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Central-Verein-Zeitung · 1936-01-30 · 5 (30.1.1936) · p. [Seite]

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
15 (1936) - farbig
Issue
5 (30.1.1936)
Date
1936-01-30
Page
[Seite] (sequence 14)
Language
German
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3S Y ■w ... \U toWHiimnMMl» iin.i Beschäftigung: nur lernen, lernen schien ihr ded einzig menschenwürdige Lebenszweck: „Tadelte meine Mutter einen Hang zur Unordnung, der sich bei mir einstellte", berichtet sie, „so meinte ich, das sei alles ganz gleichgültig, wenn man nur recht viel lerne'und wisse. Und da die Mehrzahl der Frauen, welche ich damals kannte, auch nicht viel unterrichteter waren als meine Mutter, so setzte sich eben die Vorstellung in mir fest, die Frauen seien geringer als die Männer, und für sie sei es ganz gut, daß sie auf Ordnung sähen und Haus hielten. Ich aber wollte lernen wie ein Mann, und ordentlich zu sein hätte ich gar nicht nötig. Mich in meinen Grillen für das Studieren und gegen die weiblichen Beschäftigungen. zu bestärken, war mein Vater übrigens gar nicht der Mann, und das um so weniger, als meine Unordnung zu einer Art von Glaubensfache bei mir geworden war . . . Ich war in der Tat mit Bewußtsein und mit Absicht, ja recht eigentlich aus Dünkel, unordentlich geworden . . . Ich war ein wahrer Lesewols geworden, und was meine Mutter auch tat, mich von der überwiegenden Neigung zum Lernen und von der Unlust an jeder häuslichen Arbeit, ja von jeder Arbeit, die nicht geistig war, zu heilen, es schlug alles fehl. Meine Mutter fühlte sich Persönlich davon gekränkt. In der Schule war Fanny ein bewundertes Musterkind, und um ihren Lerneifer immer noch mehr anzufpornen, hielt ihr der Lehrer wieder und wieder vor, daß ein Knabe, Eduard Simfon (der spätere Präsident des Reichsgerichts, gleichfalls in Königsberg geboren 1810. D. Verf.) viel schneller vorwärts gekommen, viel mehr geleistet habe: „Eduard Simson war in deinem Alter viel weiter! Eduard Simson rechnete in deinem Alter schon Gleichungen!", und wieder und wieder hört die Ehrgeizige: „Schade, daß das kein Junge ist!" Daheim widerwillig mit allerhand Haushaltaufgaben beschäftigt, die sie nur tun sollte, weil sie sie ungern und schlecht verrichtete, in der Schule durch das Vorbild des Jungen niedergehalten, wurde die kleine Fanny zu einer frühreifen Frauenrechtlerin, und der Vater nährte diese Ideen sogar noch, denn er selber fand die Stellung'der Frauen traurig und pflegte zu sagen, die Juden wüßten wohl, weshalb sie ihrem Gotte täglich dankten, als Männer geboren zu sein. Und — typisch für. den Juden jener ersten Jahre nach der Emanzipation — wies er dann auch gleich auf die'Jphigenienworte hin: „Der Frauen Zustand ist beklagenswert. Wie enggebunden ist des Weibes Glück! Schon einem rauhen Gatten zu gehorchen. Ist Pflicht und Trost; wie elend, wenn sie gar Ein feindlich Schicksal in die Ferne treibt" usm, lim sie dadurch zur Fügsamkeit in das doch Unvermeidliche zu bringen — nicht wissend, in wie verhängnisvoller Weise er ihr doppeltes Minderwertigkeitsgefühl verstärkte: denn, ungeahnt von den Eltern, hatte das Kind schon seine Sonderstellung als Jüdin , schmerzlich erleben müssen. Die Mutter kam kaum je