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Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone · 1947-03-19 · 24 (19.3.1947) · p. Seite 12

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
Volume
1 (1946-1947)
Issue
24 (19.3.1947)
Date
1947-03-19
Page
Seite 12 (sequence 14)
Language
German
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ppHppmmiffissinnnK m » §3 .:j; Gedenkfeier lür Max M.Warburg: Am Sonntag, dem 9. Februar, veranstaltete die jüdische Gemeinde, Hamburg, in der Synagoge Kielortallee, eine Gedächtnisfeier für den in New York verstorbenen Hamburger Bankier Max M. Warburg. Von Seiten der Stadt Hamburg waren Bürgermeister Brauer, Bürgermeister Koch und Senatssyndikus Dr. Sieveking erschienen. Außerdem waren Vertreter des American Joint Distribution Committee, der Notgemeinschaft der durch die Nürnberger Gesetze Betroffenen und des Bankhauses Brinkmann, Wirtz & Co. vorm. M. M. Warburg & Cov sowie zahlreiche Mitglieder der Jüdischen Gemeinde anwesend. Der Gottesdienst wurde eröffnet durch den Vortrag von Psalm 1, woraufhin der Vorsitzende der Jüd. Gemeinde, H. Goldstein, die Erschienenen begrüßte und die enge Verbindung des verstorbenen Max Warburg mit der Hamburger Jüdischen Gemeinde zum Ausdruck brachte. Nach dem Vortrag von Psalm 90 hielt Rabbiner Dr. Carlebach, Vertreter' der Jewish Relief Unit in Hamburg, die Gedächtnisrede. Er wies darauf hin, wie anders wohl diese Feier sich gestaltet hätte, wenn nicht Verbrecherhände die Jüdische Gemeinde, Deutschland und die Welt in Trümmern geschlagen hätten. So müsse ein Fremder dem fern dfer Heimat Verblichenen inmitten von Ruinen aller Art, den Nachruf halten. Max Warburg sei-das Symbol einer Zeit gewesen, in dem endlich dem jüdischen Bürger Freiheit und Gleichberechtigung zuteil geworden sei, und der, wie Tausende und Zehntausende seiner Generation seine ganze Liebe und Kraft seiner Vaterstadt, seinem Vaterlande und dem Fortschritt der ganzen Menschheit geschenkt habe. Dr. Carlebach ließ die Verdienste des Verstorbenen für die Wirtschaft, sowie für das Gesamtwohl Deutschlands und Hamburgs Revue passieren. Den Institutionen der Hamburger Jüdischen Gemeinde aller Art sei er Freund und Förderer, gewesen und habe schließlich sein großes Talent und seine Erfahrung in den Dienst der Rettung seiner jüdischen Brüder gestellt, als sie von Nazideutschland entrechtet, ausge-r .»plündert, vertrieben und schließlichmillionenfach hingemördet wurden. In ihm ist ein königlicher Kaufmann, ein großer Jude, Hamburger, Deutscher uryi Weltbürger dahingegangen. * . Das Gebet für die Seele des Verstorbenen, das QLENU- und KADDISCH-Gebet, sowie der Gesang der ADON OLAM Hymne beschlossen die eindrucksvolle Feier. Jüdische Privatklage gegen Kesselring Venedig. (ADN). Die Angehörigen von 80 Juden, die sich unter den Opfern des Blutbades in den. Ardeatine-Höhlen bei Rom befanden, haben eine Privatklage zur Unterstützung der Anklage gegen den ehemaligen Generalfeldmarschall Kesselring im Kriegsverbrecherprozeß von Venedig erhoben. (Telegraf, Berlin). Zonentagung der jüdischen Invaliden in Landsberg Am 18. Februar 1947, abends 19 Uhr wurde der erste Zonenkongreß der jüdischen Invaliden der* KZ-Lager in der amerikanischen Zone eröffnet. Ein 'erschütterndes Bild; mehr als 500 Menschen an Körper und Seele verstümmelt, mit Prothesen, ohne Arme, Beine, mit herausgeschlagenen Augen, herausgerissener Zunge, saßen sie dort, mehr ais 500 Delegierte jener großen Zahl, die 1,1 Prozent aller jüdischen Bewohner in Deutschland ausmacht. Der Vorsitzende, selbst,, ein Schwerinvalide, eröffnete. die Versammlung. Hierauf ergriff als erster Redner namens cter Bayerischen Staatsregierung Staatskommissar Dr. Philipp Auerbach das Wort. Der Staatskommissar legte die Bemühungen der Bayerischen Staatsregierung dar,. diesen Aermsten der Armen zu helfen und stellte mit Bedauern fest, daß auch das Ausländ noch nicht begriffen hat, was diese Märtyrer für eine Anerkennung und Behandlung verdient .haben. Man ist sich nicht darüber klar, welche Verpflichtung den jüdischen Menschen in Amerika und England obliegt, dafür zu sorgen, daß diese Menschen ihre Minderwertigkeitsgefühle verlieren, um wieder als vollgültige Mitglieder der menschlichen Gesellschaft einggrelht zu werden. Der Staatskommissar wies auf die Einrichtuhg der Rentenfürsorge auf Grund des Kontrojlratgesetzes Nr. 9, sowie auf die laufende Unterstützung aus den Sonderfonds der Staatsregierung, wie auch auf die Beschaffung von Prothesen, ärztlichem Material und vor allen »Dingen Eerufsstellen und Umschülungsmöglichkeiten hin. Die Versammlung nahm mit großer Begeisterung die Ausführungen validität in den D.P.