoge Prinzregentenstraße 69/70, 15. Februar, 20 Uhr. Mitwirkende: Dora Bernstein-Börner (Gesang), Hans Werner Katz (Klavier), Kurt Lomnitz e r (Cello), Alfred Mai (Orgel), Max Mansfeld (Gesang), Hans Margolinski (Klavier), Hilde Schereschewsky (Klavier, Wvlfgang Weintraub (Violine). Es sprechen: Rabbiner Dr. Benno Gott schall und George G o e tz. Karten für Hilfsbedürftige unentgeltlich im Winterhilssbezirk Südwest, Münchener Straße 37, Winterhilfsbezirk Friedenau, Wilhelm-Hauff-Straße 16, Wohlfahrtsbezirk Münchener Straße 37. 16. und 17. Veranstaltung in den Bismarck-Festsälen, Neue Grünstraße 28, 18. Februar, Kindernachmittag 15.30 Uhr, Bunter Abend 20 Uhr. Mitwirkende am Kindernachmittag: Janni B a l l a n, Ernst Ludwig N u ß b a u m, Jonni S ch w e r s e n z, Vera Sprinz. Mitwirkende am Bunten Abend: Erich L o w i n s k h (Elow) sagt an. Jani Ball a n, Werner B u k o f z e r, Stella Hey, Edith Iaco b, Elisabeth Lewysohn, Hennh Löwen st ein, Walter Steiner, Eduard W e ch s e l m a n n. Am Klavier: Dr. Willi Aron und Gustav Sabel. Karten für Hilfsbedürftige unentgeltlich im Winterhilfsbezirk Süden, Kottbusser Ufer 48/49, und Winterhilfsbezirk Osten, Alexanderstraße 53. 18. V e r a n st a l t u n g. Konzert in der Neuen Synagoge, Oranienburger Straße 30, 22. Februar, 20 Uhr. Mitwirkende: Ludwig Altmann (Orgel), Erich Länderer (Klavier), Johanna Meyer (Rezitation), Susanne Lo e w enstein (Stein) (Gesang), Leo Taubmann (Klavier), Neue Madrigalvereinigung (Leitung: Dr. Ludwig M i s ch). Es spricht: Rabbinatskandidat Curt E. Kassel. Karten für Hilfsbedürftige unentgeltlich im Winterhilssbezirk Mitte, Auguststraße 16, Wohlfahrtsbezirk Mitte, Auguststrnße 17, Winterhilfsbezirk Osten, Alexanderstraße 53, Wohlfahrtsbezirk Osten, Blumenstraße 97, Winterhilfsbezirk Norden, Schönhauser Allee 6/7, Wohlfahrtsbezirk Norden, Schönhauser Allee 23. 19. Veranstaltung im Cafs Leon, Kurfürstendamm 155, 24. Februar, Bunter Nachmittag für Erwachsene, 15.30 Uhr. Karten für Hilfsbedürftige unentgeltlich im Winterhilfsbezirk Südwest, Münchener Straße 37, Winterhilfsbezirk Friedenau, Wilhelm-Hauff-Straße 16.. Einlaß nur mit Eintrittskarten. Einlaß zum Bunten Nach-, mittag um 15 Uhr. Einlaß zum Bunten Abend um 19.30 Uhr. Jugendliche unter 18 Jahren haben keinen Zutritt zum Bunten Nachmittag und zum Bunten Abend., Aus der Hamburger Orthodoxie Der Deutsch-Israelitische Synagogenverband in Hamburg berief den bisherigen Oberrabbiner von Altona und Schleswig-Holstein, Dr. Josef Carlebäch, zum Nachfolger des vor eineinhalb Jahren dahingeschiedenen Oberrabbiners Dr. Spitzer. Oberrabbiner Dr Carlebach hat diese Berufung angenommen. Voraussichtlich wird er schon zu den Pefsach-Feiertagen fein neues Amt antreten. Der neue Inhaber des altberühmten Hamburger Rabbinatssitzes ist eine der bekanntesten und markantesten Erscheinungen unter den gegenwärtigen deutschen Rabbinern. Seine litrarische Und publizistische Tätigkeit ist umfassend. . Seine hinreißende Rednergabe, die ihn zu einem sehr populären und beliebten Redner gemacht hat, ist im In- und Auslande geschätzt und begehrt. Als geschäftsführendes Vorstandsmitglied ist Dr. Carlebach in der Leitung des Verbandes gesetzestreuer