Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936) - farbig
- Issue
- 6 (6.2.1936)
- Date
- 1936-02-06
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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ein bestimmtes Temperament. Soll aber die Raumgestalt an der seelischen Aeußerung kontrolliert werden, so müßte entsprechend auch jeder Körperbautyp in mehreren Modifikationen nachweisbar sein. 4. Abschließend warf Professor Löwi die Frage auf, mit welchem Recht Kretschmer „Charakter" mit „Temperament" und mit „Persönlichkeit" gleichsetzt. Die Psychologie kennt für die drei Faktoren drei verschiedene Begriffe. Löwi' wies daraus hin, daß der Marburger Gelehrte, dessen Werk er in seiner Bedeutung voll würdigte, in seinen Fehlern der herkömmlichen Psychiatrie folge. Was aber für Kretschmer selbstverständlich ist, wird für die wissenschaftliche Psychologie gerade^ zum Problem. — Der Redner trug die schwierigen wissenschaftlichen Probleme so einfach mnd klar vor, daß sie auch bei den Laien höchstes Interesse fanden. Dozent Dr. L e w k o w i tz dankte in seinem Schlußwort dem Vortragenden für den wertvollen Abend. Schw. Im Breslauer Jüdisch-Konservativen Gemeinde- Verein sprach Rabbiner Dr. Aber (Bremen) über die Sprache der jüdischen Pietät. Bon den Grundbegriffen jüdischer Pietät ausgehend, die über den Tod hinaus binde, behandelte der Redner den Sinn des „Verdienstes" (S'chuß) das neben der Seele sortlebe. Die Lehre vom Verdienst der Väter ist die Lehre von der sittlichen Energie. Wenn wir etwas leisten, so ist dies das Verdienst der Väter. Auf diese Fortpflanzung der Familienwerte im Sinne des „ledaur wodaur", das die Hervorhebung des Individuums ausschließt, war die jüdische Familie stolz. Es gab dem einzelnen das Bewußtsein, kein Einzelglied zu sein, nicht losgelöst von der Gesamtheit dazustehen, sondern „von Geschlecht zu Geschlecht" die Brücke zu bilden, das „Verdienst der Väter" den Kindern weiter zu geben. Vernunftsgründe und praktische Erwägungen der Aufklärung haben aus dieser sich stets erneuernden Kette Glied für Glied gelöst. Die konventionelle Pietät, die manchmal zurückblieb, konnte uns nicht mehr genügen. Nur beim Tod merkte man noch etwas vom Judentum. Das Kaddisch- Gebet, ein Bekenntnis zum väterlichen Ideal und zur jüdischen pulsierenden Religion des Lebens, war zur leeren inhaltslosen Geste geworden. Wahre Pietät sei die Schließung der Kette, die Väter und Söhne als wertvolle Glieder verbinde. Der Redner gab zum Schluß ausführliche Beispiele von Grabstein-Inschriften, die in wunderbarer Weise die geistig-seelische Verbindung zwischen den Trauernden und dem Heimgegangenen offenbaren und in ihrer Innigkeit und aufrichtigen Liebe ergreifen. ___ Schw. Mendele-Feiern Anläßlich des 100. Geburtstages des Dichters Mendele Mocher Sefarim veranstaltete die Berliner Z i o n i st i s ch e Vereinigung im Logenhaus Kleiststraße eine kleine Feier, in deren Mittelpunkt ein Vortrag Dr. S. Borodianskis stand. Nach einer kurzen biographischen Darstellung kennzeichnete der Referent die innere