Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936) - farbig
- Issue
- 5 (30.1.1936)
- Date
- 1936-01-30
- Page
- [Seite] (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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Palästina-Umschau Jüdisches und arabisches Schulwerk in Palästina Von unserem Palästina-Korrespondenten Tel-Aviv, 22. Januar 1936. Zwischen' dem Waad Leumi und der Mandatsregierung schweben Verhandlungen über den Beitrag der Mandatsregierung zum jüdischen Schulwerk. Wie bekannt, beruht das jüdische Schulsystem in Palästina im wesentlichen au! der eigenen Leistung und Initiative der jüdischen Körperschaften des Landes. Zentralinstanz ist das Erziehungsdepartment des Waad Leumi und trotz aller Schwierigkeiten, die sich in den Verhandlungen des Histadrut-Schulsystems mit dem iWaad Leumi und mit der Irija Tel-Aviv immer wieder gezeigt haben, geht die Tendenz deutlich dahin, zum mindesten die Schulaufsicht und darüber hinaus aber auch das ganze Erziehungswesen zu zentralisieren und dem Waad Leumi tatsächlich die Stellung eines jüdischen Kultusministeriums zu geben. Bei den gegenwärtigen Verhandlungen wird von jüdischer Seite die dringende Forderung erhoben, den Regierungszuschuss für das jüdische Schulwerk zu erhöhen. Der alte Streit geht darum, ob bei der Verteilung der Regierungsbeihilfen auf die beiden Bevölkerungsgruppen die blosse Bevölkerungsziffer oder die Zahl der wirklich schulbedürftigen und bildungswilligen Jugendlichen zugrunde gelegt werden soll. Gewiss gibt es mehr Araber als Juden im Lande. Aber im inneren Aufbau sind diese beiden Gruppen so verschieden, dass vom Standpunkt des Schulbudgets der zahlenmässige Unterschied durch den Qualitätsunterschied mehr als aufgewogen wird. Dabei ist zunächst an zwei Grundtatsachen zu erinnern. Es gibt in Palästina keinen gesetzlichen Schulzwang, weder für Juden noch für Araber. Sodann beträgt in diesem Lande die Zähl der Analphabeten etwa 60 Prozent der Gesamtbevölkerung; an dieser Quote sind aber die Juden bo gut wie gar nicht beteiligt, so dass sich für den arabischen Sektor allein ein wesentlich höherer Prozentsatz ergibt, wahrscheinlich um 80 Prozent herum. Bei der Regierung scheint nun irgendwie immer der Gedanke mitzusprechen, dass die Juden in ihrem Bildungsstreben und in ihren Bemühungen um Erneuerung der hebräischen Sprache und Kultur schon selber für die Aufrechterhaltung und den Ausbau ihres Schulwesens sorgen werden und dass die Aufgabe des Staates ■’h auch hier darauf beschränken könne, die .rückgebliebenen Teile der Bevölkerung zu heben. So ergibt sich der seltsame Zustand, dass die Erhöhung der Regierungseinnahmen zwar zum ällergrössten Teil unmittelbar der wirtschaftlichen Aktivität der Juden in Palästina zu danken ist, dass aber eben diese Juden stets darum kämpfen müssen, sich wenigstens einen einigermassen angemessenen Anteil an den Regierungsäusgaben zu sichern. Zwar ist die Zahl der Geburtenüberschüsse bei der jüdischen Bevölkerung niedriger als bei der arabischen — wenn auch immer noch wesentlich höher als in den meisten europäischen Ländern —, aber gerade die gegenwärtige Mittelstandseinwanderung, die sich zu einem grossen Teil aus Familien jüngeren und mittleren Alters zusammensetzt, bringt eine grosse Zahl schulfähiger Kinder ins Land. Die Zahl der Schüler in den jüdischen Schulen hat sich ausserordentlich vermehrt. 