Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936) - farbig
- Issue
- 3 (16.1.1936)
- Date
- 1936-01-16
- Page
- [Seite] (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 3 * 5. Beiblatt 16. Januar 1936 Aegypten Die Zerstreuung der Juden über die Erde (XXI) Der jüdische Statistiker kann bei diesem Lande, das eine Schlüsselstellung in der ältesten jüdischen Geschichte hat, an den Größenordnungen der Vergangenheit nicht Vorbeigehen. Statistische Angaben reichen weit in die Anfänge der jüdischen Zeitrechnung hinein. Das 2. und das 4. Buch Moses geben Ziffern, die sich auf den Auszug der jüdischen Volksmassen aus Aegypten bezw. auf die Musterung der Wehrpflichtigen beziehen. Diese Größenordnungen müssen jedoch hier außer Betracht bleiben, da ihr Sicherheitsgrad zu klein ist. Die auf Grund dieser Angaben erfolgten Berech- \ ÄGYP'TENlS Sahara nungen weichen sehr erheblich voneinander ab, sie liegen jedoch durchweg über der Grenze von einer Million für das jüdische Volksganze Ohne Zweifel hat in den Jahrhunderten der politischen Selbständigkeit, die zwischen dem Auszug aus Aegypten und den Anfängen der Zerstreuung liegen, das jüdische Volk sich in seinem zahlenmäßigen Umfang stark vergrößert. Die große Fruchtbarkeit der Frauen war neben anderen Gründen hierfür das entscheidende Grundelement. Als dann die Auswanderung nach Beseitigung der politischen Einheit begann, finden sich allein in Aegypten so große jüdische Massen, daß man bereits daraus allein ganz allgemein auf die große quantitative Bedeutung des jüdischen Volkes vor etwa zweieinhalb Jahrtausenden schließen kann. Seit dem 6. Jahrhundert v. Ehr., etwa seit den Zeiten Jeremias', gibt es große jüdische Siedlungen in Aegypten, deren Ausmaß in den Kulturzentren der ersten Jahrhunderte vorchristlicher Zeit außerordentlich hoch gewesen sein muß. Nach zeitgenössischen Quellen sollen in Aegypten im ersten Jahrhundert v. Chr. etwa eine Million Juden gelebt haben. Das sind etwa 1/io aller damaligen Bewohner des Landes. Etwa 12 Jahrhunderte später kommt der spanische Jude Bin- Nachdruck verboten jamin ben Jona aus Tudela, der in dieser Aufsatzreihe schon mehrfach erwähnt wurde, auch durch den Nvrdosten Afrikas, aber hier Hind seine sonst so wertvollen Zahlenangaben leider viel spärlicher als in den übrigen Ländern des Mittelmeerbeckens, die er durchstreift hat, und für die er so wichtige jüdisch-statistische Angaben hinterlassen hat. Binjamin gibt für Alexandria um die Mitte des 12. Jahrhunderts n. Chr. 3000 Juden an, für D a m m i e t t e 200 Juden, Ziffern, die dies eine jedenfalls erkennen lassen, wie stark die Juden in dem Lande der hervorragendsten kulturellen Metropolen des Altertums ziffernmäßig zurückgegangen sind. Mit dem Verfall Alexandrias im etwa 3. Jahrhundert n. Chr., mit dem Niedergang der griechischen Kultur, mit dem Rückgang der wirtschaftlichen Bedeutung vieler ägyptischer Städte beginnt zeitlich dann auch die Abwanderung der damals in Aegypten lebenden Juden in andere Länder. So erklärt es sich auch, daß Binjamin im 12. Jahrhundert so Verhältnis-, mäßig kleine Siedlungen findet; allerdings zählt er sie keineswegs erschöpfend auf, zumal er das Land nicht ganz bereist hat. Bereits auf der Rückreise in seine Pyrenäische Heimat erwähnt er nur gleichsam nebenbei, welche Städte zufällig auf seinem Reisewege lagen, ohne daß er gerade in Aegypten das "Landesinnere nach jüdischer Ansiedlung tiefer durchforscht hätte. 