Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Volume
- 1 (1946-1947)
- Issue
- 24 (19.3.1947)
- Date
- 1947-03-19
- Page
- Seite 11 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Heimkehr österreichischer Juden . London. (DPD.-Reuter-DENA). Die österreichische Regierung hat sich entschlossen, eine Anzahl österreichischer Juden aus Palästina, die zurückkehren wollen, aufzunehmen. Dieser Entschluß wurde am Montag von dem britischen Unterstaatssekretär im Außenministerium, Christopher Mayhew, im britischen Unterhaus begrüßt, Er teilte mit, daß bereits 323 Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung mit Hilfe der UNRRA zürückgekehrt seien. Die britische Regierung ist bereit, mit dieser Organisation, soweit es. erforderlich sei, zusammenzuarbeiten. London. (DENA-Reuter). Außenminister Bevin gab im Parlament den Beschluß der britischen Regierung bekannt, nach welchem das Palästina-Problem der UNO übergeben wird. Als Ursachen dieses Beschlusses erklärte Bevin: 1. Die britische Regierung kam zu der Ueberzeugung, daß aufgrund des „Weißbuches” von 1939, das die jüdische Einwanderung nach Palästina stark begrenzt, keine Lösung zu erzielen sei, 2. England hat kein Recht, auf Grund der Mandatsbestimmungen eine Entscheidung zu erzwingen, 3. Die Mandatsverwaltung in Palästina hat sich praktisch als* unwirksam erwiesen. ' Weiterhin erklärte Bevin: Die britische Regierung bedauert, besonders angesichts der dauernden Schwierigkeiten für die britische Verwaltung in Palästina, daß die Lösung dieses Problemes sich - so lange hinausziehen wird. , In der Frage der Einwanderung bat Bevin das Parlament, sich zunächst an die Bestimmungen des „Weißbuches” zu halten ohne in Betracht zu ziehen, ob die Grundsätze dieses „Buches” richtig-oder falsch sind. Namens der Opposition warf Winston Churchill der Regierung vor, daß sie die Lösung der Palästinafrage dauernd hinausschieben würde, . und wahrscheinlich es noch ein Jahr dauern würde, bis eine Lösung gefunden wird; England wird also noch ein Jahr die schweren Finanzsorgen tragen müssen und das Militär weiterhin in Palästina belassen' müssen. Der jetzige Beschluß' — sagte Churchill — sollte schon vor einem Jahr gefaßt werden. Jn einer Antwort sagt Bevin; daß im Vergleich zu den seit 2000 Jahren andauernden Zwiespälten zwischen den Juden und Arabern, eine Verzögerung um ein Jahr unbedeutend ■ sei. Der politische Leiter der Jewish Agency Shertok erklärte vor der Presse, daß die Jewish Agency nichts gegen die Unterbreitung, des Palästina-Problems vor der UNO einzuwenden habe. * Wie aus Jerusalem bekanntgegeben wird,, wurden die Botschafter von Polen und der Tschechoslowakei seitens ihrer Regierungen aufgefordeut, verschiedene politische und statistische Unterlagen über Palästina einzusenden. Diese Unterlagen sollen den Vertretern dieser Staaten bei der Erörterung der Frage von der UNO zur Bekräftigung ihrer Stellung dienen. , Jerusalem. (Our Way). Im Hafen von Haifa Wurde ein britischer Fischer-Dampfer gesprengt. Die „Haganah” hat durch den GebSimsender „Die' Stimme Israels” die Verantwortung dafür auf sich genommen und erklärt, daß dies als Protest gegen die letzten Deportierungen anzusehen sei. Jerusalem. (DPD.-Reuter). Angehörige der jüdischen Untergrundbewegung Irgun Zvai Leumi sprengten im Zentrum Jerusalems ein britisches Offizierskasino in die Luft. Bei diesem Anschlag kamen insgesamt 20 Menschen ums Leben, darunter 18 britische Offiziere. Auch in Haifa und in anderen Orten Palästinas kam es zu gesteigerten Terrorakten. In der jüdischen Presse von Tel Aviv wurde am Samstag den Engländern der Krieg erklär^. Auf* Anordnung des Chefs des Empiregeneralstabes, Feldmarschall* Montgomery, wurde über fünf jüdische. Distrikte, darunter jüdische Bezirke in Jerusalem und Tel Aviv, das Standrecht verhängt. Die Upfuhe im Lande hat sich dadurch weiter verschärft. Bukarest. (Our Way). In Rumänien wurden bis jetzt 114 jüdische Gemeinden mit zirka 400 030 Mitgliedern gegründet. v In der letzten Zeit' wurden auch .viele neue Lehranstalten geöffnet, und zwar 30 Kinderhorte, 85 Volksschulen, 