Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
- Volume
- 1 (1946-1947)
- Issue
- 23 (5.3.1947)
- Date
- 1947-03-05
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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Wiedergutmachung - eine moralische Pflicht fewish Relief Unit, -die repräsentative englisch-jüdische Organisation, die mit einem Stab von etwa-*00 Menin Deutschland ist, ‘veranstaltete einen Vortrag ^ggj$*$inem Kreis von Juristen im- Plenarsaal des Düsseldorf 'Jfi^'CJberlandesgerichts. Der Rechtsberater der Jewish Relief Unit, Dr. George Weis, London, behandelte die Wiedergutmachung als Rechtsproblem, ein Thema, das in den Erörterungen des Tages wie. auch der nahen und weiteren Zukunft eine entscheidende Rolle zu spielen bestimmt ist. B£./Weis betonte die Notwendigkeit, zu dem Problem sachlich— unvoreingenommen, „sine ira et Studio”, Stellung zu nehmen, und' legte Wert auf die Feststellung, daß, obwohl er, als Jude spreche und als Vertreter einer jüdischen Organisation, die Frage der Wiedergutmachung als eine Angelegenheit nicht allein der Juden ansehe, sondern als eine Sache aller rassisch, religiös und politisch Verfolgten. ide Rechtsgrundlagen Der *erste Teil seiner Ausführungen behandelte rein-juristi-' sehe Terminologie. Dabei Wurde klar unterschieden zwischen einer Rückerstattung, die in die privatrechtliche Spnäre fällt, und einer Wiedergutmachung aus allgemein-öffentlichen Mitteln. Rechtshistorische Grundlagert und Analogien-dienten zur Illustrierung des aktuellen Wiedergutmachungsproblems. Es wurden Beispiele aus dem römischen Recht angeführt. Auf Vorgänge aus der Geschichte der Vereinigten Staaten des 19. Jahrhunderts wurde hingewiesen, und auf Ereignisse im modernen England, und so 'wurde eine juristisch an sich trockene Materie lebhaft an einer Reihe von interessanten Beispielen .illustriert. dem Deutschen Reich anfallen dem herrschenden Recht .müßten. - - Verfahren, Man rechnet damit, daß in der britischen Zone etwa 60 000 .Menschen anspruchsbereqhtigt sind. Das Verfahren zur Prüfung dieser Ansprüche und zur Durchführung des George Weis 1 Aussonderungsmethoden. Der zweite Teil des Vortrages beschrieb, im Einzelnen die verschiedenen Methoden . der Aussonderung von Rechtshandlungen, die imgültig erklärt werden müssen, um Wiedergutmachung zu erzielen, so z. B. die Beschlagnahme, die diskriminierende. Besteuerung, Einsetzung von Kommissaren in Betrieben,. Zwangsverkäufe, der sog. Eigentumsübertragung unter dem Schein des Rechtes. Dr. Weis Awies dann auf die besondere Situation irt den Fällen hin, in denen Güter dadurch erblos geworden sind, daß durch Aussterben. ganzer jüdischer Familien Erben nicht vorhanden sind -und wo man vor die Notwendigkeit einer besonders gearteten Regelung gestellt ist. In diesem Zusammenhang ist an -die Bildung eines {Sonderfonds gedacht, der zq Zwecken jüdischer Rehabilitierung geschaffen werden soll, vor allem mit dem Hinblick auf die Errichtung von. Existenzen ausgewanderter Juden, weil andernfalls solche Erbmassen nach Rechtsweges wird, so führte Dr. Weis aus,* eine besonders sorgfältige Verwaltung notwendig machen. Es ist noch nicht 'entschieden, wie die Behörden, die die Wiedergutmachungsansprüche prüfen, gebildet sein werden, ob das Verfahren vor Gerichten oder Verwaltungsbehörden stattfindet und in wessen Händen die letzte Entscheidung liegt. Schwebende Verhandlungen. Der" gegenwärtige Stand der Wiedergutmachungsverhandlungen sieht etwa so aus: den Außenministerien der allierten Nationen, die den Friedensvertrag mit Deutschland vorbereiten, liegen Entwürfe vor, um die