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Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone · 1947-03-19 · 24 (19.3.1947) · p. Seite 14

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
Volume
1 (1946-1947)
Issue
24 (19.3.1947)
Date
1947-03-19
Page
Seite 14 (sequence 16)
Language
German
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**^vcsSFi imn ■■ schaftlichen Nachwuchses hätten, der mit allen Fragen der existentielleti Behauptung des Judentums und seiner schöpferischen Chancen wirklich vertraut wäre. 6. Auf wissenschaftlichem Gebiet hat das Judentum entscheidenden Anteil an allen bisher gewonnenen Erkenntnissen! Nur hat die breite Oeffentlichkeit keine Ahnung von dem Ausmaß dieser Leistung und vom Schicksal großer jüdischer Forscher und Wissenschaftler. In einer vielbändigen populärwissenschaftlichen Reihe könnte dieses Verdienst gewürdigt und dem Bildungsinteresse breiter Volksschichten in allen Ländern der Erde bestes Bildungsgut vermittelt werden! 7. In einer grotesken und gewissenlosen Verzerrung, hat man die Qualifikation des Juden als Geschäftsmann und Handelspartner ins Gegenteil verkehrt und ihn als Inkarnation , von Profitgier und Selbstzucht hingestellt! Auch dieses „Bild” muß eine Wandlung erfahren, wenn dem Haß gegen das' Judentum der Boden entzogen werden soll. Wir schlagen vor, unter dem Thema „Kommerzielle Intelligenz” eine Veröffentlichung vorzubereiten, die der Wahrheit gerecht wird, und die positive Leistung des jüdischen Unternehmers und Kaufmanns sowohl im wirtschaftshistorischen Gesamtbild als auch im Wirtschaftsleben der Gegenwart entsprechend zu placieren. 8. Im Verlauf eines Jahres nimmt die Welt zu vielerlei" Themen uiid Problemen humanitärer Lebenshaltung Stellung, und das Ringen um die Menschheitsideale hat unübersehbare Varianten! Wir schlagen vor, gerade im Sinne dieser Vorlage von einer oder mehreren Stellen aus, wertvolle publizistische Erscheinungen dieser Art' aufzugreifen und in irgendeiner Form auszüzeichnen. Wir glauben, daß sich dadurch eine Art Weltgewissen herauskristallisieren würde, und di^ Weltöffentlichkeit hätte Gelegenheit, Künder wahren Menschentums kennenzulernen. Vielseitig sind die Möglichkeiten,, diesem Gedanken eine praktische und universelle organisatorische Form zu geben. Wichtig wäre es, ihn in den Dienst der hier entwickelten Ideen zu stellen! 9. Durch sein Eintreten für eine Besserung des sozialen Elends in Deutschland hat sich der Londoner Verleger Victor Gollancz, als Vorsitzender des HilfsWerks „Save Europe now” große Sympathien beim deutschen Volk erworben. Wenn sich weitere namhafte Juden der ganzen Welt in so warmherziger Weise zum sozialen Geschehen in Deutschland äußerten, und diese Stimmen in geeigneter Form gesammelt erscheinen, so könnte, das deutsche Volk eine Denkweise bewündern, die psychologisch Wunder wirken würde! 10. Was uns nicht minder wichtig erscheint, ist die Auflage erstrangiger Biographien von jüdischen Persönlichkeiten aus Geschichte und Gegenwart. Wenn man sich dabei nicht auf Deutschland beschränkt, sondern Lebensbilder geschichtlich bedeutender Juden aus allen Ländern der . ’ Welt auf erlegt, so, ist kaum ein Wissensgebiet oder ein künstlerischer Bereich, der nicht vertreten wäre. 11. Dem Judentum ist oftmals seine weltweite Aktivität, sein Wirken über enge nationale Grenzen hinweg, vorgeworfen worden. Heute zeigt jes sich, daf? diese Verbundenheit mit der Welt, dieses Aufgeschlossensein für andere Kulturen, die Erkenntnis von der Notwendigkeit raumweiter Zusammenhänge und eine weitgehende internationale Zusammenarbeit unabdingbare Forderungen der Zukunft sind. Eine Geschichtsbetrachtung, die dem Judentum auch in dieser Hinsicht gerecht -wird, kann viele Vorurteile beseitigen, die nicht wenig dazu heigetragen haben, den Juden als entwurzeltes Element in einem Volkskörper anzusprechen! 12. Die antisemitische Propaganda hat auch versucht, die jüdisehe Frau mit allem nur erdenkbaren Schimpf zu beladen und iri der Oeffentlichkeit anzuprangern! Die jüdische Frau in ihren wirklichen gesellschaftlichen Bindungen zu zeigen und das Wesen ihres Menschentums getreulich zu charakterisieren, wäre «pine dankbare Aufgabe. Die Geschichte kennt genügend Beispiele, die ein gültiges Bild von der jüdischen Frau und ihren Lebensidealen entworfen haben! Und dieses Bild soll dazu beitragen, die letzten Reste einer infizierten Vorstellungswelt zu beseitigen. 