Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Volume
- 1 (1946-1947)
- Issue
- 24 (19.3.1947)
- Date
- 1947-03-19
- Page
- Seite 13 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Denkschrift des Löwen-Verlag’s, Braunschweig: Der Nationalsozialismus hat ein Zerrbild des. Judentums, seiner menschlichen Anlagen, seiner geistigen, künstlerischen, politischen und wirtschaftlichen Leistungen' in Vergangenheit und Gegenwart entworfen. „Dieses Bild” hat er mit allen Mitteln geistiger und seelischer Beeinflussung im Bewußtsein der Menschheit verankern wollen, um einen infernalischen Haß gegen das Judentum zu - wecken. Menschentum, Kultur und Zivilisation haben in wenigen Jahren wertvollste Substanz verloren! Eine innere Umkehr dieser heraufbeschworenen Zerstörung ist nur möglich, wenn sich die ganze Menschheit für alle Zeiten zu den Grundsätzen der Humanität bekennt und der jüdische Kulturbesitz, die geistige und kulturelle Repräsentanz des Judenturns /dem Menschheits-Bewußtsein stets und allerorts als schöpferische Kräfte unserer Geschichte und unseres Lebens gegenwärtig sind.- Eine solche fundamentale Wandlung kann aber flicht vom Judentum allein erzielt und erreicht werden; es müssen Persönlichkeiten und Kräfte außerhalb des Judentums diese Aufgabe .mitübernehmen. So wird es notwendig sein, zahllose Fürsprecher für diese Idee und Freunde des Judentums in aller Welt zu gewinnen, die eine Garantie sein werden, daß. niemals mehr in der Menschheits-Geschichte eine solche Katastrophe über ’ das Judentum hereinbricht! , In der Verwirklichung dieses Gedankens sehen wir den Weg zu einer wahrhaften Wiedergutmachung und die Gewähr, daß sich der schöpferische Genius des Judentums für immer und in Freiheit entfalten kann. Auf Veranlassung von Herrn Alfons Brugger Und in engster Zusammenarbeit mit ihm, haben wir in abendfüllenden Gesprächen alle Möglichkeiten erörtert, die diesefn Ziele dienen können. Als Ergebnis überreichen wir Ihnen eine Folge von Ideen, für die sich der Löwenverlag, die Unterzeichneten persönlich und Herr Brügger jederzeit voll und ganz einsetzen werden, - ohne Rücksicht auf irgendwelche Konsequenzen, einzig und allein in dem Bewußtsein: im Dienst einer guten Idee, des Fortschritts und der Humanität zu stehen! - Die Gedanken, die hier entwickelt werden, ' sind nur zu Einlaß 2 Uhr S.C. „MACCABI“ KOLIM Anfragen an Geschäftsstelle Köln-Ehrenfeld, Ottostraße 85 oder direkt an den Vorsitzenden, Karl Lichtenstein, Köln, Amsterdamer Straße 193, Ruf 78416. Einladung zu dem»am Sonntag, dem 30. 3. 1947, stattfindenden' Anfang 3 Uhr im Flüchtlings- und Altersheim, Köln-Sülz, Blankenheimerstraße 55, unter Mitwirkung des Kinderchors des Nord-Westdeutschen Rundfunks, 30 Sänger sowie Kinder der Gfemeinde. Ehrung des Jubelehepaares Salpmon Unger zu ihrer goldenen Hochzeit. Eingeladen sind sämtliche von der Gemeinde Betreuten. Jugendliche von 2—14 Jahren, Erwachsene ab 70 Jahre. Die Berechtigten müssdh sich ihre Gedeckkarte persönlich ab sofort in der Synagogen-Gemeinde, Zimmer 5 bei Herrn Mannasse abholen. Diese Karten, werden mit Namen versehen und sind nicht* übertragbar. Soweit Platz ' vorhanden, werden Platzkarten durch Herrn Lichtenstein ausgegeben, doch berechtigen diese nicht zu einem Sitzplatz. Mitglieder. des Maccabi, deren Mitgliedskarte in. Ordnung ist, haben mit dieser ohne weiteres Zutritt. Die Plätze müssen, kurz vor 3 Uhr nachmittags» eingenommen .werden. einem kleineren Teil verlegerischen Charakters, unsere Mitarbeit aber stellen wir für die praktische Durchführung auch der übrigen Vorhaben gern und freudig zur Verfügung. Unser Vorschlag umfaßt 14 Programm-Punkte, die als Ganzes