Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Volume
- 1 (1946-1947)
- Issue
- 25 (5.4.1947)
- Date
- 1947-04-05
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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F 1 i i ■um Abschied von Dr. Weis Am 1. April 1947 hat uns Dr. Weis, Legal Adviser der Jewish Relief Unit verlassen, um eine Berufung an das Intergovernmental Committee on Refugees als Deputy Legal Adviser anzunehmen. Dr. Weis, wohl der aktivste Mittler seiner Einheit zwischen der Militär-Regierung 'und unseren jüdischen Organisationen in der britischen Zone, verbindet mit seinem außergewöhnlichen Intellekt eine Charakterstärke, wie wir sie jedem unserer jüdischen Menschen wünschen möchten. Sein auf höchstem geistigen Niveau stehendes juristisches Wissen hat Dn Weis in der Bearbeitung des Wiedergutmachungsgesetzes in der britischen Zone,, an dem er führend beteiligt ist, in vielen Vorträgen vor deutschen und jüdischen Juristen unter Beweis gestellt. Seine moralische Haltung in jeder jüdischen Frage verrät das ’Bewußtsein eines aufrechten und wertvollen jüdischen Menschen. Ich erinnere an die Tagung der Länderregierungen in Tegernsee vom 6. bis 8. 12. 1946, bei welcher er seine jüdischen Gedankep, in einer*Form zum Ausdruck gebracht hat,, welche die namhaftesten Vertreter der deutschen Staaten aufhorchen ließen. Ich erinnere ferner an seinen Vortrag, den Dr. Weis am 24. Februar vor deutschen Juristen im Oberlandesgericht in Düsseldorf gehalten hat. Mit überzeugender Eindringlichkeit wies er in diesem Vortrag auf die moralische Verpflichtung hin, die die deutsche Justiz in ihrer verpflichtenden Aufgabe in der. Wiedergutmachung an den überlebenden Juden, beseelen möge. Der Höhepunkt der Wirkung des Dr. Weis war die Konferenz der jüdischen Juristen der britischen. Zone, welche vom 21. bis 23. 3. 1947 in Detmold stattgefunden hat. Hier brachte Dr. Weis uns eine Fülle von Gedanken nahe, die ihn wirklich zu dem hohen Amt, zu dem er jetÄ berufen wurde, prädestinieren. Sein Wissen', gepaart mit einem nur ihm eigenen Charme, stempeln ihn zu einer Persönlichkeit, die, wo. sie auftritt, die Menschen in ihren Bann zieht. Wenn uns auch Dr. Weis verlassen hat, um einem höheren Ruf zu folgen, so tragen wir doch die Gewißheit in uns, daß er auch in seinem neuen Wirkungskreis' unsere Belange in derselben aufopfernden und bewußt jüdischen Weise wahrnimmt, wie er es bei uns in der britischen Zone getan hat. Unsere besten Wünsche für sein neues Amt begleiten ihn. Ein herzliches Schalom sei unser Gruß. Landesverband der jüd. Gemeinden von Nordrhein-Westf. Julius Dreifuss. Verjährte Verachtung Als erster Staatsschreiber des Kantons Zürich entwarf Gottfried Keil er für den Bettag des Jahres 1862,'in dem der Große Rat Zürichs die rechtliche und bürgerliche Gleichstellung der Juden beschlossen hatte, ein „Mandat“ (so hießen die Proklamationen der Kantonsregierung), in dem es heißen sollte: Der von Euch erwählte Große Rat, liebe Mitbürger, hat mit .pinigen wenigen Paragraphen das seit Jahrtausenden geächtete Volk der Juden für unseren Kanton seiner ersten Schranken entbunden, und wir haben,, keine Stimmen vernommen, die sich aus Eurer ‘Mitte dagegen erhoben hätten. Ihr habt- Euch dadurch selbst geehrt, und Ihr dürft mit diesem Gesetz, das ebensosehr von der Menschenliebe-wie aus Gründen der .