15" Mittelschulen, 50 orthodoxe Schulen und 6 Rabbinerseminare (Jeschiwot). In der letzten Zeit macht sich eine starke zionistische Bewegung und ein großer Drang zur Auswanderung nach Palästina bemerkbar. In der letzten Woche sind 150 Chaluciin und Waisenkinder nach Palästina abgcreiät. - Wiener Nazis leben in Wohnungen von Juden. New York. (DENA-INS). Ein Vertreter des Amerikanischen Jüdischen Komitees hat Oesterreich bereist und nach seiner Rückkehr erklärt, daß in; Wien ehemalige SS-Offiziere und andere Nationalsozialisten in Wohnungen lebten, die früher Juden gehörten. Die eigentlichen Eigentümer seien gezwungen, in DP-Lagern zu wohnen. In Oesterreich sei noch nichts getan worden, um den wenigen Juden, die den NS.- Terror überlebt hätten und nach Wien zurückgekehrt seien, ihr Eigentum zurückzuerstätten. Palästina-Krise bedroht den Weltfrieden" Washington.. (DENA-Reuter). Der frühere Staatssekretär im amerikanischen Außenministerium, Sumner Welles, erklärte in einer Rundfunksendung, daß die „ernste Krise” in Palästina eine zunehmende Bedrohung des Weltfriedens darstelle. Je eher Großbritannien sein Mandat über Palästina den Vereinten Nationen übergebe, um so rascher könne eine Lösung des Palästinaproblems gefunden werden. Eva: Der liebe Gott hat uns beschützt — Rüben: Und uns nicht? (Er läßt sich in den Stuhl fallen, wie überwältigt von seinen Gedanken). Eva: Mein Papa sagt, es gibt keine Gerechtigkeit — aber ich will das nicht glauben! Es macht mich zu traurig! Rüben: Und die Gerechtigkeit des Himmels? Gibt es die? Eva: (setzt sich zu ihm. Ihr klares- Gesicht spiegelt die angestrengte Denkarbeit wieder).. Wie sollen wir das wissen? Wir müssen eben hier Gutes tun. „Helfen!” sagt meine Mutter. Rüben: Und wenn's zu spät ist? Für meine Eltern ist es zu spät! (Er wiederholt leise) Sie sind tot. (Von neuem überfälltihn die Fassungslosigkeit). Tot — in einem Lager starben *sie. Weil sie als Juden geboren wurden —■ deshalb durften sie .nicht leben! Eva: (streicht scheu über seinen Joppenärmel). Du solltest * es einmal wieder gut haben — das möchten wir — — Rüben: (zuckt die Achseln). Aber allein bin ich! Das Ist ein schreckliches Wort: allein! Das habe ich frühergarnicht gewußt- Eva: (bittend): Nimm doch ein bißchen Liebe von uns an!« Rüben — — Rüben: Ich nehme ja schon alles an: Brot und Schuhe — und wie Ihr meine Strümpfe stopft- Eva: Nicht doch! Wenn Mutter Dich hörte? Das würde ihr weh tun! R üben: Du — ich muß immer daran denken, weshalb Deine Mutter grade mich ausgesucht hat, aus dem Heim! 16 " Jungen sind wir gewesen, und sie hat ganz still dagestanden, und hat uns alle angesehen, der Reihe, nach-- dann ist sie zu mir hingegangen und hat gefragt, wie ich heiße? Der Leiter hat für mich geantwortet, daß ich der Sohn bin von dem Maler Engel' — und da ist Deine Mutter mit mir hinaus gegangen, und hat zu mir geredet, draußen auf dem Stückchen Gartenweg. Alles ist voller Trümmer gewesen — und auf der Mauer waren schon ganz blaue Schatten’-ich habe immer mit dem Fuß gescharrt, im Kies, wie ein bockiges Pferd. Reden habe ich nicht können, und dann habe ich denken müssen, ob am Ende Deine Eltern gerade die Bilder von meinem Vater so besonders schön gefunden haben — weißt Du, er hat doch zuletzt noch einmal ausgestellt: daß große Bild hieß,: Propheten von heute — — da sitzen zwei Männer auf einer Bank, vor dem Altersheim, und die denken so vor sich hin — — Ach, wie soll ich das' beschreiben? Mutter hat'es so fein erklären können: die Alten haben solch ein langes Leben hinter sich — viel Leid —— und jetzt sind sie ganz still und fromm, und wissen, daß es zu Ende geht-das kann man alles in*, ihren Gesichtern lesen — Eva: Sicherlich hat das vielen güt gefallen — Rüben: Vielen? Deiner Mutter muß es aber eben auf gefallen sein! War sie in der Ausstellung? E v a: (unsicher, mit sich kämpfend). Ich kann mich nicht genau besinnen, siehst Du, Rüben! Rüben: Meinst Du nicht, daß Deine Mutter sich gedacht haben wird, gerade den Jungen -von diesem Engel will ich mir nehmen-ja, ganz sicher ist es so gewesen- Eva: Vielleicht! — — 11 —