Mannheim
Compact Memory

Central-Verein-Zeitung · 1936-01-09 · 2 (9.1.1936) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
15 (1936) - farbig
Issue
2 (9.1.1936)
Date
1936-01-09
Page
[Seite] (sequence 18)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2277379-9449481-9449238--09933-9448596
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

von 3er NIR verwalteten Gelder, die im wesentlichen durch Ausgabe von Aktien und Obligationen beschafft werden. Ein weiteres Moment, der Sicherung ist darin zu erblicken, dass die N1R, eben durch die erwähnten organisatorischen Zusammenhänge, über eine intime Kenntnis ihrer Schuldner, der landwirtschaftlichen Arbeitersiedlungen, verfugt. Dabei handelt es sich 'durchweg um Siedlungen, die mit ausgebildetem Menschenmaterial, gestutzt auf den Erfahrungsaustausch, die Kontrolle und die Gemeinschaftseinrichtungen einer grossen Organisation arbeiten. Als Geldnehmer kommen ausschliesslich landwirtschaftliche Betriebe mit gemischter Wirtschaft in Frage, so dass also die ganze Problematik des einseitigen Orangenbaus oder sonstiger Monokulturen aus dem Kreditrisiko ausgeschaltet ist. Da gerade die Produktion dieser Zweige (Vieh- und Geflügelhaltung, Obst und Gemüse sowie Ackerbau, allenfalls in Verbindung mit dem Citruspardess) noch weit hinter dem Inlandsbedarf zurückbleibt, stehen der jüdischen Landwirtschaft noch gewaltige Absatzreserven zur Verfügung. Sieht man von dem allgemeinen Aufbaurisiko ab, das natürlich jeder Wirtschaft, und besonders einer so jungen, anhaftet. sc kann mau sagen, dass die im Aufbau befindliche jüdische Landwirtschaft nach menschlichem Ermessen noch eine lange Periode des Aufstiegs vor sich hat. Neben der sorgfältigen Auswahl der einzelnen Kreditnehmer ist aber auch der Verwendungszweck des Kredites für die Sicherheit bedeutsam. Alle Darlehen werden mit ausdrücklicher Zweckbestimmung gegeben, so für die Entwicklung neuer Produktionszweige, für Anlagen zur Intensivierung des Betriebes oder für Einrichtungen, die der Wirtschaft die Aufnahme neuer Siedler ermöglichen. Zehntausende von Pfunden wurden für die Einwanderer aus Deutschland oder für die deutsche Jugendalija auf diese Weise zur Verfügung gestellt, sei es durch Vorbereitung neuer Siedlungen, etwa i?n Emek Chefer, oder durch Erweiterung bestehender Punkte. Zu einem erheblichen Teile dienten diese Gelder zu Sachinvestitionen, zur Anlage von Brunnen, Errichtung von Gebäuden, Beschaffung C.-V.-Leser trinken nur den Kaffee, Tee, Kakao der Camsjo Kaffee GroOrSsferei Bremen 4 Vertreter werden noch eingestellt von Geräten usw. Soweit wie möglich wurden diese Materialien auf dem Transferwege aus Deutschland beschafft, und damit deutschen Juden die Ueberführung und produktive Anlage Ihres Vermögens ermöglicht Berücksichtigt man den gewaltigen Warenbedarf der Siedlungen, Siedlungsverbände und Institutionen, die mit der NIR organisatorisch verbunden sind, so erkennt man, dass gerade dieser Teil des Geschäftes noch sehr ausbaufähig ist. Last not least ist endlich die bankmassige Sicherung der von der NIR angenommenen und ausgegebenen. Gelder zu untersuchen. Zwar ist die Halbjahresbilanz per 30. Juni inzwischen bereits überholt; die Bilanzsumme beträgt heute bereits rund 250000 LP und zeigt eine starke Tendenz zu ständigem weiteren Wachstum. Da sich aber der Umfang und nicht die Struktur des Geschäftes wesentlich geändert hat, gibt schon eine Analyse dieser Ziffern wertvolle Aufschlüsse über Rentabilität und