Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936) - farbig
- Issue
- 2 (9.1.1936)
- Date
- 1936-01-09
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Tb '-.;ij gr. iji 8c!|j A ( Umweg über Stuttgart und Mannheim machen. So sah ich viele Orte einer fröhlichen Jugend wieder: Pforzheim. Bruchsal, das Kloster Maulbronn, das ich vor manchen Jahren mit dem Bruder durchwandert habe: er lächelte, als ich ihm erzählte, ich wäre über Maulbronn geflogen. Er kannte das Geheimnis des Lebens besser als ich. Er holte mich — in einer trüben Zeit — aus dem Haus und schleppte mich nach Tempelhof: wir flogen An Minuten in einem offenen Sportflugzeug über Berlin, der Wurd pfiff uns um die Ohren. Zehn Minuten sind kurz; genug, und Dich zu verwandeln. Maulbronn, das hieß: lichteste Heimat, Wärme und Sonne; aber es hieß auch: Zuckst und Haltung der Herzen. Später sagte er einmal: „Ihr wißt 1« alle nrcht. was mir fehlt, ich möchte etwas ganz Erfrischendes haben!" Wir fragten: „Limonade, Selter, Wein . . ." Er lächelte wieder: „Ach, ich möchte mich wieder so richtig von einem Wind durchpusten lassen." . . . Ich flog damals oft. Unruhe imd Sorge getrieben. Ich habe wenig gesehen, Epalren, zerrissen vom Propellerwiiid, Tropfen, sprühend im Licht, ein weiter Regenbogen über dem Thüringer Wald: aus der Verwirrung und später, bei der Wiederkehr, aus der Stille, ist nichts geblieben, als ein Bild — dicht am Ziel —, und ich rann es nicht vergessen: der Rhein, breiter glänzender Strom, die hohen Pappeln an seinen Usern, die Türme von Spever in Abendnebel, der die schräge Sonne durchbricht Es ist schön, in der Nacht zu fliegen. Wir verließen.Berlin am spaten Nachmittag, schon lag der Schatten des Abends über den Wäldern, die, dunkel und schwer, das Sinken der Sonne im Spiegel der Seen bunter und farbiger bewährten. Bald sah man nur noch die Umrisse der Häilser und Hügel, zögernder als — war es nur der Gedanke? — schien uns das Licht zu verlassen, bunt wurde grau, grau wurde schwarz, aber bevor uns die Dunkelheit vollends ergriff, stieg der Mond empor: klar und voller Sterne stand der Himmel über uns. Aber auch die Erde erwachte zu neuem, verändertem Dasein. Erst erkannte das durch die Nacht geschärfte Auge hier und dort ein Licht, eine Laterne am Straßenrand, die unruhigen Wege der Automobile die Fenster der Häuser, Dörfer, kleine Städte auf emmal: die Streckenfeuer, dann ein Flughafen, in den klaren Grenzen der roten und blauen Neon-Röhren, überall flammen Scheinwerfer aus, ihre weißen Strahlenbündel fassen das Flugzeug, es sieht aus, als spielten die Propeller mit dem Licht, ein heller Kreis umgibt sie, nur einen Augenblick, gleitet davon, verschwindet in der Ferne und kehrt wieder . . . Flüsse und Seen ruhen un stetigen Glanz des Mondes. Es ist hart, auf den WWW ::||p: Frieden dieser Erde zu sehen. Der sanfte Schleier verdeckt die rauhe Wirklichkeit des Tages. Leidenschaft, Unordnung, aufgewühlte Menschen. Jetzt, in eben dieser Minute: Konferenzen in Genf, in Rom, überall . . . Krieg im regmzerweichten Schlamm der abessinischen Wüste: trägt nicht jeder von uns sein Teil der Sorge, sein Teil des Leides? Schlimmer, drohender überfallen uns Sorge und Leid in dieser Stunde . . .. zartes rötliches Flimmern, noch weit vor uns am Horizont, rasch kommt es näher, schon gewinnt es Gestalt, immer größer wird die Zahl der Lichter am Boden, wir fliegen sehr tief, wir erkennen Menschen, die über die Straßen gehen, ganz deutlich sehen wir die großen Promenaden, festlich beleuchtet, Kirchen, das Schloß, die blendenden Schaukästen der Geschäfte, zunr Greisen nahe, Spielzeugstadt, Märchenstadt, von hundert