Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Volume
- 1 (1946-1947)
- Issue
- 24 (19.3.1947)
- Date
- 1947-03-19
- Page
- Seite 16 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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Sinne des Wortes gerade, Purim als Befreiungsfest zu begehen. Einstmals behauptete ein gewisser Phantast: Es wird nicht mehr geschehen, daß das Judentum einstweilen das Purimfest feiert und er hätte beinahe auch sein Vorhaben durchgeführt. Die Methoden, welche er und sein Anhang anwandten, ähnelten den Geschehnissen der Megilla. Aber auch das Ende seines, Systems findet in derselben seinen Widerhall. Und die Lehre für uns ist, das jüdische Leben, wie seine Traditionen stets hoch zu halten, wie es Mordechai und Esther taten. Dann* ist und bleibt der Fortbestand des Judentums gesichert, ,,1‘aulom woed“, für alle Zeiten“. Neue Siedlung in Palästina! „ Kürzlich ist wieder eine _ neue Siedlung in Palästina, geschaffen worden. Das ist schon die sechzehnte seit dem jüdischen Neujahr. Die Siedlung befindet sich in „Galil-Haelion“, neun englische Meilen von „Naha'-Ria“ entfernt. Sie umfaßt 3000 Duman Boden. Eigentümer ist der „National Fund“. Der Name der neuen Siedlung ist: „Jichi- Haam“, zum Andenken an den Sohn des Mitgliedes der Jewish Agency Josef Weiz. Dieser Boden, der vollkommen unkultiviert ist, hat -eine historische Bedeutung: Im 12. Jahrhundert war dort eine Festung, der Kreuzträger. Die Umgebung, wie auch die Namen der Umge- , bung weisen darauf hin, daß der Boden schon in der Zeit vor Tanach-Talmud von Juden bewohnt war. Es werden alle nötigen Anstrengungen gemacht, um auf diesem Boden wieder landwirtschaftliche Arbeiten aufzunehmen. Roz. Stimmen unserer Leser V.V.N. und Juden! Vertrauen, Einsicht, Disziplin! Aus der Erkenntnis heraus, daß wir als die Verfolgten des Hitlerregimes nur zu unserem Recht kommen können, wenn wir gemeinsam unseVe Belange vertreten, sind folgende Zeilen geschrieben: Herr Hecht stellt in seinem Artikel „Wir Juden'Und die WN.“ als wesentliches den unpolitischen Menschen und den politischen Menschen, oder rassisch Verfolgten und den parteiisch Verfolgten heraus. Daß es diese Gruppen gibt, ist eine feststehende Tatsache, doch bei der Beurteilung der Betreuung und der Wiedergutmachung darf dies keine Rolle spielen. Zu bedauern.ist, wenn es stimmen sollte, wie Herr Hecht schreibt, daß in den Kreisen der Juden heute kein Interesse vorhanden ist, sich parteiisch zu binden. Selbst als'Einheit gesehen, sind wir Verfolgten die Minderheit des deutschen Volkes, müssen uns unser Recht auf Wiedergutmachung erkämpfen, Dies können wir nur, Indem wir unsere Forderungen in den Parteien, denen wir angehören, anmelden und von ihnen fordern, uns zu vertreten. Anders geht es nicht! Die Begründung der Politik und den Parteien ^gegenüber mißtrauisch geworden zu sein, ist nicht stichhaltig. Die politisch illegalen Gruppen waren.in sich so gut wie allein und auf sich angewiesen. Einsarpe, wie die 'Juden. Daß politische Kämpfer sich für die Juden interessieren und ihnen geholfen haben, beweist und bezeugt doch eindeutig das „Gemeindeblatt für die britische Zone’’. Eine unserer Hauptaufgaben ist natürlich, das zurückzufordem, was man uns nahm. Aber darüber hinaus haben wir größere Aufgaben, Aufgaben, zu denen unsere Toten uns verpflichten. Wir müssen die Träger des neuen demokratischen Deutschlands werden, denn-, unser Leid, das Blut unserer Toten, sind' die Garantien, 'die verhindern, daß Deutschland wieder nazistisch wird. . Wir müssen das deutsche . Volk' umerziehen, wir müssen die Nerven dazu besitzen trotz allem was geschehe. Dies Müssen ist hart und eisern und darum heißt es für uns alle, politisch aktiv zu sein. Vollkommen verfehlt scheint mir die Ansicht de? Herrn Hecht, wenn er schreibt^ daß die Juden wegen ihrer unpolitischen Haltung über die Achsel angesehen und dementsprechend behandelt werden. In einzelnen Fällen mag dies einmal vorgekommen sein. Dies ist in jedem