aus dem Familienkreise heraus, der Vater nie gesellig mit Nichtjuden zusammen; als Kaufmann und Bürger war er wohlangesehen. Im Hause wurde Jüdisches nur ungern vor den Kindern erwähnt, und . als ihnen auf der Straße „Jud!" nachgerufen wurde, sprach die kleine Fanny nicht darüber mit den Eltern, „In den Kindern ist die Einsicht, welche sie zum Handeln oder zum Unterlassen von manchen Dingen antreibt, so weit über ihr bewußtes Verständnis hinaus, daß sie oft klüger handeln als sie wirklich sind. Man möchte sagen, sie handeln aus einem Instinkte, der sie mehr und mehr verläßt, je nachdem das Bewußtsein in ihnen lebendig wird", und dieser Instinkt trieb sie in jenen Jahren der sogenannten „Hep-Hep-Bewegung" (1819) zu einer gesellschaftlich, nicht besonders geschätzten, armen Verwandten, von der sie, mit dem heimlichprickelnden Reiz des Verbotenen, Geheimnisvollen, alles Wünschenswerte über Juden und jüdisches Brauchtum erfuhr. So beliebt sie auch in der Klasse war, die üblichen Erfahrungen, die ihr Selbstgefühl kränkten, blieben ihr nicht, erspart: besonders geliebte Mitschülerinnen lüden sie allein nicht mehr zu ihren Kindergesellschaften: „Von da ab hatte ich vollständigen Begriff von der Unterdrückung der Juden . . . Auch das Bewußtsein des gebildeten Juden, aufgeklärter zu fein als ihre Verfolger, hatte bereits angefangen, sich auf mich zu übertragen, und die Juden hatten damals ihr stolzes Selbstgefühl, das man ihnen so oft als Anmaßung und Arroganz vorgeworfen hat, sehr nötig, wennsie selbst sich auf- - rechterhalten und ihre Kinder tüchtig machen wollten, an der allmählichen Emanzipation des Volkes mitzuarbeiten. Viele, welche später in diesem Kampfe am meisten gewirkt,, sind in jener Zeit der Judenverfolgungen nicht viel älter gewesen als ich, und werden sich ihrer wohl später erinnert haben." Solche Kindheitserlebnisse sind offenbar entscheidend für ihre ganze Lebensrichtung geworden. Deshalb stellte sie ihre schriftstellerische Begabung in den Dienst der Tendenz Frauenemanzipation und Verständlichmachung der jüdischen Eigentümlichkeiten. Das geschah besonders in einem ihrer ersten Bücher „Jenny" (1,843), in dem sie mit erstaunlicher Offenheit von ihrer Taufe berichtet — kein Lebensdokument Börnes, Heines, Ratzels hierüber ist diesem an letzter Wahrhaftigkeit an die Seite zu stellen. Denn es handelt sich Was tut die Modeberaterin? Von Mala Laaser Von Irme Sernau Ein Alter kommt den Weg daher, „Wie kommen Sie zu diesem Beruf?" Und „Wer brauchteine Modeberaterin?" Das sind immer die beiden ersten Fragen, die mir gestellt werden, wenn jemand von meiner Tätigkeit als Modeberaterin hört. „Sicherlich ein hochinteressanter Beruf?" Ist die dritte Frage. Ich bin darauf vorbereitet, denn, wie gesagt, seit ich eine Modeberaterin bin — und das seit sehr vielen - Jahren — bin ich gewöhnt, solche Fragen , zu beantworten, Skeptiker zu überzeugen und ihnen die Notwendigkeit meines Berufs vor Augen zu führen. Geschickt und zweckmäßig gekleidet zu sein, ist heute mehr denn je die Forderung für jede Frau und darum muß sie sich mit modischen Fragen auseinandersetzen und tut gut, auf den Rat Sachverständiger zu hören, sie spart dadurch Zeit und Geld. Man kann von den noch so liebenswürdigen und bereitwilligen