Kreditsicherheit, also die beiden Kernfragen, mit denen sich auch ein gewissermassen gemeinwirtschaftliches Unternehmen ahsein andersetzen muss, sobald es privates Kapital zur Beteiligung heranzieht Kreditsicherheit und Rentabilität sind natürlich bei einem solchen Unternehmen voneinander abhängig. Die Verwaltungsspesen sind unerheblich, dagegen könnten natürlich Ausfälle oder Rückstände beim Eingang der Zins- und Tilgungsraten die Rentabilität beeinflussen. Die bisherige Erfahrung hat nun gezeigt, dass die Ausleseprinzipien sich bewähren. Nach dem Zahlungseingang an den beiden grossen Fälligkeitsterminen in der Mitte dieses Jahres kann praktisch von einer hundertprozentigen Kredit- Sicherheit gesprochen werden. Was den Kapitalertrag anbetrifft, so haben die Obligationen der Gesellschaft einen laufenden Zinsanspruch von 4 Prozent, die Vorzugsaktien einen kumulativen (nachzahlungsberecbtigten) Dividendenanspruch von 5 Prozent, während die Stammaktien, die sich nicht im Besitze des Publikums befinden, ausser Ansatz bleiben können. Für die Gesamtheit des arbeitenden Kapitals muss also im Durchschnitt ein Ertrag von 4 Prozent herausgewirtsebaftet werden. Demgegenüber sind die Ausleihungen der NIR auf einem Durehschnittssatz von 7 Prozent aufgebaut, so dass die Zinseinnahmen die normalen Zinsverpflichtungen ohne weiteres decken. Wenn auch der NIR-Kredit noch immer billiger ist als der gewöhnliche Bankkredit in Palästina, so ist doch der Zinsfuss von 7 Prozent für die Landwirtschaft ausserordentlich hoch und nur dadurch tragbar, dass der NIR-Kredit nur einen Spitzenbetrag deckt, der im Rahmen der Gesamtverschuldung der einzelnen Wirtschaft nur eine verhältnismässig unbedeutende Rolle spielt. Wesentlich ist in diesem Zusammenhang endlich die Feststellung, dass die von der NIR ausgeliebenen Gelder durchweg etwa sieben Jahre früher zur Rückzahlung fällig werden, als die von ihr aufgenommenen Anleihen. Es ist also ein Spielraum vorhanden, der selbst bei etwaigen Stockungen den Obligationär sichert. Ein Schönheitsfehler der Bilanz ist es, dass ein offener Reservefonds noch nicht besteht und statutengemäß erst im Laufe der Zeit aus den Gewinnen gebildet werden soll. Aber es gibt eine Ersatzsieherung. Die Stammaktien, die eich in den Händen gemeinnütziger Institutionen befinden, sowie die Gründeraktien haften vor den Vorzugsaktien und diese wiederum vor den Obligationen. Das Vorzugskapital wird also gleichsam durch eine Reserve von 50 Prozent gedeckt, denn vor den 38 000 LP Vorzugsaktien stehen 18 000 LP Stamm- und 5000 LP Gründeraktien. Und erst wenn ausser den Stamm- und Grunderaktien auch noch diese Vorzugsaktien verloren sein sollten, könnte an die Obligationen ein Verlust herantreten. Die 87 000 LP Obligationen sind also durch ein Garantiekapital von 66 Prozent des Anleihebetrages gedeckt. Auch seit dem Stichtag, auf dem diese Berechnung beruht, wurde darauf geachtet, das Zahlenverhältnis nicht in einem für die Sicherheit der Vorzugsaktien und Obligationen entscheidenden Umfang zu verschieben. Bei den inzwischen durchgeführten Emissionen wurde stets der Grundsatz befolgt, nach Möglichkeit alle drei Gruppen, also Stammaktien, Vorzugsaktien und Obligationen zu vermehren. Neben den 61 000 LP Aktien der Zwischenbilanz — heute sind es bereits 90 000 LP — und den 87 000 LP Obligationen, deren grösster Teil e.ine Laufzeit vou 15 Jahren hat, besteht in der Bilanz noch ein Kreditorensaldo von 15 000 LP, während von den sonstigen