Rabbiner tätig.. Als Oberrabbiner von Altona und der Provinzen. Schleswig-Holstein ist er seit 1926 im Amt. * Der Israelitische Begräbnisplatz Altona- Lang enf e l d c,, der die Begräbnisstätte eines Teiles der Hamburger Orthodoxie ist, hat einen Gedenkstein für die Gefallenen des Weltkrieges ausstellen lassen, die entweder aus dem Friedhof beerdigt liegen oder nächste Familienangehörige der Mitglieder, der Träger dieses Friedhofes, sind. Die Tafel, in schwarzem Marmor von Bildhauer Siegbert Falck (Altona) ausgeführt, enthält 23 Namen von Gefallenen, von denen sieben auf dem Friedhof selbst liegen. Von einer Feier anläßlich der Anbringung der Tafel wurde auf Wunsch der Angehörigen abgesehen. Der Rückgang der jüdischen Gemeinden . .Wie in der jüdischen Gemeindevertretung in Duisburg mitgeteilt wurde, ist die Zahl der Gemeindemitglieder vom Januar 1935 bis zum I.Jamiar 1936 von 1180 aus 1077 zurückgegangen. Das bedeutet einen Rückgang um 10 Prozent, nachdem die Duisburger Gemeinde bereits in den Jahren 1933 und 1934 um über 20 Prozent ihres Bestandes von Anfang 1933 zurückgegangen war. Die Beuthener Gemeindeführung. In der jüdischen Gemeinde Beuthen ist es unter Mitwirkung der Reichsvertretung zu einer Einigung über die Zusammensetzung von Vorstand und Repräsentantenversammlung gekommen, so daß ein Wahlkampf vermieden worden ist. Der Vorstand der Gemeinde wird künftig aus acht Mitgliedern, u. zw. aus je vier Zionisten und vier Angehörigen der C.-V.- und RjF-Gruppe bestehen. Der jetzige Vorsitzende, Apotheker Kunz, bleibt im Amte; seine Stimme entscheidet bei Stimmengleichheit. Der Stellvertreter des Vorsitzenden wird ein Zionist sein. Die Repräsentantenversammlung wird sich aus zehn Zionisten und zehn Mitgliedern der C.-V.- und RjF-Gruppe zusammensetzen sowie Dr. Pick als Vorsitzenden, der keiner Fraktion angehört; Die Legislaturperiode wird bis zum 31. Dezember 1937 dauern. Neu zu schaffende Dezernate des Gemeindevorstandes für Schul- und Berufsausbildung und Berufsumschichtung werden mit Zionisten besetzt werden. Es wird das Frauenwahlrecht eingeführt werden und das Alter für das passive Wahlrecht auf 25 Jahre herabgesetzt. Auch wird die Steuerzahlung als Voraussetzung des Wahlrechtes abgeschafft, dagegen das Wahlrecht von einem Aufenthalt von einem Jahre in der Gemeinde abhängig gemacht werden. — Es ist zu hoffen, daß ' die Beuthener Gemeinde trotz der Einführung des Fifty-Fifty-Prinzips, dessen Notwendigkeit gerade für Beuthen sehr bestritten werden kann, ‘ nterhin sachlich und gut geleitet wird. * Auch Lübeck schließt sich dem Preußenderband an. Nachdem soeben erst zwischen der Israelitischen Landesgemeinde Mecklenburg und dem Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden ein Anschlußvertrag abgeschlossen worden ist, hat nunmehr von den Hansestädten auch die Israelitische Gemeinde Lübeck den Anschluß an den Preußenverband beschlossen. Damit haben sich bisher also Thüringen, Oldenburg, das Saargebiet, Braunschweig, Lippe, Mecklenburg und Lübeck dem Preußischen Landesverband angeschlossen. Schuleinschreibungen in München In München fand die Einschreibung zu den Volksschulen für das Schuljahr 1936/37 statt. Dabei wurden zur