Falle zu verurteilen und abzustellen. Ausschlaggebend ist die große Linie, und da verweise ich auf die Sonderbeilage, auf den vorletzten Absatz des Interviews mit Dr. Schumacher, dem Vertreter der SPD. So wie er, dürften äuch wohl die anderen Parteien urteilen. Wir bitten und wünschen, daß alle aus unseren Reihen Ob rassisch, religiös oder politisch „belastet”, . aktiv an der Neugestaltung unserer Heimat mitarbeiten. Was' wir brauchen, ist Vertrauen und die Einsicht, sich den politischen Forderungen in unserem Interesse zu stellen. So nur darf die Frage auf gegriffen werden und daß „trapsen der Nachtigall” wird sich in ein melodisches Singen verwandeln.. Wir, sind Demokraten, gut, dann aber' auch konsequent. Als Demokrat vertritt man sein Recht und kämpft sich durch, wenn es nötig ist, aber der echte Demokrat droht nicht mit dem Wort „seine Konsequenzen ziehen zu wollen“, ehe er nicht beweisen kann, daß ihm bewußt Unrecht geschah. Dies „Konsequenzen ziehen“ kann in diesem Falle nur so ausgelegt werden, daß man beabsichtigt, sich außerhalb der Organisation der WN., selbständig zu machen. s Im Interesse „in eigner Sache” möchten wir davor warrten und nochmals auf die Ueberschrift hinweisen,. Vertrauen, Einsicht, selbst wenn es schwer fällt, Disziplin wahren. Landessekretariat WN., Baschke. Sehr geehrte Redaktion! Ich bin eine Ausländerin, verschleppt’ — und nach einem Jahr Schutzhaft habe ich einen deutschen Juden, den ich im KZ. kennengelemt hatte, geheiratet. Wir haben uns im Ruhrgebiet niedergelassen und arbeiten hier* am Aufbau unserer Zukunft. Zu meiner größten Ueberraschung muß ich immer wieder feststellen, daß viele deutsche Juden sich immer noch ihres Judentums schämen; sie versichern immer wieder den anderen Mitbürgern, daß sie nicht im jüdischen Geist erzogen worden sind, daß sie nicht mehr religiös sind. Aber, wenn es sich um die Liebesgabenpakete handelt, dann wollen sie alle beweisen, daß sie nur zwangsweise aus dem Judentum ausgetreten sind. Warum dieses beschämende Benehmen und dies unwürdige Spiel? Warum dieser schwache Charakter und diese Willenlosigkeit? Wenn jemand glaubt, daß Jude zu sein, etwas häßliches und unwürdiges ist, dann soll er den Mut besitzen, es überall laut zu sagen und für immer aus der jüdischen Gemeinschaft austreten. Auf der anderen Seite soll man nicht immer versuchen; mit ähnlichen Behauptungen die Sympathien der anderen Deutschen zu gewinnen. Wir sind zu guter letzt doch keine Kinder, deren Worte verzeihlich sind, weil sie nicht wissen, was jsie wollen. Die von uns gesprochenen Worte sollen Gewicht haben und werden von allen Zuhörern mit' Neugier, aber auch mit Mißtrauen, abgewogen. Ich habe noch eine andere Frage: Wie kommt es denn, daß in fast allen jüdischen Familien Weihnachten ein Christbaum und nirgends die leuchtenden1 Chanukahkerzen. zu 'sehen, waren? Sind* denn unsere Traditionen so unwichtig für alle, daß die Schabbathlichter dem Adventskranz weichen mußten? 'Hat denn niemand mehr den Wunsch, das Apdenken der Eltern zu wahren, die sterben mußten, weil sie Juden waren. Und diese Eltern, die haben doch gelehrt, wie man Traditionen zu bewahren hat. Sollen unsere komme»den Generationen auch in diesem charakterlosen Geist erzogen werden? Was könnte inan machen, um diesen Menschen die Pflichten gegenüber dem gesamten Judentum beizubringen, was könnte man tim, um sie dazu zu bringen, mitzuhelfen, an 'der Beweiserbringung, daß Hitler falsch gehandelt und gedacht hat? G. H., Ruhrgebiet. Wir antworten unseren Lesern G. H., Ruhrgebiet. Wir danken Ihnen für .-Ihren Brief, den Sie in dieser .Ausgabe veröffentlicht finden. Soweit uns bekannt ist, liegt es im Ermessen der Hinterbliebenen; denen der Todestag der Eltern nicht bekannt ist, einen Targ zu bestimmen, den sie dann stets als Jahrzeit halten. S. Hirschei, Wuppertal-Elberfeld. Sie haben recht. Man sollte auch einmal über Minsk schreiben. ,Wir wären Ihnen dankbar, wenn Sie uns Berichte über dieses Lager besorgen könnten. 16 —