Verreehnungs- und Durchgangskonten abgesehen werden kann. Den weitaus grössten Aktivposten bilden die Darlehen an landwirtschaftliche Betriebe, Sied- Die Zertifikatsfrage Von unserem Palästina-Korrespondenten Tel Aviv, den 1. Januar 1936. Mit ungewöhnlicher Verspätung Jiat die Palästina-Regierung erst jetzt die Zahl der Zertifikate für das am 31. März endende Halbjahr bekanntgegeben (wie bereits in der CV-Zeitung Nr. 1 vom 3. Januar gemeldet wurde. Die Schriftleitung). Sie beträgt 3250, das niedrigste Kontingent, das in den letzten Jahren für die Arheitereinwanderung bewilligt wurde. Welchen Rückschritt diese Ziffer bedeutet, zeigt eine Uebersicht über die „Arbeiter-Schedulen“ der letzten drei Jahre. Die Sehedulen, die jeweils für ein halbes Jahr festgesetzt werden (8 Sommerhalbjahr April—September, W Winterhalbjahr Oktober—März) betrugen: 8 1933 W 1933/34 S 1934 W 1984/33 S 1935 W 1935/36 5500 5500 6800 7500 8000 3250 Wie bekannt, ist die neue Schedule schon mit einem Vorschuss von 1000 Zertifikaten belastet, der bewilligt wurde, als sich die endgültige Zuteilung immer weiter verzögerte und ein völliges Vacuum ©inzutreten drohte. Ausser diesem Vorschuss stehen jetzt also nür noch 2250 neue Zertifikate zur Verfügung. Die aussenpolitische Lage — abessinischer Konflikt und Mittelmeerspannung — kann nur das lange Zögern des High Commjssioners erklären. Die Bemessung der Quote aber muss allem Anschein nach auf inner-' politische und wirtschaftliche Erwägungen der Mandatsregierung zurückgeführt werden. Es ist in Palästina schon beinahe zur Regel ■geworden, dass jedesmal bei Bekanntgabe der neuen Zertifikate— möge die Gesamtzahl auch noch so weit hinter den Forderungen der Jewish Agency und den Bedürfnissen der jüdischen Siedlung Zurückbleiben — ein Proteststurm der arabischen Nationalisten losbricht. Vielleicht wollte der High Commissioner in Anbetracht der allgemeinen nationalpolitischen Gärung im Mittleren Osten und in Anbetracht der besonderen palästinensischen Spannung, die durch den Entwurf über die Schaffung eines gesetzgebenden Rates (Legislative Council) ausgelöst wurde, derartige Ausbrüche diesmal vermeiden. Denn mit Ausnahme der Partei des früheren Jerusalemer Bürgermeisters Nash ab i bi, der mit allerlei Vorbehalten den Regierungsvorschlag für wenigstens diskutabel erklärt, spitzen sich die Ueberlegungen und Diskussionen auch in den arabischen Kreisen immer deutlicher zu einem schroffen „Nein“ zu. Man verweist in diesem Lager darauf, dass die Engländer in Aegypten und die Franzosen in Syrien im Begriff seien, den arabischen Forderungen durch einschneidende Verfassungsreformdn Rechnung zu tragen; demgegenüber sei die den palästinensischen Arabern vorgeschlagene Konzession nur äusserst mager, zumal mau dem gesetzgebenden Rat, der in Wirklichkeit nur ein über Gesetze diskutierender Rat sein werde, die Bestimmung über Landverkäufe und Einwanderung vorenthalten habe. Eine arabische Zeitung wollte wissen, dass die ganze Aktion überhaupt nicht im Interesse der palästinensischen Araber erfolgt sei, sondern dass der Vicekönig von Indien darauf hingewiesen habe, welch guten Eindruck auf die indischen Mohammedaner man durch eine solche englische Konzession an die arabischen Mohammedaner hervorrufen könne. Interessant ist es in diesem Zusammenhang, dass durch Erlass des Königs von England soeben die Amtszeit des gegenwärtigen High Commiseioners Generalleutnant Sir Arthur Waucbope auf zehn Jahre, also bis 1941, verlängert worden