1934 lernten von 44829 jüdischen Schülern und Schülerinnen: 5 361 Schüler in 152 Kindergärten 19 644 Schüler in 123 Volksschulen 2 562 Schüler in 2 Mittelschulen 366 Schüler in 4 Bäte Midrasch für Lehrer 290 Schüler in 5 Berufsschulen 15 677 Schüler in 176 Privatschulen 929 Schüler in Regierungs- und Missionsschulen Mit Ausnahme der nichtjüdischen Regierungs¬ und Missionsschulen sowie der 176 Privatschulen unterstehen die übrigen 291 Schulen und Kindergärten mit ihren 28 223 Schülern unmittelbar dem Waad Leumi, der diese Aufgabe vor zwei Jahren von der Jewish Agency übernommen hat. Dabei ist zu erwähnen, dass die Gruppe der sogenannten Privatschulen den grössten Teil aller höheren Schulen, Gymnasien, Handelsschulen usw. umfasst. Diese sind im wesentlichen darauf angewiesen, sich aus ihren eigenen Einnahmen, den für hiesige Verhältnisse recht hohen Schulgeldern, selbst zu erhalten, wenn sie nicht von irgendwelchen anderen jüdischen Organisationen oder Freundeskreisen ausreichend unterstützt werden. Die Zahl von rund 20 000 Schülern, die das Schulsystem des Waad Leumi im Jahre 1934 erreichte, ist inzwischen erheblich gestiegen. Das Schuljahr 1934/35 — Beginn des Schuljahres ist Rosch Haschana — brachte bereits eine Schülerzahl von 33 000, und das Schuljahr 1935/36 wurde mit 40 000 Schülern eröffnet. Insgesamt mussten allein im letzten Herbst nur für die Volksschulen 153 neue Klassen eröffnet und 209 neue Lehrer eingestellt werden. Davon entfallen 60 Klassen auf ländliche Siedlungen, 52 Klassen auf Tel-Aviv, 24 auf Haifa, der Rest auf andere Städte mit gemischter Bevölkerung und so weiter. Der Gesamtetat für das Schulwerk des Waad Leumi stellte sich im letzten Jahre auf 250 000 LP. Im Jahre vorher hatte er 194 000 LP betragen, und von dieser Summe hatten, der Waad Leumi bzw. die Knesset Isräd — die Dachorganisation der jüdischen Gemeinden des Landes, als deren Spitzeiiorgan der Waad Leumi fungiert — knapp 143 000 LP, die Jewish Agency 20 000 LP und die Rothschilds che Siedlungsgesellschaft „Pica“ knapp 5000 LP aufgebracht. Der Zuschuss der Regierung stellte sich auf 26 632 LP. Man hat ausgerechnet, dass die Regierung mindestens 60 000 LP bewilligen müsse, wenn sie ihr Erziehungsbudget wenigstens nach dem Anteil der Juden an der Gesamtbevölkerung des Landes verteilen wollte. Immerhin hat die Regierung, deren Budget-Ueberschuss per 31. März nicht weniger als 6,9 Millionen LP betragen wird, für das laufende Jahr ihre Beihilfe auf 36 000 LP erhöht. Der Waad leumi hat 60 000 L als laufende Subvention und 30 000 L als Kapitalbeteiligung an einem auf 150 000 L veranschlagten Bauprogramm für Schulen und Krankenhäuser gefordert. Denn bei dem gegenwärtigen Zustand des Etats hat sich eine Reihe schwerer Missstände ergeben. Die Klassen sind überfüllt und — trotz mancher schöner und moderner Neubauten — vielfach in ungeeigneten Räumen untergebracht. Auch konnten die Schulen nicht immer in dem wünschenswerten Ausmass mit Lehrmitteln ausgestattet werden und die beinahe jedes Jahr wiederkehrenden Gehaltskämpfe der Lehrer reden eine deutliche Sprache. Aber nicht nur der jüdische Anteil am Erziehungsbudget der Regierung, sondern der Anteil des Erziehungsbudgets am gesamten Staatshaushalt