Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Volume
- 1 (1946-1947)
- Issue
- 25 (5.4.1947)
- Date
- 1947-04-05
- Page
- Seite 8 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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abteilung mit dem Präsidenten des Landesverbandes der jüdischen Gemeinden von Rheinland-Pfalz statt. In Bezug auf Wiedergutmachung, d. h. Verwirklichung des Rückerstattungsgesetzes sowie Neuorganisierung der Betreuungsstellen der Opfer des Faschismus wurde eine weitgehende Einigung erzielt. Herr Oberregierungsrat Kahm, der in Zusammenarbeit mit Dr. B i e r o t h eine vorbildliche Organisation der Opfer des Faschismus in der Pfalz ins Leben gerufen hat, wird wahrscheinlich dieseelbe auch für die übrigen Gebiete, also Rheinland-Hessen-Nassau schaffen. Es werden z. B. auch die Opfer des Faschismus im Staatshaushalt bereits ein Budget eingeräumt erhalten. Dr. B i e r o t h versicherte, daß er alles daran setzen werde, die Interessen der Opfer des Faschismus zu unterstützen, vor allen Dingen, da er sähe, daß die bisher geleistete; Arbeit in dieser Hinsicht absolut ungenügend sei. Es ist also in Kürze eine Regelung zü erwarten, die den Fürsorgestellen einen behördlichen Charakter gibt und sie daher in der Lage sein Werden, wirkungsvoller zu -arbeiten. B. Mülheim-Ruhr. Die Jüdische Gemeinde Mülheim-Ruhr hat ihre Mitglieder am 16. 3. 1947 »u einer Gemeindeversammlung im Rathaus eingeladen. Der erste Vorsitzende der Gemeinde, Herr Salomon Lifsches eröffnete die Versammlung und erstattete einen ausführlichen Jahresbericht. Er trug all das vor, was sich im Laufe des Jahres in der Gemeinde ereignete. Die Gemeindemitglieder konnten auf Grund der Ausführungen sich ein Bild machen, was der Vorstand geleistet hat. Herr Lucas sprach dem Leiter der Gemeinde* Herrn Salomon Lifsches den Dank .im Namen der Gemeindemitglieder aus. ' Anschließend fand eine freie und lebhafte Aussprache statt. Herr Hirsch referierte über die allgemeine Lage unserer Mitglieder. Es wurde hierauf vorgeschlagen, den alten Vorstand wieder zu wählen, wogegen sich kein Widerspruch erhob. . Einstimmig haben die Gemeindemitglieder den alten Vorstand wiedergewählt und zwar: als 1. Vorsizender: Salomon Lifsches als 2. Vorsitzender: Albert Lucas als Repräsentanten: Julius Hirscft als Repräsentantin; Jeanet Baldeschwieler - als Schriftführerin: Edith Löwengrund. Am 6., März hat die Gemeinde Mülheim-Ruhr im Hause von Frau Selma Büttner einen PURIMABEND veranstaltet. Der 1. Vorsitzende, Herr Salomon Lifsches, las aus der ME- GILAH vor. Anschließend fand ein gemütliches Beisammensein bei Kaffee und Kuchen statt. Salomon Lifsches. Hannover: Die Jüdische Gemeinde Hannover hatte ihre Mitglieder mit Angehörigen und ihre Freunde zur diesjährigen Purimfeier zu Sonnabend, dem 8. März, eingeladen. Die Feier fand in den festlich hergerichteten Räumen des Neuen Hauses statt. Um es vorweg zu sagen, sie ist in allen Teilen hervorragend gelungen. Alle Eingelädenen ■ hatten dem Rufe des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde gern Folge geleistet, ist es doch eine ihnen längst bekannte Tatsache, daß es klappt, wenn die rühiigen Herren Nußbaum, Prager und Jonas mit“ Eifar und Liebe an die Arbeit gehen. Es war brechend voll, was aber der Gemütlichkeit keinen Abbruch tat, .sie im Gegenteil nur erhöhte. Zunächst gab es gute künstlerische Darbietungen unter der bewährten Leitung des Herrn Sandler und zwar Arien und Rezitationen der Damen Julius, Rose, Heide und Jermy. Donnernder Applaus und Bravorufe bewiesen, wie. sehr jede der Damen den Geschmack des Publikums getroffen hatte. Als Violinkünstler, eisten Ranges präsentierte sich Herr Dr. Germie,* der nicht nur „Philosophie durchaus studiert, mit heißem Bemühn“, sondern sich als begnadeter Künstler zeigte, der jedem Auditorium Freude machen wird. Nach den Darbietungen gab es Tanz in Hülle und Fülle, an dem sich jung und weniger jung, teils, mit Vergnügen und teils'mit