Verkäuferinnen und Verkäufern ein Versenken in die individuellen Interessen der vielen, Kunden nicht erwarten und verlangen. Die Angestellten tun alles, was sie können, aber auch dem besten Willen sind Grenzen gesetzt. Hier nun setzt der Beruf der Modeberaterin ein. Sie stellt Zeit und Nachdenken ihrer Kundschaft zur Verfügung. Zuerst lasse ich mir die Bestände an Garderobe im Heim meiner Kundinnen zeigen. Wichtig ist es, die Lebensumstände zu kennen, in denen sich eine Frau befindet, denn aus ihnen ergibt sich, für welche Zwecke sie ihre Kleider braucht. Ob sie sehr viel ausgeht, berufliche oder gesellschaftliche Verpflichtungen hat. All diese Faktoren müssen in Betracht gezogen werden, denn 'jedes schablonenmähige >,Nurgradeangezogensein" ist zu vermeiden. Wenn ein Modell bei Frau X. besonders reizvoll und Passend ist, kann es von Frau B. getragen zur Katastrophe werden. Ich sorge bei den Damen, die sich mir anvertrauen, dafür, daß sie nicht blind kaufen „was Mode ist", sondern sich aussuchen, was von dem Modischen zu ihnen Paßt. Wissen um die Mode, Einfühlen in. die Persönlichkeit der Frau sind Vorbedingungen für meinen Beruf. Kenne ich den Inhalt der Kleiderschränke und die Lebensumstände der Besitzerin, dann kann ich raten. bei dieser klaren und klugen Frau, die sich genau wie diese weiterhin bewußt jüdisch fühlte, nicht um „ein Entreebillett zur europäischen Kultur", nicht um ein der gesellschaftlichen Stellung gebrachtes Opfer, sondern um eine Art Entwicklungskrise, in der sie bewußt ihren Verstand ausfchaltete und sich nur einem fentittientalen Gefühlsüberschwang hingab — ein Versuch, dem Jungmädchenideal der Biedermeierzeit so nahezukommen, als ihr möglich: sie verliebte sich in einen jungen Theologiestudenten, träumte sich in die Rolle einer Pfarrersfrau auf dem Lande — ein Traum, aus dem sie rasch und gründlich erwachte, ohne doch später den in diesem Stadium vollzogenen Schritt des Religionswechsels wieder rückgängig zu machen, Ihre späte und kinderlose Ehe mit dem zarten und feinsinnigen Literaten S t a h r, den sie sich in langen Jahren erkämpfen mußte — Stahr war bereits verheiratet — war sehr glücklich: sie ergänzten sich vorzüglich. Sie war seit ihrer Heirat (1854) dauernd in Berlin ansässig; ihr Haus war noch ein letzter jener Alt-Berliner Salons und diente — wie ihre. Bücher — der Förderung von allem, was Bildung und Aufklärung hieß. Und teilt sie auch mit allen Tendenzschriftstellern das Schicksal, rasch vergessen zu werden, so behält doch wenigstens ihre Autobiographie ihre besondere Bedeutung bei, weil sie, wie wenige Dokumente mit gleichem Wahrheitsgehalt, uns so klaren Einblick in das Zustandekommen, der Minderwerutigkeitsgefühle der Frau und Jüdin, und in deren Ueberwindung durch „männliche", das heißt sachliche Leistung geben. Voll tiefer Selbsterkenntnis für ihre Schriststellerei wie für ihr Lebensschicksal ist ihr Ausspruch: „Lebhafte Menschen erliegen für Augenblicke den jedesmaligen Jrrtümern ihrer Zeit, aber es ist ein Kennzeichen der Tüchtigkeit, wenn sie mit denselben früher fertig werden, als die anderen, und über ihre eigenen Jrrtümer hinauswachsen." vor» Edinger (Frankfurt a. M.). S. D. Sassoon Wie wir bereits in der vorigen Nummer der „C.-V.