Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Volume
- 1 (1946-1947)
- Issue
- 25 (5.4.1947)
- Date
- 1947-04-05
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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NEUES AUS ALLER WELT ' , München. Am 11. März wurde in* München die Leiche des Josef Breski aus dem Lager Föhrenwald gefunden. Die Täter— 2 Deutsche — die den Toten auch beraubten, konnten festgenommen werden. . Nicassina (Cypern). (Associated Press.) Im Intemiertenlager Silatimba auf Cypern kam >es zu ernsten Gefechten zwischen den „Illegalen“ und der Wachmannschaft. Die Internierten weigerten sich, nach erfolgtem Besuch in einem Nachbarlager ihren Standort wieder aufzusuchen. Die Wache benutzte' Tränen-Bomben, worauf die Internierten mit Steinen erwiderten. Beim darauf folgenden Feuergefecht wurden 5 Juden verletzt, darunter 2 schwer. V London. (Dena-Reuter). Während einer Debatte im britif sehen Parlament über die Indien-Politik, verglich Winston Churchill die. Politik Bevins mit Medizinflaschen, die verwechselt und falschen Patienten ausgegeben wurden: Engt land sollte nämlich — meinte Churchill-die Selbständigst ' keit nicht Indien, sondern Palästina geben. 8. Treffen der Jüdischen Arbeiterorganisation „Bund“ Wroclaw. Unter dem Vorsitz des Sejm-Abgeordneten und Vorsitzenden des Zentral-Komitees der jüdischen Arbeiterorganisation „Bund“ begann in Wroclaw am 21. 2. das 8. Treffen der Mitglieder des „Bund“ in ganz Polen. Außer dem Vorsitzenden, Dr. Szuldenfrei, waren weitere fühlende Persönlichkeiten der polnischen jüdischen Arbeiterbewegung vertreten, u. a. Abraham Stolar lind Chaim Waser, die be- reits vdr 1939 in der Führung der polnischen jüdischen Arbeiterbewegung tätig gewesen und jetzt aus New York ge- ' kommen waren. ( Warschau. (Our Way). Die polnische sowie die deutsche , Presse brachten seit einer gewissen Zeit keine Nachrichten * ’ über antijüdische Ausschreitungen in Polen, auf solche Wei- ' Jrse den Eindruck erweckend, als seien solche nicht mehr er-; folgt. Es ist aber erst jetzt bekannt geworden, daß im letzf ten Monat eine Reihe Angriffe und Morde verübt wurden. Jerusalem. „ (Associated Press). Amtlich, wird bekanntgegeben, daß die Presseräume der Jewish Agency in Jerusalem durch Bomben zerstört wurden. Im Regierungscommunique wird erklärt, es sei zum ersten Mal in der Geschichte, daß die Untergrundbewegung “jüdische Institutionen angreift. Kurz nach Aufhebung des Kriegszustandes erklärte der ■% „Irgun“ durch Flugblätter, daß er mit dem Angriff auf die Agency nichts gemeinsames habe und es sich dabei um eine Provokation handelt, um einen Bruderkampf zu schüren. Jerusalem. (Our Way). Ein Sprecher der Jewish Agency erklärte, daß aus den offiziellen Statistiken zu ersehen ist, daß die Palästina-Regierung nur 6 Prozent der Ausgaben für jüdische Erziehung und 2 Prozent des jüdischen Gesundheits-Etats deckt. Jerusalem. (Our Way). Der Oberkommandierende in Palästina, Gen. Mc. Milliän erklärte während einer Ansprache vor Offizieren im Hauptquartier, daß die brit. Armee keinesfalls im Kriege mit den Juden sei. Die Militäraktionen seien nur eine Hilfeleistung für die Polizei und haben keinen politischen Charakter. ‘ Jerusalem. (Reuter). Der neue Oberkommandierende der britischen Streitkräfte in Palästina Gen. Mc Millian hat die Vollstreckung der über 3 Mitglieder des „Irgun“ verhängten Todesstrafe hinausgeschoben. Washington. (Dena). Präsident Truman empfing eine Delegation der Leiter der'„Vereinigten jüdischen Interessen Vorsteher“ mit dem früheren Schatzkanzler, Henry Morgenthau, an der Spitze. . Truman erklärte, daß die Bemühungen zur Unterstützung der Juden, die das Hitlerregime überstanden, im Einklang mit' der Hoffnung aller Amerikaner auf eine Welt von Frieden und Sicherheit sind. Das Fundament des demokratischen Ideals ist die Hilfe und Unterstützung derjenigen, die in Not sind. Die Welt würde nie die große Tragödie der Juden unter der Naziherrschaft