Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone · 1947-02-21 · 22 (21.2.1947) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone
Volume
1 (1946-1947)
Issue
22 (21.2.1947)
Date
1947-02-21
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/9498581-9366319-9386244--255-9366251
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

i % 'ir in der britischen Zone in Bad Harzburg mWt/ *• mm mm Das Hotel „Emst August” in Bad Harzburg, dessen Besitzer einst die Familie Ohrenstein; war, hatte als jüdisches Hotel bis zum Jahre 1938 einen Ruf, der über "die Grenzen Deutschlands hinausging. Die Arisierung brachte auch einen Wechsel der Besitzer des früher so sehr beliebten Hotels „Emst August”.; Und nun — nachdem unsere Peiniger beseitigt sind und uns zumindest wieder das Recht zum Leben zurückgegeben wurde, trat wieder ein Besitzerwechsel ein. Der Initiative von Samuel Klein ist es zu verdanken, daß irr'einer, den heutigen Verhältnissen entsprechenden, kurzen Zeit ein jüdisches Erholungsheim entstanden ist, das sich sehen lassen kann. - Vor sechs Monaten war das Haus noch so gut wie ein Trümmerhaufen. Und wenn man es heute betritt, hat man den Eindruck, daß es überhaupt nie durch .Kriegseinwirkung gelitten hat. Es strahlt eine Wärme aus, warm einmal im wahrsten Sinne des Wortes, denn es ist erfreulicherweise wirklich gut geheizt, warm aber auch durch seine Auf- ' machung, durch die. Liebe, mit der offensichtlich alles eingerichtet und dahingestellt wurde. . Den Einladungen, die die Jewish Relief Unit versandte, sind aus allen Gegenden der britischen Zone die Vorsitzenden der Gemeinden, der Landesverbände und der jüdischen Organisationen gefolgt.. Trotz 16 Grad Kälte, trotz Schneewehen kamen die ersten der geladenen Ehrengäste schon am 25. Januar in Bad Harzburg an. Und wir hatten. einen besonderen Anlaß der Freude, führende jüdische Persönlichkeiten begrüßen zu können, die eigens aus London gekommen waren, Um die Einweihungsfeierlichkeiten vorzunehmen, oder um derselben beizuwohnen.'. — Der Chef- Rabbiner _ der britischen Armee, , Rabbi J. Brodie, hat den langen Weg von London nicht gescheut, um einmal in seiner Eigenschaft als Chef-Rabbiner jder britischen Armee dann” aber auch als Vertreter des englischen Chefrabbiners die Einweihung zu leiten und die Grüße der englischen Juden zu überbringen. Der Jewish Relief Unit in Deutschland hatte ihre führenden Köpfe entsandt.. V Die Vertreterin der Jewish Relief Unit im jüdischen Erholungsheim in Bad Harzburg, M>11 i Polatchek. hat hervorragenden Anteil an dem Aufbau und den Vorbereitungen zu dieser Einweihungsfeierlichkeit. In unermüdlieher Arbeit hat sie viele .Tage und Nächte geopfert, um dafür zu sorgen, daß alles programmgemäß abläuft. Unter Führung von Egon Fink war«i eine Reihe hervorragender Mitarbeiter des American Joint Distribution .Committee vertreten. Die UNRRA hat sich vertreten lassen durch Col. Dawson, dem auch einige weitere Mitarbeiter der UNRRA zur Verfügung standen. Joseph Rösensaft war als Leiter des Jüdischen Central Committees aus Bergen- Belsen gekommen und hatte in seiner Begleitung die Journalisten der Belsener Lagerzeitung und eine Reihe von seinen Freunden und Mitarbeitern. Herr Katz aus Bremen kam als stellvertretender Leiter des Zonenrates der britischen Zone. Col. Thickness, stellvertretender Chef der P.W.D.P. vom Kontrollrat Berlin, war persönlich erschienen und Dr. Kurt Levin, der Leiter der Jüdischere Palästina-Agentur in der britischen. Zone war mit einigen seiner Mitarbeiter ebenfalls gekommen. Landrat Ossenkopf kam als Vertreter des Staates und Bürgermeister Nordmann für' die Stadt Harzburg. Neben diesen Genannten zählten noch eine Reihe von Offizieren. und viele führende Vertreter der Juden in Deutschland zu den Ehrengästen. Die Jewish Relief Unit hat'nach englischem Muster dafür gesorgt, daß vor Beginn der, Festlichkeit die Ehrengäste in die alte gute Zeit versetzt wurden: An einer improvisiert auf gestellten. Bar würden die feinsten Liköre, Cognaks und Whisky verabreicht. Wir verraten bestimmt kein Geheimnis, wenn wir sagen, daß sich die Angehörigen der Jewish Relief Unit diese Flaschen „vom Mund abgespart haben”, um ihren Freunden eine Freude bereiten zu können. Pünktlich drei Uhr nachmittags ertönten aus dem , großen Saal des, Heimes die Klänge des Eipzugsmarsches von Mendelssohn, die das Zeichen dafür waren, daß die Ehrengäste sich formiertep und sich in den Vorraum des Saales begaben, ‘ Dort wurden sie erwartet von dem Ghefrabbiner J. Brodie, dem Rabbiner der Jewish Relief Unit, Dr. Carlebach und einem in der britischen Zone stationierten jüdischen Feldrabbiner in Fliegeruniform. Dr. Carlebach spfach das erste Gebet, dem sich der Rabbi Brodie 'anschloß, und dem wieder folgte ein drittes von dem jungen Feldrabbiner gesprochenes Gebet. Dr. Carlebach befestigte dann die Mesussah an dem Pfosten der Tür und sprach den Segensspruch,. der mit einem „Amen” . aller Anwesenden erwidert wurde. Dann forderte Samuel Klein Sie, Keith ^Joseph, der als. Vertreter des Central British Fund erschienen war. auf, mit dem ihm übergebenen Schlüssel die Tür zu öffnen und dann betraten die ersten Ehrengäste den großen, mit hebräischen Sprüchen, - Bildern und Blumen geschmückten Saal. Der Saal war überfüllt, als Samuel Klein seine Begrüßungsansprache hielt Er schilderte die Schwierigkeiten, unter denen die Wiederinstandsetzung des Erholungsheimes durchgeführt werden konnte. Er dankte der Militärregierung, der Stadtverwaltung und dein Landrat für die Unterstützung, die man ihm in jeder Beziehung gewährt hatte. Er dankte seinen Mitarbeitern und er dankte den Hilfsorganisationen, der Jewish Relief Unit' und dem American Joint Distribution Committee. Herr Klein, schilderte, wie sich die Führung des Erholungsheimes gestalten soll, „Wir wollen diesen Menschen wenigstens vorübergehend”, so sagte Herr Klein, „einen Ersatz für ihre Hölmat, die sie schon so lange vermissen, bieten und wollen hoffen, daß sie, sobald sie genesen sind, endlich wieder , eine dauernde Heimat finden werden.” Dudley Osbopne, stellvertretende^ Chef, der Jewish Relief Unit begrüßte dann seinerseits die Anwesenden und. gab seiher Freude darüber Ausdruck, daß es gelungen ist, mit diesem Erholungsheim einen ersten sichtbaren Beweis der Bereitwilligkeit zur Hilfe zu liefern. Er gedachte der Hilfe, die der American Joint und die UNRRA wie auch die Militärregierung geleistet haben. Er gab seiner Hoffnung AusL druck, daß alle, die kommen werden, um die Gesundheit rrrri Jüdisches Erholungsheim in Bad Harzburg r äIIPII

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.