800 Jahre spater, um die, Mitte des 19. Jahrhunderts, besuchte wieder ein jüdischer Reisender das Land, Israel Benjamino. Er gibt für Kairo, Alexandria und einige andere Orte Ziffern an, die jedoch als nicht sehr genau angesehen werden können. Erst mit dem Ausgang des 19. Jahrhunderts beginnt die moderne amtliche Statistik, die ein klares Bild von der zahlenmäßigen Gegen- Wartsgestaltung des jüdischen Volksteilcs in Aegypten gibt. Bis zum Jahre 1914 war Aegypten von der Türkei abhängig, von 1914 bis 1922 war es britischer Schutzstaat, vom 15. März 1922 an ist das heutige Aegypten unabhängiges Königreich, in dem Großbritannien jedoch verschiedene Vorrechte genießt. Das Land ist etwa doppelt so groß wie Deutschland; in ihm leben unter ellva 10 Millionen Einwohnern nach der letzten amtlichen Zählung etwa,63 500 Juden. Die geringe Einwohnerzahl und auch verhältnismäßig niedrige Zähl der Juden erklärt sich damit, daß von den etwa 990 000 Quadratkilometern nur etwa 34 000 Quadratkilometer Kulturland sind, der Nest dagegen Sand- und Steinwüsten. Gemessen an der Gesamtbevölkcrung des Landes, beträgt die jüdische Quote etwa 0,5 Prozent (1927). Daß sich in den neun Jahren, die seit der letzten Volkszählung vergangen sind, die Zahl der Juden in Aegypten nennenswert vergrößert hätte, ist nicht anzunehmen, insbesondere hat eine jüdische Einwanderung aus Deutschland seit 1933 deswegen nicht einsetzen können, weil das Land hiergegen mit Rücksicht auf die wirtschaftliche Lage Vorkehrungsmaßnahmen getroffen hat, die - zeitweise sogar eine vorübergehende Landung durchreisender Juden aus Deutschland erschwerten. Noch drei Jahrzehnte Zuvor bis vor wenigen Jahren konnte eine nennenswerte Zuwanderung nach Aegypten stattfinden, sowohl unter türkischer Herrschaft wie auch unter britischer. Der damalige wirtschaftliche Aufschwung gab die Voraussetzungen hierfür. Nach dem Weltkriege flüchteten viele sephardische Juden aus Saloniki, aus Smyrna und Adrianopel nach Kairo und Alexandria;. so findet man heute in diesen Städten viele jüdische Familien, die auf dem Wege über den Balkan und über eine Zeitspanne von mehr als vier Jahrhunderten hinweg die altspanische Sprache in Aegypten erhalten haben. Religionssoziologisch ist es interessant, daß insbesondere in Kairo die jüdische Sekte der K a r ä e r eine relativ große Anhängerschaft hat; sie zählt mehr als tausend Köpfe. Zunächst stellt die amtliche ägyptische Statistik die Herkunftsländer der 63 500 Juden fest. Fast ein Drittel von ihnen, fast 22 000 Juden, sind in Aegypten geborene Staatsbürger, etwa 6000 stammen aus Frankreich, etwa 5000 aus Italien, über 2000 aus England, etwa 1100 aus der Türkei, für die restlichen 28 000 ist keine Angabe vorhanden. Immerhin zeigen diese Zahlen mit erschütternder Klarheit, wie stark noch vor und nach dem Weltkriege die politischen Wirren in einzelnen Ländern der Mittelmeersphäre auch Juden dieser Staaten entwurzelt hat, von denen wenigstens ein kleiner Teil in Aegypten Fuß fassen konnte, wo sie jetzt eine gesicherte Heimat gefunden haben. Auch in Aegypten lebt die Mehrzahl der Juden m den großen Städten einer oft jahrtausendealten Tradition. Etwa 35 000 Juden wohnen im Departement Kairo, etwa 25 000 im Regierungsbezirk Alexandria, beide im wesentlichen * die gleichnamigen großen Städte umfassend, deren Namen in der Wissenschaft wie in der Wirtschaft des ' Altertums einen besonderen, weltumspannenden Klang hatten. In der Kanal Zone haben sich über 1100 Juden angesiedelt, davon allein 1000 in Port Said. In Suez, wo die Zahl der Juden zwischen 1917 und 1927, den beiden Jahren des letzten und vorletzten Census, ausfülligerweise im Rückgang begriffen ist, lebten 1927 noch etwa 125 Juden und schließlich im Regierungsbezirk Dammiette nur noch, drei Juden. In den Grenz bezirken ist die Zahl der Juden sehr, gering. Aüffallend ist es weiter, daß sowohl in UnterÄgypten wie in Oberägypten — im Gegensatz zu den vorher genannten Departements — in dem angegebenen Jahrzehnt der jüdische Volksteil sich verringert hat und zwar in Unterägypten von 3300 im Jahre 1917 auf 2300 (1927) und in Oberägypten von 1360 auf 552 (1927). Diese Entwicklung rst um so erstaunlicher, als die Judenheit Aegyptens keine als ungünstig zu bezeichnende Bevölkerungsbilanz aufzuweisen hat. Vom jüdischen Blickfeld aus ist es interessant, daß auch die Halbinsel Sinai zu Aegypten gehört, die geographisch bereits A s i e n Zugerechnet wird. Die Sinaihalbinsel, in der Bibel örtlicher Mittelpunkt des Geschehens um die göttliche Mission an das jüdische Volk, ist heute sowie ehedem — mit Ausnahme der Zeit des Durchzuges der jüdischen Stämme — eine dünnbesiedelte Wüstengegend. In den letzten Jahren wohnten etwa 15 000 Menschen an dieser historischen Stätte, darunter jedoch sehr wenige Juden. Die Fruchtbarkeit der Juden Aegyptens ist bis . in die neueste Zeit hinein noch als günstig anzusprechen, wenn sie bereits auch immer stärker europäisch beeinflußt wird. Aus den Jahren 1929 und 1930 liegen Zahlen für die Geburten und Todesfälle getrennt für die einzelnen Konfessionen vor. Danach wurden im Jahre 1929 670 jüdische Kinder mehr geboren, als Sterbefälle unter den Juden zu verzeichnen gewesen waren. Im Jahre 1930 liegt der Geburtenüberschuß bei etwa 600, er hat sich also um etwa 10 Prozent verringert. Trotzdem bedeutet dies für den jüdischen Volksteil Aegyptens noch ein Geburtenplus von fast 10,0 auf 1000 jüdische Einwohner, eine Größenordnung, die sich im Rahmen des Geburtenzuwachses der mitteleuropäischen Staaten durchaus sehen lassen kann. Deutschland hatte z. B. im Jahre 1933 einen Geburtenüberschuß von 3,5, Belgien einen von 3,4, Dänemark von 6,7, Frankreich von 0,5, England von 2,4 usw. Italien dagegen von 10,0 Prozent. Hier ist also die gleiche Geburtenüberschußbasis wie bei den Juden in Aegypten, die von europäischen Staaten wesentlich nur durch Rumänien, Polen, Rußland überschritten wird. Einblick in das jüdische kulturelleLeben des Landes gibt die amtliche Statistik dadurch, daß sie Angaben über das Schulwesen Aegyptens bringt. Das letzterfaßte Schuljahr ist 1927/28. In diesem Jahre waren 13 700 jüdische Kinder in den Unterrichtsanstalten des Landes eingeschult. Etwa 20 Jahre vorher, im Schuljahr 1906/07 betrug die Zahl der jüdischen Schulkinder 5980, die damals zum größten Teil die Schulen der Alliance Israelile, das sind die französischen Schulen, besuchten. Das hat sich inzwischen geändert, denn im Schuljahr 1927/28 geht etwa die Hälfte der jüdischen Kinder in ü g y p t i s ch - jüdische und -nichtjüdische Schulen, das sind insgesamt rund 7200. An zweiter Stelle erst folgen jetzt die französischen Schulen, das heißt also die Schicken der A 11 i a n c e Israelit«, in die in dem genannten Schuljahr aber doch noch über 5000 jüdische Kinder geschickt wurden. In weitem Abstand folgen dann die italienischen Anstalten mit rund 850 jüdischen Kindern, dann die englischen Schulen mit etwa 350 und die amerikanischen mit etwa 100 jüdischen Kindern. In den drei deutschen Schulen Aegyptens wurden im Schuljahr 1927/23 32 jüdische Kinder unter 345 C.-V.-Leser trinken nur den Kaffee, Tee, Kakao der Camaio Kaffee Großrösterei Bremen 4 Vertreter werden noch eingestellt Tei-Aviv bekommt eine neue Stadtbibliothek! Tel-Aviv, den 6. Januar 1936. Bisher hatte Tel-Aviv keine nennenswerte Bibliothek. Es gab da Anfänge, die sehr beachtlich sind. Da ist vor allem das Beth-Achad-Haam, das Haus, in dem der geistige Führer einer Generation, namentlich von russischen Juden, die letzten Jahre seines Lebens gewirkt hat. Er hat das Haus mit der Bestimmung hinterlassen, dass es unverändert als Studienraum jüdischen Gelehrten und