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Central-Verein-Zeitung · 1936-02-06 · 6 (6.2.1936) · p. [Seite]

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
15 (1936) - farbig
Issue
6 (6.2.1936)
Date
1936-02-06
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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Jüdisches Leben Hans Friedländer: Erklären und Verstehen. Daß es durchaus möglich ist, auch ein breiteres Publikum an philosophische Spezialsragen heranzusühren, bewies der Vortrag, den der frühere Privatdozent an der Universität Berlin D>r. Hans Friedländer in der Lehranstalt sür die Wissenschaft des Judentums hielt. Gegenstand des Vortrages bildete das Problem, ob die Psychologie den Naturwissenschaften oder den Geisteswissenschaften zuzuordnen ist. Solange man unter Geisteswissenschaftcn diejenigen Wissenschaften versteht, die sich im Gegensatz zu den Naturwissenschaften nicht mit der äußeren, sondern mit der inneren Wirklichkeit der Dinge beschäftigen, wird die Psychologie fraglos als Geisteswissenschaft anzusehen sein. Schwierigkeiten der Zuordnung ergeben sich indessen dann, wenn man mit Dilthey den Unterschied zwischen Natur- und Geisteswissenschasten nicht als einen gegenständlichen, sondern als einen methodischen ansieht und den Naturwissenschaften die Aufgabe zuweist, die Ursachen und Vorgänge der Erscheinungen auszudecken und zu erklären, während die Geisteswissenschaften die geistigen Begebenheiten verstehen sollen. Da die Aufgaben der Psychologie sowohl erklärender wie verstehender Art sind, würde diese Ansicht eine Aufspaltung der Psychologie in eine naturwissenschaftlich orientierte und in eine verstehende oder geisteswissenschaftliche Psychologie zur Folge haben. Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen, in denen er die Begriffe „Erklären" und „Verstehen" einer eingehenden Analyse unterzog, wies Dr. Friedländer nach, daß eine solche Aufspaltung unrichtig wäre. Dies ergibt sich insbesondere bei dem Versuch den Begriff „Verstehen" eindeutig zu definieren. Nach der einen Ansicht soll „Verstehen" das unmittelbare Erfassen des ursächlichen Zusammenhanges, der Schopenhauersche „Blick hinter die Kulissen" sein: einen solchen unmittelbaren Einblick gibt es indessen nicht, er erweist sich stets als Irrtum oder Selbsttäuschung. Eine andere Auffassung will „Verstehen" teleologisch, als Erkennen eines zweckbestimmten Verhaltens, definieren, wobei es wieder einen Unterschied macht, ob der Handelnde selbst sich seiner zweckgerichteten Haltung bewußt oder ob diese nur einem anderen erkennbar ist: Dr. Friedländer wies nach, daß im ersten Fall unmittelbar ein „Erklären", im zweiten Fall eine der Biologie geläufige Betrachtungsweise vorliegt — womit' sich in jedem Falle die geisteswissenschaftliche Psychologie in eine naturwissenschaftliche auslösen würde. Der eigene Standpunkt des Vortragenden ist folgender: Die Psychologie ist eine einheitliche Wissenschaft, die vorwiegend beschreibenden und erklärenden Charakter hat und den Geisteswissenschaften zuzurechnen ist, da sie sich mit geistigen Vorgängen beschäftigt. Ein Ausblick aus die gegenwärtige, durch eine anti-naturalistische Strömung gekennzeichnete Situation der Philosophie beendete den durch Klarheit und Logik der gedanklichen Konzeption wie durch Exaktheit und Einheitlichkeit der Durchführung gleicherweise ausgezeichneten Vortrag. Gü. Lo. Julius Bab: Immermanns ,,Merlin*1 Im Rahmen einer Vortragsreihe „Das religiöse Drama der neuen Zeit" sprach Julius B ab im Berliner Kulturbund über Jmmermanns „Merlin". Das tiefgründige Werk des Münchhausen-Dichters, von ihm selbst als „Mythe" bezeichnet, ist zugleich eines der schwierigsten, dunkelsten und auch bühnensremdesten im Bereiche der' neueren Dramatik; ja, es ist stellenweise ohne Kommentar überhaupt nicht zu verstehen. Um so - jüdischer Leist dankenswerter war Babs aufschlußreiche Analyse, die den inneren Zusammenhängen dieses „romantischen Gegenfaust" behutsam nachspürte und vor allem auf eine Entschleierung von Sinn und Bedeutung der drei Hauptgestalten des in dramatischer Hinsicht gestaltlosen Werkes bedacht war: des sündigen Gottsuchers Merlin, seines Vaters, des Satan, der sich zum Herrscher über die ganze sinnliche Welt aufwirft, und der mit Goethe zu identifizierenden Figur des Klingsor. Bab ging dabei vom Leben und von der Persönlichkeit Jmmermanns aus, von seinem ernsten, gründlichen, schwerflüssigen Wesen, das sich merkwürdigerweise zu dem ganz anders gearteten Heinrich Heine in aufrichtiger und dauernder Freundschaft hingezogen fühlte; und er stieg auch zu den Quellen des aus einem ungeheuren Bildungsmaterial ausgeschichteten Ideendramas hinab, für das Jmmermann insbesondere eine Uebersetzung des alten französischen Merlin-Romans von Dorothea Schlegel-Mendelssohn benutzt hat. In der Beurteilung des Jmmermannschen Werkes hütete sich Bab gleichermaßen vor der Ueberschätzung Geibols, der „Merlin" einen „zweiten Faust" genannt hat, wie vor der herabsetzenden Kritik etwa eines David Friedrich Strauß; man wird daher seiner gerecht abwägenden Formulierung beipslichten können: ein unausgeglichenes Werk, dys, bei aller Großartigkeit des Entwurfs, nur in einzelnen Stücken gelungen ist. H, L. Moritz Löwi: Körperbau und Charakter — Probleme und Scheinprobleme Das Jüdische Lehrhaus Breslau eröffnete sein 34. Halbsemester mit einem Vortrag von Professor Dr. Moritz Löwi (Breslau): „Körperbau und Charakter, Probleme und Scheinprobleme". Der Bortragende sprach zunächst über die Theorien, die der bekannte Marburger Psychiater Ernst Kretschmer in seinem Buche „Körperbau und Charakter. Untersuchungen zum Konstitutionsproblem und zur Lehre von den Temperamenten" ausgestellt hat, um Kretschmers Gedankengänge dann kritisch zu beleuchten. Kretschmer will vom äußerlichen sichtbaren Bau des Körpers aus den inneren Menschen schließen. Nach seiner Lehre ist der breite, gedrungene (pyknische) Körperbautyp vorwiegend in der Richtung der manisch-depressiven Seelenversassung entwickelt, während der schmale und zartgebaute (asthenische) Typ und der derb-kräftige (athletische) Typ den Schizophrenen zuzuordnen sind. Professor Löwi nimmt zu den Kretschmerschen Theorien kritisch Stellung und führt in der Hauptsache vier Gegenargumente an: 1. Nach Kretschmer läßt sich die Raumgestalt (d. h. die äußere körperliche Erscheinung) regelmäßig an der psychischen Aeußerung und diese an jener kontrollieren. Es ist aber nicht möglich, die Raumgestalt als Bedingung der seelischen Aeußerung anzuerkennen, denn nichts im Seelenleben läßt sich aus Räumlichem verstehen. Selbst die Empfindungen, z. B. die Gesichts- und Gehörsempsindunge'n, haben als Raumgebilde allein keine Bedeutung, bedürfen vielmehr dazu der Physiologischen Funktion. Das Seelenleben hängt mit dem funktionierenden Organ zusammen, nie wird es aus der bloßen Raumgestalt begriffen. 