Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936) - farbig
- Issue
- 2 (9.1.1936)
- Date
- 1936-01-09
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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China in Europa Zu der Londoner China-Ausstellung (28. Am 28. November wurde die Internationale Ausstellung chinesischer Kunst in der Royal Academy os Arts in London eröffnet. Sie steht unter dem Patronat der englischen und chinesischen Regierungen und gibt zum ersten Male Europa Gelegenheit, eme alles umfassende Schau der Kunst des Reiches der Mitte zu sehen. Ebenfalls zum ersten Male beteiligt sich die chinesische Regierung selbst an einer Ausstellung der Kunst ihres Landes mit einer Auswahl von mehr als 800 Stücken, die den früheren kaiserlichen Schatzkammern entstammen. Diese Sammlung aus Peking, deren früheste beste Stücke 1766 v. Ehr. stammen, ist fast vollständig unbekannt, und keines dieser Objekte ist bisher in Europa gezeigt worden. Sie bildet den eigentlichen Kern der Londoner Veranstaltung. Hervorragende Kunstgegenstände kommen auch aus den königlichen Sammlungen im Buckingham Palace und Windsor Castle. Ferner kamen mehr als 2000 China-Arbeiten aus privaten und öffentlichen Sammlungen in Europa, Amerika, Indien, Japan und dem nahen Osten in die englische Residenz. Bereits am 29. Novenrber sprach der Organisator und bekannte Mäzen dieser Ausstellung, Sir Percival David, unter dem Vorsitz des Kronprinzen von Schweden in der Reihe der festgesetzten Vorträge; am 6. Dezember Dr. F. T. Eheng über die kulturelle und geschichtliche Bedeutung der chinesischen Kunst, es folgt dann im Januar d. I. _ ein Vortrag über chinesische Malerei von Professor Jukio Jashiro und zum gleichen Thema eine Führung durch Mr. Lawrence B i n y o u, den früheren langjährigen Kustos dieser Abteilung im Britischen Museum. Wenn auch erst im Jahre 1887 ein kenntnisreicher Museumsmann, Professor Dr. Luthmer in Kassel, den Katalog der Freiherrlich Karl von Rothschildschen Sammlung chinesischer Porzellane verfaßte, so besagt dies keinesfalls, daß bis dahin die chinesische Kunst mit allen ihren Aeußerungen unbekanntgeblieben. Es waren längst die berühmten Abteilungen des Metropolitan-Museums in New-Pork, im alten Serail in Konstantinopel, im Britischen Museum, im Kunstindustrie- Museum Oslo, im Pariser Müsse Guimet, entstanden und auch Publikationen aller Art herausgekommm. Wenn man anläßlich der Londoner Ausstellung darüber nachdächte, Literatur zu dem weiten Thema „Chinesische Kunst" zu nennen, müßte man William Cohn (Berlin) erwähnen, der 1930 ein Buch „Chinese Art" schrieb, das in London herausgegeben wurde, Daisy Goldschmidt, deren „Tart Chinöis" in Paris 1931 erschien, des schwedischen Gelehrten Osvald Sirckr „Histoire des arts anciens de la Chine", des russischen Forschers Rostowzews Arbeiten über den chinesischen Tierstil, des Japaners Avshito Harada Ausgrabungsberichte einer chinesischen Siedlung in Korea (Tokio 1930). Nicht zu vergesset: Salmonys Aussätze über die Steinplastik oder Curt Glasers Arbeit über die Gewanddarstellung in der ostasiatischen Plastik, das Buch von Otto Fischer über die Malerei der Han-Dynastie, Oskar E m b d e n s November bis 1. Marz) Bemerkungen zu Ernst Zimmermanns hervorragendem Werk über das China-Porzellan, nicht zuletzt die Auktionskataloge der