Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936) - farbig
- Issue
- 5 (30.1.1936)
- Date
- 1936-01-30
- Page
- [Seite] (sequence 19)
- Language
- German
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, Tunis, Algier Die Zerstreuung der Juden über die Erde (XXIII) (Nachdruck verboten) Westlich grenzt an Aegypten das italienische Hoheitsgebiet, das unter dem Namen Libyen Zusammengefaßt wird. Der größte Teil dieses nordafrikanischen Kolonialgebietes ist TriPoli 8 mit rund 600 000 Einwohnern, unter denen nach der amtlichen italienischen Zählung von 1931 rund 16 000 Juden leben, die weit überwiegend Spaniolen sind. Auch die Geschichte der tripolitanischen Juden ist sehr alt, doch ist über sie wenig bekannt; nach der Flucht aus Spanien und Portugal kam eine größere Einwanderungswelle jüdischer Menschen. Im 18. Jahrhundert schließlich kamen Juden aus Italien nach Tripolis. Nach wechselvollem Schicksal war Tripolis in der Vorkriegszeit bis zum Jahre 1912 unter türkischer Herrschaft, dann wurde es nach verschiedenen Zwischenstadien italienischer Besitz, seit Mai 1919 gilt es als selbständige italienische Kolonie. Unter türkischer Herrschaft wurden zwei amtliche Zählungen durchgeführt, die eine zu Anfang dieses Jahrhunderts, die andere im Jahre 1911. Der Vergleich der etwa ein Jahrzehnt auseinanderliegenden Verhältnisse zeigt einen schwer erklärlichen Rückgang des jüdischen Volksteils, der in einzelnen Ortschaften sogar recht beträchtlich ist. Dafür einige Beispiele: In der Stadt Tripolis wurden kurz nach der letzten Jahrhundertwende noch etwa 12 000 jüdische Menschen gezählt, 1911 nur noch 8600. Da die Stadt etwa 65 000 Einwohner hat, bedeutete dies einen erheblichen absoluten und prozentualen Rückgang. In Misrata, einem kleinen Mittelmeerhafen, ist die Zahl der Juden in dem gleichen Jahrzehnt von etwa 700 aus 400 zurückgegangen, in einigen anderen kleineren Städten ist sie sogar teilweise halbiert worden. Die Gesamtzahl der Juden, die von der türkischen Statistik damals ermittelt wurde, lag Anfang dieses Jahrhunderts bei 16 770, 1911 wurden 14 300 Juden gezählt; der Rückgang beziffert sich also auf etwa 15 Prozent. Wieweit diese türkischen Zählungen ganz genau sind, kann nicht beurteilt werden, im großen und ganzen werden die angegebenen Zahlen jedoch als richtig gelten dürfen, denn die Zählung, die die italienische Regierung vor wenigen Jahren durchsührte, ergab für die gesamte Kolonie Tripolis eine ähnliche Größenordnung. Es wurden 1931 unter rund 600 000 Einwohnern 16 000 Juden sestgestellt, das heißt eine Quote von etwa 8,5 Prozent. Die Mehrzahl der tripolitanischen Juden lebt in den Hafenstädten, wie auch in früheren Jahrhunderten, so in Tripolis, das eine eigene Synagoge hat, in Ho ms, in M israta, in Z a v i a und G a r i a n. Als südlichster Ort der Kolonie Tripolis, in dem Juden leben, wird Orfella angegeben. Als eine besondere Gruppe dev jüdischen Volksschicht von Tripolis sind die Höhlen-Juden anzusehen, die in einer Oase, östlich von Tripolis, hausen, etwa eine Autostunde von der Stadt entfernt. Ihr Leben schildert Carlebach in seinem Buche: „Exotische Juden" in packender Weise. Diese Höhlen-Juden, wenige hundert Menschen noch, haben eine eigene Synagoge, sie halten fest an einem besonders ausgestalteten jüdischen Brauchtum. Seit Generationen leben Juden auch außerhalb der Städte und Häfen, obzwar ihre Zahl nicht allzu hoch ist, wie überhaupt die Zahl der Europäer im Lande sich in sehr bescheidenen Grenzen hält. Für diese Juden außerhalb der Küstenstädte, für die Höhlen-Juden und die jüdischen Menschen, die in den Bergen wohnen oder am Rande der endlosen Wüsten, ist der Lebenskampf besonders schwer, ihre Abgeschlossenheit besonders tragisch. Unmittelbar nach Osten schließt