stillen Forschern und Lesern dienen soll. Es ist zugleich die wichtigste Zweiganstalt der Stadtbibliothek und ein Kuratorium wacht darüber, dass es als nationales Denkmal unverändert erhalten bleibt, ohne bauliche Veränderungen, und ohne dass ein Buch, das dem geistigen Führer gehört hat, aus dem Hause — auch nur zeitweise — entfernt werden darf. Ausserdem gibt es ein paar ganz kleine Bibliotheken, die freilich gegenüber einer Stadtbevölkerung von allein 150 000 Seelen und mehr in Tel-Aviv, wozu noch die Stadt Jaffa mit Zehntausenden von Juden kommt, bedeutungslos sind. Selbst die Stadtbibliothek, die den Namen „Sha’ar-Zion“ führt, und die früher eine bescheidene Vereinsbibliothek war, reicht in keiner Weise aus. Vor allem konnte sie sich nicht entwickeln, da sie kein Budget hatte und in engen schlechten Mietsräumen eingepfercht war, die natürlich keine Ordnung der Bücher zuliessen und auch ihre Reinigung unmöglich machten. Während noch 1922 auf jeden Bürger von Tel-Aviv je drei Bücher in der Stadtbibliothek kamen, ist die Bibliothek so weit hinter dem Wachstum der Stadt zurückgeblieben, dass auf je sieben Einwohner erst ein Buch kommt. Dieser Stillstand erklärt sich auch zum Teil aus dem Unverständnis gewisser Kreise gegenüber dem Werte und der Notwendigkeit einer Bibliothek. Jetzt ist eine wichtige Aenderung zum Besseren eingetreten. Ein weitsichtiger Bürger der Stadt hat sein einstöckiges Haus der Stadt zum Zwecke einer Bibliothek vermacht. Aber einstweilen lebt er und wird hoffentlich noch lange leben und muss in dem Hause wohnen. Aber er hat erlaubt, dass zuerst einmal auf das Haus zwei Stockwerke aufgesetzt werden, die für die Zwecke einer Bibliothek besonders erbaut sind. Hier soll die Stadtbibliothek jetzt einziehen. Wenn sie aber nach dem weitsichtigen Plane der Stadtväter an dem zukünftigen Ehrenplätze der Irija, d. h. des Rathauses, ein monumentales Bauwerk erhalten haben wird, wie man das schon für die nächsten fünf Jahre in Aussicht nimmt, dann soll hier in der Montefiorestrasse in dem Hause, das Zeebh. Glu- 8 k i n gestiftet hat, die erste Zweiganstalt der Stadtbibliothek sein. Dieses Haus ist jetzt fertig. Die Stahlregale sind eingebaut, die Bücher werden hinübergebracht, und man wartet nur darauf, dass die Mittel flüssig gemacht werden, um die übrigen notwendigen Möbel anfertigen zu lassen. Dann wird Tel-Aviv binnen kurzem eine wirkliche und wertvolle Stadtbibliothek besitzen. Denn schon jetzt liegen Tausende von Büchern in Kisten bereit, die aus dem Auslande gekommen sind, vor allem auch aus Deutschland, und die nach Eröffnung des Neubaues in den Bestand der Bibliothek aufgenommen werden. Eine besondere Anerkennung muss da Ernst Hoffman n in Berlin ausgesprochen werden, der sich mit unendlichem Eifer und hingebungsvollem Idealismus der Hilfsarbeit für den Aufbau auch dieser Bibliothek widmet. Es ist gar nicht so leicht, wie man sich das in Laienkreisen denkt, Bücher zu bekommen. Welche Mühe hat es seinerzeit gekostet, als es Ludwig Bato und dem Berliner, Vertreter der Jerusalemer National- und Universitätsbibliothek gelang, für diese die wunderbare Goldziher-Bibliotliek zu erwerben. Die orientalistische und judaistische Bibliothek des Baron David v. Giinzburg wurde im Jahre 1917 für die Jerusalem- Bibliothek gekauft, ist aber bis heute noch im Rumanzew-Museum festgehalten und wird ihren Bestimmungsort noch lange nicht erreichen. Aehnlich geht es zuweilen auch mit Stiftungen für die Stadtbibliothek von Tel-Aviv. Aber wenn jeder Jude sich für verpflichtet hielte, auch aus der Ferne dabei mitzuwirken, so würde hier schnell eine Pflanzstätte der Kultur entstehen, die in vollein Zusammenhänge mit aller menschlichen Kultur