überhaupt ist recht niedrig. Für das laufende Etatsjahr hat die Regierung 235 000 LP für Erziehungszwecke ausgeworfen, das sind 34000 mehr als im Vorjahr und ungefähr fünf Prozent der gesamten Staatsausgaben. Das ganze hebräische Schulwerk wäre in Gefahr, wenn nicht die Stadt Tel-Aviv sowie zahlreiche Arbeitersiedlungen und ältere Kolonien die öffentlichen Schulen ihres Bezirks zu einem grossen Teil aus eigenen Mitteln unterhielten; ungefähr ein Viertel des Tel-Aviver Stadthaushaltes dient z. B. diesem Zweck. Da die Kommunalverwaltungen ebenfalls mit sehr beschränkten Mitteln Jerusalem hat endlich Wasser Ein jahrtausendealtes Problem wurde am Dienstag, 14. Januar, gelöst. Die Röhrenleitung von Ras-el-Ain wurde mit den Wasserreservoiren von Jerusalem verbunden und die Wässerlieferung endgültig auf genommen; nach jüdischem Datum war der historische Tag der 12. Tewath. Abgesehen von der technischen Leistung — das Wasser legt eine Entfernung von 60 Kilometer zurück und überwindet einen Höhenunterschied von 900 Meter — ist die wirtschaftliche Bedeutung dieses Fortschrittes kaum zu überschätzen. Die Gressstadt, die sich dort auf ihrer einsamen Höhe inmitten der judäischen Steinwüste neu entwickelt hat, drohte hinter der Modernisierung des Landes, dessen Hauptstadt sie doch ist, entscheidend zurückzubleiben, wenn es nicht gelang, die Wasserfrage befriedigend zu lösen. Der Wasser-Rat des Magistrats Jerusalem beschloss, die Wassertanks der einzelnen Häuser alle drei Tage aufzufülleif, während sie in der letzten Zeit nur einmal in der Woche beliefert werden konnten. Das Wasser der Quelle von Ras-el-Ain Messt in das Romema-Reservoir im Westen Jerusalems. Dieses Reservoir, dessen Fassungskraft 2 Millionen Gallonen rund 9,1 Millionen Liter beträgt, ist zurzeit etwa zur Hälfte mit Regenwasser und anderweitigem Quellwasser gefüllt. Durch diese Mischung wird die Härte des Wassers von Ras-el-Ain gemildert. Die letzten Versuche haben ergeben, dass das Wasser * das übrigens von den Haustanks aus durch richtige Wasserleitungen auf die einzelnen Wohnungen verteilt wird, völlig rein ist, wenn es sich auch empfehlen dürfte, es nur in abgekochtem Zustand zu trinken. Die Pumpstationen sind noch nicht völlig ausgebaut. Nach ihrer Fertigstellung wird möglicherweise die Wasserlieferung weiter verstärkt werden. Die letzten Wochen waren bekanntlich voll tragikomischer Zwischenspiele. Rohrbrüche, Verunreinigungen und andere technische Zwischenfälle verzögerten die Inbetriebnahme der Wasserleitung immer wieder. Selbstverständlich wurde die Schuldfrage leibhaft erörtert. Vertreter der Behörden und der englischen Röhrenlieferanten flogen aufgeregt zwischen London und Jerusalem hin und her, und man nannte die verschiedenartigsten Gründe: Geologische Berechnungsfehler, falsche Zeiteinteilung, unsachgemässe Auswahl des Materials und nicht zuletzt zweckwidrige Lagerung der Röhren, die in der Tat beinahe ein Jahr lang ziemlich unbeaufsichtigt im Freien gelegen hatten und sich nachher dem starken Druck, dem sie bei einer solchen Fernleitung ausgesetzt waren, nicht gewachsen zeigten. Besonders tragikomisch war ein Zwischenspiel im Endstadium der aufregenden Arbeit. wirtschaften müssen, wird ihr Schuletat natürlich auf Kosten anderer öffentlicher Aufgaben bestritten. Der Keren