ist Sir Arthur erhält somit die bei den heutigen Wirren besonlergruppen und Institutionen mit zusammen 147 000 LP, davon 55 000 mit einer Laufzeit bis zu fünf Jahren, 86 000 LP mit einer Laufzeit bis zu zwölf Jahren und der Rest kurzfristig. Ausserdem sind 45 000 LP Kassenbestand und Bankguthaben sowie ein Wechselportefeuille von 11000 LP vorhanden, so dass nach dem Zwischenstatus ein sehr erheblicher Teil der durch die Anleihen auf genommenen Gelder in flüssigen Mitteln erster Ordnung bereitliegt. Die an landwirtschaftliche Schuldner gegebenen Kredite werden zusätzlich noch durch Wechsel, Hypotheken oder Verpfändung gewisser Einnahmen, so z. B. der Forderungen an die Tenuvah aus der Ablieferung der Erzeugnisse der Wirtschaft, gesichert. Trotzdem hat die Gesellschaft nur einen Teil ihrer Gelder unmittelbar an landwirtschaftliche Betriebe ausgeliehen. Mehr als ein Drittel der Darlehenssumme wurde nicht an einzelne Wirtschaften gegeben, sondern an finanzstarke Zentralinstitutionen, die ihrerseits diese Gelder für kolonisatorische Zwecke verwenden. Dadurch ergibt sich eine verbesserte Risikoverteilung und, soweit diese Gross-Schuldner Wechsel geben, auch eine Stärkung der Liquidität. Durch diese Fundierung der NIR-Emissionen ist auch die Voraussetzung für eine Einführung in den offiziösen Tel-Aviver Börsenverkehr geschaffen, die demnächst bei Bedarf erfolgen soll. Gerade wenn — was im Interesse der deutschen Alija und der palästinensischen Landwirtschaft durchaus erwünscht wäre — der Umlauf an NIR- Papieren sich vergrößern sollte, ist es nützlich, einen richtigen Markt für diese Emissionen zu schaffen, der eine pflegliche Kursgestaltung erlaubt und durch zuverlässige Kursveröffentlichungen dem Inhaber einen Wertmesser in die Hand gibt. ders wichtige Möglichkeit, eine stetige und auf lange Sicht berechnete Politik zu führen. Aber neben der Politik hat, wie schon angedeutet, wohl auch die Beurteilung der Wirtschaftslage bei der niedrigen Bemessung der neuen Arbeiterquote eine Rolle gespielt. Die britische Wirtschaftspolitik in Palästina ist ausgesprochen konservativ. Man hat die Prosperity nur sehr zögernd mitgemacht. Die Zuteilung der Zertifikate soll nach der Aufnahmefähigkeit des Landes erfolgen. In der Regel blieb die Schätzung der Regierung über diese wirtschaftliche Aufnahmefähigkeit um 50 bis 75 Prozent hinter den Schätzungen der Jewish Agency zurück, und es bedurfte stets langer Verhandlungen, um wenigstens eine kleine Zulage zu erhalten. Bankenkrise und politische Ungewissheit liefern jetzt der Regierung ein Argument, zu der niedrigen früheren Basis ihrer Schätzungen zurückzukehren. Dabei muss man sich immer wieder ins Gedächtnis zurückrufen, dass in Palästina Arbeitslosigkeit sehr oft eine Folge des Arbeitermangels ist. Nicht nur, weil eine starke Arbeiterschaft wirksamer gegen die Beschäftigung arabischer, besondere der aus nichtpalästinensischen Ländern kommenden Wanderarbeiter in jüdischen Unternehmungen oder bei der Regierung auftreten kann, sondern auch aus zwei wichtigen innerjüdischen Gründen. Auch die vorige Exekutive, die ebenfalls der Arbeiterbewegung nicht fernstand, hat zugegeben, dass der Arbeitermangel ein ungesundes Lohnniveau geschaffen habe und dass dadurch der Aufbau gerade in den besonders produktiven Wirtschaftszweigen gehemmt worden sei. Ausserdem aber ist die Einwanderung auf Zertifikat „C“, also die Einwanderung von Menschen ohne Kapital, aber mit besonderer beruflicher Eignung, der einzige