sich an Tripolis die italienische Kolonie Cyrenaika, wo die Verhältnisse ähnlich liegen wie in Tripolis. Die beiden Kolonialgebiete werden von den italienischen Herren des Landes, wie erwähnt, zusammengefaßt als Libyen bezeichnet. In Cyrenaika leben, nach den letzten amtlichen italienischen Feststellungen, 200 000 Menschen, unter ihnen 5000 vorwiegend spaniolische Juden. Allein in dem Haupthafen Bengasi (auch B e r e n i d e genannt) find 3500 Juden beheimatet. Da die Stadt über 30 000 Einwohner hat, liegt die jüdische Quote über 11 Prozent. In her Hafenstadt D e r n a, die nur etwa 200 Kilometer von der ägyptischen Grenze entfernt ist, und ferner in den Ortschaften Eirene und T o b r u k finden zusammen etwa 1500 Juden eine schmale Existenzbasis. An das libysche Kolonialgebiet Italiens in Nordafrika schließt sich nach Westen hin die französische Kolonie Tunis an. Das Gebiet von Tunis, das — um einen Anhaltspunkt für die Größe zu geben — etwas kleiner ist als die Tschechoslowakei, hat 2,16 Millionen Einwohner, unter denen gegenwärtig rund 65 000 Juden leben. Düs sind über drei Prozent der Landesbevölkerung. Die letzte amtliche Zählung hat 1926 stattgesunden, sie ergab damals eine Zahl von 54 250 Einwohnern, was einer Quote von 2,5 Prozent entsprach. Die Erhöhung auf die gegenwärtige Zahl hat sowohl durch Eigenzuwachs wie auch durch Zuwanderung stattgefunden. Die jüdische Geschichte auf tunesischem Boden ist mehr als zwei Jahrtausende alt. Städte, die in der Geschichte des Altertums einen hervorragenden Namen haben, hatten damals auch Juden in ihren Mauern. Ein Beispiel hierfür ist Kartago, das dereinst eine bedeutende jüdische Gemeinde aufzuweisen hatte. Zu den alteingesessenen Juden kamen im 16. Jahrhundert spanische und portugiesische Flüchtlinge, später gesellten sich dann auch Juden aus italienischen Hafenstädten dazu. In der Gegenwart leben die Juden von Tunis in etwa 20 Städten und in einer weiteren, etwas kleineren Zahl von Dörfern. Die Stadt Tunis selbst, ein Mittelmeerhafen mit rund 190 000 Einwohnern, hat einen jüdischen Sektor von etwa 30 000 Menschen, also von etwa rund 15 Prozent der Bevölkerung. Größere jüdische Gemeinschaften befinden sich weiter inBizerta, inSfax und in Susa. Alle diese Städte haben Synagogen, in der Stadt Tunis allein gibt es mehr als 20. In Tunis und auch in Sfax erscheinen jüdische Juden (1901) im Lande. Der jüdische Prozentsatz innerhalb der Bevölkerung war 1856 noch rund 0,8 Prozent, 45 Jahre später ist er fast um die Hälfte gestiegen: 1901 beträgt die jüdische Quote innerhalb der Gesamtbevölkerung Algeriens von damals 4,7 Millionen Menschen bereits 1,2 Prozent. Diese Steigerung bis zur Jahrhundertwende ist überwiegend eine Folge der außerordentlich günstigen Fruchtbarkeit der algerischen Juden. Dafür geben amtliche französische Ziffern den Beweis. Während zu Anfang dieses Jahrhunderts unter allen Europäern die Geburtenquote (jährliche Zahlen der Geburten auf 1000 Personen der Bevölkerung) 32,5 betrug, betrug diese Ziffer bei den Mohammedanern gleichzeitig 30,8; bei den Juden Algeriens kamen dagegen 44 Geborene auf 1000 Juden; wenige Jahre vorher hat die jüdische Geburtenziffer noch bei etwa 50 gelegen! Dieser außerordentlich hohen Fruchtbarkeit steht leider bei allen Volksschichten m M WM Maßstä) Um 000 W£NöE Atäbm-h Presseorgane in französischer Sprache. An allen Stellen, wo jüdische Gemeinschaften bestehen, hat die A11 i a n c e I s r a e 1 i t e Schulen errichtet, die den zahlreichen Kindern der tunesischen Juden das notwendige Bildungsgut vermitteln. Ohne dies« jüdisch Einrichtung würde das Leben der Juden in all diesen nordafrikanischen Kolonialgebieten noch viel härter, inhaltloser und trauriger sein. Dadurch, daß diese große