Hajessod, der nationale jüdische Steuerapparat, hat in den 15 Jahren seines Bestehens über eine Million, also annähernd 20 Prozent seiner Gesamtausgaben, für Erziehnngszwecke auf gewandt. Auf der anderen Seite machen auch die Araber erhebliche Anstrengungen zum Ausbau ihres Bildungswesens. Ein soeben bekanntgewordenes Programm sieht die Errichtung von 26 neuen Knaben- und Mädchenschulen in arabischen Dörfern vor. Die Gesamtzahl der arabischen Schulen auf dem Lande soll damit auf 309 und die Schülerzahl auf 23 000 gebracht werden. Danach hätte sich im Laufe der letzten 15 Jahre die Zahl der Schulen auf das Zehnfache, die Zahl der Schüler auf das ‘Zweieinhalbfache erhöht. Auch eine arabische Handels- und Industrieschule in Haifa befindet sieb im Aufbau, gewissermassen ein Gegenstück zu dem jüdischen Technikum in Haifa sowie zu der jüdischen Rechts- und Handels-Hochschule in Tel-Aviv. Es ist dringend zu hoffen, dass die schwebenden Verhandlungen zwischen Nationälrat und Regierung zu einer Stärkung der jüdischen Schulfinanzen führt. Die Schulsorgen der neuen Einwanderer, die Sorgen um Unterbringung und Erziehung der Kinder unbemittelter Eltern, die schon jetzt der Gefahr der Verwahrlosung ausgesetzt sind, wären damit der Lösung wenigstens einen wichtigen Schritt näher geführt. Aber abgesehen von der Notwendigkeit einer Einigung zwischen den jüdischen Zentralinstanzen und der Mandatsregierung bedarf auch der Finanzausgleich zwischen den verschiedenen jüdischen Gruppen, die aktiv im Erziehungswesen arbeiten, der Klärung. Abgesehen von den allgemeinen zionistischen Schulen unterhalten auch verschiedene weltanschauliche Verbände ein eigenes Schulwerk, so die Histadrut, als Organ der Arbeiterbewegung, und der Misrachi als Vereinigung der religiös gesetzestreuen Juden. Es ist bekannt, dass im Stadtparlament von Tel-Aviv die Vertreter der Histadrut seit langem um Anerkennung ihrer Schulen und Beteiligung an dem Schulbudget der Stadt kämpfen. Im neuen Magistrat Tel-Aviv ist nunmehr die grosse Koalition auch für die Ressortverteilung zustande gekommen. Das Erziehungsdepartement. hat wieder ein Vertreter des Bürgerblocks, Pinchas, übernommen, während das Kulturdepartement dem Histadrut- Vertreter Gorfinkel anvertraut wurde. Bereits am Dienstag, 7. Januar, sollte die endgültige Wasserbelieferung auf genommen werden. Der Bürgermeister von Jerusalem hatte sich am frühen Morgen selbst zum Reservoir begeben, um dem Einstrom des Wassers zuzusehen. Aber schon eine halbe Stunde später war er wieder zu Hause.J Ein neuer Rohrbruch auf offener Strecke veranlasste die Zentrale im Tiefland, den Hahn wieder zuzudrehen. Auch nachher ereigneten sich noch Rohrbrüche, und insgesamt wurde der amtlich verkündete Eröffnungstermin um mehr als 70 Tage überschritten. Aber jetzt sind tatsächlich die ersten 500 000 Gallonen brauchbaren Wassers im Reservoir von Romema angelangt. Füb die Einwohner von Jerusalem hat dieses Ereignis nicht nur eine verstärkte Wasserlieferung, sondern auch eine Verbilligung des Wassers zur Folge. Mit Wirkung vom 1. Januar ist der Wasserpreis von 8 auf 6 Piaster herabgesetzt worden, und vom 1. April an soll eine neue Preissenkung auf 4 Piaster, also auf die Hälfte des vorjährigen Preises, eintreten. Denn erst von diesem Tage an wird durch die entscheidende