Teil der ganzen Einwanderung, der von den zentralen jüdischen Instanzen ' gesiebt, gelenkt und beeinflusst werden kann. Wenn auch die Kräfte, die einen solchen Einfluss ausüben könnten, heute noch recht unentwickelt sind, so ist doch bei der Planlosigkeit und Richtungslosigkeit, die sich vielfach bei anderen Teilen der Alija und bei deren wirtschaftlichen Massnahmen findet, eine gewisse Lenkung unerlässlich zur Sicherung der Produktivität des gesamten Aufbaus. Im übrigen hätte es die Regierung selbst in der Hand, etwas für die Unterbringung der jüdischen Arbeiteralija zu tun, wie es ja auch zu ihren im Mandat verankerten Aufgaben gehört. Die Zahl der jüdischen Beamten, Arbeiter und Angestellten im Regierungsdienst entspricht noch immer nicht dem jüdischen Anteil an der Gesamtbevölkerung des Landes. * Amtlich wird bekanntgegeben, dass im Monat November 1935 4212 Juden nach Palästina eingewandert sind. 562 von ihnen gehörten der Kapitalistenkategorie an. Die Gesamtzahl der jüdischen Einwanderer des Jahres 1935 beträgt, wie der Jüdischen Telegraphen-Agentur (JTA) mitgeteilt wird, rund 59 000. Das neue Palästina-Einwanderung«- gesetz verkündet Das neue Paläetina-Einwanderungsgesetz, das illegale Einwanderung und Beihilfe zu ihr unter strenge Strafe stellt, ist am 1. Januar von der Palästina-Regierung verkündet worden. Die jüdische Presse protestiert aufs schärfste gegen das Gesetz, das illegale Einwanderung sowie Beihilfe zu ihr unter strenge Strafe stellt. Die Zeitung erklärt, das Gesetz sei inhuman und werde deshalb nicht befolgt werden. Legislative Council Die offizielle Zeitschrift der Zionistischen Organisation „New J u d e a“ befasst sich in ihrer soeben erschienenen Ausgabe mit dem Legislative Council im Zusammenhang mit der ablehnenden Haltung der Araber zum Palästina- Mandat. Sie führt hierzu aus: Den Juden bleibt kein Weg als die Ablehnung des geplanten Legislative Council übrig. Bei ihrer Forderung nac’ einem Legislative Council haben die Araber m ein Ziel im Auge: dem Jüdischen Nationalhei ein Ende zu machen. Und man muss ihnen v gestehen, dass sie in dieser Beziehung ganz ari richtig sind. Sie erklären offen, ihre Opposition gegenüber der Grundlage der palästinensischen Verfassung — dem Palästina-Mandat — und alles, was daraus folgt. Ein Legislative Council mit einer Mehrheit, die kategorisch die Verfassung des Landes ablehnt, ist eine seltsame Anomalie. Die Mandatarmacht ist in einer Sitzung der Ständigen Mandatskommission vor einem solchen Experiment gewarnt werden. „Selbstverwaltung durch die Araber“, erklärte Professor Rappard, „muss notwendigerweise auf gebaut sein auf der Anerkennung der Verpflichtung, das Jüdische Nationalheim zu errichten. Solange die Araber diese Verpflichtung nicht anerkennen, muss Palästina notwendigerweise unter der unmittelbaren Verwaltung der englischen Regierung verbleiben.“ Der Unterstaatssekretär für die Kolonien, der die Mandatarmacht vertrat, schloss sich dieser Ansicht durchaus an. „Die jetzt zum Ausdruck gebrachten Wünsche der Araber“, erklärte Dr. Drummond Shiels, „können auf Grund der Bestimmungen des Mandats nicht erfüllt werden, und solange die Araber nicht geneigt sind, auf einen modus vivendi einzugehen, der die Verpflichtungen der englischen Regierung auf Grund des Mandats in Rechnung zieht, müssen Verhandlungen mit dem Ziele der Einführung von Selbstverwaltungseinrichtungen notwendigerweise vergeblich bleiben.