-Zeitung" kurz meldeten, ist Mrs Flora S a s s o o n am Dienstag, dem 14. Januar, in ihrem Heim in Bruton Street in London im Alter von 76 Jahren verschieden. In der „Times" vom 16. Januar lesen wir einen Nachruf über diese große Persönlichkeit, dem wir folgendes entnehmen: „Mrs. Sassoon wurde im Jahre 1859 in Bombay geboren als Tochter eines Großkaufmanns und Gelehrten Ezekiel Joshua Gubbay und Enkelin von David Sassoon, dem Gründer der Familie, Ueberlegen, was vom Alten sachgemäß verändert, was auszumertzen ist — und was neu angeschafft werden muß.- -Und hier verfolge ich wiederum eine. Richtlinie: Nicht wahllos nur Schönes kaufen um des Schönen willen, sondern überlegen, wie fügt es:, sich in den-Rahmen des schon Vorhandenen? -Denn zu einem immer.„Gutangezogensein" gehört ein gewisses Festhalten an einen. Stil, was absolut nicht gleichbedeutendmit Eintönigkeit ist. Bei der im Erwerbsleben stehenden Frau sind natürlich ganz andere Gesichtspunkte in Betracht zu ziehen als bei der Frau, die ihre Kleidung lediglich fürs Haus, für die Geselligkeit und für den Sport braucht. Aber für alles muß mit gleicher Sorgfalt, gewählt werden. Außer der Frage der Neuanschaffung und. der Modernisierung der Kleider spielt ihr Erhalten und Pflege eine große Rolle. Die scheinbar zeitraubende fachgemäße Unterbringung und Behandlung der Kleidungsstücke ist im Grunde eine Zeit- und Geldersparnis und die Vorbedingung für gutes gepflegtes Aussehen. Anleitung zu dieser Behandlung der Garderobe zu geben gehört ebenso zu dem Beruf der Modeberaterin wie die Stoffe (Materialkenntnis) auszusuchen, sie in Farbe und Qualität eventuell Vorhandenem anzupaffen, den Schnitt auszuwählen, die Anproben zu überwachen und die vielen kleinen Nebendinge, die oft den Anzug äusmachen, richtig zu wählen. Denn der schönste Stofs falsch verarbeitet, das reizendste Kleid mit farblich und im Stil nicht passenden Schuhen, Hüten oder Taschen getragen, zerstört die Schönheit des einen ohne das andere zur rechten Beachtung zu bringen. Der Berus der Modeberaterin heißt: Den Frauen helfen, richtig angezogen zu sein — auch dem kleinsten Portemonnaie beistehen, daH Richtige und Vorteilhafteste zu erwerben — hie und da dämpfen! Ein neidloses Sich-Freuen am guten Aussehen der anderen Frauen ist Vorbedingung zu diesem Beruf — ein Wissen um die Mode, ein Einfühlen in die Persönlichkeit der Frau und nicht zuletzt: Kenntnis des Materials — güte Kausqüellen... deren Angehörige es in der Wirtschaft, der Politik und im sozialen Leben zu Bedeutung gebracht haben. Flora heiratete Salomon Sassoon, der jung starb und ihr drei Kinder hinterließ. Zehn Jahre lang führte sie mit Begabung und Erfolg das große Geschäftsunternehmen ihres Gatten, teils an. Bombay, als anderen Frauen Indiens noch Zurückgezogenheit auferlegt war, teils in London. Sie war- Tag für Tag in geschäftlichen Verhandlungen mit indischen und britischen Kaufleute u an ihrem Pult zu finden. Der Tradition Mitreu war sie in althebräischer Literatur erzogen worden. .. Ihre Kenntnis der. hebräischen Bibel war erstaunlich. Bei der Zitierung irgendeines Spruches aus der Bibel konnte sie sofort das Buch nennenin welchem es zu finden war. Ebenso war sie in der englischen Literatur bewandert. Sie zitierte oft Shakespeare und mit Vorliebe solche Stellen, welche biblischen Zusammenhang vermuten ließen. Ganz außerordentlich waren ihre Kenntnisse' von jüdischem Gesetz und Ueberlieferung. Mit den rabbinischen Quellen, welche sie seit frühester Jugend studiert hatte, war sie intim vertraut. Trotz großer Bescheidenheit war sie eine Persönlichkeit von majestätischer Würde.