Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936) - farbig
- Issue
- 6 (6.2.1936)
- Date
- 1936-02-06
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2277379-9449481-9449242--10015-9448674- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
fasier zum Ausdruck bringt, für diejenigen aus dem Volke geschrieben, die mit der Gottesfurcht ernst machen wollen und über das Wesen Gottes und seine Gebote nachsinnen. Der Inbegriff ihrer Lehre ist demnach die Erkenntnis des Göttlichen, die wiederum nicht auf dem Wege'des Rationalismus, sondern durch innere Schau und tiefe Andacht beim Gebet erreicht wird. Nur so konnten dem Volke neue Kräfte und frische Säfte zu dessen Erhaltung in Zeiten der Not und des Umbruchs zugesührt werden. Die Überlieferung weiß wenig von dem wirklichen und realen Leben dieser einzigartigen Männer des Volkes zu berichten. Spärlich sind die Nachrichten, die uns über sie aus jenen entlegenen Jahrhunderten zusließen. Von R. Samuel, dem Frommen, wissen wir, daß er einer hochangesehenen Gelehrtenfamilie der Kalonhmos, die im 11. Jahrhundert aus Oberitalien nach Deutschland kam, entstammt. Seine Eltern wohnten ursprünglich in Mainz, und als diese Gemeinde während des ersten Kreuzzuges schwer heimgesucht worden ist, flohen sie in das benachbarte Speyer, wo R. Samuel um das Jahr 1115 geboren wurde. Recht früh hat er bereits seinen Vater verloren und wurde von Eleasar Chasan in Speyer erzogen, der ihn auch in die theosophische Geheimwissenschast eingeweiht hat. Später wurde R. Samuel das Haupt seines Lehrhauses in Speyer und galt seinen Zeitgenossen als allgemein anerkannte Autorität. Von seinen Jüngern sind besonders seine beiden Söhne R. Abraham und R. Jehuda, David aus Münzenberg u. a. m. bekannt geworden. Der Hang zum Geheimnisvollen und zum Grübeln machte ihn ruhe- und rastlos und so entschloß er sich, einmal aus der Enge seiner Umgebung in die weite Welt zu ziehen. Dieser freiwilligen Wanderung hat sich die Legende mit E besonderer Vorliebe angenommen und schrieb ihr geheimnisvolle Bedeutung zu. So soll er sieben, nach einer anderen Quelle sogar neun Jahre lang, unterwegs gewesen fein, wobei er sich großen Strapazen unterzogen hat. Um nicht von seiner Gelehrtenwürde irgendwelchen Nutzen zu ziehen, verheimlichte er unterwegs feinen Namen und gab sich als Handwerksgeselle, zuweilen als Pergamentmacher, wie die Legende erzählt, aus. Auf diese Weise soll er auch einst in Nordsrankreich bei dem hochgestellten Lehrer R. Jakob b. Meir Tam unerkannt geweilt haben. Im übrigen scheint er ein recht armer Mann gewesen zu sein und bestritt kärglich feinen Unterhalt von dem, womit manche Gemeinden sich freiwillig zu seinen Gunsten besteuerten. Wann und wo sein Sohn R. Jehuda geboren wurde, steht nicht genau fest. Man nimmt an, daß er in Speyer um 1150 zur Welt kam. Die Legende erzählt, daß er bis zu seinem 18. Lebensjahre ein unwissender Müßiggänger war. Seine freie Zeit hatte er mit Bogenschießen zugebracht, was wiederum den Jüngern des R. Samuel mißfiel. Mit Hilfe des Gebetes und des „ausgesprochenen Gottesnamens" wird die rohe physische Kraft Jehudas gebrochen und an ihre Stelle tritt die geistige, wodurch er dann zum großen Heiligen und Wundertäter wird. Als die Juden in Speyer bedrängt wurden, zog er im Jahre 1195 nach Regensburg und begründete dort sein weithin berühmtes Lehrhaus. Zu feinen Schülern zählte er u. a. den bereits erwähnten