Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Volume
- 1 (1946-1947)
- Issue
- 25 (5.4.1947)
- Date
- 1947-04-05
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Wir haben viel Erfreuliches auf der ersten jüdischen Juristenkonferenz in Detmold erlebt, wir haben viel gelernt. Und weil wir glauben, unseren Lesern nichts vorenthalten zu dürfen, deshalb haben wir uns entschlossen, in unserer Sonderausgabe am 15. April 1947 einen umfassenden Bildbericht zu bringen. Heute wollen wir hur über die Dinge plaudern, die uns menschlich so sehr berührt haben, Dinge, die auch zu den vielen Erfolgen gehören, für die die jüdische Menschen der Jewish Relief Unit zu danken haben: Aus einem der Wagen steigen kurz vor Beginn der Taguög drei Herren. ' Sie packten den ersten, den sie am Schloßeingang sahen und fragten ihn, wer alles da ist. Sie nannten Namen durcheinander, unendlich viel Namen. Da aber, der, den sie fragten, nicht alle kannte, konnte er nur einem dieser Herren, den Rechtsanwalt Hans Friedeberg aus Berlin auf seine Frage ob „denn auch der Oberlandesgerichtsrat Dr. Asch“ da,sei, erwidern, „ja, der ist da.“ „Gott, sei. Dank, daß ich den alten Knaben wiedersehe, den ich 15 Jahre nicht mehr, gesehen habe.“" ' ■ t Der Amtsgerichtsrat Rosenbaum aus Dortmund saß an der Tafel beim Abendessen als ihn jemand auf die Schulter klopfte und sagte: „Guten Tag Herr Amtsgerichtsrat. Erinnern Sie sich noch ah mich? Ich War vor vielen Jahren bei Ihnen Referendar?“ Rosenbaum sah den Fragesteller an, überlegte und stotterte: „Ja . . . das wird schon stimmen, aber ... im Moment erinnere ich mich nicht. Was machen Sie denn jetzt?“, „Ich bin jetzt Justizminister vom Land Nordrhein-Westfalen.“ * * * Im roten Saal, der neben dem Ahnensaal des Schlosses von Detmold liegt, stand Landgerichtsrat Bukofzer , aus Berlin und dachte Wohl gerade über die soeben gehörte Vorlesung nach, als eine Dame zu ihm trat und in fragte: „Sie sind Landgerichtsrat Bukofzer? — Ich kann Ihnen von den letzten Stunden Ihres Bruders erzählen. Ich war in Theresienstadt Krankenschwester.“ * * * Unter den vielen Juristen war als Gast auch ein Arzt: Dr. Herbert Lewin, Köln. — Er traf Viele, denen er erzählen konnte, daß er Angehörige im Konzentrationslager operiert ■ hat, er konnte'aber auch Einigen erzählen, daß er am Sterbebette ihrer Lieben gestanden hat. - * * * Professor Dr. E.' I. Cohn, London, sah viele alte Freunde wieder, von denen er wohl geglaubt hat, daß er sie nie Wiedersehen wird. , Aber mir scheint, daß er sich besonders freute, als ein jüngerer Mann zu ihm trat, ihm die Hand entgegenstreckte und sagte: „Herr Professor, kennen Sie mich noch?“ Professor Cohn überlegte .einen Augenblick und erwiderte: „Ich glaube, ja, Sie gehörten, so scheint mir, zu den vier mir treu gebliebenen deutschen Studenten, nach dem Skandal, den die deutsche Studentenschaft in einer meiner Vorlesungen gemacht hat.“ Und Landgerichtsrat Husemann, der jetzt auf dem Justizministerium des Landes Nordrhein-Westfalen sitzt, freute sich sehr darüber, daß sein Lehrer, den er stets und ununterbrochen geschätzt und geehrt hat,. ihn hach 15 Jahren wiedererkannte. ’■«.*** Die Tagung war beendet. Wir fuhren in unser Quartier. In meinem Wagen saß Landgerichtsrat Bukofzer aus. Berlin. „Sie geben“, so sagte er, „doch die jüdische .Gemeindezeitung heraus? Ich las da eine Annonce, in der mein Bruder gesucht wird. Mein Bruder ist tot. Ich kann aber der Nachfragerin alle erschöpfenden Auskünfte geben, die sie verlangt, denn ich stand mit ihren im Konzentrationslager umgekommenen Elterp bis zu ihrem Tode in Kontakt.“ Ich erwiderte .ihm: „Da die Nachfragerin meine Frau ist, erzählen Sie mir bitte. Ich glaube, ich kann ihr kein wertvolleres Geschenk von dieser Tagung mitbringen.“ * * * Rechtsanwalt Cahn aus Frankfurt-Main teilte mit mir ein Zimmer. Wir unterhielten uns noch lange über diese Tagung und wir — wie wohl alle Teilnehmer — waren uns darüber im klaren, daß sie unvergeßlich sein wird. Unvergeßlich aus vielen Gründen, unvergeßlich, so meinte Rechtsanwalt Cahn aber auch deshalb, weil viele jüdische Menschen, die sich länge, lange nicht gesehen hatten und die zu denen gehören, die dem 'Tod entronnen sind, sich wiedergefunden haben. Dr. Weis, der Legal Adviser der Jewish Relief Unit (links) bespricht mit Dr. E. G. Lowanthal (rechts) die technischen Dinge der jüdischen Juristentagung. HimmiiimMiiiiiiitnmiiiiiiiiimimiiitiMitiiimititiiiiititiMtiimitmmiHmifHiitHmmiHmitiimiitifmuftmiiimmiimmim Dr« George 'Weis brachte einen Toast auf die Frauen aus Im Silbersaal in Bad Hiddesen bei Detmold waren die Teilnehmer am ersten Abend der ersten jüdischen Juristenkonferenz der britischen Zone Gäste der Jewish Relief Unit. Dr. George Weis, der Mann, der uns in vielen Dingen bewiesen hat, daß er Niemanden und nichts vergißt, erhebt sich, um einen Toast auszubringen auf die Frauen. Nicht nur auf die wenigen Frauen, die an der Konferenz teilnahmen, sondern auf die, die auch nie vergessen werden »dürfen: Auf die jüdischen Frauen, die Opfer geworden sind, auf die jüdischen Frauen, die mit ihren Männern in den Tod gegangen sind, aber auch auf die nicht jüdischen Frauen der jüdischen Männer, die treu ausgehalten, gelitten und gekämpft haben. Die Konferenzteilnehmer waren ergriffen, und es hat wohl nicht einen Einzigen gegeben, der Dr. Weis nicht dafür dankte, daß er gerade diese Gelegenheit wahrgenommen hat, um dem Heldenmut dieser Hunderttausenden zu gedenken. '. . .x. Das Präsidiüm des vor kurzem in Bad Reichenhall tagenden Kongresses der Juden in der US-Zone gab bekannt, daß die Von der BBC gebrachte Nachricht über die Rückkehr von 10 000 Juden von Deutschland nach Polen nicht der -Wahrheit entspricht. Auch die Nachricht über die geplante Rückkehr von 5000 Juden von Palästina nach Deutschland wurde vom Leiter des Palästina-Amtes in München, Dr. Hoffmann, als eine aus der Luft gegriffene ,^weckmeIdung“ bezeichnet. Geschäftsstellen an allen wichtigen Plätzen der Westzone Seit 75 Jahren im Dienste der heimischen Wirtschaft samagsaaa&s&aisssssassssssssis^^ — s —