2. Kretschmer findet die normalen Temperamente, indem er sich die Charaktereigenschaften der Pathologischen (von denen er ausgeht) ihrer Intensität nach abgeschwächt vorstellt. Die seelischen Regungen müßten also in ihrer Intensität meßbar und variabel sein. Man kann aber nicht behaupten: ein Erlebnisinhalt i st stärker oder schwächer. Man könnte höchstens sagen: ich erlebe ihn stärker oder schwächer. Stärker „sein" und als stärker „erleben" entsprechen sich aber durchaus nicht. 3. Kretschmer umschreibt im wesentlichen drei Körperbautypen. Nicht jedem entspricht aber nur "pMUmfat Sonde r-Ermäßigungen auf alle Abfahrten ab italienischen Häfen nach PALÄSTINA vom 19. Febr. bis 4. März 1936 I. und II. Klasse auf Hin- und Rückfahrt 50% Touristenklasse „ „ „ ,» 30% Rückreise-Antritt spätestens am 26. 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Aus dem Inhalt: Einiges über die körperliche Entwicklung / Grundsätzliches über Entwicklungsgesetze / Die verschiedenen Theorien der Pubertät und der neue Ansatz / Die Entwicklung der Leistungsfähigkeit / Die Stellungnahmen und Interessen in der Schulzeit bis zum Beginn der Reifezeit / Der Generationskonflikt / Die Jugendgemeinschaften / Die Berufswahl / Der weltan-' schauliche Konflikt / Der Weg zum Ich / Das jüdischeKind 122 Seiten Kart. 4,— Mk. Philo Verlas u. Buchhandlung G. m. h. H., Berlin PARISER STRASSE 44 ) FERNSPRECHER: J 2, OLIVA 1375 Hohner- Harmonikas Größtes Lager Jeder Ausführung und Preislage. Alle Instrumente Mck gegen TeilaaUangl Verlängert Sie kostenlos Prosp. C licken 8, luluwtrStr. Ia Bremer Röstkaffee liefert: Pani Alexander, Achim b. Bremen, Postfach 1. Kinderwagen- Verdeck werden neu bezogen. Katal. üb.Kinderw, gratis Emil Levy, Hildesheim 2. ■Jufo-Gesellschaftsreisen — Dario 16.—22.2., ihol. Visum RM CC , luilS 22.—29.2., incl.Visum RM Du. 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Als Conferencier fungierte Fried- Wald, die stärkste Begabung des Ensembles. Die musikalische Leitung lag in den Händen des bewährten, talentierten Leo Schönbach. Die Bühnenbilder, ganz besonders gut gelungen, stammten von dem Maler Eduard Einschlag. Friedwald konnte seine starke Darstellungskunst am deutlichsten in „Direktor in Nöten" zeigen. Aus dem Programm sind besonders hervorzuheben: „Klub der Prominenten" unter Mitwirkung von Herbert Marcus (H. Walden), Walter L e w i n s o n (Leweus) und Sam. Sonnabend (S. Sonini), ferner die Szene „Im Cheder", der drastische Sketch „Die beiden Joschkes", der im russischen Milieu spielt, und die beiden Sketches „Von wannen kumt a Jid" und „Die Konjunktouristen aus Palästina". Von den Mitwirkenden seien noch Doris Wilamowska, Sidi B ien ensto ck und Debora Goldmann (Tanz) genällnt. Die Buntheit und Lebendigst der Bilder erinnerten vielfach an das russische Kabarett „Der blaue Vogel". 8. 8. Das Programm des Orchesterkouzerbes der Jüdischen Musikvereinigung Breslau enthielt u. a. zwei moderne Werke: „Drei Säße aus dem Concerto grosso für Streichorchester mit obligatem Klavier" von E r n e st Bloch und „Passacaglia für Streichorchester" von Bert hold Goldschmidt. Daß das Orchester die Schwierigkeiten der Aufführung dieser Werke auf sich genommen hat, ist besonders anerkennenswert. Wir sind für diese Leistung, die angesichts der schweren Aufgabe noch nicht vollendet sein konnte, dem Dirigenten Kurt Havelland dankbar. Solist des Konzerts war Nicolai Graudan, der Haydns Violoucellokonzert v-vur op. 101 nach anfänglichen tonliehen Unausgeglichenheiten mit meisterlichem Können spielte. Einen besonderen Erfolg erzielte er mit einigen kleinen virtuosen Stücken, anr Flügel von Irene T i n t n e r (Weißenberg), die auch bei dem Blochschen Werk mitwirktc, mit künstlerischem Feingefühl begleitet. Die Slavischen Tänze von Dvorak bildeten den Abschluß des erfolgreichen Konzerts. 