R. Eleasar v. Jehuda „Rokeach" aus Worms und R. Isaak b. Mose „Or Sarua" aus Wien. Er gab sich auch mit weltlichen Dingen ab und war hochangesehen bei der Obrigkeit, so daß ihn u. a. -er Herzog von Regensburg zu Rate gezogen hat. Zuweilen führte er auch Diskussionen mit der Geistlichkeit und dem Adel und scheint lange Zeit in Fehde mit dem Bischof von Salzburg gelegen zu haben. Als sein Todesjahr wird das Jahr 1217 angegeben. Im übrigen haben die vorhandenen Quellen mehr mythische und legendäre Züge als tatsächliche Berichte vom Leben und Wirken dieser einst so berühmten Männer in Israel aufzuweisen. Und da die Geschichte schweigt, spricht die Legende und nimmt sich ihrer mit besonderer Wärme an. Sie sind die mystischen Heroen einer Notzeit geworden, die die schassende Legende mit dem Glorienschein des Uebernatürlichen und Wunderbaren umgeben hat. In der Volksphantasie leben sie weiter als die Männer, die Wundertaten vollbringen, die Tote erwecken und siegreich im Kampfe gegen das Böse bleiben. Dank ihrer Heiligkeit überwinden sie Zeit und Raum, bedienen sich in schweren Situationen des göttlichen Namens, des „Schem hamsorasch", mit dessen Hilfe sie imstande sind, die kosmischen Gesetze zu ändern. An die Reihe dieser Verfasser schließt sich nunmehr als dritter der schon von uns vielfach erwähnte Jünger R. Jehudas, Eleasar b. Jehuda aus Worms, einer der angesehensten Tosasisten der Zeit, der wegen seines Hauptwerkes „Rokeach" genannt wird. Ein kleiner Ausschnitt aus dem Leben dieses Mannes vergegenwärtigt uns mit einem Schlage die katastrophale Stimmung jener Zeit, die im „Buch der Frommen" ihren Niederschlag gefunden hat. Als Eleasar in einer Herbstnacht des Jahres 1196 über das Manuskript seines Kommentars zum Pentateuch gebeugt saß, brachen Kreuzfahrer in sein Haus ein und erschlugen seine Frau Dolce und zwei seiner Töchter. Dieses -tragische Geschick hat seitdem seinen Stempel auf das Gemüt dieses schon ohnehin zur Askese neigenden Mannes gedrückt und seine Seele mit tiefer Trauer erfüllt. Es nimmt uns daher nicht weiter wunder, wenn das „Buch der Frommen" und das in ihm vorliegende religiöse System, durch die Fülle der tragischen Ereignisse dieser Jahrhunderte die düstere Stimmung und die schwüle Lust jener finsteren Zeit verrät. In ihm kommt die Meltausfassung des gedemütigten Juden in der Zeit der Kreuzzüge vollends zum Durchb r u ch. Alles atmet hier äußere bittere Not und unauslöschliche Trauer und gipfelt in dem Bewußtsein der eigenen Sündhaftigkeit, die wiederum in der Forderung nach Demut und Buße ausklingt. Das „Seser Chassidim" als Ganzes überliefert uns ein eschlossenes Moralsystem,in dem sich sowohl der eitgeist wie die Zeitverhältnisse treu widerspiegeln. Das Ganze ist von einem hohen Ethos und einer tiefen, p e r - sönlichenReligiosität getragen. Sein Verfasser verlangt, daß der Mensch durch selbstlose Hingabe an die Lehre und Gottesfurcht an seiner Gottähnlichkeit mitschassen soll. Die Gottesfurcht besteht aber nicht allein in der Erfüllung von Geboten. Man kann oft Gott auch nur mit der guten Absicht dienen, denn „die Wurzel von allem ist das Herz". Erläutert wird diese erhabene Maxime durch die Geschichte. eines Hirten. Es war einst, heißt es da, ein Hirte. Dieser konnte nicht beten und sprach in seiner Einsalt täglich vor Gott: Herr der Welt, es ist offenbar vor Dir, daß wenn Du Vieh hättest und es mir zum weiden überließest, ich es ohne