Entwicklung des großen jüdischen Dichters. Er nannte Mendele den „Urgroßvater unserer Literatur", der den nach ihm kommenden jüdischen Schriftstellern den Weg bahnte, insbesondere aus Ch. N. Bialik starken Einfluß ausübte. Der materialreiche Vortrag Borodianskis wurde von musikalischen und rezitatorischen Darbietungen umrahmt. Gustav Sabel spielte kleine Stücke moderner jüdischer Komponisten, Rahel Ermolni ko ff sang jiddische Volkslieder — ihr Programm war allerdings zu ausgedehnt — und Josef Glowinski rezitierte aus den Werken Mendeles. Der erste kulturelle Abend des Verbandes polnischer Juden war gleichfalls dem Dichter Mendele gewidmet. Dr. Jakob M e i t - l i s, ausgezeichneter Kenner jiddischer Literatur, gab in seinem Gedächtnis-Referat eine Darstellung der geistesgeschichtlichen Voraussetzungen und der treibenden Kräfte um die Mitte des vorigen Jahrhunderts im osteuropäischen Kulturbezirk, aus denen das Werk Mendeles entstand. Nach Meitlis zeichnete Leo H i r s ch geistreich und scharf pointiert ein Bild Mendeles im Rahmen der Weltliteratur. Er kennzeichnete Mendele als den sorgsamsten Handwerker der jiddischen Sprache, daneben als einen Realist und Psychologen von hohem Format. Mascha Benjakonska umrahmte die Vorträge mit beachtenswert gelungenen Gesangsrezitationen. H. B—n. Eröffnung des Hebräischen Lehrganges der Reichsvertretung Vor einigen Tagen fand die Eröffnung des Hebräischen Lehrganges zur Ausbildung von Lehrkräften für den hebräischen Erwachsenenunterricht statt. In den Begrüßungsansprachen wiesen Dr. Adolf Leschnitzer im Namen der Reichsvertretung und — in hebräischer Sprache — Dr. Kalöko als Leiter des Kurses auf die Bedeutung der hebräischen Sprache für die jüdische Gegenwart hin. Im Jüdischen Lehrhaus Wiesbaden sprach Dr. Paul Eppstein, Berlin, über „Tradition und Leben (Palästina und Diaspora)". Lehrhaus Berlin Donnerstag - Vortragsreihe „Jüdische Kultur heute". Leo Hirsch: „Kunst als Kulturschöpfung", 6. Februar, 20 Uhr 15 Min., Logenhaus, Kleiststraße 10. Offene Arbeitsgemeinschaft über die Donnerstag- Vorträge: „Sprache als kulturtragendes Element" und „Kunst als Kulturschöpfung", 13. Februar, 20 Uhr 30 Min., Aula, Joachimsthaler Straße 13. Montag-Einführungsvorlesung in die I ü d i s ch e Geschichte: 10. Februar, 20 Uhr 30 Min., Jsmar E l b o g e n : „Neuzeit", Logenhaus, Kleiststraße 10. Arbeitsgemeinschaften. Wiederbeginn der Arbeitsgemeinschaft Margolius: „Einleitung in die praktische Philosophie", 12. Februar, 20 Uhr, 30 Min., Fasanenstraße 79—80. Praktische Kurse. 5. Februar, Rudolf Cohn: Buchhaltung für Anfänger, 19 Uhr, Lützowstraße 16; Buchhaltung für Fortgeschrittene, 20 Uhr 30 Min., Lützowstraße 16. — 6. Februar, Glücksohn: Photographieren für Fortgeschrittene, 20 Uhr, Marburger Straße 5. In alle laufenden Arbeitsgemeinschaften können Teilnehmer noch ausgenommen werden, ebenso in die Sprach-, Handels- und technischen Kurse. Hörerkarten, Anmeldungen, Auskünfte in den Sprechstunden des Sekretariats: 10 bis 13 und 16 bis 18 Uhr. Besichtigung des Lehrgutes Winkel Sonntag, 16. Februar. Fahrverbindung: Vorortbahn bis Fangschleuse, von dort etwa 21l- Stunden Fußweg oder Autobus ab Wittenbergplatz bzw. Alexanderplatz. Vorherige Anmeldung nur im Sekretariat. Genaue Auskünfte dort (10 bis 13, 16 bis 18 Uhr). 