Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Volume
- 1 (1946-1947)
- Issue
- 23 (5.3.1947)
- Date
- 1947-03-05
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
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PRESSESTIMMEN: v Zur Zeitgeschichte Der Oberbürgermeister von Frankfurt am Main, Walter Kolb, hat in seiner Nep j ahrsbotschaft alle Angehörigen der . einst so großen jüdischen Gemeinde seiner Stadt zur Rückkehr auf gef ordert. Allen denen, die dem Terror des „Dritten Reiches” entgangen sind und nun aus dem Exil ihre Heimatstadt wieder aufsuchen würden, solle die notwendige Hilfe beim Aufbau einer neuen Existenz gewährt werden. Aehhliche Worte vernimmt man jetzt öfters, und man hat dabei das Gefühl, daß sich die Sprecher der platonischen Färbung des Gesagten vermutlich bewußt sind. Die .„Frank-* furter Rundschau”' veröffentlichte am 11. Januar zwei Briefe von Juden, aus denen wir hier einige Stellen zitierenr . „Wenn Sie, Herr Oberbürgermeister, die yn Auslände lebenden jüdischen Mitbürger zur Rückkehr auffordern, so ' kann ich mir nicht vorstellen, daß Sie über deren Lebensbedingungen in Frankfurt orientiert sind. Wie wollen Sie helfen, wenn die zur Zeit in Frankfurt lebenden wenigen jüdischen Mitbürger eine Wohlfahrtsunterstützung von 70,50 Mark mdnatlich für ihren gesamten Lebensunterhalt beziehen und sonst nichts? Mir ist bisher weder Ersatz geleistet noch die Möglichkeit einer Existenzgründung gegeben worden. Es sind nicht nur die materiellen Existenzbedingungen, die mich zu dieser Ansicht kommen lassen, sondern -darüber hinaus und in erster Linie die völlige Verständnislosigkeit unserer christlichen Mitbürger, deren Gesinnung in keiner Weise dem entspricht, was man als Wiedergutr machung'erwarten müßte.". Und der andere Brief: „Ihre ''Absichten gehen über Ihre Möglichkeiten weit hinaus. Das deutsche Volk ist in seiner Mehrheit noch antijüdisch, und . selbst die neu eingesetzten- Beamten . haben Hemmungen, ’ den Juden zu helfen. Was sollen die Juden hier? Wenn sie; ihr Geschäft wieder aufmachen wollen, haben sie keinen Laden, keine Baustoffe und keine, Schmiermittel, , um sich beides einzutauschen.’’ 'Der-Schreiber dieses Briefes fugt zwei Beispiele völlig aussichtsloser Versuche bei, sich ein Textilgeschäft einzurichten, und schließt mit den Worten: „Die Frau wird aus wandern und verkünden: das .andere Deutschland’ redet nur, handeln, und helfen* das kann es nicht.” Ob man ganz nilgemein von der „völligen Ver-' ständniSlosigkeit der christlichen Mitbürger” sprechen kann, ist schwer zu sagen — aber eines erscheint uns besonders gefährlich: die unverzeihliche Säumnis in der Hilfe für die wenigen übriggebliebenen Juden ruft bei 'diesen eine berechtigte Erbitterung hervor, deren Aeußerung wiederum einer antisemitischen Stimmung ^zustattenkommt. Es Wäre an der Zeit, daß Sich die Parteiführer, wie immer sie heißen mögen, ihre Köpfe'einmal im Kainpfe gegen, den Antisemitismus und für das einfache Menschenrecht der Juden heißredeten, statt einzig im Kampfe gegen die zu erwartenden Friedensbedingungen. Daran aber scheinen sie überhaupt noch nicht gedacht zu haben. (Tagesspiegel, Berlin).» Pauline Nardi: . Erzbischof gegen'Gewaltakte London. (Reuter). Der Erzbischof von York, D. Cyrill Garbett, wendet sich in seinem amtlichen Organ gegen das „verräterische und grausame Vorgehen”'der jüdischen Terroristen gegen britische Soldaten, Beamte und Richter in Palästina. Allgemeine Entrüstung herrsche über die von der jüdischen Propaganda in der ganzen Welt gegen England verbreiteten Verleumdüngen'. Die Empörung richte sich auch gegen den „hemmungslosen und unbe-„ dachten Beistand-, den die Terroristen von den Juden in Amerika und^ anderswo erhalten”. Es wachse die Ueberzeugung, daß* die Jewish Agency nicht in der Lage sein würde, in einem jüdischen Staat- Ordnung ürtd Recht zuwahren, wenn sie sich schon bei der Unterdrückung des' Terrors als machtlos erweise. England müsse ohne Rücksicht auf Drohungen und Gewalttaten eine Entscheidung durchsetzen. Garbett