jüdischen Volksschule insgesamt 364 Schüler und Schülerinnen angemeldet, davon zur ersten Klasse 50. Zu den allgemeinen Volksschulen wurden außerdem 57 jüdische Kinder angemeldet, davon zehn zur ersten Klasse. Bei der Einschreibung für das Schuljahr 1935/36 waren zur jüdischen Volksschule 281 Schüler und Schülerinnen angemeldet, davon im ersten Schuljahrgang 45, zu den allgemeinen städtischen Volksschulen 122 und hiervon im ersten Schuljahrgang 18. Die Zahl der Anmeldungen zur jüdischen Volksschule München ist also um 30 Prozent gestiegen, die der jüdischen Schüler zu den übrigen Volksschulen um mehr als 50 Prozent gesunken. Die Gesamtzahl der angemeldeten jüdischen Schüler und Schülerinnen an allen Münchener Volksschulen stieg von 403 im Vorjahr auf 421 bei der jetzigen Anmeldung. Aus den Familien In Beuthen (O.-S.) feierten Adolf Böhm seinen 80. und M. L u x seinen 85. Geburtstag. — Ludwig Lasch (Neumarkt, Schles.) wurde am 13. Februar 70 Jahre alt. — Minna Neumann (Nürnberg) feiert am 15. Februar ihren 80. Geburtstag. — Samson Dillofs (Frankenberg) wird am 17. Februar 70 Jahre alt. — Lehrer und Kantor Jak. S ab o - m o n (Nastätten i. Taunus), der 66 Jahre bis 1934 in der Gemeinde Altenkirchen tätig war, begeht am 17. Februar seinen 90. Geburtstag. — Johanna S e ligmann (Habitzheim im Odenwald) vollendet am 19. Februar ihr 70. Lebensjahr. — Emma Hirschfeld (Hirschberg) feiert am 20. Februar ihren 90. Geburtstag. Rechtsanwalt Dr. Theodor Dellevie (Kassel), der langjährige Vorsitzende der dortigen Ortsgruvpe des C.-V., begeht am 15. Februar sein 3chühriges Berufsjubiläum. Dr. A. Lewinsky, der ehemalige Hildesheimer Landrabbiner, begeht am 1. März seinen 70. Geburtstag. Fast 45 Jahre hat er sein Amt als Rabbiner betreut und Anerkennung weitester Kreise durch seelsorgerisches Wirken erzielt, Er gehört seit 'ihrer Gründung dem Vorstands der Ortsgruppe des Central-Vereins für Hildesheim und Umgegend an. Dr. Ernst Frankl konnte am 1. Februar sein 40jähriges Dienstjubiläum als Lehrer und Chorleiter in der Augsburger Gemeinde begehen. Aus diesem Anlaß fand im geschmückten Trausaal der Synagoge eine Feier statt, Justizrat Dr. Strauß und Rabbiner Dr. Jacob hielten die Festansprachen. Gesänge des Oberkantors' Heimann und des Synagogenchors unter Leitung von Dr. Walter Deutsch umrahmten die Veranstaltung. Der Synagogenverein „Ejn-Jaeob" bezog dieser Tage seine neuen, schlicht ausgestatteten Beträume in der Prenzlauer Straße 47. Ein neues Zentrum zur Entfaltung jüdischen Lebens ist somit geschaffen worden. — Der Verein kann gleichzeitig aus sein zehnjähriges Bestehen zurückblicken. SCHACH* ECKE Schachaufgabe Nr. 55 von Paul Rosenblatt (Berlin) „Denken und Raten" 1931 mBBr Matt in drei Zügen Weiss: Kel, Dgl, Tb7, Lc4, Sa2, 862. Ba3, <14, g6 (.9) Schwarz: Kc2, Th4, Lh5, Ba7, a4, d6, e4, g4, g2, h3 ■ (10) Lösung der Aufgabe Nr. 53: 1. Ld2—f4, TflXf4, 2. Tgl—bl u. 3. Tbl—1)5 matt .... , Tg4Xf4, 2. Tgl—ig6 u. 3. Tg6—a6 matt Auf 1. Ld2—e3 folgt Tg4—d4!, auf 1. TglXfl? folgt f5—f4! Lösung der Ausgabe Nr. 54: 1. e5—c6 (drohend Tbö—d5 matt) ..... Se6—14. 2. Se3—c2 matt .... , Sh3—f4, 2. Se3—fö matt . 