sranzösischen Sammlungen Fanchier-Magnan (Paris 1928) und Emile Javal (Paris 1926) sowie der Kollektion Friedrich Perzhnski, die 1929 bei Cassirer in Berlin unter den Hammer kam. Viele China-Sammlungen kannte und kennt man; die Sammlung von Frau Olga Julia Wegener, deren hervorragende Gemälde 1908 ausgestellt waren, die Eumorsopoulos-Köllektion, eine der führenden Keramiksammlungen, der Berliner Kunstbesitz Glogowski (Auktion 1923 bei Sotheby), die hochberühmte Schau bei Sir Percival David, über die aus dem Jahre 1934 eine wunderbare Veröffentlichung mit 180 farbigen Tafeln aus der Feder R. L. H o b - s o n s vorliegt, die Stockholmer Sammlung Iwan Traugott, deren Bestände in dem neuen Buch des Berliner Forschers Reidemeister „Ming-Porzellan" genannt sind. Natürlich denkt man zurück an die Berliner China-Ausstellung, die^ 1929 in der Preußischen Akademie der Künste eröffnet wurde. Sie kam damals unter der Leitung von Max Lieber mann zustande, der selbst ein leidenschaftlicher Verehrer der ostasiatischen Kunst gewesen und japanische Farbenholzschnitte sammelte. Von dieser deutschen Ausstellung liegt von Direktor Kümmel ein guter Katalog mit Abbildungen und kritischen Anmerkungen vor, er ist auch dadurch interessant, weil viele Namen von Leihgebern im Verzeichnis der diesjährigen Londoner Schau wiederkehren. Da liest man von den berühmten Porzellanen von Dr. Herbert G i n s - b e r g oder Emil B a e r w a l d (Berlin), von Oskar Raphael, der in England Mitorganisator ist, und für die Ausstellungsleitung als einer der ersten Kenner oft in China gewesen, von Herbert Gutmann, Th. Simon (deren Besitz allerdings inzwischen versteigert wurde), vom Kronprinzen und der Kronprinzessin von Schweden, die damals die Berliner Ausstellung besuchten, von den 1272 Nummern, die auch die Berliner Veranstaltung berühmt gemacht haben. Man bewundert hier wie dort die Malereien, Aeußerungen eines ersten Kunstwollens in China, jene Rollbilder und seltenen Albumblätter und die Langrollen. Menschen aller Kulturen haben ihre Freude an der Keramik, deren Blütezeit unter jene Dynastien fällt, die im 10. Jahrhundert die Z7ang ablösen, an den Ming-Porzellanen mit ihren Schmelzdekorationen auf gebrannten, Scherben, den Schmelzmalereien auf der Glasur, schließlich den einfarbigen Glasuren von freudigster dekorativer Wirkung. Ueberall in jeder Ausstellung findet man Chinas Bronzen, die Spiegel und die Gefäße, zum Teil patiniert, die Glocken und die Beschwerer. Und die großen Doppelstatuen des Buddha, die stehenden Bodhisattvas und die tanzenden Asparas. Daneben lieben wir die Seidenstoffe des fernen und doch so nahen Ostens, Gewebe und Ripse mit blassen Mustern aus rotbraunem Grund, die Stickereien in Orange, Olivgrün, im Kettenstich gearbeitet, auf denen die chinesischen Wolkenmuster bewundert werden. Jade und Kalkstein auch lieferten den Werkstoff für manches Kunstwerk, das . abseits der großen Sammelzentren beheimatet ist. Genannt seien hier nur die gewählten Chinasammlungen von Dr. Gotthelf und Dr. Lewinsohn in Kassel. vr. Olga Bloch. Paula Neufeld und Herbert Kohn (Herko) Das Sekretariat für Bildende Kunst im Reichsverband der Jüdischen Kulturbünde will jetzt ständig wechselnde Ausstellungen veranstalten, um Künstlern den Weg an die Oeffentlich-- keit Zu bahnen. In der ersten Schau im Klubheim des