Wiedergutmachung international-rechtlich festzulegen. Die purchführung der allgemeinen Klauseln obliegt dem Kontrollrat in Berlin, der das Problem der Rückerstattung bereits in Angriff-genommen hat,4 während die Frage . der Wiedergutmachung einer späteren Erörterung Vorbehalten' wird. In der amerikani- Al^ice Stein-Landes mann: Michael macht eine Entdeckung Das Kind hatte es verlernt, mit Gleichaltrigen zü spielen: .drei volle Jahre war es gezwungen gewesen, das furchtbare Dasein der Verborgenheit zu führen. Die Eltern hatte man nach Polen verschleppt, — Michael selber war durch eine gutherzige Frau im Nebenhaus in-letzter Minute vor dem gleichen Schicksal bewahrt worden. : - ' Seine Erinnerungen waren bedrückend lebendig: er entsanii sich genau der Freitag-Abende im elterlichen Hause tfr s sah das feierliche Antlitz des Vaters vor sich, das liebevoll lächelnde der Mutter — Sonderbarerweise hatte' er noch nie versucht, diese! immer blasser werdenden Gesichter aufzuzeichnen! In all den vielen Tagen war das Malen sein einziger Trost und Zeitvertreib gewesen — aber niemals... hatte er den Mut aufgebracht, diese beiden geliebten Köpfe auf dem Papier festzuhalten. Stundenlang stand er oft am Fenster — zum- Glück Wohnten sie im vierten Stock, und man hatte keine Nachbarn zu fürchten, die ihn beobachten konnten. Andererseits war' es eine qualvolle Nervenprobe, als die Alarpie sich häuften, und Mutter Tor-, Schmidt, um keinen Verdacht zu erregen, das Kind oben allein lassen mußte, um in den Luftschutzkeller zu gehen.. Diese grausame Abgeschlossenheit von der Welt. hatte dem sensitiven Jungen die Neigung zur Grübelei und Verinnerlichung hoch gesteigert.. Er betrachtetedie wechselnden .Wolkenbilder, und Buntheit und Bewegung des großen Hofes, der sich yon oben wie eine Puppenbühne ausnahm. Er kannte jeden Zweig, der beiden hohen Päppeln d— er kanhte sie, -wenn der Wind die Blätter rauschen machte, und ebenso genau,stand das kahle Geäst ihm vor Augen, wenn der-Winter kam. Aber niemals wagte er, dieses alles zu zeichnen.. Immer waren es bunte Ornamente, Märchenfiguren, fantastische Blumen-Warmes die Scheu vor der Wirklichkeit,' die ihn hemmte? Nur seinen Augen erlaubte er, den vielfachen Gebilden nachzugehen und sie wie in einem Schatzkästchen zu bewähren.-- xEr wurde nicht müde, Eindrücke dieser Art in sich aufzuspeichern.. Mit immer wachem Interesse verfolgte er die Bewegungen der beiden Kaninchen-, <,die in Frau Torschmidts Küche ein sehr beengtes Leben führten. Das Silbergraüe, Mucki, war für den einsamen Jungen der einzige Spielkamerad. Emma Torschmidts mütterliches Herz hatte dem Kind zuliebe darauf verzichtet, das Tier zu töten, obwohl man ein solches Mittagbrot sehr gut hätte brauchen können. Aber Michas Entsetzen bei der ersten- Andeutung eines derartigen SonntagsbratertS genügte, um die gutmütige Frau zum Verzicht zu bewegen. Im Winter 1945 — für das Kind völlig unerwartet wurde die Geborgenheit seines Lebens plötzlich erschüttert: eine ihm unbekannte Verwandte war auf getaucht. Briefe gingen hin und her, . Behörden vermittelten. Dann, erfuhr Michael, daß er zu dieser fremden Tante kommen sollte. — Er versuchte, dieses Ereignis zu _ durchdenken? ja das. hieß also, daß seine Eltern niemals zurückkehren würden'—.— '—! Erst jetzt begann das Kind diesen -Verlust _ bewußt zu erfassen. Seine Jugend hatte ihm bisher trotz aller §chrecklichen^ Erlebnisse eine optimistische Betrachtungsweise gegönnt:* er hatte bisher nicht auf hören wollen, zu hoffen! Umso schwerer war es nun, den Tatsachen zu begegnen: Vater und Mutter nie Wiedersehen? Fort von Mütter Torschmidt?