vergessen, New York. (Our Way). In Teheran wurde eine Abteilung des Jüdischen Welt-Kongresses errichtet. Dr. Kleinbaum,, Vorsteher des Kongresses in Iran und Persien, bemüht sich nun, eirie Vereinigung sämtlicher jüdischen Gemeinden im Lande zu schaffen. Das Komitee des Kongresses umfaßt Vertreter der jüdischen Gemeinden, Zionistischen Organisationen, Alliance I^aelite und andere wichtige ■ jüdische Gruppierungen in der persischen Hauptstadt. Jewish Relief Unit Die Geschäftsstelle der für Westdeutschland zuständigen 92. Jewish Relief Unit, B.A.O.R., befindet sich jetzt im Oxford House, Düsseldorf, Breite Straße 67 (in der Nähe des Graf-Adolf-Platzes) und ist täglich (außer Samstags und, Sonntag) von 9—13-und von 14—17 Uhr für den Publikumverkehr geöffnet. Die Beratungstätigkeit erstreckt sich auf die mannigfachsten, für die jüdische Bevölkerung wichtigen Fragen; es empfiehlt sich, Besuche möglichst vorher telefonisch zu vereinbaren (Düsseldorf 19559 und 13933). -0 , : . -1: Eine erzählt, die übrig blieb... Vier Monate in der Bahnhofstoilette — Erlebnisse'einer „illegalen“ Berlinerin Anläßlich des einjährigen Bestehens der Wochenzeitschrift „Der Weg“ sprach Rechtsanwalt Dr. Münzer vom Vorstand der Jüdischen Gemeinde als ehemaliger ,Illegaler“ von der „ständigen Angst vor den Schergen der Gestapo“. Im folgenden schildern wir das Schicksal einer Berlinerin, die kurz vor der „Großaktion“ gegen die Juden im Februar 1943 den harten Entschluß faßte, diesen Schergen zu entgehen und sich illegal durchzuschlagen. . Ein ganzer Roman ist in diesem — eigentlich irgendwie harmlos klingenden Wörtchen „illegal“ enthalten. Ein Roman eisernster Willenskraft, sich zh behaupten, kühnsten Wagemutes und unsagbarer Entbehrungen. Edith Ehrlich, Tochter eines Versicherungsmaklers, der-im Westen Berlins .wohnte, Musikstudentin, hat das alles kennenlemen und sehr tief aus dem, Schierlingsbecher des „illegalen Lebens“ trinken müssen, um, wie man damals ein bißchen frivol sagte,;,übrigzubleiben“ ... Als .ich eines Abends im Februar 1943, müde von der Arbeit in einer Schraubenfabrik im Südwesten Berlins, nach Hause kam, ich wohnte in* der Mommsenstraße — erzählt sie — sah ich jenen* bewußten, düsteren Wagen der Gestapo meinem Hause gegenüberstehen. Meine Glaubensgenossen würden abgeholt. Ich war im Bilde: das gilt auch dir — sagte ich mir und es erwachte in mir in diesem* Augenblick ein nie geahnter Lebenswille, dem grausamen Schicksal zu trotzen, koste es, was es wolle. Wohin aber nun? Ich ging zu meiner Freundin, die in der Nähe wohnte. So war ich für die erste Nacht genörgen, aber länger konnte ich nicht bei ihr bleiben, da im Nachbarhause mein später nach Schanghai geflüchteter Vater und Bruder wohnten und man mich kannte. Die Gefahr der Denunziation durch „liebe“ Nachbarn lag zu nähe . . , So irrte ich am anderen Morgen umher, kam an meiner Wäscherei in der Paulsbomer Straße vorbei,, in der ich einst die „gute Kundin“ war, und fragte an, ob sie mir helfen könnte. Man wußte, wie es um mich stand und trotzdem willigten die braven Fauen ein, deren eine mit einem jüdischen Rechtsanwalt verheiratet war und darum um so mehr Verständnis für meine Lage hatte. Während ich tagsüber mit in der Wäscherei arbeitete, schlief ich nachts bei ihr in einer -kleinen Kleiderkammer auf einer Matratze am Boden. Als aber dann am 28. Februar die ^Großaktion“ einsetzte, schien meines Bleibens hier nicht mehr und ich zog. vor, weiterzugehen, um meine Gastgeber nicht in Gefahr zu bringen, die mich nicht fortlassen wollten. Ich flüchtete also nur mit dem Notwendigsten bepackt, ging von Lokal zu Lokal und nährte mich von den damals noch markenfreien „Stammessen". '* Todmüde und zerschlagen landete ieh am Abend im Wartesaal des Bahnhofs Charlottenburg. Als ich die Toilette aufsuchte, in die man für einen Automatengroschen Einlaß haben konnte, kam mir der anfangs kurios erscheinende, Gedanke: hier findest du endlich Ruhe, hier kannst du über- — 5 —