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Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone · 1947-02-21 · 22 (21.2.1947) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
Volume
1 (1946-1947)
Issue
22 (21.2.1947)
Date
1947-02-21
Page
[Seite] (sequence 14)
Language
German
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Sterbebescheinigungen Hamburg. DPD. Zur Ergänzung des Verschollenheitsgesetzes ist mit dem 16. Dezember 1946 für die britische Zone eine neue Verordnung in Kraft getreten. Sie bringt eine Erleichterung für die Todeserklärung von Personen, die vor dem 8. Mai 1945 aus politischen, rassischen oder religiösen Gründen verhaftet, verschleppt oder in ein Konzentrationslager gebracht worden sind. Für diese Fällelauft die Frist von einem Jahr $b 8. Mai 1945. Falls kein anderer Zeitpunkt feststellbar ist, ist dieser Tag auch als Todestag zu bestimmen. Zur öffentlichen Bekanntmachung, der Todeserklärung genügt die Anheftung des Gerichtsbeschlusses an die Gerichtstafel. In allen Fällen, in welchen das nach dem Verschollenheitsgesetz sonst zuständige Gericht nicht erreichbar oder in Tätigkeit ist, wird jedes Amtsgericht der britischen Zone für zuständig erklärt, in dessen Bezirk der erste Antragsteller seinen Wohnsitz oder Aufenthalt hat. Dies iat von besonderer Bedeutung für alle verschollenen Personen, die ihren letzten Wohnsitz im Inlande, außerhalb der heutigen Besatzungszonen hatten. Verschollene frühere deutsche Staatsangehörige, die ‘ jetzt staatenlos sind, können bei Vorliegen eines berechtigten Interesses durch deutsche Gerichte für tot erklärt werden. Hierbei ist vor allem an die Personen gedacht, die nach 1933 ihrer deutschen Staatsangehörigkeit für verlustig erklärt worden sind. Wie dem Dezemberbülletin der American federation of News from Central Europe zu entnehmen ist, sind Sterbebescheinigungen für Personen, die in Theresienstadt verstorben sind öder von dort nach dem Osten transportiert wurden, beim Repatriierungsamt des Tschechischen Wohlfahrtsministeriums in Prag unter folgender Adresse erhältlich: « Repatriacni Odbor pri ministerstvu Ochrany prace a socialni pece, Praha II, Hybernska II, Tschechoslovakia. Für Personen, die in Frankreich gestorben sind oder von dort deportiert wurden, sind Todesbescheinigungen zu beantragen bei: Ministere des anciens combattons et victimes de la guerre, t 37 Rue de Bellechasse, Paris VII, France. Genaue Personalangaben, wie Geburtsdatum und Geburtsort, letzte ständige Adresse und, wenn möglich, Datüm der Deportation sollen den Anträgen auf Ausstellung' von Todesbescheinigungen beigelegt werden. (Nachricht der HIAS). Rundfunkansprache des Dr. Herbert Lewin, Köln Dr. Lewin hielt am Donnerstag, dem 6. Februar 1947, im Nordwestdeutschen Rundfunk einen Vortrag * über die „Atomenergie im Dienste der Medizin”. Die Ausführungen bewiesen das große Wissen und Können des früheren 1. Vorsitzenden der Synagogengemeinde, Köln. Wir freuen uns, feststellen zu können,. daß diese Rundfunkansprache in den weitesteh Kreisen Anklang gefunden hat, was uns die Menge der bei Dr. Lewin eingegangenen Briefe zeigte. Rom. Der italienische Ministerpräsident, de Gasperi übergab dem Vorsitzenden des Rates der jüdischen Gemeinden in Italien,. -Raphaelo Cantoni, eine schriftliche Erklärung, in der er u. a. schreibt: „Ich versichere Sie, daß es - der Wunsch der Regierung ist, jede mögliche Unterstützung den jüdischen Flüchtlingen, die sich in Notlage befinden, zu erteilen und mit Ihrer wichtigen Organisation in dieser Frage zusammenzuarbeiten”. (Ing.) Washington. Der Botschafter von Bolivien in den Vereinigten Staaten, Don Victor Andrade, versicherte dem Vertreter des „World Jewish Congres” in Washington, Dr. S. Irving Dverk, daß seine Regierung schnell und entschlossen gegen alle Erscheinungen der rassischen Diskriminierung handeln .wird. . Dr. Dvork war beim Botschafter vorstellig wegen eines Berichtes, nach dem in der Hauptstadt von Bolivien, La Pas, Plakate mit Drohungen gegen die Juden angeschlagen wurden. Signor Andrade erklärte, daß man solchen Ausschreitungen keine Bedeutung zuschreiben sollte, da dies nur die Arbeit einer winzigen Gruppe von Extremisten sei. New York. (ITA). Der,*, Joint” gibt bekannt, daß eine Grup-’ pe von 500 jüdischen