Frauenbundes, Marburger Straße 5, werden unter der Leitung von Frau Lißbeth Cassirer und Dr. Max Osborn Arbeiten von Paula Neufeld und Herbert Kohn (Herko) gezeigt. Die Malerin, bekannt durch die Beiträge in Ausstellungen des Berliner Jüdischen Museums, hat einen Sommer lang das Leben und Treiben der kommenden Chaluzrm beobachtet und Augenblicksbilder von Gut Winkel im Spreegebiet sestgehalten. Lieder der Arbeit könnte man diese Studien nennen, es sind Impressionen des landwirtschaftlichen Tuns der jüdischen Jugend. Ganz gleich, ob diese Knaben und Mädchen an der Zentrifuge arbeiten, ob sie Gurken hobeln. Rüben verziehen, gärtnern, melken oder Kartoffeln schälen, immer hat Paula Neufeld sie bei der Arbeit beobachtet und freundliche Ausschnitte dieser Vorbereitungszeit für Palästina aus der Leinwand sestgehalten. Das stete Aus und Ab der Arbeit, ihr strenger Rhythmus und zugleich ihr Schwung, spiegelt sich vornehmlich in einem Bild „Beim Mähen", während im „Konservenbetrieb" nicht nur das Liebermannsche Motiv stofflich anklingt, sondern auch in der gesamten Ausmachung, der Art zu' nralen, zu beobachten, zu ordnen, viel Verwandtes Herüberblicken läßt. So bilden die Gemälde, Zeichnungen und Pastelle ein reizvolles Ensemble, dem die Einheit von Form und Inhalt ihren Stempel aufdrückt. Herbert Kohn (Herko) ist mehr ein tüchtiger, ideenreicher Werbegrafiker, ein flotter Zeichner, als ein in die Tiefe gehender, aus künstlerischen Erkenntnissen schöpfender Maler. Hervorzuheben sind in der Ausstellung die kleinen Pariser Skizzen, Eindrücke, im Vorübergehen gewonnen und ins Graphische übersetzt, ebenso wie viele Radierungen aus Italien. Das Hauptarbeitsgebiet wie gesagt die Werbegrafik, Plakate und Illustrationen für die Industrie und das Handwerk, Aeußerungen einer formgewandten, immer das Wesentliche treffenden zeichnerischen Ausdrucksweise. Dr. 0. B. Ausstellung im Jüdischen Museum. An Stelle der Breslauer Künstler wird am Sonntag, dem 12. Januar eine Ausstellung von Bildern des Malers Henry Happ und von Plastiken des Bildhauers Peter Finge st en Eröffnet, zwei besonderen Begabungen unter der jüngeren Berliner Künstlerschast.— Die Ausstellung „Altes Kultgerät aus Privatbesitz" bleibt daneben noch weiter bestehen. Besichtigungszeiten: täglich — außer Sonnabend — von 10 bis 14 Uhr. Kunstnachrichten In der Orangerie in Paris wurde eine große niederländische Ausstellung eröffnet, die die Gemälde des weiten Zeitraumes von Eyck bis Bruegel vorsührt. Die große Kunst der van Eyck, die für über hundert Jahre den niederländischen Malern den Weg vorgeschrieben, repräsentiert sich in der Pariser Ausstellung in sieben Werkes darunter den Stifterslügeln des Genter Altares, früher im Berliner Kaiser-Friedrich-Museum, aber auch in einem Glanzstück, der niemals öffentlich gezeigten „Madonna" aus der Sammlung Robert de Rothschild. Während die Sprichwortdarstellungen Bruegels aus der Sammlung Mayer van den Bergh ebenfalls in der Orangerie zu sehen sind. Das Dezemberheft der Zeitschrift „Atlant tis" bringt u. a. einen Aufsatz „Wandernde Märchenmotive" von I. E. Poxitzky. In der Neuen Galerie in Wien wurde die Sven - Hedin - Ausstellung eröffnet, die auch in Berlin in der Galerie Gurlitt zu sehen war und von Wien nach Budapest und Prag geht. Aquarelle, Handzeichnungen aus vier Jahrzehnten, nicht zuletzt