Kanälen durchzogen, ach, sie bleibt hinter uns. Wiesen, ein Kraftwerk, jetzt, rot, der Flughafen. Wir steuern ihn in weitem Bogen an, taghell liegt er vor uns, kaum spürt man das Aussetzen, zwei, drei holpernde Stöße, wir sind am Ziel. Es gibt Menschen unter uns, Schneeschühlüuser, Wanderer, denen das Herz weh tut, wenn irgendjemand im Sommer sagt: „Kürsinger Hütte". Oder: „Kühtäi". So gewaltig ist die Macht des Wortes, daß matt Schnee und Sonne, Abenteuer und die unwandelbare Sehnsucht mit zwei hingeworsenen Silben beschwören kann. Es ist ein Geheimnis, nicht anders — nicht bescheidener, von nicht geringerer Verantwortung — als das Geheimnis der Töne. Fliegen .. . ein leichtes Wort. Gewiß, wir sind nur Gäste der Flieger; nur wenige von uns dürfen selbst ein Flugzeug, führen. Wer wir alle, Führer und Gäste, sind Gefährten der gleichen Freudeder gleichen Sorge, untrennbar verbundene Kameraden: wir sind Gäste mit heißem Herzen. Und wenn wir wieder in unseren Häusern sind, in den dämmerigen Stunden zwischen Herbst und Winter, und von Vergangenem und Kommendem träumen, sind wir nicht die gleichen erwachsenen Kinder, ob wir der Stille sommerlichen Wassers, den einsam verschneiten Hängen oder der Verlockung der langen Straßen verfallen sind — oder ob wir jede Arbeit liegenlasseu, von den Stühlen ausspringen und an die Fenster lausen, immer wieder, wenn wir das Brummen eines Flugzeugs hören? Nie ist das Blau des Himmels so zart, wie jetzt. Der leise Dunst, der über den Feldern liegt, zerteilt die sommerliche Gewalt der Sonne. Wir ahnen nur die Klarheit der Welt, bis sie sich im hellen Licht des Mittags für einen Augenblick enthüllt, um sich im Dämmer des Abends erneut zu verbergen. Der Sturm jagt die gelben Blätter vor sich her, die Wälder sterben. Die Fröhlichkeit des Lebens und die erste Atüdigkeit der Dämmerung begegnen sich. Nachdenklich wandern wir hinaus über die braunen Wege. ZUlljr Her; lau!; Wl d MM f il Die jüdische Winterhilfe Menschen hinter Ziffern Heber den Umfang der Jüdischen Winterhilfe erfahren wir, daß sie nach den letzten Zählungen zurzeit etwa 75 000 Menschen unterstützt. Das sind aber nicht nur Glaubensjuden, sondern alle, die im Sinne der Nürnberger Gesetze Juden sind- und bei Mischehen die ganze Familie, sofern der Haushaltungsvorstand Jude im Sinne der Nürnberger Gesetzgebung ist. In Berlin werden 25 258, in Breslau 4001, in Frankfurt am Main 3409, in Köln 1859, in Leipzig 1653, in Hamburg 2604, in Stettin 467, in Mannheim 143 Menschen durch die Jüdische Winterhilfe betreut. Der Nest verteilt sich aus die anderen Mittel- und Kleingemeinden, bei denen die Zählung noch nicht restlos durchgesührt ist. Es wird interessant sein, diese Zahlen einmal in Beziehung zu den Seelenzahlen der jüdischen Gemeinden zu setzen, wenngleich die Statistik auch von der Wirklichkeit immer insoweit abweichen wird, als die jüdischen Gemeinden lediglich die Glaubensjuden umfassen. Januar-Beitrag ist fällig Der Monat Januar stellt an die jüdische Winterhilfe infolge der besonderen Kälte und der wachsenden Zahl der Hilfsbedürftigen ganz besonders hohe Anforderungen. Es wird deshalb gebeten, den fülligen Beitrag für Januar entsprechend der Veranlagung unserer Steuerabteilung noch möglichst zu Beginn des Monats auf das Postscheckkonto Berlin 93446 oder auf eines der bekannten Bankkonten b?r Berliner jüdischen Gemeinde einzuzahlen. Nur wenn alle Kräfte Zusammenwirken und opfern, wird es gelingen, die Versorgung der Hilfsbedürftigen mit Lebensmitteln und Kohlen im Januar durchzuführen. EIN 70 PF spende tir die Züdisdie VSuMiittel Fotodienst: Ärno Kikoler Es wird nochmals daraus hingewiesen, daß