sranzösisch-jüdisch-charitative Institution im nahen Orient und insbesondere in Nordafrika — und hier wieder in besonderem Maße in den französischen Schutzgebieten — Schulen und sonstige soziale Einrichtungen geschaffen hat, hat sie die Voraussetzungen für einen Lebenskampf erleichert, der in seinem seelischen und materiellen Ausmaß für europäische Begriffe nur schwer vorstellbar ist. Als Besonderheit der tunesischen Juden in religiöser Beziehung ist hervorzuheben, daß sie bis heute einen jahrhunderte alten eigenen Ritus pflegen. Eigentümlicherweise sind viele hebräische Gebete mit arabischen gemischt. Der Talmud wie überhaupt die jüdische Gesetzesauslegung des Altertums und des Mit-» telalters hat heute in Tunis nicht nur religiöse, sondern zum Teil auch materiell« rechtlicheBedeutung. Die französische Regierung erstrebt allmählich eine Assimilation auch der tunesischen Juden, doch dürste das Tempo, in dem dieses Ziel erreicht werden soll, ein viel langsameres sein als im französischen Mutterlande, da die Glaubeüstreue der tunesischen Juden tief und echt ist. Wirtschaftlich betätigen sich die Stadtjuden, soweit sie nicht die vielgestaltigen typischen Hafenberuse ausüben, im Handwerk und im Bazarhandel. Sehr gering ist der Prozentsatz der wirtschaftlich stärkeren Kreise, die ihre Kinder allmählich in geistige Berufe hineinwachsen lassen; bei ihnen ist die innere und äußere Angleichung an das französische Europäertum am schnellsten und am tiefsten spürbar. Auch Algerien ist französische Kolonie mit einer Einwohnerzahl von 6,065 Millionen. Die Zahl der Juden wird für die Gegenwart mit rund 100 000 angesetzt. Die jüdische Quote dieses nordafrikanischen Kolonialgebietes, das fünfmal so groß ist wie das im Westen angrenzende Französisch-Marokko, beträgt 1,65 Prozent, sie ist damit weit niedriger als im Gesamtgebiet des Sultanats Marokko. Die Entwicklung des jüdischen Volksteiles in Algier läßt sich bis weit in vorchristliche Zeiten zurückverfolgen. Seit dem Beginn der Zerstreuung der Juden über die Erde, also seit der Zerstörung des Tempels in Jerusalem, gibt es Juden in den afrikanischen Küstenstädten des Mittelmeers. Auch nach Algerien kamen zwei Jahrtausende später Flüchtlinge aus Spanien und Portugal, auch noch im 16. Jahrhundert kamen Marannen, die vor der Inquisition flüchteten und in Nordafrika eine Zuflucht suchten. Die Nachkommen dieser verschiedenen jüdischen Stammesgruppen fand die amtliche französische Statistik vor, als sie im Jahre 1856 erstmalig eine Art von Volkszählung durchführte. Damals wurden in Algier 21000 Juden gezählt, ein Jahrzehnt später bereits 34 600. Kurz danach, im Oktober 1870, wurden die Juden in Algier naturalisiert und damit Vollbürger, im Jahre 1886 wohnten 42 500 und um die Jahrhundertwende bereits 57 000 der heißen Zonen auch eine hohe Sterblichkeit gegenüber, für die jedoch keine entsprechenden Angaben verfügbar sind. So ist eine zissernmäßige Schlußfolgerung aus dem Geburtenüberschuß nicht möglich. Neben dem erfreulich starken Eigennachwuchs, der sich bis in die neueste Zeit, wenn auch abgeschwächt, fortgesetzt hat, kamen in den letzten drei Jahrzehnten auch europäische Juden nach Algerien. Beide Faktoren wirkten dahin zusammen, daß 1911 die Zahl der Juden bereits auf 70 000 gestiegen war. Nach dem Kriege stellte die Statistik die jüdische Bevölkerung mit 74 000 Menschen fest und damit auf 1,3 Prozent der Gesamtbevölkerung des Kolonialgebietes. Seitdem ist aus natürlichen Gründen eine immer weitere Erhöhung der jüdischen Volkszahl eingetreten, die für die Gegenwart, wie oben erwähnt, auf 100 000 angesetzt wird. Etwa 70 Prozent der Juden des Landes leben in S t ä d t e n. An der Spitze steht die Stadt Algier, mit einer sehr großen und wichtigen jüdischen Gemeinde. Eine