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Central-Verein-Zeitung · 1936-01-30 · 5 (30.1.1936) · p. [Seite]

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
15 (1936) - farbig
Issue
5 (30.1.1936)
Date
1936-01-30
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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*885, Stärke und Gleichheit der Gesinnung. Diese Anschauung wird für Rühs zum Ausgangspunkt der Behandlung der Judenfrage. Nur die sollen in die Volksgemeinschaft ausgenommen werden, die imstande sind, sich restlos mit ihr zu verschmelzen. Da aber eines der wesentlichsten Mittel, um ein Volk zu einer Gemeinschaft zu machen, die Religion sei, seien die Juden als Andersgläubige für eine Aufnahme nicht geeignet. Hinzu kommt, daß auch der Charakter der Juden, der zum Teil durch die Religion, zum Teil durch ungünstige erbmäßige Anlagen bedingt sei, ihre Verschmelzung mit dem deutschen Volkskörper unerwünscht erscheinen läßt. Was, fragt nun Rühs, können die Juden berechtigterweise fordern, und was soll der Staat aus menschlicher Rücksicht für sie tun? Dem Reglement von 1750 entsprechend, durch das die Zahl der Schutzjuden festgesetzt war, soll der Zuzug von Juden nach Deutschland nicht mehr zugelaffen werden. Als Stichjahr gibt Rühs 1806 an. Die in Deutschland ansässigen Juden dürften keinen Anspruch auf das Bürgerrecht haben, ebenfalls sollten sie nicht zum Heeresdienst und zu Ehrenämtern zugelassen werden. Rühs schlägt sogar vor, zur Kenntlichmachung der Inden eine Art „Judenschleife" einzuführen. Das Eigendasein der Juden müsse durch Einführung einer eigenen jüdischen Gerichtsbarkeit gefördert werden. Um die Juden von der einseitigen Beschäftigung mit dem Handel abzubringen, sollten sie zum Handwerk zugelassen werden — allerdings ohne Aufnahmerecht in die Zünfte. Weiter meint Rühs, daß alles getan werden müsse, um den Uebertritt der Juden zum Christentum zu beschleunigen. In der Taufe sieht er die einzige Möglichkeit, die Juden ihre Eigentümlichkeit verlieren zu lassen. Das Missionswerk müsse neu organisiert, die Taufe zu etwas Begehrenswertem werden. U. a. empfiehlt Rühs die Einrichtung einer neuen Bekehrungsanstalt für die Juden in Berlin. Der Schrift, die ungeheures Aufsehen erregte und die Veröffentlichung einer Flut von Entgegnungen, aber auch von weiteren judenfeindlichen Schriften zur Folge hatte, läßt Rühs eine zweite Arbeit: „Ueber die Rechte des Christentums und des deutschen Volkes" folgen, in der er noch einmal seinen Standpunkt verteidigt. Das Erscheinen der ersten Schrift des Berliner Historikers veranlaßt den auf theologischem und philosophischem Gebiet sehr fruchtbaren Heidelberger Professor Jacob Friedrich Fries, eine Rezension dieser Schrift zu verfassen und damit zugleich seine eigenen Anschauungen über die Judenfrage zu äußern. (I. F. Fries: „Ueber die Gefährdung des Wohlstands und des Charakters der Deutschen durch die Juden^") Der Verfasser fragt zunächst, wie es käme, daß seit etwa 40 Jahren sich eine Reihe von Gelehrten zu Fürsprechern der Juden machen und sich dadurch in einen Gegensatz zur Empfindungswelt der breiten Masse stellen. Drei Gründe nennt Fries: 1. Es handelt sich zum Teil um Menschen, die sich durch persönliche Freundschaften mit Juden zu dieser grundsätzlichen Haltung verleiten lassen. 