Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Volume
- 1 (1946-1947)
- Issue
- 23 (5.3.1947)
- Date
- 1947-03-05
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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der letzten Jahre gibt,“ so ist es der, der gottlosen Zerstörung zuzustimmen und ein ganzes, Volk* mit dein wir irgendwie leben müssen, in Haß und Verzweiflung zu stürzen/’ Wir haben Victor Gollancz, den Juden, sprechen lassen. Es bleibt abzuwarten, Wie das deutsche Volk Victor Gollancz verstanden hat oder versteht. Die Ereignisse der letzten Wochen bieten keinerlei Beweis dafür, daß man gewillt ist, den Menschenfreund Victor Gollancz zu verstehen und ihm und seinen Freunden zu beweisen, daß das deutsche Volk es wert ist, daß solche Menschen sich für es verwenden. Wir würden uns nicht wundem, wenn Stimmen laut würden, die da sagen: Ja, das ist ein Jude, während wir ja genügend Beweise dafür haben, daß im umgekehrten Falle nur zu. gern verallgemeinert wird. , K. Marx. ' / „340 Ausländer“ - J: " Wir lesen in den „Westfälischen Nachrichten” vom 22. Februar 1947: - An der letzten Sitzung der Amts Vertretung Verl nahm auch Cpt. B u r t o n, Kreiskommandant in Wiedenbrück, teil.' Als erster Punkt der Tagesordnung stand die Besprechung der durch die Einquartierung der Ausländer in Kaunitz geschaffenen Lage. Das Dorf Kaunitz ist immer noch mit 340 Ausländern ‘ belegt, für deren Unterbringung z. Z. noch 240 Wohnräume mit 3161 Quadratmeter beansprucht werden. Amtsvertreter Laustroer berichtete aus eigener Kenntnis der Lage über die Zustände in Kaunitz und schilderte, wie viele Familien aus ihren Wohnungen entfernt wurden und teilweise mit' Säuglingen und Greisen in Kellerräümen oder Stallungen hausen. Selbst der Schulunterricht sei durch die teilweise Belegung und sonstige Inanspruchnahme der Sehulräume stark beeinträchtigt. Es Solle an die Militärregierung herangetreten werden mit der Frage, ob nicht eine anderweitige lagermäßige Unterbringung der Ausländerinnen und Ansländer erfolgen könne. Es wurde eine Kommission gebildet, die eine Besichtigung in .Kaunitz vornehmen und dann bei der Miltärregierung vorstellig werden soll. Cpt. Burton sagte ebenfalls zu, daß er sich von den Zuständen in Kaunitz selbst unterrichten werde. * Soweit die „Westfälischen Nachrichten’’. — Bei den 340 „Ausländern” handelt es sich um Juden, die — das weiß wohl jeder — genauso wie die vielen, vielen Tausenden gezwungen sind, in dem Land, in das sie '■ verschleppt worden sind, Zwangsaufenthalt zu nehmen Und schön seit langem darauf werten, auswandern zu können. Es handelt sich um Menschen, die 12 Jahre lang in viel unglaublicheren Verhältnissen zu leben gezwungen waren. Fritz Silberfeld: Der Heimatlose Fremde Berge leuchten; In des kalten Mondes Schein. Aus dem Tal, dem feuchten, . Fiemder Vogel ruft allein. \ Fremde Wälder rauschen. — Einsam bin ich, menschenfem. Fühle mich beim Lauschen, Wie auf einem fremden Stern. Nur die Quellen springen ' , . - Wie im heimatlichen Tann./ Hör’ in ihrem Singen .;! Eine bange Frage: Wann? Wann legst du dich nieder, Ruhest endlich unterm Moos? Deine Heimat wieder * Findest du in unsrem Schoß. , } tMMimimuHimutmmiiiuuitmitminMtimmmumimmimmummHiMmimiiMmttimtmim'nmmmtmttfimututfftn Vortrag des Rabbiners Dr. A. Carlebach (J. R. U.) in Düsseldorf ■ Dr. Carlebach wird am 18. März um 16 Uhr im Plenarsaal des Oberlandesgerichts einen Vortrag über aktuelle jüdische Fragen halten. Alle Gemeindemitglieder sind herzlichst eingeladen. Rabbiner Eschetbacher, Cambridge; Wilhelm Levison s. A. Am. 17. Januar ist in Burham Professor Wilhelm Levison sanft entschlafen. Er war im Jahre 1876 in Düsseldorf geboren, ein Sohn der Weitverzweigten rheinischen Familie Levison, deren Stamm aus Siegburg kam und die im Leben der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf in dem letzten halben Jahrhundert ihres Bestehens eine große und rühmliche Rolle gespielt hat. Ursprünglich klassischer Philologe wandte er sich früh geschichtlichen Studien, im Besonderen der wissenschaftlichen Bearbeitung von lateinischen Quellen der Geschichte des Mittelalters zu. Er arbeitete in vorderster Reihe mit an dem großen Werke der Monumenta Germaniae Historica. Seine Forschungen fand en die höchste Anerkennung. Er wurde Ordinarius für mittelalterliche Geschichte an der Universität Bonn. In den zwanziger Jahren erhielt er einen Ruf als ordentlicher Professor der Geschichte an die Universität Berlin, eine ungewöhnliche Anerkennung seiner Lebensarbeit, aber er lehnte ihn ab. Noch im Jahre 1939 hat ihn der Historische Verein für den Nier derrhein zusammen mit Kardinal Frings zum Ehrenmitglied ernannt^ eine Ehrung für den nunmehr Heimgegangenen, die diesem mutigen Verein selber die höchste Ehre macht. Auch er hat Deutschland verlassen müssen, aber das Schicksal des Refugees ist ihm erspart gebljeben. Nach dem Pogrom hat die Universität Durham ihn, die große Autorität für früh-englische Geschichte, zu ihrem Mitglied gemacht, . und in Durham hat er in den jüngsten acht Jahren seinen Studien gelebt. Sein letztes Buch, vor wenigen Monaten erschienen, ist ein umfangreiches Werk über die Beziehungen zwischen England und dem Kontinent im 8. Jahrhundert, die reife Frucht eines langen, strenger Forschung gewidmeten Lebens, mit einer rührend schönen Widmung an seine Frau, Elsa, die Tochter des. vor neun Jahren dähingegangenen Sanitätsrats Dr. Joseph Freundlich in Düsseldorf. Die Liebe und Treue seiner Schüler ist ihm nach seinem Weggang von Deutschland unvermindert erhalten geblieben. Als er im vergangenen Mai seinen siebzigsten Geburtstag feierte, haben sie und seine Kollegen an der Universität Bonn ihni ihre Dankbarkeit und Verehrung in einer Form ausgesprochen, die ihm innig wohl getan und ihm die letzten, durch ein Herzleiden getrübten Monate seines Lebens leichter gemacht hat. England hat ihm eine Heimat geboten und er und seine Frau waren dankbar dafür, sie haben ihr Haus in Durham zu einer Zuflucht und einem Stück Heimat für viele Schicksalsgenossen gemacht. Cer große Forscher ist auch in der jüdischen Arbeit gestanden. Er war Mitherausgeber der Zeitschrift für die Geschichte der Jüden in Deutschland, und seine letzte Arbeit galt der Geschichte seiner eigenen Familie, der weitverzweigten, nun über alle Länder verstreuten Familie Levison, mit deren Andenken das v seine untrennbar verbunden sein wird. Ein großer Historiker, ein gütiger Mensch, eine Zierde des deutschen Judentums ist mit Wilhelm Levison dahingegangen. Sein . Andenken wird mit Liebe gepflegt werden, solange noch eiher lebt, der ihn kannte. -