die Bücher Hedins kennzeichnen diese Schau. In unserem Zusammenhänge interessieren die Palüstinablätter des großen Asienkenners, die im Weltkrieg geschaffen wurden. Hier ging es ihm um die verschiedenen Typen, um die Darstellung von sephardischen, aschkenasischen, kurdischen, jemenitischen, bucharischen und samaritanischen Juden. Alles Porträtzeichnungen, die Zeugnis oblegen für die scharfe, das Wesentliche erfassende Beobachtungsgabe Sven Hedins. Im Münzkabinett des Berliner Kaiser- Friedrich-Museums ist eine kleine Ausstellung abessinischer Münzen aus alter und neuer Zeit zu sehen. Unter den heidnischen und christlichen Prägungen bemerkt man eine Goldmünze mit dem Porträt des Königs Salomo und der Umschrift „Israel". In Haifa wurde ein großes Kinv-Theater der Oesfentlichkeit übergeben, das der ehemalige Berliner Theaterarchitekt Oskar Kaufmann geschaffen hat. Dieser Baumeister gewann auch den ersten Preis in einem Wettbewerb zur Gestaltung der großzügigen neuen Strandanlagen, die im nördlichen Tel Awiw sich hinziehen werden. Auch für das neue Theatergebäude der Habima in Tel Awiw liegen sehr interessante Entwürfe von Oskar Kaufmann vor. Im Jahre 1930 konnte Helmar Lerski seine einzigartige Photographiekunst in Berlin in einer Ausstellung der Kunstbibliothek zeigen. Sein Buch „Das Antlitz des Alltags" machte ihn über Deutschland hinaus bekannt. Schon 1933 stellte der Kunstsalon „Aiaskit" in Tel Awiw seine Arbeiten aus. einen Bilderatlas von Menschen aller Art, Offenbarungen physiognomischer Erkenntnis, die jedes Antlitz zu einem Erlebnis werden lassen. Neuerdings konnten in Palästina in über dreijähriger Arbeit viele Einzeldokumente Helmar Lerskis zu einem Kollektivdykument vereinigt werden, zu einem Filmwerk „Awydah", Lied der Arbeit, das kürzlich seine UraussührWg erlebte. In der Stadtbibliothek in Aussig (Tschechoslowakei) wurde eine Ausstellung graphischer Arbeiten von Emil Orlik eröffnet. In den Abhandlungen der Preußischen Akademie her Wissenschaften soll die Gesamtperössentlichung der Bremer Sammlung sie, von der lächelnden Träne bis zu unverschleierter, robuster Heiterkeit. Neu in Hardts Programm (und vielleicht etwas abseitig an diesem Abend) war „Wanderers Nachtlied" von Goethe: das uns sonst aus Schuberts Vertonung vertraute Gedicht wurde in Hardts Interpretation innere Einkehr, schlichtester Seelenklang, gesprochene Musik. * Ludlvig Hardt veranstaltet im Schumann-Saat, im Hause des Bach-Saals, Lützolvstratze, am 19. Januar, einen Jubiläums-Vortragsabend. Beginn 8.15 Uhr. Das Programm bietet einen Querschnitt durch sein gesamtes Schaffen. Marionettentheater in München Die Marionettenbühne Münchner jüdischer Künstler (Mitwirkende: Lotte Ernst, Marieluise Kohn, Käte Loeb, Lilly Marschütz, Nicoletta> R o s e n t h a l, Sonja Ziegler, Rudolf E r n st. Dr. Paul Kuhn, Walter Ries, Berthold Wolfs) hörte und sah man mit einem Drama „Das Gelöbnis" von Perez Hirschhain und dem „Ochsenmenuett", einem Singspiel nach Motiven von Haydn. Die Gesamtleitung hatte Berthold Wolfs, die musikalische Leitung Dr. Josef W a l d n e r, Puppen und Szene, außergewöhnlich geschrnackvoll ausstaffiert und eingerichtet, waren von Marieluise Kohn und Rudolfs Ern st. Die Wahl des höchst undramatischen, naiv-mystischen Stückes von Hirschbein entsprang offenbar dem Wunsch, einen jüdischen Stoff