Lohnanspruch für Dich tun würde, denn siehe, ich liebe Dich sehr... Und Gott hatte besonderes Wohlgefallen an diesem Gebet des Hirten, ist der moralisierende Schluß dieser wunderbaren Geschichte. Den Höhepunkt bildet wohl das „Buch der Frommen" mit seiner Forderung nach voraussetzungsloser, uneingeschränkter Menschenliebe. Es wird daher die Reinheit der Moral und des Charakters, sowohl im gegenseitigen Verhältnis der Juden untereinander als auch im Verkehr mit Andersgläubigen verlangt. Es ist eine Pflicht, heißt es an einer Stelle, dem Andersgläubigen gegenüber ebenso ehrlich zu handeln wie dem Bruder, dem Juden gegenüber; durch anderes Verhalten wird der Name Gottes entweiht. Es ist die Pflicht eines jeden und ein Zeichen für die wahre Nächstenliebe, daß man nicht nur sich selbst zu läutern und zu heiligen bestrebt sein, sondern auch andere dahin bringen soll. Von edelster Humanität ist auch die Vorschrift getragen, die milden Umgang mit den Geschöpfen Got'kes empfiehlt, Knecht und Magd nicht zu beschämen und auch das Tier schonend zu behandeln. Daneben enthält das Buch Belehrungen über die Lebensweise und Pflichten des frommen, gottgefälligen Menschen und darüber hinaus Ratschläge für das Verhalten in Zeiten der Not und der gewaltsamen Bekehrung. Es stellt Grundsätze für die Erziehung und das Studium auf und erhärtet seine Morallehren immer wieder durch Beispiele und erbauliche Erzählungen, denen oft eine geistliche Auslegung angehängt wird. Es stellt sich somit in die Reihe der didaktischen Literatur, die nicht nur religiös-moralisch erziehen, sondern zugleich auch ethisch erbauen will. Das „Buch der Frommen" entstand in einer Zeit, in der die jüdische Straße mit Schrecken und Entsetzen erfüllt war. BHBB&nBS&BHBHHHnHBBBBB Es konfrontiert uns mit einer Umwelt tiefster Mittelalter» licher Finsternis, dunkelsten Aberglaubens, wilden Fanatis» mus und geistiger Verwilderung. Andererseits schlagen uns von dort Töne der Menschenliebe entgegen, wie sie nirgends zarter erklungen, nirgends tiefer empfunden worden sind- Und nichts ist für den Geist seiner Verfasser charakteristischer? als die von ihnen ausgestellte Forderung („Buch der Frommen": „Lippen, die Wahrheit sprechen, ein grader Geist und ein reines Herz". Vielleicht liegt in diesem einen Satze die Quintessenz des großangelegten Moralsystems im „Buche der Frommen". Es bildet einen der erhabensten Höhepunkte des jüdischen Mittelalters. Manuel Schnitzer zum 75. Geburtstag Fünfundsiebzig Jahre vollendet dieser gütige Weise am 12. Februar, und niemand kann sich besinnen, nicht einmal seine eigene Frau, sein Antlitz jemals unfreundlich gesehen zu haben. Noch sein grauer Schnauzbart blickt liebenswürdig. Und wer Manuel Schnitzer kennt, wer vollends mit ihm, der 50 Jahre lang Journalist gewesen ist, zusammengearbeitet hat, weiß, wie sehr dieser Liebenswürdige auch liebenswert ist. Und gleicherweise liebenswürdig und liebenswert sind die Feuilletons, sind die Bücher, die er in langer Reihe schrieb. In Angrychau bei Bielitz, im alten Ostösterreich geboren, sollte der rabbinerreichen Geschlechtern Entstammende Rabbiner werden; aber es zog ihn zur westlichen Welt, in der er freilich niemals die östliche vergaß. Er studierte in Wien die Rechte und begann sogleich jüdische Geschichten zu schreiben, schrieb sie 50 Jahre hindurch und schreibt sie heute noch: die Typen seiner Heimat, die ihn zwanzig Jahre lang umlebten, sie