-Lagern. Als, Vertreter des Joint sprach Dr. Lanzkron und gab ein erschütterndes Bild über die Jnvilidität in den D.P.-Lagern. Als Vertreter des Central Committee ergriff Dr. Pliskin das Wort, der .gerade aus Amerika zurückkam und leider das wenige Verständnis in Amerika für diese Kategorie Menschen hervorhob.” Der Staatskommissar wies noch einmal darauf hin, «laß uer Sensationsprozeß gegen die Aerzte die besten Juristen der Welt in Nürnberg beschäftigt und Millionen von Buchstaben für diese Verbrecher verdruckt werden, während für die Opfer dieser Experimente . reichlich wenig geschehen ist. Er schloß seine Ausführungen mit' dem Ruf ...Ihr habt ein Recht auf Wiedergutmachung und keinen Anspruch auf Almosen.” Dr. Auerbach, Staatskommissar. Berlin: Der Kontrollrat hat die Genehmigung dazu erteilt, daß die nach Deutschland verschleppten Ausländer, die in UNRRA-Lagem untergebracht sind, auf deutschen Universitäten und Hochschulen studieren können. Voraussetzung hierfür ist, daß sie die deutsche Sprache beherrschen. - Rüben: Bestimmt! Ich will, daß es so war! Es kann nicht anders sein! Dem Vater verdanke ich das alles — :— E v a: Das kann schon sein — Und wenn auch nicht den Bildern — am Ende einfach, daß D u so bist? Das ist doch auch von ihm geerbt, wie Du ihm ähnlich bist, und wie Du zeichnen kannst. Rüben: (vergrübelt). Immer möchte ich die Muttei malen — so deutlich ist sie mir, wie sie Freitag abend Vor dem schönen Tisch stand — Eva: Einmal Wirst Du ‘es können! Rüben: Ich habe so oft dabei gesessen, wenn Vater arbeitete. Weil ich ganz still war, hat er’s gelitten. Er hat gewußt, daß ich auf „jeden Pinselstrich acht gebe-Es war ein bischen wie Musik-stelle Dir vor! Ich habe immer einen Chor gehört, ganz leise — „Lobpreiset Gott —” oder so ähnlich. Nein, davon kann man nicht reden — Eva: Brauchst nicht-ich verstehe schon: Ehrfurcht war das, nicht? . . Rüben: (dankbar): Ja, weil solch eine Gnade vom lieben Gott ist! Da wjrd man froh-- Eva: Willst Du nicht doch noch einmal versuchen? Ob Du vielleicht jetzt die Mutter zeichnen kannst? Rüben: Jetzt möchte ich am liebsten Dich zeichnen, Eva: Aber denken tust Du ja doch an die Mutter? Rüben: Da wirst Du eben ein bischen davon abbekommen. Bist doch sicher eine gute Puppenmutter? Eva: (lächelt): Früher. Ich bin schon dreizehn.— Rüben: (vor sich hin): Ich habe immer gedacht, ein Kind, kann gar nicht so unglücklich sein! Ich bin doch noch nicht 15-und so viel Kummer — da reden die Leute immer von der Jugend — als wenn’s. nicht schwer wäre Eva: Wen könnte man danach fragen? Die Großen sagen immer: darüber brauchst t>u noch nicht nachzudenken. Unrecht ist das! Rüben: Aber ich muß denken! Es ist doch so vieles auf der Welt, was fragt. ' Eva: Es fragt? . Rüben: Spürst Du das nicht? Eva: (langsam) Manchmal habe ich Angst, etwas zu erfahren r— Rüben: (betrachtet sie mit leiser Ueberlegenheit) Angst —? Eva: Du nicht? Auch nicht, wenn’s dunkel wird?; Rüben: (Dreht ihren Kopf zum Licht hin, dringlich). Halte mir die Daumen, daß ich jetzt zaubern kann! Eva: Zaubern? Rüben: Ich nenne das so. Und jetzt denke ’was Gutes — Eva: Ich werde mir.die Prophetenköpfe vorstellen- Rüben: (heftet die Augen mit einer gierigen Konzentration auf Eva) (Eine Türe wird geöffnet. Der Junge zeieh- . net. Es herrscht Stille. Dann* fragt die Stimme der Mat-* ter) Nun, Kinder? Wollt Ihr jetzt zum Tee hinein kommen? Eva: Der Rüben muß zeichnen, Mutter! ■(Die Türe wird geschlossen). Rüben: (nach einer Weile, ohne den^Stift abzusetzen) Du -- das war lieb, daß Du gesagt Üast: ich muß zeichnen! Eva: Es ist doch die Wahrheit? ' 12

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