1. Reichskonferenz polnischer Juden in Berlin. Tagesordnung: Sonntag, den 9. Februar, 1. Sitzung. Eröffnung im Logenhaus, Kleiststraße 10, durch den Vorsitzenden des Berliner Verbandes, I. Kornfeld. Begrüßungen'der jüdischen Organisationen und des Botschafters 'der Republik Polen. Wahl eines Präsidiums und anderer Kommissionen. Referate: Dr. T r a u b, Berlin: „Die wirtschaftliche Lage der polnischen Juden." Dr. Meitlis, Berlin: „Die jüdisch-polnische Immigration, ihre Geschichte und innere Struktur." Montag, den 10. und Dienstag, den 11. Februar, in den Räumen des jüdischen Clubs, Joachimsthaler Straße 13. Dr. Meitlis, Berlin, oder Fuchs, Oberhausen: Bericht über die Tätigkeit der Verbände polnischer Juden in Deutschland. I. Kornfeld, Berlin: „Ziel und Aufgaben des Reichsverbandes" R o s e n w a s s e r, Frankfurt a. M.: „Die kulturellen Belange der polnischen Juden." — Generaldebatte. — Berichte der Kommissionen, Entschließungen, Wahl der Reichsverbandsorgane. Schlußwort des Präsidenten der Reichskonferenz. LOS Ein Leser aus dem Reich schreibt uns: Der Aufsatz von Ludwig Meidner „Moaus zur in vier Ländern" in Nr. 51 der „C.-V.-Zeitung" vom 19. Dezember 1935 kam mir durch Zufall etwas spät zu Gesicht. Der Bericht berührt mein Leben mit all seinen Erfahrungen und Eindrücken weitaus stärker, als seinen Eingangsworten zu entnehmen war. Die besten Geschichten sind immer noch die lebenswahren. Wie dem Manne, von dem Meidner berichtet, ist es mit mir unzähligen jüdischen Männern und Frauen ergangen, mit der Einschränkung vielleicht, daß ich nicht Christ wurde. Leider ist es auch heute mit der religiösen Erziehung und Erweckung bei den Aelteren nicht viel besser geworden. Ich denke an unsere über 80-Seelen-Gemeinde; acht Kinder sind hier, und diese Zahl wäre meiner Ansicht groß genug gewesen, derenthalben eine Chanukka-Feier abzuhalten. Dennoch ist es nicht geschehen. Die Erziehung von Menschen ist, meine ich, Sache der Psychologie; besonders bei Kindern ist aus deren Psyche einzugehen. Die religiöse Erziehung ist nun bei uns kaum bemerkbar Gottesdienst haben wir nur an den Festtagen — und die Lehrstunden in der Woche sind recht kärglich. Es besteht aber bei allen — und besonders bei den Kindern — das Bedürfnis nach religiösen Feierstunden. Der Einwand, der in unserer Gemeinde gemacht wurde: solche Feiern wären wegen der Schwere der Zeit nicht angebracht, scheint mir nicht berechtigt zu sein. Gerade religiöse Feiern sind geeignet, die Menschen seelisch aufzurütteln, ihnen den Frieden wiederzugeben und sie den jüdischen Traditionen näherzubringen. Daher mein SOS-Ruf an Lehrer, Erzieher und alle kompetenten Stellen, eine Lösung in dieser Richtung anzustreben, jüdischen Männern, Frauen und Kindern in den Kleingemeinden die Möglichkeit zu religiösen Feierstunden zu verschaffen. > Julius Levy (Jever), &rna Salomon Silex Salinger r Berlin W. 30 Heilbronner Str. 28 Verlobte 5.2.1936 Berlin W. 62 Luther-Strasse 29 Else Elkan Rabb. Dr. Siegfried Scheuermann Verlobte Berlin-Charlöttenburg Berlin_ Neue Grolmanstr. 