866—o5, 2. Tb5—b4 matt ..... Lg5Xe3f, 2. f2Xe3 matt Richtige Lösungen der Aufgaben Nr. 53 und 54 gingen ein von: Silbe Kallmann (Düsseldorf), Jacob Baumann (Köln), Adolf Schück (Breslau), Ella Rüben (Bünde), Siegmund Austerlitz (Gießen), Hans Steinberger (Bayreuth), Kantor D. Cohn (Koblenz), Gerda. Loewkowitz (Konstadt), Gottfried Gumbel, (Stuttgart), Max Lehmann (Nördlingen), Erich Rubensohn (Hildesheim), Moritz Heynemann (Düsseldorf), Dr. med. I. Meyerhofs (Rotenfels), Frau Tilde Adler- Tierarzt Max Koschminski (Landsberg), Hans Cohn, Willy Michaelis, Rechtsanwalt Ludwig Mayer (Berlin), Michael Levh (Krefeld), Lothar Schönthal (Nürnberg), Georg K. R. Israel (Berlin). Von Nr. 53 von: Rechtsanwalt Leo Rothschild (Konstanz), Jacob Bamberger (Köln-Sülz), Augenarzt Dr. Czellitzer (Berlin). Von Nr. 54 von: Rabbiner Dr. Tänzer (Göppingen), Sanitätsrat Dr. S. Domke, Walter Joelsohn, Werner Wolf (Berlin). Weitere richtige Lösungen der Ausgaben Nr. 51' und 52 sind eingegangen von: Georg K. R. Israel, Hans Cohn (Berlin), Adolf Schück (Breslau), Dr. med. I. Meyerhofs (Rotenfels), Silve Kallmann (Düsseldorf), Hans Steinberger (Bayreuth), Erich Rubensohn (Hildesheim); ferner von Nr. 51 von: Frau Tilde Adler (Landsberg). Schachaufgabe Nr. 56 von L. A. Jssaeff und S. S. Lewmann 1. Preis „Ohes« Amateur" Valve-Turnier 1928 ywfy. _j_ Weiss: Kh7, Dc6, Te8, Tg3, Ld6, Lg6, 817, Sa3 ( 8) Schwarz: Kd4, Db3, Tc8, Th4, Lf8, Sb6, Sdö, Be5, f6, g7, ho (11) „La Traviata“ im Jüdischen Kulturbund Oberschlesien Jy Öberfchlesien ist der Jüdische Kulturbund unter, dem ehemaligen Direktor der Wiener Volksoper,; Hermann Frischler, zu neuem Leben erwachte Muß er sich schon mangels einheimischer Berufskünstler im Schauspiel und Lustspiel,: im Solistenkonzert und in der Kleinkunst den Kräften der) übrigen Kulturbünde verschreiben, so ist es -doch, fein Ehrgeiz, Opern und Operetten selbständig aufzuführen. . Wir hörten vor kurzem in B euth en. und G l e i w i tz „La Traviata". Die Violetta Friedl Böhms wußte die Klarheit und Mühelosigkeit ihrer Koloraturen mit ihrer bestechend schönen und ergiebigen Mittellage zu verbinden und in den großen Arien die dramatischen Akzente mit hinreißender Wucht zu setzen. Professor P r ü w e r führte die Sänger mit der überlegenen Sicherheit des erfahrenen Operndirigenten — keine leichte Aufgabe angesichts der Tatsache, daß der Chor und sogar ein Teil der kleineren Solopartien mit Beuthener Laien besetzt war. Sie waren mit Ernst und erstaunlichem Gelingen bei der Sache, die Damen Kreutzberger und Mo rgenstern und die Herren Acko und Klappholz. Den Alfred sang der aus Beuthen gebürtige Richard Dresdner vom Berliner Kulturbund, der über eine echten und gut geschulten Tenor verfügt, während Ernst Tauber, Wien, der Erscheinung nach zwar kein pors nobel war, aber durch seinen voluminösen Bariton entschädigte. Die Regieführung Hermann Frischlers, der selbst zwei kleinere Partien virtuos sang, schmolz zu einer Einheit Magister Kirsch der gute Likör, Magister München VII um diese eigentümliche, aber überaus gelungene Mischung aus künstlerischem Ereignis und einer Art von großem Familienfest, als die sich die durch vielen Beifall belohnte Aufführung erwies. Hans Münzer. Konzerte und Vorträge in Berlin und im