aus die Bühne zu bringen. Ein solcher Wunsch ist sehr begreiflich, aber er sollte nur dann realisiert werden, wenn er sich innerhalb der Grenzen vollziehen läßt, die der eigenartige Kunstcharakter des Marionettentheaters vorschreibt. Die Marionettenbsthne, noch dazu, wenn die Puppen so vorzüglich geführt werden, wie es in München der Fall ist, verlangt wie keine andere Bewegtheit dert Aktion, Lebhaftigkeit der Gestik. Dafür boten die populären Lyrismen Hirschbeins leider keinen Anhaltspunkt. Um so belebender und erfreulicher wirkte das „Ochsenmenuett" auf das Publikum. Hier zeigte sich beste münchnerische Tradition. Wie der zierliche Joseph Haydn am winzigen Spinett selbst das Ochsenmenuett intonierte und die vollsastige» Figuren der Frau Barbara und des Ochsenhändlers Jstok dazu tanzten — das war ein Kabinettstück der Blarionettenkunst. Dies ist der Weg, auf dem man weitergehen sollte. Das Publikum rief zum Schluß Darsteller und Leiter wiederholt vor den Vorhang. 6a. O ffenbach-Einakter im Jüdischen Kulturbund Rhein-Main Mit welcher Meisterschaft hat Jacques Ofsenbach aus der Not eine Tugend gemacht: der für die winzige Bühne seines Pariser Boulevardtheaters geltenden baupolizeilichen Vorschrift, die nur wenige Personen aus der Szene zuließ, verdanken wir eine große Anzahl seiner Kamrneroperetten. Daß sie noch heute eine Fundgrube für den sein können, den Raumschwierigkeiten auf den pellt genre verweisen, hat auch der Kulturbund Rhein- Main erkannt. Seine Wahl fiel auf drei Busfoüerien, die von ihrem musikalischen Zauber nichts eingebüßt haben. Wie belustigend ist noch heute die Parodie auf die italienische Spieloper und den Stil Meyerbeers in „Salon Pitzelb e r g e r", espritvoll und witzig charakterisiert die Musik Figuren und Situationskomik in „D i e H a n n i w e i n t — d e r H a n f i lacht" und in dem „Mädchen von Elizondo". Willi Arons Regie machte die kleinen Werke zu Kabinettstücken der Opernkammerkunst, Fritz Scha mes schuf mit einem Mindestmaß an szenischem Aufwand den angemessenen optischen Hintergrund, und Hans Wilhelm S t e i n b e r g verlieh dem Ganzen vom Pult aus has besondere künstlerische Gepräge. DaS Ensemble agierte mit ansteckender Laune: Edith Eisen Helmer trug stimm- und spielbegabt in das Parvenumilieü des Salons Natürlichkeit und Frohsinn, als flennende Hanni zeigte sie Sinn für drastische Komik. Walter Rieß (München), ein echter, prächtig singender Bussonist, und Bert Bär, der brillante Spezialist für Dümmlinge, übertrumpften sich in handfestem Theater. Sentimentale Gegengewichte stellten mit klangschönen Stimmen Käte Ettling er und als vielseitiger Spieltenor Herbert Heß her. Das Publikum ging begeistert mit. A. 11-6. „Palette der Komödien" in Offenbach Die Gruppe Jüdischer Darsteller Frankfurt a. M. brachte unter Alfred Auerbachs Leitung einen Bühnenabend „Palette der Komödien". Sie trug alle Farbwerte des Humors hell in hell, doch fehlten schwere, dunkle Töne, Kontraste. Musik-, Tanz- und Gesangnummern steigerten die Buntheit zum „Bunten Abend". Diese weißen Flecken auf der Palette boten mehr Unterhaltung und minderten die Farbigkeit. Aus der Palette: Szenen und Sketsches von Alfred Auerbach, bis auf die Schlußszene „Publikum im Kino" gute Kleinkunst mit dem Thema: Milieu und Konvention werden lächerlich in den Menschen, die ihre Sklaven