2 ' Frankfurt a. Main LORE KAUFMANN WALTER FORST Freiburg i, Br. Mozartstr, 9 a Ber/in-Wilm. Güntze/str. S7\58 Kl VERLOBTE Februar 19 3 6 Berlin - Char/bg. Augsburgerstr.22 K“ Statt Karten. FRITZ GRÜNEWALD IRMA GRÜNEWALD geb. Frieden berg Vermäh lte Schlangen (Lippe) 9. Februar 1936. Altena (Westf.) Freiheitstr. 62. Rudolf Sfensch Gabriele Stensch geb. Teutsch Vermählte Berlin, den 7. Februar 1936 Trauung« Sonntag, den 9. Februar 1936, Val Uhr im Tempel der Reform - Gemeinde, Johann isstr. Heinz Münsterberger Klara Münsterberger geb. Stensch Vermählte Berlin, den 8. Februar 1936. J --- 's Die Geburt ihrer Tochter EVA zeigeu an Wafter und CbarTotte Herz geß. Tacken fieim Berlin - Schöneberg, 30. Januar 1986 Meraner Straße 42 JB.I Qualität seit 1861 Louis Lewy jr. Damen-Mäntel- und Kleider-Fabrik Ring 39—40 BfCsläU I Albrechtstr. 3 J ELSE HERZ CARL HEUMANN Verlobte Haigar (Dillkreis) Düsseldorf, Bahnslr.67 Berk (Westf.), Barcelona (Spanien) 9. Februar 1936 Barcelona, Muntaner, 183 f Ruth Friedmann Georg Kaufmann Verlobte Hambu rg, Oderfelderstr. 17 St. Tönis b. Krefeld r. Cafe Kurfürstendamm Kurfürstendamm 70, Edce Wilmersdorfer Str. Inh. Meyerhof M. d.J. G. Nadimittags und abends: Der berühmte Zigeunerprimas Petrico Joncscu Restaurant, Billardu. SpielsSle, div. inu. ausländ.Zeitungen ^Re Zu Hause: Sonntag, d. 16. Febr. 1936 Hamburg, Oderfelderstr. j VERMÄHLTE Allred LebrecM Maria-Jeanette Lebrecht geb. Tentler Ulm a. D. J Gerd Seckel Trude Seckel geb. Rindskopf Vermählte London N 6, 6. Februar 1936 Greenbanks, Courtenay Avenue. Heinz Klestadt u. Frag Marga geb. Burin zeigen die Greburt ihrer Tochter EV3 an. Dortmund, den 1. Februar 1936. Hoherwall 4. r Allen Freunden und Bekannten danke ich auf diesem Wege für ihre Geburtstagswünsche herzlich. Gustav Zamory. -—. Eine Familien- Anzeige ln dieser Grösse kostet Rm. 8.00 rlH. LOEWENTHAL^ Berlin W 50, Achenbachstrasse 4 Prima Fleisch, Wurst und Geflügel v. Inländische und Ausländische Ehe-Arrangements vornehmster Art BERLIN W15 Kaiserallee 22 Ruf: J 2 Oliva 0806 „Holland“ am Kurfürstendamm Kurfürsten dämm 61 / Eingang Leibnizstraße Original Volendammer Trachten Zum Tanz; Die 4 Castelly’s M.d. G. ff retschmers Restaurant Im BERLIN, Niederwallstr. 25, am Spittelmarkt Klubzimmer für 60—80 Personen frei | I Ausrichten von HOCHZEITEN und . , ■ n tnre FAMILIENFESTLICHKEITEN aller Art * Tel. fl 0 1003 ■ Dr. Leo Jacobsohn ■ Vortrag zu Gunsten der Winlerbilfe 20. Februar 830 Logenhaus, Kleiststrasse 10 Magnetismus, Suggestion, Hypnose Karten RM 1.—. RM 1.50 im Vorverkauf der Jüdischen Winterhilfe, Rosenstr. 2, D 1 6711, Apparat 39, sowie beim Philo Verlag, Pariser Str. 44, J 2 1375. An der Abendkasse RM 0.25 Zuschlag. Eintritt nur für Mitglieder der Jüdischen Gemeinschaft. 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