Auffüllung der Reservoirs die Wasserfrage wirklich gelöst sein. Bis dahin will man, durch die letzten Erfahrungen gewarnt, die Wasserleitung noch gewissermassen als Versuch ansehen. Kurze Nachrichten In der Industriezone des Emek Zebuion wurde der Grundstein für die neue Drahtfabrik gelegt, die das ‘ grösste Unternehmen ihrer Art im Mittleren Osten werden soll. Das Kapital des Unternehmens beträgt 25 000 L., die Produktion hofft man schon in zwei Monaten aufnehmen zu können. * Die grosse Zementfabrik Nescher hat den Zementpreis zum zweitenmal im Laufe eines halben Jahres gesenkt. * Ein jahrelanger jüdisch-arabischer Streit um Besitz- und Nutzungsrechte an einem Teil des Bodens im Emek-Chefer, dem neuen jüdischen Siedlungsgebiet in der Küstenebene, wurde nunmehr nach alter Beduinenweise feierlich beigelegt. Die Scheichs der beteiligten Stämme sowie Vertreter des Keren Kajemet und der Regierung versammelten sich in Mischmar Hascharon zur Zeremonie des Vertragsabschlusses. Der Keren Kajemet übergab den Beduinen 65 Dunam Siedlungs- und 180 Dunam Weideland und erhielt im Austausch dagegen einige andere Ländereien. ¥ Die englische Verwaltung von Cypern fordert die Reedereien auf, Angebote für Eröffnung eines regelmässigen Postdienstes mit Aegypten und Palästina ab 26. September einzureichen. Es werden 2 Schiffe benötigt, die mindestens 3000 t gross sein und 300 Passagiere fassen müssen, v Nach den Erfahrungen der jüngsten Krise wurde der Posten eines Bankenkommissars als oberste Aufsichtsbehörde geschaffen und mit einem englischen Beamten besetzt. * Der Vermessungsabteilung der palästinensischen Regierung hat die Pläne für die Erweiterung des Haifaer Hafens fertiggestellt. Mit den Arbeiten wird bereits im Laufe des Monats Februar begonnen werden. * In einem Prozess über die Herkunftsbezeichnung deutscher Waren, die Klebezettel mit französischem Aufdruck trugen, hat der Oberste Gerichtshof in Jerusalem die Entscheidung getroffen, dass die von der Zollbehörde beschlagnahmten Waren dem Importen zurückzugeben seien. Begründung: Eine Herkunftsverschleierung sei nicht beabsichtigt gewesen. Die Bezeichnung in französischer Sprache sei zulässig, weil diese Sprache im Orient sehr gebräuchlich sei. * Die bekannte Gänsemästerei bei Tel Litwinski hat wegen Mangel an Betriebskapital ihren Betrieb vorläufig eingestellt. Es besteht die Hoffnung, dass Wege zur Wiedereröffnung des Unternehmens, dessen Erzeugnisse sich gut eingeführt hatten, gefunden werden. Magister Kirsch der gute Likör, Magister München VII Eben werden die Grössenordnungen der Einwanderung für 1935 veröffentlicht, die die Zahl von 60 000 übersteigt (61 600). Da Anfang 1935 die Zahl der Juden in Palästina bei rund 307 000 lag, so liegt sie demnach Ende 1935 bei rund 365 000. Der Prozentsatz der im Jahre 1935 eingewanderten an den bei Jahresbeginn bereits angesiedelten Jpden beträgt rund 20 Prozent. Jeder sechste Jude, der heute in Palästina lebt, ist also im Jahre 1935 erst zugewandert. * Die zionistische Föderation Südafrikas hat der Hebräischen Universität mitgeteilt, dass dar vor kurzem verstorbene Gedalja Mosche Kutscher sein ganzes 40 000 bis 45 000 Pfund betragendes Vermögen der Hebräischen Universität in Jerusalem hinterlassen hat. Dieser Betrag soll nach dem Willen des Erblassers dazu verwendet