beachtliche Zahl jüdischer Menschen lebt weiterhin in C o n st a n - tine, besten Name im Zusammenhang mit Unruhen vor wenig mehr als Jahresfrist durch die Weltpresse ging. Große jüdische Gemeinschaften haben ferner Orän und Bo ne. Eine Besonderheit des jüdischen Sektors in Algerien sind die Juden der Oase M z a n, die gleich den Arabern und den Kabhlen nur gemindertes Bürgerrecht haben. Hier leben außerhalb der Küstenstädte noch Juden als Nomaden in der Wüste, Zelte sind ihre Wohnungen, und ihre Lebensgestaltung unterscheidet sich von derjenigen anderer Beduinenstämme nur durch ihre Zugehörigkeit zum jüdischen Glauben, den ihre Vorväter vor zweieinhalb Jahrtausenden aus dem palästinensischen Kleinasien in die trostlose Wüste Nordafrikas gebracht haben. Die Gleichstellung der Juden vor etwa 65 Jahren hat ihr kulturelles Niveau außerordentlich günstig beeinflußt. Die überwiegend sehr kinderreichen Familien in den Städten schicken ihre Sprößlinge in immer größerem Umfange in die Schulen, die zuerst die Alliance Israelite in vorbildlicher Art errichtet hat. Der Bildungsdrang war schon früher so stark, daß die Zahl der Schulen immer erweitert und vergrößert werden mußte. Die Zahl der jüdischen Schulkinder war seit Bestehen der Alliance Israelite stets besonders groß, ihr Prozentsatz an der Gesamtzahl der Schulkinder Algeriens viel höher als der Anteil der Juden an der Gesamtbevölkerung des Kolonialgebietes. Nach der amtlichen Statistik betrug z. B. im Jahre 1907/08 die Zahl der jüdischen Schulkinder in den Volks- und Kinderschulen Algeriens 17 200, 1910/11: 18 600, das sind in jedem der beiden Jahre 10,5 Prozent aller Schulkinder des Landes; in der gleichen Zeit betrug die jüdische Quote an der Gesamtbevölkerung 1,2 bis 1,3 Prozent. Die Juden Algeriens haben sich erheblich rascher als die Araber an die französischen Sitten gewöhnt, eine Erscheinung, die biologisch und damit bevölkerungsstatistisch nicht ohne Auswirkung geblieben ist. Nach den Feststellungen eines französischen Mediziners hat sich dadurch, daß die Juden die französischen äußeren Lebensgewohnheiten insofern übernommen haben, als sie den Fleischgenuß erheblich vergrößerten und alkoholischen Getränken zugänglich wurden, ihre Widerstandskraft gegen die Witterungs- und Natureinflüsse Nordafrikas geschwächt. Dadurch ist die allgemeine Sterblichkeit bei den algerischen Juden gestiegen, während die traditionelle größere Mäßigkeit der arabischen Bewohner deren körperliche Widerstandskraft erhalten und ihre Lebensdauer verlängert hat. vr. 8. R—t. AmerikanischeHilfefürdieJuden Der Senator William H. K i n g aus Utah befaßte sich im amerikanischen Senat mit der Lage der Juden in Deutschland und forderte, man solle diesem „Volke des Geistes" nicht den Rücken kehren, sondern Auswanderern aus Deutschland in den Vereinigten Staaten eine Zuflucht gewähren. Senator King verlas größere Abschmtte aus dem Rücktrittsschreiben des Oberkommissars James G. MacDonald und trat für eme entsprechende Abänderung der amerikanischen Emwanderungsbestimmungen ein. * Unter dem Vorsitz des früheren amerikanischen Finanzministers Lgden L. Mills fand im Waldors Astcria-Hotel in New-Pork ein Bankett statt, ber dem ein Ein-Millionen-Dollars-Drive zugunsten der Juden Polens proklamiert wurde. Hauptredner war Ogden L. Mills, der u. a. erklärte, man dürfe nicht ruhig zusehen, wenn irgendwo zwei Millionen menschlicher Wesen hungern. Man müsse ihnen helfen. Er richtete an die Anwesenden einen Appell, die jetzt eingeleitete Sammlung aufs kräftigste zu unterstützen. Der Direktor der Exekutive des Verbandes polnischer Juden in Amerika, Selig T y g e I, entwickelte einen fünf Punkte umfassenden Hilfsplan. Der erste Punkt dieses Planes steht eine unmittelbare Nothilssaktion