erklärt weiter, wer wie er den Antisemitismus als Sünde betrachte, sei schwer enttäuscht über die Versäumnisse der Juden. ’ Das Vorgehen der jüdischen Terroristen in Palästina wurde von den Juden aller Länder verurteilt. Es' ist tief bedauerlich, daß der Erzbischof von York das nicht zur Kenntnis genommen hat. und erschreckend,'daß er sich darüber hinaus zu Ausführungen hinreißen läßt, die sich nicht mit seinem hohen geistlichen Amt vertragen. Denn diesen Worten, die er in die Welt hinausschickt, wohnt nicht die Kraft der Bekehrung inne, sondern aus ihnen tönt die Stimme der Unduldsamkeit, der unversönlichen Einstellung, der niemals der Segen friedlichen Ausgleichs beschieden sein kann. So sehr wir den Schmerz über die Untaten einiger Fanatisierter nicht nur verstehen, sondern teilen, so unbegreiflich ist es uris, daß man —gleich den ärgsten Feinden der Juden—■ die Gesamtheit anklagt. Noch gibt es keine Regierung in Palästina, die ernsthaft dürchgreifen könnte, denn noch existiert der palästinensische Staat nicht. Und warum spricht man von einer „allgemeinen Entrüstung” über die jüdische Propaganda, die ja nur aufzeigt, daß England in Erkenntnis der notwendigen Beendigung der Diaspora 'den Juden das von Gott verheißene Land als berechtigte Heimat zuerkannt hat. Hinter diesem Versprechen stehen die sechs Millionen Opfer des Hitlerregimes, deren Hinterbliebene .Palästina bevölkern. Denn es gibt in Palästina kaum einen J uden, der nicht Vater, Mutter, Brüder, Schwester oder seinen nächsten Freund zu beweinen hat, sie, die alle in den mit Schneepflügen zusammengefegten Leichenbergen Europas modern. Das jüdische Gesetz lehnt die Gewalt ab. Friedlich, als aufrichtige, begeisterte Sozialisten, sind die Juden nach Palästina gekommen, ohne Schwert, waffenlos. Wüste, die sie »für Wucherpreise erstehen mußten, haben sie durch ihre Arbeit in fruchtbares Land verwandelt, rücksichtslos nur gegen sich selbst. Tausende starben an Typhus oder Malaria, ehe sie die Frucht ihrer Arbeit ernten konnten, ehe die blühenden Kolonien entstanden. Wenn man die Terroristen als Verräter bezeichnet, dann hat man die Pflicht, darauf hinzuweisen, daß dieser Verrat sich weder gegen England noch gegen ein anderes Volk der Welt richtet,' sondern einzig und allein gegen das eigene Volk, das keinen Haß kennt und dessen Gesetze ihn ablehnen. Die Juden haben es bewiesen, daß sie an Gottes Wort gebunden, aucff ihren ärgsten Peinigern verzeihen. Der englische Jude Gollancz ist nur einer von ihnen, der auf zeigt, wie man mit seinen Feinden Frieden macht, ohhe Haß, ohne Gewalt, indem man verzeiht-und für die Schuldbeladenen um Hilfe bittet. Das ist jüdischer Geist, der die Gesamtheit der Juden erfüllt, nicht der gewalttätige Eifer der, Terroristen, deren Blindheit nur auf sie selbst zurückfällt und’für die sie die Verantwortung, tragen, nicht aber das jüdische Volk. Und dieses Volk, das seit zweitausend Jahren für den ewigen Frieden eintritt, beklagt es, ohne .„entrüstet” zu sein — denn' Irren' ist menschlich —, daß ein Geistlicher, ein Künder des Friedens auf Erden, im Zusammenhang mit einigen Irrenden von einer „Enttäuschung” spricht und es dabei für notwendig hält, noch zu erwähnen, daß er den .Antisemitismus für eine Sünde hält”, was man als so selbstverständlich bei ihm voraussetzt,■ daß der ausdrückliche Hinweis mehr als befremdend. wirkt. „(Der Weg”, Berlin). Stimmen unserer Leser: M. Magenheim, Düsseldorf: Mehr Verständnis! Es ist bisher versäumt worden,vin erforderlichem Maße davon zu sprechen, welchen Anteil wir, Juden an der Bekämpfung des Nationalsozialismus gehabt haben. Die Welt hat vergessen, daß wir den Kampf gegen Hitler begonnen haben zu einer "Zeit, als noch viele Staatsmänner cier Alliier- Immobilien / Hypotheken / Finanzierungen / Vermietungen Verwaltungen Düsseldorf, Graf- AdoIf-Str.49-53(Sartoriushaus) Rui: 14277 (nacn 18 U r: 5H)?5) * MERKUR-DROGERIE UND FARBENHAÜS Th.Keuten- Düsseldorf STAND ARD-GROSS.TANKSTELLE Düsseldorf, Garte-str. 137, Ruf: 18471 Filiale: UnterratherStr.il, Ruf: 24860