als Eintopfsonntag für den Monat Januar der 12. Januar 4936 festgesetzt ist. An diesem Tage werden wieder sämtliche jüdischen Haushaltungen von den ehrenamtlichen Sammlern besucht werden. Ebenso wird in den jüdischen Gaststätten die Eintopfspende erhoben. Die Spende wird aus einem dunkelroten Quittungsformular unter Gegenzeichnung pes Spenders vom Sammler quittiert. Berliner jüdische Winterhilfe Ausgabe der Lebensmittel- Kohlengutscheine und In der Woche vom 13. bis 17. Januar 1936 findet die Verteilung der Lebensmittel- und Kohkengutscheine statt. Es wird gebeten, die Zeiten genau einzuhalten, damit eine geordnete Abfertigung sichergestellt ist. Außerhalb der angegebenen Zeiten, die im Gemeindeblatt veröffentlicht werden, kann eine Abfertigung im Interesse der Hilfsbedürftigen selbst nicht stattfinden. Seelische Winterhilfe „Freude im Winter“ 7. und 8. Veranstaltung in den Berolina-Festsälen, Schönhauser Allee 28, am 16. Januar 1936, 15.39 Uhr Kindcrnachmiltag, 20 Uhr Bunter Abend. Eintrittskarten für Hilfsbedürftige sind unentgeltlich erhältlich in der Winterhilfsbezirksstelle lll Norden, Schönhauser Allee 6—7 I. Ohne Eintrittskarten findet zu beiden Veranstaltungen kein Einlaß statt. Einlaß zum Bunten Abend erst um 19.30 Uhr. Mitwirkende Künstler sind am Kindernachmittag: Greta Gundersheim (Friedmann), Edith Jansen. Gertrud Sachs, Jonnh Schwerfen;; abends: Bruno und Millh Bendix, Gerhard Gottschalk, Hebt Haas(e), Annemarie Hirsch (Hase), Alexander Mobil, Neumann u. Sohn, Maja Sellin, Erna Simson (Mähers). Am Klavier Dr. Richard Hirsch und Rudi Lehmann. , Der Shnagogenverbaird Berlin, Gruppe Kaiserstratze, veranstaltet am Sonntag, dem 19. Januar, 20 Uhr, in der Synagoge, Kaiserstraße 29—30, einen Abend zu Gunsten der jüdischen Winterhilfe. Ansprachen: Rechtsanwalt Dr. Fritz Lamm, stellvertretender Vorsitzender des Wohlfahrtsamtes der Jüdischen Gemeinde, und Bezirks-Rabbiner Dr. Fritz Plötke (Landsberg a. d. Warthe). Chemjo Winä - wer und sein Chor umrahmen die Veranstaltung. Einlaßkarten zu 0,50, 0,75, 1,00 RM bei den Kastellanen in der Kaiserstraße 29/30, Oranienburger Gtr. 29, Rosenstraße 2/4 und an der Abendkasse. Radio-Apparate. Eine große Anzahl von Hilfsbedürftigen ist durch Alter oder Krankheit ans Hans gefesselt. Ihnen kann nicht einmal durch die Veranstaltungen der „Seelischen Winterhilfe" Freude gebracht werden. Die Berliner Jüdische Gemeinde ist deshalb bemüht, sie möglichst mit.Rundfunkgeräten zu versehen, damit auch sie eine Verbindung mit der Außenwelt behalten. Alle Gemeindemitglieder werden gebeten, außer Dienst gestellte Rundfunkgeräte nebst Zubehör, die aber auch in einem brauchbaren Zustand sein müssen, für den genannten Zweck zur Verfügung zu stellen. Meldungen schriftlich oder fernmündlich erbeten an die Jüdische Winterhilfe der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, C 2, Rosenstraße 2/4, Fernsprecher D 1, 6711 (Hausanschluß Nr. 41). 111 Jahre In Warschau aus dem zuständigen Amt erschien vor einigen Tagen eine jüdische Frau, Geflügelhändlerin von Beruf, fünsundsiebzig Jahre alt, und brachte den Totenschein ihrer Mutter. Ja, sie wollte ordnungsgemäß mitteilm, daß ihre Mutter gestorben wäre. Wer ihre Mutter wäre? Frau Herne Mirjam Szwhcka. Geboren? 1824 in Warschau. 