6l. P. Das zweite Konzert des Jüdischen Kulturbundes sür Mitteldeutschland, das in Weimar stattfand, war ausschließlich dem Schassen Felix Mendelssohn-Bartholdys gewidmet. Hildegard L i n d t, Berlin, sang mit strahlendem Sopran zehn Lieder des Meisters, während die — auch als verständnisvolle Begleiterin faszinierende — Pianistin Claire Herr mann-Kahn durch die prachtvolle Wiedergabe Mendelssohnscher Klavierwerke entzückte. Die nicht allzu große, aber erfreulich mitgehende Hörerschar erzwang sich mehrere Zugaben. Der Musikschriftsteller Richard Kahn fand mit knappen Ausführungen über das Leben Mendelssohns und unsere Stellung zu ihm reges Interesse. In einem Kammermusikabend des Kulturbundes Saarbrücken gab es eine erlesene Programmsolge: Julius Schloß (Klavier), Edith E h r m a n n - Blum (Violine), Darius Strauß (Viola) und Mischa Raki er (Cello) brachten Mozarts Klavieryuartett Es-dur voll zur Geltung und ernteten durch ihr glanzvolles Spiel stürmischen Beifall. In der Serenade für Streichtrio von Beethoven erwies sich Edith Ehrmann- Blum als Geigerin großen Formats und eroberte sich durch ihren seelenvollen Vortrag und kraftvollen Rhythmus die Herzen der Zuhörer. Herrlich war die Einfühlung und Klangschönheit von Viola und Cello. Zwischen den beiden Jnstrumentalwerken sang Rudolf L o e w y Beethoven- Lieder, die gleichfalls dankbaren Beifall fanden. 8V. In der überfüllten Konstanzer Synagoge rezitierte Edith Herrn stadt-Oetti n gen, Berlin, zum zweiten Male. Jedem Hörer wird insbesondere „Salomons große Rede an Israel" unvergessen bleiben. B.W. Zugunsten der jüdischen Winterhilfe fand in Bayreuth eine Weihestunde statt. Hilde Marx, Berlin, eine gebürtige Bayreutherin, machte mit Rezitationen aus eigenen Werken tiefen Eindruck auf die Zuhörer. Emma H e i m a n n, Bayreuth, sang Stücke von Händel und Beethoven. Der Jüdische Kulturverein in Landsberg a. d. Warthe veranstaltete einen Liederabend, bei dem Else H o r w i tz (Jansen), Berlin, ihre vollendete Kunst zeigen konnte. Paul L i ch t e n st e r n (Berlin) erwies sich als sicherer Begleiter. HOTELS u\D SANATORIEN äJIIIIIIIII *5 Sanatorium Grunewald El Vorm. Frau Helene Meyer Hagensfrasse 39-47 | Tel.: H 9 Schmargendorf 7751 Streng klinisch ärztliche Versorgung der Kranken. Modernisierung der Elektro-Hydrotherapie. — Röntgen- Untersuchungen mit modernster Apparatur durch anerkannte Fachärzte, ©rundum satabestimmungen. Blektrocardiogramm, Kurzwellen usw. - Errichtung eines Pension«- hauses für besonders Erholungsbedürftige zu vereinbarten billigen Sätzen — Möglichste Reduzierung der Preise. Unverändert bleibt der Grundsatz, dass jeder Kranke sich v. d. Arzt seiner Wahl behandeln lassen kann,ferner die als vorziigl, anerkannte Verpflegung Familienheim Grunewald Selma Ebstein zum 15. Februar Doppelkomfortzimmer, zum 1. März Einzelzimmer frei Garten, Liegewiese. Gneiststrasse 8 J 7 0309. 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