webten sich durch sein ganzes, langes Leben. Eine Auswahl dieser Geschichten bieten „Drillichauer Lebensläufe" und (als Reklam-Hestchen erschienen) „Wunderliche Lebensläufe". Unterdessen ist er den Weg des Journalisten gegangen, vom Gerichtsberichterstatter an, über die Redaktion der „Wiener Mode", bis er 1890 nach Berlin kam und als erster Schriftleiter der damals neugegründeten ,Berliner Jllustrirten". Im Berliner „Abend" fing dann der junge Ehemann an, jene Feuilletons voll heiterer Lebenswahrheit zu schreiben, die später gesammelt als „Käte und ich" einer der größten Bucherfolge um die Jahrhundertwende wurden. Wie hier das Ehepaar, leben in „Peter und Fann" dessen Kinder, von zarter, menschenkennerischer Hand zum zweitenmal ins Dasein gerufen. Aber unterdessen war Manuel Schnitzer weiter den arbeitsreichen Weg des Journalisten in der rasch aufblühenden Reichshauptstadt mit ihrer ebenso rasch aufblühenden Presse gegangen: fünf Jahre am „Börsen-Courier", dann 25 Jahre am „Tag" und „Lokalanzeiger" war er Redakteur. Und weiter verfaßte er in den kargen Mußestunden Buch auf Buch. Immer aber blieb er seiner heimlichen Liebe treu: dem Juden» tum. Für die „Frankfurter Zeitung" schrieb er viele Jahre lang über Biblisches und Talmndisches. Sein Lieblingsthema waren die Apokryphen, und aus dieser Tätigkeit ging „Der Fall Potiphar" hervor: Abhandlungen über die Frau des Potiphar in ihrer Gestak» tung durch die Jahrhunderte. In diesem Buch setzte er sich für bic Echtheit des um 1920 aufgefundenen „Joseph "-Epos ein, das denr ganz" jungen Goethe zugeschrieben wird. Er sammelte auch „Did schönsten Legenden aus dem Talmud" sowie zwei Bände jüdischer Witze, und er schuf seine dichterischste Gestalt, den volkstümlich ge» wordenen „Rabbi Lach", den lustigen Musikanten und weisen Schnurrenerzähler aus dem Oftr» Jetzt sitzt der Greis in abgeklärter Mvße am Schreibtisch und fertigt Verzeichnisse und Inhaltsangaben der Bücher an, die er nicht geschrieben hat, weil ihm das Leben keine Zeit ließ. Und als ich ihm kürzlich ankündigte, daß ich zum Fünfundsiebzigsten über ihn schreiben würde, da bestürmte er mich: „Bitte, nicht länger als 20 Zellern mehr bin ich nicht wert. Ich bin wirklich nicht bedeutend. Schreibet Sie nur: ein Autor von anständigem Mittelmaß „/ K. P» In dem amtlichen „Gutachtenanzeiger" vom Januar 1936 werden als nicht zu empfehlende Bücher u. a. aufgeführt: Severin Grill, „Der Talmud und Schulchan Aruch"; Wilhelm Hauff, „Jud Süß"; Die Briefe von Hugo von Hofmannsthal; Otto Meininger, „Ueber die letzten Dinge". Mit E i n * schränkung nicht zu empfehlen sei u. a. Otto Hausers „Geschichte des Judentums". gestellte Thema „Religion und Musik" behandelte George Goetz. Mit samtweichem, gehaltvollem Ton spielte der Geiger Alexander P r i l u tz k i Bach und Händel, das große Material des Mezzosoprans von Erika Samson-Storm, gepaart mit feiner Gesangskultur, kam in Arien aus dem „Judas Maccabäus" sehr schön zur Geltung. Fritz Wallenberg brachte mit edlem Celloklang Stutschewskh und Bloch. An der Orgel begleitete überlegen Ludwig A l t m a n n, der noch mit farbiger Registrierung eins der kostbaren kleinen Stücke Max Negers vortrug. Weiterhin wirkte das Streichorchester der K ü n st l e r h i l f e unter der taktfesten Leitung von Dr. Hermann Schildb e r g e r mit und gab mit Bach und Mozart der, ihrer Aufgabe gemäß, erhebenden Feierstunde einen würdigen Rahmen. Lai. Es