und allem Wissen der Gegenwart, in allen Sprachen und in allen Fächern, doch Judentum und Palästina, hebräische Sprache und jüdische Literatur im Zentrum hat. Selbstverständlich ist jedes Buch willkommen, das Judentum und Palästina betrifft, aber auch jedes ernste Werk, das irgendeinen Gegenstand des Denkens und der Gesinnung, der Wissenschaft und der Dichtung im Schrifttum gibt. Von Sprachen kommt neben dem Hebräischen und den jüdischen Nebensprachen in erster Linie das Deutsche, Französische, Englische und Russische, aber auch jede andere Sprache in Betracht. Man soll dabei beachten, dass, so gering noch der Bücherschatz bisher ist, doch die Benutzung der Bücherei im Verhältnis grösser ist als die irgendeiner anderen Bibliothek. Das Bedürfnis nach Büchern ist bei der hohen Durchschnittsbildung und bei dem grossen Anteil hochgebildeter Elemente besondere gross. Zugleich bietet das neue Bibliotheksgebäude die Möglichkeit, eine lebendige Volkshochschule im Zusammenhang mit der hier gepflegten Bücherwelt wirken zu lassen. Ihre Entwicklung wird nicht bloss von der immer lebendiger werdenden Anteilnahme der städtischen Behörden, sondern auch von dem Interesse abhängen, das Juden im Ausland an der Förderung der jüdischen und allgemeinen Kultur im Lande der neuen jüdischen Arbeit durch die Tat beweisen werden. Heinrich Loewe. Kurze Nachrichten Das Einwanderung«.-Department der Jewish Agency hat dem Palästina- Amt telegraphisch mitgeteilt, dass von dem Winter-Schedule 1935/36an Arbeiter-Zertifikaten der Kategorie C insgesamt 950 Zertifikate, d. h. 32 Prozent des Gesamt-Schedules an das Palästina-Amt Berlin zugeteilt worden sind. Von diesen 950 Zertifikaten sind 160 für Juden aus Deutschland, die sich in europäischen Ländern aufhalten, bestimmt. Der Vorschuss, den das Palästina-Amt vor etwa zwei Monaten erhalten hat, betrug 500 Zertifikate, die von den 950 Zertifikaten abzuziehen sind. 50 Zertifikate vom Vorschuss wurden den Emigrationsländern zugeteilt, die restlichen entfielen auf Einwohner Deutschlands. Demnach stehen für Deutschland nur noch 350 Zertifikate und 110 Flüchtlingszertifikate zur Verfügung. Der Vorschuss ist restlos verteilt. Mit der Verteilung des Hauptschedules wird unmittelbar nach Eingang der Zertifikate, die das Palästina- Amt noch im Laufe des Monats Januar erwartet, begonnen werden. . Heber die Einteilung der Zertifikate nach Berufskategorien, nach Geschlecht und Alter, sowie nach Familienstand ist bisher nichts bekannt. Die Palästina-Regierung hat offiziell mitgeteilt, dass im Jahre 1936 nur fünfzig Aer. zten die Erlaubnis für die Ausübung der ärztlichen Praxis in Palästina erteilt werden wird. Diese Regelung ist auf der Grundlage der Medical Practioners’ (Amendment) Ordinance vom 31. Oktober 1935 getroffen worden. Durch diese Verordnung wurde der High Commissioner ermächtigt, eine Quote für die Zulassung von Aerzten zur Praxis festzusetzen. Von zuverlässiger Seite wird mitgeteilt, dass die Palästina-Regierung einschneidende Aandern n g e n der Einwanderungsvorschriften durchzuführen beabsichtigt. Es soll der für die Einwanderung in der Kategorie A bisher als Eigenkapital geforderte Mindestbetrag von 1000 Pfund auf 2000 Pfund erhöht werden. Gleichzeitig wird die- Erhöhung der von Touristen verlangten Kaution von 60 auf 80 Pfund erwogen. Ausserdem wird erwartet, dass durch die neuen Vorschriften auch die Möglichkeit der Ausnutzung von Einwanderungszertifikaten zeitlich begrenzt werden wird; und zwar sollen Zertifikate von Einwohnern europäischer Länder drei Monate nach ihrer Ausgabe, Zertifikate für Amerikaner nach vier Monaten und solche für Bewohner der fernöstlichen Länder nach fünf Monaten ihre Gültigkeit verlieren.