2. Es sind Kinder der rationalistischen Epoche, die von allgemeinen Ideen der Menschenliebe in einem von Humanität angekränkelten Zeitalter ausgingen. 3. Es sind schließlich Leute, die von reichen Juden materiell abhängig sind. Verschiedene Mißverständnisse will darauf Fries ausklüren. Die Annahme, man habe die Juden im Mittelalter besonders schlecht behandelt, sei Vorurteil uud Aberglaube. Eines, der größten Mißverständnisse bestände in der Verwechslung von Juden und Judenschaft. Die Judenschaft als wntschaftlich-soziale Erscheinung bilde eine Völkerkrankheit, ohne deren Ausrottung keine Lösung der Judensrage möglich sei. Im Gegensatz zu Rühs steht bei Fries die ch r i st o l o g i s ch e Betrachtungsweise nicht im Mittelpunkt seiner Anschauungen. Der Staat habe sich in religiösen Dingen völlig neutral zu verhalten. Der Jude sei aber durch seine Eigenarten nicht genügend zum Vollbürger qualifiziert. Die Juden Hütten keinen Anspruch auf Duldung oder gar Gleichberechtigung. Ihre durch den Talmud bestimmte Haltung sei asozial und staatsfeindlich. Bereits in der Bibel, vor allem in der Patriarchengeschichte, sieht Fries den talmudischen Geist der Trödlerrind Handelskaste. Die besondere Gefahr der Judenschaft bestehe darin, daß sie über die ganze Welt zerstreut sei und überall ihren ungünstigen Einfluß ausübe. Zum Schluß seiner Ausführungen richtet Fries verschiedene Forderungen an den Deutschen Bund. Es sollten polizeilich-bürgerliche Maßnahmen getroffen werden, um durch Verbot der Zuwanderung, Beschränkung der Heiraten u. ä. die Bevölkerungszahl der Juden zu vermindern. Die Juden sollten sich ferner — außer als Bauern — nicht mehr auf dem Lande ansiedeln dürfen, jegliches Dienstverhältnis zwischen Juden und Christen sei gleichfalls zu untersagen. Weiter macht Fries Erziehungsvorschläge zur Umgestaltung des Charakters der Juden. Jüdische Kinder sollten n u r in christliche Schulen geschickt werden, Rabbiner und Religionslehrer müßten sich einer Prüfung vor Christen unterziehen und dem Talmud abschwören. Als radikalstes Mittel schlägt Fries die Einführung des Pharaonischen Prinzips vor. Sollten die Juden ihr Judentum nicht aufgeben, müßten sie aus dem Lande getrieben werden. Die Friessche Schrift bezieht mit der Rezension der Arbeit von Rühs gleichfalls eine Stellungnahme zu der 1810 in Mainz anonym erschienenen Schrift: „Deutschlands Forderungen an den Deutschen Bund" ein. Diese Schrift enthält etwa ähnliche Gedankengänge wie die von Rühs. Dreizehn verschiedene Fragen werden in ihr behandelt, darunter an zweiter Stelle die Judensrage. Nur in einem Punkte weicht der Verfasser in seiner Stellungnahme von Rühs ab. Er gibt zu, daß die Juden im Mittelalter ständigen Verfolgungen, ausgesetzt waren. Zum Schluß seiner Schrift richtet er an den Deutschen Bund scharfe Forderungen betreffs Einschränkung der wirtschaftlichen Betätigung der Juden. Wie verhält sich nun die Gegenseite zu den von Rühs, Fries und Gesinnungsgenossen aufgeworfenen Fragen? Eine der wichtigsten Publikationen in denen versucht wird, die Rechte der Juden von christlicher Seite zu verteidigen, ist die 1816 in Karlsruhe erschienene Schrift des Badenser Konsistorialrats Johann Ludwig Ewald: „Ideen über die nötige Organisation der Israeliten in christlichen Staaten." Im Gegensatz zu Rühs und Fries sieht Ewald im Alten Testament