geht mit Liedern ähnlich wie mit Gedichten: jeder Dilettant glaubt dieser „kleinen" Form gewachsen zu sein. Und wie schwer ist es in Wirklichkeit, eine Seelen- oder Naturstimmung in wenigen Takten zwingend festzuhalten. Max Kowalski, von dem der Jüdische Kulturbund Rhein-Main, Frankfurt a. M., eine Folge von Liedern aus dem „Japanischen Frühling" Hans Bethges zur Uraufführung brachte, hat diese Fähigkeit zu konzentrierter Spiegelung des poetischen Gehalts. In zarten Pastellfarben, fast nur andeutend, fängt er die Atmosphäre der altjapanischen Lyrik ein. Arbeiten aus früherer Zeit, Hafislieder und graziös-sentimentale Rokokogesänge, vervollständigten vorteilhaft das Bild. Den lebhaften Erfolg half die Sopranistin Emmy Lußheimer-Joseph mit klugem Vortrag und angenehmen-Stimmitteln bereiten. Sie trat auch für zwei gefällige Gesänge von Richard Fuchs ein. Witzige, geistvolle Klavierstücke von Bernhard Sekles wurden von Alice Rosenbaum gewandt, aber nicht erschöpfend dargestellt. Schuberts selten gespielter Quartettsatz C-moll und das Klarinettenquintett von Brahms bildeten in der sehr gepflegten Widergabe des Streichquartetts des Kulturbundes (Bassermann, Drucker, Karp, Schützer mit dem Klarinettisten Zimmer m a n n) monumentale Eckpfeiler des Programms. An einem eigenen Abend führte Rosy G e i - ger-Kullmann größere Bruchstücke aus der Volksoper „Vogelfuß" und aus „Ritter Lanzelot" konzertmäßig auf. Auch ohne die Stütze der Szenik erkennt man die Wirksamkeit einer Tonsprache, die melodienreich und prägnant der dra- Ernst Silberstein, däs ehemalige Mitglied des Klingler-Quarietts, ist zurzeit auf Tournee in Italien Zeichnung von Nelly N. ..in iiiimnmiiti nmmn) im immiiM min um i im i im in mi hii um hihi um i immi matischen Situation nachgeht. Eine Intensivierung der Schaffenskraft bedeutet die Kantate für drei Solostimmen „Ruth und Boas", die als poetischen Unterbau eine Nachdichtung Alfred Auerbachs benutzt. Die Musik erfüllt das Bibelwort mit starken Impulsen. Eine reizende, eingängige-Ballettsuite für Klavier vierhändig hatte es ebenfalls nicht schwer, Beifallsfreude zu wecken. Ihren Interpreten: Käte E t t l i n g e r, Paula L e v i, Hans A s s e n h e i m, Herbert Heß und Hedwig Bergmann war die Komponistin für verständnisvolle Mitarbeit zu Dank verpflichtet. Aus Mangel an vollgültigen Aufgaben behelfen sich die in Frankfurt ansässigen Schauspielkräste mit allerlei Unternehmungen, die sie, wie das „Literarische Studio" des Kulturb u n d e s, wenigstens vor dem gänzlichen Brachliegen schützen. Künstlerisch durchgeformte Rezitationen von Bibelabschnitten und Szenen aus Beer-Hosmanns „Jungem David" und die Lesung eines Kapitels aus Thomas Manns „Geschichten Jacobs" ließen wieder bedauern, daß für entwicklungsfähige Begabungen wie Sofie Seligm a n n, Bert Bär und Rudolf Ganz kein stärkeres Relief geschaffen wird. Für das Fehlen eines Opernensembles werden die jüdischen Musikfreunde Frankfurts bisweilen durch schöne Bühnenstimmen entschädigt. Fritzi I o ck l s virtuoser Ziergesang schuf reizvollen Abglanz der Shäre, in der sich ihre Kunst am zwingendsten ausleben kann. Die liebenswürdigen, immer geschmackvollen Humoristika Joseph Plauts, in dessen vielseitigem Talent ja auch ein Tenorbuffo beheimatet ist, lockerten die Stimmung des Abends noch mehr auf. Einige für Tanz und Kabarett ungewöhnlich begabte Kinder lieferten dem Programm nicht vorgesehene