- -Ihre--hervorragendste Eigenschaft war die seelische Schönheit, die ihr sympathisches Antlitz und ihre Augen voll Güte und Klugheit ausstrahlten. Sie übte Gastfreundschaft im Stile eines orientalischen Potentaten. Mit ihren intellektuellen Gaben vereinigte sie eine weitreichende karitative Tätigkeit, die sich über viele Länder des Ostens und des Westens erstreckte. Die Empfänger ihrer Wohltaten blieben aber stets ihr Geheimnis und: das der Postboten, welche merkwürdige Dinge von dem märchenhaften Umfang ihres täglichen Briefeinganges, berichten konnten. Die Post war gewohnt, die Ädressatin in Bruton Street ausfindig zu machen, selbst wenn die Briefumschläge mit arabischen oder hebräischen Schriftzeichen bedeckt' waren und nur die Worte London oder .England darauf. hindeüteten, daß der Empfänger in England sein dürfte. : ' - Mrs. Sassoon hinterläßt eine Tochter, die Gattin-des. Sir David. Ezra und einen Sohn .David S. Sassoon, den bekannten Sammler bibliographischer Werke und hebräischer Manuskripte." c- Verband Berlin des Jüdischen Frauenbundes E. V. Durch einen besonders, interessanten. Vortrag von Professor Dr.' S e l i g m a n n über Gesundheitswesen und Krankenfürsorge am 3. Februar ' im Klubheim, Marburger Straße 5, 20 Uhr, wird der zweite Kursus des Verbandes Berlin des Jüdischen Frauenbundes eröffnet. Am Sonntag, den 9. Februar, 10 Uhr vormittags, Der ziehfan seinem Karren schwer, Die armen Seelen beben: „Ach,,Aller, lass um leben!“ Und sammelt nichts ah Herzeleid, Und schleppt es murmelnd durch die SladU Er hält nicht Rast, die Fahrt geht weit. ' Vom Zweige lallt das letzte Blatt. . Lumpenmann, Lumpenmann, Morgen fängt das Blühen an. Aus den Wurzeln urilerm Damm Steigt der Saft schon in den Stamm.', Steigt die Freude, blüht der Schmerz, Lacht das Auge, bricht ein Herz, Leben trägt ein buntes Kleid. Alles wandert. Auch die Zeit. findet daran. anschließend die Besichtigung des 'Jüdischen Krankenhauses, des Hospitals, der Poliklinik und des Altersheims, Jranischestraße 2a, statt. Anmeldungen an das Büro des Verbandes Berlin des Jüdischen Frauenbundes, Berlin - Grunewald, Königsällee 11a, und am Vortragsabend selbst. Bücher H. von Monbart: Die Witwe Scarron . (Frau von Maiiitenon). (Müller uiul I. Kiepenheuer Verlag, Berlin.) Die Witwe des' Schriftstellers Scarron, die spätere Madame de Maintenon und die noch später geheim angetraute Gattin Ludwigs XIV. sticht seltsam und/unheimlich in ihrer Düsterkeit von dem strahlenden Hof des Sonnenkönigs ab, und dunkel und unbegreiflich bleibt ihre Macht, die sie gleich einem schweren Schatten rn das helle Licht des königlichen Schlosses wirft, trennend und verdunkelnd. Sie stammt aus der größten Armut, ist Hugenottin, tritt zunn Katholizismus über und gerät vollkommen in den Bann der Kirche. Als Werkzeug der Kirche übernimmt sie auch die Erziehung der illegitimen Kinder des Königs, kommt dem Hose nahe, entzweit den König mit