“ Die Regierung — so heisst es am Schluss des Aufsatzes — hat, wie man annehmen muss, Gründe für die Annahme, dass die Hauptverpflichtungen des Mandats von den Arabern werden anerkannt werden. Die Juden haben keinen vernünftigen Grund für eine solche Annahme. In einem in der „Y o r k s h i r e Post“ veröffentlichten Artikel erklärt der Hauptschriftleiter der dem Kolonienministerium nahestehenden Zeitschrift „Great Britain and the East“, Kenneth Williams, der Legislative Council werde ungeachtet der Opposition der Zionisten eingesetzt werden. Dizengoff wieder Bürgermeister von Tel-Aviy In der ersten Sitzung des neuen Tel-Aviver Stadtparlaments ist, wie zu erwarten war, M e i r Dizengoff wieder zum Bürgermeister von Tel-Aviv gewählt worden. Er bezeichnet© es als seine Hauptaufgabe, für eine arbeitsfähige Koalition zu sorgen. In einer weiteren Sitzung des Stadtrats von Tel-Aviv wurde nach längeren und schwierigen Verhandlungen die Wahl von zwei Vizebürgermeistern vorgenommen. Zu diesem Amt wurden der frühere Vizebürgermeister und Vertreter des rechten Flügels im Stadtrat, Ingenieur Rokeach, und der Vertreter der Histradut Dov Hos, Generalsekretär der Arbeitergewerkschaft, berufen. Beide Vizebürgermeister werden in der Führung der städtischen Verwaltung gleichberechtigt sein. Die Wahl Dizengoff« wurde von der Palästina-Regierung bereits bestätigt. Kurze Nachrichten Nach der Weihnachtspause, die mit Rücksicht auf die Ueberfiillung des Marktes durch die Feiertagseindeckungen regelmässig in Ernte und Versand der palästinensischen Citrusfrüchte eingelegt wird, haben die C.itrusauktionen in England wieder begonnen. Die bei der letzten Glasgower Auktion erzielten Preise zeigen eine Besserung gegenüber dem Stand vor den Feiertagen, die durch eine leichte neue Abschwächung zum Wochenende nicht ganz aufgehoben wurde. Durch die Zollsenkungen in Oesterreich und der Schweiz sowie durch das neue Abkommen mit Deutschland haben sich die Absatzaussichten gebessert. Eine Bundesgenossin finden die palästinensischen Citrusexporteure jetzt in der englischen Schiffahrt- 37 Prozent der palästinensischen Citrusausfuhr nach England werden auf britischen Schiffen befördert, und die Reedereien bemühen sich, diesen Geschäftszweig auszubauen. Die „Palestine Post“, die englischjüdische Tageszeitung Palästinas, macht sich den Scherz, in grosser, kalenderförmiger Aufmachung die Tage zu zählen, die seit dem amtlich angekündigten Termin für den Beginn der Wasserlieferungen von Ras el Ejn nach Jerusalem verflossen sind. Der erste Januar war der 61. Tag der Fristüberschreitung. Die Leitung ist zwar seit einigen Wochen, im wesentlichen, theoretisch fertig und es wird auch täglich versuchsweise einige Stunden Wasser gepumpt, aber täglich stellen sich neue Schäden und Mängel heraus, die eine Wasserlieferung an die Einwohner von Jerusalem unmöglich machen. Der „Magen David Adom" (Roter Davids-Schild), die Tel-Aviver Organisation für erste Hilfe, hat ihr soeben fertiggestelltes neues, modernes Gebäude bezogen, nachdem sie bisher 'in äusserst primitiven Baulichkeiten ihre intensive und segensreiche Tätigkeit ausgeübt hat. Anlässlich der Eröffnung der ersten höheren jüdischen Schule für Mädchen in London hielt Lord Strabolgi (früher Commander Henwortby) eine Ansprache, in der er darauf aufmerksam machte, dass England es der Errichtung des Jüdischen Nationalheims in Palästina zu verdanken habe, wenn es heute in Haifa einen sicheren Stützpunkt für seine Flotte besitze.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.