und im Talmud keine Einflußquellen moralischer und sozialer Schäden, er erkennt im Gegenteil die hohen sittlichen Werte dieser Grundlagen der jüdischen Religion ohne Einschränkung an. In der falschen Behandlung der Juden durch den Staat sieht er den alleinigen Grund dafür, daß das Verhältnis zwischen Juden und Christen noch nicht vollauf befriedigend geworden ist. Daher macht er ausführliche praktische Vorschläge für die Um- und Ausgestaltung des Bildungs- und Erziehungswesens der Juden. Aus den christlichen Schulen, die die jüdischen Kinder besuchen sollten, solange es noch keine jüdischen gäbe, dürften keine verkappten Missionsanstalten gemacht werden. Die wichtigste Forderung Ewalds ist die bedingungsloser Gleichstellung der Juden in Rechten und Pflichten mit der christlichen Bevölkerung. Ein Erfolg der vorgeschlagenen Bildungsreform sei davon abhängig, daß die Juden durch das Gesetz die Möglichkeit erhalten, sich unter den gleichen Bedingungen auszuleben wie alle andern Bürger. Die bedeutsamste Schrift von jüdischer Seite mit der Tendenz, die Argumente der judenfeindlichen Schriften zu entkräften, ist die der beiden Lehrer an der Herzoglichen Franzschule zu Dessau, I. Wolfs und G. Salomon: „Der Charakter des Judentums nebst einer Beleuchtung der unlängst gegen die Juden von Professor Rühs und Fries erschienenen Schriften" (Leipzig 1817). Der vornehmste Zweck dieser Arbeit besteht darin, die Angriffe, die sich insbesondere gegen die jüdische Religion richten, mit aller Schärfe zurückzuweisen. In zwanzig Abschnitten wird ein Ueber- Fot. Abraham Pisarek Rabbiner Dr. Louis Blumenthal Am 2. Februar vollendet Gemeinderabbiner Dr. Louis Blumenthal (Berlin) sein 70. Lebensjahr. Er hat sich in über 30jährigem aufopferungsvollem seelsorgerischem Wirken die Achtung und Anerkennung weitester Kreise der Berliner Jüdischen Gemeinde verschafft. Dem Central-Verein gehört er seit Jahrzehnten als treues, einsatzbereites Mitglied an. Mögen ihm, der vor einiger Zeit in den wohlverdienten Ruhestand getreten ist, noch viele von Glück und Schaffenskraft gesegnete Jahre beschieden sein. iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimifiiiimiiiHiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiimiiimiiimiiiiiiitt blick über das Wesen des Judentums gegeben. Aus einer Fülle von Zitaten aus Bibel und Talmud ergibt sich eindeutig, daß die Forderungen und Gebote der jüdischen Glaubenslehre in allen 3g Die Einkaafsstitte für Jedermann Lindemann & Co. Spandau FAMILIEN¬ ANZEIGEN m Euer Blatt in die C.-V.-Zeitung ERZIEHUNG l \l> UNTERRICHT Internat Prediger Hirsch, Coburg gegr. 1917 Ideales Schulheim in prachtvoller Höhenlage. Volksschule — Realschule Zu Ostern werden noch einige Neuanmeldungen angenommen L Zickel’s Höhere Privatschule für Knaben und KädLchen (ln getrennten Klassen) Berlin-Schöneberg, Kuisteinerstr.16,614213 Grundschule (Knaben und Mttdchen) — VI — I . II Nachmittags-Arbeitszirkel Fremdspr. Konversation Taubstumme u. Sprachgestörte •werden vom 4. J. ab z. April im Kindergarten, vom 6, Jahre ab in d. Schule anfgenommen. Meldungen bis 1. März an die Israelitische Taubstummen-Anstalft Dir. Dr. F. Reich. Berlin-WeiEensee, Parkstr. 82 Für Kinder und junge Mädchen Erholung und Wintersport im „Auenheim", Wolfshau i. 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