der schönen und geistvollen (geliebten des. Königs, der Montespän und unterliegt doch zuletzt der magischen Kraft Ludwigs XIV., seiner Werbung, seinem Zauber. Das äst der Inhalt des Romanes von Monbart. Me Helden und Heldinnen haben ein reichliches Maß von tragischer Gewalt und menschlichem Format. Ihre Umgebung ist der Schauplatz der größten Pracht; der Tummelplatz der bösesten Intrigen, und zusammen doch nichts anderes als die Folie für den Glanz des Königs. Es gelingt H. v. Woübart die-Vielfalt dieser Umgebung in den einheitlichen Hintergrund 'zusammenzufassen,- es „gelingt ihm, den beiden Gegenspielerinnen, der Maintenon und der Montespän, ihr konträres Wesen abzulauschen und es lebendig und Plastisch zu schildern, und es gelingt ihm auch, uns eine Ahnung von der zaubervvllen Persönlichkeit Ludwigs XIV. zu vermitteln, der die beiden Frauen unterliegen müssen. - - 0 H. - Camilla Spira: Kennen Sie Peter? (Vortrupp-Verlag, Berlin.) Ja, jetzt kennen wir Peter, und wir wollen uns gleich anfangs Versichern, daß uns die Bekanntschaft mit'Peter wirklich Freude macht.. Er ist ein sympathischer Vertreter seiner Gattung aller Peters und wie sie sonst noch heißen möge,n, deren streichholzdünn.e Beine in Wadenstrümpfen stecken und die das Treppengeländer Herunterrutschen. Peter ist Nicht schlimmer und, Gott sei Dank, auch nicht, artiger als die übrigen, und eine seiner besten Eigenschaften ist, daß er nicht allzu viel „Kindermund" von sich gibt. Und damit wollen Wir-gleichzeitig seiner Mutier unser Kompliment machen, die es während dreiundfünfzig Seiten. zu. verheimlichen verstand, wie verliebt sie, in " ihren Söhn est, — von der Mutter eines so lieben und netten Peters eine unerhörte Leistung — und die uns in der kleinen Skizze einen lebendigen, frischen Jüngern und kein Wunderkind vorführt. Haben Sie dafür, Camilla Spira, recht herzlichen Dank. C. H. Roda Roda: Die Panduren. (Verlag E. P. Tal & Co., Wien.) „Roman einer- Landschaft" steht unter dem Titel des Buches, und noch genauer könnte es „Roman einer Siedlung" heißen. Nach der Vertreibung der Türken siedeln. > sich Soldaten des Prinz. Eugen zwischen Drau und Gebirge an, in dem Bezirk, den die Oesterreicher dann „Militärgrenze" nannten. Orientalische Frauen und kaiserliche Söldner — das gibt wilde Geschlechter, und ihre Schicksale, der 'Ahnen und Enkel durch etwa anderthalb Jahrhunderte, erzählt Roda Roda nun aus seine eindringliche Art, die doch nie zur „Manier" erstarrt,' jedes Geschehnis — und es sind recht derbe darunter und recht dramatische — zur Anekdote oder zum Sketsch zu-- sammengeballt, selbständig pointiert und doch stets eingegliedert in den Zusammenhang. Keine schwere Kost, aberaus sehr gepflegter Küche. ' t.l. ' PLISSEE Die hochelastische Unterwüsche aut Bemberg > Matt Nürnberger Drogerie Walter Schönfeld Nürnberger Strasse 43 / B 4 Bavaria 0473 Mod. elektrische Rolle a Zweckmäßig und ideal w*9 ist das.ärztlich empfohlene \ Blnden-Korsett /JhcjA „ E t i V a “ 0. R. G. M. Lwuiim Getragen bei Senkung, Hängeleib, nach Operationen nntf KK’lpjSrj nach Entbindnngen, bei Magen*, Leber-, Bruchleidep. Die eingearbeitete Binde beseitigt starken Leib... Seit YtBljflnU Jahren erfolgreich getragen. 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