äußeren Politik endlich geboten war, am kommenden Bettag getrost vor den Gott der Liebe und der Versöhnung treten. An Euch wird es sodann sein, das geschriebene Gesetz zu einer fruchtbringenden lebendigen Wahrheit zu machen, indem Ihr den Entfremdeten und Ver-v folgten auch im gesellschaftlichen Verkehr freundlich entgegengeht und ihrem gute i Willen, wo sie solchen bezeigen, behilflich seid, ein neues bürgerliches Leben zu beginnen. .Was der verjährten Verfolgung uiid Verachtung nicht gelang, wird der Liebe gelingen: die Starrheit dieses Volkes in Sitten und Anschauungen wird sich lösen, seine Schwächen werden sich in nützliche Fähigkeiten, seine mannigfaltigen Begabungen in Tugenden vewandeln, und Ihr werdet eines Tages das Land bereichert haben, anstatt es zu schädigen, wie blinder Verfolgungsgeist es wähnt. Entnommen dem Bändchen 3 der Sammlung „Oberrheinisches Geistesleben“ (Verlag Volk und Zeit, Karlsruhe), das sämtliche fünf Bettagsmandate Kellers enthält. Henker, von Auschwitz vor Gericht Warschau. (ADN.) Am. ersten Verhandlungstag im Prozeß gegen Rudolf Hoeß, den ehemaligen Kommandanten des Konzentrationslagers, Auschwitz, wurde nach Verlesung der Anklageschrift und den Ausführungen des Staatsanwalts der Angeklagte verhört. Die Aussagen von Hoeß enthüllten furchtbare Einzelheiten über die Zustände in diesem berüchtigten .Schreckenslager. Planmäßig sollen in Auschwitz laut Befehl Himmlers 6 bis 7 Millionen Menschen aus allen Ländern Europas umgebracht werden. Das. „Reichsamt für Judenfragen“ befaßte sich mit der Organisierung des Transports von Juden nach Auschwitz. Anfangs sei von Himmler die sofortige „Liquidierung“ der Transporte befahlen worden, sagte Hoeß weiter aus. Später habe Himmler jedoch aus Mangel an Arbeitskräften angeordnet, aus j&dem Transport eine Anzahl von Juden auszusondern, die auf diese Weise vorerst dem Tode entgingen. Wie aus dem Verhör des Angeklagten weiter ersichtlich ist, wurden den Leichen vor der Verbrennung die Goldzähne ausgebrochen, dann eingeschmolzen und in Barren von Backsteingröße, etwa drei bis vier Stück im Monat, an die Reichsbank nach Berlin übersandt. Brillanten, Schmuck und Uhren wurden .ebenfalls.in Kisten verphckt und nach Berlin transportiert. Die den Leichen abgeschnittenen Haare erhielt eine Fabrik in Bayern zur Weiterverarbeitung. Das Eigentum der Häftlinge wurde unter dem Namen „Aktion Reinhardt“ gesammelt und den Reichsbehörden zur Verfügung gestellt. . Die kostbarsten Brillanten und Schmuckstücke wurden in der Schweiz gegen Devisen verkauft. 'Appell an die Emigranten Hamburg. (ADN). Einen Appell an die deutschen Emigranten, in die Heimat zuijickzükehren* richtete der Hamburger Bürgermeister Brauer auf einer Tagung der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes der britischen Zone. Bauer erklärte, daß er an alle Deutschen appelliere, die seit 1933 Deutschland aus weltanschaulichen, rassischen oder religiösen Gründen verlassen mußten. In seiner Ansprache führte Brauer ferner aus, es habe ^während des Naziregimes ein zweites Deutschland gegeben, das von den politischen Häftlingen verkörpert worden sei. 3)amen-J?teideV’<Jeibcik Köln-Braunsfeld Ruf 52188 Fürst-Piickler-Str. 82 (Ecke Aachener Str.) SCHUHHAUS Juppen . , . Das Fachgeschäft für gute Schuhe Düsseldorf, Schadowsfraße 79-85 / Fernruf 22093 jpfefS Gebr.Helperiz * Düsseldorf Germaniastr. 6-10 / Ruf 240 0 — 4