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Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone · 1947-03-19 · 24 (19.3.1947) · p. Seite 8

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
Volume
1 (1946-1947)
Issue
24 (19.3.1947)
Date
1947-03-19
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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kämpfen für alles was jüdisch ist, aber wir wollen uns nicht abspeisen lassem Wir wollen alles was uns gehört, auch unser Hecht oder gar nichts! Werin ihr mit uns arbeiten wollt, dann bitten wir darum.” , Rosensaft schloß mit den Worten: „Kameradschaft heißt Zusammenarbeit.” Senatsdirektor D r.’L ö f f 1 e r, Hamburg, sprach über die Zusammenarbeit mit dem Zonenwohlfahrtsausschuß und bat den versammelten Rat, die Niederlegurig seines Amtes als Vertreter des Ausehusses mit Rücksicht auf seine Arbeitsüberlastung anzunehmen und einen Nachfolger zu bestimmen. T ln diesem Zusammenhang wurde der Beschluß gefaßt, daß der Rai der Jüdischen Gemeinden der britischen Zone damit einverstanden sei, künftighin auf ein Sechstel der Frei- Care-Pakete zugunsten der V. V. N. zu verzichten, wenn die übrigen Wonlfahrtsorganisationen der britischen Zone sich ebenfalls zu demselben Verzicht bereit erklärten. Auf diese Art und Weise wäre die V. V. N., die bisher nicht bedacht worden ist, mit demselben Anteil an den Frei-Paketen beteiligt, wie es alle übrigen Wohlfahrtsorganisationen der britischen Zone sind. Dr. Löfflerbat nun um Ernennung eines Vertreters des Rates für den in Hamborg zusammengetretenen Tuberkulose- Ausschuß. Der -Rat beschloß, D r .Herbe r.t L e v i n, Köln, zum Vertreter zu ernennen. Das Erholungsheim in Bad Harzburg war der nächste Punkt ' der Tagesordnung. Es wurde zunächst beschlossen, daß Katz der Vertreter des Zonenrates in dem Kuratorium, das das Erholungsheim leitet, sein soll, und es. wurde auf die Notwendigkeit eines öfteren Zusammentretens dieses Kuratoriums hingewiesen. - Norbert Wollheim gab einen ausführlichen Bericht über seine Reisen und Eindrücke in England, Belgien, Frankreich und Amerika. Wir bringen einen Auszug des Berichtes ■ an anderer Stelle dieser Ausgabe. Als letzter Punkt der Tagesordnung, die leider infolge der Kürze der Zeit nicht zu Ende geführt werden konnte, wurde von Katz über Organisationsfragen gesprochen. Er legte dar, daß eine Reorganisation, sowohl aller jüdischen Gemeinden als auch des Central-Committees nnd des . Rates der jüdischen Gemeinden mit Rücksicht auf die augenblickliche Situation und mit Rücksicht auf die Ereignisse, die zu erwarten sind, als sehr geboten scheint. ' Es sei, so führte Katz aus, von großer Wiohtigkeit, innerhalb der Gemeinden Satzungen festzulegen, nach denen die Gemeinden nach bestimmten Prinzipien* aufgezogen werden sollen. Es müßte nunmehr eindeutig festgelegt werden, wer Mitglied einer Jüdischen Gemeinde sein kann und wer passives Wahlrecht besitzt. Bezüglich des aktiven Wahlrechtes glaubt Katz, daß man einen Weg finden müsse, um Juden, die 1938 keiner Jüdischen Gemeinde angehörten und auch nicht aköv jüdisch tätig waren, wohl die Möglichkeit zu geben, Mitglied einer Gemeinde zu sein, daß sie aber für eine bestimrnte Zeit aus dem aktiven Wahlrecht ausgeschlossen sein müssen, um feststellen zu können, ob sie tatsächlich aus innerer Ueberzeugüng der jüdischen Gemeinschaft angehören. Rabbiner Dr. Carlebach sprach zu dieser Frage vom jüdisch-religiösen Standpunkt und Morde chai Breuer behandelte die Frage vom religiös-national-jüdischen Standpunkt aus. \ Zu dieser Frage ergriffen noch Moritz Göldschmidt, Köln, und Siegfried Heimberg, Dortmund, das Wort, die den Standpunkt vertraten, daß man in der augenblicklichen Situation in der Frage der Zulassung von Juden, die in Mischehen leben, zum passiven Wahlrecht nicht von dem Standpunkt ausgehen kann, wie es früher der Fall war. Goldstein, Hamburg, berichtete über die Entwicklung Seiner Hamburger Gemeinde und führte Beweise dafür an;v daß die Erfahrungen, die dort gemacht worden sind, alle Erwartungen übertroffen haben. Mit Rücksicht auf die verschneiten Straßen und den Frost mußte die Tagung abgebrochen werden, nachdem Norbert Wollheim nochmals das Schlußwort ergriffen und die Delegierten aufgefordert hatte, die Diskussion in dieser besonders wichtigen