Flüchtlingen auf 2 Schiffen Schanghai verließ, um sich nach den Vereinigten Staaten, Kanada und Südamerika, zu begeben. t ' (Ing.) Now York. Der frühere amerikanische Finanzminister Henry Morgenthau hat sich einverstanden erklärt, das Amt des Vorsitzenden des „United Jewish Appeal” zu übernehmen. Die Organisation unternahm die Aktion zur Sammlung von 170 Millionen Dollar im Jahre 1947. * In seiner Erklärung führt Morgenthau u. a. aus: „Das ame- * rikanische Volk hat alle Kräfte zusammengenommen, um die Gefahr, die Hitler für unsere Sicherheit und Freiheit vorstellte, zu zerstören. Es, ist daher richtig, wenn sich das Volk wünscht, daß diejenigen, die die ersten und tragischsten Opfer waren, die vollständige Sympathie und Hilfe genießen, bis sie ihren eigenen Weg finden werden. Ich habe das ehrenvolle Amt übernommen in der Erkenntnis, daß es die moralische Pflicht eines jeden Amerikaners*1 ist,' die übriggebliebenen Juden in Europa vor der Verzweiflung zu' retten”. (IngJ Stimmen unserer Leser: Aus der Fülle der Einsendungen unserer Leser in der Frage: „Die Juden und die V.V.N.”, greifen wir Nachstehende heraus und geben der Hoffnung Ausdruck, daß die sich an diese Veröffentlichung anschließenden Diskussionen nicht nur eine Klärung schaffen mögen, sondern auch eirt künftiges freundschaftliches Verstehen und Zusammenarbeiten mit sich bringen werden. — / Die Redaktion. Kurt Hecht, M.-Gladbach: ■ . Wir Juden und die V.V.N. Aus der Erkenntnis heraus, daß unsere Stellung zur und in der Organisation der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes nicht so ist, wie wir es uns gedacht haben, aus dieser alleine, will ich heute den Versuch machen.-die Gründe aufzuzeigen, die dazu führen, daß eine unvermeidliche Entfremdung eingetreten ist und -eintreten. mußte. Wir Juden sind mit wenigen Ausnahmen, nicht aus parteipolitischen Gründen, sondern nuf deshalb, weil wir Juden waren, in die K.Z.’s verschleppt und dort hingemordet worden. Das ist eine Tatsache, und wir sind weit davon entfernt, das heute bestreiten zu wollen. Unsere Glaubensgenossen zeigen heute weniger 'denn je Interesse, sich nach irgendeiner Seite hin parteilich zu binden. Sollte nun die Frage auftauchen, warum das in unserem Zeitalter so ist, dann ist die Antwort eine ganz einfache und wie mir scheint auch verständliche: Wir Juden sind jeder Politik gegenüber mißtrauisch geworden. Auch die Frage nach dem warum ist schnell beantwortet. Wif haben in all den Jahren, die hinter uns liegen, so gut wie alleine geständen und haben es mit Millionen von Opfern bezahlt. Es hat nur wenige gegeben, die auch aus den Reihen der Parteien, die uns einst nahe standen, offen auf unsere Seite getreten sind. Um so erstaunter sind wir heute, wenn man es uns anscheinend übel nimmt, wenn wir von Politik- und all den anderen Begleitumständen nichts wissen wollten. Unser Hauptinteresse liegt nicht darin, heute erzieherisch auf das - deutsche Volk zu wirken, dafür haben wir keine Nerven und die Eindrücke, die die Vergangenen Jahre in uns eingebrannt haben, sind noch zu frisch. Wir sehen unsere Hauptaufgabe nun darin, bevor wir uns einer anderen Aufgabe zuwenden, erst einmal das zurückzuerhalten, was man uns gegen alle guten Sitten, auch bis zum heutigen Tage vorenthält. Diesen Wunsch kann man nicht'als egoistisch oder egozentrisch bezeichnen, er ist die natürliche Reaktion dessen was man uns einst mit Gewalt nahm. Mir und auch vielen anderen von meinen Glaubensgenossen, scheint es nun so, und das ist eine vorsichtige Ausdrucksweise, als ob man uns unserer unpolitischen* Haltung wegen irgendwie über die Achsel hinweg ansieht und auch so behandelt. Man merkt die Absicht, und man ist verstimmt oder ist es besser ausgedrückt mit einem Zitat von Möricke? Wie heißt es doch gleich? Nachtigall ick hör dir trapsen . . . . Wir Juden aber sind schon aus unserer Geschichte und Veranlagung heraus wirkliche Demokraten und nicht nur dem Namen nach. Deshalb lassen wir uns auch in nichts hereinmanövrieren, wir verlangen gleiches Recht und gleiche Behandlung' Ist man dazu in Zukunft nicht gewillt, und versucht man, uns der kleinen Zahl wegen, an die Wand zu drücken, dann werden wif die Konsequenz zu ziehen wissen. '

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