vor, der zweite Kreditgewährung an Kleinkaufleute und Handwerker, der dritte befaßt sich mit dem Ausbau von Handwerkerschulender vierte mit der Hilfe für diejenigen, die Palästina-Einwanderungszertifikate besitzen, und der fünfte mit der Förderung der jüdischen landwirtschaftlichen Kooperativen. Weitere Ansprachen hielten der Präsident des Verbandes der polnischen Juden in Amerika Benjamin Winter, der berühmte New-Porker Rechtsanwalt George Gordon Battle und der bekannte Philosoph und Professor an dem College von New Pork City Morris Cohen. Die Senatoren William B o r a h, William H. King, Robert F. Wagner und Daniel O. H a st i n g s, der Staatsgouverneur von New« Pork Herbert H. Lehmann, der Staatsgouverneur von Illinois Henry Horner und andere hervorragende Persönlichkeiten hatten Begrüßungsschreiben gesandt. * Auf der im Hotel Astor in New-Pork ab^ gehaltenen 29. Jahresversammlung des American Jewieh Commitee nahmen 200 Delegierte als Vertreter von 50 Komitees in den Vereinigten Staaten teil. Der Vorsitzende der Exekutive, Sol. M. Stroock, erklärte in seinem Bericht, daß die antisemitische Bewegung in den Vereinigten Staaten dank den für die innere Verständigung arbeitenden Kräften, zu denen vor allem die christlichen Kirchen gehören, im Laufe des Jahres 1935 zurückgegangen sei. Dennoch sei es im Hinblick auf die in manchen Teilen des Landes aus wirtschaftlichen und Politik schen Gründen entstandenen Spannungen, die bevorstehende Wahlkampagne und eine fortdauernde judenfeindliche Propaganda, durch die Verleumd düngen gegen die Juden verbreitet werden, dringend erforderlich, daß alle freiheitlichen Kräfte des Landes in dem bevorstehenden Jahr mehr denn je auf der Hut seien. Zum Vorsitzenden des American llevisb Committee wurde Dr. Cyrus Adler wiedergewählt. Ehrenvizepräsident ist Abram I. Elkus, zu Vizepräsidenten wurden Richter Lehman und Louis E. K i r st e i n, zum Schatzmeister Samuel D. Leidendorf, zum Vorsitzenden der Exekutive Sol. M. Stroock gewählt. Auslandsnachrichten Amerika Der Verband der rumänischen Juden Amerikas hat an den rumänischen Gesandten in Washington ein neues Memorandum über die jüngsten judenfeindlichen Exzesse in Rumänien gesandt. Die Veranlassung hierzu war folgendes Tele-? gramm, das von dem Gesandten an den Präsidenten des Verbandes der rumänischen Juden Leo W o l s s o n gerichtet worden' war: „Ich habe die Ehre, Ihnen mitzuteilen, daß ich von dem rumänischen Ministerpräsidenten ermächtigt wurde, zu erklären, daß die Nachrichten über eine antisemitische Propaganda in Rumänien absolut grundlos und nichts als ein Erzeugnis der Phantasie sind. Vollkommene Ordnung herrscht im Lande. Dis Demonstrationen der Studenten sind ohne Bedeutung, und es wurden Maßnahmen zu ihrer Verhinderung in der Zukunft getroffen." In ihrer Antwort auf dieses Telegramm nimmt der Verband der rumänischen Juden auf die jüngsten Unruhen anläßlich der Wahl zur Bukarester Advokatenkammer sowie auf die Arbeitsgesetzgebung Bezug, die weitgehend in einer die Juden diskriminierenden Werse gehandhabt wird. Der Verband der rumänischen Juden betont weiter, daß trotz strenger Zensur von der rumänischen Regierung nichts unternommen wird, um die judenfeindliche Propaganda in der antisemitischen Presse zu unterbinden. Frankreich Dem neuen, von dem radikalen Senator Albert Sarraut gebildeten französischen Kabinett gehören drei Juden als Mitglieder an. Georges Mandel, der auch im Kabinett Laval Postminister war, hat dieses Portefeuille behalten. Er sollte bei einem Mißlingen der Mission Sarrauts mit der Bildung der Negierung betraut werden. Der unabhängige Deputierte Jaques Stern ist Minister für die Kolonien in dem neuen Kabinett, Pierre Maze, Unterstaatssekretär für Hygiene im Ministerium des Innern.