1824? Ja, 1824. Die Mutter ist also einhundertundelf Jahre alt geworden? Ja. Die Beamten sahen einander an, man guckt in Statistiken nach, rechnet, — die Verstorbene war die älteste Jüdin von Polen. Vielleicht nicht bloß van Polen. Eigentlich ein imposantes Alter . . . Aber für ein so altes Volk, wie lvir es sind, für fo pyramidale Alterserscheinungen, wie wir sie schon aus der biblischen Schulstunde kennen, doch kein so erstaunlicher Rekord. Immerhin, man könnte spaßeshalber einmal ausrechnen, wieviel Festtage diese Mutter gefeiert und wieviel Festtage sie getrauert hat. Allein die Stunden, die sie von 1824 bis 1935 verschlafen hat, würden für zwei wache Durchschnittsleben ausreichen. Die verschiedenen Regiernngsshsteme, Kriege, polnischen und russischen Aufstände, die sie überstanden hat, dürften ihrem biblischen Alter auch eine biblische Auffassung vom Wert irdischer Macht verliehen haben, denn sie war bis zuletzt in kümmerlichen Verhältnissen und geistig rege. Nur ob ihr Glück und Unglück, ihr Leben ihr lohnend erschien, weiß man nicht und wird man nie erfahren. Vielleicht fragt man sich, wie ein Mensch in dieser kurzlebigen Zeit so lange leben konnte. Aber das liegt ja nicht in menschlicher Macht, und schließlich fallt einem die seltsame Geschichte ein, die in der Heimat dieser Frau umgeht: Ein alter Rabbi lag iur Sterben, man betete für ihn, man „sammelte Jahre" für ihn, jedes Mitglied seiner Gemeinde schrieb auf eine Liste die Anzahl der Tage, Wochen, Jahre, die es von seinem eigenen Leben dem Rabbi hingeben wollte, damit er lebte. Und der .Rabbi wurde gesund, lebte das ganze Leben eines jungen Mädchens mit, das ihm ihr Mädchenleben hinzuopfern bereit gewesen und gestorben war. Ja, er überlebte seine ganze Gemeinde und lebte gewissermaßen neben seinem Leben noch das andere mit. Und unsere Hundertelfjährige? bis auf ihr jüngstes Kind, eben die Geslügelhändlerin, hat sie alle Ihrigen begraben. Aber welches Leben sie zu Ende gelebt hat, weiß man.nicht und wird man nie erfahren. Ick. Aus den Familien Am 1. Februar begeht der Uhrmachermeister Arthur Kirstein (L-winemünde) sein 40jähriges Geschäftsjubiläum. Hermann Lieber (Berlin-Charlvttenbnrg) beging am 9. Januar seinen 70. Geburtstag. — Frau Lina N e ü w a l d geb. Levh (Gelsenkirchen) wurde am 9. Januar 80.Jahre alt. — Dr. Carl Pinn (Berlin-Charlottenburg), Mitarbeiter an vielen jüdischen Werken, feiert am 11. Januar seinen 75. Geburtstag. — Fräulein Dina Adler (Unna) wird am 12."Januar 80 Jahre alt. — Hermann Hvsfmann (Berlin-Charlottenburg) begeht am 13. ^a-' nunt seinen 70. Geburtstag. — Meier Plaut (Frankenau) wird am 20. Januar 70 .Jahre alt. — Mar NnßbanM, der-langjährige Vorsitzende der Ortsgruppe Bitterfeld des C.-V., und seine Frau feierten ihre Silberne Hochzeit. Am 6. Januar ist ein treuer Freunds unserer: Arbeit, Jnstizrat Julius G u t t m a n n (Berlin) zu Grabe getragen worden, ein vorbildlicher Anwalt, ein treuer Jude, der mit Liebe > die guten Traditionen seiner Posener Heimat in seinem ganzen Leben gewahrt hat. Zum 25. Todestag von Julius Schottländer (Breslau) Am 1. Januar 1911 starb der Rittergutsbesitzer Julius Schottlander auf Hartlieb, Fideikommisherr auf Alt-Schliesa, Kreis Breslau, im 76. Lebensjahre, und 19 Tage späterst am 20. Januar 1911, ging seine Gattin Anna geb. Galewski heim. Julius Schottländer, der erste (und einzige) jüdische Majoratsbesitzer Preußens, hat sich in der Breslauer Gemeinde durch seine großzügige Betätigung auf allen Gebieten der Wohlfahrtspflege ein unvergängliches Denkmal gesetzt. - Er stiftete 1896 das prächtige' Gebäude der Israelitischen Altersversorgungsanstalt in der Kirschallee, als „Julius und Anna Schottländer-Stiftung" und einige Jahre darauf das schöne Haus des Jüdischen Schwesternheims. Vielen anderen jüdischen Organisationen, vor allem dem Krankenhaus, überwies er weitere großzügige Stiftungen. Jahrzehntelang war er Mitglied der Gemeindekörperschaften. Zu seinem 70. Geburtstage (1905) hatte er eine Stiftung von 3 Millionen Mark