Einlagen, außerdem steuerte ein vyn Max N e u - mann geleitetes Ensemble von Berufsmusikern und Musikliebhabern Ouvertüren und Tänze bei. A.H-e. In Mainz konzertierten mit großem Erfolg Boris und Josef Schwarz, Berlin. Höhepunkte waren das Violinkonzert E-Moll op. 64 von Mendelssohn, die Klavierfonate B-Moll von Chopin und Hopak von Musforgski. Beide Künstler wurden mit reichem Beifall bedacht und mußten mit Zugaben auswarten. m—I. Der Kulturbund Bingen veranstaltete ein Konzert, in dem Bettina F e i t l e r, Frankfurt a. M., in Werken von Buxtehude und Händel und in Liedern von A. Knab und Herbert Fromm echtes Künstlertum bestätigte. Besonderen Eindruck hinterließen Fromms tief aus dem Geist ostjüdischen Wesens gestaltete Gesänge. Theo R a t n e r erwies in Stücken von Pugnani, Friedemann Bach und -Paganini sein überlegenes geigerisches Können. Herbert Fromm steuerte eine Orgelfuge von I. S. Bach bei und begleitete in gewohnt zu-- verlässiger Weise. Die Jüdische Winterhilfe Darmstadt veranstaltete ein Wohltätigkeitskonzert. Die Pianistin Erna Mann spielte Händel, Ph. E. Bach, Beethoven, Chopin und Brahms mit starker. Einfühlung und gut entwickelter Technik. Der künstlerische und materielle Erfolg war erfreulich. Der Berliner Cellist Ewel Stegmann gab im Rahmen des Ausschusses für kulturelle Darbietungen Pforzheim ein Konzert. Er sowohl wie die einheimische Pianistin Suse L o e b erspielten sich einen großen Erfolg. KP. Im Kulturbund Bremen sang der Baritonist Max Untermayer (Raymer), Berlin, Lieder, Balladen und Arien. Seine vornehme, kultivierte Stimme trägt ausgezeichnet. Sie ist in der Lage, sämtliche Register gesanglicher Kunst in allen Schattierungen spielen zu lassen. Untermaher verfügt dazu über ein gutes dramatisches Gestaltungsvermögen. John Mandelbrod, Hannover, fungierte als überaus verständnisvoller Begleiter und stellte auch seine hohen solistischen Fähigkeiten in der selten gehörten 6-moll-Fantasie von Mozart unter Beweis. Drei künstlerische Ereignisse von verschiedenstem Charakter wurden der Dresdner kunstinteressierten Gemeinde beschert. . Alexander Kipnis, der weltberühmte Bassist mit der meisterlich überlegenen Beherrschung seiner herrlichen Mittel, gab ein Konzert, aus dessen Programm die düsterleidenschaftliche Arie „Es ist genug" aus Mendelssohns „Elias", Mozarts „In diesen Heilgen Hallen" und eine bilderreiche Arie aus Haydns „Schöpfung* hervorragten. Da zurzeit in Dresden kein großer Saal zur Verfügung steht, so darf wohl das Tarbieten von Liedern wie Schumanns „Widmung" oder Schuberts „Am Meer" (selbst mit sich anschließendem lauten Beifall) in der Synagoge nicht prinzipiell verwehrt werden. Und doch— da so ein trefflicher Orgelspieler wie Hermann Schwarz (Berlin) mitwirkte, der jüdische Präludien von Leichtentritt und Arno Nadel spielte, so hätte der gewaltige Baßbariton von Kipnis in diesem Raum gewiß mit geistlichen Gesängen zur Orgel erhebendste Wirkungen ausgeübt. Ein Gemeindeabend gestaltete sich zu einer religeösen Feierstunde durch die Auswahl der großartigen Bibelstücke, die Edith Herrn st ädt- O e t t i n g e n hingebungsvoll und mit glaubensstarkem Ausdruck vortrug. Beatrice Waghalter, Leipzig, sang an zwei aufeinanderfolgenden Abenden ihre „Bunten Lieder aus aller Welt". Dem Dresdner Publikum gefielen besonders die von Professor Ignaz Waghalter komponierten jüdischen Werke: die Erew^ Schabbos-Szene mit dem Lichtbentschen, das „He<