sind. „Der Star", „Endlich allein!". „Äetherrausch" (Stegreifspiel von starker Wirkung) und der Monolog „Das ideale Paar" geben Gelegenheit, alle Engel und Teufel des Humors loszulaffen. Alfred Auerbach spielt die Humors bis zur Galligkeit in der Ansage meisterhaft, wie er sie schrieb. Sofie Seligmann — die stärkste Begabung der Spielgemeinschaft — gibt Launenhaftigkeit, Schlagfertigkeit und Verschlagenheit mit Temperament und Leichtigkeit. Ihre Bitterkeit als „armes Luder* machte betrossen. Hertha Marx gab die liebende und verliebte junge Frau mit verhaltener Innigkeit. Anneliese B r a u n t h a l war Zofe mit Geschick oder mit Ungeschick — je nach Belieben — gleich firm. Else Liebreich- Bergmann — eine liebe-„volle" Tante mit Ueberschwang. Ludwig Rosenbusch wirkt stark als Frauenkenner, oh ungestümer, neugebackener Ehemann, ob verstehender Arzt. L. Berger ist ein braver Bedienter. Edith E i s e n y e i m e r sang mit größten! Beifall Wiener Lieder fesch und lieblich. Kurt Rpsenhusch zeigt Fähigkeiten zu einem Mesodramatiker, der zehnjährige Martin Rubinstein ist ein Solotänzer von ansprechendem Können. — Die „Palette" erfreute ein volles Haus, sicheres BBmMOBBl Stammpublikum; dennoch wünschen wir, die Gruppe beim nächsten Mal vor größeren Aufgaben zu sehen. -a Winterhilfskonzert in Berlin Das verlockend reichhaltige Programm des Vom Kulturbundorchester angekündigten Sinfoniekonzerts zugunsten der Jüdischen Winterhilfe harte den Bach-Saal bis ans den letzten Platz gefüllt. Der Andrang hatte zur Folge, daß es zu Anfang, bei Schuberts „Unvollendeter", im Publikum und infolgedessen auch im Orchester an Konzentration mangelte, aber der weitere Verlauf des Abends rechtfertigte die hochgespannten Erwartungen vollauf. Erwin Jospe hat mit der Schulung seiner jüdischen Sängerknaben eine große Aufgabe übernommen, das heute erreichte Ziel ist eine ganz hervorragende Leistung des Lehrers und Dirigenten; denn ein derart kompliziertes Instrument, wie es ein vielstimmiger Knabenchor darstellt, in verhältnismäßig kurzer Zeit zu solcher Reinheit der Intonation und der Linienführung zu erziehen, bedeutet viel. Wilhelm Guttmann hatte sich Mahlers Lieder eines fahrenden Gesellen gewählt, deren glutvolle Farben allerdings mehr einen lyrischen als einen dramatischen Bariton verlangen, doch erschöpfte die überlegene Gesangskunst die reichen Ausdrucksmöglichkeiten der Lieder in vorbildlicher Weise. Den Höhepunkt brachte Konzertmeister Willi Frey mit der Wiedergabe des Brahmskonzertes. Das von den großen Violinkonzerten geistig und technisch am schwersten zu interpretierende Werk wurde von ihm in einer prächtigen Verbindung, entschlossener Energie und gedankenvollen Sinnens vorgetragen. Das Orchester wahrte unter Joseph R o s e n st o ck den sinfonischen Charakter der Sätze, und namentlich im letzten mit der mitreißenden Rhythmik entzündete sich die schlagtechnische Kunst des Dirigenten, die zum Abschluß des Abends noch einen besonderen Triumph feierte: Das Siegesballett aus dem letzten Akt des „Fürst Jgor^ vpn Borodin, die Polowetzer Tänze, genial in der Darstellung urwüchsiger Kraft und rauschtrunkener Begeisterung, feuerte unter dieser Schlagtechnik das Orchester zu ungewöhnlicher Hingabe an, so daß auch die Begeisterung der Hörer erst durch Löschen des Lichtes eingedämmt werden konnte. Lai.