Reich In einem Konzert für das jüdische Elternh i l f s w e r k in Berlin spielte der Pianist Michael Wittels. Die stärksten Eindrücke gingen von seinem Bach und Chopin aus. Den einen bringt er mit feinem Stilgefühl, kräftig und plastisch das Helle Linienwerk, das Thematische hervorhebend. Sein' Chopin-Spiel (k-moll-Phantasie) Zeichnete die Fähigkeit .eines kontrastreichen Vortrags, eines Aufbaues im großen, einer virtuosen Steigerung aus. Wittels ist ein bedeutender, in manchem eigenwilliger Musiker. Einige Phantasiestücke Schumanns bringt er — sonderbar genug — asketisch, fast ünromantisch (den „Aufschwung" ausgenommen). Der Künstler musizierte auch mit Paula Salomon (Lindberg). Er ist kein geborener Begleiter, wenn auch der Wille wenigstens, sich. einem Zusammenwirken einzuordnen, offensichtlich war. Die Altistin konnte an diesem Abend alle Register ihrer Kunst ziehen. Sie gestattet die tiefe, schwere Geistigkeit von Mahlers Kindertotenliedern wie die sinnliche Schelmerei eines jüdischen oder italienischen Liedchens mit überzeugender Geste und meisterlicher Gesangskunst. L. A. Dr. Ludwig Misch verstand, dem Programm eines Konzerts seiner N e u e n M a d r i g a l v e reinigung eine jüdische Note zu geben, was um so mehr anerkannt sei, als das Schaffen Lebender berücksichtigt wurde. Hier ließ das eigenwillige Talent einer Frau aufhorchen. C. Z u k mann- B i z o n y schreibt einen selbständigen Stil, allem Banalen aus dem Wege gehend, und doch liegt eine eigene, echt poetische Atmosphäre über ihren Liedern und Chören. Es gab Stücke von Goldschlag und einige Sätze von Rosy Geiger-Kullmann. Die Ausgabe, die Dr. Misch mit der Leitung dieses'Chors übernommen hat, ist, schwer; denn trotz der kleinen Zahl der Sänger darf das Ganze nicht als Summe von solistischen Einzeldarbietungen wirken, sondern es muß ein voller, abgerundeter Klang unter allen Umständen auch hier Zustandekommen. So betrachtet, geriet Schuberts „Mirjams Siegesgesang" am besten; die hier erreichte dynamische Tönung und Prägnanz des Ausdrucks ließ sich sonst noch nicht immer seststellen, was sich namentlich bei den harmonisch komplizierteren Stücken nachteilig auswirkte. Es ist kein Zweifel, daß hier eine große Arbeit in den Dienst wertvoller Aufgaben gestellt wurde; das weitere Studium wird aber noch am Klang seilen, ihn in sich reiner, nuancenreicher, ausgewogener und im Forte edler gestalten müssen, um Vollendetes zu bieten. Der erstmalig hervortretende Tenor Alfred R o s b a s ch besitzt das Wesentlichste, ein großes, weitströmendes Material, an dem allerdings technisch noch sehr viel zu arbeiten ist, bevor eine wirkliche Gestaltung seiner Beethoven-Lieder möglich ist. Die innerlich belebte Gesang von Dr. Leo Sar«' czinski, das kraftvoll steigernde Klavierspiel von Leo Taubmann, Thea Biebers prachtvolle Stimme, die man wieder hören will, feien mit besonderem Lob genannt. L.A. Daß wir es nach den Ansangsschwierigkeiten auf diesem Gebiet unserer Instrumentalmusik bereits zu einem ganzen Blasorchester bringen würden, hatte wohl kaum jemand erwartet. Aber diese Separatabteilung des Kulturbundorchesters, die unter der energischen Stabführung Dr. Werner Liebenthals aus einem riesigen