13. Die bisherigen Programm-Punkte machen schon deutlich, daß es sich bei dem vorliegenden Plan um eine endgültige Auseinandersetzung mit dem Antisemitismus handelt. Wir sind der Ueherzeugung, daß eine Aktivität in dem vorgeschlagenen Sinne das Gewissen der Menschheit für alle Zeiten wach halten wird und dem Judentum den Weg in eine gesicherte Zukunft bereitet! Die Vorschläge zielen darauf ab, in jedem Augenblick und allerorts dem Judentum Freunde zu gewinnen, sein Ansehen zu mehren und seinen ganzen Kulturbesitz im Bewußtsein der Menschheit zu verankern. Seine großen Leistungen in Vergangenheit und Gegenwart müssen anerkannt und seine Lebensrechte verbrieft werden. Entscheidend dabei ist, daß durch eine solche Arbeit die ganze Menschheit in ständigem Kontakt mit diesen Problemen bleibt und Sorge getragen Wird, daß die geistige Orientierung unserer Zeit immer wieder in den Raum dokumentarisch erhärteter Tatsachen verstößt und nicht Opfer einer Agitation und eines blinden Rassenhasses wird! 14. Die Unterzeichneten und Herr Brugger haben noch weitere Pläne entworfen, die vor allem die Jugendliteratur, Film und Theater betreffen ünd sich ganz den vorgetragenen Ideen anpassen. Lediglich die Sorge, eine solche Vorlage nicht zu überlasten, gibt. Veranlassung, eine genauere Spezifikationzurüekzustellen. Immer noch gehen kleinere und größere antisemitische" Wellen über einzelne Länder der Erde hinweg, so daß dieser ganze Plan in aktuellstem Lichte erscheint. Dem Antisemitismus ist mit vereinzelten Maßnahmen nicht beizukommen, es bedarf vielmehr einer - geistigen Bewegung, die zutiefst im Humanitären verwurzelt, wachen Auges und leidenschaftlichen Herzens das Gute im Menschen sucht und findet! . Die Unterzeichneten und Herr Brugger haben viele Jahre mit jüdischen Geschäftsfreunden gearbeitet und das Judentum schätzen gelernt. Diese Achtung, Wert-, Schätzung und Sympathie sind letzten Endes die Beweggründe, die zu dieser Niederschrift geführt haben. Möge sie mithelfen eine Gefahr zu bannen, die zu allen Zeiten die existentiellen Grundlagen des, Judentums, seine Schaffensfreiheit und seine schöpferische Bega-, bung bedroht hat! Löwen-Verlag gez. F. Masuch. gez. H. Schnell. PRESSESTIMMEN: Das Giit ist noch wirksam Alfred Schütz, Heilbronn a. N., Nietzschestr. 18, schreibt uns unter anderem: „Kürzlich erfuhr man, daß Pastor Nie-, möller in USA. geäußert habe, der Antisemitismus in Deutschland sei durch den Krieg ausgestorben. Leider muß ich dieser Auffassung ganz entschieden widersprechen. In der deutschen Presse, im Rundfunk, im Unterrichts- und Vortragswesen ist vom Antisemitismus nichts mehr zu merken. Jedoch hier und da kann man schon wieder judenfeindliche Aeußerungen hören. Der eine sagt: „Es sind eben noch immer zu viele Juden da", eine mi? bekannte Lehrerin äußerte so nebenbei über die Lebensmittelzufuhren von USA, ,Wenn die Juden es zulassen’, Ostflüchtlinge bezeichnen ihr Schicksal als ,Rache der Juden’, und vielfach macht man die Juden für das heutige Elend und besonders für die Folgen der Entnazifizierung verantwortlich. Die früheren Antisemiten haben ihre Gesinnung in keiner Weise geändert, nur sind sie mit Rücksicht auf die Tätigkeit der Spruchkammern vorsichtiger geworden. Die antisemitische Erziehung durch Schule und Partei hat eben ihre Wirkung getan, und viele können “Sie nicht von heut auf morgen vergessen. Ein sehr bezeichnendes Streiflicht auf dieses Problem wirft auch die Nachricht, die kürzlich durch die Presse ging, daß der Haupthetzer zum: Rassenhaß, Dr. Artur Dinier, sich in der französischen Zone auf freiem Fuß befinde und sogar vor Gericht erklärt habe, er halte seinen Standpunkt in der Rassenfrage voll auf recht, und eine staatliche Liquidierung des Judentums für erforderlich. Und dies heute, nach dem Zusamemhbruch des Hitlerstaates! Genug der Beispiele! Sie beweisen, daß das Gift des Rassenhasses im deutschen Volke noch sehr wirksam ist. Es ergibt sich hieraus die große - Auf gäbe, den Rassenhaß auf wirksame Weise zu bekämpfen und zu überwinden. Das ist in erster Linie Sache der Schulen und Kirchen und der gesamten Presse. Im übrigen wäre es sehr-'Zu wünschen, daß Herr Pastor Niemöller, der wie kein zweiter hierfür - geeignet ist, sich auch für diese Aufgabe einsetzen würde." „Neue Zeitung", München. 14 —

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