errichtet, die für humanitäre Einrichtungen der Stadt und des Landkreises Breslau und seiner Heimatstadt Münsterberg, Bezirk Breslau, bestimmt war. Als Besitzer bedeutender industrieller Unternehmungen und ausgedehnter Güter und Ländereien, hat er im kommunalen Leben Breslaus und im schlesischen Wirtschaftsleben eine hervorragende Rolle gespielt. Er war Ehren- Mitglied vieler Organisationen und Ehrenbürger von Münsterberg. S«lw. Justizrat M. Placzek 75 Jahre Am 25. Dezember ist Justizrat. M. Placzek 75 Jahre geworden. Aus Schwersenz m der Provinz Posen stammt.der Mann, der, wenn es nach seinem Willen gegangen wäre, niemals" seine Posener Heimat verlassen hätte. Denn dort baute er ein Leben und eine Arbeit auf, die ebenso typisch für die Gestaltung der Arbeit der meisten Posener Juden ist, wie sie vorbildlich genannt werden muß. 1891 wurde der junge An-« Walt Stadtverordneter und achtzehn Jahre später, 1909, Stadtverordnetenvorsteher von Posen. Die stürmischen Kriegs- und Nachkriegszeiten gaben ihm Gelegenheit zur Bewährung seiner Gesinnung, und im polnischen Konzentrationslager Szhpiorno mußte er für seine Treue zum Vaterland büßen. Mit schmerzlichen Gefühlen nahm er von der engeren Hermat Abschied, um im großen Kulturkreis eingegliedert zu bleiben. Seit 1919 lebt Placzek in Berlin. Seine polnischen politischen Gegner haben nachträglich seine Uneigennützigkeit und Vornehmheit dadurch anerkannt, daß sie sein Bild für das Posener Rathaus anfertigen und 'in ihm anbringen ließen.. Wir zählen (Placzek mit Dank und Stolz zu den Unsrigen. Der langjährige Vorsitzende der Synagogengemeinde Schwiebus, Richard P h i l i p s b o r n , der etwa 50! Jahre der Gemeindevertretung angehörte und etwa 15 Jahre den Vorsitz im Vorstand rnnehatte, verläßt Schwiebus und übersiedelt nach Amerika. In einer-Andacht, am 25. Dezember verabschiedete sich die „Gemeinde von ihrem langjähriqcn Führer. Martin Meyer sprach den Dank 'der Gemeinde, zugleich auch den Dank des CV und des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden aus. Auch der: RjF, dem der heute 79jährige noch als aktiver Sportler angehvrte, dankte ihm für die treue Kameradschaft... Die Synagogengemeindc Schwiebus ernannte Richard Philipsborn zu ihrem Ehrenvorsitzenden/ .Vom Frauenverein wurde, ihm mit wohlgemeinten Versen ein Ehrentalit übergeben. Dann nahm der alte 'Herr selbst in einer zu Herzen gehendem Rede von seiner Gemeinde Abschied. . „Mitteilungen der Gesellschaft für jüdische Fümilienforschung." Das in diesen Tagen erschienene Heft 39 der Gesellschaft enthält' eins Reihe interessanter A usführ un gen, ü, a. von Rabbiner Bernhard Brilling (Breslau): „Breslauer Meßgeräte", Otto Me,umann(Berlin): ,-Rudolf Mostes Ahnen", Albert I. Phiebig (Berlin): „Der Frauenüberschuß bei der jüdischen Bevölkerung Deutschlands". Aufschlußreich sind ferner die Ausführungen von Dr.. Arthur Czellitzer (Berlin): „Unsere Ahnentaselsämmlung". Die Geschäftsstells befindet sich neuerdings Berlin W 35, Lützow-- straße 60. - Die Selbsthilfegruppe der jüdischen Blinden in Deutschland •; bittet um freundliche Ueberlassung einer Schreibmaschine und einiger Netzanschlüß- Radiogeräte. Sie vereinigt unter ihren Mngliedern perfekte Stenotypisten und Korrespondenten sowie Musiker, Musiklehrer, Klavierstimmer, ferner Stuhlflechter, Korbmacher, Bürstenmacher, Strickerinnen und Arbeiterinnen in ähnlichen Handfertigkeiten. Außerdem sorgt der Verein für seine Mitglieder in kultureller und wirtschaftlicher Beziehung und betreibt eine, weitgehende Erholungsfürsorge. Auskunft bei der Geschäftsstelle Charlottenburg. 4, Dahlmannstraße 5, Fernsprecher J 6, Bleibtreu 2650.