Bunten Abend der Winterhilfe zum erstenmal zu hören war, musiziert sogar schon forsch und tapfer und, wenn alles klappt, mit großer Klangfülle. Allerdings könnte man schüchtern fragen, ob wir ein Blasorchester überhaupt benötigen, zumal hier die Doppelrolle für den einzelnen Musiker und insbesondere für das Sinfonieorchester keineswegs dienlich ist. Die Zuhörer jedenfalls waren begeistert, das muß registriert werden. Das Kunterbunt des Abends wurde von Willi Prager zusammengehalten, der mit Hedi Haas, Edith Jacob, Gerhard Gottschalk, Egon Hecht, dem Musikalclown und Zauberkünstler Jonny Sch wersenz, den begleitenden Pianisten Dr. Richard Hirsch und Hermann Schlesinger zur allgemeinen Freude unermüdlich tätig war. Der Referent, der zwischendurch einmal (oder gar zweimal) durch fürchterliche Schmarren, von) einem strebsamen jungen Mann ernsthaft vorgetragen, aufs äußerste niedergeschmettert wurde. spricht die Hoffnung aus, daß künftig derlei Um glückssälle durch Vorprüfung vermieden werden. 1 .'zy" V.v ' „Kai.; -Daß' die konzertmüßiäe Pflege der Kammermusik 'innerhalb des Mischen Kulturlebens einbn begrüßenswerten Aufschwung -nimmt, bewies ein von Alice Krieg er-J sag e (Klavier), Professor Hans BassermaNn (Violine) und Ary Schützer (Violoncello) bestrittener Abend der jüdischen Kunstgemeinschaft Köln. Man hörte eine allerdings nicht zu starke Eingebung Haydns, das Trio C-dur Nr. 3, dessen Eindruck durch den bestrickenden Wohllaut eines herb-süßen Jugendwerkes von.Beethoven, das Trio in 0-äur op IV Nr. 2 verdunkelt werden mußte. Zum Schluß , erklang das frische und doch von einer leisen Melancholie übergofsene Brahmssche Frühwerk, das kl-ckur-Trio op 8. Der neuen Künstlervereinigung, deren Musizieren gediegenes Können verriet/ wurde herzlicher Beifall gezollt. — yo— ' Ein Heine-Abend in Hamburg brachte Rezitationen (und Vertonungen Heinescher Dichtungen. Mela K r o h n (Kennedy) hatte weniger bekannte Gedichte ausgewählt.-Ihre hohe Sprechkunst offenbarte vor allem der Vortrag der „Schlacht bei Hastings". Den musikalischen Teil bestritten Ilse. Urias (Pola) und Wilhelm Guttmann,- Berlin. Ilse Urias besitzt hervorragendes Stimmmaterial und hohe gesangliche Kultur. Güttmann singen zu hören, ist stets ein ungetrübter Genuß. An dem starken Beifall konnte Hermann C e r i n i, der den zum Teil anspruchsvollen Klavierpart meisterlich aussührte, teilnehmen. A. Ein Konzert an zwei Klavieren vereinigte Kurt Havelland und Joses Wagner in Breslau, die Werke von Pasquini, I. Chr. Bach, Mozart- Busoni, Debussy und Reger brachten. Den großen Erfolg, den beide Pianisten ernteten, verdankten sie ihrem klaren, technisch vollendeten und gegenein-' ander abgewogenen Spiel, das jedem Werke feine stilgemäße Aufführung sicherte. G.P. An zwei Abenden konzertierte Ottilie Metzg e r - L a t t e r m a n n in Wuppertal. Ihr liegen die dramatisch bewegten Lieder weit besser als die rein lyrisch getönten Stücke, und so hatte sie den stärksten Beifall nach dem Vortrag der Edvard- Ballade von Löwe. Außerordentlich gut wußte sie den/Ton der Negr/o Spirituals zt, treffen. Kurt H e i U e in a n lt zeigte sich als Begleiter von mehr als durchschnittlichen Fähigkeiten. A. j.