werden, bei der Hebräischen Universität ein archäologisches Museum zu errichten, das nach Wladimir Tiomkin benannt werden soll. * Von zuverlässiger Seite wird der Jüdischen Telegraphen-Agentur mitgeteilt, dass die Palästina- Regierung der Executive der Jewish Agency versprochen hat, sich mit ihr zu beraten, bevor der Entwurf der Einwanderungsverordnung betreffend die geplanten Einwanderungseinschränkungen veröffentlicht wird. Die Beratung soll sich insbesondere auf die Punkte beziehen, durch die die Kapitalisteneinwanderung berührt wird. Die Jüdische Telegraphen-Agentur erfährt weiter, dass der Regierungskommissar für Einwanderung und Statistik, Eric Mills, dagegen ist, dass drastische Einschränkungen vornommen werden. Vor einiger Zeit wurde berichtet, die Palästina-Regierung beabsichtige, das für Einwanderer der Kapitalistenkategorie vorgeschriebene Mindestkapital von 1000 auf 2000 Pfund zu erhöhen sowie andere einschränkende Bestimmungen zu treffen. Trotz offizieller Anfragen und einer lebhaften Diskussion in der Presse hat die Palästina-Regierung diese Nachricht bisher nicht dementiert. Bei den in Palästina vorgenommenen Ausgrabungen ist unlängst am See von Galiläa ein römischer Tempel freigelegt worden, der vermutlich zur alten Stadt Tiberias gehörte und dessen Ueberreste aus der ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts n. Christi stammen. Bei den Vorarbeiten für eine neue Strasse machte man vor eili ger Zeit in Jerusalem eine andere wichtige Entdeckung. Es handelt sich um das Bruchstück einer griechischen Inschrift, die die Christen davor warnt, den jüdischen Tempelbezirk zu betreten. Anscheinend gehört diese Inschrift zu e'uer Reihe von Plakaten, die auf den verschiedensten Plätzen angebracht waren. Sie waren in griechischer, lateinischer und hebräischer Sprache äbgefasst. Nach wissenschaftlicher Annahme stammen sie aus den ersten Jahren des ersten christlichen Jahrhunderts. Wie wird regiert? Dr. H. Ker n, der Autor dieses „politischen Lexikons aller Länder der Erde" (Verlag C. Weiler u. Co., Leipzig) hat sich die Ausgabe gestellt, die heutigen Verfassungen aller Länder der Erde knapp, objektiv und allgemeinverständlich darzustellen. Jeder, der das Werl nachschlägt, wird bestätigen, daß er sein Ziel erreicht hat. Will man eine gedrängte, leidenschaftslos-sachliche und jedermann zugängliche Schilderung etwa des Faschismus in Italien, so findet man sie hier. Wendet sich das allgemeine Interesse Abessinien zu, so ist man sofort über die äußere und innere Stäatsform dieses Landes ins Bild gesetzt. Sucht man sich über Griechenland zu orientieren, so ist schon die Wiedereinführung der Monarchie behandelt. Das Buch gibt also überall den neuesten Stand der Dinge wieder. Es gewährt Aufschluß über sämtliche uns bekannte und auch über weithin unbekannte Staaten, Dominien, Außenbesitzungen, Kolonien und Mandatsgebiete. So ist ein umfassender Stoff, der spröd scheint, zu einer kurzen und keineswegs trockenen Darstellung gelangt. Es ist eine erschöpfende, fleißige, von wissenschaftlichem Geist zeugende Arbeit, die um ihrer leichten Leserlichkeit willen jedem politisch Interessierten empfohlen werden kann. Schließlich gibt ein stattliches Literaturverzeichnis die bequeme Möglichkeit, sich in die Dinge noch weiter zu vertiefen. Dr. S. G.