verstanden und gewertet sein, möchten: 1. Der jüdische Beitrag zur menschlichen Kultur ist so groß, daß er verdient, in einer selbständigen Reihe, in einem repräsentativen SammelWerk herausgestellt zu werden. Wissenschaft und Kunst, Dichtung und Leben zeugen von einer Schaffenskraft, einem Ideenreichtum und einer musischen Begabung des Judentums, daß ein solcher dokumentarischer Beweis im Rahmen eines Humanitären Verlagsprogramms die nationalsozialistische Ideologie von .selbst ad absurdum führt. Der menschlichen Erziehung und jeder geistigen Orientierung aber würde damit ein neues und wertvolles Hilfsmittel anhand gegeben. Wir könnten uns sehr wohl denken, daß dieser Programm-Punkt zu einer Zusammenarbeit mit dem Londoner Verleger Victor Gollancz führt. 2. Die Anregungen, die im -folgenden auf gezeichnet sind, legen den Gedanken nähe, in vielen großen Städten geistige Mittelpunkte (Zirkel) zu schaffen, die sich der Pflege, der vorgetragenen Ideen .widmen. Es ist nur eine Frage der Themen und Vortragenden, der Aktivität und des geistig-künstlerischen Niveaus, ob diese geistigen Mittelpunkte und Zirkel im kulturellen Wettstreit Einmaliges und Ueberzeugendes leisten. Die jüdische Organisation und die länder- und völkerumspannenden Verbindungen der geistigen und künst-; . lerischen Repräsentanz, die dem Judentum freundschaftlich gesinntest, müßten die Gewähr geben, daß in diesen Zirkeln ein kulturejler Austausch überzeugenden Formats stattfindet: 3. Etwa unter aem Thema „Ewige Freundschaft” könnte ein Verlagswerk vorbereitet werden, in dem das innige freundschaftliche Verhältnis großer jüdischer Persönlichkeiten mit berühmten Nichtjuden zum Gegenstand dichterischer Aussage und kulturphiolsophischer Betrachtungen gemacht wurde ... ein . ergreif endes und mahnendens Zeugnis, daß sich das Geniale und Schöpferische zu allen Zeiten und über alle Grenzen hinweg findet und unsere so verschiedenartige Menschheit dem hohen Ziel gemeinsamer humanitärer Ideale entgegenführt. 4. Der Nationalsozialismus ist nicht müde geworden, das Judentum als den Ausbeuter des werktätigen Menschen hinzustellen. Es wäre mehr als angebracht, einmal aufzuzeigen, welche großen sozialen Leistungen vom Judentum am Läufe der Jahrhunderte hervorgebracht wurden und ' wieviele wohltätige .Einrichtungen und Maßnahmen der Initiative gerade, jüdischer Persönlichkeiten zu verdanken sind! Wir glauben, daß mit einer solchen Darstel- - lung ein spannender Abriß menschlicher Kulturgeschichte und sozialer Entwicklung ergeben würde. 5. An einem Ort oder an einigen wenigen Stellen der Welt — vielleicht in England, Amerika und Deutschland — sollten wissenschaftliche Sammel- und Zentralstellen entstehen, die alle dokumentarischen Zeugnisse kultureller Leistung des Judentums einer geistigen Auswertung zugänglich machen würden. Aufgabe solcher. Stellen wäre es auch, Wissenschaftler, Forscher, Publizisten und andere Interessenten mit objektivem Material zu versehen. Aus Nachlässen, privaten Sammlungen und Büchereien, durch freiwillige Mitarbeit jüdischer Gelehrter, Kunstschaffenden und dergl. könnten ein Material zusamment getragen werden, das bis zum heutigen Tage weder der allgemeinen Forschung noch der Weltöffentlichkeit zugänglich war. Auch sind wir^ der Auffassung, daß mancher Lehrstuhl an den Hochschulen aus einem solcherweise aufbereiteten Kulturbesitz Nutzen ziehen könnte, und manche Frage der soziologischen Forschung, historischen Be- ' trachtung oder aktuell-politischen Urteilsbildung würde dadurch in* ein neues Licht gerückt! Ganz abgesehen von dem Einfluß, den diese wenigen Stellen in der Welt auf die Heranbildung eines wissen- — 13 - 4137354