Energie, beteiligte; es wurde gewalzt, gesteppt, gefoxt, geswingt usw., jedem Geschmack war Rechnung 'getragen. Sehr gut gelungen war die Tombola, unglaublich, was alles gespendet und zusammengetragen war, es gab erlesenste und teilweise seit Jahren nicht geschaute Kostbar- und Köstlichkeiten für wenig Geld in reichstem Mäße, denn fast jedes Los gewann. Die Damen Koranski und Heilbrun sowie Herr und Frau Fischer tatenihr Bestes, damit jeder Gewinner schnellstens und reibungslos in den Besitz seines „Schatzes“ kam. Ihnen allen, dem Vorstand, den Kühstlern, den Spendern und den Helfern gebührt unser aufrichtiger und herzlichster Dank. Es bleibt noch zu erwähnen, daß auch für das 'leibliche Wohl bestens gesorgt war. — So hat alles vorzüglich geklappt, alle, waren des Lobes voll, jeder war mehr als zufrieden, und der Keren Kajemeth, dem der Ueberschuß zufließt, wird es gewiß auch sein. —- Osnabrück In traditioneller Weise wurde von der Jüdischen Gemeinde Osnabrück am 8. März d. J. der Purim-Ball gefeiert, zu dem die Gemeinde-Mitglieder aus Nah und Fern zahlreich erschienen waren. . - Nach einer Ansprache des Vorstehers, Philipp Münz, der in seinem Vortrage eine Parallele von Haman bis zu Hitler zog, wurde die Kaffee-Tafel eingenommefi. Anschließend folgte der eigentliche Purim-Ball. Die Musik wurde von 5 Herren des Städt. Orchesters ausgeführt, mit Darbietungen der Opernsängerin Frl. Rolf vom Stadttheater Osnabrück. In sehr später Nachtstunde . fand ‘-unser Purim-Ball bei größter Zufriedenheit aller sein Ende. PRESSESTIMMEN: jüdische Forderungen In vielen Gegenden Deutschlands scheint der Antisemitismus immer noch nicht tot zu sein. Gräberschändungen auf jüdischen Friedhöfen sind bedenkliche Anzeichen dafür. Es ist darum verständlich, wenn das Judentum in der Welt heute mit Förderungen an Deutschland herantritt, die aus dem Wunsche geboren sind, endlich einmal Garantien dafür zu haben, daß die Erlebnisse der . Vergangenheit nie mehr wiederkehren. ■ In diesem Sinne wurde in einer Verlautbarung des interi- > mistischen Komitees 'des Weltjuden-Kongresses im , Januar dieses Jahres u. a. folgendes verlangt: Reinigung des öffentlichen und privaten Lebens Deutschlands vom Antisemitismus; internationale Kontrolle der Stellung und Behandlung der Juden in Deutschland; Bestrafung aller derjenigen, die an der -Judenverfolgung beteiligt waren oder aus ihr Nutzen zogen. Juden, die widerrechtlich der deutschen Nationälität beraubt wurden, sollen das Recht erhalten, sie wieder zu erwerben; allen in Deutschland lebenden Juden soll das Recht zugestanden werden, aus Deutschland auszuwandern und ihr Eigentum mitzunehmen. Weitere Forderungen sind: Rückerstattung des geraubten jüdischen Eigentums an ihre ursprünglichen Besitzer oder deren Erben, Entschädigung-aller Juden, die an Person oder Eigentum durch die Nazis Schaden eriitten haben, Deutschland soll Reparationen für den Schaden und die Leiden bezahlen, die durch seine Judenverfolgung entstanden sind. Die Durchführung aller die Juden betreffenden Vorschriften soll von einer internationalen Organisation überwacht werden. JQiese Forderungen sollen den Außenmninistem der vier Großmächte zur Aufnahme in den deutschen Friedensvertrag unterbreitet werden. Man ist offenbar bislang nicht überzeugt, $aß eine Wiedergutmachung für die ehemals rassisch Verfolgten von deutscher Seite gewährleistet ist. Es wäre aber gewiß besser, wenn das deutsche Volk von sich aus die verheerenden Folgen des nazistischen Rassenwahns wiedergütmachen würde. Jenö Klein. (Berliner^ Zeitung). Auch ein Mensch Kommt da dieser Tage eine alte jüdische Frau auf eine Dienststelle, Unterstützung zu erbitten. „Ach“, sagte sie zudem Mann, hinter dem Schalter, „ich habe in all den Jahrgn sehr gelitten. Meinen Mann haben sie fortgeschleppt, meine Tochter und meinen Sohn hingerichtet, meine Geschwister in Auschwitz vergast.“ „Und wieso haben Sie dann gelitten?“ sagt der Mann hinter dem Schalter. (Der Kurier, Berlin).