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Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone · 1947-03-19 · 24 (19.3.1947) · p. Seite 3

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
Volume
1 (1946-1947)
Issue
24 (19.3.1947)
Date
1947-03-19
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Norbert Wo!Iheim berichtet über seine Reisen Norbert Wollheim gab dem Rat der Jüdischen Gemeinden der britischen Zone einen ausführlichen Bericht über seine Reisen nach England, Frankreich, Belgien und Amerika. Aus diesem Bericht greifen wir beute nur die besonders wissenswerten Punkte heraus, da wir die Absicht _ haben* über diese Reisen Norbert Wollheim in nächster Zeit selbst sprechen zu lassen. ,.Man kann“, so begann Norbert Wollheim, „diese Reise in drei Abschnitte einteilen: 1. Gemeinsame Fahrt mit Jossel Rosensaft nach London, um dort mit den verantwortlichen Staatsmännern Minister- Hynd und Col. Salomon eine Legalisierung \der jüdischen Arbeit zu erreichen. .' *2. Die Reise nach Amerika, die den Zweck haben sollte, alle unsere Probleme zur Sprache zu bringen und sie, soweit es möglich ist, zu lösen. - 3. Aufenthalt in London nach der Rückkehr von Amerika, Erneute Besprechungen' mit; den maßgebenden englischen Persönlichkeiten.“ Nach dem ersten Londoner Besuch fuhr Wollheim nach Paris,-um dort als Vertreter'Deutschlands dem Weltkongreß beizuwohnen. Unser Vertreter wurde bei diesem Kongreß besonders dadurch geehrt, daß man ihm zeitweise den Vorsitz übertrug. Die Eindrücke, die Wollheim in Paris gesammelt hat, waren außerordentlich gut. Er und Jossel Rosensaft warteten dann in Paris ihre Visen für die Vereinigten Staaten ab, jedoch war besonders Wollheim unangenehm überrascht, als er im letzten Augenblick dieses Visum nur für sich, erhielt. Er schilderte anschaulich, wie schwer es ihm gefallen sei, sich zu entschließen; diese verantwortungsvolle Reise nach Amerika allein anzutreten, eine Reise, die ihn. vor Verhandlungen vund Entscheidungen .stellen würde, die er für die 23 000 Juden der britischen Zone zu führen bzw. zu , fällen haben würde. Die Delegation der Juden in Deutschland setzte sich aus drei Vertretern der amerikanischen Zone und Norbert, Wollheim zusammen. Sie hatte sich die Aufgabe gestellt, die Probleme der jüdischen Menschen zu behandeln und vor allen Dingen Verständnis zu suchen und zu finden‘für die Juden, die sich heute in Deutschland befinden. , Am 7. Dezember 1946 flog die Delegation von Paris ab und landete nach achtzehnstündigem' Flug jn New York. Norbert Wollheim verstand es sehr gut, durch ein Beispiel die Mentalitätsunterschiede zu schildern, nämlich dadurch, daß , er sagte: * „Während ich voller Bewunderung über die Wolkenkratzer, einen besonders hohen Wolkenkratzer betrachtete , und gewissermaßen ergriffen war von dieser vollendeten technischen Leistung, ist für den Amerikaner daran wesentlich, daß dieser Wolkenkratzer 150 000 000 Dollar gekostet hat.“ v „Die erste Krise“, so sagte er, „überstand ich dadurch, daß ich gute alte Freunde fand, die rechtzeitig nach Amerika, ausgewandert waren und die mir auch die notwendigen Erklärungen gaben, die ich zu meinen Verhandlungen benötigte.“ Bei den dann begonnenen Verhandlungen, die von der Delegation, der für die amerikanische Zone Piesskin, Leo Retter und Schlomowitz angehörten, geführt wurden, war es sehr schwierig, für Wollheim als Vertreter der britischen Zone, ‘ sich durchzusetzen, da die Fragen der Norbert Wollheim (stehend rechts) bei einem Bankett mit Henry Morgenthau juniör (zweiter von links). amerikanischen Zone immer mehr in den-Vordergrund geschoben wurden, ■ Bei allen Verhandlungen war es bemerkenswert, wie unberührt das amerikanische Leben vom Krieg war, wie sehr wenig man dort weiß, was hier, in Deutschland, erlebt wird. Man stößt auf Unverständnis — Uninteressiertheit. Das amerikanische Leben ist ein intensives, das amerikanische Volk, ein Volk der Lebensgenüsse, es will sich am Leben freuen, — wünscht Komfort des Lebens. Und selbst der kleine Mann hat diese Lebensauffassung. „Die Frage der heimatlosen Menschen in Deutschland und Europa steht nicht im Mittelpunkt. Auch das jüdische Leben in Deutschland ist keine Sensation mehr für das jüdische Leben in Amerika.“ . V Bedauernd fügte Wollheim hinzu: ■ „Der, dem es besonders gut geht, will nicht gestört werden.'Amerika war für mich'eine Enttäuschung, weil ich geglaubt habe,' daß die politische Kraft eine besonders große sei. Die Menschen in Los Angeles z. B., was wissen die von Deutschland, sie leben in ihrem Reichtum, , sie haben alles, was sie braueben. Die Geschäfte sind überfüllt. Die deutschen Emigranten haben zum Teil Fuß gefaßt, andere haben schwere wirtschaftliche Kämpfe zu führen; sie sind ziemlieh isoliert. In der Frage einer weiteren Emgiration nach Amerika ist man unsicher, weil die" republikanische Partei immer größere Erfolge erzielt und diese grundsätzlich die' Emigration abschnüren will. Während bei sehr Vielen das Interesse an allem Jüdischen - verlorengegangen ist, weil sie schon lange Zeit in Amerika sind, gibt es noch einige Gruppen, die alles erdenklich Mögliche tun. Henry Morgenthau jun., das ist einer der führenden Persönlichkeiten, der mit all seiner Kraft alles daransetzt, um seine Hilfsorganisation aufrecht zu erhalten und um zur weiteren Hilfe anzuspornen. In unermüdlicher Arbeit ist er; und seine Organisation erfolgreich. Der Ü nited Jewish Appeal, -der von ihm geführt wird, leistethervorragende Arbeit.“ „Ich habe“, so fuhr Wollheim fort, „in sechs Tagen in acht Veranstaltungen gesprochen. Die materiellen Erfolge, die dadurch für die Hilfsorganisationen erzielt wurden, waren gut. Man hat aber das Gefühl, als würden die meisten der Zuhörer der Ansicht sein, daß mit der Hergabe von Geldnoten oder Schecks alles getan sei, was getan werden kann. — Gerade in dieser Zeit wurde bekanntgegeben, daß für die Ansiedlung in Palästina 88 Millionen Dollar zur Verfügung' gestellt worden seien. Neben dem United Jewish Appeal hat das American

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