Frage für die nächste’ Sitzung vorzubereiten. . . .x. Zweiter Kongreß der befreiten Juden in der US- Zone in Bad Reichenhall Bad Reichenhall. (Eigenbericht). Ih Anwesenheit des Vertreters der US-Streitkräftein Deutschland, General Duff, von Rabbiner Phil. Bernstein, dem Ratgeber General McNarneys, Genefal Melbourne, General Walker, Staatskommissär Dr. Phil. Auerbach, Staatsminister Dr; Josef Baumgartner, Staatskommissar Kurt Epstein (Hessen), dgm Gouverneur Perham - Berchtesgaden und Vertretern der jüdischen Organisationen wurde am 25. Februar um 18 Uhr der zweite Kongreß der befreiten Juden in der amerikanischen Zone «eröffnet. Nach Absingen der jüdischen und amerikanischen Nationalhymnen und einem Gedenken für die Opfer des Naziregimes sprach Dr, Treger, der Abgeordnete des Zentralkomitees der befreiten Juden, üher.die schwierige Lage der 142 003 Juden, in Deutschland. „Wir sind keine Schnorrer, wir wollen nicht betteln, wir wollen arbeiten und etwas leisten. Wichtiges Problem ist die Ausbildung unserer Jugend, die zu einer höheren Kulturstufe erhoben werden muß. 'Als drittes Problem steht die Wiedergutmachung. Für 6 Millionen Tote kann man allerdings nicht entschädigen. Die Ueberlebenden müssen eine Garantie für ihre Zukunft haben. Den Forderungen des Pariser Weltkongresses schließen wir uns bei einem Friedens vertrag mit Deutschland an und zwar mit den Forderungen: 1. Wiedergutmachung für das jüdische -Volk zum Wiederaufbau eines geordneten Lebens. _ St Der Antisemitismus muß abgeschafft werden. 3. Deutschland muß jüdisches Eigentum für einen neuen Aufbau in Palästina zurückgeben.. 4. Jüdische Verschleppte dürfen nie unter deutsche Gerichtsbarkeit fallen nnd müssen internationalen Schutz genießen. 5. Möglichkeit einer freien Ansiedlung in Palästina.“ Leon Retter, Generalsekretär .des Zentralkomitees, sprach über die Situation der befreiten Juden in Deutschland. Mit der Frage: „Wie lange hält man uns noch in Lagern? und den Forderungen: „Helft uns das Land zu verlassen, das uns an den Tod erinnert! Helft uns unser zerstörtes Leben wieder aufzubauen! Helft uns in die Reihen der Vereinten Nationen einzutreten! Oeffnet uns die Tore Palästinas!“ schloß der Redner seine Ausführungen. Colonel George R. S c i t h e r s gab einen Bericht über die Beziehungen zwischen der amerikanischen Armee und den jüdischen DPs. Die Lösung des Beschäftigungsproblems sei vielleicht das dringendste und schwierigste. Dio zu überwindenden Hindernisse können nicht allein von der Armee oder von der UNRRA oder vom Zentralkomitee überwunden werden, sondern -nur in Zusammenarbeit aller Beteiligten. General Melbourne, Rabbifier Philipp Bernstein, Mr, Adler, Mr. Ä t kri n von her UNRRA begrüßten die Kongreßteilnehmer. Sie alle gaben der Hoffnung Ausdruck, daß dies der letzte Kongreß der befreiten Juden in Deutschland sein möge und «daß sie im nächsten Jahre ein neues Leben in Palästina aufbauen könnten. Staatskommissar Dr. Philipp Au e r b a c h überbrachte die Grüße des bayerischen Minsiterpräsidenten Dr. Hans E h a rd, der dem Kongreß unter anderem folgendes mit- 4 teilen ließ: Ebenso wie mein Vorgänger halte ich es als * selbstverständliche Ehrenpflicht des bayerischen Staates, das Unrecht, das den Juden zugefügt wurde, wieder gutzumachen, soweit das möglich ist. Tote können nicht wieder .zinn Leben erweckt werden. Wenigstens abejr muß man versuchen, das Unrecht zu sühnen und dazu wird der bayerische Staat stets bereit sein. ' Der bayerische Staatsminister des Innern hatte dtfreh Staatskommissar Dr. Philipp Auerbach dem Kongreß-eben-, falls seine Grüße übersandt. Der Staatskommissar richtete' sodann einige persönliche Worte an die Teilnehmer: Mit Stolz kann icht feststellen, daß die bayerische Staatsregierung alles unternimmt, um das an den Juden begaiigene Unrecht wieder gutzumachen. Staatskommissar Kurt E p st e i n überbrachte die Grüße - der hessischen Staatsregierung und forderte die Juden zum engsten Zusammenschluß auf. Man wundere sich immer noch bei einem Teil des deutschen Volkes über die Tatsache, daß es Hitler nicht gelungen sei, auch den Rest der Juden zu vernichten. Man müsse diesen Leuten sagen, „eher - werdet ihr zugrunde gehen, bevor wir Juden vernichtet werden.“ (Großer Beifall). — 8 —

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